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E_1930_Zeitung_Nr.024

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag 21. März 1930 Dritte Salomuimmer Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 24 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuächlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Erstellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 . 4 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Genf ist in «Feststimmung. Die grosse Heerschau des Automobilismus wurde soeben eröffnet. Die Tore der Ausstellung lassen nun den Blick frei auf die spiegelnden JFluchten von Wagen, die Tatkraft und harter Menschenwille aus totem, dumpfen Material erschuf, ihm Leben einhauchte und es dem Geiste dienstbar machte. In imposanten Massen strömt das Publikum, staunend ob dem Schaffen, das sich hier verkörpert, durch die grossen Räume — eine* Wallfahrt des zwanzigsten Jahrhunderts! Schon seit letzten Samstag sind die leitenden Organe in die Räumlichkeiten des Ausstellungsgebäudes übergesiedelt. Die Frucht ihrer harten langen Arbeit wird sie für alle Mühen belohnen. Die Atmosphäre in der Umgegend des Salons hat in den letzten Tagen jenen eigentümlichen Charakter der Vibration angenommen, der immer vor einem grossen Ereignis sich ankündigt. Die Räume schollen von dem Hämmern und Zimmern geschäftiger Menschen, langsam formten sich die Umrisse der Ausstellung heraus, und in die Vorbereitungen hinein leuchtete schon das Rot und das Gelb der Teppiche, die Bezeichnungen der Stände erhoben sich und verkündeten laut von ihrer Bestimmung. Und dann kamen sie angerollt, die funkelnden Wagen, streuten Farbe und Schönheit in den Meine Herren! Im Namen des ständigen Komitees des Äutomobilsalons Genf heisse ich Sie herzlich hier willkommen und danke Ihnen, dass Sie gekommen sind, um mit uns die 7. Internationale Automobilausstellung der Schweiz zu eröffnen. Leider erlaubte die Abstimmungskampagne dem Bundesrat nicht, eines seiner Mitglieder zu delegieren, doch freuen wir uns, dass der Bundesrat uns seiner Sympathie versichert und uns seine besten Wünsche übermittelt hat. Wir danken ihm auch für sein Patronat, dessen Wert wir zu schätzen wissen. (In der folgenden Stelle seiner Rede, die wir wegen Platzmangel nicht wiedergeben können, heisst der Redner auch die Eingeladenen und im besondern Herrn Prof. Rohn, Präsident des Schweiz. Schulrates und Vertreter des Bundesrates, willkommen.) Ein Querschnitt durch den Salon. Unser Salon 1930 vereinigt gleichzeitig alle in unserem Generalreglement vorgesehenen Gruppen: Lastwagen, Lastwagenkarosserien, Motorräder und Fahrräder bilden mit den Automobilen, Karosserien und Zubehörteilen eine zusammenhängende Ausstellung. Die Verteilung der Aussteller ist dieses Jahr im wesentlichen die gleiche wie im letzten, ausgestellt sind 73 Marken, die sich auf folgende Länder verteilen: Amerika 30 Marken, Frankreich 20, Deutschland 7, Italien 6, England 5, Belgien 5, Schweiz 1, Oesterreich 1. Was die Lastwagen anbetrifft, so sind 20 Marken, darunter fünf schweizerische, vertreten. Die Motor- und Fahrräder verteilen sich auf die bisher noch nie erreichte Anzahl von 51 Marken, worunter 14 auf Deutschland, 13 auf England, 10 auf Frankreich und 6 auf die Schweiz entfallen. Die übrigen acht Marken stammen aus Belgien und Italien. Die Zukunft der Schweiz. Motorfahrzeugindustrie. Die Schweizer Lastwagen, Motor- und Fahrräder haben sich ihre Positionen zu be- Staub der Vorbereitungen, und nahmen mit stolzer Qrandezza ihre Plätze ein, auf denen sie sich heute ruhig präsentieren. In dieser Stunde eröffnete am offiziellen Bankett Herr Robert Marchand, als im Namen des Organisationskomitees, den Salon. Als Zweiter sprach Herr Schulratspräsident Dr. Rohn im Namen des Bundesrates feierliche Worte. Seine Geste hat eine tiefe und nicht zu unterschätzende Bedeutung. Der Vorsteher des höchsten technischen Institutes unseres Landes hat, wie man weiss, an den Bundesrat, das Begehren um Bewilligung eines Kredites von acht Millionen Franken gestellt, zur Stützung und zum Ausbau der Abteilung für angewandte Mechanik und der zugehörigen Laboratorien. Nicht zuletzt wird hiermit auch der Ausbau der Automobilindustrie begriffen, und dies bedeutet für unser Land Stärkung und Förderung einer wichtigen Industrie. Verkenne man keineswegs die Hintergründe dieser Tatsache, dass der oberste Mann unserer höchsten eidgenössischen technischen Schule den Salon eröffnet. Die Wissenschaft und der Staat bekennen sich damit in einem erweiterten Sinne zur Zukunft des Automobils. (Wir werden seine Rede in der morgigen Nummer wiedergeben.) 'Die gegenwärtigen Stunden erwachsen für den Schweizer Automobilismus, für unser Land und für die Zukunft des neuen Verkehrsmittel zu historischer Bedeutung. festigen gewusst und nehmen in der Ausstellung — wie auf dem Weltmarkt — einen wichtigen Platz ein. Leider lässt sich von der Personenwagenfabrikation nicht das gleiche sagen. Nur eine einzige Marke versucht es, den guten Ruf der Schweizer Qualitätsarbeit auch in der Automobilindustrie hochzuhalten und verdient dadurch unsere vollste Unterstützung. Man darf sich fragen, ob nicht die nächste Zukunft es schon ermöglichen wird, auch in der Schweiz billige Serienwagen zu bauen. Deshalb wünschen wir, dass die Botschaft des Bundesrates an die Kammern ihre Wirkung nicht verfehl© und dass in naher Zukunft unsere Industrie, gestützt durch wissenschaftlich und technisch geschulte Kräfte, im Automobilbau ein grosses finde. Arbeitsfeld Soll der Salon nur jedes zweite Jasir abgehalten werden? Die Frage ist schon mehrmals dem Ständigen Internationalen Bureau der Automobilfabrikanten unterbreitet worden, dessen Ansicht in dieser Angelegenheit entscheidend ist. Manche Fabrikanten, die vollbeschäftigt sind, halten es nicht für notwendig, jedes Jahr einen Salon abzuhalten. Andere dagegen brauchen gerade die jährlich wiederkehrende Ausstellungsgelegenheit, um ein neues Modell vorzuführen. Deshalb wird auch der Salon von Paris, der hier wegleitend ist, alljährlich abgehalten. Sollte ein Salon nur alle zwei Jahre stattfinden, so bestände die Lösung darin, dass abwechslungsweise jedes Jahr entweder nur Lastwagen, Motorräder und Fahrräder, oder aber nur Automobile ausgestellt würden. Gegenwärtig studiert das ständige Internationale Bureau diese Möglichkeit, und es wurde bereits in Aussicht genommen, im Jahre 1931/32 oder 1932/33 vom 1. September bis zum 31. August keinen Automobilsalon abzuhalten. Sollte der Vorschlag angenommen werden, so dürfte keines der dem Bureau angeschlossenen Länder während dieser Zeit eine solche Ausstellung veranstalten. In Nr. 19 der «Automobil-Revue» haben wir- anlässlich der Interpellation Vallotton neuerdings auf das ganze Brennstoffproblem hingewiesen. Von einer Beantwortung konnte während dieser Session nicht die Rede sein. Das Problem greift derart in alle volkswirtschaftlichen Betriebe hinein, dass ein gründliches Studium des ganzen Fragenkomplexes der Sache nur dienlich sein kann. Jedenfalls hat''die Interpellation Vallotton das Gute, dass die Aufmerksamkeit weitester Kreise wiederum auf das Problem gelenkt wurde und-dass auch die zuständigen Stellen endlich zur ganzen Frage Stellung nehmen müssen. Unterdessen hat die Schweizerische Gesellschaft für das Studium von Ersatzbrennstoffen ebenfalls eine Erklärung vom Stapel gelassen, die verschiedene recht interessante Punkte in sich birgt und die zum Ergebnis gelangt, dass das Problem in der Schweiz von der technischen Seite aus vollständig gelöst sei. Die Versuche hierüber können als abgeschlossen angesehen werden. Die Aufgabe, welche unsere leitenden Kreise beschäftigt, liegt in der Untersuchung der Verwertungsmöglichkeiten noch anderer einheimischer Ersatzbrennstoffe. Man weiss, dass die gemeinsamen Versuche iler Herren Oberstleutnant Lang -von der Kriegstechnischen Abteilung, und Fritz Hostettler, inwieweit Sprit als Ersatzbrennstoff für Motorfahrzeuge in Betracht kommen könnte, die besten Resultate gezeitigt haben. Die Rektifikation und Entwässerung liess sich so weit fördern, dass es gelang, mit den verschiedensten Alkoholmischungen mit voller Sicherheit zu fahren. Die Motoren wurden dabei keineswegs angegriffen. Deshalb wurde auch dem Problem von militärischer Seite aus das grösste Interesse geschenkt. Ver- Uebertragung und Chassis. Die Forschungs- und Verbesserungsarbeiten waren im letzten Jahr auf diesem Gebiet besonders intensiv. Charakteristisch ist vor allem das Uebergehen vieler Fabrikanten zum Vierganggetriebe oder die Anwendung von Schnellgangyorgelegen, die zusammen mit einem dreigängigen Getriebe sechs Uebersetzungen ergeben. Dass auch Amerika die Ausrüstung von Wagen mit Vierganggetrieben in starkem Masse aufgenommen hat, beweist, dass man nun auch dort auf wirklich schnelle Wagen Wert legt, im Gegensatz zu den letzten Jahren, in denen mehr auf hohes Beschleunigungsvermögen hin gebaut wurde. Der amerikanische Motor zeigt ja auch sonst eine Angleichung an europäische Konstruktionen: Er besitzt wohl noch die grosse Elastizität und ein verhältnismässig grosses Drehmoment in den niederen Tourenbereichen, gibt aber seine Maximalleistung bei wesentlich höheren Tourenzahlen ab als früher und zeigt nicht mehr den abrubten Leistungsabfall beim Ueberschreiten dieser oberen Tourenzahlen. Bei den amerikanischen Vierganggetrieben sind meist die beiden höchsten Gänge geräuschlos ausgebildet, und zwar unter Verwendung von Zahnrädern mit Innenverzahnungen. Die Schnellganggetriebe europäischer Herkunft dagegen arbeiten meist mit Schraubenverzahnungen, die, wie die Verzahnungen von gewöhnlichen Stirnrädern, auf dem äussern Umfang miteinander kämmen. Bei dieser wie bei jener Bauart erfolgt das Ein- und Ausschalten der Schnellgänge meist nicht mehr durch Verschieben der Zahnräder; die Zahnräder bleiben dauernd miteinander im Eingriff und die Schaltung vollzieht sich in bedeutend einfacherer und zuverlässigerer Weise durch Verschieben einer Klauenmurfe. INSERTIOXS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grossere Inserate nach Seitentarif. Inseratenscbluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Automobil-Salon 1930 eröffnet Genf begrüsst seine Gäste Genf, 2). März. Rede von Robert Marchand (Sohluss siehe Seite 2) Eine nationale Frage schiedene Versuche befriedigten über alles Erwarten. Der Eratzbrennstoff erwies sich nicht nur in kalten und warmen Jahreszeiten als völlig betriebssicher, sondern ergab auch in bezug auf Verwendbarkeit in jedem Ben-> zinmotor ohne konstruktive Veränderung die besten Resultate. Es ist ganz klar, dass diese Ergebnisse für unsere Armee von ausschlaggebender Bedeutung sind und deshalb nicht hoch genug bewertet werden können. Die Verwendbarkeit dieses Ersatzbrennstoffes wäre also klar erwiesen. Nun aber kommt die zweite und heiklere Frage. Dass heute Sprit als Mütorbrennstoff unserer .Privatwirtschaft nicht zugeführt werden kann, liegt einzig und allein in der heutigen Regelung des Alkoholmonopols. Die Alkoholdirektion entscheidet für unser Land allein über die Verwendbarkeit des Sprits zu technischen als auch zu Trinkzwecken. Demzufolge ist eben die gesamte industrielle Spritproduktion dem Monopol unterstellt. Es ist klar, dass dadurch die Privatinitiative vollständig von der Monopolverwaltung abhängig ist. Es ist nur zu hoffen, dass wir durch die neue Alkoholgesetzgebung (sofern ihr am 6. April nicht das Genick gebrochen wird) d$« zu gelangen, die Verwendung des Alkohols zu, Motörbetriebszwecken nach Kräften TU fördern und dass es uns dadurch möglich sein sollte, die ständig wachsenden Einfuhrmengen ausländischer Erdöle zu parieren. Der beste und praktischste Weg zur Lösung der Alkoholfrage ist wohl der, den heute 140,020 Tonnen verschlingenden Benzinkonsum durch einheimische Produkte zu ersetzen und damit zugleich die Möglichkeit zu schaffen, eine grosse Menge heute noch brachliegender Abfallprodukte in wertvollster Weise zu verwenden. Automobilbau 1930 (Fortsetzung) Als Kupplungen werden fast ausschliess- Iich solche des Einscheiben-Typus gewählt Ein Gegenstand reger Diskussion war im letzten Jahr immer noch der zwischen Kardanwelle und Getriebe eingebaute Freilauf. Es besteht kein Zweifel, dass mit einer solchen Freilaufvorrichtung bedeutend an Brennstoff und Wagenabnützung gespart werden kann, und dass gleichzeitig alle Schaltschwierigkeiten verschwinden. Anderseits darf man aber nicht vergessen, dass bei den meisten einfachen Freilaufvorrichtungen die automatische Bremswirkung des Motors wegfällt und dass somit die Radbremsen eine starke Mehrbeanspruchung erfahren. In vielen Fällen dürften die bestehenden Bremsen dieser ihrer neuen schwereren Aufgabe noch nicht gewachsen sein. Das Problem des Freilaufeinbaues ist deshalb hauptsächlich ein solches der Verbesserung der Bremsen. Kraftübertragung. Vom Getriebe wird die Kraft überwiegend durch offenliegende Kardanwellen auf die Hinterachse übertragen. Schub und Verdrehung der Hinterachsbrücke werden dann durch die Hinterachsfedern aufgenommen. Diese Tendenz ist bemerkenswert, steht sie doch in direktem Gegensatz zu derjenigen früherer Jahre, in denen es schien, als ob bei nicht nur ganz billigen Wagen die offenliegende Kardanwelle zugunsten der Bauart mit einer in einem Stützrohr laufenden Kardanwelle aufgegeben würde. Durch den Wegfall des Stützrohres und seiner oft komplizierten vorderen'Lagerung ergibt sich zweifellos eine Verbilligung. Diese kann aber nicht ausschlaggebend sein, da man nun auch bei zahlreichen ausgesprochenen Qualitätswagen zum stützrohrlosen sog. Hotchkiss- Antrieb übergeht Der tiefere Grund ist viel- < Fortsetzung siehe Seite 2)