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E_1930_Zeitung_Nr.017

E_1930_Zeitung_Nr.017

•• AUTOMOBIL-REVUE

•• AUTOMOBIL-REVUE 1930 - 17 Gemeinden haften für fehlerhafte (Aus dem Bundesgericht.) Nach Art. 58 des Obligationenrechts hat -der Eigentümer eines Gebäudes oder eines andern Werkes den Schaden zu ersetzen, den diese infoige von fehlerhafter Anlage oder Herstellung oder von mangelhafter Unterhaltung verursachen. In einem grundsätzlichen .Entscheide vom 20. Februar hat das Bundesgericht auf Grund dieser Gesetzesbestimmung •eine Schadenersatzklage gegen die Einwohnergemeinde Biel gutgeheissen, weil ein da- .selbst an der Ecke Mühlestrasse-Poststrasse erfolgter Zusammenstoss zwischen einem •Lastauto und einem Tramwagen nur zum Teil -der Fahrlässigkeit des Chauffeurs, zum Teil •aber der verfehlten Strassen- und Tramanlage an jener Stelle zugeschrieben wurde. Das die Mühlestrasse durchziehende Tramgeleise näherte sich nämlich — die Stelle ist nach dem Unfall korrigiert worden — bei der Einmündung in die Poststrasse dem Trottoir bis auf 1 m 60, so dass ein Fuhrwerk nicht .zwischen einem Tramwagen und dem Trottoir durchfahren kann; auch ist die Uebersicht an jener Stelle durch die Mauer eines -Schuppens behindert. Der Lastwagenchauffeur fuhr mit 12—15 km Geschwindigkeit in die gefährliche Strassenbiegung, sah sich auf wenige Meter Entfernung einem'entgegenfahrenden Tramwagen gegenüber, gab »Gas, anstatt anzuhalten, und der Zusammenstoss er-1 lieh verursache der Umbau der Niveauübergänge derartige Kosten, dass er nur bei Mithilfe der Kantone durchzuführen sei. Immerhin hat sich die Qeneraidirektion der Bundesbahnen im Jahr 1926 grundsätzlich zur Einebnung der Uebergänge einverstanden erklärt, unter der Bedingung der Kostenverteilung und mit dem Vorbehalt, dass der Umbau nur bei solchen Uebergängen verlangt wird, bei denen die Strasse beidseitig der Geleise mindestens auf 50 m Entfernung einen harten Belag aufweist, der die Bildung loser Rollsteine, die in die Spurrille gelangen könnten, ausschliesst. Ob der Respekt vor einer eventuellen Verstopfung der Spurrille wirklich so gerechtfertigt ist, wo'len wir hier nicht beurteilen. Hingegen erscheint uns ein weiterer Vorbehalt schon fadenscheiniger, der nämlich, dass in Kurven unter 400 m Radius die Einebnung nicht möglich ist, weil die Kurven zur Anwendung einer so breiten Spurrille zwingen, dass eine Gefährdung von Menschen und Tieren denkbar wäre. Sicher wird doch die Spurrille-nicht so breit wie ein normaler Menschenfuss lang ist. Höchstwahrscheinlich auch nicht einmal derart, dass ein Pferdehuf sich darin verfangen könnte. Wenn aber gelegentlich eine Ziege oder ein Hund drein treten sollten, so werden sie sicher ihr kostbares Bein rechtzeitig wieder an sich ziehen, ohne dass sich die Bahn um sie zu bekümmern braucht. Jedenfalls überwiegen heute die Verkehrsinteressen der Fahrzeugbesitzer diejenigen von Kleinvieh oder.Selbstmordlustigen genügend, um die Bedenken gegen die breite Spurrille zu zerstreuen. Die durchaus nicht boshaft sein sollenden Bemerkungen sind nicht etwa auf Konto von Ing. Kirchhofer zu buchen, sondern auf das unsere. Aus dem Artikel in der « Zeitschrift für Strassenwesen » sei jedoch noch die erfreuliche Nachricht entnommen, dass die Bundesbahnen bereits verschiedene Uebergänge für stossfreies Befahren umgebaut haben. Hoffen wir, dass aus den « verschienen» bald «viele-» und in absehbarer Zeit « alle » werden. y* Zürich projektiert neue Strassen Der Heimplatz soll durch die Einmündung 'der verlängerten Zähringerstrasse und Beseitigung einer kleinen Nebenstrasse umgebaut und erweitert werden; für den Bellevueplatz liegt ein ziemlich fertiges Projekt mit einer grossen Trottoirinsel und Kreiselverkehr vor, über den Umbau des Bahnhofplatzes, wie er nun erfolgen soll, ist an dieser Stelle bereits "berichtet worden. Die Anlage separater Fahr- • bahnen, die Abgrenzung der Strassenbahn ; durch Erhöhungen, besondere Sicherung des Fussgängerverkehrs etc. werden dem umgebauten Platz eine besondere Note geben. Für "den Leonhardsplatz liegt noch kein neues Projekt vor, da dieser Umbau nur im Zusammenhang mit der Verbreiterung der Bahnhofbrüeke gelöst werden kann. Vorläufig ist -nur die Verlegung des Geleises der Öerlikoner Strassenbahn von der Stampfenbachstrasse in den Neumühlequai geplant. - Herr Hippenmeyer schloss seine interessanten Ausführungen mit der Vorführung einiger interessanter Lichtbilder von Strassen- - Verbesserungen in Köln, Frankfurt a. M., Hamburg, Leipzig und Stockholm. Nachdem der Vorsitzende, Herr Gassmann- . Harrimann, das Referat' bestens verdankt, hat- .-te, wies er speziell daraufhin, dass, das Projekt 'Utqquai-Seefeldguai der Erweiterung - der BeiUerivestrasse, weil verkehrssicherer, „unbedingt vorzuziehen ist und wie nötig es •sei, dass nun die von der Sektion Zürich des ACS angeregten Orientierungstafeln, für die sie seinerzeit ein fertiges Projekt eingereicht hat, nun endlich zur Aufstellung gelangen. Besondere Aufmerksamkeit sei auch der Beschaffung weiterer Parkplätze zu schenken, wofür besonders das alte Tomhalleareal und das ehemalige SBB-Trasse in der Enge zu verwenden seien. Die Diskussion wurde durch die Angelegenheit der Bellerivestrasse, wo sich besonders die dortigen Hauseigentümer zum Wort meldeten, etwas in die Länge gezogen. Herr Stadtrat Baumann brachte dann die nötige Abklärung, indem er ausdrücklich betonte, dass die Ansetzung neuer Baulinien für diesen Strassenzug noch keineswegs bedeute, dass nun die Strasse sofort verbreitert werden soll. Für dieses Jahr ist nur die Inangriffnahme des Ausbaues des äussersten, noch fehlenden Teiles, von der Hornbach- (Schluss.) strasse weg, vorgesehen, während die Strasse in ihrer jetzigen Breite (8 m) noch für einige Jahre genügen dürfte. In der Festlegung der Baulinien aber müsse man heute etwas grosszügig vorgehen, damit auch alle Möglichkeiten für die später notwendigen Verbreiterungen gegeben sind. Er fügte auch bei, dass die Verbreiterung der Bahnhofstrasse wohl kommen müsse, indem die Trottoirs um je einen Meter verbreitert, die Bäume beseitigt und hinter denselben neue angepflanzt werden müssen. Der Umbau des Bellevueplatzes werde ganz unabhängig vom spätem Ausbau der BeMerivestrasse (auf vorläufig Um) kommen. Hinsichtlich der zu schaffenden Parkplätze führte Herr Stadtrat Baumann aus, dass die Anlage eines solchen in der Enge geprüft werden, dann duch beim Bellevueplatz. Die Liromat dürfte später zwischen Müh'esteg und Bahnhofbrücke zugedeckt und "dort ebenfalls ein Parkplatz errichtet werden. Geplant ist auch die Einführung bewachter Parkplätze, wobei es dann darauf ankommt, wie sich die Automobilisten zu dieser Neuerung stellen. Für die Strassenbeläge gebe es keinen Birrheitsbeläg, da diese an die ^einzelnen Verhält- nisse angepasst werden - müssen. In seinem SchiTusswort wies Herr Stadtrat Baumann darauf hin, dass es sein Bestreben sei, bei allen Strassenfragen auf die Ratschläge der Praktiker Rücksicht zu nehmen, weshalb er stets alle ausgearbeiteten Projekte, bevor sie dem Stadtrat zur Genehmigung vorgelegt werden, in gemeinsamer Besprechung mit den Delegierten der Automobüistenverbände eingehend prüfe. Die ihm hierbei gemachten Anregungen und Ratschläge seien der Bauverwaltung von besonderem Werte. Gegen Mitternacht konnte Herr Kantonsrat Gassmann die interessante Tagung Strassenanlap ' JA schliessen. Sie dürfte aufs neue dargetan haben, wie Zürich heute vor den mannigfachsten Strassenprojekten steht, die Millionen von Summen verschlingen und reiflich überdacht sein wollen. Der Anlass bewies aber auch, wie sehr die Sektion Züridh des A. C. S. gewillt ist, bei all diesen Projekten durch tatkräftige Mitarbeit an einer guten Lösung mitzuhelfen. s. folgte mit solcher Wucht, dass an dem Lastwagen grosser Sachschaden entstand. Die Firma, welcher der Lastwagen gehörte, klagte gegen die Gemeinde Biel auf Schadenersatz und das bernische Obergericht sprach ihr 3800 Fr., drei Fünftel des festgestellten Schadens zu. Das Bundesgericht hat den von der Stadt zu leistenden Schadenersatz wegen des von ihm schwerer bewerteten Verschuldens des Chauffeurs auf einen Dritte] des Schadens = 2130 Fr. herabgesetzt, die Haftbarkeit der Stadt aus Art. 58 O.R. aber gleichfalls grundsätzlich bejaht hat. Art. 58 O. R. setzt voraus, dass die Beklagte Eigentümerin eines Werkes sei. Als Werk im Sinne dieser Bestimmung ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch die Strasse zu betrachten. Im vorliegenden Falle kommt freilich nicht die Strasse allein als Unfallursache in Betracht, sondern ihre Gestaltung in Verbindung mit dem Tramgeleise, die ein Ganzes, eine einheitliche Verkehrsanlage bildet. Da sowohl Strasse als Tram im Eigentum der Gemeinde stehen, erscheint diese hier als Werkeingentümerin im Sinne von Art. 58. Die Mängel dieser Anlage bestanden darin, dass der sich dem Trottoir nähernde Geleisebogen keinen Raum mehr für die Fahrbahn übrig Hess. Es wird im einzelnen Falle jeweilen zu untersuchen sein, ob ein Ge,mein wesen eine derartige verkehrsgefährdende Anlage nur mit unverhältnismässig grossen Opfern hätte vermeiden können oder ob eine bessere Gestaltung ohne übermässigen Kostenaufwand hätte erzielt werden können; wo das letztere zutrifft, liegt eine fehlerhafte Anlage im Sinn von Art. 58 vor und es ergib sich daraus die Haftung der Gemeinde. Hier hätte es genügt, an der betreffenden Stelle das Trottoir zuzuspitzen, zu verschmälern um dem Fahrverkehr zwischen Tram und Trottoir hinreichenden Raum zu lassen und schon der Umstand, dass dies seither geschehen ist, zeigt, dass die Stadt ohne grosse Opfer der Strassenkreuzung von Anfang an eine bessere Gestaltung hätte geben können. Ebenso wäre es möglich gewesen, dem Bogen des Geleises einen. kleineren Radius zu geben und ihn damit näher an die eigentliche Strassenkreuzung zu verlegen. Auf alle Fä!l wären die Mängel der Anlage leicht zu vermeiden gewesen. Der Umstand, dass das eidg. Eisenbahndepartement seinerzeit das Trambahnprojekt genehmigt hat, entband die Organe des städtischen Strassenbaues nicht von .der Pflicht, bei der Erstellung der Anlage die Erfordernisse des Strossen Verkehrs zu berücksichtigen. Da die fehlerhafte Anlage den Unfall mitverursacht hat, ergibt sich daraus die Verantwortlichkeit der Stadtgemeinde als Werkeigentümerin. W. Der Basler Bebauungsplan und der Ingenieur- und Architekten- Verein. Der Basler Ingenieur- und Architekten- Verein hatte letzte Woche seine Mitglieder zu einer Versammlung- eingeladen, um über die Frage der Schaffung eines Stadtplanbureaus und über den Behauungsplan von Ingenieur Riggenbach Beschluss zu fassen. Der Präsident, Herr Architekt Christ, gab einen Ueberblick über die bisherige Stellungnahme des Ingenieur- und Architektenvereins. Er kam auch auf die Forderungen des Heimatschutzes zur Ausschreibung eines allgemeinen Wettbewerbes zu sprechen, wies auf das Tunnelprojekt Musfeld und auf die Vorschläge von Baupolizeiinspektor Eichenberger Irin. An Hand von Lichtbildern gab Architekt Christ eine Orientierung über den vorliegenden generellen Bebauungsplan. Zu diesem Plan hat sich bereits die Stadtplan-Delegation ausgesprochen, -"Si&'kimm folgenden •Vorschlägen zu: 1. Es niuss eine Entlastungsstrasse geschaffen werden, die einen reibungslosen Verkehr ermöglicht, wobei eine Fahrbahn von 11 m Breite und je 3 m Trottoirs erwünscht ist. 2. Die Verbindung vom Markt zum Westplateau durch Verbreiterung des Spalenber- ^es erscheint nicht als endgültige Lösung. Der Ratschlag der Regierung enttäuscht insofern, als er auf eine weitere Begründung verzichtet und keine Kostenberechnungen enthält. Dafür sollte ein Stadtplanbureau eingesetzt werden. Der Vorstand schlägt vor, erneut die sofortige Einrichtung des Stadtplanbureaus zu fordern und beantragt, den generellen Bebauungsplan als verbindliche Grundlage der weiteren Arbeiten zu erklären. In der Diskussion stellt Prof. H. Bernoulli fest, dass der Ingenieur- und Architektenverein mit seiner Forderung auf Errichtung eines Stadtplanbureaus heute schon viel besser dasteht als vor drei Jahren. Er ist der Meinung, dass durch das Stadtplanbureau ein allgemeiner Wettbewerb vorbereitet werden sollte. Baupolizeiinspektor Eichenberger weist auf die mannigfachen Schwierigkeiten finanzieller, technischer und baugesetzlicher Natur hin, die der Durchführung des Planes Riggenbach entgegenstehen. Er glaubt, dass der Plan diesen Details zu wenig Beachtung schenke. Ingenieur Riggenbach jun. macht im Auftrage des abwesenden Planverfassers darauf aufmerksam, dass die inoffiziell auf 100 Millionen Franken geschätzten Kosten viel zu hoch gegriffen seien. Die vorgesehenen Korrektionen kämen auf höchstens einen Viertel dieser Summe zu stehen. Arn Schlüsse der Diskussion erläutert Regierungsrat Dr. Brenner den Standpunkt der Behörden. Der Plan Riggenbach erfüllt alle Anforderungen, die an diesen Auftrag gestellt worden sind. Die Ausschreibung eines Wettbewerbes ist damit überflüssig gewor-i den. Ebenso kann von der Errichtung eines Stadtplanbureaus Umgang genommen werden, da es genügt, wenn die Behörden von Fall zu Fall an private Fachleute einen nebenamtlichen Auftrag erteilen. Nachdem sich noch mehrere Herren an der Diskussion beteiligt hatten, wurde beschlossen, durch eine erneute Eingabe an den Grossen Rat die sofortige Errichtung des Stadtplanbureaus zu fordern. Der generelle Bebauungsplan von Ingenieur Riggenbach soll als unverbindliche Grundlage und "als Vorprojekt zu weiteren Arbeiten dienen. Gr Eine mildbestrafte Strolchenfahrt. Nach einem kürzlich gefällten Entscheid werden im Kanton Zürich in Zukunft Strolchenfahrten strenger bestraft werden. f;s wird in Berücksichtigung gezogen, dass die Strolchenfahrer meist ungeübte und gleichzeitig rücksichtslose Automobilisten sind. Die Strafe für die widerrechtliche Wegnahme von Autos ist regelmässig Gefängnis und die bedingte Verurteilung wird nur aus« nahmsweise gewährt. Eine solche Ausnahme wurde in einem Fall gemacht, der die Strafkammer des Zürcher Obergerichtes beschäftigte. Der Angeklagte Z., ein noch nicht 20jähriger Mann, verstand vom Autofahren so gut wie nichts. Als er mit einigen andern Jünglingen an einem Novembersonntag vor einem Hotel in Winterthur einen vornehmen Chrysler-Wagen stehen sah, überkam ihn die Lust zum Autofahren. Eine erste 1 Fahrt verlief ohne besondere Ueberraschung. Darauf verliessen die Gäste des Z. das Auto und dieser steuerte unternehmungslustig die Limousine ins Tösstal hinauf, bis er spät in der Nacht in einem Feldweg bei Illnau stecken blieb. Dort Hess er das Auto stehen und 'kam darin gegen 3 Uhr früh zu Fuss nach Hause. Das Auto wurde drei Tage später mit zwei Pferden und Hebematerial geborgen. Der Eigentümer des Wagens, der sich mit seiner Familie auf der Reise befunden hatte und in Winterthur nur einen kurzen Halt machen wollte, musste in später Stunde noch eine Unterkunft suchen. Das Bezirksgericht Winterthur hatte Z. wegen ausgezeichneten Diebstahls im Betrag von Fr. 13.— (Wert des verbrauchten Benzins und Oels) zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte Z. appellierte und verlangte Zubilligung des Strafaufschubes. Der Verteidiger machte geltend, dass Z. nach Möglichkeit dazu beigetragen habe, den dem Eigentümer des Autos erwachsenen Schaden in der Höhe von ca. Fr. 400.— zu ersetzen. Auch die Jugendlichkeit des Angeklagten wurde geltend gemacht. So kam das Gericht dazu, dem Angeklagten «ausnahmsweise» den Strafaufschub zu gewähren. Wenn man sich in die Lage des Automobilisten versetzt, wird man es nicht verstehen, dass das Gericht zu einer bedingten Verurteilung kam. Die Wegnahme eines fremden Autos durch einen unerfahrenen Fahrer ~ der damit auch seine Mitmenschen gefährdet-— ist eine'so' leichtfertige'uBd.-fF'eche Tat, -dass sie unbedingt eine Strafe' verdient. Man kann sich auch in diesem Fall fragen, ob die Wohltat der bedingten Verurteilung am Platze war. Gr. Die zürcherische Unfallstatistik zeigt Unerfreuliches. Die Rubrik < Strassenverkehrsunfälle » der Zürcher Statistischen Nachrichten weist für das dritte Quartal 1929 nicht gerade ein sehr erfreuliches Bild auf. Die UnfäHe aller Art haben leider auf der ganzen Linie zugenommen, was zwar zu einem bestimmten Teil mit der wachsenden Verkehrsintensität begründet werden kann, zu einem andern Teil aber doch einer vielfach lückenhaften Verkehrsdisziplin der Beteiligten zugeschrieben werden muss. Es ergibt sich daraus die Pflicht für die Verkehrsverbände, in ihren bisherigen Bemühungen um Aufklärung und Erziehung ihrer Mitgliedenicht zu erlahmen und die Forderung an d o Behörden, ihrerseits in vermehrtem Masse zur Aufklärung des Publikums beizutragen. An Mitteln zu diesem Zwecke fehlt es ja nicht und sind andere Städte und Länder mit Verkehrswochen, Verkehrsfilmen, obligatorischem Verkehrsunterricht in Schulen usw. mit gutem Beispiel vorangegangen. Die Unfälle mit Sachschaden sind um 27 Ereignisse auf 557 angestiegen, haben aber gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres bedeutend geringeren Schaden zur Folge gehabt, indem dieser um 56,000 Fr. auf 175,700 Fr. zurückgegangen ist. Die Kollisionen mit Personenverletzungen weisen aber eine Zunahme von 102 Fäl'en auf'und beziffern sich auf 375, wobei total 413 Personen in Mitleidenschaft gezogen wurden. 8 Verunfallte mussten leider mit dem Leben büssen. Die Fussgänger machen mit 143 etwa ein Dritte] der Verletzten aus. Was die Beteiligung an de n Unfällen anbetrifft, so hat diese bei allen Fahrzeugkategorien mit Ausnahme der Strassenbahn und auch bei den Fussgängern zugenommen. Bemerkenswert ist, dass bei den Autos und Fuhrwerken die Kollisionen mit Sachschaden die Unfälle mit Personenverletzungen beträchtlich überwiegen, während das Verhältnis bei Motorrädern und Velos gerade umgekehrt ist. Es ist dies wohl darauf zurückzuführen, dass bei diesen beiden Fahrzeugkategorien die Fahrer und Passagiere bei Unfällen in bedeutend stärkerem Masse selbst in Mitleidenschaft gezogen werden, während der Prozentsatz an verletzten Drittpersonen entsprechend geringer ist.

N« 17 — 1980 AUTOMORIL-RrfVUE An den gesamten Unfallereignissen waren 1505 (1928: 1365) Fahrzeuge und 153 (1928: 1D7) Fussgänger beteiligt, welche Zusammenstellung bekanntlich über das Verschulden der Betreffenden noch keine Auskunft zibt. z- Nationale Brennstoffversorgung. Am 25. Februar reichte im Nationalrat Herr Vallotton, Ehrenpräsident der Sektion Waadt des T. C. S., eine Interpellation ein, in der er darauf aufmerksam macht, dass nach den Gutachten berühmter Geologen sich die Petrolvorräte der Erde rasch dem Erschöpfungszustand nähern. Eines unter diesen Gutachten berechnet die Erschöpfung des Petrolvorkommens innert 20 Jahren. Die Frage des einheimischen oder nationalen Brennstoffes, welcher die Aufgabe hat, das Benzin als Autobrennstoff zu ersetzen und den Autoverkehr von ausländischen Brennstoffen unabhängig zu machen, stehe daher dringend vor der Türe. In der Schweiz könne die Brennstoffversorgung durch nationale Produkte auf verschiedene Weise gelöst werden. Im Vordergrund ständen die Verwendung von Holz und von Kohle. Der Bundesrat wird nun durch die Interpellation von Herrn Vallotton ersucht, über die bisherigen Massnahmen und über die zukünftigen Absichten zur Versorgung unseres Landes mit nationalen Brennstoffen zu berichten. Als Motiv der Interpellation wird die wirtschaftliche Unabhängigkeit in Friedenszeiten wie jn Kriegszeiten vorangestellt. Die Interpellation verdient besondere Beachtung, wenn man sich daran erinnert, welch grossen Widerständen die Lösung des nationalen Brennstoffproblems in den verschiedenen Amtsstuben begegnet. lt. Bernischer Strassenverkehr Am letzten Montag den 24. Februar hielt der Vorstand der kantonal-bernischen Strassenverkehrsliga im «Kornhauskeller» in Bern eine Vorstandssitzung ab, an der verschiedene wichtige Verkehrsfragen zur Sprache kamen. Nach den vom Vorsitzenden, Herrn Fritz Hostettler, gegebenen Auskünften zeigte es sich, dass das Bureau fleissig an der Arbeit ist und den Behörden die Wünsche und Interessen der verschiedenen Verkehrsgruppen unterbreitet. So war man' unter anderem auch bei der stadtbernischen Baudirektion vorstellig geworden, wo man erfreulicherweise recht grossem Verständnis für die verschiedenen vorgebrachten Verkehrsangelegenheiten begegnete. Die Bereitwilligkeit dieser Instanz, begründete Wünsche immer gerne zur Prüfung und weitgehendster Be^ rücksichtigung entgegennehmen zu wollen, dürfte auch in andern Amtsstuben Schule machen! Verschiedene strassenbauliche Fragen der Bundesstadt sollen demnächst in einem zu veranstaltenden öffentlichen Vortrag besprochen werden. Bei diesem Anlass soll auch die Frage des Umbaues des Bubenbergplatzes sowie, des Güterbahnhofes zur Sprache kom- Sternfahrt nach Genf Start der Sternfahrt an den Genfer Salon ist die Gabelung Murlenstrasse-Freiburgstrasse in Bern. men. Dieser Vortrag wird in der zweiten Woche März stattfinden. In der Angelegenheit der Einsetzung einer aüsserparlamentarischen Kommission, die dem neugeschaffenen kantonalen Strassenverkehrsamt beigegeben werden soll, hatte Herr Präsident Hostettler eine Unterredung mit dem bernischen Regierungspräsidenten, Herrn Guggisberg, welcher ihm die Auskunft gab, dass diese Frage noch diese Woche vom Regierungsrat besprochen werden soll. Der Vorstand der Liga war einstimmig der Ansicht, dass eine solche Kommission nur nutzbringend für die Besserung der Verkehrsverhältnisse wirken könnte und es wurde befürwortet, dass auch die Delegierten der Liga von der Regierung bezahlt werden sollten, wie das übrigens auch bei anderen ähnlichen Kommissionen der Fall ist. Der Vorstand der kantonal-bernischen Strassenverkehrsliga will nun zuerst das Resultat dieser regierungsrätlichen Aussprache abwarten und das weitere Vorgehen später zur Diskussion stellen. Auch die Frage des Parkierungsverbotes auf dem Bundesplatz wurde besprochen. Nach den erhaltenen Auskünften weiss man zwar noch nicht, was in dieser Frage geschehen soll. Immerhin wurde befürwortet, den Gemeinderat eventuell mit einem Schreiben zu unterstützen, damit dieses Parkierungsverbot, bei dem es sich einzig und allein um eine Eitelkeit gewisser Herren im Bundeshaus handelt, aufgehoben wird. Der Bundesplatz sei in Anbetracht der ohnehin misslichen Parkierungsverhältnisse in der inneren Stadt als Parkplatz dringend notwendig. Der Brunnen an der Marktgasse bildet entschieden ein grosses Verkehrhindernis, da die Fahrbahn beidseitig viel zu schmal ist. Es ist möglich, dass die Verkehrsverhältnisse dort bessere werden, wenn einmal der Senstmique-Verkehr (von oben her) und ein Parkierungsverbot in dieser Strasse eingeführt weiden. Es wurde beschlossen, in dieser Angelegenheit zuzuwarten und gelegentlich bei der städtischen Polizeidirektion anzufragen, auf wann d:eser Sens-unique-Verkehr eingeführt werden soll. 4 Das Bureau wurde ferner beauftragt, bei den Behörden mit Nachdruck die Schaffang vermehrter Parkierungsgelegenheiten anzuregen, weil sonst durch mangelnde Parkierungsgelegenheiten in der Bundesstadt immer grössere Kalamitäten entstehen. Es war keineswegs verwunderlich, dass auch die Frage der Geländer auf der Kornhaus- und Kirchenfeidbrücke zur Sprache kam, nachdem sich erst vor kurzem wieder ein Verkehrsunfall auf der Kirchenfeldbrücke zugetragen hat. Die Kirchenfeldbrücke gehört bekanntlich dem Staat, während für die Kornhausbrücke die städtischen Behörden zuständig sind. Von der kantonal-bernischen Baudirektion soll nun, wie man erfahren hat, geplant sein, ein schmiedeeisernes Geländer aufzustellen. Allgemein war der Vorstand der Liga der Ansicht, dass das beste Abwehrmittel gegen weitere solche Unfälle, die einmal schlimm enden können, recht hohe Randsteine wären; sie sollten mindestens einen halben Meter hoch sein. Dazu müssten die gusseisernen Geländer durch schmiedeeiserne ersetzt werden. Man will auch in dieser Angelegenheit an die städtischen sowie kantonalen Behörden gelangen, mit dem Hinweis, dass es notwendig sei, in dieser Sache raschestens etwas zu tun. Die Verhältnisse sind namentlich auf der Kornhausbrücke bei Regenwetter auch für die Fussgänger äusserst unangenehme, und es ist sicher kein . Luxus, wenn hier weitere Verbesserungen geschaffen werden! , < ist eine Der Vorsitzende wies ebenfalls darauf hin, dass es für die Sanierung der Verkehrsverhältnisse nur von Nutzen sein könnte, wenn die gesamte Presse über die Wünsche und die Arbeit der kantonal-bernischen Strassenverkehrsliga recht oft unterrichtet würde. Herr Redakteur Riesenmey wurde beauftragt, hiezu die nötigen Schritte zu unternehmen. Die Unterführung an der Freiburgstrasse zeigt immer noch bedenkliche Missstände für den Verkehr, weshalb auch in dieser Sache mit einer Eingabe an die Regierung gelangt werden soll. Die Nachlässigkeit verschiedener Amtsstellen, welche nicht einmal den Empfang gemachter Eingaben dieses oder jenes Verbandes bestätigen, wurde kritisiert und die Leitung der Liga will nun diesbezüglich beim Herrn Regierungspräsidenten vorstellig werden. Auch das Traktandum Wahlen, dem in Anbetracht der bevorstehenden Erneuerungswahlen des bernischen Regierungs- und Grossen Rates grosse Bedeutung zukommt, wurde kurz gestreift und man beschloss. wohlüberlegt vorzugehen, aber alles zu tun. damit die Verkehrsinteressen inskünftig in den Behörden besser berücksichtigt werden. Die Liga wird ebenfalls bei den kantonaien Behörden für die Eliminierung der gefährlichen Kurve in Heimberg (bei der weissen Mauer) vorstellig werden. Man sieht aus all diesen verschiedenen Angelegenheiten, die behandelt wurden, dass die kantonal-bernische Strassenverkehrsliga den vielen Verkehrsfragen grösste Beachtung schenkt und nichts versäumt, um bessere Zustände herbeizuführen. Ry. Der neue HORCH 8 Spitzenleistung. Wie seine neuen Karosserien durch gediegene Schönheit auffallen, so erfreuen auch seine vortrefflichen Fahreigenschaften. Das Tiefrahmenchassis verleiht ihm neue Behendigkeit und Kurvensicherheih GENERALVERTRETUNG C SCHLOTTERBECK BASEL - ZÜRICH - BERN s» ••«lieh« Die Sternfahrt nach Genf. Ein recht einzackiger Stern ist es dieses Jahr geworden, da ja nur Bern als Ausgangspunkt in Betracht kommt. Gerade diese einfache Formet aber erweist sich schon jetzt als ein glücklicher Wurf, -der manchen zur Beteiligung veranlasst. Bereits laufen., von allen Seite» die Anmeldungen ein, nicht nur aus Bern, sondern auch aus entfernten Teilen der. Schweiz, wie Davos. Besondere Vorkehrungen sind getroffen, damit Wagen, die am Kilometerrennen teilnehmen, sich auch für die Sternfahrt einschreiben können. Da die Sternfahrer schon kurz nach 15 Uhr in Genf eintreffen, bleibt genügend Zeit, die Maschinen für das Rennen abnehmen zu lassen, amtet doch die Abnahmekommission den ganzen Nachmittag in der Kaserne Plainpalais, die nur einige hundert Meter vom Endpunkt der Sternfahrt entfernt liegt. Die Sternfahrtstrecke wird am Morgen des 22. März von den Herren Brieger, Sekretär der Nationalen Sportkommission, und Villars, Mitglied der Sektion Genf des A.C.S., zur Prüfung durchfahren werden. Zu besonderem Dank sind die Organisatoren auch der Fabrik Nardin in Le Locle verpflichtet, die sich anerboten hat, acht Chronographen höchster Präzision an den verschiedene Kontrollstellen anzubringen. -o- Parls-Nizza. Seit 6 Jahren wird jeden Frühling diese Tourenfahrt abgehalten, an der das sportliche Publikum ein stets wachsendes Interesse zeigt. Die Preise erreichen diesmal die Gesamtsumme von 160,000 fr. Franken, wobei die vier wertvollen Becher nicht inbegriffen sind. Die Fahrt führt über Vichy und Grenoble nach Nizza und zurück. Bei Grenoble wird auf einer Strecke vom 3 Kilometern eine Höchstgeschwindigkeit verlangt (3 Kilometer mit fliegendem Start), während die übrige Fahrt als Regelmässig« keitsprüfung gedacht ist. -o- Die Grosse Saharafahrt — durch den Schnee! Während wir in der Schweiz fast überall ohne Ketten fahren können, haben die Gruppen 9 und 10 schon am ersten Tage nach ihrer Abfahrt von Algier in den Bergen soviel Schnee angetroffen, dass Gruppe 9 beispielsweise für eine Strecke von 25 km AV-s Stunden benötigte. Die frische Schneeschicht war 60 cm hoch. Da beide Gruppen infolgedessen zwei Tage im Rückstand sind, hat die Kommission der Fahrt beschlossen, die Fristen um je zwei Tage zu verschieben. Nach den neuesten Meldungen ist Gruppe 9 am 25. Februar in EI Golea angekommen, während man von Gruppe 10 augenblicklieb ganz ohne Nachricht ist. -o- Auf der Autorennbahn von Alexandria wird am 20. April ein grosses Rennen abgehalten, für das Preise im Gesamtbetrag von 150,00 Lire ausgesetzt sind, wovon 50,000 auf den ersten Preis entfallen. -o- Die Sternfahrt nach Pau. Die Resultate dieser interessanten sportlichen Veranstaltung sind bekanntgegeben worden. Erster wurde Roberts auf einer Gardner, den zweiten Platz belegte Stoffel (Chrysler), und den dritten Lumberjack (Bu« gatti). Ausser der Fahrt nach Pau hatten die Teilnehmer noch 2 Prüfungsfahrten zu bestehen. Die eine bestand im Anlassen des kalten Motors innerhalb kürzester Frist. Die genauen Bedingungen waren folgende : Auf ein Zeichen stürzte sich der Konkurrent in seine Maschine, setzte den Motor in Gang und fuhr zehn Meter. Der erste wurde hier Heliot, der mit seiner Mathis das ganze Manöver in der erstaunlich kurzen Zeit von 67 5 Sekunden fertig brachte. Rene auf Alfa- Romeo und Roberts auf Gardner belegten den 2. bezw. 3. Platz. Die zweite Prüfung bestand im Langsamfahren und plötzlicher Geschwindigkeitssteigerung. Auf einer Strecke von 200 m durften die Konkurrenten nur mit einer Geschwindigkeit von 4 km fahren, sobald aber die Endlinie erreicht war, mussten sie auf einer weitern 200 m langen Strecke die grösstmöglichste Geschwindigkeit erreichen. Hier war Stoffel auf Chrysler der erste, Roberts auf Gardner der zweite. -o_ t Der Altdorfer Fastnachtsumzug verulkt den Benzinzoll. Nächsten Sonntag findet in Altdorf ein origineller Fastnachtaumzug in 17 Gruppen statt. Es werden im Umzug, der allen Automobilfahrern zum Besuche empfohlen sei, unter anderem vorgeführt: Der Bund als Benzinzollkuh mit drei vermachten Zitzen, die Kantone als Säuglinge, wobei die Städtekantone einen Löwenanteil erhalten. Basel, Zürich und Genf bauen öffentliche Gebäude, während die Gebirgskantone gezwungen sind, ihre Steuern zu erhöhen. Der Fastnachtsumzug verspricht allen Zuschauern grosses Vergnügen. IL