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E_1930_Zeitung_Nr.023

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Mittwoch 19. März 1930 Zweite Salonnummer Nummer 20 Cts. 2ß. Jährgang. - N° 23 ERSTE SCHWEIZERESCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Porto*K3chlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern soiern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Erstellung SO Happen. Postcheck-Rechnuns III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Ein Querschnitt internationaler Autotechnik. Als vor genau einem Vierteljahrhundert in Genf der erste Automobilsalon zur Durchführung kam, hätte niemand geahnt, welche Entwicklungsmöglichkeiten das Unternehmen in sich barg. Automobilfahren hiess damals einen kostspieligen, exklusiven Sport betreiben. Das Automobil war das bestaunte Wunder- Verkehrsmittel einiger besonders mit irdischen Gütern Gesegneter, der grossen Masse ebenso unerschwinglich wie heute noch das Flugzeug. Heute hat sich die Idee des mechanisierten schnellen Straßenverkehrs durchgesetzt, wie sich alles Gute unwiderstehlich Bahn bricht. Das Automobil ist Volksverkehrsmittel geworden, ohne seine Existenz wäre die Volkswirtschaft noch um Jahre zurück. Der Salon ist nicht mehr die Raritätenschau von einst, er hat den Charakter einer riesigen Messe angenommen, auf deren informatorischen und propagandistischen Wert Produzent, Vertreter und Verbraucher gleichennassen angewiesen sind. Dem Techniker — und welcher praktische Automobilist hat nicht wenigstens eine technische Ader — bietet sich am Salon ein ausgezeichneter Beobachtungsposten, von dem aus er das Weben und Wirken des Fortschrittes verfolgen kann. In mehr oder weniger grossem Gegensatz zu den Automqbilausstellungen unserer Nachbarländer ist dabei der GenfeT Salon wirklich International, was an den Objekten durch ungemein grosse Vielgestaltigkeit zum Ausdruck kommt. Man hat gewissermassen einen Querschnitt der Automobilbaukunst der ganzen Welt vor sich. Während in den letzten Jahren Fabrikationsprobleme im Vordergrund standen, die daraufhin liefen, möglichst billige Wagen in grossen Mengen zu produzieren, herrschen beute wieder mehr die Konstruktionsprobleme vor. Die oft prophezeite Schematisierung und Standardisierung des Automobilbaues ist ebensowenig eingetreten wie bisher. Schon der Durchschnittswagen weist wieder recht verschiedene Bauformen auf. Daneben haben sich aber mehr Konstrukteure als je auf Neuland begeben, wo sicher noch vieles zu holen sein wird. Dass es sich dabei meistens um europäische Konstrukteure handelt, ist leicht verständlich. Man erblickt hier eine Möglichkeit, der amerikanischen Invasion die Spitze zu bieten; denn die kleineren europäischen Fabriken können sich solchen Umstellungen viel leichter anpassen als die amerikanischen Riesenbetriebe, bei denen die kleinsten Programmänderungen Millionen verschlingen. Ein sehr wesentliches Verkaufsargument ist natürlich immer noch der Preis oder besser das Verhältnis zwischen Die Fahrt. Von Upton Sinclair. Wer kennt nicht eines der aufsehenerregenden Bächer von Upton Sinclair, welcher mit seinem Werk, «Der Sumpf», so scharf in die Chicagoer Grossschlächtereien und in andere Betriebe der Weltstadt, die durch ihre Finanz-Misere zur Zeit von sich reden macht, hineinzündete. Eines der Bücher, das die Automobilisten in besonderer Weise interessiert, ist Sinclairs «Petroleum», ein wunderbar plastisch geschriebener Roman, in deutscher Sprache im Malik-Verlag Berlin erschienen. Die Zusammenhänge des Petroleums, nicht nur mit der Weltwirtschaft, sondern mit den politischen und völkischen Erscheinungen mehrerer Kontinente, werden durch Sinclair so scharfsinnig und interessant nachgewiesen, dass der Leser aus der Spannung nicht herauskommt. Welche Fundgrube fesselnder Unterhaltung und prägnantester Darstellung dieses Buch ist, zeigt am besten dessen erstes Kapitel «Die Fahrt», das wir mit besonderer Erlaubnis des Verlages Der Automobilbau 1930. ren Preisklasse. Die Tendenz, einen billigen Wagen zur Mittelklasse heraufzuentwickeln, kam zwischen 1929 und 1930 ungewöhnlich stark zur Geltung. Die meisten Verbesserungen waren solche im engsten Sinne des Wortes, d. h. man beschränkte sich in erster Linie auf das Beheben von im Fahrbetrieb konstatierten Fehlern. Wie weit man allein durch diese Methode kommen kann, zeigt der Vergleich eines durchschnittlichen Modelies 1930 mit einem solchen von vier Jahren früher. Das Schwergewicht der Anstrengungen konzentrierte sich dabei auf Massnahmen, die geeignet sind, das Führen, Behandeln und Unterhalten des Wagens zu erleichtern. Die Grosse der Wagen hat etwas zugenommen. Der leichte Wagen mit 1,5—2-Liter- Motor ist vielfach in die Klasse der 2—3- Liter hinaufgerückt. Der durchschnittliche Gebraudhswagen umfasst sogar einen .Literbereich von 2—3,5 Litern. Eine nochmalige Zunahme der Grosse unseren Lesern unterbreiten. Durch die 20 ersten Seiten des Romanes wird mancher Leser auf die weitere Entwicklung der Dinge gespannt sein. Die Red. Die Strasse erstreckte sich glatt und eben, vierzehn Fuss breit, die Ränder sauber, wie mit der Schere beschnitten: ein graues Band, von einer Riesenhand über das Tal gezogen. Der Boden war wellig, stieg sanft an und fiel dann plötzlich steil ab. Man erklomm die Steigung und sauste jählings in die Tiefe, doch fühlte man keine Angst, wusste man doch, das Zauberband werde da sein, vollkommen glatt, ohne Hindernisse, die Gummireifen erwartend, die sich in der Sekunde siebenmal drehten. Der kalte Morgenwind pfiff, ein Sturm der Bewegung tobte, ein Summen und Brüllen in stetig wechselnden Tönen, doch sass man warm hinter dem schiefgestellten Windschutz, der den Sturm ablenkte. Bisweilen hob man die Hand, fühlte die Kühle, oder man beugte sich hinaus, Hess den Luftstrom gegen die Stirn schlagen und das Haar zerwühlen. Meist jedoch sass man still und würdevoll, denn das war Vaters Art und Vaters Art verkörperte die Ethik des Automobilfahrens. Kaufpreis und Gegenwert. Deutlich ist dabei festzustellen, wie der Gegenwert bei gleichbleibendem Preis immer höher wird. Im grossen ganzen ist im letzten Jahr mehr Konstruktionsarbeit geleistet worden ais In den vorhergehenden. Die grössten Fortschritte zeigen sich bei Wagen der niedrigeist allerdings nicht mehr zu erwarten, da die nächste Zukunft eine vermehrte Anwendung von Leichtmetallen bringen wird und infolge der daraus resultierenden Gewichtsverminderung Motorleistungen von 60—70 PS mehr als ausreichend sein werden. Bei Wagen der mittleren Preisklasse entfallen heute auf einen Liter Hubvolumen mindestens 250 kg Chassisgewicht, bei modernsten Konstruktionen mit weitergehender Verwendung von Leichtmetallen ist man jedoch schon unter 200 kg pro Liter Zylinderinhalt angelangt. Die Motoren. Das Verhältnis der Zylinderzahl hat sich weiter stark zugunsten der Sechs- und Achtzylinder verschoben. Im Vorjahr standen die Vierzylinder noch an zweiter Stelle, während sie jetzt an dritte Stelle gerückt sind. Vorherrschend sind die Sechszylindermotoren, denen unmittelbar die mit acht Zylindern folgen. Sozusagen über Nacht sind daneben Zwölfund Sechzehnzylinder aus dem Boden geschossen. Man sieht — man hatte sehr wenig Berechtigung, schon vor einem halben Dutzend Jahren beim Aufkommen des Sechszylinders von « Zylindritis » zu sprechen und das Ganze als eine Uebertreibung zu betrachten. Die Wege der Technik und ihre Möglichkeiten sind wunderbar. Der Vater trug einen hellbraunen, weichen, wolligen Ulster, weit geschnitten, mit grossem Kragen und grossen Taschen; — wo immer der Schneider ein Zeichen des Ueberflusses anbringen konnte, hatte er es getan. Auch der Mantel des Knaben war von dem gleichen Schneider angefertigt, aus dem gleichen weichen, wolligen Stoff, mit dem gleichen grossen Kragen und den grossen Taschen. Vater trug dicke Lederhandschuhe, und das gleiche Geschäft verkaufte dieselbe Art Handschuhe für Knaben. Auf Vaters Nase sass eine Hornbrille; der Knabe war noch nie bei einem Augenarzt gewesen, doch hatte er in einer Apotheke eine gelbe Brille entdeckt, die ebenfalls in Hörn gefasst war. Vater trug keinen Hut, weil er der Ansicht war, Sonne und Regen schützten das Haar vor Ausfall; deshalb fuhr auch der Knabe bar- INSERTIOXS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundieile od