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E_1930_Zeitung_Nr.029

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Samstag, 29. März 1930 Aslafe jvm «f _^^ .»ÄÄ Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 29 EMSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG ZenJratbiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Halbjährlich toiern nicht ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter PortojRischlag, Essteilung 30 postamtlich bestellt. Zuschlag tür postamtliche Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. S^iixetle em Die arbeitsreich© Zeit des Genfer Salons geht schon ihrem Ende entgegen. In kurzen Stunden wird die Automobilausstellung 1930 in Genf bereits der Vergangenheit angehören. Man darf wohl sagen, der diesjährige Salon reiht sich in jeder Beziehung würdig seinen Vorgängern an; er stand in der gleichen Entwicklungslinie, die von Jahr zu Jahr die Bedeutung des Salons erhöhte und verstärkte. Die Tore schliessen sich, einegrosse Arbeit hat wohl vor den Augen der Oeffentlichkeit ihr Ende gefunden. Di© vergangene Woche, die im Dienste des Automobils stand und im ganzen Lande herum neue Aufmerksamkeit für das moderne Verkehrsmittel auf sich zog, war für die Schweiz von nicht zu REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern unterschätzender Bedeutung. Unser volkswirtschaftliches Leben gewinnt durch den Genfer Salon immer mehr; dazu kommt aber noch, dass für das Ausland ein derart gut organisierter und fortschrittlicher Salon wie ihn Genf besitzt, die Achtung vor schweizerischer Tatkraft neu weckt und steigert. Der Salon darf darauf Anspruch erheben, als selbständiges Gebilde angesehen zu werden, das sich, wie die grossen andern Salons von Paris und London, nach eigenen Gesetzen entwickelte. Aus privater Initiative hervorgegangen, vermittelt heute der Genfer Salon einen vollständigen Ueberblick über den Stand der Automobilindustrie. Nach dem, was man dieses Jahr zu sehen bekam, konnte man wieder neue Fortschritte verzeichnen; die Rolle des blossen Luxusfahrzeuges ist ausgespielt, heute hat man dem Auto seine Daseinsberechtigung zugesprochen, trotz den manchmal nicht kleinen Hindernissen. Im grosen und ganzen stand der diesjährige Salon im Zeichen des Erfolges. Die Uebersicht über die Besucherzahlen verrät das grosse Interesse weiter Bevölkerungskreise. Man nimmt heute Anteil an der Entwicklung, will sich persönlich überzeugen und die Fortschritte konstatieren und kritisieren. Und gerade für die Unentschlossenen wird der Salon zum Entscheid, denn der gewaltige Eindruck der Schau, welche die Bedeutung des Automobils verkörpert, lässt Manchen den Kauf wagen. Leider — auch die negative Seite muss erwähnt werden — zeigte sich auch dieses Jahr wieder Platz^ mangel. Die Worte Marchands, die für einen zweiten Salon agitierten, finden so ihre Bestätigung. Der Entwicklung des Genfer Salons darf ein Hindernis zweiten Ranges nicht das Genick brechen; möchten auch die zuständigen Instanzen des Grossen Rates, die sich gegen das Projekt aussprechen, sich diseer Tatsache nicht länger verschliessen. Die Stadt Genf errang sich im Laufe der letzten Jahre eine Stellung in der zivilisierten Welt, auf die sie stolz sein kann, die sie jedoch auch zu Opfern verpflichtet, denen sich zu entziehen ihr keineswegs ansteht. Nicht verkannt werden darf auch die Bedeutung der Anwesenheit des Präsidenten des Schweiz. Schulrates. Die Vorlage, die vom Bundesrat an die Kammern geht und Im Bundeshause ist kürzlich, wie wir bereits meldeten, der Benzinzollkuchen verschnitten worden, erstmals nach dem neuen Verteilungsmesser. Der Kuchen wird immer grösser und an hungrigen Mäulern fehlt es nicht. Man weiss, dass das Begehren, der Bund möchte die Hälfte des Benzinzollertrages den Kantonen zum Ausbau und Unterhalt der Strassen zur Verfügung stellen^ bis heute auf taube Ohren gestossen ist. Der Bund, der je länger je mehr die Kantone in finanziellen Tribut zwingt, braucht Finanzen und so ist es von seinem Standpunkte aus begreif lieb, wenn er die beste Quelle, die ihm gegenwärtig entgegenströmt, nicht ohne weiteres auf seine verschiedenen Pflanzgärten ableiten will. Einmal wird der Tag doch kommen, da wenigstens die Hälfte des Benzinzolles in die kantonalen Kanäle geleitet werden muss. Der Benzinzoll des Jahres 1929 betrug insgesamt 32,2 Millionen Franken. Als Grundlage für die Berechnung der den Kantonen zu gewährenden Submissionen dient aber nur die Summe von 30,7 Millionen Franken, die den Zolleinnahmen auf Benzin und Benzol zu motorischen Zwecken entspricht. Somit beläuft sich der Benzinzollviertel des letzten Jahres auf 7 677 000 Franken, eine Summe, die dazu ausreicht, den Kantonen ungefähr 8% ihrer Ausgaben für den Unterhalt ihres Strassennetzes zu decken. Für die Verteilung des Benzinzollviertels 1929 wird, wie erwähnt, erstmals der endgültige Schlüssel angewendet, der, e einen Kredit vorsieht für den Ausbau der mechanischen Laboratorien der technischen Hochschule, entscheidet in gewisser Hinsicht über die Zukunft des schweizerischen Automobilbaus. Schweiz war unter den Personenautomobilen zu bemerken; es ist deshalb nur zu wünschen, dass auch in unserm Lande der Bau von Serienwagen eine Intensivierung erfahre, unterstützt durch technisch und wissenschaftlich gut ausgebildete Kräfte. Der Genfer Salon aber bedeutete eine machtvolle Manifestation für das Automobil, überhaupt für das neue Verkehrsmittel des Volkes. Mutter Helvetia verteilt den Benzinzoll sei noch einmal hervorgehoben, sich nicht durch Einfachheit, sondern eher durch Komplizierteit auszeichnet. Die Subvention wird ausgerichtet zu zwei Dritteln nach dem Verhältnis der kantonalen Ausgaben für die Strassen in den drei vorausgegangenen Jahren und zu einem Drittel nach den Strassenlängen, und zwar nach einer bestimmten prozentualen Aufstellung. ;Demgemäss erhalt beispielsweise der Kanton Bern, wie bereits in letzter Nummer der «Automobil-Revue» publiziert. 1 079 804 Franken, Zürich 945 837 Franken, Waadt 892 829 Franken usw. Wir haben verschiedene Male betont, wie dieser neue Verteilungsschlüssel ganz besonders den Leistungen der Gebirgskantone an ihr Strassennetz nicht genügen kann und wie diese gegenüber andern Kantonen unbedingt zu kurz kommen. Nicht ohne Grund wurden aus der Innerschweiz Eingaben an den Bundesrat eingereicht und sowohl im Ständerat, als im Nationalrat diesbezügliche Motionen und Postulate gestellt, die aber leider erfolglos blieben. Man erwartete deshalb in den letzten Wochen in gegebenen Kreisen mit nicht geringem Interesse den Beschluss des Bundesrates über die Verteilung des jährlich auszulegenden Ausgleichsfonds von 250000 Franken Diese Summe soll, wie gesagt, dazu dienen, «Unbilligkeiten, die sich aus dem Verteilungsmodus ergeben, durch Ausgleichszuschläge an die Kantone nach Möglichkeit zu beheben.» Die Unbilligkeiten ganz aus der Welt zu schaffen, fiel dem INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode* deren Raum 45 Cts. tür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern t^ i" cip & cy ^ w AJL (> £^ %* &% ^ ^ JLJO, Bundesrate mit diesem Modus nicht leicht. Eine ausgleichende Gerechtigkeit zu finden, hält immer schwer. Die Bundesbehörden werden diesbezüglich ihre Erfahrungen ma- Der Zankapfel wird erst aus Eine einzige Marke aus derchen. der Welt geschafft werden können, wenn sich die Bundesversammlung dazu entschliessen kann, wenigstens die Hälfte des Benzinzolls nach einem neuen gerechtern Verteilungsschlüssel zur Verfügung zu stellen. Gemäss Beschluss des Bundesrates, wie wir in Nummer 27 kurz darstellten, gehen nun zunächst 135 000 Fr. den Kantonen Uri und Wallis zu, und zwar 85 000 Fr. gemäss dem Verhältnis der für die Verstärkung, Verbesserung und den Unterhalt der Passstrassen von Göschenen bis Gletsch mit den Abzweigungen Hospenthal bis zur Kantonsgrenze und Gletsch-Grimsel in den Jahren 1927—1929 verausgabten Beiträge; der Kanton Uri erhält ausserdem die verbleibenden 50000 Fanken in Ansehung der strassenbaulichen Pflichten, welche diesem kleinen Gebirtskanton mit Rücksicht auf die allgemeinen Landesinteressen obliegen. Sodann erhalten besondere Zuschläge die Kantone Schwyz: 30000 Fr.; Obwalden; 47000 Fr.; Nidwaiden 23 000 Fr. und Appenzell J Rh. 15 000 Franken. Der Bundesrat hat jedenfalls die Viertelmillionen den Bedürfnissen entsprechend so gerecht als möglich verteilt. Dass dem Kanton Uri die grösste Quote zufiel, war zu erwarten. Auffallen dagegen muss, dass der Kanton Graubünden leer ausgegangen ist. Gegenüber kleinern Kantonen stellt er sich verhältnismässig sehr schlecht. Seine 489 812 Franken nehmen sich gegenüber den Beträgen an andere bedeutend kleinere Kantone recht bescheiden aus. D Autobus oder Strassenbahn? Die grösste Popularität von allen auf dem Festlande verkehrenden modernen Massentransportmitteln hat unzweifelhaft der Autobus erlangt. Das Autobuswesen ist heute bereits eine Verkehrswissenschaft geworden, die weit über ihre Anfang© hinaus ist. Durch jahrzehntelange Erfahrung hat man gesehen, dass infolge seiner verkehrstechnischen Vorzüge der Autobus nicht nur als Ueberland-, sondern auch als Grossstadtverkehrsmittel ganz besonders geeignet ist. Der Autobus ist ein Massenverkehrsmittel ohne örtliche Gebundenheit und bildet infolge seiner leicht anpassenden Geschwindigkeit gegenüber dem i L L Die Fahrt. T O N von Upton Sinclair. "Wir setzen hier das Kapitel cDie Fahrt» aus dem spannenden Roman c Petroleum», von Upton Sinclair, fort. Das Buch ist in •deutscher Sprache im Malik-Verlag erschienen. Vater und Sohn sind bei ihrer Fahrt über den Bergpass in eine Autofalle geT*- ten. Nun nahm das graue Band ein Ende, wurde von einer schmutzigen, leicht gewundenen Strasse ersetzt, die sich zwischen sanften, mit Weizen bepflanzten Hügeln hinzog. Die Strasse war hart gewalzt, dennoch gab es auf ihr kleine Buckel. Der Wagen sprang von einem zum andern; er war mit Stossdämpfern versehen, die jede Erschütterung abschwächten. Vor ihnen erhoben sich Staubwolken, die vom Winde erfasst und über die Hügel getragen wurden; man hätte glauben können, eine Armee marschiere daher. Bisweilen erblickten sie das vor ihnen rasende Auto und den verfolgenden Polizisten. «Er entkommt uns, oh Väterchen, rascher, rascher! » Ein derartiges Abenteuer erlebte man nicht auf jeder Fahrt. « Verdammter Idiot.» Das war Vaters Ansicht über einen Menschen, der sein Leben aufs Spiel setzte, um nicht Strafe zahlen zu müssen. Man konnte einem Verkehrspolizisten ja doch nicht entkommen; zumindest nicht auf einer solchen Strasse. Und Vater behielt recht: die Staubwolken verschwanden, das Auto stand, daneben der Verkehrspolizist, der in ein Notizbuch Eintragungen machte. Der Vater fuhr unschuldig, dreissig Meilen die Stunde, vorüber. Der Knabe hätte gerne Halt gemacht und dem unvermeidlichen Wortwechsel gelauscht, aber er wusste wohl, dass vor allem Vaters Plan eingehalten werden musste und dass sich nun eine günstige Gelegenheit zum « Rasen» ergab. Sie bogen ab; der Knabe blickte sich etwa eine halbe Stunde lang noch immer um, doch sahen sie den Verkehrspolizisten nicht mehr; sie waren ihr eigenes Gesetz. v. Unlängst hatten die beiden einen erstlichen Unfall auf der Strasse gesehen und in der vorigen Woche hatten sie als Zeugen erscheinen müssen. Der Gerichtsdiener hatte gerufen: « J. Arnold Ross» und dann, ebenso feierlich: « J. Arnold Ross, junior». Der Knabe hatte sich in der Zeugenbank erhoben und erklärt, dass er die Bedeutung des Eides kenne, sowie die Verkehrsregeln und dass er sagen werde, was er gesehen habe. Dieser Vorfall hatte ihn sozusagen «geriohtsbewusst» gemacht. Wenn sich während der Fahrt irgend etwas Ungesetzliches zutrug, so stellte sich die Phantasie des Knaben die Szene im Gerichtshof vor. « Nein, Herr Richter, der Mann durfte nicht auf der linken Seite der Strasse fahren; wir waren bereits zu nahe; er hatte keine Zeit, dem anderen Auto vorzufahren.» Oder: « Herr Richter, der Mann ging in der Nacht auf der rechten Seite der Strasse; ein Auto mit Blendlichtern kam uns entgegen. Sie wissen, Herr Richter, dass sich ein Mensch nachts auf der linken Seite der Strasse halten muss, um die entgegenkommenden Autos sehen zu können. » Bisweilen schrak der Knabe, während er so seine Gedanken ausspann, auf, und dann fragte der Vater: «Was fehlt dir?» Der Knabe wurde verlegen; denn er wollte nicht zugeben, dass ihn seine Träumereien fortgerissen hatten. Aber der Vater wusste es und lächelte bei sich: ein komisches Kind, das sich immer allerlei vorstellte, dessen Gedanken von einem Gegenstand zum andern sprangen, das stets über etwas aufgeregt war. Vaters Geist war anders; er blieb an einem Thema haften; seine Gedanken kamen in einer langsamen, ernsten Reihenfolge, seine Gefühle glichen einem Hochofen, der lange Zeit braucht, bis er sich erhitzt. Während derartiger Fahrten sprach Vater bisweilen stundenlang kein Wort, der Strom seines Bewusstseins gleich einem Fluss, der unter Felsen und Sand völlig verschwindet; der ganze Mann war nichts weiter als ein Gefühl des Behagens, eingehüllt in einen weichen, warmen Mantel, ein Teil der sanftsurrenden Maschine, die sich in einem Oelbad bewegte und fünfzig Meilen die Stunde zurücklegte. Hätte man dieses Bewusstsein zergliedert, so würde man keine Gedanken gefunden haben, sondern ein von konkreten Dingen hervorgerufenes Befinden: von der Verdauung, vom Wetter, vom Auto, vom Bankdepot und von dem Knaben an seiner Seite. Würde man diese verschwommenen Gefühle zu Worten formen, so erschienen sie zu klar und zusammenhanglos; man muss sie miteinander verquicken, etwa so: «Ich, der'ich diesen Wagen lenke und der ich einst Jim Ross, Maultiertreiber und Krämer in Queen Centre, Kalifornien, war, bin jetzt J. A. Ross & Co., Petroleummagnat, habe mein Frühstück schon zum Teil verdaut; es ist mir etwas warm in meinem neuen Ulster, weil die Sonne herauskommt; ich habe am Lobos-Fluss eine neue Quelle, die viertausend Tonnen gibt und in Antelope sind sechzehn in Betrieb. Ich fahre nach Beach-City, um einen Pachtvertrag zu unterzeichnen; wir werden in den nächsten zwei Stunden die verlorene Zeit einholen und Bunny sitzt neben mir. Er ist stark und gesund und wird einmal alles besitzen, was ich erwerbe, wird in meine Fussstapfen treten,