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E_1930_Zeitung_Nr.018

E_1930_Zeitung_Nr.018

über die schlechten

über die schlechten Wege. Es ist die alte Geschichte in Amerika: eine Industrie, die auf Privatinitiative beruht, blüht — was der Staat übernimmt, kommt nicht vorwärts. Riesensummen werden ausgesetzt, aber so viele Pfoten werden geschmiert, so viele Leute machen sich «gesund», dass von der grössten Summe für ihren Zweck nichts mehr übrig bleibt. So gibt es prachtvolle Autos und und nur zu oft miserable Wege... dazu kommt das Missvergnügen, dass man in Amerika fährt, fährt und fährt und doch immer nur wieder dasselbe sieht. Was hat man schon vom Kilometerfressen?! Was hat Amerika schon von seiner tollen Herumraserei? Lasst euch nichts vorschwätzen : Der einzelne Amerikaner ist durchaus nicht glücklicher als der Europäer im fadenscheinigen Röckchen. Der Glücksvogel lässt sich nicht Dollar auf den Schwanz streuen und an den blauen Wunderblümchen rasen die amerikanischen Autos vorbei... EI Golea. Wenn man von einer Durchquerung der Sahara liest (es gibt ja jetzt sogar regelmässige Autobuskurse), so liest man auch meistens von El Golea. El Golea («die Festung») ist ein Dorf inmitten der Sahara, eine prachtvolle Oase 800 km südlich von Algier, an den grossen Routen nach Timbuktu, Gao, Tunis und Algier gelegen. In den hundert Jahren da Golea zu Frankreich gehört, hat es sich mächtig entwickelt, so mächtig dass man nicht mehr weiss, was mit dem Ueberfluss an Datteln und Orangen anfangen. El Golea beging die Jahrhundertfeier auf seine eigene Art. Der Generalgouverneur und seine Gäste kamen in einer Reihe von Im Fach. Sieh dir mal den Kerl da an. -wie unsinnig er sein Messer hält. Autos abends an. Schon war die Sonne untergegangen und die Lichtkegel der Scheinwerfer tasteten die hohen weissen Steine, die die Strasse einfassen, in rascher Folge ab. Die Karawane wurde durch Salven begrüsst. Araber, Berber und Sudanesen erwarteten die Gäste, die einen zu Fuss, andere zu Pferd oder zu Kamel. Statt Feuerwerk schössen die Jungen wir die Alten unaufhörlich ihre Vorladergewehre ab. Ein Freiheitsbaum, mit französischen Flaggen behangen, erhob sich auf dem Marktplatz. Dort fand dann die Zeremonie statt, eine Zeremonie, die zu sehen mancher 100 km weit gekommen war: die Uebergabe eines Gewehres an den gefürchteten Caid von In-Salah. Mit eigenen Augen wollten sie sich überzeugen, dass das unglaubliche geschehen, dass der Caid tatsächlich mit drei andern Häuptlingen von dem «verschleierten» Tuareg heruntergekommen war. 800 km war der Caid gereist, denn sein AUTOMOBIL-'REVUE 1930 — 18 Autostrasse Die Strasse, heisst es, verbindet die Ortschaften. Die Sprache will es so, aber der Automobilist denkt anders; für ihn liegen die Ortschaften an der Strasse. Sie ist im Vorrecht, und sie macht es geltend; ist sie schlecht, ist er traurig; ist sie gut, kann er nur einverstanden sein; und ist sie herrlich, ist er froh. Das Land ist weit und ewig; soviel Stadt es gibt, immer noch mehr Land kann man finden, rechts und links fällt es in gleichen Stücken von der Strasse ab, und das Auge freut sich über die Weite. Ein schmaler Reif ist dem Land um die Stirn gelegt, der seine Weichheit zusammenpresst, aber daneben quillt es üppig auf, schreibt Erik Wickenburg im Bäderblatt. Frisch genährt, hat das Auto einen grossen Mut, die Strassen unter sich zu nehmen; es sieht mit seinen Telleraugen die Strasse lang und unerschöpflich vor sich liegen: bekommt den rechten Hunger, sich darüber herzumachen. Der Mensch drinnen fühlt die leichten Federstösse voraus, er ist bereit, sich im Sattel zu wiegen; der Motor, an seiner Aufgabe erwachsen, zieht kräftig an, die Steine hüpfen wie die Frösche weg, kleine Flöhe prasseln an die Scheiben, ein ungeschlachter Bursche springt gegen das Blech. Die Gräser auf der Seite biegen sich weg und die Bäume zucken hin und her. Der Blick des Fahrers ist in der Ferne zu Hause; irrt er ab, so kehrt er nicht, in die Ferne zurück, ohne die Kühlerhaube seines Wagens, die da laufend steht, rechts und links abschüssig, in der Mitte ein Grat und mit einem Gipfelkreuz vorne, väterlich gestreift zu haben. Die Kotflügel auf beiden Seiten sieht er, wie sie ein wenig vor dem Weg zittern. Der Wagen selber nickt dazu. Schon fällt die Dunkelheit; da erwachen die runden Augen des Autos, strahlen, und die Strasse ist endlos hell. Sie sehen alles zuerst, die geweissten Bäume, die drohende Wand, den unbeleuchteten Wagen; und strahlen immer stärker, bis der Fahrer selbst auch sehend wird. Das viele Schauen macht ihn müde; die letzte Ortschaft an der Strasse ist lang zurückgeblieben, die nächste mit ihren Lichtern kennt noch keiner. Wir wollen rasten; zwei Kilometer von der letzten Siedlung entfernt. Die Strasse hat sich hier über einen Hügel gelegt; nachdem wir alles verdunkelt haben, beginnen unsere Augen in der Nacht zu sehen. Dieser Hügel ist ein kleines Firmament, das grosse steht darüber, es hat einige Laternen, aber die Bogenlampe fehlt. Unabsichtlich, scheint es, sendet es uns zerstäubte Regen macht es noch stiller; die Dunkeln sitzen und um uns sehen. Menschen gibt es keine, wir sind von aller Welt verlassen, mitten in ihr. So einsam ist kein Wald, denn er flüstert, und so einsam ist kein Berg, denn er lebt. Es rührt sich nichts, Hunde sind alle ausgestorben, die Landstreicher, die die Strassen bevölkern, haben sich in die Büsche zurückgezogen. Es ist ganz still, der zerstäubte Regen macht es noch stiller; die Sterne geben keinen Ton, und auch die Steine sind erstarrt. Stamm bewohnte die Berge von Hoggar, die so hoch sind, dass sie sich im Winter oft mit Schnee bedecken. Sonst, wenn er gekommen war, hatte er Schrecken und Tod gebracht. Diesmal hiess es nicht: Rette sich wer kann! Der Caid und seine drei Begleiter kamen in friedlicher Absicht, als ein Freund der « Rumi», der Europäer. Es hatte lange Unterhandlungen von seiten der Franzosen gebraucht, bis er sich entschlossen hatte, sich auf die Reise zu machen. «Der Weg ist weit, wir werden wochenlang auf dem Wege sein und unsere Stämme werden keine Führer haben », hatten der Caid und seine Häuptlinge gesagt. « Der Weg ist kurz im Automobil», hatten die Franzosen erwidert. «Welche Belohnung erhalten wir für die fteise ? » «Der Caid erhält ein Gewehr und seine Begleiter Bargeschenke.» « Was für ein Gewehr und mit wieviel Munition ? » « Das Gewehr wird ein ganz neues Modell sein und Munition dazu gibts soviel ihr tragen könnt. > Da Hess sich der Caid und seine Häupptlinge überreden und alle vier bestiegen, immer noch ein wenig misstrauisch das Auto. Auf dem sandigen Marktplatz erfolgte die Uebergabe des Gewehres, auf das tausende begehrliche Augen gerichtet waren. In feierlichem Schweigen hielt es der Caid eine Weile in der Hand und gab es dann einem Diener. Dann folgte eine Rede des Gouverneurs, die Häuptlinge wurden mit den versprochenen Geschenken bedacht, den Abschluss bildete ein Galopprennen der Kamele. Uns mag das recht einfach dünken, aber für die Zuschauer waren das Ereignisse, über die noch monatelang diskutiert werden wird. So regiert Frankreich in Algerien, mit Geschenken und ... Automobilen. To. Seltsame Operation auf der Strasse. Kürzlich wurde in Bristol der 76jährige Kaufmann Henry Brooks so unglücklich überfahren, dass von dem herbeigerufenen Arzt die Verantwortung für einen Abtransport in ein Krankenhaus nicht übernommen werden konnte. Innerhalb weniger Minuten war indes ein Operationstisch zur Stelle geschafft und Arm- und Beinoperation wurde unter freiem Himmel vorgenommen. ...und au! hoher See. Der Dampfer « Tosari» vom Rotterdamer Lloyd befand sich vor kurzem auf der Heimreise nach Holland mitten im Indischen Ozean, als einer der Matrosen plötzlich einen so starken Anfall von Blinddarmentzündung bekam, dass der Eintritt des Todes befürchtet werden musste, wenn man nicht sofort zur Operation schritt. Es war jedoch keine Gelegenheit vorhanden, um rechtzeitig einen Hafen anzulaufen. An Bord des Dampfers befand sich der junge Arzt Dr. J. G- Wisse, der für die Reise als Schiffsarzt mitgenommen worden war. Er entschloss sich, die Operation auszuführen. Der Matrose wurde auf den Tisch im Schiffssalon gelegt, drei Mann der Besatzung, die noch nie in ihrem Leben einer Operation beigewohnt hatten, wurden als Assistenten bestimmt und mit ihrer Unterstützung vollbrachte der energische junge Arzt das Werk: eine gefährliche Operation auf dem Speisetisch des Salons eines schwankenden Schiffes mitten auf hoher See mit sehr fragwürdigen Instrumenten und Hilfsmitteln. Die Operation gelang ausgezeichnet und bereits nach wenigen Tagen war der Patient ausser Gefahr. geschehen sollte. Ich dachte: Wenn nun ein Mensch drinnen in der Hütte sässe und auf dich wartete? Ich hatte einen alterschwachen Schaukelstuhl in meinem Zimmer und konnte den Gedanken nicht loswerden, dass vielleicht ein Mensch in dem Stuhle sässe. Dabei hatte ich auch eine Vorstellung, wie dieser Mensch aussehen könnte . . . eine schneeweise Stirn . . . bei meinem Eintreten würde der Mensch ganz ruhig im Schukelstuhl liegen, die weisse Stirn würde durch die Dunkelheit leuchten, er aber würde nichts sagen ... Ich ging rascher und rascher. Ich jagte förmlich, um vorwärtszukommen, damit mich die sonderbare Angst, die wuchs und wuchs, nicht übermannen sollte. Ehe ich es gewahr wurde, stand ich mitten im Zimmer, der Schaukelstuhl war leer, ich schloss die Tür hinter mir. Aber während ich nach den Zündhölzern herumtastete, hörte ich ganz deutlich eine Uhr ticken, aber das war nicht meine Uhr. Ich fühlte, wie sich eine eisige Furcht um mein Herz legte und war nahe daran, wieder zur Tür hinaus zu laufen. Da fiel mir die Totenuhr ein, jenes kleine Insekt, das in alten Häusern sein Lied singt. Es war nur die Totenuhr, die ich hörte. Ich fuh'r fort, nach den Zündhölzern zu suchen, konnte es aber nicht lassen, nach dem intensiven Tikken zu horchen, das anscheinend den Platz wechselte und mich verfolgte; in meiner verwirrten Phantasie glaubte ich, dass ein Mensch lautlos hinter mir her wäre, ein Mensch, den ich nicht sehen konnte, dessen Taschenuhr ich aber hörte. Endlich fand ich die Zündhölzer. Ich nahm den Zylinder von der Lampe —er war warm. Der Lampenzylinder war warm. Ich blieb wie gelähmt stehen; in der einen Hand hatte ich den Zylinder, in der anderen ein brennendes Streichholz. Das Streichholz brannte, bis mir die Flamme die Finger versengte, dann löschte ich es aus "und alles lag im Dunkeln. Das einzige Gefühl, das mich danach beherrschte, war ein massloses Verlangen, die Dunkelheit zu verjagen, Licht um mich her zu bekommen. Ich erinnere mich nicht, wie es zuging, aber plötzlich hatte ich die Lampe angesteckt, und meine Augen glitten unwillkürlich hinüber zum Fenster. Es war ein grosses altmodisches FensteT mit acht Scheiben. Draussen vor diesen acht Scheiben lagerte die Dunkelheit und machte das Fenster schwarz wie Ebenholz... Das Rouleau!... Ich erhob mich, um es herunterzulassen. Ich zitterte vor Angst... Da sah ich draussen im Dunketa ein Gesicht, das mich anstierte, es war der Ermorderte... die hohe Stirn... die hellroten Lippen •.. der geteilte Bart, der wie eine offene Wunde klaffte... Das Gesicht stand zum Greifen deutlich in der kohlschwarzen Dunkelheit. Nun kam es näher, und ich konnte auch den Hals sehen, den geknickten Kragen, den Schlips, der schief auf dem rechten Ohre sass. Der Tote war im Begriff, in mein Zimmer hineinzusteigen! VI Der Hand. Ich wankte vom Fenster fort, wandt© mein Gesicht gegen die Wand und blieb mehrere Minuten auf den Knien liegen, indem ich mich mit den Armen auf die Bettkante stützte. Mit einer Stimme, die merkwürdig entfernt klang, rief ich mehrere Male, vor Schrecken fast atemlos: «Nein, nein, nein!» Nicht um alles in der Welt konnte ich die Augen zum Fenster wenden. Aber ich fühlte im Nacken, dass das schreckliche Gesicht draussen im Dunkeln näher kam. Nun drang es herein durch die grüne Scheibe, glitt durch das Glas wie eine Leiche, die durch das Wasser treibt — langsam und schrecklich, still und stetig näher kommend. IcH konnte nicht dorthin blicken, nicht um alles in der Welt. Plötzlich drehte ich dennoch den Kopf. — Da stand das Gesicht wieder, weiss und gleich es windstill war. Aber die Luft selbst war schwer und drang ins Zimmer hinein ; sie war erfüllt von Seegeruch, leuchtete blau von den Reflexen der hellen Sommerwolken und trug zugleich mit sich den herrlichen Duft des Sommers, der von den weiten, frischgemähten Wiesen, den trockenen sonnenbeglänzten Heidehügeln, den Tannenwäldern kam. Hier hatte sich die Luft mit dem würzigen Geruch von Harz und modernden Kieferzapfen gesättigt, nachdem sie zuerst sicherlich auf vielen geheimnisvollen Halden, den Kehrichthaufen des Sommers, geweilt hatte, wo Himbeeren und Erdbeeren üppig zwischen trockenem Reisig wachsen und feuchte Nattern unter den Steinen hervorkriechen. Unter dem grauen Wolkenschleier schien die Luft drückend zu sein; dann aber kam mit Sonnenaufgang der Wind und schob die Decke über dem Horizont fort, dort im Osten brachen schon lichtblaue Lanzen durch den Wolkenflor, es blinkte und glänzte goldig in der Luft, gerade als ob tausend blitzende Schwerter in Bewegung waren. Ledig von der Last der Finsternis und des Schreckens, konnte ich nun in Ruhe überlegen, was eigentlich geschehen war. Ich begann, mich selbst wegen meines Mangels an Mut und Beherrschung zu hassen. Das Ganze war eine Sinnestäuschung gewesen, eine Erscheinung, die in meinen erregten Sinnen ihren Ursprung hatte. Aber wessen Nerven konnten auch wohl unerschüttert bleiben in Zeiten wie diesen, in denen ich das Gefühl hatte, als wäre ich in Blut umhergewatet. (Fortsetzung folgt.) grässlich, mit hoher Stirn und hellroten Lippen, wie die eines Kindes. Ich warf mich über das Bett und verbarg meine Augen, aber ich fühlte den Hauch eines eisigen Schreckens im Nacken, eine Kälte wie ein geisterhafter Schein des Mondes. ... Endlich erwachte ich aus einer Betäubung, die Qtwa eine Stunde gedauert haben mochte. Das fahle Morgenlicht schien ins Zimmer. Noch immer vermochte ich nicht, zum Fenster zu blicken, aber ich wusste, dass es draussen von Minute zu Minute heller wurde. Ich hatte ein Gefühl, als läge ich in der Kajüte eines kleinen Fahrzeugs, in dem ich durch die Finsternis dahingefahren wäre, und nun kämen der Tag und das Licht herauf. — In dem Masse, wie ich anfing, die Gegenstände um mich deutlicher zu erkennen, wich das Entsetzen von mir; als ich die alte gemütliche Wanduhr sah, die seit einem Menschenalter nicht in Gang gewesen war, die kleinen Oeldruckbildef, das Bild der Nationalhelden von 1905, die Blumenvasen, die weissen Papiere auf dem Tisch, alles zusammen so heimisch und friedlich, war ich mit mir sofort im reinen, darüber, dass ich mich eigentlich ziemlich würdelos benommen hatte. Ich war nun schon zum zweiten Male ohnmächtig geworden, war also schwächer als ein hysterisches Weib. Nun sah ich nach dem Fenster... Draussen reckten sich die Bäume gegen einen feuchten, grauen Himmel empor. Ich öffnete das Fenster. Sofort wehten die Gardinen wie bauchige Segel ins Zimmer, ob- Schweizer! sehe £!iclcreiiossen schaft X Eidgenössische Anleihe, 1930, v. Fr. 2S0.000.000 zur teilweisen Konversion bezw. Rückzahlung der am 1. September 1930 fälligen 5V 2 % Eidgenössischen Anleihe, 1922, von Fr. 300,000,000. Enrissionspreis für Konversionen und Barzeichnnnjron: 98,90%, zuzüglich 0,6% eidg. Titelstempel. Rückzahlung: 1948. Eonversionssoalte: Fr. 9.90 per Fr. 1000 konvertierten Kapitals. Konversionsanmeldnngen und Barzeichnnngen werden vom 26. Februar bis 7. März 1930, mittags, entgegengenommen bei sämtlichen Banken, Bankfirmen und Sparkassen der Schweiz, die im ausführlichen Prospekt als Zeichnungsstellen aufgeführt sind. Bern und Basel, den 24. Februar 1930. Kartell schweizerischer Banken. Verband Schweizerischer Kantonalbanken.

jjfo 18 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE 1,1 Eine Autoreih© hält, die Bahn ist gesperrt. Endlich! Freie Fahrt, los! Aber es geht nicht los. Der erste Wagen fährt nicht an, der zweite und der dritte hupen; aber es hilft nichts. Die Passanten werden aufmerksam. Aha, eine Dame am Volant. Schadenfroh grinsend bleibt man stehen. Die Dame wird nervös, lächelt verlegen zum Verkehrsposten hinüber. Der aber winkt nur heftig mit dem Arm: weshalb fährt sie denn nicht?! Sie schaltet, drückt und tritt: der Wagen rührt sich nicht. Der Hintergrund flucht und schimpft. Die Mitmenschen grinsen jetzt frech und schamlos. Da lässt sie den Wagen in Ruhe und — lächelt. Lächelt zum Publikum, lächelt zum Schupo, der nun eilig herbeikommt. Zauberhaft wirkt das Lächeln der schönen Frau: von allen Seiten strömen die Männer herbei und schieben den Wagen zur Seite. Haben Sie solch einen Vorfall nicht auch schon einmal erlebt? Und dachten Sie nicht: Nun ja, eine Frau am Volant!? Ist dieses zufällige Ueberlegenheitsgefühl Ihre feste Ueberzeugung? Ich habe einen Verkehrsposten gefragt: «Wie ist Ihr Urteil über die Frau am Volant? Welche Erfahrungen haben Sie darüber sammeln können? Macht Ihnen ihr Fahren Schwierigkeiten?» Der erste Polizist sagt: «Die Frau fährt gut. Im Verhältnis zu den Männern sind es ja bisher nur wenige Frauen am Volant. Sie fahren sogar besser als die Männer. Ein Fall, wie Sie ihn eben schilderten, kommt wohl mal vor. Aber das halte ich für eine Ausnahme. Es wird eine Anfängerin gewesen sein. Vielleicht hat auch der Motor mal seine Mucken gehabt... Ist doch nicht ausgeschlossen.» «Hm, sio fahren doch eigentlich nur neue Wagen.. .> «Sehen Sie, dann ist es sicher eine Anfängerin gewesen, die ihren neuen Wagen spazierenfuhr, um ihn ihren Bekannten zu zeigen, um sich in ihm ihren Bekannten zu zeigen. Denn ich kenne fast alle Damen und ihre Wagen, die hier vorüberfahren. Und die fahren gut.» Der Wachtmeister begann, mir einige Namen aufzuzählen, die er turmhoch über alle Herrenfahrer stellte. Es waren bekannte Rennfahrerinnen. Ich fragt© ihn, ob er irgendwelche Schwierigkeiten mit «der> Dame habe. «Nein, ich kann Ihnen nur sagen, dass sie es besser als der Herr macht. Sie hält rechtzeitig, sie fährt rechtzeitig an. Die Herren dagegen wollen immer noch .gerade rüber*, die haben es all© viel zu eilig. Dann sitzen si© natürlich am ehesten fest. Mit denen habe ich dann Scherereien. Die Dame dagegen beachtet korrekt alle Verkehrssignale. Ich kann Ihnen nur sagen, dass sie wirklich besser fährt als der Herr.» Ich dankte dem Schupo, der sich so galant über die Frauen am Volant ausgesprochen Reparaturen aller Gummiwaren — Auswahlsendung Madame, Sie fahren gut! oa DDE Galoschen, Schneeschuhe! NAEF & SPECKER, GUMMI A.-G. SihIstrasse 38 Zürich 1 Handelshot vis-ä-vis „Glockenhof" hatte und ging zu einem zweiten. Ein Urteil ist doch immerhin subjektiv, besser ist es, noch jemand zu hören. Und... ? Der zweite Polizist sagt: Die Frau fährt gut. Sie fährt ebensogut wie der Mann. Ich habe auf meinem Posten keinen Fall erlebt, dass man der Dame zu Hilfe kommen musste. Sie fährt im allgemeinen vorsichtiger als « er ». Bei Neulingen "ist es manchmal nicht geheuer, doch das geht allen so. Zu verwarnen brauch© ich « sie > nie.» Zwei Urteile aus berufenem Mund. Das eine war herzlich, freundlich und galant, das andere knapp, militärisch und korrekt. « Madame, Sie fahren wirklich gut.» Stehen sich da zwei Meinungen gegenüber? Die Beobachtung, die man selbst gemacht hat, und das Urteil der Verkehrsposten? Wer hat recht? Was ist die Ausnahme, was ist die Regel ? Der Fahrlehrer sagt: «Im allgemeinen ist die Auffassung beim Fahrenlernen bei den Damen besser als bei den Herren», belehrte mich der Leiter einer Fahrschule. «Selbstverständlich gibt es überall Ausnahmen. Die Frauen sind gewissermassen zum Fahren «prädestiniert». Man fährt mit dem Gefühl. Man darf nicht lange über ein© Situation nachdenken, man muss instinktiv handeln, fahren. Diese Eigenschaft bringt die Frau in hohem Grad mit. So erklärt sich auch die scheinbar paradoxe Tatsache, dass intellektuelle Menschen — ich mache täglich die Erfahrung an Akademikern und auch sonst hochgebildeten Leuten, dass diese vielzuviel überlegen — schlecht fahren. Ja, ich möchte fast sagen, dass die Fahrkunst im umgekehrten Verhältnis zur Intelligenz steht. Gefühlssicherheit ist das Haupterfordernis zum Autofahren. Und dies© hat die Frau.» Wi© steht die Frau zur Theorie? «Si© ist ganz und vollkommen bei der Sache. In kürzester Zeit beherrscht sie die Theorie. Vielleicht gerade aus dem Grund, weil der Stoff ihr fremd ist, spröde und trokken, darum stürzt si© sich mit grossem Eifer darauf. Di© Herren — glauben, alles nicht nötig zu haben.» «Wie verhält sich die Dam© bei den ersten Ausfahrten?» «Sie fährt sehr vorsichtig und macht kaum Fehler. Wie gesagt, sie ist mit ganzer Seele dabei, sei es nun in Theorie oder in Praxis.» «Wie erklären Si© sich den Fall, dass ein© Dam© mit ihrem Wagen gerade oft an wichtigsten Verkehrspunkten steckenbleibt?» «Das kann sehr leicht vorkommen . Die Frau hat das beste Zeug, ein guter Fahrer zu sein — aber ihr mangelt manchmal die Entschlusskraft. In jenen Augenblicken, in denen es auf den Bruchteil einer Sekunde ankommt, versagt si© schon einmal. Ich habe oft diese Erfahrung gemacht. An jeder Strassenkreuzung kommt sie leicht vorbei; trifft sie aber auf einen Verkehrsposten, der Verkehr mag noch so ruhig sein, fühlt sie sich sofort unsicher. Die Uniform! Ein falscher Griff, sogleich folgen drei andere ebenso falsche. Und der Wagen bleibt stehen. Das Publikum grinst. Die Verwirrung wächst. Doch glaube ich, dass dieses Unheil kein© erfahrenen Fahrer trifft Meistens wird es in der ersten Zeit nach dem Erwerb des Führerscheins sein. Die Gründe für solche glorreiche Ausfahrten können Sie sich wohl denken: ein neuer Wagen und ©in ganz klein wenig Eitelkeit ...» Haben die Männer wirklich ein Recht, fragt sich Kurt Fischer in der «Kölnischen Zeitung», höhnisch zu grinsen oder überlegen die Nase zu rümpfen, wenn eine Dame mit ihrem Wagen steckenbleibt? Wie klein ist doch noch immer die Zahl der fahrenden Damen im Vergleich zu den Herren — und ihren Unfällen! Es hilft nichts, wir müssen gestehen: Madame, Sie fahren gut. Neue Frauenberufe Es ist nicht jedermanns Sache, einen neuen Beruf zu ersinnen, der eine sichere Existenz ermöglicht, aber es kommt doch öfter vor, dass neue Berufe kreiert werden, öfter, als man bei oberflächlicher Betrachtung anzunehmen geneigt ist. Die grosse Kunst, etwas herauszufinden, was einem wirklichen Bedürfnis entspricht, ist speziell in Amerika einer nicht geringen Zahl von Frauen eigen, die originelle Erwerbszweige geschaffen haben. Wohl die bekannteste unter ihnen ist die Mutter der « gift shops», jener Geschäfte, in denen Rat bei der Auswahl von Geschenken erteilt und dem individuellen Geschmack des Schenkenden und der Persönlichkeit des Beschenkten entsprechende Geschenke vermittelt oder aus eigener Werkstätte verkauft werden. Die Verkaufsberaterin für Geschenke. Der erste «gift shop» wurde von der Tochter eines grossen Antiquitätenhändlers in Montreal vor einigen Jahren eröffnet und erfreute sich nach wenigen Monaten des Interesses der halben Stadt. Die junge Frau verfiel auf diese originelle Idee, weil sie beobachtet hatte, dass die meisten Leute nie wussten, was sie bei einer bestimmten Gelegenheit schenken sollten; die Folge dieses Unverständnisses und dieser Unschlüssigkeit war stets, dass für teures Geld wertloser Plunder oder Dinge, die dem Beschenkten nicht die geringste Freude machten, erworben wurden. In den zumeist in Teestuben installierten «gift shops» — das Beispiel der Tochter des Antiquitätenhändlers haben natürlich viele andere Frauen nachgeahmt — wird jedoch der Spender belehrt und auf die richtige Spur geleitet. Man lässt sich von ihm allerlei Details aus dem Leben, über den Charakter, die Lebensgewohnheiten und die Lebensverhältnisse der zu beschenkenden Persönlichkeiten erzählen und richtet danach die Ratschläge ein. Anderseits steht dem Käufer eine Sammlung der verschiedenartigsten Dinge zur Verfügung. Das Hübscheste an der Sache ist, dass ein erstrangiger « gift shop » seine Ehre dreinsetzt, bloss Waren anzubieten, die sonst nirgends anderswo zu haben sind. Häufig sind mit einem solchen Geschäft grosse Ateliers verbunden, in denen Entwürfe, die das Eigentum der Firma sind, ausgeführt werden. Auf jeden Fall achtet die Das schönste modernste u. praktischste Grammophon des Weltmarktes ist unbestreitbar das neue elektrische Frauen und Sport Die 20jährige Australierin Calrico Keanedyn. dia mit 12/4 Sekunden den Weltrekord für Frauen im 80-Meter-Hürdenlaufen gebrochen hat. Beraterin der « gift shop » darauf, dass der Schenker mit einer Gabe, die den Anspruch erheben kann, als originell bezeichnet zu werden, vor der zu beschenkenden Person erscheint. Hunderte Frauen in Amerika verdienen heutzutage mit «gift shops» ihren Unterhalt und es soll ihnen allen sehr gut gehen. Der Spielzeugsalon. Aehnlich liegen die Dinge auf dem Gebiete des Spielzeuges. Hier kam eine Amerikanerin auf die gute Idee, Eltern und anderen Leuten, die Kindern gern Freude bereiten, beim Ankauf von Spielzeug hilfreich an die Hand zu gehen. Anfangs beschränkte sie sich darauf, gegen eine massige Vergütung dasjenige, was nach ihrer Ansicht für ein bestimmtes Kind am zweckmässigsten war, auszusuchen und es in den vorhandenen Geschäften zu bestellen. Je mehr sie sich aber einarbeitete, desto mehr Lücken und Mängel nahm sie wahr, die in der Spielzeugbranche bestanden^ Sie setzte sich deshalb mit Spielzeugfabrikanten in Verbindung, denen sie neue und oft ausserordentlich gute und originelle Gedan-< ken für die Erzeugung von Spielsachen zuc Ausführung überliess. Aus dieser Zusammen-» arbeit entwickelte sich im Laufe der Zeit ein sogenannter « Spielzeugsalon ». Eine Art Ausstellung und zugleich Beratungsstelle, also eine permanente Spielwarenmesse, in den sich nicht allein Eltern, sondern auch Vereine der verschiedensten Art informieren lassen, wenn es sich darum handelt, Kindern Beschäftigungsmaterial zu bieten oder Vergnügen zu verschaffen. Das Obstrestaurant. In Europa gibt es abeT auch Frauen mit originellen Ideen. Aus Skandinavien kam der Plan eines Restaurants, in dem ausschliesslich Früchte und Speisen, die aus Obst hergestellt werden, aufgetischt werden. Die* Stockholmer Dame, die diesen Gedanken zum erstenmal verwirklichte, hat ihre Initiative nicht zu bedauern. Die Leute, die ihr Lokal besuchen, schätzen ihr Etablissement als eine erstrangige Gelegenheit, in dem man sich bei den Klängen eines ausgezeichneten Orchesters in einer mondänen Umgebung sowohl an dem erlesensten Obst als auch an den • ••'• •l«:»l»l« •;•,••;•••-•.•!•.•• Magenschmerzen sind äusserrt unangenehm, DiMAlb. verschwinbeim Gebrauch den aber nach kurzer Zeit von Columba-Magenpulver Es ist ein unschädliches, sicher wirkendes Mittel gegen Verdauungsstörungen jeder Art. gegen Appetitlosigkeit, Magenschmerzen. Magenkrampf, Uebelkeit, Erbrechen, Magendrücken, Sodbrennen, Blähungen. Aufstossen, übelriechenden Atem. Preis pro Schachtel Fr. 3.—. Machen Sie einen Versuch and Sie werden von dessen Güte, wie schon hundert andere Kunden, überzeugt sein. Einzig erhältl bei der Apotheke zur Täubt. Schaffhausen 7. In Truhenform, Nussbaum poliert, oder anderes Holz auf Wunsch, automatische Ein- und Ausschaltung, Motor u. 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