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E_1930_Zeitung_Nr.020

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•wer ist dir denn

•wer ist dir denn lieber, Goethe oder Schiller?» «Warum denn, Ilschen? — Goethe ist mir lieber!» «A.ch, das ist aber fein. Ich habe nämlich eben die Schillerbüste fallen lassen!» Frieder hat sich wieder einmal nicht richtig gewaschen, wie es der Mutter scheint, denn sie schimpft mit ihm: «Frieder, habe ich dir nicht gesagt, du sollst dich gründlich waschen?» «Ich habe mich ganz sehr ordentlich viel gewaschen, Mutti!» «Das glaube ich nicht! Das Waschwasser ist noch ganz sauber!» «Jaaa Mutti — du musst dir aber mal das Handtuch anschauen!» Ilse streitet mit einem anderen Mädchen. Jede will etwas Besseres sein, haben, können. Schliesslich sagt das andere Mädchen: «Wir kriegen ein neues Auto!» «Hach!» sagt Ilse ganz von oben herab. «Wenn's weiter nischt is, wir kriegen sogar eine neue Hypothek! Aetsch!» Eine Wolkenkratzer-Revue 150 Stockwerke. Es ist, wenn man es genau überlegt, gar nicht so schümm mit dem Wolkenkratzertaumel. Gibt es doch nur in 36 amerikanischen Städten Hochhäuser mit über 20 Stockwerken. 4778 Gebäude im ganzen Lande sind zehn oder mehr, 377 Gebäude über 20 Stock hoch. Die Amerikaner sind also immer noch die reinsten Waisenknaben im Vergleich zu den Turmbauherren von Babel und es scheint so, als ob ihnen bei dieser Rückständigkeit nicht recht wohl zu Mute wäre. Vor 16 Jahren ist das prächtige Woolworthgebäude am New Yorker Rathausplatz vollendet worden, die «Kathedrale des Handels», die eine damals noch unerhörte Höhe von 56 Stockwerken erreichte. Seitdem sind zwar die Häuserriesen wie die Pilze aus der Erde geschossen, und New York zählt heute 2291 Gebäude mit zehn bis zwanzig Stockwerken und 188 Gebäude, die über 21 Stock hoch sind. Aber der Woolworth-Rekord blieb bis vor kurzem unübertroffen. Die Architekten waren sich längst darüber einig, dass es New York sich selbst schuldig sei, diesem unwürdigen Zustande ein Ende zu machen. Die Chrysler-Automobilgesellschaft gab das Signal zu einem neuen Wolkenkratzerwettbauen. In allernächster Zeit schon wird ihr Neubau mit 68 Stockwerken vollendet sein, und seit diese Pläne bekannt wurden, haben die Konkurrenzdirektoren manche schlaflose Nacht verbracht. Was der eine konnte, wollten die andern auch können, und alle, alle wollten sie möglichst hoch hinaus. Nach Chrysler kam der ehemalige demokratische Präsidentschaftskandidat und Gouverneur Alfred Smith, dessen Firma an der Stelle des ehemaligen Waldorf-Astoriahotels einen SOstöckigen Bau errichten wird. Und unmittelbar anschliessend meldete sich dieMetropolitan-Lebensversicherungs - Gesellschaft mit einem Neubauprojekt für 100 Stockwerke. Der Wolkentaumel. Zwei der bekanntesten Architekten gerieten sich bei diesem leidenschaftlichen Wettbewerb in die Haare und trennten sich, nachdem sie jahrelang ein erfolgreiches Kompaniegeschäft betrieben hatten. Dereine hat dann einen Bau in der Höhe von 809 Fuss, der andere einen Bau von 836 Fuss in Auftrag bekommen, 67 und 68 Stock hoch respektive. Schon türmten sich 40 Stock, 50 Stock, 60 Stock auf beiden Seiten. Das Publikum folgte mit atemloser Spannung und Wetten wurden abgeschlossen, wer von den beiden wohl am Ende den kürzeren ziehen würde. Schon schien es, als sollte der 67-Stock-Architekt tatsächlich unterliegen; da schlug er eines Tages, zwar nicht dem Fass den Boden, aber seinem 67. Stock noch die Decke aus und Hess, vor den Augen der Konkurrenz durch ein Brettergerüst geschützt, auf denr Dach noch eine Schmuckspirale in beinahe unsichtbarer Höhe bauen und auf die Spitze einen 15 Meter langen Flaggenmast setzen, um dann der Mitwelt im Triumph zu verkünden, dass er trotz allem dem Olymp näher gekommen sei als sein ehemaliger Partner. Recht interessant und aufschlussreich ist die Feststellung, wie lange berühmte Männer an ihren Werken geschaffen haben. Plato beispielsweise benötigte zur Vollendung seiner «Dialoge» achtzehn Jahre. Kopernikus arbeitete sechsunddreissig Jahre an den «Libri Revolutionum». Luther war zehn Jahre lang mit dem Kommentar über das «Buch Genesis» beschäftigt. Klopstock vollendete den «Messias» nach siebenundzwanzigjähriger Arbeitszeit. Wagenseil jedoch schlug den Rekord, er schrieb fünfundvierzig Jahre an seinem Werke «Das Leben Ulrich von Huttens», das 1823 in Nürnberg erschien. Diese wenigen Angaben schon zeigen, dass auch ein Genie als Schwerarbeiter anzuspre* chen ist. Das Geniale erweist sich eben auch als ein Wunder der Arbeitskraft, eine Seite, die man an den berühmten Männern bisher nicht genügend gewürdigt hat. Man denke nur einmal an Goethe. Seine in der grossen Weimarer Ausgabe zusammengetragenen Schöpfungen umfassen nicht weniger als 133 Bände. Der geübteste Handschreiber würde nahezu 60 Jahre brauchen, nur um sie abzuschreiben! Wie erstaunlich also muss allein unter diesem Gesichtspunkt betrachtet uns das Werk Goethes erscheinen, der noch dazu jahrzehnte- AUTOMOBIL-REVUE 1930 — N° 20 50,000 Menschen in einem Haus! Kaum war dieser aufregende Wettkampf entschieden, da traten die Herren Charles Noyes und David Schulte auf den Plan. « Stümper!» dachten die Herren Noyes und Schulte, als sie von den letzten Bauplänen hörten. 60 Stock! 70 Stock! 100 Stock! Na, wenn schon! Und sie beschlossen, ihren Neubau 150, jawohl einhundertfünfzig Stock hoch gen Himmel ragen zu lassen. Damit haben die Herren Noyes und Schulte nun tatsächlich den Vogel abgeschossen. In unmittelbarer Nähe des Rathauses soll dieser Bau erstehen. 200 Meter höher als der Eiffelturm soll er werden und damit der höchste der Welt. Auf dem Dache des 150. Stockes wird man ein Flugzeug-Landungsfeld einrichten, fast ein Hektar im Umfang. 50,000 Menschen werden in dem Mammutwolkenkratzer unterkommen. 200,000 Menschen werden täglich ein- und ausgehen. Und kosten wird der Spass die runde Summe von 100 Millionen Dollars. Warum auch nicht? Die Herren Noyes und Schulte können es sich leisten. Und es wird uns keineswegs wundernehmen, wenn nun demnächst wieder eine Konkurrenz auftaucht und die ganze Insel Manhattan mit ihren 2500 Wolkenkratzern aufkauft und an deren Stelle einen einzigen, meinetwegen tausend Stock hohen Wolkenkratzer baut, damit die Menschen der Mutter Erde immer mehr entfremdet und vom Rekordwahnwitz vollends ganz aufgefressen werden. Arbeitstempo berühmter Männer Enorme Leistungen. Von Ernst Wettreich. lang Weimarischer Minister, Theaterdirektor und Mitarbeiter an Zeitschriften war. Sein Arbeitstempo muss ein wahrhaft höllisches gewesen sein. Auch Schillers Lebenswerk ist eine Wunderleistung an Arbeitskraft. Shakespeare und Strindberg schrieben ganze Bibliotheken voll. Balzac hat in seinen einundfünfzig Erdenjahren neunzig 'Romane und daneben noch eine Fülle literarischer Tagesarbeit, mit der er sich den Lebensunterhalt verdienen musste, geschaffen. Tolstois Gedenkausgabe wird hundert Bände füllen, wobei man bedenken muss, dass er verhältnismässig erst spät zu schreiben begonnen hat. Nicht weniger bewundernswert ist das reiche Werk Dostojewskis, der dabei Tage und Nächte, ja oft wochenlang am Spieltisch «lebte». Auch die Musik kennt solche phänomenale Leistungen. Da ist vor allem Mozart, der uns in Erstaunen versetzt. Von Geburt an schwach, fast immer kränklich, oft monatelang arbeitsunfähig, schuf er so viele unsterbliche Werke, dass ein Kopist etwa fünfzig Jahre zu ihrem Abschreiben benötigen würde. Bedenkt man, dass Mozart auch viele Konzerte gab und grosse Reisen machte, so steht man vor einem Wunder, das erst ein Blick in eine Originalpartitur erklärt. Stellen, an denen verschiedene Instrumente die gleichen Töne zu spielen haben, sind hier einfach durch einen Strich bezeichnet und auch Wiederholungen hat Mozart meist nicht ausgeschrieben, sondern durch Zeichen auf die frühere Stelle verwiesen. Was aber soll man erst zu Schubert sagen? Die mehr als tausend Lieder und Balladen, die Symphonien, Messen, Konzertstücke und Opern des Einunddreissigjährigen, der sich in der Veilheit seines Schaffens selbst nicht mehr auskannte, sind eine für alle Zeiten unvergänglich grandiose Arbeit. Auch die Wissenschaft kennt erstaunliche Kraftleistungen. Das wissenschaftliche Werk Alexander v. Humboldts umfasst über dreissig Bände; nicht viel weniger schrieb Leonard Euler, der grösste Mathematiker des 18. Jahrhunderts. Von Kopernikus war schon eingangs die Rede. Ein Phänomen im gigantischen Ausmass aber war wohl Leonardo da Vinci. Maler und Bildhauer, Ingenieur, Erfinder und Architekt, Physiker und Mathematiker in einer Person, ein Universalgenie, das auf allen Gebieten derart Grosses erzielte, dass uns der Umfang seines Lebenswerkes ganz unvorstellbar ist. Diese Wunderleistung an physischer Arbeitskraft, die welterschütternde Werke schaffen hilft, erklären sich nur durch den inneren Hochdruck, der das Genie aufpeitscht und zu Höchstleistungen treibt. Der Zwang, das Erschaute und Empfundene festzuhalten, ist grösser als der sonst menschlicher Arbeit gezogene Rahmen. Dem Giganten im Geiste gesellt sich auch ein Gigant an Kraft zu, dem allerdings oft der Körper nicht gewachsen ist, so dass er frühzeitig aufgerieben wird. Und das ist das Tragische. Wie ein fahrendes Auto tongefilmt wird. Henry Roussell erzählt in der französischen Sportzeitung « L'Auto » von den Schwierigkeiten, die ein Kinooperateur überwinden muss, wenn ein Autorennen gefilmt werden soll. Zum Film «Die Nacht gehört uns » sind Szenen bei der Targa Florio aufgenommen worden. Der Start im Film z. B, gibt einen wirklichen Start aus dem sizilianischen Rennen wieder. Als dann aber ein Unglück simuliert und gefilmt werden sollte, zeigten sich die Schwierigkeiten erst. Im Film sieht und hört man wie ein Auto über eine Böschung stürzt. Um das aufzunehmen, wurde ein wirkliches Auto geopfert und über die Böschung hinuntergeworfen. Es gab einen Höllenlärm, von dem aber das Mikrophon nichts registrierte, weil es nicht nahe genug aufgestellt worden war. Der Lärm musste künstlich noch einmal erzeugt werden, wobei die Aufnahme gelang. Im gleichen Film sieht man die Nahaufnahme eines fahrenden Vorderrades. Um diese Aufnahme zu machen, wurde ein niederes Gestell für die Operateure auf zwei Rädern seitlich am Auto befestigt. Die Aufnahmen müssen bei 60 km erstellt werden, -f. F JE Jü • IL T O N Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. i Fortsetzung aus dem Hauptblatt. «Keineswegs, ich bin gern allein und kann Sie versichern, dass ich weder von lebenden Menschen, noch von Gespenstern gestört worden bin, seitdem ich da draussen auf der Landzunge wohne.» «So — so — wirklich nicht?» Ich konnte die widerlichen, forschenden Augen des Detektivs nicht länger ertragen und ging hinaus auf die Veranda. Kurz darauf stand er neben mir. Aber nun sprach er ganz anders, freundschaftlich und einschmeichelnd. Er könne ganz gut verstehen, dass ich zeitig aufstehen wollte, um den herrlichen Tag von Anfang an zu geniessen. «Heute wird es hier bei uns warm werden,» sagte er und zeigte auf die Getreidefelder. Die gelben Flächen flimmerten hell in der Morgensonne u. wogten sacht gegen den Wald. Asbjörn Krag sah wieder auf seine Uhr. «Worauf warten Sie?» fragte ich. «Auf die Leute, die den eisernen Wagen aus dem Meere herausholen sollen,» sagte er. «Haben Sie das wirklich schon vergessen?» «Nein, ich freue mich, dass das Geheimnis des eisernen Wagens endlich seine Lösung finden soll.» Bald darauf hörte man Schritte drinnen im Hotel, Türen wurden geöffnet und geschlossen. Asbjörn Krag erklärte, dass er einen gewaltigen Morgenappetit habe, er klopfte die Wirtin heraus, und dampfender Kaffee wurde gebracht. Ich versuchte etwas zu geniessen, aber es war mir beinahe unmöglich. Die ganze Zeit über ruhten Asbjörn Krags Augen forschend auf mir. «Sie sind offenbar nicht gewohnt, so früh auf zu sein?» bemerkte der Detektiv. «Sie haben ja gar keinen Appetit.» «Da haben Sie recht; nun fühle ich, dass ich vielleicht doch etwas zu wenig geschlafen habe, meine Augenlider sind heiss und schwer.» «Sie dürfen sich jetzt aber nicht hinlegen,» sagte Krag eifrig, «vielmehr müssen Sie mich hinab ans Meer begleiten, der eiserne Wagen soll herausgezogen werden. Ich verspreche Ihnen ein interessantes Ereignis — und zwar diesmal ohne Blutvergiessen,» setzte er leise hinzu. «Nicht wahr, wir haben genug Blut gehabt?» Ich antwortete nicht. Asbjörn Krag lachte trocken und polternd. «Worüber lachen Sie?» «Entschuldigen Sie,» sagte er, «ich bin vielleicht ein wenig herzlos, aber es ist nun einmal meine Natur, und ich kann mir nicht anders helfen. Ich sehe, dass Ihre Finger zittern und dass die Gabel gegen die Teller klirrt. Ich sah ein Zucken in Ihrem Gesicht, als ich von Blut sprach. Es interessiert mich, zu beobachten, wje unheimliche Ereignisse einzelne Menschen angreifen und sie nach und nach vollkommen knicken.» «Ich bin nicht geknickt.» «Das habe ich auch nicht gesagt, aber Sie sind sehr stark angegriffen, das kann ich Ihnen ansehen.» «Finden Sie das verwunderlich?» «Durchaus nicht, lieber Freund, ich würde es viel sonderbarer gefunden haben, wenn Sie von allen diesen Begebenheiten unberührt geblieben wären. Aber nun höre ich die Leute.» Ein Wagen rollte über den Weg. Asbjörn Krag faltete seine Serviette zusammen, legte sie ruhig neben den Teller und ging ans Fenster. ' Der Wagen wartete oben auf der Höhe; ich dachte nun, wir würden nach dem Hotel zurückzufahren. Asbjörn Krag schlug aber vor, zu Fuss zu gehen, wogegen ich nichts einzuwenden hatte. Ich wollte mich gern durch einen raschen Gang etwas aufmuntern, denn ich fühlte die Mattigkeit in allen Gliedern, war aber anderseits zu nervös, um zu schlafen, wie ich genau wusste. Das Blut jagte mit raschen Schlägen durch meine Adern, und ein heimliches, verzehrendes Feuer brannte in meinen Nerven. Krag ging weiter südlich längs des Meeres, und ich begleitete ihn. Ob er wohl eine Absicht dabei verfolgte, gerade diesen Weg zu gehen? Ich sagte nichts. Einige Zeit später gingen mir die Augen darüber auf, dass der Detektiv wirklich eine Absicht mit diesem Spaziergange verfolgte, eine Absicht, die in seine Pläne passte. Ueberhaupt unternahm er sicherlich nichts, ohne dabei einen bestimmten Gedanken zu haben, und doch war sein ganzes Auftreten so gewöhnlich, so alltäglich, dass es keine Aufmerksamkeit verdiente. Offenkundig tat er nichts Ungewöhnliches. «Wohin führen Sie mich?» fragte ich endlich. «Zurück zum Hotel,» sagte er. «Ich will Ihnen einen Weg zeigen, den Sie wohl niemals zuvor gegangen sind, den Weg über die Höhe.» «Ich wusste wirklich nicht, dass es da einen Weg gibt.» , «Ia, einen verhältnismässig breiten Steg, der sich zum Spaziergehen ausgezeichnet eignet, einen Weg, wie wir ihn uns heute an diesem herrlichen frischen Morgen nicht besser wünschen können.» Naturbeobachtung war offenbar seine starke Seite nicht, denn er äusserte, dass der Morgen herrlich und frisch wäre, dabei war es ganz still und drückend, der Himmel schien dicht über der Erde zu lagern, der Horizont war unsichtig. Die See war bleifarben und lag so unbewegt, dass die sonst unter Wasser liegenden Klippen zutage traten. An einem solchen Morgen beissen die Fische wie toll und kommen mit blutigen Augen herauf. Für uns Menschen ist es das reine Selbstmörderwetter. Ich stand oben auf dem Felsen und sehnte mich nach einem frischen Luftzug, einer fächelnden Brise, die die Brust kühlen konnte. Ich befeuchtete den Finger, um zu erfahren, wie die Windrichtung war. Aber nicht der geringste Hauch war zu spüren; der Tag würde unerträglich warm werden, ich fühlte bereits die Hitze an meinen Augen brennen. Der Detektiv blieb stehen. «Nun sind wir auf dem höchsten Punkte,» sagte er und zeigte auf einen jähen Absturz, der geradewegs bis zum Meere hinunterführte. Ich trat an den Rand, fuhr aber rasch wieder zurück. «Sind Sie schwindlig? > «Vielleicht, jedenfalls sehe ich nicht gern in Abgründe.» Asbjörn Krag stand kurze Zeit schweigend da. Nun kommt etwas, dachte ich und wartete mit Spannung darauf, was er sagen würde. «Ich habe mich oft darüber gewunderte begann der Detektiv, «wie dumm sich in der Regel Mörder benehme^.» «Mörder?» «Ja, und unter den Mördern sind die allertörichtesten diejenigen, die instinktiv, ohne Ueberlegung, handeln. Aber selbst diejenigen, die nach lern genauen Plane vorgehen, benehme sich oft unglaublich plump. So zum Beispiel der Mann, der den For ineister erschlagen hat —> «Sind Sie dessen ganz sicher, dass er erschlagen wurde?» «Vollständig.» «Ich kann nicht verstehen, dass Sie das so bestimmt behaupten. Der alte Gjaernaes und Blinde wurden beide an derselben Stelle tot aufgefunden. Beide hatten eine Wunde am Hinterkopfe. Sie sagen selbst, dass der alte Gjaernaes durch einen Unglücksfall ums Leben kam und dass der eiserne Wagen die Schuld an seinem Tode trägt. Warum lässt sich nicht dasselbe vom Forstmeister sagen?» «Nun, weil ich weiss, dass er erschlagen wurde.» «Das ist jedenfalls schwer zu beweisen.» (Fortsetzung folgt.)

N° 20 — AUTOMOBIL-REVUE 15 Historisches zum Damenrock Die Spanierin hat die schönsten Beine. Erst unser Jahrhundert hat uns einen neuen Frauenschlag gegeben, mit Beinen, die sich sehen lassen können. Das moderne Frauenkleid hat sich allgemach auf ein an Urtümlichkeit gemahnendes Mindestmass eingeschränkt. Der Kontrast mit früheren Epochen ist ungeheuer, besonders hier in Spanien, wo orientalische Reminiszenzen, verbunden mit kirchlicher Prüderie, die möglichst vollständige Verhüllung des Frauenkörpers forderten. Man braucht sich nur die Bilder eines Belasquez anzusehen, um einen Begriff von der abgeschmackten Frauentracht zur Zeit Philipps IV. zu bekommen. Der Saum des über dem malitiös Guardainfante genannten Gitterwerk und zahllosen Unterröcken getragenen Kleids berührte den Boden, und der vordere Unterteil der als Ueberwurf getragenen Basquine hing so lang herab, dass er beim Gehen getreten wurde, um ja die Fussspitze nicht sehen zu lassen. Als im Anfang des Eine aparte Abendtoilette. Ein Worth-Modell von "weisser Crepe de Chine. Die Kontraste worden durch die langen Handschuhe und die Farbenverschiedenheit erhöht. Apart wirkt der passende Hut. Wünschen Sie sein Wohlbefinden in moralischer und materieller Beziehung? Die Pension Noel bietet Ihnen volle Gewähr; vorzügliche Verpflegung; schöne Lage. Pension Noel, Beaux Arts 14. 18. Jahrhunderts die Gemahlin des at Franzose geborenen Philipp V., Maria Ludovica von Savoyen, die überall sonst in Europa herrschende Mode des fussfreien Rocks am spanischen Hof einführen wollte, gab es einen furchtbaren Skandal. Die Damen frondierten entschieden gegen eine solche Zumutung, und die Männer erklärten, lieber sähen sie ihre Frauen tot und in ein Leichentuch gewickelt, als mit unverhüllten Fusspitzen. Damals hätte sich auch keine Spanierin erdreistet, sich unverschleiert auf der Strasse sehen zu lassen, und von ihrem Gesicht war nur ein Auge sichtbar. Es muss wundernehmen, dass in einem «Graf von Leicester» betitelten (in Lessings «Hamburgischer Dramaturgie» besprochenen), von König Philipp IV. selbst gedichteten Drama gleich anfangs eine Szene ist, in der eine Dame in einem Bach ihre Füsse badet, wobei ihre Beine dithyrambisch gepriesen werden. So scheute auch die spanische Malerei vor der weiblichen Nacktheit zurück, und die von Velasquez gemalte «Venus vor dem Spiegel» steht ganz vereinzelt da. Die ältere spanische Malerei ist, trotzdem sie vielfach bei Italienern und Niederländern in die Schule gegangen ist, durchgehends kirchlich und asketisch, als habe man den schönen Ausspruch des Heiligen Augustin vergessen: «Auch der Leib ist eine Schöpfung Gottes», und auch noch später ist Goyas «Nackte Maja» eine Ausnahmeerscheinung. Allerdings gibt es Lästerzungen, die behaupten, die Verschleierung des Gesichts begünstigte Liebesabenteuer dermassen, dass verschiedene Könige sie einschränkten, aber mit wenig Erfolg. Der Spanier (und die Spanierin) gerät leicht von einem Extrem ins andere, und da*her ist hier immer auf eine verhüllte eine unverhüllte Mode gekommen, und zwar mit Ausprägung der jeweiligen Signatur. So wird die jetzt noch überall herrschende unverhüllte Mode hier auf die Spitze getrieben. Lessing sagt im «Laokoon »: « Not hat die Kleider erfunden, aber was hat die Kunst mit der Not zu tun?...» Und besonders die Kunst des Damenschneiders. Nicht der Not, sondern dem eigenen Trieb gehorchend, tragen die heutigen Spanierinnen äusserst bündige Kleider, und die schmiegsamen, durchsichtigen Seidenstrümpfe bringen die Beine zur vollen Geltung. Alle Achtung vor diesen Beinen, an denen kein Schopenhauer etwas aussetzen könnte. Ich glaube, in dieser Hinsicht «steht die Spanierin einzig da». Nicht nur Ihr Sohn nach Neuchätel? YVO N A N D am N ( e so e hweTzr r8ee Töchterpensionat, Sprach- und Haushaltungsschule. Erste Ausbildung in franz. Sprache. Massige Preise. Beste Referenzen. 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Das Kind gleicht in seiner Ursprünglichkeit dem Naturmenschen. Die Logik ist ein Erzeugnis menschlicher Kultur — der kindliche Verstand kann bis zu einem gewissen Alter den Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit noch nicht voll erfassen. Es steht der trockenen Logik unserer Sprache, dem Unterschied Frauen von heute Mrs. Neva Paris, eine bekannte Sportfrau der englisch-amerikanischen Gesellschaft, stürHste bei ihrem Fluge an «BemljBVll Flugtas in Miami zu Tode. ^g^Hg Damit soll natürlich nicht gesagt sein, dass man alle Handlungen des Kindes beschönigen oder gutheissen soll, aber es darf als zwischen wahr und unwahr, recht und un-sicherecht, noch verständnislos gegenüber. Erst kritik führt, in deren Folge — wenn es nicht gelten, dass man es nur so zur Selbst- überhaupt ein verdorbenes Kind ist — es die Lüge und damit den Anfang allen Lasters imterlässt und verabscheuen lernt. unsere Erp^hnungen machen das Kind darauf aufmerksam, dass ma» dies und jenes tadelt und als schlecht oder hässiieh bezeichnet. Das Spiel des kleinen Kindes, seine oft so phantastischen Wünsche, seine nicht selten damit zusammenhängenden Träume sind ihm volle, selbsterlebte Wirklichkeit und können zum Ausdruck eines gewissen Machtwillens werden. Wenn beispielsweise ein etwa dreijähriges Kind voller Eifer erzählt, es sei mit einem riesengrossen Schiff ganz allein auf dem Meer gefahren und es sei dabei ganz allein ein- und ausgestiegen, so wäre es erzieherisch unklug und verkehrt, in diesem Alter auch meist wirkungslos, einen solchen phantastischen Ausflug als «Lüge» zu brandmarken oder gar das Kind dafür zu strafen. Weit angezeigter und zweckentsprechender ist es, in solchem Falle das Kind mit einer scherzhaften Bemerkung abzufertigen und es fühlen zu lassen, dass die unschuldige «Lüge». durchschaut sei. Falsch wäre es, wollte man dem Kinde wegen seines Bedürfnisses, sich bei den Erwachsenen Geltung zu verschaffen — und diesem Bedürfnis entspringt für gewöhnlich seine harmlose Wichtigtuerei — falsch wäre es, ihm dafür zu zürnen. Man würde damit höchstens erreichen, es in seine kleine Innenwelt zurückzustossen, während es unsere Pflicht ist, es mehr und mehr zu uns emporzuziehen, um diese kindlichen Lügen nicht zur Gewohnheit werden zu lassen. Je mehr das Kind die treibende Kraft unserer Liebe fühlt, je mehr wir es als kleinen Menschen anerkennen und werten, um so leichter wird es zu lenken sein. Ein ernsteres Kapitel bilden die Lügen des grösseren Kindes, weil sie viel schwieriger zu behandeln sind — denn sie sind bewusst und oft leider raffiniert durchdacht. Am harmlosesten darunter sind wohl die sogenannten « Notlügen •». Doch wenn wir hier der Sache auf den Grund gehen und die Ursache prüfen, werden wir selten fehlgehen, dem Erzieher den Grossteil der Schuld zuzumessen. Man hüte sich, das Kind durch zu harte Strafen und unsinnige Drohungen zu verscheuchen oder in die Enge zu treiben. In seiner Angst greift es zur Selbstverteidigung — das ist die Luge aus Notwehr. Nur dann, wenn man ihm durch ruhiges, verständiges Zureden Gelegenheit gibt, sein Unrecht durch ein offenes Geständnis wieder gutzumachen, ohne dass es Grund hat, sich vor harter Strafe zu fürchten — nur dann wird es auf die unschöne Waffe verzichten. haben schönes /iaar / Sie leiden nicht an fettigen oder zu trockenem Haar. Sie müssen nicht befürchten, daß man an ihnen Haarschuppen entdeckt oder daß sich ein ungesunderHaarausfall einstellt, denn sie reiben ihr Haar regelmäßig mit Piloslt ein, denn dessen wissenschaftüch ausgewählte Kräuterextrakte stärken den Haarwuchs, geben dem Haar ein schönes weiches, seidenglänzendes • Aussehen. Pilosit wird fettfrei für fettreiches Haar, fetthaltig für trockenes Haar, extra trocken für Bubikopf hergestellt. Preis per Flasche Fr. 3.50, per Doppelflasche Fr. 6.—. Hierzu verwenden Sie zur Kopfwäsche nur das prachtvoll schäumende UHU SHAMPOO, es ist reizlos und garantiert rein. Preis 30 Cts. In allen Apotheken, Droguerientund Parfumerien erhältlich. UHU A.-G, Parfümcriefabrik BASEL, Dep. Nr. 59 feie Zwecklüge. Eine viel traurigere und in ihrer Durchführung weit schwierigere Aufgabe für den Erwachsenen bedeuten jene Lügen, die ersonnen werden, um damit einen bestimmten Zweck zu erreichen : wenn z. B. ohne Wissen von Mutter oder Vater die Schulaufgaben um erwünschterer Zerstreuungen willen unterblieben sind und am andern Morgen irgendwelche Unpässlichkeiten vorgeschoben werden, um dahein bleiben zu können und sich damit vor Entdeckung solcher Nachlässigkeiten zu schützen. Oder man denke an ein Kind, das vorgibt, Geld für Schulsachen zu brauchen, um es dann für Näschereien und unnütze Dinge auszugeben. In solchen Fällen kann der Erwachsene den jungen Sünder nut dann durchschauen, wenn er ihn ganz genau kennt. Weiss.er von der Schwäche des Kindes und weiss er, wie leicht es zu solchen Lügen neigt, dann gilt es, ihnen durch schärfste Beobachtungen zu begegnen, um das Kind in jedem einzelnen Falle zu überführen. Betrachten wir es aber als unser erstes Recht, Wahrheitsliebe und Offenheit vom Kinde zu verlangen.so müssen wir selbst diese Forderungen aufs Genaueste erfüllen. Wir müssen uns hüten, in seiner Gegenwart zu lügen, auch da, wo es sich um sogenannte gesellschaftliche Notlügen handelt. Wir dürfen vor allen Dingen das Kind selbst unter gar keinen Umständen belügen. Denn sobald es entdeckt hat, dass wir selbst nicht erfüllen, was wir von ihm fordern, oder es für etwas tadeln, was wir selbst nicht unterlassen, dann ist das Vertrauen rasch erschüttert und sehr schwer zurückzugewinnen — dann glaubt es ohne weiteres, mit gleichem Recht lügen zu dürfen. E.B'guter. Ueppige Girls gesucht. Wie New Yorker Blätter aus Hollywood berichten, bereitet sich in der amerikanischen Metropole des Filmwesens ein grundlegender Umschwung in der Beurteilung weiblicher Schönheit vor. Der schlanke, knabenhafte, ganz auf «Linie» gearbeitet© Frauenkörper wird nicht mehr gesucht, das Girlideal der Zukunft ist die «gut gepolsterte» Amerikanerin. Madame Fanohon, die französische Directrice der weiblichen Komparsen, die während ihrer 'langjährigen Laufbahn über 10,000 Girls für die Bühne und das Kino ausgebildet hat, erklärte kürzlich, das ihrer Ueberzeugung nach die Mode des Konzerthaus Uhler St. Gallen Modernst eingerichtetes Gesellschaftsbaus am Platz; ff. Küohe und Keller. Zürcher Löwenbräu. Günstiger Aufstellungsplatz. Täglich Künstler-Konzerte. Mit höflicher Empfehlung: Telephon 31.36 A. Bommer-Ledergerber. ZWEI dieser reizend., reich verzierten Väschen aus Silber-Antimon, ausseh, genau wie reines Silber, aber haltbarer, da nicht oxydierend u. unnöt. zu putzen, 12 cm hoch, zu nur Fr. 12.50, franko per Nachnahme od. Voreinsendung. Einzelne Vase Fr. 7.—. Ferner aus demselben Material prächt. Zigaretten- u. Schmuckdosen in Hochrelief, innen holzverkleidet zu Fr. 12,16, 20,28. ORIENT-IMPORT, Postlach 619, LUGANO Clicties Hallwag sind erstklassig