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E_1930_Zeitung_Nr.037

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag 25. April 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 37 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter PortOKischlag, sofern nicht postamtiich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnuna III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Frankreichs Schikanen dauern fort Der Autocar-Konflikt Der Autocarkonflikt mit Frankreich hat die i* Automobil-Revue » schon verschiedentlich beschäftigt. Es hängt dies zusammen mit dem schleppenden Gang der Verhandlungen, wie man es sich von Seiten Frankreichs nachgerade gewöhnt ist. Unsere Leser werden sich erinnern, dass zwischen der Schweiz und Frankreich über die Fragen des Automobilverkehrs seit mehreren Jahren ein gewisser Konflikt herrscht und dass trotz der grossen Bereitwilligkeit und des Entgegenkommens der Schweiz dieser Konflikt leider bis zur heutigen Stunde nicht aus der Welt geschafft werden konnte. Die Meinungsverschiedenheit betrifft hauptsächlich die Frage der vorübergehenden Zuäassung unverzollter Fahrzeuge mit Triptyk, die Frage der Gebühren für den Verkehr im Landesinniern und vor allem die Konzessionsgebühren für den Betrieb von Autocarlinien. Wie bekannt sein dürfte, hat die Eidgenossenschaft auf die Erhebung des Konzessionszuschlags von 25 Rp per Kilometer für im Ausland domizilierte Autocars verzichtet unter der Bedingung, dass bis Ende 1929 mit Frankreich die Frage definitif geregelt werden könnte. Sollte dies nicht möglich sein, sa hatte die Schweiz ausdrücklich den Vorbehalt anhängig gemacht, ihre Bewegungsfreiheit zurückzunehmen. Die Genfer, die in der ganzen Frage nicht geschlossen dastanden, konnten sich mit dieser Lösung einverstanden erklären. Di© Schweiz hatte Frankreich eine Regelung der Komzessionsgebühren für den Autocarsbetrieb auf ähnlicher Grundlage, wie sie mit Deutschland im Juni 1928 vereinbart worden war, vorgeschlagen. Frankreich, das sich aber in seinen Interessen zurückgesetzt glaubte, verbot am 1. Januar 1929 den schweizerischen Autocars die Zulassung mit Geleitscheinen. Die Eidgenossenschaft musste zu Gegenmassnahmen greifen und verbot am 3. Januar den französischen Autocars di© Zollabfertigung mit Triptyks zum Eintritt in die Schweiz, nachdem die Konzession B. gegenüber Frankreich äusserst loyal gehandhabt wurde. Mit diesen Massnahtnen wurde selbstverständlich der Verkehr mit Autocars zwischen beiden Staaten praktisch unterbunden. Es bedurfte verschiedener An- Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (33. Fortsetzung) Furcht hatte ich nicht mehr, nicht im geringsten. Ich fürchtete mich nicht vor dem Gesichte mit dem schrecklichen Mund und der totenbleichen Stirn, denn nun kannte ich den ganzen Zusammenhang. So traf ich denn eine Reihe von Vorkehrungen, die wohl merkwürdig erscheinen mochten, aber ihre Erklärung durch die späteren Ereignisse finden werden. Um halb 10 Uhr verliess ich meine Hütte. Zuerst zog ich mir einen leichten Ueberzieher an, besann mich dann aber eines andern und Hess ihn zurück. Statt dessen knöpfte ich mir die Jacke fest zu; ich wollte in meinen Bewegungen in keiner Weise behindert sein. Ehe ich ging, lud ich alle Läufe meines Revolvers und steckte ihn in die rechte Tasche, so dass ich rasch an ihn gelangen konnte; als ich aber bemerkte, dass die Tasche dadurch auf verdächtige Weise strengungen schweizeriseherseits, bis am 10. August 1929 ©ine Vereinbarung in Kraft treten konnte, wonach der Verkehr wieder freigegeben wurde. In dieser Vereinbarung erklärte sich die Schweiz bereit, völlig auf die ZuscMagstaxen für ausländische Autocars gemäss Konzession B zu verzichten, wenn Frankreich seinerseits seine Verkehrstaxen gegenüber schweizerischen Autos aufhebe. Diese Vereinbarung ist nun am 31. Dezember 1929 abgelaufen, ohne dass die darin vorgeschlagenen Besprechungen ^zur Durchführung gelangt wären. Frankreich lässt somit die ganze Angelegenheit einfach wieder auf sich beruhen und rechnet mit der ihr altbekannten .schweizerischen Gutmütigkeit, wie sie auch im Geschäftsbericht des politischen Departements zur Geltung kommt, wo es unter anderm heisst: «Nachdem sich aber die französische Regierung bereit erklärt hat, idie Verhandlungen über diese Uebereinkunft vor dem Frühling fortzusetzen, ist vereinbart worden, die vorläufige Verständigung vom August 1929 als stillschweigend erneuert zu betrachten.» Unterdessen haben die Schwalben Einzug gehalten, die Amseln pfeifen auf den Dächern, die Finken piepsen ihr Liebesüed — mit einem Wort, der Frühling hat Einzug gehalten, aber das diplomatische Stillschweigen ist nicht gebrochen worden. Es wird wiederum eines Vorstosses unserseits bedürfen, um Frankreich an seine Versprechen zu erinnern. Wir wissen wohl, dass auf dem Buckel der französischen Regierung viel schwerwiegendere Fragen und Probleme lasten, dass Tardieu sich -nur mit Mühe in der Kammer durchkämpfen kann und dass er von einer Vertrauensfrage zur andern schreiten muss, glauben aber immerhin, dass die berühmte Noblesse der Franzosen die beste Gelegenheit hätte, isich in den schwebenden Verhandlungen zwischen beiden Nachbarländern günstig auszuwirken. Hoffen wir immerhin, dass das, was im Jahre 1929 nicht möglich war, im Jahre 1930 zur Zufriedenheit beider Länder erledigt werden kann. 13 Fr. 60! Auch Frankreich protestiert! Wiederum sind die Ostertage manchem schweizerischen Automobiltouristen zum Aergernis geworden, der seine Schritte nach den französischen Ausflugsgebieten richtete. aufgetrieben wurde, nahm ich die Waffe wieder heraus und steckte sie in die innere Tasche, so dass nunmehr niemand ihre Anwesenheit ahnen konnte. Ich hatte mich bereits einige Schritte von der Hütte entfernt, da fiel mir noch etwas ein. Ich ging also zurück und sah meine Papiere an, die auf dem Tische lagen. Es kam mir vor, als ob sie in einer allzu grossen Ordnung dalägen; infolgedessen brachte ich die Papiere durcheinander, schrieb einige Zeilen einer Abhandlung, die ich in letzter Zeit unter der Feder hatte, und suchte durchaus den Eindruck zu erwecken, als ob ich ganz zufällig meine Arbeit unterbrochen und das Zimmer verlassen hätte. Endlich machte ich Ernst und ging. Ich sah unaufhörlich nach der Uhr, weil ich pünktlich sein wollte. Es war 9 Uhr 40, als ich beim Landhändler eintrat. Fünf Menschen waren im Laden; der Landhändler selbst, der etwas gestreiftes Zeug abmass, und seine Tochter, die Sirup in eine D Erst Passkontrolle, Zoll Visitation und Visierung des Triptyks, wogegen gewiss nichts einzuwenden ist. Dann aber das alte, garstige Lied. Der Beamte füllt das Formular für den Permis de circulation aus: Name, Vorname, Nationalität Art des Wagens, Marke des Chassis, Marke des Motors, Motornummer, Art, Marke und Farbe der Karosserie, Anzahl der Plätze, Art der Bereifung — alles Dinge, die schon im Triptyk vorgemerkt sind. Das alles muss der Wagenlenker, nachdem er auch noch den internationalen Führerschein vorgewiesen hat, eigenhändig unterschreiben, und schliesslich werden diese Angaben von einem Zollbeamten noch in ein Buch eingetragen, so dass man in keinem Falle mit einem Aufenthalt von weniger als zehn Minuten oder einer Viertelstunde davonkommt. Dann, wie im «Schwarzen Walfisch zu Askalon», die Hauptsache, für einen Tag die Rechnung: Fr. 10.— Verkehrssteuer plus Fr. 3.60 Stempelgebühr. Zehn Minuten oder eine Viertelstunde darf als das Minimum an gewöhnlichen Tagen bezeichnet werden. An Ostern oder Pfingsten können daraus anderthalb Stunden werden, weil an Sonn- und Festtagen nur an einigen wenigen Grenzzollämtern ein Triptyk visiert wird. Zwischen Basel und Beifort z. B. ist bloss an zwei Orten der Eintritt ohne Surtaxe möglich, in St. Louis und Pfetterhouse. An den übrigen Zollämtern kann man Sonntags abgefertigt werden, ohne dass aber der Zolleinnehmer dazu verpflichtet ist. Fast überall findet man geschlossene Läden, und wo sich der Beamte dazu hergibt, erhebt er über den regulären Betrag hinaus eine Surtaxe von Fr. 8.60 (Fr. 5.— Arbeitsentschädigung und Fr. 3.60 Stempelgebühr). Am schärfsten wird der Kontrast zu andern Ländern wohl in Basel empfunden, wo an der deutschen Grenze dem aus der Schweiz kommenden Wagen für vierzehn Tage Steuerfreiheit gewährt wird. Dänemark, Norwegen, Schweden, Spanien und Belgien, um nur einige Staaten zu nennen, verzichten auf jede Gebühr gegenüber den Angehörigen solcher Länder, die gleichfalls keine Einreisegebühr bzw. Verkehrsgebühr für ausländische Automobilisten verlangen. Belgien hat sogar nach der Einführung dieser Bestimmung die während des Kalenderjahres erhobenen Gebühren den Schweizern zurückvergütet! Gegen das System der chinesischen Mauer in Frankreich ist bei uns in der Schweiz, die ja überhaupt keine Gebühren verlangt, seit Jahren und Jahren protestiert worden, nicht am wenigsten in der «Automobil-Revue». Die Verkehrskommission des A. G. S. hat seinerzeit sogar eine Eingabe an Herrn Minister Henessy veranlasst, und ein paarmal hiess es, eine vernünftige Regelung werde in Erwägung gezogen. Bis heute ist das Ergebnis: Stille über den Wassern, nicht zum Nutzen des französischen Automobilfremdenverkehrs. Grundsätzlich lösen z. B. viele schweizerische Grenzbewohner seit Jahren überhaupt kein französisches Triptyk mehr. Kanne zuwog, standen hinter dem Ladentisch; davor stand der Bruder des Landhändlers, ein Fischer, die Hände in der Hosentasche, eine Pfeife im Munde. Ausserdem waren zwei Kunden da, ein altes Weib, das damit beschäftigt war, einige gefüllte Tüten in einen Korb zu packen, und ein kleiner Junge, der an seinen nackten Beinen fror; er hatte einen Blecheimer in der einen Hand und ein blaues zerknittertes Rechnungsbuch in der andern. Ich trat so laut in den Laden, dass alle mein Kommen bemerken mussten, begrüsste den Bruder des Landhändlers, den ich von früher her kannte, und erzählte ihm rasch, dass ich die Absicht hätte, eine längere Fischfangtour nach der eine Meile entfernten « Spitzen Landzunge » zu machen; schon in einer halben Stunde wolle ich abfahren, etwa eine Stunde bei dem Fischer draussen auf der Landzunge schlafen und dann um 4 Uhr anfangen. « Ja, das ist eine hübsche Tour», meinte der Mann. «Wollen Sie allein rudern? » « Nein, ich dachte, den einen oder andern dort vom Hotel dazu zu bekommen.» «Nun ja, ja, es ist wohl ein gehöriges Stück zu rudern.» «Das schon, aber ich schaffe es doch», INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Nachgerade wird aber auch in Frankreich selber gegen das anachronistische System des Monsieur Lebureau Verwahrung eingelegt. Vor allem freuen wir uns über einen ungemein forschen Leitartikel voni Stephane Lauzanne im «Matin», der im Vern gleich zwischen Deutschland und Frank-» reich auf diesem Gebiete kein Blatt vor den! Mund nimmt, sondern in einer drastischen} Detailschilderung das Vorgehen Frank-» reichs als eine kaufmännische Dummheit bezeichnet und ungefähr folgendermassen argumentiert: Im deutschen Laden rechnet man damit* dass jeder Besucher vielleicht ein Käufec ist. Man öffnet ihm weit die Türen und. er-t leichtert ihm den Zutritt zu den Geschäfts-* räumen. Im französischen Laden wird der Besucher auf alle Fälle als unangenehme Störung betrachtet («un geneur certain»)« Man stellt ihm alle denkbaren Schranken; und Drehkreuze entgegen und lässt ihn ant die Fensterauslagen bloss nach der Bezahl lung eines Zehnten heran. Daher steigert sich der Zudrang zum deutschen Laden von Tag zu Tag, mag die gebotene Qualität sein, wie sie wolle, während die Kunden im französischen Laden trotz aller Eleganz der) Ware stetig: abnehmen. In der Welt ist es nun einmal so, dass eine massige Gratis- Theater-Vorstellung mehr Zuschauer anzieht als ein höher stehendes Theater mit Eintrittsgeld. |i Und weiter: der französische LadenBe-» sitzer sieht den Grund seines Misserfolgea nicht ein und schreit: «Reklame! Reklame!» Er verlangt, dass man für die touristischö Propaganda. Millionen auswerfe; er ruft nach Plakaten, Traktaten und Broschüren* Nicht einen Augenblick denkt er daran* dass das erste der Plakate die Aufschrift tragen sollte «Freier Eintritt!» und dass die intensivste Reklame nichts nützt, wenn man vom Besucher ein Kilo Identitätsi papiere verlangt. Keinen Augenblick denkt er daran, dass beim Erfolg des Konkurrenten das beste Mittel zum eigenen Erfolg die Nachahmung des Konkurrenten ist. — Der Tourismus? Für ihn gilt wie für jedes kom-i merzielle Unternehmen der Faktor des ge-> sunden Menschenverstandes. Frankreich: steht im Rufe, daran so viel zu haben, dass es verkaufen könnte. Merkwürdig, dass es ihn nun bei den andern kaufen muss... —• Das ungefähr sind die Gedankengänge im Leitartikel des «Matin». Wir haben ihm nichts hinzuzufügen, ausser vielleicht die Meldung, dass die Sektion Basel des A. C. S., deren Mitglieder nicht bloss unter der französischen Schikane leiden, sondern den Kontrast gegenüber Deutschland täglich vor; Augen sehen, beschlossen hat, Herrn Sten phane Lauzanne, dem Redaktor des «Matin», ein Glückwunsch- und Dankschreiben für; sein mutiges Vorgehen zu übermitteln. 0 antwortete ich lächelnd und reckte meine Arme aus. Der Mann nickte. « Sie sind gewiss stark », sagte er. « Ja, Gott sei dank », antwortete ich, und dabei lag mehr Ausdruck in meiner Stimme, als mir lieb war. Dann wandte ich mich wieder zum Land-* händler und kaufte verschiedene Fischereigeräte, Haken und auch einige Schnüre. «Die meinigen sind schon zu schlecht», sagte ich dabei. Der Landhändler gab mir wegen des Fanges gute Ratschläge, erklärte mir, welche Köder ich benutzen müsste und wo ich meine Schnüre auslegen sollte. Schliesslich bat ich um die Erlaubnis, sein Boot entleihen zu dürfen, was er mir nach einiger Ueberlegung auch gestattete. « Alsdann werde ich das Boot etwa in ei-» ner halben Stunde nehmen », sagte ich, «vielleicht bringe ich noch einen Freund vom Ho-t tel mit, vielleicht bin ich auch gezwungen, allein zu fahren. Fahren werde ich aber auf jeden Fall, denn ich habe ausserordentliche Lust zu dieser Fischfangtour. » (Fortsetzung folgt.)