Aufrufe
vor 9 Monaten

E_1930_Zeitung_Nr.020

E_1930_Zeitung_Nr.020

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 11. März 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 20 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentratblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portacsschlag, Eolern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Eine Richtigstellung Zeit und Lust fehlen uns, um auf jeden'Angriff zu antworten, der versucht, die aufklärende Tätigkeit der «Automobil-Revue» tendenziös zu bekritteln. In Nr. 8 der «A. R.» behandelten wir unter dem Titel « Post und Eisenbahn » in objektiver Weise eine Frage nach ihrer grundsätzlichen Natur, ohne in irgendwelcher Weise gegen die Post Sturm zu laufen oder deren verdienstvolle Tätigkeit auf dem Gebiete der Verkehrssicherheit zu schmälern. Wir machten in dem Augenblicke, da sich die Postverwaltung mit einer Herabsetzung der Taxen im Postautoverkehr um 20 Prozent befasst, darauf aufmerksam, dass es mit der Ausdehnung der staatlichen Regiebetriebe allein nicht getan sei, sondern dass überall da, wo aus persönlicher Initiative heraus ein selbständiges Gewerbe imstande ist, solche Kurse durchzuführen, auch der Staat ein Interesse daran habe, sich den steuerzahlenden Mittelstand zu erhalten. Mit allem Nachdruck möchten wir uns jedoch gegen den Vorwurf verwahren, der uns von gewissen sozialistischen Zeitungen daraus abgeleitet wurde : Den, dass wir die FEUILLETON Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (23. Fortsetzung) Ich schritt fürbass und schätzte in Gedanken, wie spät es wohl sein mochte. Vier oder fünf Uhr? Denn um diese Zeit begann das Leben. Mehrere Boote wurden herangerudert, nun hörte ich auch Stimmen, leises Geschwätz irgendwo bei der Brücke. Während ich hier am Ufer stehe und die Eindrücke des anbrechenden Tages mit seinem morgendlichen Leben auf mich eindringen, während ich mir halb unbewusst die ganze Zeit über das unheimliche nächtliche staatlichen Betriebe systematisch bekämpften zugunsten der grossen, freierwerbenden Firmen und zuungunsten der Arbeitnehmer dieser Betriebe. Wir massen uns nicht an, den Meinungsstreit «Freiwirtschaft oder Staatswirtschaft» entscheiden zu können, möchten aber entschieden dagegen Stellung nehmen, dass die nicht konzessionierten Firmen, welche sich mit dem Warentransporte beschäftigen, sich weder um soziale Massnahmen, noch um die Arbeitszeit des Personals bekümmerten, sondern einzig nur ihren Gewinn im Auge hätten. Der Achtstundentag ist ja nicht nur bundesgesetzlich festgelegt, sondern seit bereits im Jahre 1928 wurden ausserdem Normen für die Anstellung von Chauffeuren und ständigen Mitfahrern, sowohl vom Verband Schweizerischer Motorlastwagenbesitzer als auch von der Schweizerischen Berufschauffeur-Vereinigung aufgestellt. In Artikel 4 ist die Arbeitszeit genau geregelt. Sie wird so eingeteilt, dass dem Arbeitnehmer täglich eine zusammenhängende Ruhezeit von zehn Stunden gesichert ist. Ebenso wird der Samstagnachmittag grundsätzlich freigegeben und für die Hauptmahlzeiten den Arbeitern mindestens eine Stunde Pause eingeräumt. Die Privatwirtschaft zeigt sich somit gerade in diesem sozialen Punkte ebenso überlegen wiei jede staatliche Wirtschaft. Wenn sie eine gewisse Arbeitsregelung nach den örtlichen Verhältnissen und den Bedürfnissen der einzelnen Betriebe regeln will und damit schematische Fesseln von vorneherein ablehnt, so liegt dies nicht nur im Interesse unserer Volkswirtschaft, sondern vor allem auch in demjenigen der Arbeitnehmer selbst. Alle sozialen Massnahmen hochgehalten, aber sie dürfen nicht in einer Weise schematisiert und schabionisiert werden, dass der Arbeitnehmer darunter selbst zu leiden hat. Die scharfe Konkurrenz in unserem Wirtschaftsleben bedingt eine Zusammenarbeit zwischen letzterem und Arbeitgeber. Dass eine solche in, gewissen dogmatischen Köpfen nicht genehm ist, ist leider eine Tatsache, mit der wir uns heute nicht abzufinden, sondern mit der wir zu rechnen haben. Sollten jedoch Vernunft und Einsicht über dogmatisches Denken langsam den Sieg davontragen, so läge dies vorab in wohlverstandenem Interesse unserer Arbeitnehmerschaft. Damit sei nochmals betont, dass alle Autoinhaber, treffe es Lastwagen- oder Personenwagenbesitzer, das grösste Interesse daran haben, den Chauffeurstand durch Regelung einer vernünftigen Arbeitszeit und der Besoldungsverhältnisse ganz allgemein zu heben. Und wir sind dabei sicher die ersten, welche im Autobetrieb für die Verkehrssicherheit und für eine vernünftige Arbeitszeit plädieren. Wir wissen genau, dass ein ausgeruhtes Personal für die Sicherheit des Strassenverkehrs unerlässlich ist. Auch wenn wir je und je gezwungen sind, vorab die Interessen unseres freierwerbenden Mittelstandes, diejenigen von Gewerbe, Handel und Industrie, zu verfechten, so verkennen wir deshalb die hohen Verdienste der eidgenössischen Postverwaltung um die Hebung der Strassenverkehrssicherheit keineswegs. Wir wissen genau, welch eminent wichtige Rolle heute das Postautomobil in der Bevölkerung spielt. Wir sind uns dessen bewusst, dass in wichtigen Verkehrsfragen — wir erinnern bloss an die neuesten Verkehrsvorschriften für die Postchauffeure — die Postverwaltung direkt bahnbrechend vorgegangen ist und dass sie auch ganz besonders für den Ausbau der Gebirgsstrassen grosse Erfolge für sich buchen kann. In Anerkennung aller dieser Tatsachen wird es jedoch immer wieder gut sein, die Grenzen zwischen Regiebetrieb und Freiwirtschaft genau abzustecken. D Ereignis den Kopf zerbreche, nimmt ein bestimmter Argwohn in mir zu. Ich weiss, dass dieser Argwohn hie und da schon in meinen Gedanken aufgetaucht ist, aber er hatte sich gerade bis zu diesem Augenblicke nicht besonders verdichtet. Jetzt jedoch steht er plötzlich klar, deutlich und unantastbar vor mir, so dass ich nicht davon loskomme. Auf und ab gehe ich auf der Brücke und zittere förmlich vor Spannung: So muss es sein, so hängt es zusammen und so erklärt sich auch alles. Es ist, als ob plötzlich der Schleier von all diesen Geheimnissen fortgerissen würde, aber zugleich überkommt mich wieder ein dumpfes Angstgefühl, die Ahnung von einer nahe bevorstehenden grossen Gefahr. Ich gehe hinauf ins Hotel; zwar erwarte ich nicht, jetzt schon Gästen zu begegnen, aber ich denke, dass ich vielleicht ein Glas Bier oder eine Tasse Bouillon bekommen kann. Nach der Ohnmacht fühle ich mich matt wie nach langem Hungern. Als ich auf den Rasenplatz komme, der das Hotel vom Wege trennt, sehe ich, dass die rotgestreifte Markise in der Nacht gar nicht hochgezogen war. Ich steige die Treppe hinauf, komme auf die Veranda und gucke durch die Glastür in den Speisesaal. Der grosse Raum ist selbstverständlich menschenleer, die Tür ist nicht verschlossen, ich trete ein. Der Tisch ist gedeckt, ich finde Reste des Abendessens, Brotkrumen liegen umher, bei den Gedecken stehen halbgeleerte Milchgläser, man erwartet keine Gäste so früh am Morgen. In einer Ecke steht hinter einigen künstlichen Palmen ein schwarzes Klavier, dessen schneeweisse Tasten herüberschimmern. Ich weiss, dass es dort steht, und lasse meine Augen über das Klavier hinweggleiten. Oben auf der Holzverkleidung längs der Wände ist eine alberne Ausstellung von Gläsern und Tassen. An der Tür zur Küche steht ein Tisch, auf ihm ein Phonograph und eine gelbe Maschine, um Flaschen zu entkorken. In dem Augenblick, als ich diese Maschine Verschobene ausserparlamentarisdie Kommission. Wir haben unsere Leser bereits darüber unterrichtet, dass die seinerzeit von der kantonalbernischen Strassenverkehrsliga gemachte Eingabe betreffend die Schaffung einer ausserparlamentarischen Kommission vom bernischen Regierungsrat, auf Vorschlag der Justizdirektion, zur späteren Behandlung zurückgelegt wurde. Im Interesse der so notwendigen Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, wozu die vorgeschlagene Kommission nutzbringende Arbeit hätte leisten können, ist dieser Verschiebungsbeschluss sehr bedauerlich In weiten Kreisen der Verkehrsinteressenten ist man darüber ungehalten, wie wenig Verständnis und Entgegenkommen) man seitens der kantonalbernischen Justiz- und Polizeidirektion in wichtigen Verkehrsfragen findet! Derartige Angelegenheiten, die eine Besserung der Verkehrsverhältnisse bringen könnten, werden einfach zurückgelegt und bleiben monatelang, jahrelang liegen. Der beanstandete Entwurf der stadtbernischen Verkehrsordnung. So ging es auch mit der seinerzeit vom Gemeinderat der Stadt Bern eingereichten und von Verkehrssachverständigen als vorbildlich taxierten Verkehrs Verordnung: auch diese blieb über ein Jahr liegen, trotzdem im Interesse einer bessern Verkehrsabwicklung und namentlich einer Verminderung der Verkehrsunfälle von den Verkehrsinteressenten deren Inkraftsetzung mehrmals verlangt wurde. Man stellte sich in diesen Kreisen allgemein auf den Standpunkt, dass man vorläufig die Wartelücke bis zur Inkraftsetzung des eidgenössischen Verkehrsgesetzes dadurch ausfüllen sollte, indem man vorläufig wenigstens die wichtigsten Verordnungen in Kraft setzte. Aber hiefür zeigte die bernische Regierung kein Verständnis. Versäumte Konkordatskonferenzen. Man hat in den letzten Jahren im Kanton Bern zur Regelung des modernen Verkehrs viele' wichtige Momente versäumt! So ist es z. B. Tatsache, dass seit dem Inrafttreten der veralteten Konkordatsverordnung keine Konkordatskonferenz mehr stattgefunden hat. Der Kanton Bern, der sonst allgemein so viel sehe, glaube ich sie in meiner nervösen Aufregung auch rasseln zu hören. Ich bin sehr müde und lasse mich auf einen Stuhl am Fenster fallen. Da höre ich, dass es am Klavier knarrt, und nun fliegt mein Blick wieder hastig dort hinüber. Ein heftiger Stoss geht mir durch und durch... Gott im Himmel, da sitzt ja ein Mann auf dem Klaviersessel. So verstört war ich also, dass ich diesen Menschen nicht bemerkte, obgleich ich mir bewusst bin, das Klavier deutlich gesehen zu haben ! Als ich entdecke, wer der Mann ist, wird mir unwillkürlich recht unbehaglich zumute. Es ist Asbjörn Krag, der Detektiv. Er kommt auf mich zu, nickt mir mit seinem Glatzkopf zu und lächelt. Plötzlich fühle ich ein merkwürdiges Grauen vor ihm und wünsche, dass er mir nicht näher kommen möchte. Sein Gesicht ist knöchern und bleich, und sein Lächeln, das einen liebenswürdig wohlwollenden Eindruck machen sollte, bekommt einen garstigen Ausdruck. Er geht geradewegs auf mich zu. «Haben Sie gut geschlafen?» fragt er. In diesem Augenblick, als ich seine Augen sehe und seinen Blick wahrnehme, fühle ich es mit überwältigender Macht, dass mein Argwohn zur Gewissheit wird. Ich habe keinen Argwohn länger, ich weiss es fürchterlich klar und unwiderleglich sicher. So ruhig ich vermag, antworte ich: INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile Ode* deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensenluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Die versäumte Verkehrsordnung auf seine fortschrittliche Gesinnung hält, hätte es doch ohne Zweifel in der Hand gehabt, seine fortschrittliche Gesinnung auch in Verkehrsangelegenheiten dadurch zu dokumentieren, dass er eine solche Konkordatskonferenz angefordert hätte. In einer solchen hätte man in fortschrittlicher Gesinnung der rapiden Entwicklung des Verkehrs dadurch Rechnung tragen können, indem man die Verkehrsvorschriften durch Zusatzartikel ergänzt hätte. Das wäre der richtige vorgezeichnete Weg gewesen. Statt dessen! aber Hess man es bei den veralteten Paragraphen bleiben, und wenn heute ein Ausländer diese veralteten Konkordatsvors^hriften zu Gesicht bekommt, könnte er leicht glauben, dass der Kanton Bern in allem noch sehr rückständig sei. Wohl hat seinerzeit der Kanton Bern zwei Dekrete erlassen, das eine stammt vom 11 März 1924, während; das andere am 24. November 1927 in Kraft trat. Zwei Dekrete mit verkehrshemmenden Bestimmungen. Diese Dekrete haben aber keinesfalls did Interessen der Motorfahrzeugbesitzer gebührend berücksichtigt. Es hat keinen Sinn, hier auf die vielen Nachteile dieser beiden Dekrete für den Motorfahrzeugverkehr einzutreten, es genügt, wenn man auf den Artikel 40, Alinea 3 des 1927er Dekretes hinweist, in welchem das wirtschaftlich so schädigende Nachtfahrverbot erlassen wurde. Gewiss mögen dariri einige Verkehrsfragen für den Ueberland* verkehr annehmbar geregelt worden sein, fürt den städtischen Verkehr aber waren dies