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E_1930_Zeitung_Nr.022

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10 AUTOMOBIL-REVUE Ein

10 AUTOMOBIL-REVUE Ein Engländer über die Schweizer Autofahrer. Der englische « Autocar » veröffentlicht die Einsendung eines englischen Automobilisten, der sich einige Monate in der Schweiz aufhielt und sich über die Fahrkunst in unserm Lande ausspricht Wir geben den Artikel nachstehend in deutscher Uebersetzung. Die ausgedrückte Meinung dürfte unsere Leser interessieren und vielleicht auch einer Erwiderung rufen. Es ist merkwürdig aber wahr, dass, obwohl es in England keine Fahrprüfungen gibt, doch im allgemeinen viel besser gefahren wird als in der Schweiz. Geschäftliche Angelegenheiten haben mich veranlasst, mehrere Monate in den wichtigsten Schweizerstädten zu wohnen, so dass meine Eindrücke nicht die eines Ferienreisenden sind. Wenn ich sage, dass in Grassbritannien besser gefahren wird, so denke ich besonders an drei Punkte: Geschwindigkeitswechsel, gutes Urteil, und Rückwärtsfahren. Es ist etwas Alltägliches, zuzusehen, wie Fahrräder, die am Trottoirrsmd aufgestellt sind, von rückwärtsfahrenden Automobilen umgeworfen werden, worauf der Fahrer gewöhnlich anhält, aussteigt und das Rad wieder aufstellt, und zwar mit einer Miene, als ob er das täglich zu tun gewohnt sei. Und wenn er es nicht jeden Tag tut, so tut er es doch wenigstens einmal in der Woche. Eines Tages schaute ich von meinem Hotelfenster in Genf auf die Strasse hinunter und sah, wie ein Velo, das gegen den Trottoirrand gelehnt worden war, nicht weniger als fünfmal nacheinander von Automobilen umgeworfen wurde, die entweder rückwärts fuhren oder in der Nähe anhielten. Sieben andere wurden ebenfalls umgeworfen (ohne grossen Schaden), und in drei Fällen kam der Besitzer im gleichen Augenblick dazu, las sein Rad auf und fuhr davon als ob nichts geschehen wäre. Ein Mann, an dessen Velo ein Pedal verbogen worden war, machte einen Scherz zu dem Chauffeur, der an dem Schaden schuld war. Alles dies geschah im Zeitraum von einer Stunde. In England geht es da doch anders zu. Rückwärtsfahren scheint in der Schweiz ein schwieriges Manöver zu sein. Das System ist offenbar folgendes: der Fahrer steigt aus, sieht sich den Raum hinter dem Auto gut an, steigt wieder ein, tritt gut auf den Gashebel, bis der Motor rast wie ein Flugmotor vor der Abfahrt, hält das Lenkrad wie in einer Zange, sieht schön gradaus und kuppelt dann vorsichtig ein. Eines muss ich sasen; die Schweizer verstehen das Kuppeln. Der Wagen geht nicht stossweise rückwärts, wie das bei uns manchmal geschieht. Der Wagen fährt rückwärts und kommt dabei gern in Kontakt mit dem Stossfänger eines dahinterstehenden Autos; wenn kein Stossfänger da ist, dann eben mit dem Auto selbst. «Wozu sind denn eigentlich die Stosßfänger da ?» fraffte mich einmal wütend ein Autofahrer, als ich versuchte, ihm klarzumachen, dass in England so etwas einfach nicht vorkommt. Meiner Meinung nach ist auoh die Beurteilung sehr sclüecht. In Zürich, wo ein Teil der Hauptetrasse aufgegraben war, wobei aber doch noch 6 u. 12 VOLT Automobil- Salon STAND Nr. 225 AUTO-PIECESS. A. AUTO-ERSATZTEILE A.-G. Ruede la Buanderie 6 AMILCAR 6 PS, Cabriolet, günstig zu verkaufen. — Anfragen an Postfach 291, Bern- Transit. 44228 Generalvertreter für die Schweiz: ROULEMENTS A BILL ES ET A ROULEAUX NEW DEPARTURE fiENf BERNE: E. Kupferschmid, Erlachstrasse 7 ZÜRICH: Emil Wewerka, Dufourstrasse 3 BALE: AG. Agence Americaine, Viaduktstr. 45 *•> (Galerie) Telephon 45.400 Cliches Hallwag sind erstklassig HYATT TIMKEN PREST DELARUE & MEYLAN 16, CORRATERIE GEN£VE TEL. 40.774 TE :*r- OCCASION! Aus Privathand wegen Anschaffung eines grösseren Wagens zu verkaufen CHRYSLER (Typ 70), Mod. 1928, geschlossen, 4türig, 6 Zyl., 16,75 HP, öplätzig, 6fach bereift, mit Nagelschutzeinlagen, neue Schneeketten, Farbe blau u. schwarz, aussernrdentl. guter Zust Preis Fr. 7000.— (Ankauf Fr. 14000.—). Offerten unt. Chiffre 44234 an die Automobil-Revue, Bern. 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Obwohl viele amerikanische Wagen in der Schweiz gebraucht werden, sind doch Citroen und Renault sehr populär. Aber die armen Getriebe ! In London hört man etwa, wie ein Wechselgetriebe misshandelt wird, und hat Mitleid mit ihm. aber hier wird man ganz dagegen abgehärtet. Immerhin, die Wagen scheinen diese Behandlung auszuhalten, und das ist wahrscheinlich die Hauptsache. Gefahren wird im allgemeinen viel langsamer als man es von London und Umgebung gewöhnt ist. und das heisst viel sagen, denn unsere Geschwindigkeiten in England gelten als niedrig, verglichen mit denen, die beispielsweise in Berlin oder Paris gefahren werden, In der deutschen Schweiz wird, wie mir scheint viel besser gefahren als im französischen Teil. Tatsächlich ist man verwundert, dass die Französischschweizer, die so nahe bei Frankreich wohnen und meist auch gleicher Rasse wie die Franzosen sind, nichts von der Geschicklichkeit und dem Temperament ihrer Nachbarn geerbt haben. Was auch die Erklärung dafür sein mag, ich hoffe, dass einige von denen, die beständig unsere Art zu fahren, herabsetzen, diese Zeilen lesen werden. Sie werden dann einsehen, dass in einem Kg.l Erhältlich io Bangen BaumwolllndustrieA.fi., Dietikon (Zeh.) 8-Zylinder MERCEDESBENZ Pullman-Limousine, 7/8plätzig, wenig gefahren, in denkbar bestem Zustande, ausgerüstet mit 6 auswechselbaren Rädern, Bosch-Dewandre-Servo-Vierradbremse, vollautomatische Chassisschmierung, Separation, Koffer, aus herrschaftlichem Besitz Fr. 10 000.— unter Katalogpreis MERCEDES-BENZ-AUTOMOBIL A.-G., ZÜRICH, Badenerstrasse 119. Telephon Dto 1693. Zu verkaufen Lancia mit Ciel ouvert. Ballonpneus, neu bereift, in einwandfreiem Zustand, umständehalber zu günstigem Preise abzugeben. Offerten unter Chiffre Z 1606 an die Automobil-Revue, Bur. Zürich. Land, wo eine Fahrprüfung verlaust wird, schlechter gefahren wird als in Grossbritannien. ' Bubenberg hat seinen neuen Platz definitiv erhalten. Eine Zeitlang konnte es dem Berner Helden auf seinem Postament unheimlich zu Mute werden, er sah nirgends Rettung und Ziel, und doch musste er dem wachsenden Verkehr weichen. Nun haben sich die Stadtväter seiner erbarmt und die Stadtausbaukommission schlug den obern Hirschengraben vor. Der Qemeinderat hat nun dem Vorschlag zugestimmt, so dass das komische Intermezzo des heimatlosen Bubenberg, in Presse und Oeffentlichkeit lebhaft kommentiert, definitiv erledigt ist. mb. Kaufmännische Organisation im Kleingewerbe, Christoffel, 76 S., Fr. 4.— Verlag Organisator AG.< Zürich. Der Handwerker muss heute sich der Zeit anpassen, muss, kurz gesagt, moderne kaufmännische Methoden studieren, damit er auf der Höhe bleibt. Die vorliegende Broschüre behandelt alle Gebiete, die man heute beherrschen muss, speziell aber die moderne Buchhaltung, die für die Steuerbehörde und auch für die richtige Kalkulation nötig ist. Wer das Büchlein liest, wird Nutzen daraus ziehen. 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Bern, Dienstag 18. März 1930 ^AatomMhReoae^No. 22 Im heutigen „Autler-Feierabend": Seite Ein geduldiger Chauffeur 11 Hetzfahrt nach einer grossen Sensation 11 Besuch bei den Perlenfischern 11 Im Auto-Schlachthof. 12 Die Seite der Frau 13 Die Wahrsagerin an der Madeleine 13 Humor 1* Tourensprechsaal 14 Unser Kreuzworträtsel-Wettbewerb 14 Ein geduldiger Chauffeur Ein modernes Märchen. Der Taxameter-Chauffeur Nr. 189, Said Abdul Hafis in Bombay, war ein Mann, der, selbst bescheiden und zuverlässig, volles Vertrauen in die Ehrlichkeit seiner Fahrgäste setzte. Eines Tages mietete am Hafenplatz ein Amerikaner seinen Wagen, der von einem vor Anker liegenden Schiffe aus einen «Trip» in die Stadt zu machen beabsichtigte. Der Chauffeur zeigte dem Fremden gewissenhaft die Sehenswürdigkeiten, und nach vollendeter Umfahrt eilte der Yankee an Bord seine Schiffes zurück, erklärte kein Geld bei sich zu haben und versprach, den Fahrpreis durch einen Steward zu senden. Said Abdul war mit diesem Vorschlage einverstanden, aber sobald' der Amerikaner sich an Bord befand, ging auch das Schiff mit Kurs nach einem australischen Hafen ab. Der Chauffeur bemerkte die Abfahrt des Dampfers, verlor jedoch nicht seine Ruhe und legte auch kein Misstrauen in die Ehrlichkeit seines Passagiers an den Tag: Der «Sahib» hat mir mein Geld zugesagt, ich werde geduldig im Namen Allahs abwarten. Wochen vergingen und Nr. 189 stand immer noch mit weiterlaufendem Preisanzeiger am Quai. Bereits wurde Said Abdul von seinen Kollegen wegen seiner Leichtgläubigkeit verlacht, die Polizei interessierte sich für den Fall und die Zeitungen bemächtigten sich der Sache. Der arme Chauffeur, Hess sich nicht Ibeirren und wartete fast ein halbes Jahr auf seinen Passagier. Er hatte nicht umsonst gewartet. Der Amerikaner, dem zufällig eine Bombayer Tageszeitung in die Hände gefallen war, erinnerte sich seiner Schuld und sandte zu Händen des amerikanischen Konsulates für den geduldigen Fahrer einen Scheck, der dessen Hoffnungen weitaus überstieg. Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. Fortsetzung aus dem Hauptblatt. Ich antwortete das erste beste, was mir auf die Zunge kam. «Wollen Sie nicht bald nach dem eisernen Wagen hingehen?» «Noch nicht — aber wenn Sie ein besonderes Interesse haben, dorthin zu gehen, so will ich Sie gern begleiten.» «Nein, danke,» sagte ich, «ich habe kein besonderes Interesse.» ^ Damit wollte ich mich zurückziehen. Ich fühlte mich ihm gegenüber beschämt und lächerlich gemacht und wurde noch ärgerlicher über mich selbst, als er sagte: «Armer Mann, Sie sind ja ganz bleich. Haben Sie noch nicht geschlafen?» «Ich schlafe nicht mitten am Vormittag,» antwortete ich. Der Detektiv schloss das Fenster, nahm aber nicht die Zeitung vom Tische, solange ich noch in sein Zimmer blicken konnte. Ich ging vom Hotel fort und schritt rasch, doch ohne bestimmtes Ziel den Weg entlang. Nun stand die Sonne hoch am Himmel, der Staub wirbelte wie lockeres Mehl unter meinen Schritten empor. Beim Mittagsmahl sprach man eifrig vom eisernen Wagen. Die Taucherboote hatten ihn noch nicht herausbekommen, man meinte, dass der ganze Tag noch damit hingehen würde. Eine jder Damen, die die Familie des erschlagenen Forstmeisters kannte, machte eine Mitteilung, die mich stark erschütterte. Sie hatte einen Brief von der Schwester des Verstorbenen bekommen. Der Forstmeister hatte einen Hund mit Namen «Lord». Seit dem Begräbnis hatte Lord auf dem Grabe Hetzfahrt nach einer grossen Sensation Damals sassen wir zusammen auf der Redaktion eines mittleren Blattes, jung, eifrige Reporter, die hinter allem Geheimnisse witterten, welche sich sensationell auswerten Hessen. Die Redaktionsbude stak voll Rauch, und wir wühlten in Zeitungen, Büchern, Depeschen, diskutierten leidenschaftlich über das neueste Ereignis, das neueste Buch, die letzte Theater- oder Filmpremiere. Der Tag stand draussen in grauen Nebeln, es ging gegen Herbst, und unser Blut hatte die Reife der Natur in sich aufgenommen und drängte nach Entladung. Wir lauerten wie hungrige Tiere auf eine Gelegenheit. Und dann entdeckte einer in dem Haufen von Blättern eine kleine Notiz, die bescheiden und versteckt in einer Zeitung aufgenommen war. Irgendwo im Lande sollte es ein kleines abgelegenes Dorf geben, dessen Bewohner im tiefsten Aberglauben steckten, die an Geister und Dämonen glaubten und eine alte Frau verfolgten, die unter dem Verdacht der Hexerei stand. Nächtens umzogen sie schleichend und drohend die dunkle Behausung, stiessen dumpfe Drohungen aus, und es ging ein Raunen durch das Dorf, das nach Vergeltung rief. Alte Zeiten standen auf und feierten Wiedererweckung, es schien als zöge der schwellende Dampf von brennendem Fleisch durch die stillen Dorfgassen, und in den Wirtshäusern wurden Fäuste geschwungen und geflucht, und die Frauen bekreuzigten sich und nahmen weinend ihre Kinder in die Arme. Es war eine Stille in dem kleinen Ort wie vor einem grossen Unglück, und die Hunde heulten schauerlich durch die finsteren Nächte... Unser neuer grosser Wagen stand fiebernd, leise singend, bereit. Sein mattes Silbergrau leuchtete stolz durch die Strassen. Mein Freund sass am Steuer und ich war neben ihm, bewaffnet mit Notizbuch und Bleistift. Und so begann unsere Hetzfahrt nach einer grossen Sensation. Das Licht des Tages war ein wenig, heller geworden, es war Nachmittag, eine dünne Wolkenschicht hielt die Sonne zurück. Die Landschaft hing in eigenartigem Dämmergrau, das leise schwermütig stimmte. Unser Wagen schoss wie ein Pfeil die weisse ebene Strasse dahin, und sein Singen schien uns herrliche Musik. Wir räkelten uns behaglich in die Polster und Hessen uns in die Ferne tragen, den Abenteuern entgegen, die ruhten, hinter jenen Bergen, über denen blauer Dunst stand. Auf den Feldern war Leben und tätige Bewegung, weisse Von Marco. Tücher leuchteten, schwere Ochsen trotteten durch warm aufgepflügte Erde, Leitern standen an voll behangenen Obstbäumen angelehnt, und Fuhrwerke kreuzten schwerfällig unsern Weg. Kleine Rauchfahnen stiegen auf über den müden Feldern, und in der Luft war Milde des Herbstes. Kurze Blicke kamen auf unsern Wagen zu, der mit leisem Rauschen vorüberzog, es war wie ein Rausch der Arbeit, des Erlebens, der in uns fuhr. Das Leben war bunt und vielfarbig, es war herrlich vor Abwechslung, und seine Schwere reizte. Irgendwo stand ein Schicksal im Ungewissen, wir mussten es ergründen, wir mussten sein Geheimnis lösen. Rascher und rascher ward der Lauf, der Zeiger schwankte gegen die Zahl von 80 km, der Wagen schaukelte leise. Ich sah meines Freundes Stirnadern schwellen, sein Blick bekam eine angstvolle Starrheit, und sein fremdes und wildes Blut brach durch. Seine Pfeife fiel aus dem Munde, und jetzt beugte er sich leise vor, dass sein Körper eine lauernde Spannung bekam. Der Lärm des Motors ging in ein Brüllen über. Mein Freund sagte : « 100 Kilometer ». Hundert Kilometer, dachte ich und fühlte leises Glück. Die Welt begann seltsame Formen anzunehmen. Sie verzerrte sich, wurde zerrissen, Bäume tanzten wie Flecken vorüber, grüne Wiesen verliefen zu einem zusammenhängenden Grün ohne Unterbrüche. Die Strasse stürzte rasend auf uns zu, kleine Kurven nahten gefahrdrohend. Menschen standen an der Strasse, mit grossen Augen, und verloren eine Sekunde den Atem. In das Brüllen des Motors rüttelte der Lärm des Wagens, der leise hin und her schwankte. «Hundertzehn» sagte mein Freund. Alles verschwamm vor den Augen zu einem Brei, alles war gut, durch die Ritzen der Fenster strömte ein scharfer Luftzug, der in den Haaren wühlte. Und so stieg und sank die Geschwindigkeit, Kirchtürme tauchten auf, alte Bauernhäuser, Dörfer durchflogen wir, und schalteten auf der offenen Strasse wieder voll ein. Das Erlebnis der Geschwindigkeit hatte uns gefangen, das Glück, das wie ein Rauschen durch die Glieder fährt. Das Leben schien sich auf einen einzigen Punkt zu konzentrieren, der uns jagte, uns trieb. Dann kam ein kleines Tal, die Strasse senkte sich, wir bogen auf einen Nebenweg ein, Kurven nahten, der Wagen knirschte, alte Häuser standen an einem kleinen Bache, Nebel hing trübe im Tale, und leise aufzuckend erstarb die Geschwindigkeit des Wagens, und er stand; wir waren am Ziel. seines toten Herrn gelegen, geheult und gebellt, gerade als ob er ihn wieder ins Leben zurückrufen wollte. Schliesslich musste der Hund erschossen werden. Am Nachmittag versuchte ich draussen auf dem Rasen zu schlafen, aber das blendende Himmelslicht störte mich. Wenn ich die Augen schloss, wurden meine Augenlider rot und und heiss. Ich sah zum Himmel hinauf; die Luft war ein Meer von Diamanten. Darauf ging ich heim nach meiner Hütte. Aber hier harrte meiner eine neue Ueberraschung. Ich konnte es nicht unterlassen, nach dem Platz unter dem Fenster zu sehen, eine nervöse Neugier trieb mich dorthin. Ehe ich den Ort am Morgen verliess, hatte ich die Erde umgewühlt und die beiden Fussspuren verwischt, aber nun waren die beiden Spuren wieder da. Zwei deutliche Fussabdrücke im lockeren Erdboden. Ich untersuchte die Spuren genau, sie glichen den ersten aufs Haar, es waren die Fussspuren des Toten. Er war hier gewesen und hatte in mein Zimmer gesehen, während ich aus war. Ich beeilte mich, in die Stube zu kommen, denn ich wollte nicht länger an diese Sache denken, fürchtete ich doch, verrückt zu werden. War denn der Erschlagene nicht tot? Ich hatte ja seine Leiche in der Sandgräberhütte gesehen, er war begraben, sein Hund erschossen... Nun kam es mir auch so vor, als wenn ich irgendwo weit entfernt das Hundegebell hörte, ein sonderbares trauriges Hundegebell. Ich schloss das Fenster und Hess die Gardine herunter, so dass es halbdunkel im Zimmer wurde, denn ich wollte trotz allem versuchen, zu schlafen. In der Tat schlief ich ziemlich lange, aber ich erwachte von einem unheimlichen Traum. Es schien mir, als ob ich vor einem Spiegel stände und forschend mein eigenes Gesicht betrachtete, das bleich und krank aussah. Während meine Augen auf meinem Schlips hafteten, schien es mir, als ob er die Farbe wechselte; er war ursprünglich blau und wurde schnell grün, dieselbe Farbe, die der Schlips des Toten hatte. Ich bemerkte es mit Verwunderung und Interesse, ohne mich eigentlich zu fürchten. Aber plötzlich bewegte sich der Schlips; der Knoten löste sich und der Schlips glitt ..langsam auseinander, schliesslich war er gegen mein rechtes Ohr verschoben, gerade wie beim Toten. Unausgesezt starrten meine Augen — so träumte ich — ausschliesslich auf den Schlips; ich konnte nichts anderes sehen. Und nun befiel mich plötzlich ein grausiger Schrecken. Wenn ich den Blick erhob, würde ich das Anlitz sehen. Aber war es noch mein bleiches, krankes Gesicht da im Spiegel oder das eines anderen? Plötzlich schwebte die ganze Erscheinung Im Spiegel langsam herunter, und nun sah ich einen rotbraunen Bart und einen hellroten Mund. Da war das Gesicht, der Tote mit der hohen schneeweissen Stirn von einem schwarzen Hintergrund ... Im selben Augenblick, als ich aufblickte, hörte ich einen Schrei, — ich war es selbst! Es war mittlerweile neun Uhr abends geworden, also Essenszeit, aber ich hatte keine Lust zu speisen und wollte auch die Hütte nicht verlassen. Da ich aber auch die Gardine nicht aufziehen wollte, so musste ich die Lampe anzünden. Ich las geistesabwesend einige Seiten in einem Buch, ohne zu wissen, was ich eigentlich las. Die Worte glitten an meinem Bewusstsein vorbei wie ein Regenguss vor einem Fenster. So vergingen einige stunden. Da hörte ich plötzlich Schritte im Sande draussen vor der Haustüre. Die Schritte wandten sich nicht der Tür zu, sondern zum Fenster. Ich erhob mich rasch und griff nach meinem Revolver. Die Schritte machten halt. Aber dann hörte ich noch einen Schritt und noch einen, näher. Es war ein grässliches Gefühl, in der Hütte zu stehen und nicht zu wissen, wer draussen umherging. Dabei war es Und dann durchschlenderten wir das alte kleine Dorf, Schulkinder kamen und sahen uns gross an, aus Fenstern sah man uns nach, die Luft schien voller Rätsel zu hängen. Dann stiegen wir eine alte, verfallene Trepp© hinan und setzten uns in einem alten Wirtshaus. Tische standen da mit geschnitzten Beinen, an der Wand tickte eine Uhr, und eine ältliche scheue Frau kam und grüsste uns zwei seltsame fremde Gäste. Der Tag erstarb leise, es wurde Abend, das Zimmer füllte sich mit Dämmerlicht und wir sassen da, ganz Auge und Ohr, und hörten den Bericht der Frau, die uns ahnungslos erzählte, klagend, mit innerer Unruhe, von der Hexe, die ihr Unwesen treibt, von den Frauen, die sie mit ihrer Bosheit geschlagen und die krank im Bette liegen und die mit Unfruchtbarkeit gestraft sind, und ein alter Mann kam die Treppe herauf, er schien müde und zog schweigend an einer grossen, alten Pfeife, das Zimmer war dunkel, wir empfanden seine Ruhe tief und fühlten uns gelöst. Und dann gingen wir wieder durch das Dorf, standen vor dem Haus, in dem eine Verhexte am Sterben liegen sollte, und umschlichen die alte Hütte der Greisin, die als Hexe verschrien war. Von der kleinen Kirche begann es zu bimmeln, huschende Gestalten wurden sichtbar, wir gingen zu unserem Wagen, drehten den Motor an und Hessen die Lichter weit und scharf in die Dunkelheit und den Nebel leuchten. Besuch bei den Perlenfischern, Das verankerte Schiff schaukelt sacht auf den Wellen. Leicht schlagen die gerafften Segel gegen die Raa. Die Sonne ist eben aufgegangen und ihre ersten, schon sengend heissen Strahlen übergiessen das Meer mit metallischem Glanz. Die Perlenfischer gehen an die Arbeit, etwa dreissig grosse, nackte Gestalten, die einen Gürtel mit einem geflochtenen Körbchen um den Leib tragen. An der Bordwand sind an starken, langen Tauen kegelförmige Steine, befestigt, neben denen noch ein anderer Strick läuft. Die Fischer bewahren das tiefste Stillschweigen. Man vernimmt nur das Klopfen der Wellen an den Kiel und hin und wieder einen Fluch des Kapitäns. Die stummen Männer ziehen Lederfäustlinge über ihre Hände. Dann befestigen sie auf ihrer Nase eine aus Knochen verfertigte Klammer, welche die Nasenlöcher stark zusammendrückt. Sie schwingen die Beine über Bord, erfassen mit der grossen Zehe des rechten Fusses das Tau mit dem Stein und binden doch eigentlich eine alltägliche Erscheinung, Schritte draussen zu hören; befand ich mich doch in einem sehr belebten Badeort. Ich erinnere mich, dass ich hieran dachte und mich wegen meiner Furchtsamkeit selbst verachtete. Aber ich war bereits so verstört und nervös, dass der geringste unvermutete Lärm mich vollständig aus der Fassung bringen konnte. Einige Zeit hörte ich darauf gar nichts, dann aber merkte ich, dass irgend etwas draussen an der. Wand entlangtappte. In diesem Tappen lag etwas Merkwürdiges. Es war als ob ein zottiges Tier seinen Körper an der Wand rieb, dann wurde wieder alles mehrere Sekunden lang still, und dann hörte ich hart und knöchern an die Tür klopfen. Die Tür war nicht verschlossen. «Herein!» rief ich mit einer Stimme, die ich schlechterdings kaum wiedererkannte. Die Tür wurde geöffnet und Asbjörn Krag trat eilends in das Zimmer. Als er mich mit dem Revolver in der Hand zu Gesicht bekam, stutzte er. «Nein, nun geht es zu weit, nun werden Sie allzu nervös! Glauben Sie wirklich, dass Ihnen jemand nach dem Leben trachtet?» Ich warf den Revolver vor mich auf den Tisch. «Sie haben ein merkwürdige Art, zu einem zu kommen,» sagte ich. «Warum gingen Sie am Fenster vorbei?» «Ich erinnerte mich nicht, wo die Tür war.» Es kam mir vor, als ob er lächelte, jedenfalls konnte ich seine weissen Zähne sehen, die das scharfgeschnittene Gesicht so un* angenehm machten. «Waren Sie es, der an der Wand herumtastete?» «Ja,» sagte er, «ich suchte nach der Tür.» Krag setzte sich an den Tisch und griff nach meinem Revolver. Er hielt ihn prüfend in der Hand und sah nach dem Magazin. (Fortsetzung folgO