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E_1930_Zeitung_Nr.030

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10 AUTÜMOBlb-REVUE 1929

10 AUTÜMOBlb-REVUE 1929 - N" tung. Das hierbei auftretende Drehmoment koeffizienten zwischen Reifen und Fahrbahn versucht den Wagen um die Mitte der Vorderachse zu drehen (s. Abbildung 1). Aus der kehrt proportional ist dem Bremsweg, wird bedient. Da nun die Reibungszifier umge- Abb. 2 geht hervor und die Praxis bestätigt diejenige Strassendecke im Sinne unserer es, dass durch Gegenlenken der «Hebelarm Betrachtungen am vorteilhaftesten sein, auf der Massenkräfte kleiner wird, wodurch der welcher bei schlüpfriger Beschaffenheit ein Wagen wieder in die richtige Fahrbahn Motorfahrzeug den kürzesten Bremsweg erzielt. Auf dieser Grundlage durchgeführte kommt, falls er nicht schon vorher durch Lösen der Bremsen in die Normallage, zurückgekehrt ist. Resultaten führen und der Frage nach der systematische Versuche dürften zu objektiven Schlüpfriges Strassenpflaster führt jedoch fahrtechnisch günstigsten und verkehrssichersten Strassenpflasterung zur befriedigenden nicht allein Unfälle und Fahrzeügbeschädigungen durch Schleudern des Wagens herbei, — Antwort verhelfen. eine viel grössere Gefahr liegt vielmehr Diesbezügliche Untersuchungen haben darin, dass infolge des durch den niedrigen kürzlich in Frankreich stattgefunden. Von Strassenreibungskoeffizienten bedingten ver- der Societe des Transports en Commun de hältnismässig grossen Bremsweges die la Region Parisienne wurden folgende Gefahr des Auffabrens auf ein gebremstes Fahrzeug oder ein Hindernis irgend welcher Art sich kaum vermeiden lässt, wenn der Fahrer nicht langsam fährt und die Bremsung rechtzeitig einleitet. Die Bremswege auf schmierigem Pflaster werden leider häufig unterschätzt, und diese Unkenntnis ist es, die in vielen Fällen zur Katastrophe führt. In Abbildung 3 sind die erreichbaren kürzesten Bremswege eines Fahrzeuges mit Vierradbremse bei verschiedenen Reibungsziffern in Abhängigkeit von Bremswege verschiedener Reifen auf verschiedenen Strassen erzielt: Auf trockener Strasse waren die Bremswege auf den verschiedenen Pflasterarten nahezu gleich; sie betrugen bei 20 km Stundengeschwindigkeit auf Kopfstein 5,20 m, auf Holzwürfelpflaster 5,68 m und auf Asphalt 5,25 m. Auf schlüpfriger Strasse verlängerten sich die Bremswege nicht in dem gleichen Masse, sondern steigerten sich auf Kopfstein im Verhältnis 1 :1,5, auf Holzwürfel im Verhältnis 1 : 2,7 und auf Asphalt im Verhältnis 1 :3,88. der Geschwindigkeit dargestellt. Man ent-Das heisst mit andern Worten: Die Bremswege verhalten sich bei schlüpfriger Strassendecke auf Kopfstein, Holzwürfel, Asphalt wie 1:1,72 : 2,06. Steinpflaster ist also hinsichtlich des kürzesten Bremsweges, demnach auch bezüglich der Verhinderung des Schleuderns, demAsphalt beträchtlich überlegen. In bezug auf die Bereifung ergaben sich auf trockener Strasse folgende Bremswege: Für Vollgummireifen 5,05 m auf Kopfstein, 5,24 m auf Holzwürfel, 5,05 m auf Asphalt. Für Luftreifen entsprechend 5,34 m, 6,12 m, 5,40 m. Auf nasser Strasse ergaben sich auf den nimmt dem Kurvenbild beispielsweise, dass ein Fahrzeug bei 30 km Stundengeschwindigkeit auf trockenem Asphalt innerhalb 5 m zum Stehen gebracht werden kann, während der Bremsweg auf schlüpfrigem Asphalt 35 m beträgt. Diese besten Werte sind dann erreichbar, wenn die Bremsen so angezogen werden, dass die Räder sich noch soeben drehen. Der vorsichtige Fahrer wird jedoch besonders auf schlüpfrigem Pflaster stets so bremsen, dass er unterhalb der Grenze der Radblockierung bleibt, er muss dafür allerdings mit einem entsprechend grösseren Bremswege rechnen. Verpasst der Fahrer den richtigen Zeitpunkt der Bremsbetätigung, so hat er die Wahl, entweder auf ein Hindernis aufzufahren oder durch brüskes Niedertreten des Bremspedales die Räder zu blockieren und den Wagen ins Schleudern zu bringen; welches von beiden Uebeln das kleinere ist, ist kaum vorauszusehen. Die eingangs angeführte zuverlässige und unangreifbare Formel für die Beurteilung der Güte einer Strassendecke hinsichtlich des Abbr6msens eines Automobiles scheint gefunden, wenn man sich hierfür des Reibungs- AUTO -GARAGEN Hallenstrasse 10 (Nähe Stadttheater) Telephon Llmmat 25.16 für 2—2,5 T. Nutzlast, mit grossen Pneus, elektr. Licht, grosser Brücke und Segeltuchverdeck, in sehr gutem Zustande, Versicherung und Steuer für 1930 bezahlt. Ev. Tausch an kl. sparsamen, geschlossenen Vierplätzer. Anfragen unter Chiffre 44418 an die Automobil-Revue, Bern. Atzungen. Autotypien. Retouctten. Zeichnungen. Stereo C/ichea. zu halten. Eine Gewähr dafür, dass der Reifen die Schmierschicht vollkommen aus derdigt, sondern auch den Ventilsitz angreift und da jede Verletzung nicht nur das Ventil schä- Berührungsfläche mit der Strasse wegpresst, an diesem starke Beschädigungen hervorrufen kann, die durch einfaches Ausschirren besteht natürlich nicht, zumal da man ja damit rechnen muss, dass sich diese Schicht nicht mehr ausgeglichen werden können \m auch in den Profilnuten der Reifen festsetzt, besten und einfachsten ist es, Reserveventüe wodurch wiederum eine grössere Auflagefläche geschaffen ist, die den spezifischen vorher durchbohrt hat, oder in eine Faden- in einem genügend grossen Kork, den man Flächendruck wieder-stark vermindert. In erster Linie ist daher bei der Strassenpflaste- die Fadenspule schützen den empfindlichen spule zu stecken. Der elastische Kork oder rung der Hebel zur Vermeidung der Schleudergefahr und vornehmlich zur Verkürzung Rand vor allen Beschädigungen und sind selbst so gut wie unverletzbar, so dass sie des Bremsweges anzusetzen. Der Verkehr, jahrelang in Gebrauch gehalten werden können. + besonders im fluktuierenden Wechsel der Qrossstadt, fordert kurze Bremswege, weil nur so die Reisegeschwindigkeit des einzelnen Fahrzeuges und der Pulsschlag des gesamten Straßenverkehrs in vernünftigen Grenzen zu halten ist. W. L., B. Schmierung der Ventilschäfte. Um die Abnützung der Ventil© zu vermindern und ihre genaue Wirkungsweise auf lange Dauer zu sichern, empfiehlt es sidh, die Ventilführungen nach jedem Einschleifen der Ventile mit etaer Graphit-Pasta einzureiben. Eine solche Pasta erhält man, indem man feingepulverten Flocken-Graphit mit Oel zu einem Brei anrührt Das Öd dient dabei nur als Bindemittel. Beim Warmwerden des Motors verflüchtigt es sich ziemlich rasch, weslhaüb auch eine Schmierung der Ventilführungen mit Oel allein wenig Zweck hätte. Der in den Ven'tilfüihrungen zurückbleibende Graphitbelag bildet jedoch gleichsam ein trokkenes Schmiermittel, das infolge seiner grossen Haftfähigkeit lange Zeit wirksam bleibt und durch seine Glätte zugleich auf den Ventilschäften eine Hochglanzpolitur erzeugt. Massnahmen, die die Abnützung der Ventilführungen vermindern, haben deshalb Zum Nachfüllen von Akkumulatorensäure ist ein Blechtrichter nicht brauchbar, weil er von der Säure sofort angegriffen und zudem die Säure selbst verunreinigen würde. Der Fachmann benützt deshalb ausschliesslich Trichter aus Glas. Hat man aber keinen solchen Trichter zur Hand, so kann man grosse Bedeutung, weil jedes Spiel in densich auch mit einem tütenförmig zusammengedrehten Papier behelfen, wie die beiste- Ventilführungen einen klappernden Lauf des drei Pflasterarten folgende Bremswege: Motors verursacht und weiter dadurch, dass hende Skizze es zeigt. Nach Gebrauch wird Für Vollgummireifen 6,08 m, 13,48 m, es falsche Luft eintreten lässt, was den Leerlauf des Motors empfindlich stört. y. dann das Papier einfach weggeworfen, y. 11,86 m. Für Luftreifen 6,79 m, 14,08 m, 17,49 m. Hüte dich vor dem Ueberholen, bevor da Erhöht man den spezifischen Flächendruck Ersatzteile soll man nie ohne schützende dich vergewissert hast, dass kein zweites der Reifen auf die Fahrbahn durch Umhülung aufheben Oder gar im Wagen unter verschiedenem Werkzeug mitführen. Fahrzeug entgegenkommt. zweckmässige Profilierung. Wohl bestehen Ventilschaft und Ventilkörper Vermeide eine dauernde Belastung des so ist er imstande, die Schmierschicht der aus hartem', ausserordentjich widerstandsfähigem Material, Trotzdem soll man alles lager des Kupplungsmechanismus sind meist Kupplungspedals mit dem Fuss. Die Kugel- nassen Strassendecke beiseite zu drücken und somit den Reibungskoeffizienten nahezu auf tun, um mechanischen Verletzungen des einer solchen Dauerbelastung nicht gewachsen und laufen dann der Höhe desjenigen einer trockenen Strasse Ventilrandes nach Möglichkeit vorzubeugen, unruhig. in Eternit doppelwandig, heizbar, demoniabei. seit 15 Jahren bewahrte Bauart Länge cm Breite cm Habe cm Preis £'r. Hr. 1 360 240 250 900.— Hr. 2 480 240 250 1100.— Hr. 3 480 300 250 1200.— Nr. 4 600 300 250 1400.— Preise ab Fabrik — Lieferbar sofort — Nähere Auskünfte durch ETERNIT A.-G. p NIEDER URNEN 1O Erste Spezialwerkstätte Kilometerzähler -Reparaturen Garantie E. 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Bern, Dienstag 1. April 1930 Automobil-Revue" No. 30 »» April. . . Nun haben wir einen dicken Strich hinter den letzten Märztag gesetzt, weil es wieder aufwärts geht, der Sonne und dem Licht entgegen, and das ist immer schön in allem Dunkel der Gegenwart. Zu Hause steht auf dem Tisch ein kleines Büschelchen Veilchen, man atmet tief seinen Duft ein, sieht weisse Strossen, die ins Unendliche laufen, grüne Wiesen, Bäume, einen blauen Himmel mit weissen Wolken, und dann geht man und schenkt diese kleinen Blumen einem lieben Menschen. Was kann man Besseres tun? In der Stadt gehen die Menschen mit einem leisen Leuchten in den Äugen herum. Jetzt wächst in allen Dachkammern die Poetensehnsucht in wilden Stürmen auf, dem Papier wird das kleine Glück dieser guten Menschen anvertraut, und nun kommt die Zeit wieder, da an dunkeln Fenstern die jungen Leute stehen und dem Rauschen ihres Blutes lauschen. Aus dem offenen Fenster klingen die weichen Töne einer Musik, die schwer und bedrängend ist wie die warmen Winde dieser Nächte. April... Sturm und Regen können das Kommende, den Frühling, nicht mehr verbergen. Er steht hinter allem und schwingt und flutet. Noch ist alles seltsam und ungelöst, aber der Bann wird durchbrochen werden. In einem Monat ist die Welt neu, in einem Monat ist Frühling, reicher, voller Frühling. tnb. Ist er's ist er f s nicht ? Von Gerhard Schake. Es war an einem Freitagabend. Freitags habe ich immer Glück. Es war eigentlich noch nicht Abend, der Abend war im Begriffe zu werden. Der Nachmittag sank dahin. Es war nicht hell, nicht dunkel, nicht düster, nicht dämmerig. Die Luft war glasklar, sie schien ganz rein. Es war auch nicht kalt. Der Nachmittag war drauf und dran, in einen schönen, stillen Abend überzugehen. Ich ging die Strasse entlang. Ein wenig in eine traurige Liebesangelegenheit versponnen, da sagte es neben mir ganz vergnügt: «Nanu — bist du's oder bist du's nicht?» Ich sah auf. Der Herr, der mich angesprochen hatte, war gross und elegant Er war sicher ganz sympathisch. Ich lächelte ihn an: «Natürlich bin ich's!> Er drückte mir die Hand. «Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Lass mich nachrechnen; sechs, sieben, nein, acht Jahre! Du hast dich ein wenig verändert!» «Auch an dir ist die Zeit nicht spurlos vorübergegangen» — entschloss ich mich zu erwidern — «kaum kenne ich dich wieder!» Er lachte auf. «Das macht der Bart, wie? Wie geht es dir? Komm, wir essen zusammen!» Bei der Suppe fragte er mich nach Lilo. «Du hast sie doch so geliebt!» Ich entsann mich Lilos nicht mehr und sagte ihm das. Bei der Fischmayonnaise fragte er, ob ich das Geschäft meines Vaters weitergeführt habe. Ich verneinte das. Es entsprach auch F E U I L L E T O N Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (26. Fortsetzung) «Alle Läufe geladen, wie ich sehe,» bemerkte er. «Eine schöne Waffe. Sind Sie ein geschickter Schütze?» «Ja, sehr geschickt.» Kurz darauf legte er den Revolver hin. «Haben Sie etwas auf dem Herzen, Herr Krag?» «Ja,» erwiderte der Detektiv. «Ich wollte Sie nur fragen, ob Sie Lust haben, den eisernen Wagen zu sehen?» «Hat man ihn inzwischen aus dem Wasser herausgezogen?» «Ja.» «Auch den Passagier?» flüsterte ich. «Den Passagier haben wir auch gefunden, er ist tot.» «Ich hatte eigentlich daran gedacht, mich jetzt schlafen zu legen,» antwortete ich. «Also haben Sie Furcht?» «Durchaus nicht» Der Detektiv blinzelte mir zu. Es lag Hohn und Schadenfreude in seinem Blicke; das brachte mich zur Raserei und ich fuhr auf: der Wahrheit. Ich habe mäch nie um das Geschäft meines Vaters gekümmert. Bei dem kaJten Huhn erzählte er mir, dass er nicht Hanna, sondern die kleine Margarete geheiratet habe. Seine Jungen hiessen Bob und Frieder. Er zeigte mir die Bilder seiner Frau, einem süssen, kleinen Wesen (das sagte ich ihm auch, dass es ein süsses, kleines Wesen sei, und er freute sich darüber), und den beiden Knaben. Nette Jungens. Ja.' Wir assen noch passierten Roquefort (nach Wiener Art), und er wollte wissen, was mich jetzt beschäftige. «Eine tiefe Liebe!» «Aha — kenne ich sie vielleicht? Du musst nicht so schweigsam sein! Uebrigens — wie geht es dir denn finanziell? Ich freue mich so, dass ich dich wieder einmal getroffen habe. Ich bin auf der Durchreise hier — ist das nun Zufall, wie?» «Im Westen nichts Neues» als Tonfilm. Das Buch von Remarque ist den Weg aller grosser modernen Bucherfolge gegangen; die Filmleute haben sich darauf gestützt, und sie wollen nun mit der Verfilmung sich noch einen Extra-Lobeer holen. «Im Westen nichts Neues» wird in Amerika als Tonfilm aufgenommen, die Arbeit soll für Hollywood die Krönung aller bisherigen Leistungen bedeuten. Eine grosse deutsche Zeitung veröffentlicht interessante Mitteilungen über die Verfilmung. Sie sind dem Brief eines deutschen Hilfsregisseurs in Hollywood entnommen: Hollywood, im Februar. ... Das Grammophon wurde abgestellt. Plötzlich fiel das Wort «Amerika», ein zweiter rief «Hollywood». Alle wollten sie über den grossen Teich, aber keiner ist gefahren. Mich aber hielt in Berlin nichts mehr, mein Vertrag als Filmhilfsregisseur war längst abgelaufen. Die nötigen Papiere waren bald besorgt, ein Bündel Empfehlungsschreiben hatte ich auch zusammenbekommen. Die Schattenseiten Hollywoods. Anderthalb Monate später stand ich arbeitslos auf dem Broadway von New York. Das Dröhnen, Klirren, Krachen, Kreischen dieser Stadt machte mich verrückt. Das Schlimmste war für mich die lärmende Hochbahn, die frei auf Stahlbrücken die vierte, sechste und achte Avenue entlangdonnert. Für einen Vergnügungsreisenden «Sie tnn jedenfalls alles mögliche, um mir Furcht einzuflösen. Es muss doch ärgerlich für Sie sein, zu merken, wie Ihre Versuche ein Mal um das andere missglücken.» «Nun verstehe ich Sie wirklich nicht,» erwiderte Asbjörn Krag. «Natürlich gingen Sie mit Absicht am Fenster vorüber. Auch verfolgten Sie wohl eine bestimmte Absicht, als Sie wie ein Tier an der Wand entlangschlichten.» «Ich habe Ihnen ja den Grund für diese Erscheinung erklärt; Sie sind allzu schreckhaft, lieber Freund, Sie sehen oder hören überall Gespenster. Ist es denn nicht sehr natürlich, dass man im Dunkeln etwas umhertastet, ehe man das Türschloss findet.» «Es ist heute abend durchaus nicht sehr dunkel.» «Ja doch. Die Wolken hängen am Himmel tief auf die Erde herunter.» Aber ich wollte dem Detektiv durchaus meine Missbilligung zeigen. «Alles, was Sie taten, geschah mit Absicht,» sagte ich. «Sie schlichen umher wie ein Tier, wie ein Wolf.» Asbjörn Krag erwiderte nicht sofort, er setzte sich an den Tisch, ergriff meinen Revolver und Hess die hübsche Waffe spielend durch die Finger gleiten. Kurz darauf brummte er nachdenklich: Ich sagte ihm, dass es mir nicht so besonders gut ginge, und er bot mir seine Hilfe an. Ich lieh mir 50 Fr. Er gab sie gerne her. Ich fand ihn immer sympathischer. Zuletzt erzählte ich ihm von meiner Liebe. Er kannte sie natürlich nicht. Wir tranken Moselwein. «Den hast du doch früher immer so geliebt!» «Nein, du irrst, ich habe ihn nie ausstehen können. Ich habe immer rheinische und Pfälzer Weine vorgezogen!» entgegnete ich. ET fand seinen Irrtum sehr komisch. Wir sassen nicht mehr lange zusammen, sein Zug ging. Ich begleitete ihn bis zur Bahn. Beim Abschied sagte er mir: «Du musst uns bald besuchen! Auf Wiedersehen, Adolf!» Er nannte mich Adolf. So heisse ich nicht. Ich habe den Eindruck, er kannte mich gar nicht. Kein Wunder weiter — ich kannte ihn auch nicht, den Guten! Remarque wird verfilmt muss das alles herrlich sein. Aber wenn es um die Existenz geht, hat man an so etwas keine Freude. In meiner Tasche hatte ich noch 90 Dollar, und die Reise nach Hollywood kostete 140 Dollar. Zum Glück verkehrt nach Los Angeles eine Autobuslinie. Sechs Tage und sechs Nächte dauert die Fahrt, und man zahl nur 70 Dollar. In Los Angeles nahm ich sofort eine Taxi und fuhr nach Hollywood. Bald lag es vor mir ausgebreitet im glitzernden Sonnenschein. Operateur kann man nur werden, wenn man der Camera-Union angehört. Ich hatte keine Chance, aufgenommen zu werden. Zum Glück hatte ich das Bündel Empfehlungsschreiben, darunter auch einen Brief an Carl Laemmle und den Regisseur Levis Milestone, der zur Zeit meiner Ankunft gerade den Film «Im Westen nichts Neues» drehte. Zuerst suchte ich den alten Laemmle auf. Die Minuten im Wartezimmer waren die schrecklichsten meines Lebens. Als der Boy zu mir kam und sagte: «Präsident Laemmle will Sie empfangen», hätte ich vor Freude alle andern Anwesenden umarmt. Carl Laemmle strafte mich mit ein paar Worten, so ohne weiteres nach Hollywood zu fahren. Aber das Glück ist das Ausschlaggebende. Zehn Minuten später verliess ich das Audienzzimmer und war Extrastatist in der Hollywooder Armee für den Film «Im Westen nichts Neues» mit einem Gehalt von 60 Dollar wöchentlich. « Weltkrieg » im Scheinwerferlicht ; " Auf dem Universalgelände erlebt Remarques Buch «Im Westen nicht Neues» seine Verfilmung. Der Film hat nur Männerrollen. Es gibt auch keine Liebesgeschichte, ausser der Episode mit den drei Französinnen. Hauptrollen: lauter unbekannte Darsteller, ausser Louis Wollheim. Ich bin abwechselnd bei der Infanterie mit Pickelhaube, Artillerie, Roten Kreuz und Sturmtrupp in schwerer Feldausrüstung mit Stahlhelm, Tornister usw. Alle Sachen sind echt deutsch, sogar die Gewehre. Laemmle hat 76 Kisten mit Uniformen, Gasmasken usw. aus Deutschland kommen lassen. Meistens ist die Arbeit ganz gemütlich. Aber ab und zu werden tolle Sachen verlangt. Einmal mussten wir, von der Front kommend, in strömendem Regen durch ein Dorf latschen. Zunächst wurde der Boden mit Feuerwehrspritzen aufgeweicht, bis man zum Knie im Dreck watete. Dann mussten wir zehn Minuten unter der Regenmaschine stehen, um recht realistisch nass zu sein, und zuletzt wurde uns Kot auf Gesicht und Kleider geschmiert. Zwei Stunden wurde dann im Regen geprobt und die Szene achtmal aufgenommen. Hier werden «Ja so, hat es sich so angehört...? Wie ein Tier, so, als ob ein Wolf hin und her läuft und umherschleicht?» «Ja, oder ein Hund.» «Hörten Sie den Hund heute abend?» Der Detektiv sah zum Fenster, wo sich das Rouleau durch den Zug, der durch die Spalten des Fensters drang, langsam bewegte. «Hörten Sie den Hund?» wiederholte er. «Welchen Hund?» «Den Hund.» Er sprach ganz ruhig, aber es war doch ein leiser Klang von Ungeduld in seiner Stimme, so als wollte er sagen: «Mein Lieber, ich kann doch überhaupt nur einen Hund meinen, und Sie wissen ganz gut, welcher Hund dies ist!» Ich sass und wiegte mich langsam im Schaukelstuhl, mein Kopf lag so tief auf der Brust, dass der Detektiv mein Gesicht nicht beobachten konnte. Dabei dachte ich an den Hund des Toten. Das ferne Gebell klang noch in meinen Ohren. Es lag etwas Absonderliches und Drohendes in diesem klagenden Hundegeheul. Nach einer Pause von mehreren Minuten sagte ich endlich: «Ich hörte einen Hund vor kurzer Zeit bellen; ist das der, den Sie meinen?» «Ja,» erwiderte der Detektiv. Dann sass er da und lauschte. Der Schein selten mehr als drei bis vier Einstellungen am Tag gemacht, oft nur eine einzige. Chefoperateur ist Artur Edison. Schauspieler im Schützengraben. Nächste Woche fangen die grossen Aussenaufnahmen an. 150 Kilometer südlich' von hier werden jetzt Schützengräben und Unterstände gebaut. Das «Schönste» ist, man wird uns 300 Ratten in den Graben hineinsetzen, die wir dann vor der Kamera erschlagen müssen. Wir werden draussea wie ganz echte Soldaten leben, in Zeiten schlafen und nur über Sonntag nach Hollywood kommen. Der Spass soll vier bis fünf Wochen dauern. Wir sind zusammen 16 Deutsche der Statistenarmee und haben uns zu einer German Singerstruppe zusammengeschlossen und singen vor dem Mikrophon unsere Heimatlieder. Dann hatte ich noch! ein paar Nahaufnahmen. Mein Haar musste ich ganz kurz schneiden lassen, mein Schädel ist glatt rasiert, nur ganz oben habe ich einen Scheitel, sechs Haare rechts und drei links... Es ist eben Krieg — mein Traum, Operateur zu werden, ist vorläufig aus. Hexenprozesse in der Schweiz Die Verschwörung mit dem Teufel. Das Wort Hexe ist altgermanischen Ursprungs und nach Grimm die Bezeichnung für ein kluges Weib (hagazusa). Eine sogenannte Hexe war im Mittelalter ein altes Hutzelweib, das sich mit dem Teufel verschworen und des Nachts auf einem Besen zum Hexensabbat ritt. Dass solch eine Hexe zu allen Bosheiten zu haben war und in ihrer Rache andere Menschen unglücklich machen konnte, diese Meinung herrschte dazumal überall. Die teuflischsten Qualen harrten einer Person, welche der Hexerei verdächtigt wurde. Was menschliches Hirn nur ersinnen konnte, das lag in der Folterkammer als Werkzeug bereit, um dem Opfer das Geständnis zu entlocken, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Als letzte Marter wartete einer solchen als Hexe bezeichneten Frau in der Regel der Verbrennungstod bei lebendigem Leibe. Leider machte in der Anerkennung dieses Irrtums und Aberglaubens keine Konfession einen Unterschied, so dass in allen Kantonen der Schweiz die Hexenprozesse verbreitet waren. Zwischen 1560 und 1750 fanden in unserem Lande die zahlreichsten Hexenverfolgungen statt. Trotz den warnenden Worten aufgeklärter Männer nahm erst im 18. Jahrhundert der Unfug ein Ende, indem gesetzliche Schranken errichtet wurden. Leider existiert bis heute eine zusammenhängende Schilderung des Hexenwesens in der Schweiz nicht. Verbrennungstod als Strafe. Erwiesenermassen soll die Hexenverfolgung zuerst in der welschen Schweiz Fuss gefasst haben, wurden doch in Genf Anno 1515 im Zeitraum von drei Monaten 500 Personen durch Feuer, Schwert oder Vierteilung; hingerichtet. Erst Anno 1652 hatte Genf seinen letzten Prozess. Ketzerei und Hexerei wurden dabei ohne Unterschied der gleichen der Lampe fiel gerade auf sein Gesicht, das weiss und durchsichtig schien. Ich hielt den Schaukelstuhl an und blickte zu ihm hinüber. Innerlich war ich bei dem Gedanken zufrieden, dass ich selbst im Schatten sass, während sein Gesicht scharf beleuchtet war. Der Detektiv stützte den rechten Ellbogen auf den Tisch. Ich betrachtete seine Hand genauer. Sie war mager und auf dem Handrücken stark behaart, die Finger waren lang, knochig und von bläulicher Haut bedeckt . . . Aber warum sass er so da und lauschte? Ich fühlte, dass ich wieder nervös wurde. Mir kam es vor, als ob dieses angestrengte Lauschen darauf hinwies, dass ein Dritter im Zimmer war, ein fremdes und unsichtbares Wesen. Dazu diese Stille ... Es war die gleiche Stille, die ich am selben Morgen so drückend draussen auf der Heide empfunden hatte; die Stille, auf die man nicht lauschen soll, weil man dann nur ein Durcheinander fremder Laute hört, Myriaden von Schreien und schliesslich ein fernes und schweres Dröhnen, das nicht mehr zu dieser Welt gehört . . . Ich musste menschliche Stimmen hören, ich wollte meine eigene Stimme vernehmen. «Wonach lauschen Sie eigentlich?» fragte ich. Er hielt die Hand abwehrend gegen mich. r {Fortsetzung folgt.)