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E_1930_Zeitung_Nr.030

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 1. April 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjahrlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoznsehlag, soiern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Hotel, Auto und Schiene Zwei wichtige Fragen beschäftigen zur Zeit das Hotelgewerbe. Auf der einen Seite ist es das Hotel-Bauverbot, auf der andern Seite der Taxabbau auf den Bundesbahnen. Der Schweizerische Hotelierverein hat kürzlich an die Generaldirektion der Bundesbahnen eine Eingabe gerichtet, in welcher folgende Postulate aufgestellt werden: 1. Auf Beginn des Jahres 1931 seien die Gestehenden Schnellzugszuschläge ganz oder nach Möglichkeit zu beseitigen. 2. Die Transporttaxen für Reisegepäck seien in einem wesentlichen Masse zu reduzieren. 3. Die seit letztem Jahr ausgegebenen achttägigen Generalabonnemente seien entweder zu beseitigen oder es sei ihnen eine bedeutend grössere Gültigkeitsdauer zu geben. 4. Die in diesem Winter ausgegebenen Sportbillette seien auf den Sommer zu erweitern mit der Möglichkeit, sie auch an den Montagen zu benutzen. 5. Die Ordnung des Dienstmännerweeens, der Hoielportiers und der Vertreter von Reisebureaus auf den grössern Bahnhöfen sei einer Revision zu unterziehen. Das Verlangen des Schweizerischen Hoteliervereins giht uns Anlass zu folgenden Bemerkungen: Das Hotelgewerbe spielt im schweizerischen Volkswirtschaftsleben eine ganz bedeutende Rolle. Die Entwicklung dieses Gewerbezweiges in den nächsten Jahren kann uns nicht gleichgültig sein. Wir wissen, dass die uns umgebenden Länder alle Anstrengungen machen und keine Kosten scheuen, um den Fremden- und Touristenßtrom in ihre Fremdenzentren zu lenken. unserer Landwirtschaft und einer Reihe verschiedener gewerblicher Berufe .ab. Gelingt es uns, eine Mühende Hotelindustrie zu erhalten, so schaffen wir damit die Grundlage zur Gesundung der misslichen Verhältnisse in unseren Berggegenden und zur Beseitigung der finanziellen' Nöte der Gebirgsgewerbler und Gebirgsbauern. Die Begehren des Schweizerischen Hoteliervereins an die Generaldirektion der Bundesbahnen können von diesem Standpunkte aus nur begrüsst werden. Die Beseitigung der Schnellzugszuschläge, die wir vor dem Kriege nicht kannten, ist jedenfalls nicht nur für die Fremden, sondern auch für die Einheimischen zum dringenden Bedürfnis geworden. Mit welchem Rechte die Generaldirektion diese Schnellzugszuschläge aufrecht erhalten will, ist uns nicht recht klar. Ebenfalls wäre es sehr begriissenswert, wenn die Transporttaxen für das Reisegepäck reduziert und wenn die Sportbillette auch auf den Sommer ausgedehnt werden könnten. Die Verlängerung des Hotel-Bauverbotes hat seine zwei Seiten. Wir wissen genau, dass gerade in der nächsten Zeit Hypothekarverschreibungen in gewaltiger Summe fällig werden. Wir wissen auch, dass ein Grossteil unserer Hotellerie nur mit jjrosser Mühe hatte aufrecht erhalten werden können. Dagegen ist es mit dem Hotel-Bauverbot allein nicht getan. Grundsätzlich muss man sich gegen ein Verbot aussprechen, das andererseits eine grosse und bedeutende Gewerbegruppe, wie die Baugewerbegruppe, lahm legt. Zudem sollte ein solches Verbot nicht zur Schablone führen, sondern das Hotel-Bauverbot muss mit der lokalen Bedürfnisfrage in Einklang gebracht werden. Es hat auch keinen Wert, ein solches Verbot auszusprechen, wenn Tschechoslowakei ganz besonders im Ausbau moderner Autostrassen, die eingesetzte riesige Propaganda, die von Staats wegen dazu zur Verfügung gestellten Gelder müssen uns ein Mahnfinger sein, auch unsererseits unsere letzten Kräfte aufzubieten, die in unserem Hotelgewerbe investierten gewaltigen Summen nicht nur vor dem Verlorengehen zu erhalten, sondern andernteils daraus aktives Kapital zu schlagen. Vom Blühen und Gedeihen des Hotelgewerbes hängt das Blühen und Gedeihen unserer Bergtäler, hängt das Blühen und Gedeihen Die Fahrt. Von Upton Sinclair. Wir bringen heute das Ende des spannenden Kapitels aus Sinclairs «Petroleum», das im Malik-Verlag, Berlin, erschienen ist. Die Anstrengungen Italiens, Frankreichs, Oesterreichs, Süddeutschlands und dersich gewisse Landesgegenden daran absolut nicht halten, wenn z. B. trotz des Verbotes im Kanton Tessin oder im Kanton Graubünden frischfröhlich drauflos gebaut, dagegen im Kanton Bern obrigkeitswillig dem Verbote Nachachtung verschafft wird, nicht zum -Nutzen des bernischen Oberlandes. Dazu kommt der weitere Umstand, dass die heutige Reise- und Touristenwelt ganz anders eingestellt ist als in den Jahren vor dem Krieg. An das Hotel werden erhöhte Ansprüche gestellt. Der Fremde vor allem verlangt einen gewissen Komfort, verlangt VI. sorgfältig den Ueberrock zusammen, die Aermel nach innen, das Futter nach aussen; er Sie fuhren nun durch ein breites Tal, Meilen um Meilen an Weizenfeldern vorüber, achtete sehr auf diese Dinge, hatte er doch die grün in der Sonne schimmerten. In der in seinem Laden einst auch « Herrenkonfektion» verkauft. Er und Bunny legten ihre Ferne waren Bäume zu sehen und hier und da ein Haus. « Sucht ihr ein Heim? » erkundigte sich ein freundliches Plakat. «Santa Trottoir entlang, betrachteten die Viehzüch- Mäntel ins Auto und schlenderten dann das Ynez ist der rechte Ort. Gutes Wasser, billiger Boden, sieben Kirchen. Wendet euch nen Waren in den Schaufenstern. Hier ter von Santa Ynez und die ihnen angebote- be- Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlieh „Gelb* Liste** REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 ' Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern an Sprouks & Knuckleson, Bodenmakler.» Die Strasse wurde breiter, war jetzt auf beiden Seiten von Bäumen eingesäumt. « Fahrt langsam und seht euch unsere Stadt an, fahrt rasch und lernt unsere Gefängnisse kennen!» brüllte" ein Riesenplakat. «Verordnung der Stadtverwaltung von Santa Ynez». Vater verminderte die Geschwindigkeit auf fünfundzwanzig Meilen, denn es war die Gepflogenheit der Friedensrichter, den vom Land kommenden Automobilisten Schnelligkeitsfallen zu stellen und dann grosse Bussen zu verlangen. Sie gemahnten an moderne Wegelagerer, die die also erbeuteten Dollar für ihre Orgien ausgaben. Auch diesem Treiben wollte der Vater ein Ende bereiten; der-, artige Strafgelder sollten seiner Ansicht nach in den Staatssäckel fliessen und für Strassenreparaturen verwandt werden. «Geschäftszone, fünfzehn Meilen die Stunde.» Die Hauptstrasse von Santa Ynez war eine Doppelallee. Sie fuhren vorsichtig welter, hielten an. Der Vater stieg aus, legte fand man sich in den Vereinigten Staaten, und die Waren, die hier ausgestellt wurden, waren die gleichen, die man in jeder Hauptstrasse sehen konnte, «Nationalprodukte». Der Landwirt fuhr in einem amerikanischen Auto in die Stadt, drückte mit einem amerikanischen Stiefel auf den Hebel, las in den amerikanischen Magazins die Annoncen aller nationalen Waren und brachte diese heim. Einige Einzelheiten kennzeichneten Santa Ynez als Stadt des Westens, wie etwa die Breite der Strasse, die Neuheit der Warenhäuser, die glänzende Weisse ihres Anstrichs und auch das Netzwerk der über die Strassen gespannten elektrischen Drähte; ein fliessendes Wasser, Bademöglichkeiten, Garagemöglichkeiten usw., Punkte, die für den schweizerischen Tourismus von ausserordentlicher Wichtigkeit sind. Der Bau moderner Hotels, die all diesen Ansprüchen Genüge leisten, sollte deshalb wenigstens nicht da unbedingt verboten werden, wo damit nicht bereits bestehende Betriebe in aller Schärfe getroffen würden. Wir sind deshalb im.Interesse des schweizerischen Tourismus der Ansicht, dass das Hotel- Bauverbot sich überlebt hat und dass man es den Gemeinden anheimstellen sollte, je nach Bedürfnis zu entscheiden. ©• Der Internationale Fahrausweis Ein historisches Ueberbleibsel Es ist in der «Automobil-Revue» schon wiederholt angetönt worden, wie sehr es anr gezeigt wäre, bei den der internationalen Automobilkonvention beigetretenen Staaten Anstrengungen zu unternehmen, dass der internationale Fahrausweis abgeschafft und durch den nationalen Führerausweis ersetzt werde. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Dokument um ein Ueberbleibsel aus früheren, Zeiten, das, nachdem nun fast alle europäischen Staaten den nationalen Führerausweis als obligatorisch eingeführt haben, nicht mehr am Platze ist. Dies um so weniger, als der internationale Fahrausweis bekanntlich nur auf Grund der nationalen Verkehrs- und Führerbewilligungen ausgestellt Wlxd und somit die letzteren die massgebenden Dokumente sind. Das Erfordernis des internationalen Fahrausweises stellt heute nur eine Erschwerung des internationalen Reiseverkehrs dar, die es zu beseitigen gilt. Es ist daher sehr zu begrüssen, dass sich das eidgenössische Justizund Polizeidepartement bereits dieser Sache angenommen hat und seine Bestrebungen auf die völlige Abschaffung des internationalen Fahrausweises richten wird. Bis- aber dieses Ziel erreicht sein wird, dürften wohl noch einige Jahre vergehen. Bis dahin wird man sich mit dem gegenwärtigen Modus abzufinden haben, es fragt sich nur, ob nicht gewisse Erleichterungen heute schon möglich sind. Es liegen nämlich die Verhältnisse so, dass Triptyks und Qrenzpassierscheinhefte, d. h. die für Auslandsfahrten nötigen Zolldokumente, bei den Automobil- resp. Touring- Clubs erhältlich sind, derweilen der ebenfalls nötige internationale Fahrausweis bei der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle einverlangt werden muss. Nun ist es in den meisten Mann mit breitkrempigem Hut, ein alter, kleiner Indianer, der im Gehen vor sich hinmurmelte, ein einsamer Cowboy. « Elite Cafe » verkündete eine weisse Tafel, auf der senkrecht «Waffeln» geschrieben stand. An der Tür war eine Speisekarte befestigt, so dass man sehen konnte, was und zu welchen Preisen es zu essen gab. An der einen Wand standen Tische gegenüber dem Schanktisch, vor dem auf kleinen, hohen Stühlen Männer in Hemdsärmeln und Hosenträgern sassen. Hier musste man sich beeilen; Vater und Bunny setzten sich auf die ersten freiwerdenden Stühle. An einem derartigen Ort war der Vater in seinem Element. Er liebte es, die Kellnerin aufzuziehen, fand allerlei Scherzworte, kannte drollige Bezeichnungen für die Speisen. Er bestellte Eier: «Die Sonnenseite nach oben», oder «Ochsenaugen». Befahl: « Hüllt das Baby in ein Leintuch,» und lachte über die Anstrengungen der Kellnerin, die nicht erraten konnte, dass er ein Eiersandwich verlangte. Er plauderte mit den Landwirten, erfuhr den Stand des Weizens, die voraussichtlichen Preise der Orangen- und der Walnussernte. All dies interessierte ihn; hatte er doch Petroleum zu verkaufen und die Leute, mit denen er sprach, würden mehr INSEHTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Auslandstaaten « gäng und gäbe», dass diö Automobil- und Touring-Clubs ebenfalls ermächtigt sind, die Ausstellung des internationalen Fahrausweises, wenigstens an ihre Mitglieder, vorzunehmen. England, Belgien, Italien etc. kennen diesen Modus schon längst und hegt man dort soviel Zutrauen zu den Clubs, dass man für eine korrekte und zuverlässige Erledigung dieser Arbeit durch sie nicht bange ist. Dies um so mehr, als bis anhin hinsichtlich der Ausstellung der ebenso wichtigen Zolldokumente (Triptyks und Qrenzpassierscheinhefte) durch die Clubs nur die besten Erfahrungen gemacht worden sind. Erfreulicherweise hat nun kürzlich die Sektion Genf des Automobil-Clubs der Schweiz einen Vorstoss unternommen und hat die Motorfahrzeugkontrolle des Kantons Genf veranlassen können, die genannte Sektion' resp. deren Sekretariat mit der Ausstellung des internationalen Fahrausweises an ihre Mitglieder zu ermächtigen. Inskünftig können die Genfer A. C. S.-Mitglieder sich ihren Fahrausweis gleichzeitig mit dem Triptyk oder Grenzpassierscheinheft bei ihrem SektiOnssekretariat beschaffen. Was in Genf möglich ist, dürfte wohl auch! in andern Kantonen zulässig sein. Es steht ja den kantonalen Motorfahrzeugkontroilen Vollständig frei, über' die Ausstellung des internationalen Fahrausweises durch die Clubs die Aufsicht zu führen. Dabei wird ihnen eine ziemliche Arbeitslast abgenom-* men, während ihnen auch weiterhin die Er- 1 trägnisse aus Ausstellung resp. Erneuerung! des internationalen Fahrausweises (5 Ff.) zukommen. Eine finanzielle Einbusse kommt für sie somit nicht in Frage, sondern vielmehr eine Ersparnis an Arbeitskräften. Es wäre daher zu wünschen, dass den Anstrengungen der Clubs Folge gegeben wird, damit sie auch in den andern Kantonen zur Ausstellung des internationalen Führerausweises ermächtigt werden. Wenn sich gewisse formelle Bedenken bei einem bezügln chen Vorgehen nur einzelner Kantone ergeben sollten, so wäre es wohl Sache einer nächsten Konferenz der kantonalen Polizeidirektoren, eine Lösung analog dem Vorgehen des Kantons Genf gemeinsam für all© Kantone anzubahnen. Die Schweiz als Reise* larid par excellence muss alles tun, um den internationalen Autotouristikverkehr möglichst zu erleichtern. Und da wird es eine der, ersten Aufgaben sejn, all diese formellen Erschwerungen möglichst zu beseitigen und zu einer weitgehendsten Vereinfachung in der Beschaffung der nötigen Ausweise zu gelangen. s. oder weniger kaufen, entsprechend dem Preis, den sie für ihre Waren erzielten. Er besass auch Land; war stets bereit, irgendein Stück « mitzunehmen », denn es wurde in ganz Südkalifornien Petroleum gefunden. Eines Tages, so meinte er, wird es zur Grossmacht werden. Nun jedoch hatten die beiden Verspätung und es blieb keine Zeit zum Scherzen. Der Vater bestellte gebratenes Kaninchen, aber Bunny verspürte keinen Appetit darauf —> wegen des überfahrenen Kaninchens, das er am Morgen auf der Strasse gesehen hatte. Er wählte Schweinebraten — tote Schweine hatte er noch nicht gesehen. Die Kellnerin gab ihm eine extra grosse Portion, weil ihr der muntere, braune, rosenwangige Junge gefiel, dessen Haar vom Wind verrauft und dessen Mund empfindsam wie der eines Mädchens war Seine heiteren braunen Augen durchschweiften den ganzen Raum, betrachteten alles: die Reklametafeln an den Wänden, die Flaschen, die Speisen, die lustige, fette Kellnerin und die müde, magere, die sie bediente. Er erheiterte sie, indem er ihr von dem Erlebnis mit dem Verkehrspolizisten berichtete. Sie hingegen warnte die beiden vor einer weiteren Falle kurz hinter der Stadt; — der Mann, der neben Bunny sass, war erwischt worden und hatte zehn- Dollar Strafe zahlen müssen. So gab es vielerlei, worüber man sprechen konnte. Vater gab der Kellnerin einen halben Dollar Trinkgeld, eine unerhörte, fast unmoralische Sache, aber sie nahm das Geld dennoch.