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E_1930_Zeitung_Nr.027

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18 AÜTOMOBIL-KEVUE 1980

18 AÜTOMOBIL-KEVUE 1980 — ¥. C. S. der Ausstellungsgebäude N*27 AUTOSEKTION BERN DES T.C.S. Die Sektion Bern unternahm am Sonntag den 16. März eine Nachmittagsausfahrt ins Gebiet der 1 nachbarlichen Sektion Seeland, nach Lyss. Wenn auch der Wetterbericht des fraglichen Sonntags am frühen Morgen ein «Sehr schön» verzeigte, so musste der Sonnenwagen des Wettergottes bis nachmittags eine schwere Panne erlitten haben. Es regnete in Strömen und schneite halbe Pneus, ein Idealwetter für offene Wagen. Gar mancher kam sich vor, wie in der Arche Noah. Trotzdem fanden eich in Lyss, in den vornehm ausgestatteten Räumen des Hotels zum weissen Kreuz, eine stattliche Anzahl Mitglieder zusammen, die unter der bekannt tüchtigen und humorvollen Leitung vom Chef des Geselligen, Hofstetter- Petri, bald fröhlichster Laune waren. Während draussen der Regen die Buiks, Chrysler und Konsorten tüchtig rein wusch, wurde drinnen eifrig getanzt. Statt Autos wurden zur Abwechslung deren Insassen zu einer grossen Polonaise zusammengekuppelt, die in toller Laune, von Herrn Hofstetter fachmännisch geführt, in langer Tirade die Räume lies Hotels durchzog, wobei ein Verkehrspolizist sehr von Nöten gewesen wäre. Als tüchtige Touring- Clübler nahmen alle die Kurven und Hindernisse spielend. Tanzkonkurrenzen, Lotterie %ad gar eine von der Dramatischen Sektion des Berner Quadlibet im Kilometer-lance-Tempo flott gespielte Groteske, Hessen den Nachmittag nur zu rasch vorübergehen. Es. versteht sich von selbst, dass die Delegation der Sektion Seeland, die dem Anlass beiwohnte, herzlich begrüsst wurde. Erst am späten Abend gab ein Auto nach dem andern Vollgas, um durch die unfreundliche Nacht die heimatliche Garage zu erreichen. Die, die keinen Platz mehr fanden, genossen die Heimfahrt in tvollen Zügen». F. B. A. C. S. A. C. S. SEKTION ZÜRICH. Die ordentliche Generalversammlung der Sektion, die am 20. März im Grand Hotel Dolder in Zürich unter dem Vorsitz von Herrn H. Hürlimann, Präsident, abgehalten wurde, befasste eich vor allem mit den in letzter Zeit in Zürich so sehr zunehmenden Autostrolchenfahrten. Die statutarischen Geschäfte sahen eine rasche, zustimmende Abwicklung. Der Jahresbericht pro 1929 wurde einstimmig genehmigt ebenso die Jahresrechnung pro 1929, die einen günstigen AbschMss verzeigt. Auch die Wahlen konnten im Zeichen vollständiger Einstimmigkeit erledigt werden. Der Vorstand setzt sich zusammen wie folgt: Heinr. Hürlimann, Zürich, M. Gassmann-Hanimann, Zürich, Rob. R. Steiger, Zürich. F. Frey, Zürich. Dr. E. Stadler, Uster, H. von SchuJtheas, Zürich, W. Honegger, Zürich, J. Guallini, Wallisellen, C. Anderes, Wintertlmr, E. Hoerni, Oberwinterthur. J. Koch, Schlieren, Dr. H. Diener, Regensdorf, F. Steinfels, Zürich, C. Diener, Zürich, W. Bammann, Horgen und Dr. Weiss, Affoltern a. A. Durch Zuwahl von zwei Mitgliedern soll der Vorstand nach Gründung der vorgesehenen Ortsgruppe Zürcher Oberland später ergänzt werden. Als Präsident wurde mit Akklamation Herr Heinrich Hürlimainn bestätigt. Als Kontrollstelle wurde wiederum die Schweiz. Revisionsrich, A. Brüderlin, Zürich, Dr. H. Diener, Renungsrevisoren die Herren L. Wohlgroth, Zürich und H. Jecklin, Zürich. Ersatzmänner sind die Herren J. Ehrensperger, Zürich und B. Denzler, Wetzikon. Der erhöhte Mitgliederbestand — die Sektion zählt heute 2516 Mitglieder — gibt nun Anrecht auf 18 Delegierte für die Delegiertenversammlungen des A. C. S. Die Versammlung wählte einstimmig die bisherigen Berren H. Wunderly-Volkart, Meilen, A. Töndury, Zürich, W. Honegger, Zürich, J. Guallini, Wallisellen, F. Frey, Zürich, C. Anderes, Winterthur, M. Gassmann, Zürich, H. Häsler, Winterthur, Rob. R. Steiger, Zürich, W. Badertscher, Zürich, A. 1 Briiderün, Zürich, Dr. H. Diener, Regensdorf, H. von Schulthees, Zürich. H. Egli, Pfäffikon und E Hoerni, Oberwinterthur und neu die Herren J. Koch, Schlieren, G. Diener. Zürich und P. Elwert, jun., Zürich. Als Ersatzmänner der Delegierten beliebten die bisherigen Herren M. Jäggli, WinterthuT, B. Schriever, Zürich. E. Wacbter-Böschenstein, Winterthur, H. Walder, Wallisellen und neu die Herren A. Egolf, Horgen, Dr. Matter, Rorbas, G. Boeniger, Rüti, Dr. Steiner. Andelfingen und Dr. Teilenbach, Thalwil. Herr Heinrich Hürlimann konnte alsdann noch die Ernennung von 20 Veteranemnitgliedern bekannt geben und erteilte alsdann das Wort Herrn Rechtsanwalt W. Badertscher, der über das Traktandum «Massnahmen gegen Automobil-Strolchen^ fahrten» Bericht erstattete und über die bisherige Gerichtspraxis orientierte. Die Versammlung beschloea einstimmig, die nachstehende Resolution zum Beschluss zu erheben, wobei dem Wunsche Ausdruck gegeben wurde, dass sich auch die politischen Parteien wirksam für die Beseitigung dieser Lücke im Strafgesetz einsetzen mögen: < Die Sektion Zürich des Automobil-Club der ifiveeduRalltt.('Autos; v x Im Palais des Expositions flinke) wird der Auto-Salon und im Schweiz hat in ihrer Generalversammlung vom 20. März zu der Frage der Bestrafung sog. Strolchenfahrer Stellung genommen. Sie stellte dabei fest, dass eine sog. extensive Interpretation der zürch. Strafbestimmungen über den Diebstahl in dem Sinne, dass auch die Gebnauchsaneignung als Diebstahl bestraft wird, zu berechtigten juristischen Bedenken Anlaes gibt. Die Zunahme der Autodieb stähle in letzter Zeit, und zwar in einer Grosszahl von Fällen durch Leute, die überhaupt nicht im Besitze der Führerbewilligung sind, bedeutet, abgesehen von dem schweren Vermögensschaden, der dem Eigentümer fast regelmässig zugefügt wird, eine ganz unverantwortliche Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Es liegt deshalb nicht nur im Interesse der Automobilbesitzer, sondern der Allgemeinheit überhaupt, dass unverzüglich die nötigen gesetzlichen Beetimmungen geschaffen werden, damit in allen Fällen der widerrechtlichen Gebrauchsanmassung die Täter exemplarisch bestraft werden können. Die Generalversammlung hält dafür, dass einzig nur mit schärfsten Strafen eine Verminderung solcher Strolchenfahrten und der dadurch bedingten Gefahren erreicht werden kann, dass also in jedem Falle auf Gefängnis und nicht nur auf Busse zu erkennen ist, da. wie neuerdings der Mordfall an der Talstrasse mit aller Deutlichkeit zeigte, es sich bei diesen Autostrolchen um Leute mit ausgesprochen verbrecherischer Gesinnung handelt. Die Generalversammlung beauftragt deshalb den Sektionsvorstand, unverzüglich dem zürcherisehen Kantonsrat eine Initiative einzureichen, mit dem Ersuchen, dae zürch. Strafgesetzbuch durch eine neue Bestimmung zu ergänzen, wonach der rechtswidrige Gebrauch von Motorfahrzeugen empfindlich bestraft werden muss. ff. du Conssit General Electoral» der Motorrad-Salon abgehalten. Der Vorstand ist ermächtigt, eine entsprechende Formulierung der neuen Strafbestimmunit aufzustellen. Die Generalversammlung der Sektion Zürich des A. G. S. erwartet von den masseehenden Behörden, dass der Erlass einer solchen dem allgemeinen Völksempfinden entsprechenden Vorschrift nicht durch den Hinweis auf das kommende eidgenössische Automobilgesetz hinausgezögert wird, da dessen Erlass doch erst in einigen Jahren zu erwarten ist. > In Ausführung dieses Beschlusses der Generalversammlung, hat dann der Vorstand die Formulierung der in das Strafgesetz aufzunehmenden neuen Strafbestimmung wie folgt festgelegt: tWer sich ein Motorfahrzeug rechtswidrig zum Gebrauch aneignet, wird, insofern der Tatbestand des Diebstahls nicht erfüllt ist, mit Gefängnis oder Busse bis Fr. 1000 bestraft.» Die Generalversammlung diskutierte ferner noch, den Mordfall an der Talstrasse. Da die ausgesetzte Belohnung von Fr. 1000 nicht als ausreichend bezeichnet werden kann, wurde beschlossen, den kantonalen Justizbehörden die Summe von Fr. 500 zur Verfügung zu stellen, damit die Belohnun? entsprechend erhöht werden kann. Die Versammlung üess auch den Hinterlassenen des getöteten Luzerner Automobilisten Müller einen Betrag von Fr. 500 zukommen. Ferner gelangte noch der dringend notwendige Ausbau des Escher-Wyes-Platzea und des Heimplatzes zur Sprache. Der erster« wurde vor etlichen Jahren derart ungeschickt angelegt, dass dort heute sehr ungünstige Verkehrsverbältnisse herrschen. Da der Bau einer Strassenba.hnlinie durch die H&rdturmstrasse bevorsteht, dürfte der Moment zu ei-» (Schiusa siehe Seite 23) DERNEUE6CYLH0TCHKISS 15 St.-HP Ein Wagen, der auch Sie in Erstaunen setzen wird! Bitte probieren Sie ihn, dann urteilen Sie LUKKAINt Sehr hübsche Karosserien, 4- und Gplätzig, von Fr. 13,650.- bis Fr. 17,800.-. 0 VI La trotz höchster Qualität grosser Preisabschlag! Verlangen Sie Kataloe and Offert« WALTER STOCKER, Gasometerstrasse 35, ZÜRICH Langjähriger Vertreter von Hotohkiss und Lorraine - Telephon Sei. 54.22 Wir werden Ihre Wünsche restlos befriedigen! 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Bern, Mittwoch 26. März 1930 „Automobil-Revue"No. 27 99 Im heutigen Autler-Feierabend": Die Fahrt in den Frühling 19 Seelenprüfung für Automobilisten 19 Die Gittertüre 19 Triumph der Narrheit 20 Erlebnis der Berge 21 Touren-Sprechsaal 21 Humor 21 Seite Die Fahrt in den Frühling... / von H. B.-B. Langsam erwacht der Tag. Wir machten uns bereit; die Fahrt in den Frühling konnte beginnen. Als die ersten Strahlen der Sonne sich im Glanz nnseres Wagens widerspiegelten, versprach uns der Himmel eine genussreiche Tour. So war es denn auch. Mitten durch das Erwachen der Natur ging unsere Reise. Schon keimten da und dort die Wiesen; Schlüsselblumen und Anemonen streckten ihre Köpfchen aus Licht und zogen die Wärme der Sonne ein. Versprechend warteten die Bäume ttnd Sträucher auf das Werdende, und die Aecker, gefurcht und brach, harrten des Bauers. Mit grossen Schritten trat er über die Schollen die Saat dem Erdreich anvertrauend. Im massigen Tempo fuhren wir, die Natur geniessend, dem Ufer des langgestreckten Sees entgegen. Die Sonne glänzte vom Firmament herunter. Der letzte Schnee in den Talengen war zerronnen. Der Föhn war einige Tage vorher ins Land gefallen und hatte die spärlichen Reste des milden Winters geschmolzen. Die Strasse war kotfrei. Ruhig 1 , glitt unser Wagen 5 über' den glatten Belag und geniesseriscb. leguüerten wir seine Geschwindigkeit. Wir bogen in die Gerade ein, längs des Sees. Berge, von der Sonne rotgotlden beleuchte^ grüssten zu unserer Rechten. Wie Finger, zu einem Eid bereit, ragten die Spitzen der Firnen zum Himmel. Wir fuhren durch Tannenwald. Frisch atmeten •wir seinen Duft Die Strasse stieg. Immer wärmer schien die Sonne — die ganze Natur grüsste mit ihrem echönsten Feiertagskleid. Weit ab von der Hast und Eile der Stadt — unter wolkenlosem Himmel speisten wir zu Mittag. — Kein noch so auserlesenes Diner hätte uns besser schmecken können als dieses Picknick auf dem Waldboden. Welch ein Unterschied ist es zwischen Wald npd Feld und dem Häusermeer einer Stadt- Wie viele Menschen gibt es noch, die davon nichts wiseen! Seelenprüfung für Automobilisten ? Jeder, der einen Autoführerschein erwerben will, muss sich in Oesterreich, wie das « Neue Wiener Journal» ausführt, ausser der Fachprüfung auch einer ärztlichen Untersuchung unterziehen. Seit einigen Wochen wird nun diese Untersuchung nicht nur auf die Prüfung der körperlichen Beschaffenheit beschränkt, sondern sie wird dahin erweitert, ob der Kandidat auch vom psychotechnischen Standpunkt die Eignung zur Führung eines Automobils besitzt. Die psychotedhnische Prüfung. In einem Saal nehmen in den wie in einer Schule aufgestellten Bänken zwanzig Prüflinge Platz. Zuerst bekommt ein jeder ein Blatt Papier in die Hand, auf das vier Quadrate gezeichnet sind. Das Quadrat ist der Saal selbst. Plötzlich ertönt ein Glockenzeichen. Aus welcher Richtung ist es gekommen? Das ist die Frage, die an die Kandidaten gerichtet wird. Die, Antwort ist auf dem Quadrat zu vermerken, der Kandidat hat in die Ecke, aus welcher er das Signal gehört zu haben glaubt, ein Zeichen zu machen. Diese Probe wird sechzehnmal wiederholt, dann werden die Blätter eingesammelt, sofort dem Bureau des Institutes übergeben, wo auf Grund der Vermerke bezüglich eines jeden Prüflings festgestellt wird, wie seine «Schallokalisation» ist. Mittlerweile bekommen aber die Kandidaten schon ein zweites Blatt Papier in die Hand. Auf diesem sind in 16 Reihen je 30 einstellige Zahlen gedruckt, eng aneinandergereiht und zusammengewürfelt. Der Prüfer nennt eine Ziffer, zum Beispiel die Ziffer «Sieben». Die Kandidaten haben nun innerhalb eines gewissen Zeitraums in jeder Reihe diese Ziffer, so oft sie vorkommt, durchzustreichen und am Rande einer jeden Reihe' anzugeben, wie oft sie die Ziffer «Sieben» in ihr gefunden .haben. Während dieser Arbeit ertönen immer wieder Glockensignale und in einer eigenen Rubrik muss von den Kandidaten vermerkt werden, aus welcher Richtung diese Signale gekommen sind. So wird gleichzeitig der Gehör- und der Gesichtssinn geprüft. Ein drittes Blatt wird gleichzeitig verteilt. Auf diesem sind Zeichnungen von allerhand Geräten und Werkzeugen, die durchweg irgendeinen Konstruktionsfehler haben. Die Kandidaten müssen diese Fehler finden und so den Beweis erbringen, dass sie wenigstens die einfachsten technischen Kenntnisse besitzen. Die Reagierungsfähigkeit der Kandidaten. • Dann wird der Prüfling vor einen Apparat gestellt, der aus einem durch zwei senkrecht übereinander gestellten Löchern bewegbaren Stab besteht. Der Stab kann mittels eines Hebels in seinem Sturz aufgehalten werden. Sobald sich der Stab in Bewegung setzt, muss der Kandidat den Hebel einschalten und so den Stab in seinem Sturz aufhalten. Dies wird zwanzigmal wiederholt und jedesmal wird von einer unmittelbar neben dem Stab befindlichen Messtafel abgelesen, bei welchem Zentimeter der Stab aufgehalten wurde. Auf diese Weise wird festgestellt, wie es um die Reagierungsfähigkeit des zukünftigen Chauffeurs bestellt ist, wobei die Hauptsache ist, dass er gleichrhässig reagiere, also sich als verlässlich erweise. Die Prüfung des Geruchsinns. Dem Kandidaten werden 5 Fläschchen mit verschiedenen Flüssigkeiten, Terpentin, Alkohol, Benzin, Benzol u. Wasser, zum Riechen gegeben. Dann muss der Kandidat acht verschiedene Bleigewichte, nach ihrer Schwere geordnet, in eine Reihe stellen, um seine Gelenksempfindlichkeit zu beweisen. Der Farbensinn wird auf die Art geprüft, dass man dem Betreffenden 16 Farbstifte in die Hand drückt und er auf einem in 16 Felder geteilten Papier mit jedem die Farbe aufschreiben muss, die der Stift hat. Die Oiauffeurprüfung au! dem Papier. Der Kandidat wird vor einen Apparat gesetzt. Dieser besteht aus einer Walze, auf die ein Strassenplan befestigt ist, und einem Volant, der mit einem spitzen Bleistift in Verbindung steht, welcher Bleistift, einer jeden Bewegung des Volants folgend, auf dem Strassenplan Striche zieht. Der Kandidat muss nun, nachdem der Apparat auf elektrischem Wege in Funktion gesetzt wird, das Bleistiftauto mit dem Volant durch die im Plan verzeichneten Strassen und Plätze führen. Das ist gar nicht so einfach, weil die Strassen nur einige Millimeter breit sind und der Rand nicht berührt werden darf, ausserdem sind immer wieder Verkehrshindernisse in den Weg gezeichnet oder aber sind Sackgassen markiert, so dass der Lenker seine Aufmerksamkeit nicht nur seitwärts, sondern auch nach vorn richten muss. Nicht genug daran, werden immerwährend Lichtund Glockensignale in Funktion gesetzt und der Lenker muss diese stets mit dem Drükken auf einen Knopf bestätigen. Diese 20 Minuten währende « Probefahrt» erfordert daher eine sehr ernste Sammlung des Prüflings, der zum Schluss mit seinem Auto auf dem serpentinenartig gezeichneten Strassenlabyrinth den richtigen Endpunkt erreichen muss. Erst nach Abschluss dieser psychotechnischen Prüfung kommt die ärztliche Untersuchung, die in einem modernst eingerichteten Ordinationssaal mit Hilfe zahlreicher Instrumente auf das genaueste durchgeführt wird. Die Gittertüre Eine wahre Begebenheit. Es war 1 Uhr morgens. Georges hatte den ganzen Abend im Cafe du Dome gesessen, damit schloss er jeden seiner Tage ab, hatte mit seinen Freunden über all die Fragen, die das Montparnasse bewegten, diskutiert und war dann, ganz gegen seine Gewohnheit, schon kurz nach zwölf aufgebrochen. Er war Maler und wohnte in einer Atelierkolonie. In seiner Bude ging es dann und wann sehr lustig zu, wenn auch seine fünfunddreissig Nachbarn oft nicht das nötige Verständnis aufbrachten. Aber Georges ärgerte sich nie über seine Nachbarn. Heute, als er weggehen wollte, war ihm die Concierge (eine kleine Person, wie alle Pariser Concierges) nachgerannt. Sie hatte ihm erzählt, dass auf Geheiss des Herrn Proprietaire von heute an das grosse Gittertor gegen die 5trasse geschlossen werde. Es sei eine Vorsichtsmassregel, da man nie sicher wäre, wenn eingebrochen würde (dabei vergass sie nicht, ihren Mantelkragen enger zu schliessen). Der Schlüssel zum Tore koste zehn Francs und sei bei ihr zu beziehen. Freundlich wie immer dankte Georges. Doch auf dem Wege ins Montparnasse erinnerte er sich, dass die Gittertüre nicht ganz bis unter den Torbogen reichte und so rechnete er aus, dass man sich die Ausgabe für den Schlüssel ersparen könne. Trotzdem verabschiedete sich Georges früher als sonst aus dem Kreise seiner Kunstfreunde und -freundinnen. Georges hatte einige Mühe, auf das hohe Gittertor zu klettern; doch dann sprang er in den nächtlichen Hof herunter. Dumpf schlugen seine Schuhe auf das harte Pflaster. In einigen Ateliers brannte noch Licht; zerquetschte Grammophonklänge durchbrachen die Stille. Er war mächtig stolz, dass ihm alles so gut gelungen war und schon dachte er daran, wie er das Eingesparte am besten verwenden würde. Zweimal drehte er den Schlüssel und öffnete die Türe seiner Behausung. Aber — was war das? Georges traute seinen Augen nicht. Seine Bude, die er sich selbst so herrlich eingerichtet (Georges war der Sohn eines gutbürgerlichen Pariser Grosskaufmanns und hatte sich hier, um seinem Künstlertum gerecht zu werden, in einem kleinen Mietatelier installiert), seine Bude war kahl und leer. Nur die nackten Tannenholzmöbel, die er selbst rot bemalt hatte, starrten ihn hilflos und traurig an. Und die schönen Teppiche und Behänge, sein Grammophon, seine Bilder, alles war weg. Er schaute in den Kasten — fand keine Kleider; er suchte auf den Gestellen — keine Bücher. Alles ausgeräumt — einfach alles. Die Fahrt. Von Upton Sinclair. (Fortsetzung) m. Und dennoch kam etwas dazwischen, das den Plan störte. Das Auto gelangte in den Nebel; kalte, weisse Schleier schlugen den beiden ins Gesicht. Zwar konnte man noch sehen, aber die lehmige Strasse war feucht, und das verdammt den besten Fahrer zur Hilflosigkeit. Vaters scharfes Auge bemerkte es sofort; er verminderte die Geschwindigkeit und das war ein Glück, denn der Wagen begann zu schleudern und berührte beinahe die weisse Holzbarriere am Strassenrand. Nun schlichen sie fast dahin, damit sie jeden Augenblick stoppen konnten. Der Geschwindigkeitsmesser zeigte zuerst fünf, dann drei Meilen an; wieder schleuderte der Wagen und Vater murmelte: «Verdammt!» Sie machten an der Innenseite einer Kurve, wo sie von entgegenkommenden Automobilen gesehen werden konnten, Halt. Der Knabe öffnete die Tür und sprang heraus. Vater folgte ihm langsam und legte Rock und Mantel auf den Sitz, denn die Kleidung gehört zu der Würde eines Menschen; sie ist ein Symbol seines Aufstiegs im Leben und darf weder beschmutzt noch verdrückt sein. Vater öffnete mit einem Schlüssel eine Klappe hinten am Wagen, holte die Ketten hervor und befestigte sie an den Hinterrädern. Dann wischte er sich die Hände an den nebelfeuchten Büschenlab, der Knabe folgte seinem Beispiel. Die beiden zogen wieder die Mäntel an und nahmen ihre Sitze ein. Jetzt fuhr das Auto etwas rascher, aber noch immer vorsichtig, nicht im Einklang zu Vaters Plan. «Guadalupe-Pass: höchster Punkt. Vorsicht! Fünfzehn Meilen die Stunde in den Kurven! » verkündete eine Tafel. Nun fuhren sie langsam bergab, bremsten. Vater legte die Brille auf die Knie, weil sie vom Nebel angelaufen war. Sein Haar war feucht, die Nässe tröpfelte ihm über die Stirn in die Augen. Der Knabe sog mit Genuss die feuchte Luft ein, Hess mutwillig die Hupe ertönen. Aus dem Nebel kam ihnen ein ebenfalls unentwegt tutendes Auto entgegen: ein Ford, sein Kühler dampfte. Plötzlich wurde der Nebel dünner; noch ein paar Fetzen, und er war verschwunden; sie waren befreit, der Wagen schnellte vor, ein herrlicher Anblick bot sich ihren Augen. Unter ihnen lagen Hügel um Hügel; man hätte Flügel haben mögen, um über die Hügel dahinzuschweben, in die Täler hinabzustossen. Sie hatten bald den letzten Hügel erreicht, vor ihnen lag schnurgerade die Strasse; der Wind begann zu pfeifen, der Zeiger auf dem Geschwindigkeitsmesser sprang vor. Nun holten sie die verlorene Zeit ein. Wie die Bäume und die Telegraphenstangen an ihnen vorbeisausten! Sechzig Meilen in der Stunde; manche Leute hätten vielleicht Angst gehabt, aber kein vernünftiger Mensch konnte sich fürchten, solange Vater lenkte. Mit einemmal begann das Auto langsam zu fahren; der Geschwindigkeitsmesser zeigte fünfzig, vierzig, dreissig. Noch immer lag die Strasse leer vor ihnen, aber Vaters Fuss drückte die Bremse nieder. Der Knabe blickte ihn fragend an. «Sitz ruhig,» befahl er. «Sieh dich nicht um. Eine Falle!» (Fortsetzung siehe Seite 22) Ski&K heisst den erregenden und für viele Menschen schädlichen Coffeinwirkun* gen des Kaffees konsequent entgehen. Das ist spielend leicht für Sie, wenn Sie Kaffee Hag als Ihren Kaffee wählen. Kaffee Hag ist hochfeiner Bohnenkaffee, jedoch befreit von der» Coffein. Keine Coffeinwirkungen, aber mehr Genuss und bessere Ge* sundheit, das ist Kaffee Hag.