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E_1930_Zeitung_Nr.034

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ÄUTOMOBTL-REVUE

ÄUTOMOBTL-REVUE 1930 — No 34 D i e S c h w e l 1 , d a s L a n d d e r A u t o - T o u r e n Madonna de) Sasso Kanton Tessin Südlichster Kanton mit südländischem Einschlag in Vegetation und Volk»- Charakter. Weltkurorte Lugano und locarno als Zentren prachtvoller Rund»' fahrten und Ausflüge. Von Lugano aus nach dem Langensee(PonteTresa-luino), dem Comersee und den Alpenpässeo San Bernardino, Lukmanier und St. Gotthard. Von Locarno aus Rundfahrt um langensee (Besuch der Wallfahrtskapelle Madonna del Sasso, die per Auto zu erreidien ist). Fahrt durchs Centovalli nach dem Simplonpass. INDUSTBIE: COHMERCE COMPT0I& nEUCI-L^TEL. IV me Comptoir de Neuchätel de l'industrie et du commerce Un voyage n 4u«*A AIII jt W • T»» A TTII^I rn i v» 4-n«4%rff1 Anrn £\r w r* 1 sv ¥ VOTRE BUT: la Jolie ville de Neuchätel, son «Comptolr de l'industrie et du commerce» et ses Stands de dggustatioru Faites-y vos achats GoQtez-y ses vins excellents et ses produils renommes Ouvert du 12 au 21 avril 1930 Karosserie- Sattler-, Spengler-Arbeiten Kristallglas-Seitenteile Verdecke, Ueberzüge, Seltenteile diverser Systeme, Gummi- und Velours-Teppiche, Tuch- und Leder-Polsterung, Pneuhüllen, Staubdecken. Kuhlerdecken, sowie alle einschlägigen Arbeiten bei Neu: da! onvert „Arbenz Sunsaloon" OttO Kusterer, Karosserie, Zürich 3 Reinhardstrasse 11. Telephon Hott. 37.16 Filiale Wintertbor, Tösstatstrasse 29b — lelephoo 22.58 Nur das gute Oel schützt den Motor vor Reibung und sichert einen störungsfreien Verlauf d e r Schutz des Motors STANDARD MOTOR OIL • £ss° • STANDARD BENZIN Umständehalber zu verkaufen: VBCTORY SIX Limousine in prima Zustand, wie neu, Modell 1928/29, 4 Türen, 4/5-Plätzer, 17 M HP. Offerten unter Chiffre 44632 an die Automobil-Revue, Bern. CONTROLUX Erste Spezialwerkstätte für Kilometerzähler -Reparaturen Garantie E. TEICHMANN, ZÜRICH 8 Hallenstrasse 10 (Nähe Stadttheater) Telephon Llmmat 25.16 NASH Advanced Six Konirollapparat für Autoschlusslicht Paten- < > tiert in allen Staaten. 6 tu 12 Volt Gegen

N»34 II. Blatt BERN, 14. April 1030 N°34 II. Blatt BERN, 14. April 1Q30 Das Drama von St. Leonard vor Gericht (Von unserm Sonderberichterstatter.) Sitten, den 10. April 1930. In einem demokratisch einfachen Rahmen wurde heute die Gerichtssitzung abgehalten, in der das grässliche Geschehnis von St. Leonard seine gesetzliche Erledigung fand In dem Wohnzimmer einer bürgerlichen Wohnung, im 2. Stock eines Miethauses, fanden die Verhandlungen statt. Im Hintergrund war eine kleine Estrade für die Richter, davor standen zwei Tische für den Aktuar und den Verteidiger. Auf der andern Seite standen einige Stühle im Halbkreis. Ueber dem Sitz des Präsidenten bemerkte man ein Kruzifix, an einer Seitenwand den Plan der Unglücksstelle. Die beiden Gegenstände bildeten den einzigen Schmuck des Raumes. Das Publikum bestand aus dem Angeklagten (ein grossgewachsener, sonnenverbrannter Mann mit stens 250 Meter betrug. schwindigkeit mit diesem Gewicht minde- angenehmem Gesichtsausdruck), den Vertretern der Trauerfamilien, einigen Zeugen, diesem ausnahmslos ein sehr gutes Zeugnis Die Vorgesetzten des Angeklagten stellten einigen Journalisten und einigen Neugierigen. Der Gerichtspräsident Devantery, der schrieb das Unglück dem Umstände zu, dass aus. Auch ein Vertreter der Trauerfamilien zugleich Untersuchungsrichter ist, Hess in der « Schuldige » ausser dem Bahnhofdienst der Morgensitzung die Akten verlesen. So noch vier Bahnübergänge zu besorgen hatte. wurde in kaum einer Stunde das Drama vom Dazu kam noch, dass er nur von Zeit zu Zeit 27. Oktober wieder aufgerollt. Nach der (ein- bis zweimal im Monat) zur Aushülfe Verlesung der Akten schlug der Verteidiger nach St. Leonard kam. einen Augenschein an Ort und Stelle vor Der Stationsvorstand von St. Leonhard und der Präsident entschied, dass dieser Augenschein zur Zeit der Vorüberfahrt des Un- die Hetze, die auf dem Bahnhof losgeht, gab im Anschluss daran einen Einblick in glückszuges stattfinden solle. wenn ein Zug angemeldet ist. Das Stellen Unterdessen gab die Verteidigung bekannt, des Einfahrtsignals macht 20 Sekunden aus, dass keine Zivilklage erhoben worden sei. die Bedienung der Barrieren 120 Sekunden, Die Bundesbahnen haben mit den Hinterbliebenen der Trauerfamilien einen Vergleich Station 30 Sekunden, total 170 Sekunden. Ausfahrtsignal und Meldung an die nächste abgeschlossen, dessen Einzelheiten nicht bekanntgegeben wurden. Immerhin glauben 2% Minuten, d. h. 150 Sekunden, schon da ! Nun ist ein Schnellzug von oranges in nur wir zu wissen, dass die Gesamtentschädigungen sich ungefähr auf eine Viertelmillion Fr. nuten, aber neben der Bedienung der Si- Allerdings braucht der Zug von Sitten 6 Mi- belaufen dürfte, die sich allerdings auf mehrere Jahre verteilt. Eine Unterführung wäre und der Güterdienst zu versehen. Früher gnale und Barrieren ist der Bahnhofdienst billiger gewesen, sie wäre nur auf 150,000 bis 200,000 Franken zu stehen gekommen! In den Zeugenaussagen gibt der Angeklagte zu, dass er vergessen habe, die betreffende Barriere zu schliessen. Als der Zug um 11.50 angemeldet wurde, besorgte er die nötigen Signale sowie die westlichen drei Bahnübergänge, wie er das schon den ganzen Morgen getan hatte. Dabei vergass er, dass er ausnahmsweise für diesen Zug auch die östliche Barriere zu schliessen hatte. Als" der Zug pfiff, erinnerte er sich und Hess in aller Eile die Barriere hinunter. Es war zu spät. Der Zug hatte nur 160 Meter vom Uebergang entfernt gepfiffen und fuhr mit einer Geschwindigkeit von 90 Kilometern. In zehn Sekunden hatte er den Uebergang erreicht. 80 Meter vor dem letztern hatten sowohl der Lokomotivführer wie sein Begleiter das Automobil gesehen, doch konnte das Bremsen nichts mehr nützen, weil der Bremsweg bei dieser Ge- Links: Der Gerichtssaal, ein bürgerliches Wohnzimmer. Rechts: Der Angeschuldigte Gaillard. war genügend Personal auf der Station vorhanden, um den Dienst richtig zu besorgen- Aber während, früher 7 Personen angestellt waren, sind seit der Rationalisation der S. B. B. nur noch 3! Die Folgen sind: Ueberarbeitung des Personals und Unterlassungsfehler. Es hat nicht an Mahnungen an die Adresse der Bundesbahnen gefehlt. Die Gemeinde trat bereits vor dem Kriege an diese mit dem Ersuchen heran, den Uebergang durch eine Unterführung zu ersetzen. Die betreffende Strasse ist nicht unwichtig, führt sie doch nach Bramois und ins Val d'Herens. Ausserdem führt sie über eine Schnellzugslinie, die sehr stark belastet ist. Nach dem Kriege unternahm die Gemeinde zwei weitere Schritte, aber ohne Erfolg. Etwas später machte sie eine weitere Offensive. Die Antwort der Bundesbahnen traf genau fünf Tage vor der Katastrophe ein, sie war ausweichend. Erwähnt wurde auch, dass einmal ein Maultier zwischen den sich senkenden Barrieren eingeschlossen und vom Zuge zermalmt worden war. Auf der Unglücksstätte. Um 10.45 Uhr begaben sich die Anwesenden zum Bahnübergang. (Der ironische Zufall wollte es, dass der Berichterstatter der « Automobil-Revue» in den gleichen Wagen zu sitzen kam wie die zwei Vertreter der Bundesbahnen!) Bei der Station stieg alles aus und einer der Richter verlangte das Refür den Barrierendienst zu sehen. Es gab keines! Die Instruktionen werden mündlich erteilt. Dafür konnte man den Stundenplan des Hilfsbeamten oder seines Vertreters studieren. Die Arbeit dauert-von morgens halb zehn bis abends elf Uhr, mit sieben Unterbrechungen von 10, 20, 30 und 45 Minuten; Unterbrechungen, die manchmal bei der Arbeitsüberhäufung recht illusorisch werden. Der Zug kam fahrplanmässig, nachdem die Anwesenden die verschiedenen Funktionen des Angestellten aufmerksam verfolgt hatten. Die Lokomotive pfiff an der gleichen Stelle wie am Unglückstage, doch war der Pfiff durchaus nicht laut. Man verstand, dass ein Fahrer in einer Limousine ihn wohl überhören konnte. Die Anklage und die Verteidigungsrede. Die Gerichtsverhandlung fand am Nachmittag ihre Fortsetzung. Die Anklage richtete sich weniger gegen den « Angeklagten », als gegen das System der Bundesbahnen. Der Staatsanwalt führte aus: Dem Gesetz muss Genüge getan werden. Der Angeklagte hat vergessen, die Barriere zu schliessen und dadurch den Tod von fünf Personen verschuldet. Auch wenn man alle mildernden Umstände in Betracht zieht, so erscheint doch das. Vergehen des Angeklagten sehr gross. IRtLLl LUFTKAMMER- REIFEN Beachten Sie die Vergleiche: Deformationen der verschiedenen Bereifungsarten beim Ueberfahren eines Hindernisses. Die Deformation Ist am grössten beim Luftkammerreif, er schmiegt sich den Unebenheiten der Strasse besser an als der vollgepumpte Riesenpneu und verursacht weniger Erschütterung als jener. GENERALVERTRETUNG FÜR DIE SCHWEIZ: Max ZIGERLI, Zürifch LINDENBACHSTRASSE 6 Telephon: H. 27.96 FERODO Warnung Wir bitten die Herren Automobilisten um getl. Kenntnisnahme, dass FERODO keine allgemeine Bezeichnung für Brems- und Kupplungsbeläge ist, sondern eine Fabrikmarke. Der Verkauf irgend anderer Brems- und Kupplungsbeläge unter dem Namen FERODO bildet eine gesetzwidrige Nachahmung und bitten wir alle Interessenten, uns solche Imitationen anzuzeigen. In Ihrem eigenen Interesse bitten wir Sie ebenfalls, nur solche Brems- und Kupplungsbeläge zu verlangen, die mit dem Namen FERODO in goldenen Buchstaben versehen sind. - Es ist die beste Garantie für Sicherheit und Dauerhaftigkeit. ETABLISSEMENTS CH.RUBIE GENEVE ZÜRICH 19. Rue Ph. Plantamour 54. Stauffacherstrasse Adr. t£le~gr. FERODO-GENEVE Directeur T6l6phone 25.996 P. LANDIS, Ing. Expert Chfeques post. I 4868 Tel. Selnau 65.30