Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1930_Zeitung_Nr.032

E_1930_Zeitung_Nr.032

10 AUTOMOBIL-REVUE Dio

10 AUTOMOBIL-REVUE Dio derart erzeugten Veredelungsschichton haften sicher auf dem Grundmetall und bieten einen zuverlässigen Schutz gegen Verschrammen, Verrosten und andere Korrosionser^cheinungen und laufen nicht an. Trotz der mehrfachen elektrolytischen Behandlung bleiben die Kosten in wirtschaftlichen Grenzen. Verchromt werden können alle Gegenstände und Beschlagteile vom Schraubenkopf und der Schraubenmutter bis zum Automobilkühler. Für Kühler und Hohlspiegel der Scheinwerfer eignet sich das Chrom ganz besonders, weil es infolge seiner Hitzebeständigkeit nicht anläuft. s», Frage 7551. Destilliertes Wasser und Regenwasser. In Bchandlungsvorschriften für Akkumulatoren steht immer zu lesen, dass nur destilliertes Wasser, nie aber Brunnenwasser nachgefüllt werden darf, selbst wenn dieses noch so rein ist. Könnte mm an Stelle des destillierten Wassers nicht einfach auch nur sauberes Regenwasser verwendet werden? R. B. in L. A ntwort Re^enwasser ist auch dann, wenn es mit denkbar srösster Sorgfalt aufgefangen wird, weder chemisch noch physikalisch rein genug, um als Ersatz für destilliertes Wasser in Akkumulatoren dienen zu können. Chemisch entstehen für den Akkumulator schädliche Verunreinigungen schon, wenn sich der Regentropfen noch in der Luft befindet. Ausserdem ist man ja, um praktisch genügende Mengen Regenwasser auffangen zu können, gezwungen, das Wasser an der Dachrinne oder dem Abzug einer andern grossen Fläche abzuzapfen. Ganz abgesehen davon, dass das Regenwasser so immer Schmutz und Staub enthält, finden sich in ihm auch Lösungen und chemische Bindungen der Metall, oder Holzflächen, mit denen es in Berührung gekommen ist. Immerhin ist natürlich Regenwasser. das möglichst rein gewonnen wurde, für einen Akkumulator noch bedeutend weniger schädlich, als Brunnenwasser. Im Notfall kann man sich deshalb seiner schon etwa bedienen. y. Touristikbulletin des A. C. S. Vom 4. April. Schweiz. Situationsbericht vom 4. April, morgens: Weitere Karosserievorschläge Entwurf für eine englische Luxus-Limousine. IÄ6637J Vorschlag für einen italienischen Luxuswagen. Noch ein Coupe mit interessanten Ideen Ein im Vergleich zum vorhergehenden recht orthodox anmutender Entwurf. Coupe von weniger exzentrischem Charakter. Man beachte die Hilfslampo auf dem Dach. Ganz originelle Linien zeichnen diesen Entwurf aus. Ein Stromlinienmodell mit ausgezeichneten Kotflügeln. Der Motor ist hinten. Die Insassen sitzen zwischen den Achsen. Der Schwanz soll das Schleudern bei grossen Geschwindigkeiten verhindern. Eine exzentrische Lösung, deren Linienführung allein schon den Eindruck der Geschwindigkeit erwecken soll. Das Ding auf dem Dach ist ein nach allen Richtungen drehbarer Scheinwerfer. befahrbar bis Marmels. Albulastrasse fast schneefrei Appenzellerland und Toggenburg: Schneefrei. bis Bergiin (Ketten überflüssig). Italienische Strasse Schwyz: Etzelstrasse ohne Ketten befahrbar. Reichcnau-Thusis-Splügen-San Bernardino befahrbar bis Hinterrhein, Mitnahme von Ketten empfoh- Strasse Kinsiedeln-Ibergeregg, schneefrei bis Oberiberglen. Strasso Landeck-Schuls-St. Moritz schneefrei Glarnsrland : Zufahrt zum Klöntalersee, offen bis Zernez, Strecke Zernez-Zuoz schwach vereist, bis Vorauen (wegen Unpassierbarkeit der Strasse schmale Fahrspur, Ketten erforderlich. Ab Zuoz ist Schwammhöhe - Klöntalersee, muss vorläufig die die Strasse schneefrei bis Maloja. Malojastrnsse in Ihn- und Rückfahrt über die Strasse Riedernden Kehren oberhalb Casaccia vereist (Kelten). Stal dengarten-Klön talersee erfolgen). Strasse Chur-Disontis-Oberalp ohne Ketten befahrbar bis Rueras, Lukmanierstrasse auf der Nordseite Graubünden : Strasse Landquart-Klosters-Davos schneefrei bis unterhalb Laret, Schlussstrecke über schneefrei bis Acla. den Wolfgang stellenweise schneebedeckt und vorsichtig zu befahren. Landwasserroute Davos-Wiesen- Gotthard : Gotthardslrasse auf der Nordseite Lcnz/Ticfcncastol schneefrei. Lenzerheide sehneesliick bis Arosa mit Schneeketten befahrbar (Bob- Airolo. offen bis Hospontal, Abzweigung zur Furka befahrbar bis Realp, Südseite schneefrei ab Verladestelle frei. Chur-Arosa schneefrei bis Lüzirüti, Schlussbahn aussei- Betrieb). Julierstrasse m Oberhalbstein Berncr Oberland : Schneefrei sind: Interlaken- Grindolwald, Interlaken-Beatenberg, Spiez-Kandersteg, Spiez-Zweisimmen-Saanen und Abzweigung Zweisimmcn-Lenk. Grimsolstrasse im Haslital ohne Ketten befahrbar bis Zentrale Handeck. Schallenberg offen. Zufahrt zum Gurnigelbad schneefrei von Riggisberg her, auf Freiburgorseite ist die Strasse offen bis Zollhaus re.sp. Schwarzsee. Jaunpass unpassierbar. Innortkirchon-Gadmen schneefrei. Col du Pillon-Strasse im Sa.inetal schneefrei bis hinter Gsteig, Südseite offen bis Los Diablerets. Wesfschweiz : Col des Etroits schneefrei. Molcndruz, schneefrei. La Faucille, offen. Col des Mosscs, schneefrei bis Comballaz, Schlussstück mit Ketten befahrbar. Grosser St. Bernhard mit Ketten befahrbar bis Bourg St. Pierre. Pas du Morgins schneefrei bis zur Passhöhe, Savoierseitc unpassierbar. Fordaz und Col des Montets geschlossen. Wallis: Talstrasse offen bis Fiesch.. Simploustrasse Ms Berisal. Deutschland. Transport von Automobilen. Dio Deutsche Reichsbahngesellschaft hat ab 1. April 1930 auf der Strecke Basel-Frankfurt-Katsel-Hannover-Bremen bzw Hamburg versuchsweise die Beförderung von Personenautomobilen zur halben Tariftaxo eingeführt. Anrecht zur Beförderung solcher Fahrzeuge haben Personen, die eine gewöhnliche Fahrkarte für mindestens 200 Tarifkilometcr gelöst und dio Fracht für die gleiche Anzahl Kilometer bezahlt haben. Zur Abfertigung sind folgende Bahnhöfe zugelassen : Basel - Badiscehr Bahnhof, Freiburg (Breisgau), Baden-Baden-West, Baden- Baden, Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim, Darinstadt-Hbf., Frankfurt-Main-Süd, Frankfurt-Main- Hbf., Bad Nauheim, Marburg, Kassel-Hbf., Göttingen, Kreiensen, Hannover-Hbf., Bremen-Hbf., Hamhurg-Han. Es ist dafür gesorgt, dass dio Verladung an diesen Abfertigungsstellcn ohno besondere vorherige Wagenbestellung jederzeit erfolgen kann, immerhin muss der Verlad im allgemeinen VA Stunden vor Abfahrt des Zuges geschehen. Die Abfertigung erfolgt gegen Vorlage einer Fahrkarte nach dem Bahnhof, nach dem der Kraftwagen abgefertigt werden soll oder nach einem darüber hinaus gelegenen Bahnhof. Pro Fahrausweis darf höchstens 1 Automobil abgefertigt werden. Ein- und Auslad ist Sache des Aufgebers. Louis Renault, der Gründer und Leiter der Usines Renault in Billancourt, Frankreich, hat jüngst seinen 53. Geburtstag gefeiert. Bei diesem Anlass erinnerten viele französische Blätter an die außergewöhnliche Laufbahn dieses Mannes, dessen eiserner Wille ihm den Namen «Der Kämpfer» eingetragen hat. Schon als Neunzehnjähriger rr.achta er sich selbständig, und man zeigt in dor Nähe von Billancourt» noch seine erste mechanische Werkstätte, die in einem Schuppen von wenigen Quadratmetern Bodenfläche untergebracht war. Mit seiner Hände Arbeit hat er sich von da aus seinen Weg gebahnt. Besucher wissen von der Lebhaftigkeit und von dem Temperament des 53- jähngen zu erzählen. Slets ist er an der Arbeit. In seiner Fabrik vergisst er alles andere. Sogar am Sonntag reisst er sich nur ungern los. Man hat ihn einige Male bei der Jagd gesehen. Aber nur einige Male. Gewöhnlich arbeitet er in seiner Werkstatt. Er kennt keine Ruhe und keine Erholung und wenn ihm ein Frfrand davon spricht, dann winkt er mit einer Handbowegung ab und sagt: «Ich kann alle meine Mitarbeiter nicht allein laa- Keine Fusion Hapag-Lloyd. Durch dio Presse gingen vor einigen Tagen Nachrichten, nach denen sich die Hapag und der Norddeutsche Lloyd mit Fusionierungsabsichten tragen sollten. Wie nun aber allgemein bekannt wird, entbehren diese Gerüchte teilweise der Grundlage. Die beiden grossen deutschen Gesellschaften vereinbarten in einer Arbeitsgemeinschaft enges Zusammenwirken, jedoch mit zwei Aufsichtsräten. N E T S T A t 4.44 Fabrikation von Automobil-Zahnrädern In nur hochwertigem Material und Ausfuhrung S P E Z I A L I T Ä T : Ruhig laufende Hinterachsgetriebe mit Spiralverzahnung MART nasche Lieferung bei massigen Preisen PLYEVIOUTII CHRYSLER Limousine, 14 Steuer-HP, 6-Plätzcr, prima Wagen sehr gut erb.., Eehr billig Wegen Anschaff eine? Lieferwagen Modell 1029, 4türig, 4/5-gröss. Wagens sind äusserst billig abzugeben 1 t Tra-kr., 6 Zyl., 14 St-plätzig. wenig gefahren, in 1IP spottbillig. 44474 wie neuem Zustande, mit 1 BUICK, 6 Zyl., Md 2fi. Garantie z. äusserst günstigem Preise abzugeben 1 CHANDLER, 6 Zylind. Torp.. 6/7-P1.. Fr. 3200. FIAT 509 4-PL. in bestem Zustand, Anfragen unter Chiffre Mod. 28. 6/7-P1.. m. festen Seitenteil.. Fr. 2500. wie neu. Tausch an 4/5-44492 an die Plätzer, 8—10 HP Automobil-Revue, Bern Beide Wasen in prima H. Baltner, Niederwangen. Tel. Zähr 6241 Bern Transporte. Zustd — Gebr. Imboden. Inierlaken. Zu verkaufen weg. Nichtgebr. 4-Tonnen- Lastwagen Marke HRBEB1Z Zu verkaufen TRACTEUR ROUTIER Pour cessation de comrnerre ä vendre un FORDSON tageux. — S'adresser Zu besieht. Ottcnweg 29. Alfr. Dovat, Av de la Gare Zürich 8. 444ÖU La Tour-de-Peilz. 44506 Nie wiederkehrende OCCASION! FlflT TORPEDO Die Mi tagung Die teure Polsterung geschlossener Wagen ist so stark allen möglichen Beanspruchungen ausgesetzt, dass es sich wohl lohnt, sie durch einen vom Fachmann angepassten Polster- Ueberzug zu schützen. — Der Originalstoff bleibt darunter wie neu, und der Ueberzug kann nach Bedarf herausgenommen und gewaschen werden. — Unverbindliche Offerte und Musterkollektion stehen zu Ihrer Verfügung. Den Wagen brauchen wir zum Anpassen nur kurze Zeit. Müller & ftiarti, Autosatllerei Tel. Bw.21.03 EIERN Eigerplatz 13 Polsterüberzüge schonen mehr, als sie kosten. VEPfTE d'outillage, pieces de rechange et fournitures. Le mercredi, 16 avril 1930, a 14 heures, au Grand Garage des Remparis ä Yverdon, l'Office des Faillites fera proceder a la veiite juridique et aux conditions Typ AD« sur pneumatiques. entierement revise, en parfait dellosem Zustande, ist 6/7plätz., Mod. 510, in ta- etat de marche. prix avan- preiswert zu verkaufen. Anfragen unter Chiffre 44434 an die Automobil-Revue, Bern. us» qui seront lues avant les enchercs de tout lo materiol, outillage, pieces de rechango et fournitures FIAT 5G3 diverses provenant de la faillite de la S. A. des Cond int., 7 St.-PS, in Grands Garages des Remparts, ä Yvordon, estimees allerbestem Zustand, mit ä l'inventaire fr. 11413.—. Bosch-Lichtmasch., Scintilla-Magnet. Simdural- L'adjudication aura lieu en bloc sur une offre forme de fr. 11 500.— Kolben, Oerlikoner Batterie, ist Umstände halber Pour tous renseignements, s'adresser ä l'Office des Faillites d'Yvordon. 44523 aus erster Privathand zu Yverdon, le 2 avril 1930. verkaufen. Preis Fr. 3800 Le Prepose aux Faillites: Farn. Marti, Herbetswil R. BALLENKGGER. CSolothurn). 4449!' Unbesiegbar b Unübertroffen Unerreicht VERKAUFSQESELLSCHAFT FÜR DIE SCHWEIZ GENERALVERTRETUNG AUSTRO-DAIMLER Falkenstrasse 4 ZÜÄlCH Tel. Limmat 23.12 Seltene OCCASION! Billig zu verkaufen Pour cause de deces ä vendre belle VOITURE a 1 etat de neuf. Prix tres ivantag. S'adr. C. Reynond, 23. Päquis, Morqes. einige Führersitze Cabriolet neu und guterhaltene, passend auf 1—3-Tonnen- Weg. Todesfall Chassis. Sofort lieferbar. zu verkaufen Am car Selten günst. Gelegenheit! Uir. Höhcners Erben, PAEIHARD Karosserie, St. Gallen. 8 Zyl., 32 PS, Mod 1924, 6 HP, sehr hübscher Wagen, in prima Zustand, mit Landaulet - Phaeton. 7/8 PL, Zustand, wie neu. sofort für Fr. 2800.— abzugeben. 44464 Preis Fr. 10 000.—. Verkehrsbew pro 1930 gelöst Charles Müller. Biel, E. Eichenberger, Kurfirstenstr. 17, Zürich. Tel Giessereigässli. Sein. 6236. 44449 land iree Typ XX 11/40 PS Sechszylinder usfro 15/70 PS Sechszylinder die Wagen mit den berühmten Schwingachsen STEYR-WERKE an Schönheit aimier PAIGE i BUESEHB Zu verkaufen: SUUHB

Bern, Dienstag & April 1930 f Automobil-Revue' 1 No. 32 Das Auto der Freunde Der wahrhaft feine Mann besitzt kein Auto, sondern die Autos seiner Freunde... Das ist die Weisheit, die Pierre Benoit, der französische Romanschriftsteller, in einem kleinen Büchlein mit voller Ueberzeugung verteidigt. Wozu die Sorge um das eigene Auto, fragt er, wenn die guten Freunde anständige Wagen haben? Es ist nicht nur billiger, bequemer und vornehmer, kein Auto zu haben, sondern es ist auch ein Werk der Nächstenliebe. Man beglückt seine Freunde, wenn man sich von ihnen fahren lässt. Jeder Autobesitzer braucht Mitfahrer als Ventil seiner Besitzesfreude. -> Man hüte sich aber, auch nur die geringsten technischen Kenntnisse zu verraten. Nur echte oder gut gespielte Ahnungslosigkeit gestattet es einem dann, bei einer Panne seelenruhig dazusitzen, während der Autobesitzer öltriefend unter den Wagen kriecht, pumpt, füllt, dreht. Wenn die guten Freunde einen Chauffeur haben, soll man sich ganz besonders gut mit ihm stellen und seine grösseren Kenntnisse immer wieder vor dem Autobesitzer herausstreichen; z. B.: «Wenn Alfred nicht so geistesgegenwärtig gewesen wäre, hätten wir vorhin einen hübschen Zusammenstoss gehabt!» Oder: «Fabelhaft, wie er die Kurven nimmt.» Oder: «Wie recht hatte er wieder, dass dieser Weg der beste und kürzeste ist.» Nur kein eigenes Auto haben. Aber nur mit Autobesitzern verkehren. Die Hände der Gioconda Um dein Antlitz wird seit jeher gerätselt, schöne Florentinerin! Schleier sucht man fortzuziehen, obwohl dein Gesicht in deutlicher Klarheit strahlt. Um dein mystisches Lächeln, deine sammetweichen Augen geht in Kunstkreisen fortwährender Streit, flaut an und ab wie Meeresbrausen. Deine Hände werden als vorbildlich gerühmt, ihre Form gepriesen. Niemand scheint aber zu bemerken, dass ihre Plastik gerade den Schlüssel zu deinem Wesen darstellt. Leonardo hat — indem er sie den Originalen nachbildete — dort deinen Charakter widerspiegelnd angedeutet, ihn so für Wissende uns enthüllend. Schon manche werden, so liest man im « Schwab. Merkur », — gleich mir — vor diesen sprechenden Händen gestanden haben, dich in deiner sanften, anschmiegenden Art erfassend, von deinen kleinen Koketterien träumend. Auch deinen geringen Widerstand gegen heftige äussere Einflüsse verrät deine Rechte. Du warst zu gewinnen! Du hattest ein starkes seelisches Innenleben, ganz im Gefühl begründet. Bewusst •erlebtest du dein Fraueutum. Du versenktest dich in Ideale und gabst dich zugleich den Schönheiten dieser Welt mit Entzücken hin. Deine Konstitution war zart, deine physischen Kräfte gering. Arbeit liebtest du nicht, ausser in künstlerischem Sinne. Vielleicht konntest du deine Phantasie — auf schimmernde Seide gestickt — verwirklichen, oder du führtest eine dichterische Sprache und machtest Verse, die deine Freunde beglückt hätten, wenn du nicht so verschwiegen gewesen wärest. Man spürte ja auch nie deine volle Sinnlichkeit, weil du scheu und sensitiv diese verbärgest. Du wurdest dadurch kastbarer noch in deiner Schönheit und schlichten Anmut (schlicht — weil du dich ohne jeden Schmuck malen Messest). Psychologische Dokumente. Mecislas Charrier war einer der gefährlichsten Verbrecher, die die französische Kriminalgeschichte der Nachkriegszeit 1 kennt. Er trat immer elegant auf, war ein gebildeter und äusserst höflicher Mensch und diese Qualitäten trugen ihm in Apachenkreisen den Beinamen des «Banditen mit den Glacehandschuhen» ein. In Begleitung zweier anderer Verbrecher überfiel er eines Nachts einen Schnellzug und forderte den Reisenden die Brieftaschen ab. Ein Offizier, der Leutnant Ceravelli, der sich den Räubern widersetzte, wurde von Charrier durch einen Revolverschuss getötet. Er war im Smoking erschienen Als der «Bandit mit den Glacehandschuhen» später wegen Mordes vor dem Pariser Schwurgericht stand, lenkte er durch sein Verhalten die besondere Aufmerksamkeit auf sich. Er war im Smoking erschienen. Die Methode seiner Verteidigung stand jedoch in völligem Gegensatz zu der Art seiner Kleidung. Charrier entpuppte sich als Anarchist und gab Antworten, wie man sie sonst nicht von der Anklagebank zu hören bekommt. Als der Vorsitzende ihn nach seinem Du, Mona Lisa, warst keine Philosophin — die Wissenschaften blieben dir in geheimnisvolles Dunkel gehüllt. Du warst ein Weib voll Charme, Kultur, Bildung, Ethik und deshalb begehrenswerter als eine Göttin. Und Leonardo malte dich. Wie er dich malte! Er muss dich sehr geliebt haben, da er dich so wiedergab, dass dich nun alle Schauenden lieben müssen! Tagebuch eines zum Tode Verurteilten Beruf fragte, erwiderte er: « Sklave der Gesellschaft! » Als Wohnung gab er an: «Heute das Gefängnis, morgen das Nirwana!» Dieses Verhalten behielt Charrier bis zur letzten Minute vor seiner Hinrichtung bei. Während der siebzig Tage, die er in der Todeszelle verbrachte, schrieb er seine Gedanken in Form eines Tagebuches nieder, das in der Bibliothek des Pariser Sante-Gefängnisses aufbewahrt wird. Dieses Dokument, das für das Studium der Psychologie eines zum Tode Verurteilten von grosser Bedeutung ist, wurde vor kurzem zum erstenmal in einer französischen Zeitschrift veröffentlicht. Das « Neue Wiener Journal» veröffentlicht eine autorisierte Uebersetzung dieser interessanten Dokumente. Ein Auszug darauf sei hier wiedergegeben : « Der Bandit mit den Glacehandschuhen.» Charrier, der « Bandit mit den Glacehandschuhen » schreibt: «Mein Leben als Gefangener hat sich sehr geändert, seit das Todesurteil als die Folge meiner Tat ausgesprochen ist. Jetzt lebe ich nicht mehr in der peinigenden Ungewissheit, unter der ich die Nächte meiner Untersuchungshaft zubrachte. Damals quälten mich zwei Gedanken: Lebenslängliches Zuchthaus oder Todesstrafe? Todesstrafe oder lebenslängliches Zuchthaus? Jetzt sehe ich klar, und so schwarz auch meine Zukunft sein mag, sie erscheint mir weniger schrecklich als damals, da die Ungewissheit aus den Ecken meiner Zelle in mich hineinkroch. Die drückende Angst ist, wie mir scheint, weniger beschwerlich geworden. Mein Herz ist entspannt. Ich erwarte nichts, ich habe nichts zu erhoffen. Leben? Leben ist nur Berechnung, ein Akrobatenkunststück, Schwierigkeit ohnegleichen. Leben ist der Kampf in jeder Minute. Leben bedeutet, einen Schritt nach rückwärts machen, es ist eine Wiederholung von Handlungen, die keinen Sinn haben und immer wieder die GröSse des Nichts beweisen. Ich habe nur noch einige Tage zu leben. Ich habe keine Zeit zu denken, zu kritisieren, zu lieben, auch nicht „zu hassen. Ach, wenn ich nur nicht in diesem armseligen Körper steckte, der feige vor dem Tode zittert! Genie und Irrsinn. Man kann sich denken, dass das Leben im Gefängnis und die Einsamkeit keinen günstigen Einfluss auf das Seelenleben ausüben. Man kann auch glauben, dass die Zersetzung des menschlichen Gehirns noch verhängnisvoller sich auswirken muss, wenn sein Träger nicht ein einfacher Gefangener, sondern, wie ich, ein zum Tode Verurteilter ist. Und doch gibt es ein Hilfsmittel dagegen. Ich Ein Buchhalter schreibt seiner Mutter Heute erhielt ich die Wäsche, du Gute. Und unter Brüdern, es wurde Zeit. Der Postbote kam in letzter Minute. Was sagst du, mir werden die Kragen zu weit. Kein Wunder, fortwährend die Sache mit Hilde. Ich heirate nicht bei diesem Gehalt. Ich hab's ihr erklärt. Und nun ist sie im Bilde. Sie wartet nicht länger, sonst wird' sie zu alt. Du schreibst, dass ich deine Briefe nicht läse und du nur noch Postkarten schicken wirst. ] Du schreibst, dass du denkst, dass ich dich vergässe. Wie du dich irrst... Wie gern ich dir öfter gründlicher schriebe und nicht bloss den ewigen Wochenbericht! Ich dachte, du wüsstest, dass ich dich liebe. Im letzten Briefe, da weisst du es nicht. Da sitz' ich nun ständig und rechne und buche fünfstellige Zahlen und werde kaum satt. Ob ich mir vielleicht mal was anderes suche? Am besten, in einer andern Stadt? Ich bin doch nicht dumm, doch ich komm nicht vom Flecke. Ich lebe, aber man merkt es nicht sehr. Ich lebe auf einer Nebenstrecke. Das ist nicht nur traurig. Es fällt auch schwer. Du schreibst, dass am Sonntag die Verwandten kommen. •Wie ist das denn übrigens, hast du dir, ich bat dich darum, eine Waschfrau genommen? Und wenn sie kommen, dann grüsse von mir. Und schick zum Geburtstag nicht wieder Geschenke! Du sparst es dir ab. Denn ich kenne das schon. Und schreib ich zu wenig l so glaub' mir, ich denke fast immer an dich! Viele Grüsse. Dein Sohn. (Erich Kästner in der « Vossischen.) habe den Gegenständen, die um mich sind, Leben gegeben. In meiner Zelle habe ich mir im Traum eine Bibliothek eingerichtet. Sechsundzwanzig Bände habe ich in nichtvorhandene Regale gestellt. Dort: Viktor Hugo. Hier: die Bibel. Auf meinem Tisch: Rimbaud. Und dort am Fenster, gleich einem Schrei nach Freiheit: Baudelaire. Vigny, der gute alte Vigny, steht an der Wand, wo die gebrauchten Bücher liegen. Die herrliche Madame de Noailles ist auch da, Madame de Scvigne schnurrt wie ein Kätzchen in einer Ecke der Zelle. Und dort stehen die Werke von Rostand, Zamacois. « Die Stadt des Todes. » An der Decke meiner Zelle breitet sich die Karte eines zauberhaften Landes. Es ist das Land, in das ich fliehe. Der Norden liegt am Fenster, der Süden an der Tür. Osten ist über dem Tisch und Westen über meinem FEUILLETON Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. Fortsetzung aus dem Hauptblatt. Das Gebell hielt an. Es tönte so unendlich weit fort, als käme es aus der Dunkelheit selbst hinten am Horizont. Ich horchte darauf; es nahm zu, klang rauh und klagend, aber ständig drohender. Schliesslich schien das Gebell den ganzen Himmel im Osten zu erfüllen... Es schien mir, als ob der Schrecken selbst aus der Finsternis auf mich losführe. Zugleich aber schien es zu rufen, zu befehlen, dieses dumpfe Hundegebell... Ich ging ihm nach. Da hörte ich Asbjörn Krags Stimme dicht neben mir. «Folgen Sie dem Laut nicht!» rief er. Dennoch ging ich ihm nach. Das rauhe Bellen legte sich um mich wie ein dichter Nebel und verwirrte mich vollständig. Ich fühlte, dass der Schrecken selbst in der Luft lag und auf mich mit warmem Brodem losfuhr ... ... Ohne es zu wissen, schritt ich auf den Laut los. Als ich 'bis zu den Häusern gekommen war, schien es mir, als ob sich das Gebell wieder entfernte und hinten unter den Horizont untertauchte. Bald hörte ich es wieder ganz deutlich. Dabei war ich ganz allein; Asbjörn Krag hatte mich verlassen und war nach dem eisernen Wagen hinabgegangen, hinunter zu dem grünen Toten. Ich schritt rascher aus, um in meine Hütte zu kommen. Als ich in ihre Nähe bis zu der Stelle gelangt war, wo sich die Meerenge vor meinen Blicken auftat, sah ich ein weisses, fremdes Licht auf dem Meere schwimmen. Es war etwas Gespenstisches in diesem Lichte, das in der Stille und dem schwarzgrauen Dunkel ringsumher einen seltsamen Eindruck machte. Es fiel mir gar nicht ein, dass es der erste weisse Streifen der Tagesdämmerung war, der sich auf dem Meere widerspiegelte. Die Lampe stand noch da und brannte — Ich war fürchterlich aufgeregt, meine Nerven brannten mit tausend kleinen, glühenden Nadelstichen überall an meinem ganzen Körper. Ich freute mich darüber, dass das Rouleau heruntergelassen war; damit war mein Zimmer gewissermassen von der Welt abgeschnitten. Nachdem ich kurze Zeit in meinen Papieren planlos gewühlt hatte, setzte ich mich in den Schaukelstuhl. Das beruhigte mich etwas. Der Schaukelstuhl war leer und dennoch hatte ich das Gefühl, dass da jemand darin sass, wenn ich mein Gesicht fortwandte. Darum wollte ich den Platz einnehmen. So sass ich kurze Zeit, schaukelt© und dachte nach, während mein Auge unausgesetzt auf dem Revolver haftete, der vom Tische zu mir herüberblinkte. Ich dachte verwundert darüber nach, wieviel Stunden ich wohl noch auf diese Weise leben könnte, ehe ich wahnsinnig werden würde ... Da hörte ich wieder die Totenuhr. Diesmal erschrak ich nicht, obgleich der Laut ständig den Platz wechselte und um mich her summte wie ein zudringliches Insekt. Es war gerade so, als ob ein unsichtbarer Mensch um mich hertappte, ein Mensch, den ich nicht sah, dessen Taschenuhr ich aber hörte. Nun steht er hier... nun geht er langsam nach rechts, nun steht er wieder bei der Lampe still. Mir kommt es so vor, als ob einen Augenblick lang der Glanz meines Revolvers nachlässt, als ob ein Schatten auf ihn fällt, dann aber blinkt der Revolver wieder stählern wie vorher und ich höre die Totenuhr weiter entfernt. Nein, das erschreckt mich nicht im geringsten; im Gegenteil, ich werde ruhiger, denn ich kenne die Ursache, für diese Erscheinung. Warum legte Asbjörn Krag so besonderes Gewicht darauf, mich gerade in dieser Nacht zum eisernen Wagen und dem toten Fremden hinzuführen? Ich entsinne mich seines sonderbaren Geschwätzes unterwegs, wie er mich zwingen will, seinen Mitteilungen über das richtige Auftreten eines Mörders Gehör zu schenken. Wieder und wieder hat er mich an diesen Platz hinbringen wollen, wo man bloss jemanden einen Stoss zu geben braucht — eine ganz kleine, unerwartete Bewegung, um einen unbequemen Mitmenschen in die andere Welt hiniiberzubefördern ... Warum verliess er mich, als ich das Gesicht nach Osten wandte und auf den Laut zuging? Aul den Laut zuging ... nun erinnerte ich mich des Gebells wieder, und alle meine Sinne zitterten schreckhaft, wenn ich an das Echo dieser rauhen, schrecklichen Tierstimme dachte... Natürlich war es ein Hund auf einem der Höfe; ja, ich war dessen ganz sicher, aber trotzdem musste ich immer wie der an den getöteten Jagdhund des Forstmeisters denken. Ich sah ihn vor mir mit seinem langen, seidenweichen Haar und seinen grossen, verwunderten Augen. In diesem Augenblick konnte ich wohl verstehen, dass das Gebell von mir wie ein Ruf und eine Warnung: aufeefasst wurde! CFortsetzunz folstJ