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E_1930_Zeitung_Nr.039

E_1930_Zeitung_Nr.039

Ausgab©: Deutsche Schweiz BERN, Freitag 2. Mai 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 39 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe liste** Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Porttwuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtlicbe Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autoievue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarif» Inseratenscblnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Sesa und Autontobilgewerh© Die Sesa erscheint mit dem dritten Geschäftsberichte. Darin zu blättern ist ganz interessant. Ganz besonders, was über die Konkurrenz zwischen Strasse und Eisenbahn auch zwischen den Zeilen zu lesen ist. Die Sesa unsern Lesern vorzustellen, ist überflussig. Viele von ihnen werden sie am eigenen Leibe bereits erfahren haben. Was der Geschäftsbericht über die Entwicklung des Automobil-Güterverkehrs zu sagen hat, lässt sich kurz folgendermassen zusammenfassen: S. B. B. und Autokonkurrenz 1929. Nach der Auffassung der Geschäftsstelle hängt die Güterabwanderung von der Eisenbahn zur Strasse vom Zuwachs der grössern Motorlastwagen ab, spielen doch die Lastwagen von 3, 4 und 5 Tonnen für die Konkurrenz zwischen Strasse und Eisenbahn eine ziemliche Rolle. Hätte demnach die Güterabwanderung seit dem Jahre 1925 um 31,9 "Proz. zugenommen, so seit dem Jahre 1927, also mit Beginn der Tätigkeit der Sesa, nur noch um 16 Prozent. Zu gleicher Zeit hat aber auch der Bundesbahn-Güterverkehr, der für die Konkurrenzierung durch das Automobil in Beträcht kommt, eine Steigerung von 12,6 Prozent erfahren. Die Sesa betont nun selbst, und wir betrachten 'das als ein wichtiges Bekenntnis, dass ein Teil der Zunahme der Grosslastwagen aber dem allegemeinen Anwachsen des Güterverkehrs zuzuschreiben ist, da es zweifellos Gütertransporte gäbe, für die der Verfrachter vorteilhaft sich des Automobils bediene. Es ist dies ein Bekenntnis, das von Seite der Bahn bekanntlich lange Zeit bestritten wurde. Allgemeiner Zuwachs des Güterverkehrs. Der Rest des Anwachsens des Strassenverkehrs, welcher die Sesa auf 19,3 Prozent berechnet, ist auf eine Zunahme der Güterabwanderung an sich zurückzuführen. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass seit der Betriebseröffnung der Sesa die Zunahme allerdings nur noch 8 Prozent beträgt, was deutlich dafür spricht, in welch hohem Masse die Sesa. eine Zusammenarbeit mit der Bahn bewerkstelligt, eine Zusammenarbeit jedoch, die sich nur zu gunsten der letztern auswirkt und wobei ganz sicher das freie Transportgewerbe langsam an die Wand gedrückt wird. Ebenso bedeutend ist die Tatsache, dass ohne Sesa der Einnahmenverlust im Güterverkehr der Schweizerischen Bundesbahnen im Verhältnis der Zunahme der Grosslastwagen seit dem Jahre 1927 um 16 Prozent, F E U I L L Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (35. Fortsetzung) Das einzige, was mich noch störte, war die Ruhe. Ich würde gern Wind und Wellen gehabt haben, um den Ruderschlag zu verdecken, aber dafür half mir die Dunkelheit. Ich war nur wenige Meter vom Lande entfernt, da konnte ich die Häuser schon nicht mehr sehen; sie verschwanden in der dichten Dunkelheit, in der ringsum einige gelbe Lichtpunkte blinkten. Ich ruderte im dichtesten Schatten. Das Meer war nämlich auf wunderlicher Weise in schwarze und graue Flächen geteilt. Auf weite Flächen hin lag ein eigenartiger hellgrauer Schein auf dem Wasser. Ich wusste nicht, woher das Licht kam, aber ich hütete mich wohl, in diese Flecken hineinzurudern, die wie oxydiertes Silber aussahen, denn ich wusste, dass das Fahrzeug und ich dort deutlich wie eine kohlschwarze Silhouette erscheinen würden. Nun näherte ich mich dem Sund, der aus der Bucht hinausführte, und fühlte im Nacken deutlich den kalten Hauch vom Lande her. Das Boot glitt auf dem Rücken einer langen Dünung dahin. Ich hätte nun längs des flachen Landes zur d. h. von 24 Millionen Fr., wie die Bahn annimmt, auf 27,84 Millionen Fr. angewachsen wäre. Da von diesem Verlustzuwachs von 16 Prozent 7,4 Proz. oder 1,780,000 Fr. auf den allgemeinen Güterverkehrszuwachs und 8,6 Proz. oder 2,060,000 Fr. auf die vermehrte Güterabwanderung an sich fallen, und da die Grosslastautomobile seit dem Jahre 1927 nur um einen verhältnismässig kleinen Prozentsatz zugenommen haben und anderseits seit dem Jahre 1927 eine Herabsetzung der Gütertarife stattgefunden hat, so dürfte es auch ohne weiteres klar sein, dass der effektive Verlust, den die Bundesbahnen durch die Automoibilkonkurrenz erleiden, entsprechend zurückgegangen ist und diese durch das schwer bekämpfte Automobil recht eigentlich in die Lage versetzt wurden, mit ihren Tarifen zurückzugehen. Sesa und schweizerische Autoindustrie. Dabei ist aber anderseits deutlich hervorzuheben, dass jedenfalls der geringe Zuwachs an Grosslastautomobilen zeigt, wie durch die neueste Zusammenarbeit zwischen Eisenbahn und Automobil und durch die zunehmende Verstaatlichung des letztern eine in unserm Lande zu schönen Hoffnungen berechtigende Industrie.in ihren Auswirkungen und in ihrer Entwicklung nicht nur nicht gehemmt, sondern auch direkt geschädigt wird. Dies 'in 1 einem Augenblicke, da andere Industriezweige in unserm Lande einer schweren Krise entgegengehen und da die neuesten Zollerhöhungen der Vereinigten Staaten zur Verteidigung der Interessen unserer Uhren- und Stidkereiindustrie das Volk auf die Strasse treibt. Es ist dies eine Kehrseite der Sesa, die unbedingt schärfer ans Licht gezogen werden muss, da ihre Tendenzen ohne Zweifel darauf ausgehen, den Strassendienst zu erweitern und Hand in Hand mit der Post ein neues sich schlussendlich für unsere Volkswirtschaft gefährliches Strassenmonopol aufzustellen. Einem Grossteil unseres Volkes eigentlich noch unbewusst ist ein grossangelegter Regiebetrieb im Werden, dem wir nur mit etwelcher Beklemmnis entgegensehen dürfen. linken Hand rudern müssen, um nach dem Fischplatz zu gelangen. Aber statt dessen ruderte ich nach rechts auf die steile Bergwand los und fühlte, wie ich in einem dichten Schatten verschwand. Jetzt hätte ich um nichts in der Welt jemanden treffen mögen. Ich wusste, dass die Fischer oft hier entlang fuhren, und legte mich in die Riemen, um schnell und unerkannt meinen Bestimmungsort zu erreichen. Dabei legte ich mich mit Macht ein, so dass sich die Riemen bogen und das Wasser vor den Ruderblättern schäumte. Endlich nahte mein Boot einigen schwarzen Pfählen; ich musste aus Leibeskräften gegenhalten, um nicht in voller Fahrt gegen die Brücke zu stossen. Immerhin bekam das Boot einen Stoss, dass die Planken krachten. Ich sass einen Augenblick still und lauschte. Da ich aber keinen Laut hörte, war wohl kein Mensch in der Nähe. Dann vertäute ich das Boot neben einigen anderen Fahrzeugen, die im Dunkel still und gespenstisch umherlagen. Meine Ankunft hatte das Wasser ein wenig in Bewegung gebracht, die Schatten tanzten auf dem Wasser, es plätscherte leise und sacht gegen die Brückenpfähle. Ich stieg auf die Brücke und befestigte das Bootstau so, dass ich es jeden Augenblick wieder losbekommen konnte. Regiebetrieb und Kapitalinvestierung. Dem von der Sesa gebuchten Erfolg, den Schweizerischen Bundesbahnen den durch die Lastwagenkonkurrenz im Güterverkehr verursachten Einnahmenverlust auf ein erträgliches Mass beschränken zu können, steht die heute sich bereits in der Auswirkung befindende andere Komponente gegenüber, die darin, besteht, dass dem Privatgewerbe durch den neuen Regiebetrieb eine neue Fessel angelegt und, wie bereits betont, einem neuen Industriezweige, der mit der schweren ausländischen Konkurrenz zu kämpfen hat, starke Fesseln angelegt werden. Es scheint, dass man auf sesaamtlicher Seite die Tatsache einer gewaltigen, den Bahnen bald ebenbürtigen Arbeits- und Kapitalinvestierung im Automobilgewerbe zu wenig in Berücksichtigung zieht. Strassenverkehr, Autogewerbe und Nationalvermögen. Hält man sich jedoch gerade die Tatsache vor Augen, dass im Automobilgewerbe bereits heute 35,845 Personen ihr Auskommen finden und dass gewaltige Summen darin investiert sind, so kann auch nur mit Unrecht davon gesprochen werden, «dass die Abwanderung des Personenverkehrs auf die Strasse in all den Fällen eine Minderung des Nationalvermögens bedeute, in denen die Benutzung des Kraftwagens statt der Eisenbahn nicht wirtschaftlich auswertbare Energie oder zeitökonomische Vorteile oder nicht indirekt eine Verbesserung der allgemeinen Wirtschaftsbilanz zur Folge hätten. Diese Behauptung darf ruhig zurückgewiesen werden. Denn nicht nur dasjenige Kapital, das den Staatsbetrieben zukommt, dient zur Verbesserung der allgemeinen Wirtschaftsbilanz, sondern ?äuch dasjenige, das dem Privatgewerbe und so unmittelbar dem steuerzahlenden Volke zufliesst Es ist nicht zu vergessen, dass heute beträchtliche Kapitalsummen, welche den Regiebetrieben zufliessen, an ausserordentlich gesteigerten Löhnen und an Zuwendungen für Pensionskassen und dergleichen, wiederum verloren geht. Sesa und Privatwirtschaft. Wenn sich die Sesa, wie sie schreibt, ehrlich bestrebt, auf die zweckmässige Verwendung der Verkehrsmittel im allgemeinen und der Motorwagen im besondern hinzuwirken und sich bereit erklärt, dem Automobil das Gebiet zu überlassen, in welchem es der Eisenbahn volkswirtschaftlich überlegen ist, so muss dies begrüsst, zugleich aber auch betont werden, dass dieses ehrliche Bestreben zum grossen Teil auf Kosten der Privatwirtschaft vor sich geht und dass jedenfalls die Automobilindustrie unseres Landes, in einem Augenblick, da durch die vermehrte Tätigkeit der Sesa sich die Lastwagen von 3—5 Tonnen Nutzlast nur noch um ein Prozent vermehren konnten, den Schaden zu tragen hat. Dann sah ich -mich um. Dort ragten gegen den aschgrauen Himmel die gewaltigen, kohlschwarzen Silhouetten der Bäume. In diesem sonderbaren Dunkel sollte ich den Menschen treffen und den Namen des Mörders erfahren. Nun musste die Uhr halb 11 sein. In einer, vielleicht auch schon in einer halben Stunde würde alles vorbei sein. Ich fühlte nicht die geringste Spannung oder Unruhe, aber ich wurde von einem gewaltigen Willensdrange getrieben. Nichts in der Welt hätte mich jetzt noch aufhalten können. Ich entsinne mich, dass ich mit innerer Freude feststellte, wie ich in diesem Augenblick ohne Uebereilung handelte, wie ich gegen Ueberraschungen auf der Hut war, wie alle meine Sinne gespannt waren und angestrengt auf Geräusche und Störungen lauschten. Mein Kopf war kühl und klar. Ich ging über die Brücke, deren Planken schwach unter meinem Tritte knarrten. Das ärgerte mich. Ich versuchte lautlos zu schreiten. Als ich das feste Land erreichte, gelangte ich auf einen Rasenplatz. Hier stand ich wiederum kurze Zeit still und lauschte. Alles totenstill. Wo war nur der Weg? Vor allen Dingen durfte ich keinem Menschen begegnen ! Zunächst suchte ich mich zu orientieren. In einiger Entfernung gewahrte ich undeutlich ein Sesa und Gewerbefreiheit. Wenn im fernem die Sesa es als ihre, Hauptaufgabe betrachtet, «zur Beschleunigung des Prozesses beizutragen, welcher zu dem vom nationalökonomischen Standpunkt aus wünschbaren Ausgleich der zwischen Eisenbahn und Lastwagen bestehenden Intern essengegensätze führen soll», so muss auch' unsererseits hervorgehoben werden, dass schlussendlich die Lösung des Problems nicht auf Kosten noch wertvollerer Prinzi-» pien, nämlich auf Kosten der Gewerbefrei* heit, stattfinden soll. Die Sesa, sofern sie sich wirklich als neutrale Gesellschaft bezeichnen und auch dem Automobil zu seinem Rechte verhelfen will, hat absolut keinen Grund, z. B. für Transportzwang und Arbeitsgesetz zu plädieren und damit sich auf politisches Glatteis -zu begeben. Mit den Brillen der Bundesbahnen gesehen, sind vielleicht «noch; viele Missstände zu beseitigen und unzweckmassige Verwendungen des Automobils zu bekämpfen, die vielleicht aber unter anderer Lupe betrachtet sich weder auf Missständo noch unzweckmässige Verwendung beziehen lassen und unserer Volkswirtschaft absolut nicht in dem Masse schädlich sind, wie sie der Sesa-Bericht hinzustellen beliebt. Ein Tarifchaos? Ueber die Tarifpolitik der Bundesbahnen und der Sesa kann man in guten Treuen zweierlei Meinung sein. Jedenfalls ist diel Sache bereits soweit gediehen, dass, wenn in gleicher Weise weiter geschattet wird, wir int kurzer Zeit vor einem Tarifchaos stehet», werden, das nicht nur für unser© grossen Regiebetriebe, sondern auch f&T unser Prt* vatgewerbe verhängnisvoll werden muss. Irat schwierigsten Falle werden für unsere Regiebetriebe allerdings Bundesgelder zur Verfü* gung stehen, was jedoch für die Privatindu-» strie leider nicht der Fall sein dürfte. Dia Zusammenarbeit der Eisenbahn und Stras-* senfahrzeuge ist zu befürworten, sollte abeC nicht darauf hinausgehen, mit allen Mitteilt nun die Strasse dem Eisenbahnmonopol und! den Bahnen Untertan werden zu lassen. 1Z1 Das Glarner Strassenbauprogramm. In einem Bericht der landrätlichen Kommission für den Strassenbau wenden dia Gründe dargelegt, aus welchen verschiedene für das Jahr 1929 vorgesehene Korrektionen nicht durchgeführt werden konnten. Aus technischen Gründen konnte zunächst! die Strasse Niederurnen-Bilten nicht ganz fertiggestellt werden. Die Anlage verlangte» das Absenken grösserer Grundwasserströme. kleines Haus, das wie ein grauer Würfel int Dunkeln emporragte. Dicht davor Jag ein© grosse unförmige Masse. Das musste ein grösseres, von Obstbäumen umgebenes Haus sein. Zur Rechten von mir lag, wie ich wusste, ein Badhäuschen, das aus einer alten Kajüte hergestellt war. Man hatte einfach die Kajüte vom Deck iortgenommen und auf das Wasser gesetzt, wo sie mittels leerer Tonnen schwimmend gehalten wurde. Im Augen- Mick, als ich die Kajüte wiedererkannte, stand es mir auch klar vor Augen, was ich nun zu tun hatte. Ich hatte oft genug hier gebadet und wusste, dass man von der Kajüte aus auf einem schmalen Steg zu der stets der Sonne ausgesetzten kahlen Felswand unterhalb des Bergweges gelangen konnte. Von da war es dann nicht mehr weit bis zu dem dunklen Schattenflecke. Ich ging vorsichtig über den Steg. Es war nicht angenehm, dass er mit Schutt und Geröll bedeckt war, weshalb es unter meinen: Füssen knirschte, aber ich trat vorsichtig und! leicht auf und schlich beinahe wie auf weichen Raubtiersohlen vorwärts. Als ich an die Felswand gelangt war, bückte ich mich und kroch auf allen Vieren vorwärts, damit sich! meine schwarze Silhouette nicht gegen den schwach erhellten Himmel über der Meeresenge abheben sollte. (Fortsetzung folgtJ