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E_1930_Zeitung_Nr.014

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1930 - Eine automatische Vorrichtung, die einen unnötigen Prennstoffverbrauch durch die Leerlaufdiise beim Abwärtsfahren oder Bremsen verhindert. Die links eingezeichnete Leitung 1 hat mit der Brennstoffzufuhr nichts zu tun. Sie stellt lediglich den Anschluss eines Bowdenzuges dar, der eine zwangsläufige Offenhaltung oder Oeffnung des Nadelventils gestattet. Diese Zusatzvorrichtung erlaubt dem Fahrer ein wunschgemässes Beeinflussen der sonst automatischen Brennstoffabsperrung. Es kann dadurch vermieden werden, dass der Motor nach jedem kurzen Bremsen oder am Ende des Gefälles stillzustehen droht. Die Feder F hat den Zweck, das Nadelventil am Vibrieren zu verhindern. y- Das selbstöffnende Garagen- oder Gartentor. Garagentore, die sich auf Anruf, Hupensignale, Scheinwerferbestrahlung und andere äussere Einflüsse öffnen, sind nichts Neues mehr. Auch das mit elektrischen Wellen bediente Tor ist bekanntlich bereits geboren worden, und zwar, wie wir vor einiger Zeit berichteten, durch einen Neuenburger Ingenieur. Nun rückt eine englische Firma nochmals mit einer neuen, diesmal aber viel einfacheren Lösung auf. Sie macht das Tor zum Stehaufmännchen. Die Torfläche ist um ihre untere Kante schwenkbar eingebaut, so dass sie sich glatt auf den Boden niederlegen kann. Will man mit dem Wagen die Garage verlassen, so fhrt man einfach sanft an die Torfläche an und legt sie so nieder. Die Pufferstangen des Wagens treten endlich einmal in Tätigkeit. Der Wagen fährt dann einfach über die Torplatte hinweg und der Fahrer hat weiter nichts mehr zu tun, da sich das rTor, wenn der Wagen vorbei ist, unter dei Wirkung von Federn und Gegengewichten und andern billigen Brennstoffen betrieben werden kann und — was ganz besondere Beachtung verdient — sogar leichter sein soll als ein Benzinmotor. Danach wäre der Motor berufen, den Benzinmotor als Antriebsmittel für Automobile und Luftfahrzeuge schon in der nächsten Zeit zu verdrängen. Einzelheiten über den neuen Motortyp Coatalens, an dem seit drei Jahren gearbeitet worden ist, stehen jedoch noch aus. y. s» Antwort 7277. Vernickeln von Aluminium. Zuschrift weitergeleitet. Red. Frage 7523. Blechkoffer «Kari-Keen». Wer liefert in der Schweiz die amerikanischen, patentierten Bleohkoffern «Kari-Keen», mit herunterklappbarem Deckel? R. S. in W. Frage 7524. Vulkanisafor. Kann mir jemand die Adresse der Firma angeben, welche den deutschen Vulkanisator Parus fabriziert ? A. R. in B. Frage 7525. Selbsttätige Entladung einer Batterie. Bin Besitzer eines Wagens mit elektrischer Anlage ohne Anlasser, welche tadellos funktionierte bis nach einer Revision. Seither machte ich die Wahrnehmung, dass über Nacht die Batterie sich bis auf ein Minimum entlud, so dase die Beleuchtung ganz schwach war. Nach 40 bis 50 Minuten. Fahrzeit ist die Beleuchtung dann wieder normal. Der Mechaniker erklärte, er habe bei der Revision die zu schwache Schwefelsäure einsetzt und die Batterie geladen. Muss nun die Batterie (wie der Mechaniker meint) ersetzt, oder könnte sie von einem Fachmann repariert werden ? Könnte die Entladung eventuell von einer defekten Stelle der Lichtleitung herkommen ? Für Auskunft höflich dankend. K. S. in G. Antwort: Die wahrscheinlichste Störungsursache ist die. dass in der elektrischen Anlage irgendwo ein teilweiser Kurzschluss besteht, durch den sich die Batterie entladet. Dieser Kurzschluss kann auch in der Batterie selbst vorliegen, sei es, weil Füllmasse aais den Platten herausgeb-röckelt ist und am Boden der Zellen einen teilweise leitenden Schlamm bildet, oder dass die Platten sich gegenseitig stellenweise berühren. Auf alle Fälle sollte die Anlage eofort durch einen sachkundigen Spezialisten untersucht werden. Eine vorherige Auswechslung der Batterie würde nur unnütz Kosten verursachen, ohne dass der Erfolg sichergestellt ist. 7. Frage 7526. Anlassen des Motors. Der Motor meiner kleinen Limousine ist bei kaltem Wetter oft recht schwierig in Gang zu bringen; dies ist umso fühlbarer, als meine Garage keine Heizeinrichtung besitzt. Für das Anlassen pflege ich wie folgt vorzugehen: . -. v -. . \ f* ( selbsttätig wieder erhebt und in die Verschlussstellung zurückgeht. y. klappe des Vergasers, beinahe ganz, gebe ordenttend geringerer Tourenzahl anzutreiben vermag, Mit der Handkurbel drehe ich vorerst dep Motor merkbar machen, hängt damit zusammen, dass der ein paarmal durch, dann schliesse ich die Luft- Anlasser einen erstarrten Motor ja nur mit bedeu- Der Leichtgewicht-Dieselmotor. Der be-lickannte Konstrukteur Louis Coatalen soll ei- trete die Kupplung aus und betätige den Anlasser. und letzten Endes die Magnetspannung entspre- Handgas, spritze einen «Stoss» Benzin ein, dass damit auch die Magnettourenzahl niedriger nen neuen Leichtgewicht-Dieselmotor herausgebracht haben, der Tourenzahlen bis Einzig wenn ich genügend warmes Wasser ver- etwas schwach ist, können wir natürlich vom grü- Trotz dieser Vorbereitungen lässt das Anspringen chend geringer ist. oft auf sich warten. Ob der Magnet in Ihrem Fall von vornherein 2200 pro Minute erreicht, mit Petrol, Rohöl wende und damit den Motor erwärme, geht die Innen Tisch aus nicht beurteilen. Immerhin ist eä betriebsetzung leichter. Es ist mir nun gesagt worden, dass der Magnetapparat offenbar einen zu schwachen Funken erzeuge und es wäre daher der Einbau eines stärkeren Magneten wünschenswert. Daher möchte ich die folgenden Fragen stellen: 1. Liest in der Art, wie ich beim Starten vorgehe, irgend ein Fehler? 2. Könnte der Fehler eventuell bei einem zu grossen Elektrodenabstand der Kerzen liegen? 3. Ist im vorliegenden Fall der Einbau eines stärkern Magnetapparates anzuraten oder wäre vorerst noch mit dem Einbau eines Wärmeflansches zu probieren, ohne dass hierbei eine zu starke Beanspruchung der Batterie zu befürchten wäre? E. F. in L. Antwort: Die Art Dires Vorgehens beim Anlassen des Motors ist im allgemeinen zweckmässig. Nur die Einstellung der Gasdrossel könnte eventuell noch besser gewählt werden. Die meisten Motoren laufen dann am leichtesten an, wenn das Gas nahezu vollständig geschlossen ist; denn nur bei dieser Drosselklappenstellung entsteht auch bei kaltem Motor durch die Leerlaufdüse ein einigermassen gut vernebeltes Gasgemisch. Allerdings kompensieren Sie, wie Sie angeben, die Wirkung der stark geöffneten Gasdrossel bis zu einem gewissen Grad, indem Sie die Luftklappe fast ganz schliessen. Ausgeschlossen ist es nicht, dass auf diese Art ebenfalls ein gut brennbares Gamisch zustandekommt. Da Sie aber bei der Einstellung beider Klappen nur «mit Gefühl» vorgehen, ist die Wahrscheinlichkeit dafür ziemlich gering. Einmal wird das Gemisch zufällig richtig sein und der Motor anlaufen. Sehr oft, sicher häufiger, wird seine Brennbarkeit jedoch zu wünschen übrig lassen, dann bleibt der Motor eben stehen. Die Leerlaufvorrichtung des Vergasers dagegen liefert bei richtiger Einstellung zwangsläufig ein immer nahezu gleichbleibendes Gemisch. Die ganze Kunst liegt darin, einmal bei Eintritt der kalten Jahreszeit die günstigste Einstellung zu suchen. Das gilt sowohl für die Einstellung der Düse wie für die der Drosselklappe, bzw. des Handgas-Betätigungsorgans. Diejenige Stellung des Handgasknopfes oder -hebeis, bei welcher der Motor erfahrungsgemäss am besten anspringt, muss dabei ein für» allemal markiert werden. Meist ist die günstigste Handgaseinstellung für das Anlassen die. bei welcher der Motor, wenn er einmal angesprungen ist. gerade noch genug Gas erhält, um langsam weiter zu laufen. Gibt man mehr Gas, so wird wieder das Gemisch schlechter und die Anlauf-Chancen vermindern sich. Gibt man weniger, so vermögen die zu schwachen Explosionen den kalten, verharzten Motor nicht in Umdrehung zu erhalten. Der Elektrodenabstand der Zündkerzen kann daneben ebenfalls eine grosse Rolle spielen. Ueberschretyet er das normale Mass (0,4 mm), so besteht die Möglichkeit, dass die Spannung zur Funkenbildung nicht ausreicht, besonders wenn der Magnet vielleicht nicht sehr leistungsfähig ist. Dass sich Uebelstände zuorst in der- kalten Jahreszeit be- No 14 ebenfalls möglich, dass das schlechte Anspringen des Motors damit zusammenhängt. Bevor Sie sich mit der Anschaffung eines neuen Magneten Kosten machen, sollten Sie sich aber überzeugt haDen, dass durch andere Behandlung und Einstellung der Vergasung keine Besserung mehr zu erzielen ist. Der Einbau eines Wärmeflansches ist als zusätzliche Massnahme günstig. Bei schlechter Vergasung kann er nützen, bei schlechter Zündung natürlich aber nicht oder doch nur sehr wenig. Im übrigen entsteht durch den Anschluss eines guten Wärmeflansches für die Batterie keine wesentliche Mehrbelastung. Frage 7527. Feststellung der Polarität Gibt es Mittel und Wege, um bei einer alten Autobatterie die Polarität festzustellen, wenn die Zeichen auf den Polen nicht mehr erkenntlich sind und die Batterie ganz entladen ist, also gar keinen Strom, mehr aufweist ? R. W. in B. Antwort: Um festzustellen, welches der Plus- und welches der Minuspol zweier Leitungsenden ist, kann man eine ganze Anzahl verschiedener Prüfungsverfahjren anwenden. Das gebräucnlichsto besteht darin, dass man feucht gemachtes, auf eine isolierende Unterlage gelegtes Polreagenzpapier mit den beiden Leitungsenden betupft. Dabei sind wieder zwei Arten von Polreagenzpapier zu unterscheiden, die sich ecueh verschieden verhalten: Blaues «Lackmuspapier» verfärbt sich um den Minuspol herum rot. Mit Jodkalium getränktes Papier bildet um den Pluspol herum einen blau—• schwarzen Fleck. Je nach der Spannung müssen die Leitungsenden bei den Prüfungsenden in einem mehr oder weniger grossen Abstand voneinander auf das Papier gedrückt werden. Bei den üblichen Schwachströmen beträgt der Normalabstand einige Millimeter. Hat man kein Reagenzpapier ZUT Hand, so kann man angesäuertes Wasser als Erkennungsmittel verwenden. Steckt man die beiden Leitungsenden in Wasser, dem etwas Säure beigegeben wurde, so tritt bald am negativen Draht starke Gasentwicklung auf. Gibt man dem Wasser statt Säure Kochsalz zu, so überzieht sich diesmal der Pluspol mit einer dunkeln Schicht. Em blankgeputztes Stück Bleiblech, in angesäuertes Wasser getaucht, verfärbt sich ebenfalls nach kurzer Zeit und nimmt ein graubraunes Aussehen an, wenn es mit dem Pluspol verbunden ist. Ganz primitiv kann man die Polarität mit einer durchgeschnittenen Kartoffel feststellen: Sticht man die Drahtenden tief in die Schnittfläche hinein, so nimmt das Kartoffelfleisch um den Pluspol herum nach kurzer Zeit eine grünliche Färbung an. y. Wenn da das Signal eines Verkehrspolizisten nicht verstehst, so warte, bis du sicher bist, was er von dir will. Da hast kein Recht auf eine « halbe Stras* senseite-», sondern nur das Recht auf die rechte Strassenseite. ,. Witts* D» Zw* TFülir Deine Lasten Das bestbekannte Schwelzerfabrikat für alle Verwendungszwecke vorm. Altorfer-Lehmann & Cie. Modell 521, fabrikneu, 6 Zylinder, 13 St.-HP. 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Bern, Dienstag 18. Februar 1930 ff Automobil-Revue" No. 14 Im heutigen „Autler-Feierabend": Seit« AI Jalson über sich selbst 11 Das Automobil als Verkaufsladen 11 Die Stichprobe 11 Ein Denkmal für den Grossmeister der Mechaniker 12 Humor 12 Die Seite der Frau 13 Das Alter der Frau 13 Tourismus 13 Vorfrühlingsfahrt 13 Touren-Sprechsaal 14 Autlers Kreuzworträtsel 14 AI Jalson über sich selbst M Jalson, der «Mann mit den Tränen in der Stimme», der Komponist und Sänger des «Sonny Boy», ist van einem Interviewer der «B. Z. am Mittag» aufgesucht worden. Wir entnehmen den Aussagen des heute populärsten Jazzsängers folgend« Schilderungen seines Werdeganges: Ich eröffne, schreibt der Interviewer, etwas inquisitorisch, das Interview mit der Frage, ob die Langeweile temporär oder Dauerzustand sei (Jalson hat ihn hemdärmelig und mit der Bemerkung, dass er sich sträflich langweile, begrüsst !) und erfahre, sie sei temporär und bestes Erholungsmittel zwischen Filmen. (« Mammy », der letzte, ist ja schon seit einiger Zeit fertig und der neue noch in weitem Felde.) Im übrigen sei es auch jetzt mit der Langeweile nicht so schlimm — meint der Jazzsänger mit einem vielsagenden Blick auf die über den ganzen Fussboden verstreuten Kurszettel —, man habe schon so seine Sorgen; und damit sind wir bei dem einzigen Thema, das hier (nach der grossen Oktoberbaisse mehr denn je) nicht nur Filmstars, sondern auch andere Leute eigentlich interessiert. « Wissen Sie », meint er jetzt, nach einigen kleinen Sticheleien über Leute, denen allzu schneller Geldgewinn menschlich nicht gut bekommen ist, — « wisesn Sie, ich hab' doch in der letzten Zeit viele Millionen Dollar verdient, und ich bin doch nicht gleich meschugge geworden > — «meschugge» sagt er und spricht dieses wahrhaft internationale Wort nicht viel anders aus wie ein Berliner, und nun weiss ich plötzlich, was diesen lebhaften und gesprächigen Mann, der jetzt, unermüdlich gestikulierend, durchs Zimmer rennt, so sympathisch macht: weil er nämlich, im Gegensatz zu den meisten seiner Berufskollegen, so ganz und gar ohne Pose ist, auch ohne die widerwärtigste von allen, die Pose der Bescheidenheit. Dieser Mann hat, Mitte Vierzig, einen jungenhaften Stolz, eine kindliche Freude an seinem Erfolg, und er ist, dieser berühmte Jolson, gewiss nicht die Spur anders als jener Joelson, der, vor einem Vierteljahrhundert, zusammen mit dem älteren Bruder die zuerst durchaus nicht mühelose Karriere als Liedersänger in Vari6tes begann und eines F|E t) I L L T O N Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. Tages das «e» aus der Mitte des Vatersnamens opferte, — oder als jener noch kleinere Joelson, der, als Achtjähriger, aus dem heimatlichen Kowno in das ferne, ferne Washington zog, wo der Vater eine Stelle als Kantor bei der Synagoge fand, und wo er heute noch wirkt, immer noch etwas ungläubig den alten Talmudistenkopf schüttelnd über die seltsamen Wege, die seine Jungens, sehr gegen seinen Willen, gegangen sind. Jetzt frage ich den Sunny Boy-Papa, wie Davie Lee, jenes Wunderkind, entdeckt worden sei. «Ganz einfach», meint er, «hier von diesem Fenster», und damit führt er mich zu dieser sozusagen historischen Stätte und zeigt auf den Hof hinunter. «Dort sah ich ihn. Zufall. Stand da ganz allein, der kleine Kerl. Die Mutter war einmal — also sie war einmal wohin gegangen. Das stellte sich erst später heraus; war kleine Schauspielerin bei der Firma. Nun war das gerade die Zeit, wo wir so einen kleinen Jungen für diese Rolle suchten. Dutzende von Theaterkindern waren schon vorgestellt und abgeblitzt; ekelhaft, solche auf Rollenfang dressierten kleinen Würmer. Aber der Kleine da gefiel mir. Ich winkte ihm; er kam nicht Gefiel mir noch mehr. Ich ging runter, fragte: «Kennst du mich?» — «Nee», war die Antwort. Gefiel mir noch besser. «Magst du mich leiden?» fragte ich jetzt. — «Nee.» Da nahm ich den Knirps auf den Arm, trug ihn direkt ins Bureau der hohen Chefs, sagte «Der oder keiner» und setzte ihn gegen heftige Opposition durch.» Das Automobil als Verkaufsladen Eine Pariserfirma der Schuhbranche hatte den übrigens richtigen Eindruck, dass die algerische Kundschaft durch Plakate und Lokalpresse nur teilweise zu erreichen sei. Die Folge dieser Ueberlegung war, dass die Firma Algerien mit einem «fahrbaren Laden» bearbeitete. Aus Zweckmässigkeitsgründeh stand von vornherein fest, dass'richtige Schaufensterauslagen in den Wagen einzubauen waren und die Bedienungsmannschaft des Automobils ebenfalls für die nötige Propaganda zu sorgen hatte. Zuerst mögen die Konstruktionsdaten des Wagens reproduziert sein. Das Chassis hat eine Tragkraft von 2500 kg und bis über die Stossfänger hinaus eine Gesamtlänge von 6 Meter. Die Abmessungen der geschlossenen, kastenartigen Karosserie sind 4X2,30 m. Das Innere ist in 8 Fächer eingeteilt. Jedes Fach kann 50 Paar Schuhe aufnehmen. Vorhanden sind ferner 6 Schubläden mit Pantoffeln und 3 aneinandergereihte und gegen eine der Breitseiten gerichtete Schaufenster. Insgesamt, können 1200 Paar Schuhe und Pantoffeln im Wagen mitgeführt werden. Ursprünglich umfasste das Personal vier Köpfe : Chef, Verkäufer, Dekorateur-Verkäufer und arabischer ChauffeuT. Letzterer wurde in der Folge ersetzt durch einen Franzosen, Fortsetzung ans dem Hauptblatt. «Aber warum, warum —?» Asbjörn Krag setzte sich wieder auf den Bettrand. «Das werde ich Ihnen erzählen,» sagte er. «Der alte Gjaernaes war ein Betrüger; der Tod hat ihn davor bewahrt, wegen Versicherungsbetrugs angeklagt zu werden.» «Woher wissen Sie das?» ' «Ich ahnte es seit langem, aber ich habe nun endlich vollgültige Beweise für meinen Argwohn erhalten, teils dadurch, dass ich den Alten mit eigenen Augen sah, teils aus der Erzählung des jungen Gjaernaes. Lieber Freund, Sie waren in dem Glauben, dass ich hier gelebt habe wie ein Mensch, der seine Ferien verbringt — dass ich mir die Zeit hauptsächlich mit Fusstouren, mit Lesen, Essen und Baden vertrieben habe. Und doch habe ich mich zu jeder Minute, Tag und Nacht, soweit ich nicht schlief, allein mit dieser schrecklichen Geschichte befasst. Ja, es ist richtig, ich habe Fusstouren gemacht, aber damit verband ich in allen Fällen eine besondere Absicht, die in Beziehung zu dem Fall stand, sei es, dass ich nach etwas sehen, sei es, dass ich mit jemand sprechen wollte. Während der Mahlzeiten habe ich mich an dem allgemeinen Gespräch fleissig beteiligt tind oft die Unterhaltung auf den Punkt hingelenkt, wo ich sie haben wollte. Und wenn ich anscheinend mit Lesen beschäftigt war, habe ich in Wirklichkeit Stunde auf Stunde vor mich hingegrübelt oder die Berichte verglichen und verwertet, die ich von meinen Agenten erhielt.» «Von ihren Agenten?» fragte ich. «Aber Sie sind ja die ganze Zeit hier ganz allein tätig gewesen.» «Ja, hier,» erwiderte der Detektiv, «hier im Brennpunkt der Begebenheiten war ich ganz allein. Aber ich hatte meine Agenten in Christiania und anderwärts. Ein Detektiv braucht viele Auskünfte, und ich habe auch viele bekommen, sowohl über Gjaernaes wie auch über den getöteten Forstmeister.» «Bessere Auskünfte konnten Sie aber doch hier am Platze einholen?» wandte ich ein. «Keineswegs,» erwiderte der Deteköv. «Nicht nur über das Leben des Forstmeisters kurz vor seinem Tode wollte ich Auskunft haben, sondern ich wollte auch wissen, was er tagtäglich sonst im Leben trieb. Er kam ja von Christiania.» «Ich selbst bin ihm in Christiania begegnet.» «Ich weiss es,» erwiderte der Detektiv. «Ich habe auch Nachricht darüber erhalten, mit wem er zu verkehren pflegte. Sie gehörten nicht zu seinem näheren Verkehr, aber sie trafen ihn doch ab und zu in Gesellschaften, zu denen auch Hilde Gjaernaes eingeladen war.» der bei Aufenthalten auch Verkäuferdienste leistete. «Der feierliche Einzug.» Vor einer Ortschaft liess man jeweils ein Gramophon Märsche spielen un durch den Lautsprecher verstärken. Einmal im Innern der Ortschaft, fand man bereits ein gewisses Interesse vor. War dann das Automobil von Neugierigen umringt, so wurde diesen mitgeteilt, was man eigentlich wolle. Die beiden Verkäufer verteilten ferner in der ganzen Ortschaft Prospekte, auf welchen u. a. auch die Stationierungsstelle des Autos genau angegeben war. Derweil begab sich der Chef zum Polizeikommissär, um die Bewilligung zum Stationieren einzufordern. Der die Schau- Die Stichprobe Use tmd Fred Norino rundeten zum Kaffee eben ihre Zigaretten an, als Ilse ein Telegramm gebracht wurde. Sie überflog es, und Aerger züngelte von ihren dunkeln Brauen zu den zarten Nasenflügeln. Sie reichte es ihrem Bruder: «Bitte, lies!» Es stand da: Ich komme verabredungsgemäss heute abend 7.20 Uhr am Hauptbahnhof an. Erbitte, -wenn möglich. Deine Anwesenheit am Zug. Vorfrohe Grüsse Deines Paul. «Nun?» fragte Use, als Fred nicht gleich antwortete. «Affektierter Bursche», sagte der. Gutmütig vermittelnd setzte er scherzend hinzu: «Ich hätte noch telegraphiert: im Verhinderungsfall Wiedersehen in Parkstrasse 3, 2. Stock, Tür 7. rechts. Aufgang für Herrschaften.» «Siehst du», sagte Ilse fast befriedigt, «ich hatte ganz das gleich© Gefühl. Pose. Unnütze Breite. Etwas soll vorgetäuscht werden. Ich weiss selbst nicht recht...» «N'a», sagt Fred gemächlich. «Nur langsam, alles soll man nochmals überschlafen.» «Dazu bleibt leider keine Zeit», antwortete die Schwester kurz. «Jetzt ist es 3 Uhr.» Die Geschwister trennten sich. Ilse sohloss sich in ihr Zimmer ein. Es war mehr eine symbolische Handlung. Niemand hätte sie gestört. Fred war Von Grete Jacques. fenster verdeckende Seitenteil des Wagens wurde dann aufgeklappt und gestützt. Bänke und ein Tisch wurden aufgestellt. Ein Zelt wurde improvisiert. Der Lautsprecher trat neuerdings in Aktion. In grössern Ortschaften sicherte man sich einen Saal in einem Hotel und stellte nun dort die Schaukästen aus, die sich leicht aus dem Wagen entfernen lassen. In Verbindung mit anderer Ware kann der Dekorateur recht hübsche Wirkungen schaffen. Wie der Initiant der Idee zu berichten weiss, darf man mit dem geschäftlichen Erfolg zufrieden sein. Nach der gleichen Methode solllen nun einige Provinzen Frankreichs bearbeitet werden. E.B. ausgegangen, die Eltern waren verreist. Sie war des Schreibers. Paul führte eine gute Feder. Aber sehr unruhig. Dieses Telegramm war nur ein es war eine Lust in ihm aufgetan, den Romantiker letzter Beweis unter vielen, die sie in Händen Paul zu ironisieren, um ihn allmählich dem mohielt, dass etwas mit Paul nicht mehr stimmte. 'Wie anfangs kaum beachtete Symptome, eins zum and«rn, doch schliesslich das sichere Bild einer bestimmten Krankheit ergeben. Und Pauls Krankheitsbild hiess Gesundung. Lächerlich? Und doch, Ilse kam der Verdacht nicht zum erstenmal. Sie waren im Sommer voneinander gegangen ohne das entscheidende Wort. Aber für beide war es innerlich entschieden. Beide, jung und verwöhnt, hatte gerade die Romantik des- Schwebenden gefesselt. Wozu denn sachliche Geradheit! Was eilte denn? Sie wussten noch nichts von der Verantwortung, die reife Menschen als Sittengesetz in sich tragen, eine Aufgabe zu erfüllen, zu der man von innerer Nötigung gedrängt wird. Diese gemeinsamen Ferienmonate waren durchwirkt von den kleinen Abenteuern einer zarten Zuneigung. Sie beglückten, wie der Blick an einer lieblichen Landschaft sich täglich aufs neue entzündet. Pauls leidendes Bein machte ihn zum Gegenstand ihrer Sorge. Sie umhegte und betreute ihn. Samariterin aus Zufall, glücklich in einer Lage, die ihr noch nie in ihren 23 Jahren Zuschauer, wenn die andern, die Mitspielex. sich lächerlich machten; er hatte plötzlich Ueberraschungen für Ilse, von denen sie kaum verstehen konnte, wie er ihre Wünsche so ganz erraten hatte. Es war, als hätte sein Leiden ihn und sie entschädigen wollen, indem sein Gemüt, sein Geist, sein Takt sich entfalteten, in dem Mass. als sein lahmes Bein ihn körperlich hemmte. So verging eine Woche um die andere. Die Kur zeigte endlich ihre Wirkung. Pauls Leiden besserte sich. Ganz unmerklich zuerst, dann manchmal krass, kamen Augenblicke, wo ein Satz, eine Bewegung, ein Ausfall Pauls ihre angenehme Harmonie störte. Aber immer noch überwog das erste Gefühl, immer gelang es Ilse, ihre Neigung auf die alte Formel zurückzuführen. Als sie sich trennten, stand unausgesprochen zwischen ihnen, dass ihr nächstes Wiedersehen ihr Bündnis bedeuten werde. Sie schrieben einander regelmässig. Aber je länger die Trennung dauerte, um so schwerer fand Ese den gesuchten Ton. Ihre Witterung zeigte eine Gefahr, so konnte man vielleicht sagen. Es war, wenn sie gelesen hatte, und die Briefe aus deT Hand legte, jetzt jedesmal, als drängte man ihr immer wieder eine Speise auf, die ihr erfahrungsgemäss schlecht bekam. Dieses Gefühl konnte sich zu «iner körperlichen Unlust steigern. Es war keineswegs Ungeschick so mütterlich zugefallen war. Paul wusste sich auf vielerlei Weise zu bedanken, brachte ihrem empfindsamen Gemüt Worte nahe, die ihn. den«Siehst du», sagte Ese faist befriedigt, «ich habe zum Ruhen Verurteilten, in einem Buch gefesselt ganz das gleiche Gefühl: Pose, umnütze Breite. hatten. Er war voll Grossmut, wenn er die Etwas soll vorgetäuscht werden. Ich weiss selbst Dummheit der Mitmenschen verulkte; er war ein nicht recht.» «Dessen erinnere ich mich nicht so genau; es ist übrigens durchaus möglich. Hilde Gjaernaes und ich verkehrten in denselben Kreisen, als sie in Christiania wohnte, und der Forstmeister liebte ja Hilde. Natürlich traf er Vorsorge, dort zu sein, wo sie war.» «Sie ziehen ihre Schlüsse sehr iogisch,» antwortete der Detektiv, und wieder einmal flog das ironische Lächeln über seine Züge. «Schön, aber nun wollen wir nicht so viel von dem Forstmeister reden, sondern vom alten Gjaernaes.» «Ja, gewiss. Und was haben Sie über ihn in Erfahrung gebracht?» «Ein© der ersten Tatsachen war, dass er sein Leben für dreissigtausend Kronen versichert hatte. Sie wissen selbst, dass seine Verhältnisse, als er vor vier Jahren verschwand oder, wie man damals sagte, ertrank, ausserordentlich schlechte waren. Später hat sein Sohn einigermassen Ordnung in die Sache gebracht, hauptsächlich mit Hilfe jener dreissigtausend Kronen, die ihm die Versicherungsgesellschaft auszahlte. Der junge Gjaernaes hat mir erzählt, dass sein Vater leider auch zwei falsche Wechsel hinterlassen hat. Eben diese Wechsel hingen vor vier Jahren drohend über dem Haupte des Alten, und die Furcht vor einer Katastrophe war es, die ihn dazu trieb, jene dreiste, schreckliche Komödie zu spielen. Der alte Gjaernaes war ein leidenschaftlicher Fischer, so war es also nicht weiter verwunderlich, dass er am 24. August, um drei Uhr morgens, auf den Fischfang hinausfuhr. Im Laufe des Tages fand man das umgestülpte Boot und die an Land getriebene Mütze. Ich glaube annehmen zu können, dass er die Flucht mit grosser Schlauheit vorbereitet hat. Er hatte alles bare Geld — etwa zweitausend Kronen — mitgenommen. Schon vor mehreren Tagen habe ich die Dampfschiffahrpläne aus jener Zeit studiert; es stellte sich heraus, dass gerade am 24. August um sieben Uhr morgens von hier ein Dampfer nach Christiania abging. Wahrscheinlich war Gjaernaes verkleidet und ist dann von Christiania ins Ausland geflüchtet. In den Zekungen hat er dann die Nachricht von seinem eigenen Tode gelesen.» «Ein sonderbares Abenteuer,» murmelte ich entsetzt. «Kann so etwas wirklich geschehen?» «Ja,» sagte der Detektiv; «und Sie irren sich, wenn Sie glauben, dass der Fall vereinzelt dasteht. Im Gegenteil. Dieser Versicherungsschwindel ist recht bekannt, besonders in der internationalen Kriminalistik. Ich habe in meiner juristischen Bibliothek einen interessanten Fall dieser Art, wo es ein Mann in England fertigbrachte, vierzehnmal zu sterben, bis er endlich lebend erwischt wurde.» «Es kommt mir so vor,» sagte ich «als ob Sie schon während der ganzen Zeit einen Argwohn dieser Art gehabt hätten.» (Fortsetzung tolgtj