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E_1930_Zeitung_Nr.040

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 6. Mai 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 40 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10 . Im Ausland unter PortOJKischlag, solern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Rappen. Postchecfc-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Die Schiene der Zukunft Bleibt die Schweiz die internationale Drehscheibe des Verkehrs? Die «Automobil-Revue» hat schon zu Dutzend Malen Gelegenheit gehabt, auf die Anstrengungen der uns umgebenden Länder punkto Strassenbau hinzuweisen. Im Zeitalter der Eisenbahn, da das Schlagwort der Schweiz als Drehscheibe akut war und es sich auch darum handelte, ob unser Land vom grossen internationalen Verkehr umfahren werden sollte oder ob es dem kleinen Land gelingen werde, das historisch alte Durcbgangsland zu bleiben, 'da durchbrach die Technik den Gotthard und die damalige internationale, Schiene war durch die Schweiz gelegt. Die Zeiten ändern sich, und neben die Bisenbahn ist die Strasse getreten. Das Problem ist aber das gleiche geblieben. Vorzugsstellung der Schweiz. Es handelt sich auch heute darum, ob die Schweiz die internationale Drehscheibe des Verkehrs bleiben wird oder ob diese Vorzugststellung von einem unserer Nachbarländer eingenommen werden soll. Wir wissen, dass ganz besonders das Italien Mussolinis keine Anstrengungen und keine Kapitalien scheut, um sich ein vorzügliches Autostrassennetz auszubauen, das sich weit hinein in die Alpen erstreckt. Es sucht ohne Zweifel sich eine internationale Verbindungsstrasse zu sichern, auf der es soweit als möglich auf eigenem Boden nach Norden dringen kann. Nicht umsonst ist ihm als Frucht des Weltkrieges das Südtirol in die Hände gefallen. Neben andern Motiven war dem Lande ganz sicher der Brenner ein Hauptanziehungspunkt sowohl für seine Eisenbahn als auch für seine Strassenpolitik. Italien baut die Brennerstrasse aus. Die Brennerstrasse hat bis zum heutigen Tage eigentlich keine Rolle gespielt. Das Gefälle und die drangvoll fürchterliche Enge der Strasse in der Gegend von Gossensass legte den Verkehr auf dieser Strasse lahm. Italienische Initiative und Unternehmungsgeist beabsichtigen nun aber auch hier Wunder zu schaffen. Italien ist bereit, in grosszügiger Art und Weise die ganze Durchgangsroute von der Veronerklause bis zum Brenner korrigieren zu lassen, auch unten t) I L TON Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (36. Fortietzung) Endlich stand ich auf dem steinbedeckten Abhang, der auf den Weg hinaufführte. Ich hielt mich an einem Weidenbusche fest, der über und über mit Tau bedeckt war, schwang mich empor, bekam einen Baumstamm zu fassen und dann wieder einen Weidenbusch; endlich klammerte ich mich an einen mächtigen Stein, der sich fast aus seiner Umgebung gelöst und mich auf gewaltsamer Fahrt ins Meer mitgenommen hätte. Ich stemmte mich gegen ihn mit den Knien und fühlte, wie mir die Haut aufsprang und sie von dem austretenden Blute klebrig wurden. Aber nun hatte ich ja nicht mehr weit bis auf den Weg. Ich löste meinen umklammernden Griff von dem Stein; er blieb liegen. Heilsfroh war ich, als ich die Finger in einige Himbeersträucher einkrallen konnte. Nun war ich ganz oben, am ersten Prellstein; da klammerte ich mich mit den Händen fest an seine scharfen Kanten, so dass sich die Nägel an den Fingerspitzen bogen. Ein leichter Schwung des Körpers, und ich wäre oben gewesen. Hallo! Ich hörte Schritte. in der Gegend von Trient Hunderte von Händen arbeiten bereits am Umbau, dessen Kosten sich auf 50 Millionen Lire veranschlagen sollen. Wir wissen nicht, wie weit unsere Behörden über diese Anstrengungen Italiens auf dem laufenden sind. Jedenfalls dürften sie für uns alle ein Fingerzeig sein. Und unsere Schweizer Projekte ? An Projekten fehlt es bei uns nicht. Mit aller Einlässliohkeit haben wir bereits früher auf den Ausbau des Segnespasses, auf den Ausbau der Sanetsch-, der Pragel- und der Sustemstrasse hingewiesen, ohne dass es je einen Schritt vorwärtsgegangen wäre. Wir haften an unserer Eisenbahnschiene und können uns nur mit Mühe von ihr trennen. Vielleicht erfolgt das Erwachen zu spät. An finanziellen Mitteln zum Ausbau einer grossangelegten Durdhigangsstrasse würde es uns eigentlich durch die Erträgnisse des Benzinzolles nicht fehlen. Allein, diese Gelder sind vom eidgenössischen Staatsfiskus zum grössten Teil in Beschlag genommen worden und dienen heute andern Zwecken. Es ist ganz klar, dass die Kantone mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln Mühe haben, ihre Alpenstrassen notdürftig instandzuhalten, geschweige denn an einen weitern Ausbau heranzugehen. Seit 1901 keine neuen Passstrassen mehr. Es ist wirklich bemühend, wen wir daran denken, dass seit, dem Jahre 1901 keine, durchgehende schweizerische Alpenstrasse mehr erbaut wurde. Es betraf dies den Umbrail. Seit 30 Jahren somit hat man in dieser wichtigen Frage die Hände in den Schoss gelegt, während rings um uns eine Alpenstrase nach der andern erstellt wird. Die Tatsache jedenfalls ist recht interessant, dass zur Zeit, da die Automobile keinen Rappen an Abgaben bezahlten, der Bund es vermochte, viele Millionen als Subventionen an den Bau von Alpenstrassen beizusteuern. Heute, da der Benzinzöll seine 32 Millionen Franken abwirft, versahwinden diese zu drei Viertel in den Bundessäckel, um andern Zwecken dienstbar gemacht zu werden. Die Alpenkantone brechen unterdessen unter ihrer. Strassenlast fast zusammen. Soll" die Schweiz als Verkehrsdrehscheibe ausgeschaltet werden ? Der Gang der Entwicklung in den uns umgebenden Alpenländern und das eigene Schritte! — Mein Herz arbeitete wie ein vom Sturme geschüttelter Baum. Nie zuvor habe ich die Furcht so deutlich und fühlbar kennengelernt. Es war gerade, als ob sie die ganze Kraft meiner Muskeln zum Schwinden brächte und meine gespannten Sehnen erschlaffen Hesse. Schritte hörte ich im Dunkeln, eilige Schritte, die den Weg entlangkamen. Gerade vor mir stand eine grosse feuchte Felswand, von der es heruntertropfte, ein gewaltiger , kohlschwarzer, dunkler Schlund, der jeden Lichtschimmer erstickte. Und in dem Schlagschatten dieser Felswand erklangen oben am Wege Schritte. Nicht eine Spur des Fussgängers konnte ich wahrnehmen. Nun kam er näher, er ging merkwürdig fest und trat mit den Fussohlen hart auf. Während die Schritte an mir vorbeikamen, glaubte ich aus dem Auftreten der Füsse zu erkennen, dass da zwei Männer gehen müssten. Weiter oben führte der Weg im Bogen um den Berg. Ich konnte sehen, wie sich seine flache Rundung gegen den Horizont und den grauen Himmel abhob. Gespannt starrte ich auf diesen Punkt, denn ich wusste,dass die Fussgänger hier sichtbar werden mussten. Gleich darauf sah ich die beiden — es waren zwei. Zuerst erblickte ich ihre Hüte, dann ihre Gestalt. Sie sprachen nicht miteinander, sondern gingen im Takte wie zwei dunkelgekleidete Soldaten über den Weg. Ihre Hosen waren um die Knöchel gebunden. Es waren die beiden Radfahrer, die mit dem Dampfboot am Vormittag an- > Nichtstun mahnen zum Aufsehen. Das Erwachen und die Erkenntnis verpasster Gelegenheiten könnte zu spät kommen. Wir erachten es deshalb als unsere Pflicht, unsere Bundesbehörde und unsere Vertreter in den eidgenössischen Räten neuerdings auf dieses wichtige Problem hinzuweisen. Leicht könnte der Fall eintreten, dass eine spätere Generation die Schuld an der einsetzenden Umfahrung der Schweiz auf die gegenwärtig verantwortlichen Männer abwälzen müsste. Wer von ihnen möchte diese Verantwortung tragen in einem Augenblicke, da vielleicht nicht nur in volkswirtschaftlicher, verkehrspolitischer, sondern auch in militärpolitischer Hinsicht es unsern Behörden wie Schuppen von den Augen fallen müsste, an einer dem Es dürfte kaum für ein Klausenrennen so viel Tinte geflossen sein, wie für das diesjährige. Das seinerzeit bestellte Organisationskomitee hatte möglichst frühzeitig, es war Ende Januar 1930, seine Vorarbeiten aufgenommen, um auch diesmal dem Grossen Bergpreis der Schweiz eine einwandfreie Organisation und besten Erfolg zu sichern. Es kamen dann die langwierigen Verhandlungen mit Uri, wo man Forderungen für Vergnügungs- und Reklamesteuern geltend machte, die bis 1929 nie erhoben wurden, trotzdem die bezüglichen Erlasse schon seit etlichen Jahren in Kraft bestanden. Es stimmt daher nicht, dass, wie der Regierungsrat des Kantons Uri an seine Glarner Regierungskollegen schreibt, er sich an diese Verordnungen halten müsse. Man hat sich nämlich auch 1922 bis 1929 nie daran gehalten und diese Ansprüche nie geltend gemacht. Unrichtig ist auch, dass dem Kanton Uri mindestens 1500 Franken an solchen Vergnügungssteuern zukommen, denn an den Einnahmen von den auf Glarner Boden postierten Zuschauern — und es sind dies etliche Tausende — hat der Kanton Uri kein Anrecht. Man wird es daher dem Organisationskomitee und dem Zentralvorstand des A. C. S. nicht verargen dürfen, wenn sie an ihrem prinzipiellen Standkunkt nach wie vor festgehalten haben und das Klausenrennen 1930 letzten Endes nur durch das verdankenswerte finanzielle Entgegenkommen der Einwohnergemeinde Altdorf, die mit grosser Einsicht den Wert des Rennens für das Land Uri erkannt hat, gekommen waren. Nirgends waren (sie den ganzen geschlagenen Tag zu sehen gewesen, man ahnte nicht einmal ihre Anwesenheit. Es kam mir seltsam vor, dass sie- auf diese Weise hier auftauchten, und wie sie da so schweigend und stramm einhergingen, kamen sie mir wie zwei Tote vor, sie verschwanden eilends hinter der Felswand, die plötzlich den Laut ihrer Schritte dämpfte. Ich müsste ein wenig liegen bleiben und mich von der Angst erholen, aber bald war ich wieder beruhigt, denn sie hatten mich nicht gesehen." Ich wartete eine Minute, schwang mich rasch auf den Weg und glitt sogleich hinüber an die Felswand in die dichte Finsternis unterhalb des Berges. Auf diese Weise hatte ich glücklich den Weg zwischen den Häusern vermieden, wo ich, wie ich wusste, jederzeit Gefahr laufen müsste, Menschen zu treffen. Nun hatte ich nur noch wenige Schritte hinab zu den grossen Bäumen, bei denen Asbjörn Krag wartete. Still ging ich hinunter. Ich hatte mir noch nie so verzweifelte Mühe gegeben, lautlos zu gehen. Endlich stand ich unter den Bäumen. Wo war der Mensch? Ich fühlte eine fürchterliche, erdrückende Stille um mich. Weder konnte ich infolge der Dunkelheit etwas sehen noch auch irgendeinen Laut in der Nähe oder aus der Ferne hören. Nicht einmal die Zweige bewegten sich, die schweren Baumkronen erschienen erstarrt und verkohlt — ich hatte ein Gefühl, als ob ich mich in einer Grabkammer befände. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grandzeile ode* deren Raum 45 Cts. tür die Schweiz; lür Anzeigen aus dem Ausland €0 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen äer Nummern ganzen Lande dienenden Aufgabe geschlossenen Auges vorübergegangen zu sein ? Eine wichtige Frage an unsere Behörden. Mit dem Frisieren von Staatsbudgets und Staatssäckeln allein ist es nichts getan. Mit der Erfüllung rein innerpolitischer Aufgaben ist die Aufgabe unserer Staatsmänner nicht erfüllt. Nur zu leicht laufen wir Schweizer Gefahr, den Blick nicht über den Kirchturm werfen zu können. Wir halten es an der Zeit» dass man sich auf diese grosse Frage des Ausbaues unserer Alpenübergänge besinne» Die Frage sei hiermit gestellt: Wie lang« noch wird es gehen, bis eine weitsichtig« Verkehrspolitik den Anstoss zur Erfüllung dieser unbedingten Notwendigkeit führt? D Das Klausetirennen 1930 Drei Monate intensive Vorbereitungen gesichert worden ist. Und zwar im allerletzten Moment! Es darf nicht verschwiegen werden, dass das Verhalten von Regierung und Korporation Uri gerade in den Kreisen, die sich nun seit 1922 Jahr für Jahr für die Durchführung des Rennens zur Verfügung stellten und hiebei grosse Opfer an Zeit und Geld — ein Moment, das viel zu wenig beachtet wird — gebracht haben, eine gewisse Organisationsmüdigkeit und Antipathie hervorgerufen hatte, die sich schliesslich in der einstimmigen Demission des Organisationskomitees aus-* wirkte. Nur dem guten Willen des Vorstandes der Sektion Zürich des A. C.S. ist es schliesslich zu verdanken, wenn dann der Grossteil dieser Mitarbeiter, und zwar unter vielen Bemühungen, sich wieder für das weitere Mitmachen bereitgefunden hat und in der Person des Sektionspräsidenten Herrn Heinrich Hürlimann ein neuer Rennleiter gefunden werden konnte. Bei denjenigen Herren, die ihre Mitarbeit nicht mehr zur Verfügung stellen konnten, waren übrigens keineswegs irgendwelche Gründe der Abneigung gegen das Klausenrennen massgebend, sondern vielmehr berufliche Erwägungen, die anerkannt werden müssen. Man darf nicht übersehen, dass für die Vorbereitung des Rennens nur noch drei knappe Monate zur Verfügung stehen und dass man nun mit Volldampf an die Arbeit herantreten muss, wenn der Erfolg doch noch sichergestellt werden soll. Dazu bedarf es grosser persönlicher Opfer besonders derjenigen Komitee- Aber endlich sah ich das Gesicht. Plötzlich tauchte dicht vor meinem eige» nen das bleiche, knöcherne Antlitz des De* tektivs mit dem vortretenden Kinn und den dünnen Lippen auf. Seine Augen schimmerten durch die Gläser des Kneifers. Er war plötzlich gekommen, Gott mag wissen woher, als hätte ihn die Finsternis ausgespien. Vielleicht war er mir nachgegangen ? ! Der Gedanke machte mich erbeben. Plötzlich vermochte ich kein Wort hervorzubringen; ich war meiner Stimme nicht sicher. Gerade in diesem Augenblicke war ich ganz ruhig, aber, Gott im Himmel! ich fühlte, dass die Erregung nur darauf lauerte, mich zu überfallen und zu überwältigen. ... Eine Ewigkeit schien es mir zu währen, ehe ich die Stimme des Polizeimannes vernahm. Endlich sagte er: «Ich habe lange gewartet! > «Ich habe Sie im Hotel gesucht», erwiderte ich, «und mehrere Minuten in Ihrem Zimmer gewartet.» «Lassen Sie uns gehen.» Der Detektiv ging einige Schritte längs des Bergweges, ich folgte ihm vorsichtig wie zuvor. Mit einem Male erriet er, woran ich dachte. « Sie können so gehen, wie Sie es sonst zu tun pflegen », sagte er, «hier treffen wir keinen Menschen in der Nähe.» « Wissen Sie das genau ? » Fortsetzung siehe Autler-Feierabend,