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E_1930_Zeitung_Nr.031

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Ausgabe: Detitsche Schwetx. BERN, Freitag, 4. April 1930 Geiipe Liste Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 31 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „G»lb» Liste" Halbjihrüch Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter PortoJRi3chlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern lotern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche BOstellung 30 Rappen. Postcheck-Rechming III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Zur Alkoholrevision Automobilisten, stimmt Ja! Die Schlacht um die Alkoholrevision neigt sich dem Ende zu. Am 6. April wird nun das Volk sprechen. Wie, das ist die grosse und bange Frage, die sich alle Einsichtigen stellen. Eine ganz merkwürdige Schlacht ist geschlag-en worden. In vorderster Linie kämpften Mitglieder des Bundesrates. Die Herren Schulthess, Musy, Pilet, Minger traten mit der Wucht ihrer ganzen Persönlichkeit für den neuen Verfassungsartikel ein. Prominente Parlamentarier suchten das Volk aufzuklären, rührige Aktionskomitees waren ihrerseits an der Arbeit, zahlreiche Kongregationen und Verbände halfen mit aller Intensität mit. Dazu kam die Presse, die sich seit Wochen an die Aufklärungsarbeit gemacht hatte, geschickt und unverdrossen. Wem galt der Kampf? An der Oberfläche gesehen eigentlich niemandem. Kein Gegner zeigte sich. Tiefer geschürft galt der Kraftaufwand aber doch jemandem. Und dieser Jemand war diesmal ein gar unheimlicher Geselle, er bestand und war doch nirgends fassbar, er war spürbar und doch nicht sichtbar, dafür lebendig unter unserem Volke. Herumzubringen hält schwer, denn Misstrauen, Neid, Teufelssucht, Oppositionslust, Verneinungssucht, Freude am Laster und Queralantentum waren bis heute leider nicht aus der Welt zu schaffen. Diese Untugenden vereinigt, bilden eine starke Macht. Und man weiss ja, das Völklein spürt den Teufel nie, bevor er es am Kragen packt. Soweit sind wir erfreulicherweise noch nicht. Unser Volk ist nicht der Schnapspest verfallen. Aber Gefahren sind unverkennbar da. Sie rechtzeitig zu beseitigen, den Kampf aufzunehmen gegen alle negierenden Geister ist heute Pflicht aller Einsichtigen, aller Wohlgesinnten, aller währen Vaterlandsfreunde. Am 6. April gilt es einmal säubern Tisch zu machen, das Gestrüpp auszurotten und für aufbauende Arbeit in unserem Volksstaate den Weg freizulegen. Die Belastungsprobe unserer Demokratie muss gelingen. Das Zeugnis, das sich das Schweizervolk am 6. April vor der ganzen Welt ausstellt, muss makellos sein. Wir wollen sie nicht aufzählen, die zahlreichen Gründe, die für eine Annahme sprechen und welche die Revision unseres Alkoholregimes als eine-wirtschaftliche, ethische, soziale und fiskalische Notwendigkeit von selbst empfehlen. I I* 1. T O N Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (27. Fortsetzung) «Pst! Es scheint mir, als ob ich höre . . .> «Was hören Sie —?» Er antwortete nicht, sondern lauschte weiterhin, und nun kam es endlich, ein klagender wunder Laut, das war der Hund. Ich erhob mich so rasch aus dem Schaukelstuhl, dass es in dem altersschwachen Möbel knackte. «Ich kann dieses Hundegeheul nicht hören, oh ... dieses verdammte Geheul. Hören Sie das, Krag? Der Hund kann nicht weit fort sein !» Asbjörn Krag erhob sich nun ebenfalls und näherte sein Anlitz dem meinigen. Ich hatte die Empfindung, als ob er mir bald in die Augen fahren würde. «Kennen Sie den Hund?» fragte er. «Nein, aber hier wohnen ja mehrere Hundebesitzer.» «Ich habe nie zuvor hier solches Hundegeheul gehört,» sagte Asbjörn Krag. «Ich hörte den Hund schon, als ich hierher unterwegs war, und ich stutzte unwillkürlich. Als ich herausbekommen wollte, woher der Laut Aber in letzter Stunde erlauben wir uns ein Wort speziell an dich, Autler und Freund des Fortschrittes, zu richten. Die Vorlage geht dich nämlich nicht nur als Bürger, sondern auch als Automobilist an. Warum? Aus zweierlei Gründen hauptsächlich. Einmal ist es unser aller und gewiss auch dein Bestreben, bei der gewaltig zunehmenden Motorisierung der Strasse die Verkehrssicherheit zu heben. Das ist mit Signalen und Vorschriften, mit Verboten und Bestimmungen allein nicht getan. Dazu gehört vor allem der Mensch. Nicht nur der Automobilist, sondern speziell auch der Fussgänger. Und da haben wir Automobilisten vor allem alles Interesse, dass der schwankende und wankende Fussgänger von der Verkehrsbahn verschwinde. Wie viele Unglücksfälle sind durch Trunkenheit bedingt und wie leicht bringt der Teufel Alkohol den Autler vor die Schranken des Gerichts und zur Aburteilung — auch dann, wenn nicht er, sondern der andere die Schuld am Unglück trägt. Ein anderer Grund. Vor nicht langem hat die «A.-R.» über die Motortriebstofffrage geschrieben und auf das grosse wirtschaftliche Problem hingewiesen.. Bis] heufe ist es lediglich bei Versuchen geblieben. Die Versuche, aus Sprit einen hochwertigen Motorbetriebsstoff herzustellen, gelangen und befriedigten alle Fachleute — sie blieben aber Versuche. Die Grundlagen fehlten, um sie zweckentsprechend zu realisieren. Die Alkoholdirektion zeigte aus hier nicht näher auszuführenden Gründen für das Problem wenig Interesse. Die vorgesehene Revision dagegen schafft die Grundlagen zur Möglichkeit, Alkohol als Motortriebsstoff zu verwenden. Sie bringt uns somit der Verwirklichung des Problems wesentlich näher, sie schenkt uns das Rahmengesetz, innerhalb dessen die Motion Valloton realisiert werden kann. Die Möglichkeit, aus Alkohol Motortriebsstoff herzustellen, gibt anderseits der Alkoholdirektion ein Sicherheitsventil in die Hände, bei Vorhandensein grosser, anderweitig nicht zu verwendender Spritquantitäten diese auf ein sicheres Absatzgebiet abzuleiten. Sache des Gesetzes und der Ausführungsbestimmungen wird es sein, hierüber geeignete Bestimmunge aufzustellen. Damit glauben wir den Weg frei, um den Alkohol auch als Motortriebsstoff verwenden zu können. Die Möglichkeit, damit die wirtschaftliche und militärische kam, war mir dies unmöglich, denn er wechselte beständig den Platz.» « So,» flüsterte ich, « so heulen die Hunde, wenn jemand sterben soll.» Asbjörn Krag lauschte weiterhin. Nun ging das klagende, wunde Geheul in ein drohendes Gebell über. Asbjörn Krag packte mich am Arme. «Es ist ein Jagdhund,» sagte er. «Können Sie das hören?» «Ja, an der Stimme. Aber hier findet sich kein Jagdhund im Umkreise von Meilen, soweit ich weiss.» Ich fühlte nicht das Sinnlose in seinen Worten, denn mich hatte ein eigentümliches Grauen gepackt, das mich erzittern Hess, als er sagte: « Der Hund des Getöteten war auch ein Jagdhund.» « Ja, aber der ist erschossen», entgegnete ich. « Jawohl, weil man ihn nicht vom Grabe seines Herrn fortbekam. Er lag und heulte auf dem Grabe, um ihn wieder zum Leben zu erwecken. Ich kann mir denken, dass er geradeso geheult und gewinselt haben mag, wie der Hund, den wir jetzt hören. » Darauf erwiderte ich nichts. Kurze Zeit darauf sagte der Detektiv : « Denken Sie sich, lieber Freund, denken Unabhängigkeit unseres Landes gewaltig zu fördern, ist ein Moment, das niefft hoch genug eingeschätzt werden kann. Der Autler dürfte deshalb punkto Stellungnahme zum 6. April kaum mehr im Zweifel sein. Für ihn gibt es nur einen Entscheid: Mit einem kräftigen Ja der Verfassungsrevision zum Durchbruch zu verhelfen. Er hilft damit unserem Volke, unserer Wirtschaft, dem schweizerischen Automobil- und Verkehrswesen, er hilft mit an der Festigung unseres demokratischen Staatswesens und an der weitern Blüte unseres Gesamtvaterlandes! Das Katzenauge. « Turn tua res agitur....» 0 Auffällig oft hat das Bundesgericht einen Handel zu schlichten, in dem der Radfahrer gegen den Automobilfahrer auftritt. Weniger oft ist der Motorfahrzeuglenker der Klagende, und doch gibt es nach «Wallenstein » keinen Zufall! Wir mögen nicht von zweierlei Elle sprechen. Aber seit unsere Strassen von Automobilfahrern belebt werden, hat der wirtschaftlich Schwächere nicht bloss für die öffentliche Meinung einen Stein im Brett. Radfahrer und Automobilist Hand aufs Herz! Wer von uns Aütomobilfahrern war nicht schon nahe daran, nachts mit einem Radfahret von hinten zu kollir dieren? Wer trägt die Schuld? — Nach dem Konkordat ist ja immer der Automobillenker zu schnell gefahren- Absolvieren wir im Gegensatz dazu den Automobilisten, so wäre der Radfahrer der Schuldige. Eines ist so wenig richtig wie das andere. Nehmen wir aber nicht unsere Zuflucht zum Begriff der höhern Gewalt, sondern gestehen wir: es klafft eine Lücke in der eidgenössischen Gesetzgebung. Und ausserdem gehört der Radfahrer nicht auf die Ueberlandstrasse, sondern auf den Radfahrweg, der mit den in Bern versiegten Benzinmillionen der Strassenbenützer längst jede schweizerische Hauptstrasse sollte. IN SERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle odej deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenscbluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern säumen Das Leuchtzeichen als Sicherung. Aber machen wir uns mit solchen Sticheleien und Reminiszenzen zur verworfenen Sie sich einmal, wenn nur wir zwei diesen Hund hörten! Denken Sie sich, dass kein anderer lebender Mensch diesen Hund hört!? » Ich fühlte mich erschüttert, aber ich kämpfte meine Bewegung nieder und bemerkte- : « Es kommt mir vor, als wenn Sie es sind, der den Spuk heraufbeschwört.» Asbjörn Krag knöpfte seinen Rock zu. « Denken Sie darüber nach, was ich gesagt habe.» Es war auffallend, dass gerade.in diesem Augenblick der Hund zu bellen aufhörte. « Wollen Sie mich verlassen? •» « Ja, ich will heruntergehen, um nach dem eisernen Wagen und dem toten Passagier zu sehen. » Der eiserne Wagen und der tote Passagier waren mir ganz aus dem Sinne gekommen, so sehr hatte mich der Hund beschäftigt, aber nun packte mich dieses neue Geschehnis plötzlich. Der eiserne Wagen war gefunden und der Passagier war tot. « Wurde er auch erschlagen? » fragte ich. « Nein.» « So kam er durch einen Unfall ums Leben? » « Jawohl, gerade wie der alte Gjaernaes. Hier gibt es nur einen, der erschlagen wurde, und das ist der Forstmeister. > Strassenverkehrsinitiative nicht weiter verhasst und halten wir uns an das .Palliativmittel der notwendigsten Sicherung, die für Radfahrer und Automobilisten gleich wertvoll ist. Im Gesetzesentwurf, den die Ligue Routiere, der Einladung folgend, im Bundeshaus abgegeben hat, wird vorgeschlagen, es müsse jedes Fahrrad «hinten ein wirkungsvoll ange^ brachtes rotes Leuchtzeichen tragen». Im Kommentar zum Entwurf empfiehlt die Liga für die Vollziehungsverordnung, dass dieses Leuchtzeichen nicht in einer eigenen Lichtquelle, sondern in einer roten reflektierenden Linse, dem sogenannten « Katzenauge », be-< stehen müsse. Inzwischen haben einzelne Schweizer Kantone sich ihre eigenen Verkehrsordnungen geschaffen, und a. a. verlangt Baselstadt vom Radfahrer strikte die Führung des Katzenauges. Es verkehrt in Basel seit dem 1. Februar 1930 auch kaum ein Fahrrad ohne die-, ses Katzenauge; aber in einem grossen Pro-; zentsatz ist die Wirkung illusorisch! Keine Leuchtwirkung wegen falscher Befestigung. Nicht einmal auf zehn Meter wird das Licht des stärksten Scheinwerfers in vielen Fällen reflektiert: Schuld am Misserfolg ist aber nicht die rote Linse, sondern die mangelhafte Verfügung, die sich in keiner Weise um die Art der Anbringung kümmert. Bei der Lösung der neuen Fahrradnummern vergewisserte sich der Polizist: das Katzenauge ist da. Also wird die Nummer ausgehändigt. Es kommt aber, wie so oft im Leben, auch hier nicht bloss auf das Was?, sondern auch, viel mehr sogar, auf das « Wie?» an. Die meisten Radier haben ihr Katzenauge oben am hintern Schutzblech öder an der schrägen HinterracTstrebe des Rahmens derart angebracht, dass..die Achse in einem nach von* geneigten Winkel verläuft und das Lacht des Automobilscheinwerfers nicht nach rückwärts auf die Augen des Aütomobillenkers, sondern nach oben in den unendlichen Aether reflekn tiert wird — dans Ganze so zwecklos wie möglich. Und dann kommen die Superklugen und verlangen vom Radfahrer, er müsse hinten eine eigene Lichtquelle führen, ein lichtschwaches Birnlein, das bei der leichtesten Verschmutzung überhaupt nicht mehr leuchtet, — was durchaus keine neue Erfindung ist, sondern vor zwei Jahrzehnten in England vorgeschrieben war, aber längst wieder aufgegeben und ersetzt wurde durch die Vorschrift für ein richtig angebrachtes Katzenauge. Und der schweizerische , Radfahrer, der sich ein englisches Rad zulegt, kauft da« mit zugleich ein in der Fabrik montiertes Katzenauge, das auf der Senkrechten am Schutzblech montiert ist und seinen Zweck in geradezu idealer Weise erfüllt. Die Wirkung richtig angebrachter Katzenaugen ist verblüffend. Wie ein richtig angebrachtes Katzenauge wirkt, das weiss jeder Automobilfahrer, der sich seit drei Vierteljahren auf deutschen « Sind Sie dessen noch immer so sicher? * « Ja. Er wurde in einer Nacht wie dieser getötet, als graue Wolken am Himmel dahinflogen. » « Sie sind heut© abend tragisch, Asbjörn Krag.» Der Detektiv lächelte. «Im Grunde genommen habe ich viel von einem Lyriker, von einem Lyriker des Schreckens. Gehen Sie mit? > Ich dachte einen Augenblick nach. Sollte ich mitgehen oder sollte ich zurückbleiben? Es kam mir vor allen Dingen darauf an, dass der Detektiv nicht den Eindruck bekam, als ob ich Angst hätte. « Es scheint mir eigentlich sinnlos», äusserte ich, «dass ich nun noch eine Lcich« zu sehen bekommen soll, aber ich kann Sie gern begleiten, denn der eiserne Wagen interessiert mich. Haben Sie ihn schon gesehen? » , « Jawohl.» « Waren, Sie überrascht?» « Nein, es war alles gerade so, wie fch es mir in den letzten Tagen gedacht hatte. « Glauben Sie, dass ich überrascht sein werde? » « Jawohl; gehen Sie mit? » « Ja, ich gehe mit.» (Fortsetzung folgk)