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E_1930_Zeitung_Nr.026

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Der Kilometer-Arrete.

Der Kilometer-Arrete. (Schluss.) beheben. In der Zwischenzeit war das Publikum, das den Grund der Unterbrechung nicht kannte, schon etwas unruhig geworden und gab der Ungeduld, dem welschen Temperament entsprechend, hörbaren Ausdruck. Als aber der zweite Mercedeskämpe, Graf Max Arco Zinneberg, auf den Plan trat, legten sich die Wellen gleich wieder und eine ungeteilte spannende Aufmerksamkeit nahm die Zuschauer in ihren Bann. Trotz einem durch die nasse Strasse begründeten, schwierigen Start hatte der Wagen bald ein beträchtund sauste liches Tempo erreicht pfeilgeschwind über die Strecke. Bei der Rückfahrt kam der Fahrer neuerdings wegen dem eisglatten Strassenbelag in einige Schwierigkeit, da der Wagen wegen einer zeitweisen Schleuderwirkung der Räder beträchtlich von der Strassenmitte abkam. Mit sicherer Hand und flotter Technik brachte der junge Graf seinen Mercedes aber innert Sekundenbruchteilen wieder in seine Kontrolle und erreichte trotz allen Fährnissen ein Stundenmittel von 111,80 km und wurde zufolge der nachträglich erfolgten Einteilung zu den Rennwagen als Sieger in der dortigen Klasse 5000—8000 ccm erklärt. Kurz darauf meldete sich Rosenstein wieder und nahm das Rennen auf, nachdem sich die Kommission von der einwandfreien Funktion des Starters überzeugt hatte. Er vermochte aber seinen Markenkollegen nicht mehr zu schlagen, obwohl auch er sich mit einem durchschnittlichen Tempo von 107,14 km tüchtig ins Zeug gelegt hatte. «Chiron est lä!» Die Mitteilung machte wie ein Lauffeuer die Runde und in der Tat begegneten wir bald dem französischen Meisterfahrer, der, von allen Seiten lebhaft begrüsst, dem Komitee seine Aufwartung machte. Er hatte anfänglich beabsichtigt, am Rennen mit dem am Pariser Salon erstmals gezeigten Bugatti-Sechzehn-Zylinder teilzunehmen. Der ungünstige Zustand der Strasse, sowie auch die für sehr hohe Geschwindigkeiten wenig geeignete Ausfahrt der Rennstrecke, die beidseitig in eine Kurve übergeht, bewog ihn, von seinem Vorhaben abzusehen, da er unter den obwaltenden Umständen doch nicht die vom Wagen zu erwartenden 200 km Geschwindigkeit hätte erreichen können, ohne sich oder das Fahrzeug beträchtlich zu ge- loser Weise vorgestellt, eine kleine artige Szene, die den Besuchern sicher in bester Erinnerung bleiben wird. Während Chiron seine Vorbereitungen traf, startete Frau J. Spiegl als einzige Damenfahrerin und eröffnete damit auch die Konkurrenz der Rennwagen an der sich allerdings nur 4 Fahrer beteiligten. Leider handikapierten Zündungsstörungen die Fahrt der Amazone, die aber dennoch bei der Durchfahrt vor den Tribünen mit chevalereskem Beifall begrüsst wurde. E. Friedrich, dessen Wagen auch nicht ganz in Form zu sein schien, stellte zwar ein besseres Stundenmittel auf, doch schien der Sieg der Klasse seinem Markenkollegen Sarbach zuzufallen. Der im folgenden erwähnte Unfall verhinderte diesen aber an der Beendigung des Rennens, wodurch Friedrich die Auszeichnung des Klassensieges zufiel. In Sarbach, der sich mit seinem Amilcar schon in manchem Rennen einen Namen gemacht hatte, sah man allgemein den sicheren Ersten der Klasse, und die prächtige Hinfahrt schien auch keinen Zweifel darüber zu lassen. Aber man erwartete mit steigender Unruhe und vergeblich die Rückfahrt und bald meldete auch das Streckentelephon, dass dem in Genf sehr geschätzten Sportmann ein bedauerlicher Unfall zugestossen war. In der Tat verfing sich ein Rad des Wagens in der Kurve des Auslaufes in der Tramschiene, was den sich noch in voller Fahrt befindliehen Amilcar zum Ueberschlagen brachte. Der Lenker kam, den Umständen nach gemessen, noch glimpflich davon, erlitt aber doch einen Beinbruch und eine Kopfverletzung. Das Krankenauto des Sanitätsdienstes war samt dem Arzt rasch an der Unfallstelle und in kürzester Zeit wurde der Verletzte abtransportiert. Eine eigenartige Fügung will es, dass gerade Sarbach vor einiger Zeit in unserer französischen Ausgabe eine Kampagne gegen die Strecke bei Eaux-Mortes eröffnet hatte, indem er auf die verschiedenen Unzulänglichkeiten des Trasses verwies und die Organisatoren warnte. Nun ist er leider selbst der Beweis für die Richtigkeit seiner Feststellungen geworden. Wir wünschen dem beliebten Rennfahrer und Autofachmann prompte Genesung und nehmen gerne an, dass seine Propositionen für eine andere AUTOMOBIL-REVUE 1929 - 26 fährden. In liebenswürdiger Weise erklärte er sich aber zu einer Demonstrationsfahrt bereit, welche Mitteilung auch vom Publikum mit grosser Genugtuung aufgenommen wurde. Chiron wurde übrigens dem Publikum der Tribüne durch ein Komiteemitglied in zwanggens das Preiskomitee den von der «Automobil-Revue» gestifteten goldenen Chronometer zu. Wie sehr übrigens die in Sarbach gesetzten Erwartungen berechtigt gewesen waren, illustriert die Tatsache, dass er für die Hinfahrt nur 29 Sekunden beanspruchte, was einer Stundengeschwindigkeit von 124 km entspricht Als letzter und aussichtsreichster Konkurrent startete nun Stuber, Bern, der sich ja bereits in der letztjährigen Saison durch verschiedene prächtige Tagessiege einen Namen gemacht hatte. In tadellosem Start und eindrucksvollstem Spurt führte er seinen mit einem reizenden kleinen Mascot versehenen Bugatti über die Strecke. Man sah es dem Wagen an, dass hier ein Meister den Volant führte, der zu siegen gewohnt ist Kaum hatte er übrigens in der Rückfahrt die Tribünen passiert, die noch ganz unter dem Eindruck dieses Augenblicksbildes standen, da löste sich aus der am Streckenrand geballten Menschenmenge ein in blauem Kittel steckender Mann, sah dem Wagen, der eben im Dunst verschwand, noch nach und machte einen tollen Freudensprung: es war Stubers Mechaniker, der seiner Freude über die brillante Leistung seines Meisters Ausdruck geben musste; eine Geste, die vom Publikum mit verständnisvollem Beifall aufgenommen wurde. Zu guter Letzt stand noch Chiron zu der in Aussicht gestellten Fahrt bereit. Ruhig und elegant sass er im blauen Rennkostüm, mit einem blauen Sturzhelm ausgerüstet, in seinem Rennkoloss, dessen Aeusseres in der Farbnüance harmonisch mit der Toilette seines Herrn in Einklang stand. Tatsächlich war der Start infolge der nassen Strasse, auf welchen die Hinterräder schleuderten, nicht so einfach, aber in verblüffender Reprise war der Wagen im Nu auf hoher Geschwindigkeit. Imposant war eigentlich erst die Rückfahrt, bei welcher der Bugatti blitzartig und trotzdem weit ruhiger als seine übrigen Markenbrüder vorbeiflitzte. Vom Standpunkt des sportfreudigen Publikums aus gesehen bietet das Kilometerrennen mit stehendem Start nicht denselben Reiz, wie ein fliegender Kilometer, bei welchem die Konkurrenten schon in vollster Fahrt über den Start und an den Tribünen vorbeifegen. Der «Kilometer-Arrete» ist aber für den Fachmann und Autointeressenten weit instruktiver, vermittelt er doch die beste praktische Demonstration der Reprisenfähigkeit eines Wagens, wie auch der Fahrtechnik des Führers. Gerade in letzterer Beziehung ergab das Rennen vom Sonntag ein recht ab- Resultate des Kilometer-Arrete vom 23. März 1930. Strecke doch einer näheren und baldigen Prüfung unterzogen werden, wenn auch das jetzige Trasse wegen dieses einen Unfalles nun nicht in Bausch und Bogen verdammt werden soll. In Anerkennung seiner in der Hinfahrt erreichten Leistung sprach ihm übriwechslungsreiches Bild. Nicht alle Teilnehmer konnten sich einer einwandfreien Schalttechnik, verbunden mit genauester technischer Kenntnis der Leistungsfähigkeit des Wagens in den verschiedenen Uebersetzungen rühmen. Manche waren freilich durch den Strassenzustand, der zufolge der Nässe viel zu wünschen übrig liess, beträchtlich behindert. Am eindrucksvollsten und sauber^ sten eröffneten nach allgemeiner Auffassung wohl Zwimpfer, Kessler und Stuber ihr Rennen, deren Start für den mit der Fahrpraxis vertrauten Zuschauer ein wahres Vergnügen war. Die Preisverteilung. Die Preisverteilung, für welche ein wohldotierter Gabentisch bereitgestellt worden war, fand erst am Abend in der Taverne des Salons statt, wo sich neben den preisbedachten Konkurrenten eine stattliche Zahl weiterer Gäste eingefunden hatte. Unter lebhaftem Beifall der Anwesenden erfolgte die Proklamation der Resultate, die allen erfolg" reichen Teilnehmern wertvolle Andenken brachte. Neben den Auszeichnungen für die Klassen- und Kategoriesieger wurden auch eine ganze Reihe von Speziaipreisen verteilt Sehr originell und begrüssenswert war u. a. die Bereitstellung eines solchen für den Mechaniker des besten Fahrers, wissen doch alle, die mit dem Rennsport bekannt sind, wie sehr auch die im Stillen geleistete Arbeit dieser treuen Gehilfen mit für einen schlussmdlichen Erfolg ausschlaggebend ist. Die Auszeichnung betraf Hrn. Schneider, Zürich, der seine eigenen praktischen Kenntnisse und Erfahrungen als Rennfahrer dieses Mal in den Dienst des Berner Champions Stuber gestellt hatte. Ein animierter Tanzabend in der gemütlichen Taverne beschloss den flotten Anlass, der dem Salon und dem A. C. S., Sektion Genf, als Veranstalter zur Ehre gereicht, b. Sternfahrt Bern—Genf. (Schluss.) 55 auf der Plaine de Plainpalais ein. Am Ziel begrüssen uns in liebenswürdiger Weise Herr Dr. Guillermin und seine Helfer. Jeder Fahrer erhält eine Karte für den Salon und einen kleinen Führer durch die Salon-Stadt. Mit Genugtuung strecken wir die etwas steif gewordenen Glieder. Eine anstrengende, aber gerade deshalb schöne und interessante Sternfahrt ist zu Ende. Hoffen wir, dass unter den 53 Mitkonkurrenten einen ehrenhaften Platz einnehmen. Das wird die morgige Preisverteilung an den Tag bringen. Die Resultate siebe auf Seite 7. Marke Zeit -I Konkurrent Fahrer des Bohrung Hub Wagens mm mm SS Uli? Her Mittel A 3 Stundenmittel Bemerkungen 1 1 1 2 3 1 2 1 |l 2 i> 3 Classe H (500 a 750 cmc) Sergent-Major Markiewicz | Sergent-Major Markiewicz Classe G (750 ä 1.100 eme.) Kleiner, Hans jun. I Kleiner, Hans jnn. Classe F (1.100 a 1.500 cmc) Keller, Alfred I Keller, Alfred Ag. Salmson,Chäteau-d'O. I „Hastor Monvio" Demole, Ch.-R. Demole, Ch.-R. Classe E (1.500 a 2.000 eme.) Mme A. Schreiber Petle, Ch. R.-C. Classe D (2.200 Blano & Faiohe de Rham, Jacques Ruedi, Herbert Classe C (3.000 Zwimpler, Oskar Ciasse G (750 ä 1.100 cmc) Schlumbeiger, Andrö I Schhimberger, Andre 1 Schneider, Ernat I Schneider, Ernst Classe E (1.500 ä 2.000 cmc.) Escher, William Escher, William Alfa-Romeo, Milano Classe D (2.000 Escher, William Blano & Paiche Friedrich, Ernst Spiegl, Max Sarbach, Theo Classe E (1.500 Stuber, Hans | Martinet, Louis Petley, Ch. B.-C. a 3.000 eme.) Blano, William de Rham, Jaoqnes Ruedi, Herbert 5.000 cmc) Zwimpler, Oskar Duval, Raymond Duval, Raymond Leutenegger, Emile Leutenegger, Emile Gubeün, Jean Gubeün, Jean Berli, Eugene Berli, Eugene Freuler, Ch.-H. Freuler, Ch.-H. Roth, Jean Roth, Jean Classe B (5.000 ä 8.000 cmc) Garage Maurer I Maurer, Ernest Classe G (3.000 Duval, Raymond Zwimpfer, Oskar Kessler, Josef 'a 3.000 cmc.) Escher, William Blanc, William 5.000 cmc.) I Duval, Raymond I Zwimpfer, Oskar Classe B (5.000 a 8.000 cmc.) Rosenstein, Willy | Rosenstein, Willi Classe G (750 ä 1.100 cmc) Friedrich, Ernst Mme Spiegl, Ida Sarbach, Theo 2.000 cme.) Staber, Hans • T. C. S. Zttrioh T.C. a Geneve GenÄve Vandoise Genfcre Vaudoise Tessin Zürich Genftre T. G. S. Zürich Bale Zarioh Geneve Geneve A.-C.Midi Zürich Zürich Zarioh Zürich Geneve Geneve Zürich Zürich Zürich Exnmenth. Genöve Beme Amilcar Fiat Bugatti Classe B 5.000 ä 8.000 cmc) Comte Mas Arco Zinne berg 1 Comte Max Aroo ZinnebergA.-C.Bav. Mercedes DuvaJ, der bestklassierte Den Preis vom Cafe de Couronne für den Mechaniker des A - Tourenwagen Rosengart 4 68 78 747 3200 1-1 — 56,2 58,8 57.5 82.71 Derby 4 80 97 1095 4500 2-2 — 48.6 49.2 48.9 73.62 Alfa-Romeo 6 62 82 1487 4500 2-2 — 44.6 45.2 44.9 80.37 Salmson 4 65 98 1300 4000 2-2 — 49.8 53 50.4 71.42 Th. Schneider 4 63 94 1172 4000 2-2 — 62.2 66.8 64.5 Impena 6 69 80 1794 3500 2-3 — 48.4 48.8 48.6 74.07 Lagonda 4 72 120 1955 3300 2-3 — 48 51 49.5 72.73 Bugatti 8 60 100 2992 3450 2-4 — 41 42.8 42.4 84.90 Lancia-Lftmbda 4 75 120 2120 2800 2-4 — 46.6 47 46.8 76.92 Lancia 4 79 120 2370 2800 2-4 — 59.8 45.8 48.3 74.53 Chrysler 6 85,7 137 4398 3000 2-4 — 41 41.6 «1.3 87.17 Chrysler 6 82,8 127 4077 2900 2-4 — 40.8 42 41.4 86.95 Martini 6 88 120 4379 3000 2-4 — 43 43.8 43.4 82.95 Chrysler 6 82,5 127 4079 3000 2-4 — 44 44.4 44.2 81.44 Martini 6 — — 4380 — 2-4 — 45.2 45.4 45.3 79.46 La Salle 8 79,3 125,4 4970 3000 2-4 — 46 47.2 46.6 77.25 Studebaker 8 77 107 4101 — 2-4 — 47.4 48.8 48.2 74.84 Voisin 6 94 140 5850 — 2-4 — 48.4 48.4 48.4 74.38 B - Sportwagen Rally 4 63 85 1083 — 1-1 420 40 43 41.5 86.74 Derby 4 62 90 1090 4000 1-1 420 40.4 43.4 41.9 85.92 Bugatti 8 60 88 1992 — 2-2 780 32.6 32.8 32.7 110.09 Alfa-Romeo 6 65 88 1750 4400 2-2 780 35 36 35.5 101.41 Bugatti 8 60 100 2264 — 2-2 860 35.2 35.8 35.5 101.41 Bugatti 8 69 100 2992 3450 2-2 860 41 42 41.5 86.74 Chrysler 6 82,5 127 4077 2900 2-4 1200 40.4 42 41.2 87.38 Chrysler 6 85,7 127 4398 3000 2-4 1200 41 42 41.5 86.74 Mercedes-Benz 6 100 150 7068 3500 2-4 1680 33.8 33.4 33.6 107.14 C - Rennwagen 6 66 74 1095 6700 — — 42 43 42.5 84.70 4 57 97 990 5000 — — 49.4 59.4 54.4 66.17 6 66 70 1097 — — 8 60 88 1992 — — — 29 30 29.5 122.04 6 100 150 7068 3300 2-4 — 32 32.4 32.2 111.8 Genfer, erhielt den Prix Trabold. Fahrers der besten Tageszeit erhielt Steiger, der Mechaniker von. Stuber. Prix (Preis) dn garage Gor Prix dn garage Perrot-Duval Prfs des maiflons do eoutura Prix dn Comit* dn Salon .Prix Philippossian Prix dn Moto-Sporting-Club Prix de 1* maison Mngnier Prix de rAosodatton Hotelier» Prix dn Club suisse d'aviatdon Prix Philipposaion Prix dn Comite dn Salon, beste Touren - wagenzeit Prix de la maison Golay-Stahl Prix de l'Ass. Nie et du Colonel Grosseün, Prix de la maison Zenith Prix da Cafe de la Couronne Prix Philippossian Prix de la maison Thermex Prix de la maison Tnrner Prix du Journal de Geneve Prix de la Section genevoise Prix de la Section genevoise, besteSportwagenzeit (prix du Comite' du Saion) Prix de la maison Bomand Prix de 1» Ville de Geneve Prix du Conseil d'Etat Prix du ComitS dn Salon Prix dn Comite' dn Salon Prix de la Section de Geneve Prix de la Section de Geneve Prix de la Section de Genäve, bester Damenpreis (prix Bandit) Preis der Automobil-Revue Preis der Assoo. des Int. de Geneve. beste Zeit der Rennwagen (Preis des Salon-Komitees, beste Tageszeit und absoluter Rekord (Preis des A.C. S.) Prix dn Comifcö du Salon

N° 26 — 1930 AUTOMOBIL-REVUE Strolchen fahrten Nun sind wir gespannt. Der Fall Müller hat die Geister und Gewissen im Kanton Zürich doch wachgerufen. Während die Polizei eifrig nach dem Verbrecher und seiner Komplicin fahndet, ohne dass es ihr gelingen will, der beiden erbärmlichen Subjekte haftbar zu werden, hat im zürcherischen Kantonsrat Herr von Werder eine Interpellation eingereicht, welche den Regierungsrat anfragt, welche Massnahmen er zu treuen gedenke, damit dem immer mehr zunehmenden widerrechtlichen Gebrauch von Automobilen (sogenannte Strolchenfahrten) wirksam entgegengetreten werden könne. Die Interpellation kommt tatsächlich nicht zu früh. Allein wir sind froh, dass sie wenigstens gestellt wurde und vom Rate die nötige Unterstützung fand. Die Interpellation wird vielleicht auch dahin führen, dass die zürcherischen Gerichte ihre Hefte in dieser Beziehung revidieren werden. Die in letzter Zeit gefällten milden Urteile gegenüber Strolchenfahrern mahnten zum Aufsehen. Es geht nicht an, die Gerichte in Schutz nehmen zu wollen mit der Behauptung, dass, «wer wie jener Totschläger den schussbereiten Revolver in der Tasche trägt», sich nicht durch eine strengere Praxis von seinem Vorhaben hätte abhalten lassen und die Waffe wohl auch bei einer anderen Gelegenheit gezogen hätte. Eine solche Logik fällt auf. Wenn wirklich unsere Rechtsgelehrten und vor allem unser Volk so denken würden, dann könnten wir überhaupt mit der Gerichtspraxis und der Rechtsprechung unverzüglich aufhören, denn diese haben wohl nicht nur den Zweck, dass ein begangener Fehler seine Sühne finden soll, sondern auch wohl den, zu Verbrechen und Vergehen veranlagte Personen vor gesetzwidrigen Handlungen zu warnen. Tatsache ist, dass nicht nur das zürcherische, sondern auch die andern kantonalen Gesetze (mit Ausnahme desjenigen Basels) der Entwicklung nicht angepasst sind und als gänzlich veraltet betrachtet werden müssen. Die allzu milden Strafen gegenüber Automobilstrolchen mussten dieses System der Strolchenfahrten direkt grossziehen und alle gefährlichen Elemente, wie sie ganz besonders eine Grossstadt zu bergen imstande ist, zu ihren abenteuerlichen Fahrten locken. Wir dürfen wohl behaupten, dass die stets grösser werdende Clique der Atitomobilstrolche durch die heutige rechtliche Lage grossgezogen wurde. Der Fall Müller hat sie abgeschreckt. Aus Furcht und Angst, einmal richtig am Ohr gefasst zu werden, haben sie plötzlich ihr Handwerk •wohl nnr vorübergehend stillgelegt. Um so unverständlicher wirkt deshalb ein neuerlicher Entscheid des zürcherischen Obergerichtes der letzten Woche, nach dem ein 35jähriger Mechaniker, der bereits dreimal kurz nacheinander stationierende Automobile entwendet hatte, dann aber in einem vierten Falle erwischt wurde, sage und schreibe zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt wurde, während das Bezirksgericht wenigstens den Angeklagten zu drei Wochen Gefängnis verurteilt hatte. Die Ausführungen des Referenten des Obergerichts muten einen merkwürdig an; wenn auch das verworfene Automobilgesetz, •wofür man, wie es scheint, heute die Automobilisten strafen will, den Tatbestand der Strolchenfahrt vorsah und man nur mit dem Notbehelf eines Benzindiebstahls praktizieren kann, so ist nicht gesagt, dass einer unklaren rechtlichen Lage wegen noch so und so viele Automobilisten Avirtschaftlich schwer geschädigt oder niedergeschossen werden müssen, bevor die gnädige Justitia ihre Binde von den Augen zu nehmen gedenkt. Im übrigen wäre auch das neue Automobilgesetz mit seinem Artikel 57 nicht dazu angetan gewesen, den Automobilisten vor solchen Strolchenfahrern zu schützen, da die darin vorgesehene Strafe « Gefängnis bis zu einem Monat oder dann Busse bis zu 1000 Fr.» vorsah. «In schweren Fällen oder bei Rückfall > war Gefängnis bis zu drei Monaten oder Busse bis auf 3000 Franken vorgesehen. Zudem darf wohl hervorgehoben werden, dass es schlussendlich immer auf die Interpretierung eines Gesetzes ankommt. Wir sind der Auffassung, dass es sich bei den Strolchenfahrten um einen ausgezeichneten Diebstahl handelt, der nach dem zürcherischen Strafgesetzbuch bedeutend strengere Bestrafung erlauben würde, als sie heute das zürcherische Obergericht praktiziert. Gegenüber betrunkenen oder fahrlässigen Automobilisten wird mit Recht in aller Schärfe vorgegangen. Mit Bussenerteilungen für falsches Parkieren, für gesetzwidriges Halten, für sogenanntes zu schnelles Fahren wird nicht zurückgehalten. Nicht nur die einfache Gerechtigkeit, sondern auch die Rücksicht auf die Verkehrssicherheit und auf den notwendigen Schutz der wehrlosen Automobilisten vor diesen Strolchenfahrern, die gewöhnlich auf ihren «Vergnügungsfahrten » mit zweifelhafter Gesellschaft Strasse und Publikum in schwerster Art gefährden, verlangen, dass die Gerichte das bis heute diesen- Plan des Stadtzentrums von Genf, beiden Ausstellungssrebäude: Palais Das International© Bureau für Normalisation, d. h. das Bureau, das sich mit der Normalisation der Automobilindustrie beschäftigt, hat den Salon von Genf für seine Sitzungen in diesem Frühjahr gewählt. Dieses Bureau, in dem die grössten Konstruktionsfirmen vertreten sind: Fiat, Daimler, Minerva, kam am Donnerstag, mittags 14 Uhr, in einem der Säle des Palais Electoral zusammen. Die Sitzung wurde eröffnet durch Herrn Megevet, Präsident der Schweizerischen Syndikalkammer für Automobile und Fahrräder. Darauf entspannen sich die Debatten unter dem Vorsitz von Herrn Beyer, Direktor des Internationalen Bureaus für Normalisierung. Man hat wohl von der riesigen Arbeit dieser Kommission keinen richtigen Begriff; die ganze Diskussion vom Donnerstag drehte sich um die Frage der geriffelten Wellen und nach dem Unterbruch vom Freitag nahmen die Mitglieder Samstag früh ihre Arbeit wieder auf, die sich wieder auf die Diskussion über das gleiche Thema beschränken musste. Und wenn man bedenkt, dass es gegen 6000 Stück zu standardisieren gibt, so kann man sich eine Vorstellung von den Ausmassen dieser Verhandlungen machen, und man vernimmt, dass diese Arbeiten ohne Unterbruch seit vier Jahren dauern und noch lange währen werden, auch wenn alles gut geht. Die Vorschläge dieser Konferenzen, die festgelegt und registriert sind, werden durch das Sekretariat des Bureaus an sämtliche nationale Bureaus der Branche und an alle der internationalen Institution angehörenden Sonnenquai 3 Von Cornavin zum Salon Ganz links ist der Bahnhof Cornavin, rechts in Fettdruck die Electoral (Motorradausstellung) und Palais des Expositions (Automobilausstellung). ProSilsm um den Salon Sie verlangt keine teuren Oeiprodukte, noch geheimnisvollen Rezepte. — Sie verwenden dafür der altbekannten Marke Trade Mark welche Ihnen bekanntlich alle Gewähr bietet für einwandfreie Bedienung u. Preise. Kosten pro 100 Liter Benzin nur Fr. 1.25. Produzenten gesandt, die angehalten werden, nur noch nach den getroffenen Anordnungen zu fabrizieren. So konnte man Modelle mit 540 Variationen auf 70 herabvermindern. Damit eine Normalisierung ihr Ziel erreicht, bedarf es Reduktion des Preises auf ein Minimum durch die Fabrikation von möglichst vielen Wagen. Das Bureau für Normalisierung im Automobilbau verdient deshalb grosses Interesse. Verstärkter Tramverkehr in Genf. Während der Dauer der Ausstellung wird von 14 Uhr ab bis zur Schliessungszeit des Salons zwischen Place Cornavin und dem Palais des Expositions der 10-Minutenbetrieb durchgeführt. An den Sonntagen vom 23. und 30. März geht die Tramgesellschaft von 9 bis 11 Uhr, sowie von 14 Uhr an zum Fünfminutenbetrieb auf vorgenannter Strecke über. Fahrtvergünstigungen für Saloribesncher. Die Bundesbahnen sowie die meisten privaten Transportunternehmungen (siehe unsere Liste in Nr. 22) gewähren den Salonbesuchern eine Vergünstigung in dem Sinne, dass ein einfaches Billett nach Genf innerhalb sechs Tagen auch für die Rückfahrt gilt, falls es im Ausstellungspalast (Bureau der S. B. B.) oder an der Motorradausstellung im Bätiment Electoral (Sekretariat) abgestempelt wurde. Ein kleines Häkchen ist dabei: die Benutzer von Schnellzügen müssen einen neuen Schnellzugszuschlag für die Rückfahrt lösen, denn auf diesen erstreckt sich die Vergünstigung nicht. 1868 ist gelöst! UAUfOLINE OEL Ä.-G ZÜRICH Bellevu* Strolchenfahrten. (Schluss) Elementen gegenüber praktizierte milde Strafverfahren aufgeben. Es ist Zeit, dass sich die Ober- und Kantonsgerichte über ihre hohe Verantwortung in dieser Frage klar werden. Wir wollen auch nicht daran zweifeln, trotzdem uns die bisherigen Gerichtsurteile zu keinen grossen Hoffnungen berechtigen. Wir verlangen jedoch, dass auch auf diesem Gebiete der Rechtsprechung der anständige, seiner Arbeit nachgehende Bürger, auch wenn er Automobilbesitzer ist, vor der hartnäckigen Diebsbande, mit der wir es hier zu tun haben, endlich geschützt werde. ©• Zu den überhandnehmenden Strolchenfahrten die sich besonders in Zürich ereigneten (dort wurden in den letzten Monaten ca. 70 Automobile entführt) hat die Sektion Zürich des A. C. S. in ihrer letzten Generalversammlung Stellung genommen und eine Resolution an die Behörden verfasst, die wir unter den Sektionsnachrichten veröffentlichen. Näheres siehe Seite 14. Die Schweiz im Hintertreffen. Im Ausbau ihrer Alpenstrassen kann sich die Schweiz nicht nur an Italien und an Frankreich, sondern auch an dem viel finanzschwachem Oesterreich ein Vorbild nehmen. Nach längeren Verhandlungen ist nun zwischen der steirischen Landesregierung und der Bundesregierung in Wien ein Einvernehmen über den Bau einer neuen Alpenstrasse zustandegekommen. Diese wird von Graz quer über die Stubalpe führen und die kürzeste Verbindung zwischen Graz und Klagenfurt bilden. Der Bau dieser « Packerstrasse » soll bereits in diesem Sommer in Angriff genommen werden. Bei uns studiert man Projekte, um sie dann in irgend einer Schublade wieder versenken zu lassen. Mit unserem Kantönligeist und den zahlreichen widerstreitenden Interessen haben wir es schwer. Sie hemmen den Fortschritt und hängen sich wie ein Bleigewicht an jedes initiative Vorgehen an. Weil das Projekt einer Sanetschstrasse wirklich fix und fertig vorliegt, wird nun auch mit aller Vehemenz am Projekt einer Rawylstrasse gearbeitet. Es soll in diesen Tagen den Behörden, speziell dem Gemeinderat von Sierra, unterbreitet werden. Es schadet ja nichts, wenn alle Uebergangsmöglichkeiten, die eine Verbindung zwischen den Kantonen Bern und Wallis herstellen könnten, genau geprüft und abgewogen werden. Dagegen ist eine allzu weitgehende Zersplitterung im Interesse des Ganzen zu vermeiden, ansonst der lachende Dritte die Bahn sein wird. Schon manchmal haben sich die schönsten Projekte am Kantönligeist und an deT in der Schweiz bekannten Kirchturmpolitik zerschlagen; die Scherben zusammenzuflicken hält jeweils schwer. In der Frage eines Alpenüberganges Bern-Wallis sollte man alle lokalen Interessen beiseite schieben und nur den einen grossen Gedanken zu realisieren trachten, die volkswirtschaftlich und militärisch so wichtige Verbindung beider Wirtschaftszentren durch den Bau einer neuen Alpenstrasse so rasch als möglich zu erreichen. Q Betriebsstoffbesteuerung in Deutschland. Die Verzollung von Benzin, Benzol und allen Schmierölen, die in Deutschland eingeführt werden soll, kommt begreiflicherweise vor allem den grossen deutschen Verkehrsunternehmen sehr unangenehm. Als die Hauptleidtragende dieser neuen Bestimmung wird die Reichspost genannt, welche mit 9500 Wagen insgesamt 2200 Kurslinien mit der respektablen Streckenlänge von 42 000 Kilometer betreibt und für die Landpostbestellung ausserdem Automobile besitzt, die eine Strecke von 12000 km zurücklegen. Das Reichspostministerium muss deshalb jährlich gegen zwei Millionen Mark rechnen, die es als Betriebsstoffzölle in die Unkosten aufnehmen muss. Weniger stark wird diese Massnahme der finanzgeschwächten Regierung von der Reichsbahn empfunden, da die Zubringerautos meist private Besitzer haben. Die Lufthansa rechnet mit einer jährlichen Mehrausgabe von 600 000 Mark. Sie reichte bereits ein Gesuch an das Finanzministerium ein, wonach sie um Erlassung der Steuer nachsucht, da ja ein grosser Teil der Zölle Strassenbauten finanzieren soll, und an denen hätte sie begreiflicherweise höchst geringe Interessen! Als Beispiel weist sie auf Schweden und unser Land hin, wo die Luftfahrtgesellschaften ebenfalls van der Steuer befreit sind. Für ihren Fuhrpark muss die Stadt Berlin nun pro Monat 2500 Mark mehr rechnen, der Autobusbetrieb erfordert ein Plus von 2100 Mark und die Berliner Taxibesitzer müssen pro Jahr und Wagen ebenfalls mit einer Unkostenerhöhung von 530 Mark rechnen. Diese Summen müssen sich unbedingt hemmend auf den deutschen Automobilismus auswirken, mh.