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E_1930_Zeitung_Nr.034

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Der Staatsanwalt

Der Staatsanwalt beantragte deshalb zwei Jahre Gefängnis und die Kosten. Die Verteidigung machte geltend, dass hier nicht ein Fall von Totschlag vorliege, sondern dass der fehlbar© Beamte der Gefährdung der Betriebssicherheit angeklagt sei. Das Bundesstrafrecht (Art. 67) sieht dafür eine Maximalstrafe von drei Jahren vor, wenn grobe Fahrlässigkeit vorliegt und Menschenleben zu beklagen sind. Nun war aber von jeher die Praxis, dass diese Opfer zum Zuge gehören mussten. Sogar auf der Strecke arbeitende Angestellte der S. B. B., welche durch einen vorbeifahrenden Zug zu Schaden kommen, fallen nicht unter diese Bestimmung. Selbst wenn man diese Praxis nicht gelten lassen wollte, müsste man noch entscheiden, ob hier wirklich grobe Fahrlässigkeit vorliegt. Das ist kaum der Fall. Zur groben Fahrlässigkeit gehört ein Akt, der den Pflichten zuwiderläuft, z. B. verspäteter Dienstantritt, Alkoholgenuss, Beschäftigungen, die mit dem Bahndienst nichts zu tun haben usw. Nun ist aber das Versehen des Beamten nicht auf solche Ursachen zurückzuführen. Die Ursache liegt'in der Ueberlastung, in der komplizierten Anlage der verschiedenen Barrierenhebel, am Mangel an genauen schriftlichen Instruktionen. Armand Qaillard ist ein Opfer des Systems und die wirklichen Angeklagten sind hier die Bundesbahnen. Es geht nicht an, die untergeordneten Beamten zum Sündenbock zu machen. Das war schon die Meinung der Gerichte bei viel schwereren Unfällen: bei Be'.linzona und beim Ricken. In Sierre, wo wegen falscher Weichenstellung zwei Züge fast zusammengestossen wären, wurde nur auf eine Busse von 100 Franken erkannt. Am Schluss seiner Rede beantragte der Verteidiger einen Freispruch oder wenigstens nur eine Geldbusse. Das Urteil. Schon eine halbe Stunde später wurde das Urteil bekanntgegeben. Es lautete auf 100 Fr. Busse und die Kosten. Damit hatten die Richter im wesentlichen dem Verteidiger recht gegeben. Wenn man die Schwere des Falles in Betracht zieht, kommt dieses Urteil fast einem Freispruch gleich. Man kann sich nur darüber freuen, dass ein wohlgeachteter Beamter, der selber Familienvater ist, nicht unnötigerweise zu einem Verbrecher gestempelt worden ist. Gerade dieser Quasi-Freispruch lässt aber die Frage nach den wahren Verantwortlichen weiter offen. Es ist uns mitgeteilt worden, dass der Chef des I. Kreises der Bundesbahnen, Herr Grojat, einige Tage nach dem Unglück selbst auf der Unfallstelle erschien und den Beamten wie den Behörden erkärte, er werde sofort den Plan einer Unterführung ausarbeiten lassen. Seitdem hat Herr Grojat demissioniert und geschehen ist nichts. Auch das Personal der Station ist nicht verstärkt worden. Man wird also die Sachlage weiter im Auge behalten müssen. Mit diesem Quasi- Freispruch kann die Sache nicht als erledigt gelten. A. C. S, A.C.S. SEKTION ST. GALLEN-APPENZELL. Generalversammlung. Die diesjährige Generalversammlung im Konzerthaus Uhler in St. Gallen war von 120 Mitgliedern besucht. Der Präsident, Herr Traugott Walser (Herisau), eröffnete die Versammlung mit einem kurzen Begrüssungsworte. Nach der Verlesung und Genehmigung des Protokolls der letztjährigen Generalversammlung erstattete der Präsident den mit Applaus genehmigten Bericht über das verflossene Jahr, welches als Jubiläumsjahr ein besonderes Gepräge erhalten hatte. Der Bericht streift kurz die Entwicklung der ersten 25 Jahre Glubtätigkeit, übergehend zu den wichigsten Ereignissen des. Berichtsjahres, die für den Automobilismus von Bedeutung waren. Dazu gehören die Strassenverkehrsinitiative, Strassenbau und Benzinzollanteil. Die Bautätigkeit gab im Kanton St. Gallen zu verschiedenen Vorschlägen und Eingaben Anlass, und der Grosse Rat gab dann auch seine Zustimmung zu einem vom Regierungsrate vorgelegten Strassenbauprogramm. Von besonderem Interesse für den Automobilverkehr werden dabei die Projekte für eine Walenseestrasse, für die Staatsstrasse Gossau-Wil und die Kräzernbrücke bezeichnet. Dem Verkehrsunterricht, der mit schüchternen Versuchen auch bei uns eingesetzt hat, wird ein spezielles Kapitel gewidmet. Von der Tagespresse wird besseres Verständnis für die Bedürfnisse und Rechte der Automobilisten erwartet. Die bessere Ausbildung von Autömobilmechanikern hat die Kommission verschiedentlich beschäftigt und hat in der Folge zur Schaffung einer Spezialkommission geführt, die Mittel und Wege zu suchen hat, wie das Automobilmechanikergewerbe qualitativ gehoben werden könnte. Die bessere Ausbildung der Lehrlinge ist zu einem dringenden Postulat geworden. An Clubveranstaltungen erwähnt der Bericht einen Filmvortrag über das Abblendproblem, die Bergprüfungsfahrt Rheineck-Walzenhausen-Lachen, eine Ausfahrt mit Picknick auf die Luziensteig, einen Sauserbummel nach Altstätten und das Jubiläumsfest mit Ball in St. Gallen. Das Sekretariat hatte infolge der steigenden Mitgliederzahl, insbesondere aber wegen der Dezentralisie'rungsbestrebungen innerhalb des A. C. S. ein wachsendes Pensum zu bewältigen. Die Zahl der ausgestellten Grenzaüsweise betrug über 2000. Die Geschäfte des Clubs wurden in acht Kommissions- und fünf Sübkommissionssitzungen erledigt. ; ' AUTOMOBIL-REVUE 19äü - N" Der von Herrn Kassier E. Grossenbacher vorgelegte Kassabericht und die zustimmenden Anträge der Rechnungsrevisoren, HH. Büchi und Asboeck, wurden mit dem üblichen Dank an die Funktionäre einhellig angenommen. Die letztjährige Rechnung, die mit ausserordentlichen Ausgaben, wie Jubiläumsfeier, zu rechnen hatte, schüesst mit einem Vermögenszuwachs von rund Fr. 1900 ab. Nach der Genehmigung des Budgets für 1930 wurde der Jahresbeitrag pro 1931 auf bisheriger Höhe beschlossen. Ein Antrag von Herrn Dr. Hausammann, diejenigen Mitglieder des A.C.S., welche im Grossen Rate sitzen, zu ersuchen, sich sowohl im Grossen Rate wie bei andern Gelegenheiten mit Entschiedenheit für berechtigte Wünsche und Begehren aller Kategorien von Motorfahrzeugbesitzern einzusetzen, führte zu einer interessanten Diskussion. Herr Dr. Hausammann gab eine Reihe von Begehren bekannt, die zu verfechten wären. Herr Vizepräsident Dr. Fässler, der die Anregungen im Namen der Kommission entgegennahm, wies auf die Schwierigkeiten hin, den Ratsmitgliedern Vorschriften machen zu wollen. In einigen Fällen handelt es sich auch um Fragen, die allein in die Kompetenz des Regierungsrates fallen. Manche der angeführten Postulate sind bereits wiederholt Gegenstand von Verhandlungen gewesen. Wenn auch im allgemeinen bei den massgebenden Instanzen kein besonderes Verständnis für die Bedürfnisse des Automobilismus vorhanden ist, darf doch auf eine Reihe von Erfolgen hingewiesen werden. Herr KantonsraV Egger-Forster erklärte sich bereit, Begehren, soweit sie sich mit den Interessen der Allgemeinheit vereinbaren lassen, zu verfechten, macht aber nachdrücklich darauf aufmerksam, dass er sich nicht gegenüber den Automobilisten, sondern seinen Wählern verantwortlich fühle. Der Präsident würdigt die besondern Verdienste des Kommissionsmitgliedes Weyermann-Tobler. der bisher in geschickter Weise, wenn auch gelegentlich mit vereinzelter Stimme, für die Interessen des Autoverkehrs eingetreten ist. Er appelliert schliesslich an alle Fahrer, bei Nacht laute Signale zu vermeiden, dafür unter Verwendung von Scheinwerfern und mit rücksichtsvollem Fahren Gefahrsmomenten zu begegnen. Das konse(raente Rechtsfahren bei allen Automobilisten könnte ebenfalls noch viel zur besseren Verkehrsdisziplin beitragen. Dem traditionellen Nachtessen folgte ein unterhaltender Teil, für welchen die Musikkapelle Pfahler sowie die im Konzerthaus Uhler gegenwärtig gastierenden Komiker und die Tanzgruppen Van der Berg und Ilse Maree verpflichtet worden waren. Zwei Filme der Firma Hausammann & Co. von der letztjährigen Bergprüfungsfahrt Rheineck-Walzenhausen-Lachen und einer Ausfahrt nach der Festung Luziensteig fanden gleichfalls vollen Beifall. Für zwanzigjährige treue Mitgliedschaft konnten sieben Mitglieder mit dem Ehrenabzeichen bedacht werden. B. Atu* den Verbänden SCHWEIZERISCHER DAMEN - AUTOMOBIL- CLUB, Sektion Zürich. Die Sektion hat die nachstehenden Mitglieder aufgenommen: Frau Bloch- Sulzberger, Zürich; Fräulein Edith Hatzki, Rüschlikon; Frau Dir. A. Lehr, Weinfelden; Frau Disch- Schatzmann, Othmarsingen; Fräulein Lilly Disch, Othmarsingen; Frau Rinderknecht, Zürich. SCHWEIZERISCHER DAMEN - AUTOMOBIL- CLUB, Sektion Bern. Die Sektion hat die nachstehenden Mitglieder aufgenommen: Frl. Grety Brunner, Thunstrasse 47, Bern (Passivmitglied); Frau F. Obrecht-Meier, Hotel Bellevue au Lac, Hilterfingen (Passivmitglied). SCHWEIZERISCHER DAMEN - AUTOMOBIL- CLUB, Sektion Bern. Am 6. April 1930 hielt der Schweiz. Damen-Automobil-Club, Sektion Bern, seinen Ausflug rund um den Thunersee ab. Zu Beginn sah dieses Unternehmen eigentlich sehr bescheiden aus, denn nur wenige Wagen fanden sich zum Rendez-vous. Unser Passivmitglied Petrus schickte erstens einen frischen Strichrege n und versuchte dann mit Donner und Blitz die Säumigen zu wecken und zwar mit Erfolg, denn je näher die Kolonne gegen den Thunersee rückte, desto länger wurde sie. Das freute nun wiederum Petrus, er drückte den Schalter für warme freundliche Frühlingssonne, und in Interlaken wurde mit Erstaunen festgestellt, dass der S.D.A.C. tatsächlich augenfällig existierte. Im Bellevue zu Hilterfingen zählte man ohne zu mogeln weit über vierzig Teilnehmer. Bei allerhand Esswaren, worunter namentlich Schwungradgrosse belegte «Brötchen» auffielen, gab sich bald das, was man Stimmung nenntl — Wer weiss, was eine Parkettboden-Kreidetreffzeicbnen- Konkurrenz ist? notabene verbunden mit Tanz? — Eben, das nächste Mal könnens die auch erleben, die fern geblieben sind! Glauben Sie etwa, wir seien dann nicht noch im «Sternen» in Muri gesessen? — Bref! es war sehr nett und Instig und wir freuen uns auf den nächsten Anlass dieser Sorte! L. J. Gründung einer «Liga der Verkehrsinteressenten der Kantone St. Gallen und Appenzell». (Eins.) Auf die Initiative der «Vereinigung St. Gallischer Radfahrervereine» fand letzten Dienstag den 8. April im «Schützengarten» in St. Gallen eine Interessenten- Versammlung statt, zur Gründung einer «Liga der Verkehrsinteressenten der Kantone St. Gallen und Appenzell». Die grosse Mehrzahl der eingeladenen Verbände bezeugten reges Interesse an der Angelegenheit und es fanden sich zu dieser Besprechung ca. 70 Delogierte aus Automobil-, Motorrad- und Radfahrerkreisen ein. Nach einem einschlägigen, erläuternden Referate des Geschäftsleiters der «Schweiz. Strassenverkehrsliga», F. X. Marzohl, über Zweck und Ziele einer solchen Kantonalen Liga und lebhaft benutzter Diskussion, wurde im Prinzip mit grosser Mehrheit., beschlossen, eine solche Vereinigung zu gründen, nur wurde der Kreis noch weiter gezogen, indem auch das Gebiet von Appenzell A. Rh. und Appenzell I. Rh. mitangegliedert werden soll. Die definitive Konstituierung dürfte im Laufe des Mai erfolgen, nachdem die verschiedenen Verkehrsverbände und Vereine ihre Delegierten bezeichnet haben. Diese neue Spitzenvereinigung erweist sich gerade im Kt. St. Gallen als eine Notwendigkeit, indem die dortigen Verkehrsvereinigungen verschiedene behördliche Massnahmen über sich ergehen lassen moissten, die eine Hemmung und Fesselung des Verkehrs bedeuten. Es ist nicht daran, zu zweifeln, dass diese neue Liga für die Verkehrsinteressen ihres Gebietes, sich als nützliche Institution erweisen wird. Un pneu pourvu d'un amortisseur ! De mSnuqtuyotrevoitwe estprotigiepardetretsom et d*s amortiiseun,vospneusGoodrich risistemaux r es cordes meme les plus solides, ne •^peuvent empecher un pneu de s'user rspidementque si elles sont elles-memes proteg&s d'une facon efficace. De veritables amortisseurs veillent sur vos pneus Goodrich. II s'agit d'un tissu de toile robuste et resistante, enduit de caoutchouc Goodrich, et qui entoure le pneu juste au dessous de la bände de roulement. II amortit les tre"pidations et absorbe les cahots de la route, de sorte que les cordes setrouvent completement protegees. 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34 - 1930 ÄUTOMOBrL-REVUE MARMON BAU T SEIT 1926 AUSSCH Ll ESSLIC H ACH TZYLIN DER LINIENMOTORE N BESICHTIGEN SIE DIE ACHTZXL INDER-LINIENMOTOREN Immer stärker wendet sich in diesem Jahre das Interesse des Käufers dem Achtzylinderwagen zu. Marmon ist auf der ganzen Welt der einzige Fabrikant, welcher vier Modelle Achtzylinder Linienmotoren in vier verschiedenen Preislagen zur Auswahl bieten kann .. Jeder einzelne Wagen ist das Ergebnis 4jähriger Erfahrung auf dem ausschliesslichen Arbeitsfelde Marmons, dem Bau eines führenden Achtzylinder-Linienmotors. Dieser praktische Hintergrund gibt hier Marmon die unbestrittene Führung des Jahres 1930 und reizt den Interessenten, in erster Linie Marmons Achtzylinder-Linienmotore zu besichtigen. DER NEUE MAR- MON, Modell „R