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E_1930_Zeitung_Nr.036

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Atisgabe; Deutsche Schweiz BERN, Mittwoch 23. April 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 36 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoaaischlag, sotern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung SO REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon BollwerK 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Der Bau von Strassen schafft Reichtum (Schluss.) Im Jahre .1919 führte der Bundesstaat Oregon eine neuartige Steuer auf den Verbrauch von Benzin ein. Sie betrug ein Cent pro Gallone. Fast unmittelbar danach übernahmen auch andere Bundesstaaten dieses Besteuerungsverfahren, und heute wird in jedem Staate der U. S. A. eine Benzinsteuer erhoben. Der anfänglich gültige Zollsatz von einem Cent ist allmählich erhöht worden. In manchen Fällen werden bis zu 5 Cents erhoben, in einem Bundesstaate sogar 6 Cents. Man ist allgemein der Ansicht, dass 5 Cents pro Gallone ein Maximum bedeutet, welches nicht überschritten werden kann, ohne eine fühlbare Belastung der Fabrikanten sowie der Verbraucher von Benzin hervorzurufen, und ohne indirekt zu veranlassen, dass die eingegangenen Mehreinnahmen zu anderen Zwecken als zum Strassenbau verwendet werden.*) Die Benzinsteuer ist das sicherste und das gerechteste Mass für die Strassenbenützung. Von allen Gesichtspunkten aus betrachtet, hat sich diese Steuer als populär erwiesen, soweit man von der Popularität einer Steuer überhaupt reden kann. 'Sie hat den grossen Vorzug, dass sie vom Automobilbesitzer nur für den Gebrauch gezahlt werden muss, den er tatsächlich von der Strasse macht. Infolgedessen wirkt sie nicht abschreckend auf die Verwendun von Motorfahrzeugen, so wie es unter Umständen bei Erhebung von direkten Steuern, die in längeren Zwischenräumen periodisch gezahlt werden müssen, der Fall sein kann. Sie ist ein ziemlich zuverlässiges *) Eine Gallone misst bekanntlich 4.54 Liter; hierauf erheben die Amerikaner eine Steuer von 5 Cents, also etwa 26 Rp. Nach amerikanischem Urteil wäre die Stellerbelastung des Benzins mit zirka 5 Rp. pro Liter das Maximum des wirtschaftlich Tragbaren. Dieser Auffassung steht die Tatsache des schweizerischen Automobilzolls mit 23 Rp. per kg, d. h. etwa 20 Rp. per Liter gegenüber ! Unser kleines Land ladet also dem Automobilisten die vierfache Last auf wie der Amerikaner, ausserdem noch die direkte Automobilsteuer, die je nach Kanton auch noch etwa die Hälfte des hiesigen Benzinzolls ausmacht. Der Amerikaner aber verwendet die Benzinsteuer restlos für Strassenzwecke, in der Schweiz kommt nur ein Viertel dieses Erträgnisses den Strassen zugut. Diese beiden Vergleiche zeigen den ganzen Unsinn dieser verkehrswirtschaftlichen Entgleisung, die letzten Endes eben eine grosse Verteuerung der Lebenshaltung bedeutet. FEUILLETON Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (32. Fortsetzung) « Dieses Telegramm erregte zuerst meine Aufmerksamkeit >, fuhr Asbjörn Krag fort; «hören Sie, was ich selbst telegraphiert habe.» Asbjörn Krag las weiter, indem er eine deutsche Zeitung aus dem Paket herauszog: «Von einem zufälligen Korrespondenten haben wir ein© Mitteilung erhalten, die in weiten Kreisen Trauer und Bedauern erwecken wird, falls sie sich als richtig erweisen sollte. Diese Mitteilung lautet: Gestern nacht ist der Luftschiffer Doktor Brahms verunglückt, der seit einiger Zeit unbemerkt seine Flugversuche hier in der Gegend betrieben hat. Durch eine sinnreiche Ausnutzung der Luftströme war er dem Problem der motorlosen Flugmaschine sehr nahe gekommen. Er betrieb seine Versuche in der tiefsten Verborgenheit und sie waren bereits so weit gediehen, dass die Maschine selbst bei sehr stillem Wetter sich erheben und fortbewegen konnte. Die Maschine stiess während eines nächtlichen Versuchs an ein Hindernis und fuhr geradewegs ins Meer, da sie das Steuer verlor. Ein Bergungsboot ist zu Hilfe gerufen worden, um die Maschine vom Meeresboden heraufzuholen.» « Da haben Sie das ganze Rätsel», schloss der Detektiv. Mass für die Benützung beziehungsweise Abnützung der Strasse, da die schweren Wagen mehr Benzin verbrauchen als die leichteren Typen. Sie lässt sich leicht einziehen, INSERTIOXS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odef deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inseiate nach Seitentaril. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern werden sie durch periodisch vorgenommene der erforderliche Verwaltungsapparat arbeitet billig, und während die Belastung pro 6. Die bundesstaatliche Regierung und dieVerbesserungen den Ansprüchen des wachsenden Verkehrs angepasst. Automobil gering geblieben ist, hat ihr Gesamtaufkommen eindrucksvolle Ziffern er- Verwaltungen der einzelnen Staaten haben die Verpflichtung, für die Finanzierung aller 9. Die befriedigende Instandhaltung der reicht. Strassenbauten zu sorgen, die nicht nur rein Landstrassen ist eine Vorbedingung für den örtlichen Interessen dienen. In vielen Bundesstaaten werden ihre Erträgnisse teils zur Instandhaltung der be- Erfolg eines jeden Bauprogramms. 7. Alle Verbesserungen und Bauten sollten Das Wichtigste ist die Erkenntnis, dass der stehenden Strassen verwendet, teils zur Tilgung ausstehender Obligationen, die für die auf Grund eines allgemeinen, nach rationellen Grundsätzen entworfenen Verkehrsplanes Aufgaben stellt, die es nicht zu bewältigen moderne Strassenbau kein einziges Land vor Anlage neuer Chausseen ausgegeben worden ausgeführt werden, um den systematischen vermag. Die in den Vereinigten Staaten gesammelten Erfahrungen bestätigen es. Kein sind. Ausbau des Netzes der Hauptverkehrsstrassen in allen Landesteilen zu gewährleisten. Land kann unter den heutigen Lebensbedingungen ohne zweckentsprechende Strassen Auf Grund meiner Ausführungen lassen 8. Jedes Strassenbauprogramm sollte so sich gewisse endgültige Schlussfolgerungen entworfen sein, dass schon in den Anfangs- und ohne Automobilverkehr auskommen. ziehen, die gewissermassen als die Quintessenz der im Strassenbau der Vereinigten Staaten gesammelten Erfahrungen angesehen werden können. Neue Verkehrsverordnung des Kantons Bern 1. Im täglichen Leben von heute bildet der Strassenverkehr einen Faktor von wesentlicher Bedeutung. in. 2. Verbesserungen des Strassennetzes kommen direkt oder indirekt stets dem ganzen Volk zugute. Ihre Finanzierung aus den Erträgnissen allgemeiner Steuern ist daher gerechtfertigt. Die Kosten des Strassenbaues sollten so lange aus den gewöhnlichen Steuereinkünften gedeckt werden, bis sich der Automobilverkehr soweit entwickelt hat, dass ergänzende Sondersteura auf Motorfahrzeuge eingeführt werden können. 3. Die Automobilisten geniessen durch die Verbesserung des Wegenetzes besondere Vorteile, so dass die Erhebung ergänzender Sondersteuern auf Besitz und Gebrauch von Motorfabrzeugen als durchaus berechtigt gelten kann, falls der Ertrag dieser Steuern ausschliesslich für den Strassenbau verwendet wird. Diese Sondersteuern dürfen jedoch keine übertriebene Belastung des einzelnen mit sich bringen. 4. Die Benzinsteuer ist die einfachste und gerechteste Form der Automobilbesteuerung. Zur Ausführung eines Bauprogramms, welches den Anforderungen des modernen Verkehrs gerecht wird, sollte man jedoch nicht allein auf die Erträgnisse dieser Steuer angewiesen sein. Mir erschien das Ganze äusserst merkwürdig. Wenn ich nicht mit eigenen Augen die zertrümmerte Flugmaschine gesehen hätte, wäre mir der Bericht kaum glaubhaft vorgekommen. « Wenn Sie sich den Sachverhalt überlegen », fuhr Asbjörn Krag fort, «müssen Sie sich darüber wundern, wie einfach sich nun alles aufklärt. Der rätselhafte eiserne Wagen ist verschwunden. Jetzt verstehen Sie, woher der Lärm kam, und begreifen auch den unglücklichen Zufall mit dem alten Gjaernaes. > «Und auch den mit dem Forstmeister.» Der Detektiv zog die Stirn kraus. «Durchaus nicht», erwiderte er. « Ich habe Ihnen ja schon gesagt, dass der Forstmeister erschlagen wurde.» « Das dürfte Ihnen schwer fallen zu beweisen. » « Ja, es ist recht schwer», brummte Asbjörn Krag nachdenklich, « aber schliesslich wird es mir doch glücken.» « Vielleicht erfordert es viel Zeit», warf ich ein. «Für andere ja, aber nicht für mich.» «Sie sind kühn in Ihren Behauptungen, lieber Krag. Wieviel Zeit wird noch vergehen, bis Sie hintreten und auf den Mann zeigen können ? » / Der Detektiv sah gen Himmel, gerade als wollte er seine Weisheit von dort holen. « Zwölf Stunden », versetzte er. « Aber sind Sie auch sicher, dass Sie dann den Richtigen treffen ? » I 5. Der Nutzen von Strassenbauten ist für die gesamte Wirtschaft so gross, dass ihre Finanzierung durch Aufnahme von Anleihen, das heisst durch eine nachträgliche Heranziehung von Steuereinkünften zur Deckung der Baukosten weniger kostspielig ist, als wenn man den Versuch machen wollte, mit den laufenden Steuereinnahmen auszukommen. « Vollkommen sicher.» « Und Sie werden ihn mir zeigen ? » «Ja », erwiderte der Detektiv, wobei er mir einen seltsamen Bück zuwarf, «wenn Sie ihn denn durchaus zu sehen wünschen.» Er ist also nicht tot?» fragte ich. «Nein, noch lebt er.» Wir spazierten denselben Weg zurück, auf dem wir gekommen waren. Ich drang in Asbjörn Krag und wollte ihn über den Mörder ausfragen, aber er antwortete ausweichend. Ich studierte sein Gesicht sehr genau; es kam mir so vor, als läge darin ein müder und abgespannter Zug. Er war sicher blasser geworden — an den Schläfen und längs des Haarrandes war seine Haut weiss. Offenbar musste er in letzter Zeit angestrengt geistig gearbeitet, vielleicht auch nachts viel gewacht haben. Aber wie sah ich selbst aus? Ich hatte seit Tagen nicht mehr ruhig geschlafen und fühlte, dass meine Augen brannten und meine Lippen bebten. Meine Nerven waren vollkommen verbraucht. Oh, wie sehnte ich mich nach einer langen Ruhe! Aber nun sollte die Sache ja bald zu Ende kommen. Morgen ging das Schiff; ob der Detektiv nun Erfolg hatte oder nicht, ich wollte jedenfalls diesen entsetzlichen Ort morgen verlassen. Unterwegs kam der Detektiv wieder darauf zurück, dass sich die ganze Sache von Anfang an nur so rätselhaft angelassen hätte, weil drei verschiedene Dinge miteinander verknüpft waren. «Wenn es mir nicht gelungen wäre, diese stadien gewisse Erleichterungen für den Verkehr geschaffen werden können. Dies lässt sich am besten durch eine stufenweise Verbesserung des Strassennetzes erreichen, Nach dieser Methode werden die Chausseen zuerst nur so gebaut, beziehungsweise soweit verbessert, dass sie den schon vorhandenen Verkehr aufnehmen können. Erst später Regelung des Verkehrs. Der zweite Teil der Verordnung enthält allgemeine Fahrvorschriften für alle Fahrzeuge und die Zeichengebung der Führer und Verkehrsposten. Im grossen ganzen bleibt die örtliche Regelung des Verkehrs den Ortspolizeibehörden vorbehalten. Die Vorschriften bedürfen dagegen der Genehmigung des Regierungsrates, welcher dafür sorgen wird, dass auch für den örtlichen Verkehr soweit möglich die Einheitlichkeit der Vorschriften gewahrt Werbe. In Art. 53 wird der Führer eines Fahrzeuges dazu angehalten, auf alle Strassenbenützer Rücksicht zu nehmen und alles zu vermeiden, was Anlass zu einem Unfall geben könnte. Insbesondere ist die Führung eines Fahrzeuges in übermüdetem, angetrunkenem oder betrunkenem Zustande untersagt. Ebenfalls ist jedes unnötige Geräusch verboten. Leider fehlt die nähere Begriffsbestimmung dieses sonderbaren Ausdruckes. Zu begrüssen ist, dass auch das Lenken eines Handwagens mit den Beinen, das Loslassen der Lenkstangen während der Fahrt verboten wird. Art. 54 bestimmt, dass der Führer eines Fahrzeuges dessen Bewegung jederzeit beherrschen soll. Die Geschwindigkeit der Bewegung darf nie grösser sein als der auf der Fahrbahn zur Verfügung stehende Raum vor, hinter oder neben dem Fahrzeuge, unter Berücksichtigung der Beschaffenheit des Fahrzeuges und der Strasse, insbesondere der Bremsmöglichkeit ohne Gefährdung von Personen oder Sachen gestattet. Damit ist die Geschwindigkeitslimite freigegeben worden, allerdings unter Vorbehalt des veralteten Konkordates. Wir nehmen aber mit Bestimmtheit an, dass sich die Polizeidirektion und ihre Organe an die Bestimmung dieses Artikels halten und diejenigen des Konkordates definitiv begraben werden. Von den Alarmapparaten ist ein Zweck-* massiger Gebrauch zu machen. In Städten und Ortschaften sollen Führer von Motorfahrzeugen nur das vorgeschriebene Hörn benützen. Der rücksichtslose Gebrauch der Alarmapparate, namentlich zur Nachtzeit, ist verboten. Auch diese Bestimmung atmet einen fortschrittlicheren Geist, als wir dies bisher von den Behörden gewohnt waren. Als selbstverständlich betrachten wir den Inhalt des Art. 56, der die Automobilisten auffordert, auf Strassenbenützer, die Zeichen von Unsicherheit geben, auf ältere und ge- verschiedenen Vorkommnisse voneinander zu trennen,» sagte er, «so würde ich womöglich auch jetzt noch immer im Dunkeln tappen.» Das gab mir Gelegenheit, wieder des Mordes Erwähnung zu tun. Ich fragte: «Sie sagten mir schon vor längerer Zeit, dass Sie hintreten und auf den Verbrecher zeigen könnten. Wenn Sie Ihrer Sache so sicher waren, warum haben Sie den Mann nicht schon längst festgesetzt?» «Weil mir die Beweise fehlten. Ich wiederhole, dass ich in dieser Angelegenheit mit ganz ungewöhnlichen Mitteln gearbeitet ha^ be.» Der Detektiv blieb stehen und sah micti blinzelnd an. «Ich habe gewartet, bis die Frucht reif war», sagte er. «Und nun ist sie reif? » «Bald, in wenigen Stunden; sie fällt mir dann geradeswegs in die Hände.» Wir waren inzwischen zum Hotel gekommen, das hell in der heissen Luft leuchtete, da die Sonnenstrahlen auf der rotgestreiften Markise tanzten. «Ich verstehe vollkommen, dass Sie gespannt sind », fuhr der Detektiv fort, « aber vor heute abend werden Sie nichts erfahren. » Ich bat ihn um eine nähere Zeitangabe. Er dachte nach und rechnete. * Um 10 Uhr», sagte er schliesslich. «Sehr wohl. Soll ich Sie dann Im Hotel aufsuchen? » « Ja.» Fortsetzung siehe Autler-FeierabendL