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E_1930_Zeitung_Nr.034

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Montag 14. April 1930 Autle?-Ostern Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N» 34 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und IWl IVWIll dllllWI WJwwl I ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb« liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozoseblag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 ' Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Neue Verkehrsverordnung des Kantons Bern Von jedermann, ganz besonders von den Automobilisten zu begrüssen sind die Artikel 26 bis 42, welche nun auch die bespannten Fuhrwerke, das Vieh und die Viehherden gewissen einschlägigen Bestimmungen unterstellen. Von den bespannten Fuhrwerken wird verlangt, dass sie sich in betriebssicherem Zustande befinden und dass ein jedes mit Ausnahme der von Menschen bewegten Kleinwagen (Rollstühle, Kinderwagen, Handwagen) mit einer wirksamen, für die Strasse unschädlichen Bremsvorrichtung versehen sein müssen. Warum Hundeiuhrwerke und fahrbare landwirtschaftliche Geräte, wie Pflüge und Nähmaschinen, davon ausgeschlossen sein sollen, ist uns allerdings nicht recht begreiflich. Radschuhe mit Kritzringen, Kritzketten oder ähnlichen Vorrichtungen dürfen nur bei Schnee, Glatteis oder bei Notfällen verwendet werden. Jedes zum Verkehr auf der öffentlichen Strasse bestimmte Fuhrwerk muss mit der festen Deichsel versehen sein. Bei Dunkelheit und starkem Nebel wird sämtlichen Fuhrwerken einschliesslich der zum Transport von Lasten dienenden Kleinwagen mindestens ein hellbrennendes Licht vorgeschrieben, das am vorderen Teil des Fuhrwerkes auf der linken Seite angebracht sein. miiss,..und zwar so, dass der Lichtschein von. entgegenkommenden und überholenden Fahrzeugen leicht bemerkt werden kann. Bei mehr als sechs Meter langen Fuhrwerken, sowie bei zusammengekoppelten ist ebenfalls das rote Licht vorgeschrieben. Untaugliche Zugtiere werden von der Bespannung ausgeschlossen, bissige Tiere sind mit Maulkorb oder ähnlichen Vorrichtungen zu versehen. Lastfuhrwerke haben auf der linken Seite des Fuhrwerkes eine deutlich lesbare unverwischbare Aufschrift zu tragen, die den Namen und den Wohnort des Fuhrwerkbesitzers angibt. Um die Millionen der Baudirektion besser zu schonen, wird vorgeschrieben, und zwar mit Recht, dass die eisernen Radreifen an Fuhrwerken eine genügende Breite besitzen sollen, so dass der spezifische Druck des Rades auf die Strasse bei grösster zuverlässiger Belastung des Fuhrwerks 120 Kilogramm per Zentimeter der Breite des Reifens nicht übersteigt. Die Reifen sollen glatt sein JEIJ • ILJL TON Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (30. Portsetzung) «Interessiert Sie das wirklich so sehr?» «Gewiss.» «Warum sind Sie denn aber noch nicht hinausgefahren, um danach zu sehen? Das Pensionat ist ganz verlassen, alle anderen Gäste sind bereits fortgegangen.» «Ich habe ein paar wichtige Briefe geschrieben,» warf ich ein. «Ausserdem haben Sie vermutlich auch an andere, an ernstere Dinge zu denken.» «Vielleicht.» «Ist es indiskret, zu fragen, was das für Dinge sind?» «In erster Reihe,» antwortete ich, «denke ich daran, bereits morgen abzureisen.» Das Gesichts des Detektivs wurde nachdenklich. «Schon morgen,» brummte er, «das ist vielleicht ein bisschen früh, aber wir werden ja sehen.» «Wie meinen Sie das? Werden Sie vielleicht auch abreisen?» «Vielleicht. Dann haben wir Gesellschaft. Das wird mich, aufrichtig gesagt, freuen. Ich liebe es, den einen oder anderen verständigen Menschen um mich zu haben, um mit ihm zu plaudern, wenn ich nicht gerade arbeite.» Der Detektiv bat mich, ihn nach der Dampfschiffsbrücke hinunter zu begleiten. Das Schiff wurde erwartet und ein ebenes Profil aufweisen. Ein Gesamtgewicht von über 8000 Kilogramm soll verboten sein. Betreffend Fahrräder bestimmt die Verordnung, dass an Fahrrädern keine Anhängewagen irgendwelcher Art mitgeführt werden dürfen. Blendende Lichter sind verboten. Die vorgeschriebene Reflexlinse (Katzenauge) muss wirksam und richtig angebracht sein. Als Bremse genügt eine sicher wirkende Rücktrittshemmvorrichtung. Vieh und Viehherden, die anlässlich von Umzügen (Weidwechsel, Alp- und Talfahrten und dergleichen) durch die Strasse getrieben werden, müssen in jedem Falle von ausreichender Mannschaft begleitet sein. Nach Beginn der Dunkelheit sollen die Viehherden durch eine vorausgehende Person mittels eines weissen Lichtes gesichert werden. Ferner wird verboten, das Vieh frei in den Strassen herumlaufen zu lassen. Selbstverständlich bleibt hier örtliche Regelung vorbehalten. Was die Zulassung der Führer zum Verkehr anbelangt, wird, folgendes bestimmt: Neben den üblichen Papieren hat der betreffende Bewerber sich darüber auszuweisen, dass er nicht an einem körperlichen oder geistigen Gebrechen leidet, das geeignet ist, die sichere Führung eines Motorfahrzeuges in Frage zu stellen. Diese Bestimmung, so begrüssenswert sie an und für sich ist, wird jedenfalls von der verantwortlichen Stelle mit aller Weitherzigkeit ausgelegt werden müssen, da sich eine ganze Menge körperlich gebrechlicher Menschen als sehr zuverlässige und gute Automobilisten ausgewiesen haben. Die Zulassung zur Fahrprüfung wird abhängig gemacht von einer ausgestellten Lernfahrbewilligung und einer mindestens vier Wochen dauernden Lehrzeit. Daneben werden die Bedingungen der Lernfahrbewilr ligung durch das Strassenverkehrsamt festgesetzt. Die Fahrbewilligung unterliegt einer jährlichen Erneuerung. Dem Strassenverkehrsamt wird das Recht eingeräumt, diese zurückzuziehen, wenn der Inhaber die Bedingungen ihrer Erteilung nicht mehr erfüllt. Ich wunderte mich darüber ein wenig, da ich wusste, dass sich Asbjörn Krag sonst nicht für den Dampf er < interessierte, dessen Ankunft den übrigen Badegästen stets eine angenehme Abwechslung war. Aber vermutlich erwartete der Detektiv irgend etwas; vielleicht sollte einer seiner Kollegen kommen. Der weisse Dampfer glitt durch das Wasser dahin und trieb langsam an die Brücke, auf der sich nur wenige Menschen befanden. Der Spediteur und seine Leute gingen auf und ab und hatten mit Kisten und Fässern zu turn Einige neue Sommergäste gingen vom Dampfer an Land, meist waren es Frauen mit ihren Kindern und Kinderwagen; auch einige Mannsleute, so ein bebrillter Herr, der vom Bücherstaub und der Stadtluft ganz blass war, ferner zwei ander© junge Männer, die wie Sportsleut© aussahen. Diese beiden fielen mir besonders auf. Sie schienen es eilig zu haben, wenigstens grüssten sie niemanden; Gepäck hatten sie nicht bei sich, sondern nur zwei Fahrräder. In einer Staubwolke verschwanden sie auf dem Landwege. «Bekannte?» fragt© Krag. «Keineswegs,» erwiderte ich; «ich habe sie niemals vorher gesehen.» «Aber es kam mir so vor, als ob Sie die Herren mit einer gewissen Aufmerksamkeit betrachteten.» «Das war ganz zufällig.» «Natürlich. Entschuldigen Sie nur meine Neugier, aber es macht mir Vergnügen, alles zu beobachten, selbst das Unbedeutendste. Ich bemerkte einen leisen Schimmer, in Ihren Die Artikel zeigen, dass dem Strassenverkehrsamt eine verantwortliche und sicher bedeutungsvolle Stellung zugeschoben wird. Aussefordentlich begrüssenswert sind die Artikel 47 bis 51, die bestimmen, dass bespannte Fuhrwerke auf stark befahrenen Strassen von Personen unter 14 Jahren nicht geführt werden dürfen, dass es Kindern unter acht Jahren verboten ist, sich auf Strassen, die dem öffentlichen Verkehr dienen, eines Fahrrades zu bedienen, dass die Benützung von Trottinets und dergleichen Apparaten, die zur Fortbewegung dienen, das Schütteln von Kindern und Erwachsenen auf der Strasse verboten ist, ausser auf den von der Ostern ist in grösste Nähe gerückt. Die Begleiterscheinung zu diesem Feste, der Frühling, hat sich pünktlich eingestellt. Er treibt an allen Ecken und Enden Knospen, und ^lässt lenzliche Gefühle erwachen. Selbst über dem Asphalt der grossen Städte macht er sich bemerkbar. Verkrochen hat sich der Winter und wieder flattern zarte Frühlingskleidchen durch die Strassen, die Bäume Augen, der in mir die Vorstellung erweckte, als ob Si© die Herren wiedererkannt hätten.» «Dann hätten wir uns doch natürlich begrüsst.» «Na, hören Si© mal, man kann sich gut kennen, ohne dass man gerade miteinander auf dem Grüssfuss© zu stehen braucht.» «Aber Sie, Herr Krag,» fragt© ich, «was wollen Si© denn hier unten auf der Brücke?» «Ich hatte nur mal Lust, hier herunterzugehen und mir den Dampfer anzusehen,» sagt© er. «Sehen Sie, da fährt er schon ab, und nun ist das Vergnügen vorbei.» Selbstverständlich log er, wie ich sofort merkte. Asbjörn Krag machte stets Seitensprünge und verhehlte mir seine wirklichen Absichten. Er wollte nun mit mir nach dem eisernen Wagen gehen, und ich beschloss, ihn zu begleiten. « Gehen wir über die Höhe? » fragte ich. « Nein,» antwortete er, « wir können ebensogut den Landweg nehmen; die Sonne brennt heute allzu stark da oben.» Ich hätte ihn dahin berichtigen können, dass die Sonne ebenso heiss auf dem Landwege brannte, aber ich Hess es laufen. Selbstverständlich ging er absichtlich nicht den Pfad über den Berg, ich wollte ihn jedoch nicht nach der Ursache fragen. Wir schritten kräftig aus, denn wir mussten den Weg in weniger als anderthalb Stunden zurücklegen, falls wir noch rechtzeitig zum Mittagessen zurück sein wollten. Unterwegs kam er auf mein merkwürdiges Benehmen vom gestrigen Abend zurück. «Ich sehe nun selber ein,» sagte er, «wie notwendig es ist, dass Sie von hier fortkom-1 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode* deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratcnschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Ortspolizeibehörde bezeichneten und gesicherten Strassenstrecken. Die Führung von Fuhrwerken kann Personen verboten werden, die des Fahrens unkundig sind und die wegen körperlicher oder geistiger Mängel, insbesondere auch wegen Alkoholismus für eine sichere Führung keine Garantie bieten. Durch örtliche Regelung kann auch in Städten und Ortschaften mit dichtem Verkehr eine Fahrprüfung für den Führer von bespannten Fuhrwerken angeordnet werden, eine Bestimmung, die unserer Ansicht nach schon lange dringend notwendig gewesen wäre. Und Ihr Osterausflug? schlagen aus, die Sonne ist blitzblank geputzt und strahlt liebevoll die von Wintersäften noch müden Knochen an, die Wintermäntel verschwinden in den tiefsten Gründen des .Kastens und die Ouvertüre kann beginnen! i Jetzt kotnmi tue Zeit wieder, da man Pläne ausheckt, wohin man wohl den Osterausflug machen soll, denn auch in der Garage riecht es nach Frühling, und der Wagen will wieder die weissen sonnigen Landstrassen erobern! Hurra! Vor lauter Plänen weiss man nicht, wo der Kopf steht. Die Sonne lockt so selbstverständlich, dass man ihr nicht widerstehen kann. Ganze vier Tage stehen uns zur Verfügung, vier Tage, bei Gott, wie viel Schönes und wie viel Erleben lässt sich darein pressen ! Man ist noch nicht wieder ganz an die Reise- und Ferienzeit gewöhnt, noch nimmt man das Geschenk von vier freien Frühlingstagen freudig entgegen. , Osten, Süden, Westen, Norden —, das ist hier die Frage. Schöne Orte und Gegenden hat es in jeder Richtung, der Frühling macht keine Ausnahmen und betupft überall die Erde mit Lieblichkeit und Wonne, wie die Familienblättchen-Gedichte so schön sagen. Eine Möglichkeit besteht immerhin darin, alle vier Himmelsrichtungen in unserm Lande in den vier Osterferientagen abzujagen, also ein Run nach dem Bodensee, nach dem Vierwaldstät- 1 tersee, und schliesslich noch Tessin oder Genfersee. Die Sache lässt sich schon ausführen, aber man soll — alte berühmte Theorie — die Natur nicht am laufenden Band gemessen. Eine gewisse Beschränkung der Ziele der Fahrt wird das Erleben des Frühlings und der Landschaft nicht verkleinern, sondern eher weiten. Auch ein kleiner Raum kann grosse Reize bergen. Der Favorit für Osterfahrten ist .der Gen-» fersee. Seine Ufer haben den Kuss des Früh* lings schauernd empfunden, und hüllen sieb in lachende Farben... Man erreicht von den grossen Metropolen unseres Landes aus den Genfersee mit wenig Mühe. Die Fahrt durch das schweizerische Mittelland im Frühling ist allein schon ein Genuss, und vollends entzückt ist man erst, wenn man, am Murten-i see vorüber und durch die Hügel des Waadtlandes hin, den Blick frei erhält auf das ganze zauberhafte Landschaftsbild des Genfersees. Die Namen Vevey und Montreux klingen ver- Touren-Vorschläge Im Autler-Ostern. men, und bereue es, Sie so sehr mit diesen unheimlichen Dingen beschäftigt zu haben. Gestern konnte ich es Ihnen ansehen, dass Sie £ich wirklich fürchteten.» « Wovor denn? » «Vor dem Mann im eisernen Wagen. Sie liefen ja von mir fort. Vielleicht wären Sie nicht so ängstlich gewesen, wenn Si© ihn doch mitgenommen hätten.» «Ihn, wen meinen Sie?» «Den Revolver natürlich.» Ich blieb stehen und sah ihn an, denn ich musste im stillen seine Frechheit bewun. dem. Er schien jetzt das Hundegeheul und alles vergessen zu haben. Dabei war ©r es gerade, der mich mit seinem Geschwätz von dem toten Jagdhund in Schrecken versetzt hatte, und nun tat er, als ob er von nichts wüsste. Seine Mienen waren unerschütterlich, sein ganzes Auftreten war zuvorkommend, beinahe liebenswürdig freundlich. «Ich hoffe, Ihnen beweisen zu können,* sagte ich, «dass ich im .entscheidenden Augenblick nicht ängstlich bin.» «Das glaub© ich auch. Ja, ich oin sogar überzeugt, dass Sie von Natur aus durchaus nicht schreckhaft sind, aber all diese unheimlichen Ereignisse haben Si© erschüttert und unsicher gemacht. Hoffentlich haben Si© heut© nacht gut geschlafen?» «Vortrefflich.» Wir gingen schweigend ein Weilchen nebeneinander her. Dann fragte ich: «Wollen Sie mir nicht erzählen, was in der deutschen Zeitung steht, damit ich ein wenig vorbereitet bin?» (Fortsetzung folgtA