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E_1930_Zeitung_Nr.017

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Deutsche Reichsbahn

Deutsche Reichsbahn gegen Motorwagenverkehr. Wie die Bundesbahnen ,• in der Schweiz, so führt auch die Deutsche Reichsbahngesellschaft einen scharfen Kampf gegen die Autokonkurrenz. Sie erliess« Ende Januar eine Denkschrift, in welcher die Mindereinnahmen, welche durch den Wettbewerb des Automobils entstanden seien, auf nicht, weniger als 410 Millionen Mark beziffert werden. Im dritten Kapitel der Denkschrift wird der Standpunkt der Reichsbahn näher umschrieben und darin vor allem betont, dass die Autokonkurrenz die Basis des deutschen Gütertarifsystems unterwühle. Nun ist aber zu sagen, dass man wohl nicht von einem eigentlichen Tarifsystem reden kann. Denn ein solches Tarifsystejn müsste wie folgt lauten : Man würde ohne Rücksicht auf die Warengattung zu den Selbstkosten pro Tonne 10 Prozent als Verdienst zuzählen und hätte somit den Tarifansatz. Das deutsche «System» ist aber ausserordentlich kompliziert und von mancherlei sozia en Gesichtspunkten beeinflusst: Untertarifierung von lebenswichtigen Massengütern und von Produkten aller Industrien, die wirtschaftlich ungünstig gelegen sind. Die hochwertigen Stückgüter werden dagegen übertarifiert. Die Erfahrung zeigt, dass eine Konkurrenz zwischen Auto und Bahn zur Hauptsache nur bei den übertarifierten Gütern stattfindet. Würde nun die Reichsbahn vom Uebertarif zum natürlichen Tarif zurückgehen, so würde das umstürzende Folgen haben, denn eine Tariferhöhung für die heute untertarifierten Lebensmittel und Baustoffe wäre nicht zu umgehen, wenn die Reichsbahn nicht mit grossen Verlusten arbeiten sollte. Auch die Sonderstellung, welche einzelnen ungünstig gelegenen Industrien geboten wird, Hesse sich bei Herabsetzung der Uebertarife für hochwertige Stückgüter nicht länger halten, was wiederum Störungen im deutschen Wirtschaftsleben zur Folge hätte. Die Denkschrift der Deutschen Reichsbahngesellschaft ist teilweise so abgefasst, dass die « bewährte Eisenbahn » dem « Neuling Auto» vergleichsweise gegenübergestellt wird. Es ist wirtschaftlich unklug, in einem solchen Tone die beiden Verkehrsmittel einander gegenüberzustellen, denn jedes findet innerhalb der Volkswirtschaft eines Landes seinen Platz, der ihm nach seinen Leistungen zukommt. Die Eisenbahn hat Wir nahen seinerzeit über einen Riesen-Bau einer stände ist. Die Autos werden mittels elektrischen aufbefördert. Ausblick aus der Pariser Garage seinerzeit die Postkutsche verdrängt. Heute versucht das Automobil im Verkehr sich seinen gebührenden Platz zu erobern, ohne dass es in seiner Absicht liegt, die Eisenbahn ganz zu verdrängen. Abgesehen von der Unmöglichkeit eines derartigen Unterfangens, muss doch jedem vernünftigen Menschen klar sein, dass ein Vergleich für jedes der beiden Verkehrsmittel eine spezifische Eignung ergibt. Der Grossstrecken-Transport und der Massentransport bleibt nach wie vor beinahe ausschliessliches Monopol, der Eisenbahn. Hingegen wird man dem Automobil eine besondere Eignung für den Kurzstreckendienst, für den Dienst in bahnlose Gegenden, sowie für den Stückgüterverkehr von Haus zu Haus zusprechen müssen. Das Schlagwort « Auto gegen Eisenbahn » entbehrt also einer tiefern wirtschaftlichen Begründung. Aus der Denkschrift geht weiter hervor, wie eigentlich die Fragestellung heissen soll: « Natürliches Tarifsystem » oder «sozial differenziertes Tarifsystem ? » So könnte für die deutschen Verhältnisse die Kernfrage gestellt werden. Die Eisenbahn kann nun AUTOMOBTL-RCVDC 1930 - N» 17 Grossgarage aus Glas Garage berichtet, die 5000 Wagen zu fassen im- Aufzügen in die verschiedenen Stockwerke hindurch die crossen Glasfenster auf die Strasse. das sozial differenzierte Tarifsystem, welches gegenwärtig in Anwendung steht, nicht ohne weiteres in ein natürliches Tarifsystem umändern, wie es beispielsweise für den Verkehr von Stückgütern mit Automobilen gehalten wird. Es ist aus dem Gesagten die Unterbietung der übertarifierten Stückgüteransätze der Eisenbahnen durch das Auto ersichtlich. Auf der andern Seite erkennt man ohne weiteres, wie die Eisenbahnen für Fern- und Massentransporte das Automobil durch Untertarife in den Nachteil versetzen. Verschiedentlich wurden gleiche Rechte und gleiche Lasten für Automobil und Eisenbahn verlangt. Es würde für beide Verkehrsmittel die Annahme neuer Tarifsysteme nach sich ziehen. Bis zum Zeitpunkte, da Auto und Eisenbahn gelernt haben, einander in die Hände zu arbeiten, wird wohl kaum an eine Aenderung des Tarifsystems bei den Eisenbahnen zu denken sein. Einen wesentlichen Einfluss auf diese Kernfrage hat die technische Ueberholung des Automobils gegenüber der Eisenbahn (auch umgekehrt) ausgeübt. Die grössere Ueberlegenheit des Automobils zeigt sich durch grössere Beförderungsbequerrüichkeiten, grössere Häufigkeiten der Kurse, direktes Erreichen eines Endzieles, Vermeidung des Umladens oder Umsteigens. In vielen Fällen ist die Bahn in ihrer Verkehrsgestaltung zurückgeblieben. Hat da das Auto nicht das natürliche Recht, die Lücke in der Verkehrsgestaltung der Eisenbahn auszufüllen und Verkehrsmöglichkeiten zu schaffen, die allgemeinen Wünschen entsprechen ? Die Eisenbahnen müssen für ihre Unterlassungssünden büssen. Das ist nicht mehr als angebracht. Wenn das Automobil heute in vielen Gegenden populärer ist als die Eisenbahn, darf es nicht weiter verwundern. Es ist auch verständlich, wenn eine Eisenbahngesellschaft nicht alle Verkehrswünsche erfülien oder Linien in schwach bevölkerte Gegenden bauen will, die zum vorneherein Defizite vermuten lassen. Es ist aber sinnlos, dem Auto das Vordringen zu hemmen oder dasselbe für Ausfälle verantwortlich zu machen, wie es die deutsche Reichsbahngesellschaft in ihrer Denkschrift versucht. Der Ausfall von 410 Millionen Reichsmark 1 darf daher nicht mit seinem vollen Betrag in das Schuldkonto des Automobils verbucht werden. Statt sich auf einen zum Teil recht aussichtslosen Kampf zu versteifen, würde die Deutsche Reichsbahn zweckmässiger versuchen, fortschrittlichen Geist zu beweisen, mit alten Gewohnheiten aufzuräumen und hi aüen Beziehungen sich einer grössern Beweglichkeit zu bestreben. Die negative Bekämpfung des Automobils durch die Deutsche Reichsbahn, durch Denkschriften und automobilfeindliche Massnahmen, zeugt nicht von weittragender Klugheit. Viel günstiger erachten wir im Interesse der gesamten Volkswirtschaft die positive Bekämpfung vor allem durch neue Versuche zur Verbesserung des Verkehrs, durch Organisationsänderungen innerhalb der Bahngesellschaft selber. Dann wird die Gesamtheit des Volkes Nutzen tragen und die Bahn zweifellos nicht schlechter abschneiden. Wir wünschen einen, Kampf durch Angriff, statt durch Abwehr, durch fortschrittliche Massnahmen, nicht durch Erdrosselung. La. Ein Seefussweg von RichterswÜ nach Bach soll geplant sein. Dieser Spazierweg, der eine prächtige Fortsetzung der zu erstellenden Quaianlagen in Richterswil wäre, dürfte nicht nur eine geradezu ideale Fussverbindung zwischen Richterswil und Bach darstellen, sondern würde auch sehr zur Entlastung der Hauptstrasse beitragen. rsm. SÄ« Auch an VERLAG TECHNISCHE RUNDSCHAU. BERN

N°17 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE Indusfvie unefl Das Beleuchtungsproblem jehört, wie wir an dieser Stelle erst kürzlich auszuführen Gelegenheit hatten, noch nicht zu den vollständig abgeklärten Fragen im Automobilbau. Beachtenswert sind aber die Anstrengungen, welche auf der ganzen Linie unternommen werden, um auch die Beleuchtung des Wagens seiner übrigen Vollkommenheit anzupassen. Seit mehr als Jahresfrist ist eino Zürcher Unternehmung mit der Ausarbeitung eines neuen Bcieuchtungssystems beschäftigt, für das sie die nötigen Patente in aen meisten europäischen Gtaaten besitzt. Das Prinzip ist verblüffend in seiner Einfachheit. Die Scheinwerfer werden über «"»•••••i der Sehlinie des Fähiers; nämlich 'aÜ der' vorderen' Dachkante, montiert. Mittels eines in unmittelbarer Nähe des Steuerrades befindlichen Hebels "können nun die beiden Lampen nach jeder beliebigen Richtung abgedreht werden. Auf diese Weise Vereinigt das eine Scheinwerferpaar : in sich dte • Funk* tionen aller übrigen Hilfslampen. Die Abblendung zum Beispiel erfolgt einfach. ao. dass die beiden Lichtquellen mehr nach vorn geneigt Werden und' dabei die vordere Struktur des Wagene so gut beleuchten, dass jedes entgegenkommende Fahrzeug schon auf weite Distanz die genaue Breite und Position des betreffenden Autos auf der Strasse beurteilen kann. Zudem wird durch die höher gelegene Lichtquelle die Strasse in genügender Weite vor dem Fahrzeug in ihrer gesamten Breite gleiehmaesig gut beleuchtet Und erst .die Augen! Wir wissen, dass der plötzliche Wechsel von ere!l»r Beleuchtung auf Dunkel die ' Sehnerven 'übermässig beansprucht und der Fahrer im ersten Moment überhaupt nichts sieht, bis sich das Auge wieder an die neue Umgebung gewöhnt hat. Da beim Frey-Licht die Abblendung aber durch Kippen der Scheinwerfer erfolgt, so bleibt die Lichtstärke die nämliche, an welche sich das Auge schoa gewöhnt -bat. Bei der Befahrung von Kurven kann das Licht mit mathematischer Genauigkeit immer dem Radius des betreffenden Strassenbogens angepasst werden, wirkt also gleichzeitig als Hauptscheinwerfer und Kurvenlampe. Wesentlich ist bei dieser Konstruktion auch der Umstand, dass bereits bestehende Lichtanlagen in kurzer Zeit' umgebaut werden können und dabei ,die bisherigen Lampen zur Verwendung gelangen an Das System ist also Srn kein bestimmtes Lampenfabrkat gebunden, da ja die versi-hipflfnen Beleuchtungseffektc nicht durch die Lampe. sondern einfach durch deren verschiedenartige Position erj wirkt werden. Für den einen oder andern ist dia neuartige Lage der Scheinwerfer am Dach gegenüber der bisherigen Standardmontage beidseitig der Kühlerfront vielleicht etwas ungewohnt. Wen« wir aber bedenken, -welche Wandlungen die Karosserieform schon durchgemacht hat. so wird dies« verhältnistnässig unbedeutende Abweichung vom bisher Ueblichen kaum in die Waagschale fallen, ins« besondere als damit doch wesentliche Vorteile verbunden sind. Wie wir erfahren, haben Behörden und Verwaltungen diese Neuerung an Personenund Lastwagen schon vielfach ausprobiert unii werden demnächst verschiedenerorts städtisch« Omnibusse und im öffentlichen Dienst stehend« Personenfahrzeuge mit der neuartigen Beleuchtungsanlage ausrüsten. Wochenprogramm 9« röhr A M5r7 ZÜRICH: STADTTHEATERS Fr.t abends 8 Uhr: Der Zigeunerbaron. . Sa.: abends 8 Uhr: Die erste Beste. So.: nachm. 3 Uhr: Die ZauDcrflo'te. abends 8 Uhr: Polenblut. Mo.: abends 8 Uhr: Dramatischer Verein: En dunkle Punkt. Di.: Schülervorstellung. SCHAUSPIELHAUS: Fr.: abends 8"/, Uhr: Di« Füllte««. Sa.: abends 8Vi Uhr: Geschält mit Amerika. So.: nachm. 3'/, Uhr: Arm wie eine Kirchenmaus. abends 8V« Uhr: Weekend im Paradies. Mo,: abends 8 1 /, Uhr: Geschäft mit Amerika. Di.: abends 8'/i Uhr: Weh dem der lügt CORSO: Die Schlager- Operette: No, no, Namtte. CINEMA APOLLO: 3. Woche prolongiert: Hai-Tang, deutsch. Sprechund Tonfilm mit Anna May Wong.