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E_1930_Zeitung_Nr.017

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 28. Februar 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 17 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozusehlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainsir. 97, Bern •ofern nicht postamtlich bestellt. Zusehlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnunp II1/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Ein gutes Omen Wie wir bereits in der letzten Nummer der « Automobil-Revue » mitteilen kannten, hat über der kantonalen Volksabstimmung in Schwyz ein guter Stern geleuchtet. Mit 6206 gegen 2556 Stimmen ist das Gesetz über den Strassenausbau angenommen worden. Es wäre unrecht, wollten wir der tapfern Schwyzer Bevölkerung für ihren grosszügigen Entscheid nicht ein wohlverdientes Kränzlein winden. Man weiss, dass gerade unsere kleinen Kantone mit Qlücksgütern nicht gesegnet sind und dass ihre Finanzsäckel gewöhnlich eine bedenkliche Leere aufweisen. Wird in Zukunft mit der in der ganzen Schweiz lange Zeit wohl bekannten Bussenpraxis im kleinen Ländchen Schwyz endgültig aufgeräumt, so dürfte sicherlich der Entscheid vom 23. Februar dem Ländchen Schwyz und damit seiner Bevölkerung in erfreulichem Masse zugute kommen. Das Strassenverkehrsgesetz ermächtigt den Regierungsrat, die Kantonsstrassen den Verkehrsbedürfnissen entsprechend auszubauen. In allererster Linie sollen die wichtigsten Durchgangsstrassen an die Reihe kommen, haben sie doch den grössten Verkehr auszuhalten. Die Kostendeckung ist durch eine Anleihe vorgesehen. Zwei Millionen sollen flüssig gemacht werden, um an den Ausbau der Durchgangsstrassen Meggen-Küssnacht-Arth- Brjwnen-Urnergrenze und Richterswil-Pfäffi-. kon-Keichenburg schreiten zu können. Die jährlichen Benzinzollerträgnisse, die in steigender Kurve begriffen sind, sowie der Ertrag der Motorfahrzeuggebühren und der Baggereibewilligungsgelder sollen das Anleihen verzinsen und in kurzer Frist amortisieren- Nach 8 Jahren soll das Loch wieder gestopft sein. Ferner ist vorgesehen, dass eine weitere Million flüssig gemacht wird, sobald die Autömobiltaxen eine Erhöhung erfahren haben werden und zwei weitere Millionen sollen gewährt werden, wenn das veraltete Vermögenssteuersystem durch ein modernes Einkommensteuergesetz ersetzt sein wird. Also die Schwyzer haben es brav gemacht; wie ihre Altvordern haben sie einen kühnen Wurf gewagt und haben vor einer Aussähe von 5—6 Millionen nicht' zurückgescheut, um ihre Strassen den modernen Bedürfnissen ' anzupassen. Sie werden es sicherlich nicht zu bereuen haben, wird doch der Ausbau des schwyzerischen Strassennetzes eminent dazu beitragen, den einheimischen wie auch den fremden Touristenverkehr in ihr Land zu führen. Wenn auch nicht jedes Automobil im Kanton Schwyz stationieren wird, so darf doch mit aller Bestimmtheit damit Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (20. Fortsetzung) In dieser Sache haben wir es nun zuerst mit dem belastenden Auftreten des jungen Gjaernaes zu tun, das geradezu auf eine Teilnahme an der Ermordung des Forstmeisters hindeutet, dann mit dem Morde, und dann.mit dem eisernen Wagen, der auch mit der Sache im Zusammenhange zu stehen scheint. Solange ich bei meinen Schlussfolgerungen von der Voraussetzung ausging, dass diese drei Vorgänge zusammengehörten, stiess ich immer nur auf Wirrwarr und wieder auf Wirrwarr, aber sowie ich begann, die einzelnen Dinge auszuscheiden, die Verwicklungen des Rätsels zu entwirren, wurde das Ganze durchsichtiger. Lieber Freund, wir haben es nicht nur mit einer Sache zu tun — sondern mit drei verschiedenen Dingen. Die Saohe von dem jungen und alten Gjaernaes ist eine Angelegenheit für sich, der eiserne Wagen ist auch eine Angelegenheit für sich.» «Und dann die Morde,» warf ich ein. «Der Mord.» berichtigte der Detektiv, «denn gerechnet werden, dass vom grossen Goldstrom, der in die Schweiz fliesst, auch ein Nebenflüsslein den Kanton Schwyz erreicher wird. Ebenso bedeutungsvoll ist das mit. dem ersten in Zusammenhang stehende Stmssensubventionsgesetz, das eine Erhöhung der Subventionssumme an die Gemeinden von jährlich 30,000 Fr. vorsieht. Es ist.dies ein Gesetz, das wesentlich dazu beitragen wird, um der Staubplage energischer auf den Leib rücken zu können. Der Schwyzer Souverän hat es mit 6315 gegen 2398 Stimmen angenommen. Darnach leistet der Kanton in Zukunft pro Kilometer an die in drei Klassen eingeteilten Strassen 150 Franken für erste Klasse bis 80 Franken dritter Klasse, was für die kleinen finanzschwachen Gemeinden immerhin von einiger Bedeutung sein dürfte. Der Abstimmungstag vom 23. Februar hat gezeigt, dass der Kanton Schwyz gewillt ist, auf neuen Wegen und bessern Strassen zu marschieren. Seien wir dessen froh und hoffen wir, dass es nicht mehr allzu lange gehe, bis durch Einführung eines neuen Steuergesetzes noch ein weiterer Schritt vorwärts getan werden kann. Das Schwyzer Volk hat am letzten Sonntag im Interesse seiner, wirtschaftlichen Selbsterhaltung einen recht klugen und fortschrittlichen Entscheid gefällt. x Strassenpolltik Im Süden. Man weiss, dass im Reiche Mussolinis tüchtig gearbeitet wird und dass der italienische Diktator alles daran setzt, um sein Land einer bessern wirtschaftlichen Zukunft entgegenzuführen. Man kann sich zu diesem Manne politisch einstellen wie man will, eines ist sicher: mit klarem Auge hat er die fundamentale Wichtigkeit eines wohlausgebauten Strassennetzes erfasst. Italien ist heute das Land, das nicht nur mehr über geordnete Eisenbahnverhältnisse verfügt, sondern sich ein Strassennetz aneignet, das in wenigen Jahren für alle übrigen Länder vorbildlich sein dürfte. Auf dem Gebiete der Automobilstrassen ist es bahnbrechend vorangegangen. Mussolini verbindet aber mit seinem wirtschaftlichen Ziele auch militärpolitische Bestrebungen. Wenn auch die italienischen Diplomaten an keiner internationalen Konferenz fehlen, da über sogenante Abrüstung gesprochen wird, so verfolgt Mussolini doch den alten lateinischen Wahrspruch, dass nur ein gewappnetes Land den Frieden garantieren kann. Es ist deshalb ganz klar, dass der fortwährende Ausbau der italienischen Gebirgsstrassen nicht nur dem Verkehr, sondern auch der militärischen Bereitschaft des Landes es handelt sich nur um einen. Der alte Gjaernaes wurde nicht ermordet, nur der Forstmeister.» «Aber ahnen Sie denn nicht, wer den Forstmeister erschlagen hat?» fragte ich. «Jawohl, doch,» erwiderte Asbjörn Krag, «ich könnte noch heute hingehen und mit Fingern auf ihn zeigen.» Der Detektiv verliess rasch mein Zimmer und rief zu mir hinein: «Ich sitze hier und warte auf Sie. Sie müssen sich nun beeilen, denn wir haben um sechs Uhr Ebbe.» «Versprechen Sie mir also, dass ich den' eisernen Wagen zu sehen bekomme?» fragte ich neugierig. «Ich will tun, was ich kann,» erwiderte er. Ich glaube, Sie können so manches, was andere Menschen nicht vermögen,» rief ich zu ihm hinaus. «Sie sind ja ein reiner Zauberkünstler.» «Ich bin nur ein Mensch,» antwortete Asbjörn Krag, «aber ich irre mich selten. Beeilen Sie sich bitte.» Rasch zog ich mich an. Ich fieberte förmlich. War dies die Spannung infolge der Erzhlung des Detektivs oder war es die Reaktion nach der Ohnmacht? Sicher trug alles beides die Schuld daran. Jedenfalls war es dient. Uebrigens wird unsere Ansicht durch einen Aufsatz des Generals Bobbio in der « Rivista Militare Italiana » bestätigt, wo die betreffende massgebende militärische Persönlichkeit auf die ausserordentliche Wichtigkeit gut ausgebauter Gebirgsstrassen für einen Gebirgskrieg und die ersten einleitenden Operationen hinweist. Der italienische General hat nicht unrecht. Die Kriegsgeschichte aller Zeiten lehrt uns, dass die ersten Stunden eines beginnenden Krieges, der erste glückliche Sprung in Feindesland alle spätem Operationen vorbereiten und dem Waffengang die entscheidende Wendung geben können. Deshalb kommt der betreffende General in seinem Aufsatz auch zur Schlussfolgerung, dass es gelte, die Alpen militärisch für den Krieg derart vorzubereiten, dass die Manövrierfähigkeit der Truppen aufs höchste ausgenützt werden könne. Der kontinuierliche Ausbau der italienischen Gebirgsstrassen bis an unsere Grenze und die mutmassliche offizielle Kundgebung des Generals Bobbio sollten für uns aufklärend genug wirken. Es hat keinen Sinn — man gestatte uns, darauf hinzuweisen — den Kopf in den Sand zu stecken, um den Friedensapostel spielen zu wollen. Es hätte jedoch auch keinen Sinn, über die italienischen Massnahiren deswegen das Herz zu verlieren. Aber es ist notwendig, dass man auch bei uns darüber offen spreche und dass die Behörden die Vorgänge in Italien genau verfolgen und sich entsprechend einrichten. Die «Äntomobil-Revue» hat zu verschiedenen Malen die Gelegenheit wahrgenommen, im Interesse der Selbsterhaltung unseres Landes auf die Wichtigkeit des Ausbaues unseres Alpenstrassennetzes hinzuweisen. Wir wissen genau, dass der Ausbau solcher Strassen gewaltige Summen verschlingt. Wir wissen auch, dass unsere Bahnen ängstlich darüber wachen, dass ihnen ja keine Konkurrenz entstehe. Aber Aengstlichkeit und egoistische Interessen waren noch nie leitende Gedanken staatspolitischer Natur. In militärpolitischer Hinsicht war die Festlegung unserer Eisenbahnschienen auf rein elektrische Kraft ein gewagtes Unternehmen. Elektrische Leitungen können in einem eventuellen Kriege sofort zerstört werden. Wir brauchen deshalb als Ersatz die Strasse. Die Strasse, welche für die Manövrierfähigkeit unserer Truppen und für deren Nach- und Rückschub sorgt. Strassenprobleme wie Sanetsch, Pragel, Segnes und andere mehr sind deshalb nicht Hirngespinste einiger weniger Männer, sondern Projekte, die dazu dienen würden, nicht nur in volkswirtschaftlicher Hinsicht allen grössten Nutzen zu bringen, sondern auch die Schlagfertigkeit unserer Armee wesentlich zu steigern. Man vergesse dies in unsern obersten Behörden nicht. Ein offenes Wort mir klar, dass ich mich sehr freute, aus dem Zimmer herauszukommen. Asbjörn Krags ewiges, aufregendes Gerede von dem alten toten Manne, von dem Morde, vom eisernen Wagen hatte mich nach und nach stark niedergedrückt. So kam es, dass es in meinem Zimmer nach Kampfer duftete, während die See draussen durch mein Fenster hellblau hereinleuchtete. Endlich war ich fertig. Asbjörn- Krag sass auf einem Stein am Wege und wartete... ...Es kam schliesslich darauf hinaus, dass ich den eisernen Wagen nicht zu sehen bekam, und auch das Geheimnis, das dieses Unglück bringende Fuhrwerk umgab, nicht gelöst wurde. Aber es war mir doch ein Trost, dass Asbjörn Krag anscheinend ebenso enttäuscht war wie ich selber. Der Detektiv führte mich über die Heide hin zu der Stelle, wo wir in der vorhergehenden Nacht den eisernen Wagen zum Meere hinunterrollen gehört hatten. Es war ganz ruhig geworden. Vor dem Strande lagen einige kleine Boote, mittels deren man das Meer unter Zuhilfenahme von langen Stangen und Lotleinen untersuchte. «Suchen sie den eisernen Wagen?» fragte ich. Asbjörn Krag nickte. «Er ist hier heruntergefallen.» INSERT1O\S-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctj. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern über diese wenn auch ein wenig heikle Frage wäre einmal gegeben. ©• Verbesserung der Niveau-Uebergänge. In Nummer 4 der Zeitschrift für Strassenwesen nimmt sich Ing. C. Kirchhofer, St. Gallen, in verdankenswerter Weise eines sonst recht vernachlässigten Problems an. Des Problems der Verbesserung der Strassenfahrbahn bei Niveaukreuzungen mit der Eisenbahn. Jeder Automobilist weiss, dass es in, dieser Hinsicht an unzähligen Stelle unseres Landes noch zu verbessern gibt und dass solche Verbesserungen ein unbedingtes Erfordernis des modernen Verkehrs darstellen, solange man sich nicht dazu entschliessea kann, die Niveauübergänge überhaupt abzuschaffen. Dass es nicht unmöglich ist, Niveaukreuzungen von Strassen mit der Eisenbahn wirklich eben zu gestalten, haben die Ingenieure des Aus'andes längst bewiesen. Bei uns aber trifft man noch auf jeder Tagestour auf Uebergänge mit geradezu Hindernis-Charakter. Die Warnungstafel, die einen auf das zu erwartend© Hindernis aufmerksam macht, ist ja an und für sich recht und gut. Ebensowenig wie man eine Wunde durch ein aufgelegtes Plästerchen zum Verschwinden bringen kann, darf man aber das Verkehrshemmnis des holprigen Ueberganga damit als behoben und erledigt betrachten» Schon vor vielen Jahren haben die kantd* nalen Baudirektoren an Konferenzen 4te Forderung aufgestellt, dass auch das zwischen den Eisenbahngeleisen liegende und beidsei-": tig an diese anschliessende Strassenfahrbahnstück mit einem harten Belag zu versehen und auf die Höhe der Schienenoberkante einzuebnen sei. Eine solche Einebnung: bedingt aber die Anwendung einer Leitschiene auf der Innenseite der Geleise, weil sonst der zwischen den Ge'eisen befindliche Fahrbahnbelag nach und nach an die Schienen herangewalzt wird und dabei, wie die Eisenbahnfachleute befürchten zu müssen glauben, die Fahrsicherheit der Eisenbahn beeinträchtigen könnte. Aber auch die Leitschiene, die den Spurkränzen der Eisenbahnfahrzeuge eine Rille freihalten soll, scheint den massgebenden Stellen der Bundesbahnen noch ein Dorn im Auge zu sein. Es wird gegen sie ins Feld geführt, dass der dann zwischen der Fahrschiene und der Leitschiene entstehende Zwischenraum für Tiere und eventuell auch Menschen zur Falle werden könnte, dass ferner die Möglichkeit be-* stehe, dass sich in der so erzeugten Spurrille Eis fc-lde oder Steine einklemmen, was die Fahrsicherheit der Eisenbahnfahrzeuge wiederum unzu'ässig vermindere. Schliess- Asbjörn Krag leitete die Untersuchung etwa eine Stunde. Allmählich wurde er missmutig, denn er fand nichts. Dabei fing das Wasser wieder an zu steigen, und der Detektiv war gezwungen, die Arbeiten für diesen Tag einzustellen. «Schlechte Geräte,» brummte er ärgerlich, «ich bin genötigt, nach Christiana zu telegraphieren.» Er schrieb ein Telegramm und sandte einen Boten damit nach der Haltestelle. Dann gingtn wir nach dem Hotel zurück. Es begann bereits zu dämmern. Asbjörn Krag, der während des ganzen Nachmittags so ausserordentlich und auffallend redselig gewesen war, wurde nun wortkarg. Inzwischen bekam ich doch zu erfahren, dass die Leiche des alten Gjaernaes nach dem Edelhof gebracht war und dass der Sohn bereits morgen nach der Hauptstadt reisen wollte, um die Sache mit der Versicherungsanstalt in Ordnung zu bringen. Als wir auf die Veranda des Hotels-kamen, die von Gästen wimmelte, flüsterte ich Asb- Jörn Krag ins Ohr: «Wollen Sie mir nicht den Verbrecher zeigen?» Aber der Detektiv schüttelte nur den Kopf. «Noch nicht,» sagte er. (Fortsetzung toigtj