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E_1930_Zeitung_Nr.044

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Ausgabe; Deutsche Schwel» BERN, Dienstag, 20. Mai 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 44 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter PortoaiSehlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern solern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84' ' Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Wo bleibt das neue einheitliche Zolldokument 3 Man sagt, dass Beamtenmaschinen meist langsam und bedächtig arbeiten. Den Rekord aber scheinen die Apparate der europäischen Zollverwaltungen zu schlagen. Schon oit war davon die Rede, dass Triptyks und Grenzpassierscheinhefte unpraktische Ausweise für den automobilistischen Zollübertritt darstellen. Die Einführung eines weniger formalistischen Dokumentes sei dringend notwendig. Gewisse Vorschläge wurden gemacht und besprochen. Aber dabei blieb es. Man hat in diesen Kreisen auch heute noch nicht die Bedeutung des internationalen Automobilreiseverkehrs erkannt und ist sich nicht bewusst, wie sehr derselbe noch gefördert werden könnte, wenn man einmal raschen Schrittes ein von jedem formalistischen Ballast befreites, beim Grenzübertritt möglichst wenig Arbeit und Eintragungen erforderndes Zollpapier für Motorfahrzeuge schaffen könnte. Statt dessen plagt man sich nach wie vor mit den bisherigen zwei Dokumenten, Triptyk und Grenzpassierscheinheft, herum und stellt für deren Benützung Vorschriften auf, die in der Praxis nicht eingehalten werden können. Man braucht sich z. B. nur die Vorschriften der französischen Zollverwaltung über Verwendung von Triptyks und Grenzpassierscheinheft vor Augen zu halten •und-den langsamen Verkehr dieses Beamtenapp&rates anzusehen. Zwei gebräuchliche Dokumente. Heute kommen im internationalen Automobilreiseverkehr vornehmlich zwei Dokumente zur Verwendung, Triptyk und Grenzpassierscheinheft. Das erstere wird für jedes Land separat ausgestellt und findet hauptsächlich Verwendung für öftere Fahrten in das nämliche Land, was besonders für die Motorfahrzeugbesitzer in den Grenzkantonen gilt. Das Grenzpassierscheinheft. Das Grenzpassierscheinheft kann als für alle europäischen und nordafrikanischen Länder gültig ausgestellt werden und eignet sich daher besonders für Fahrten nach verschiedenen Staaten. Seine Verwendung ist in dem Sinne etwas begrenzt, dass das Heft nicht mehr als 50 Fichets enthält. Da stets je ein Fichet für je eine Ein- oder Ausreise nötig ist, können somit 25 Länder bereits, d.h. je 25 Ein- und Ausreisen unternommen werden. Wer daher öfters in ein und dasselbe Land fahren muss oder überhaupt viel reist, kommt mit dem Grenzpassierscheinheft nicht auf seine Rechnung, für ihn kommt nur das Triptyk in Betracht, wobei er dann allerdings für je ein Land ein Triptyk benötigt. Beide Ausweise sind je ein Jahr gültig, dagegen besteht eine wesentliche Differenz in der Löschung der Papiere. Beim Triptyk ist jedes eingetragene Visum, sofern nicht etwas anderes verlangt wird, nur ein provisorisches, d. h. bei der letzten Ausreise muss ein definitiver Austritt vermerkt werden. Geschieht dies nicht, so muss die definitive Löschung später in der Schweiz vorgenommen werden, wobei einzelne Länder sich nicht mit der Vorführung des Wagens bei "der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle begnügen, sondern sie verlangen eine bezügliche konsularische Bescheinigung, dass sich der Wagen in der Schweiz befindet. Dieser Aitest ist oft mit ziemlichen Auslagen verbunden, fordert doch z. B. das französische Konsulat eine Gebühr von nicht weniger als ca. 80 Schweizer Franken. Demgegenüber ist jedes Visum im Grenzpassierscheinheft ein definitives, eine spätere definitive Löschung kommt nicht mehr in Frage. Nötig ist nur, dass jedem Eintrittsvermerk auch eine Ausreisebescheinigung des betreffenden Landes entspricht. Das ideale Zolldokument fehlt. Das Grenzpassierscheinheft bietet so" gegenüber dem Triptyk zweifellos gewisse Vorteile, leichtere Handhabung, Löschung etc., aber es ist immer noch nicht das ideale Zolldokument, wie man es sich wünschen möchte. Einmal müssen all die 50 Fichets ausgefüllt werden, eine Arbeit, die man wegen den zu vielen Fragen gerne andern überlassen möchte, dann ist es ziemlich unhandlich, nimmt viel Platz in Anspruch und — es sind mit ihm eben nur je 25 Ein- resp. Ausreisen möglich. Inhaltliche Aenderungen. Dazu kommt hoch, dass Triptyks und Grenzpassierscheinhefte nach den Weisungen der Zollverwaltungen nur zu rein touristischen Zwecken verwendet werden sollen. Wer mit seinen Reisen geschäftliche Zwecke verbindet, soll weder Triptyk noch Grenzpassierscheinheft verwenden dürfen. Nun zeigt sich zwar in der Praxis, dass dieser Weisung weder nachgelebt wird noch nachgelebt, werden kann. Oft ist man eben doch gezwungen, eine Autoreise mit Geschäften zu verbinden, trotzdem der Fahrt nicht der Charakter einer Geschäftsreise zukommen kann. Es ist ja auch nicht einzusehen, warum die beiden Zollausweise nicht auch für geschäftliche Zwecke verwendet werden dürfen,' sofern sie ordnungsgemäss benutzt werden und kein Domizil des Inhabers im betreffenden ausländischen Staat vorhanden ist. Die Ausdehnung der Verwendungsmöglichkeit von Triptyks und Grenzpassierscheinheften auf Reisen für geschäftliche Zwecke drängt sich unbedingt auf und wird auf die Dauer nicht mehr zu umgehen sein. Formelle Aenderungen. Aber auch hinsichtlich der Form und der nötigen Eintragungen muss eine Aenderung erfolgen. Der künftige Zollausweis für Motorfahrzeuge muss handlicher und einfacher sein, die unzähligen Ausfüllungen von Fichets und deren Unterzeichnungen müssen wegfallen. Bei Ablauf der Gültigkeit des Papiers soll eine Bescheinigung einer Polizeibehörde, dass der Wagen sich wieder im Lande des Wohnortes des Besitzers befindet, genügen. Es soll ein Dokument ähnlich wie der Reisepass für Personen geschaffen werden, der die Ausstellung wie dessen; Benützung möglichst einfach und wenig zeitraubend gestaltet. Man spricht nun •'schon 'lange von diesem «Ideal-Zollpapier». Sache der Zollverwaltungen dürfte es sein, min «inmal mit aller Energie an dessen Verwirklichung heranzutreten und alle nicht stichhaltigen, formalistischen Einwände, und Bedenken bei Seite zu lassen, selbst wenn die Zollstatistik darunter leiden müsste.- Es besteht beim Völkerbund eine Sonderkommission für den Strassenverkehr. Wie wäre es, wenn sich auch diese dieses' Problems annehmen und so praktische Arbeit leisten würde, die sich in der Folge in überaus erfreulicher Weise im internationalen Motorfahrzeugverkehr auswirken würde. Man scheut sich heute allzusehr vor formalistischen Bedenken aller möglichen Art und hält mit Neuerungen ängstlich zurück. Man verfasst Berichte und Gutachten, hält Konferenzen und Vorträge ab und — wagt nicht die Tat, die allein den Fortschritt bringen kann. Möge es den Automobil-Clubs gelingen, auch bei den Zollverwaltungen einmal einem etwas fortschrittlicheren Geist zum Durchbruch zu verhelfen und mit all dem formalistischen Wirrwarr abzufahren, INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odw deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctv Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern der heute immer noch eine rasche und reibungslose Zollabfertigung verunmöglicht. Die Schaffung eines solch neuen Ausweises wird auch in den diese Dokumente ausfertigenden Clubs bedeutend weniger Arbeit bringen, da solche derart abgefasst werden müssen, dass jegliche unnütze Schreibereien vermieden werden. Wenn man bedenkt, dass allein in der Schweiz letztes Jahr gegen 40 000 Triptyks und Grenzpassierscheinhefte ausgestellt worden sind, wird man ermessen können, welch enorme Schreibarbeit hier geleistet werden musste und wie sehr hier Ab-* hilfe not tut. s. Heimatschutz und Autostrasse Bern—Thun. Der schweizerische Heimatschutzbund hat uns wissen lassen, dass er erst nach einer gemeinsamen Besichtigung des Terrains durch, dessen Vorstand und einen Ausschuss unseres Komitees Stellung zur Autostrasse Bern-Thun beziehen wird. Wir zollen diesem ruhig-sachlichen Vorgehen, welches das Ergebnis auch sei, alle Anerkennung. Unseres Wissens sollen auch Vertreter des Naturschutzbundes hierzu eingeladen werden, so dass es unbegreiflich ist, wenn einzelne Sektionen zum vornherein in gehässiger Weise gegen uns auftreten. Wir sind der Ansicht, dass. hier nicht einzig Fragen des Naturschutzes, sondern ebenso Fragen des Dorfschutzes, die zu einem grossen Teil in das Gebiet des Heimatschützes - fallen,. Berücksichtigung finden müssen. Es ist nicht zu vergessen, dass durch die Ausführung unseres Projektes verhängnisvolle Verkehrsunfälle vermieden werden können und dass zugleich ein gutes Stück Rühe in den Dörfern und Poesie auf der Landstrass© zurückkehren dürften. Wir halten in diesem Zusammenhang fest, dass die Vogelschutzreservate vom Trasse in keiner Weise berührt werden. Weiterhin dürfte bekannt sein, dass Herr Prof. Fischer an der letzten Naturschutzlandsgemeinde in Thun dargelegt hat, dass gerade das linke Ufer vom botanischen Stundpunkt aus sehr interessant sei. Dieses wird von unserem Projekt nicht im geringsten berührt. Wir haben uns die Trassewahl schon Jahre vor der Gründung unseres Komitees eingehend überlegt und sind nach wie vor der vollen Ueberzeugung, dass das bestehende Projekt wirtschaftlich und verkehrstechnisch als am .zweckmässigsten, wenn nicht geradeste einzig gegeben zu betrachten ist. FEUILLETON Die blaue Wand Von Richard Washbum Child. Autorisierte Uebersetzung aus dem Amerikanischen von Lise Landau. (Engelhorns Romanbibliothek,) (1. Fortsetzung) Die blaue Wand. Inhalt der letzten Nummer: Ein Arzt erzählt die Geschichte eines rätselhaften Falles. Er wurde als Hausarzt der Maiburys bei einer wohlhabenden Familie angestellt, die ihn rufen liess. da die kleine einzige Tochter Virginia an Hirnhautentzündung schwer krank darniederlag. Er ist sofort, als er das achtjährige Kind sieht, von dessen Schönheit entzückt'. Das Kind sieht starr nach der blauen Wand. Die Mutter des Kindes ist eine schon ältere Frau, die spät heiratete. Als Mrs. Marbury sich eben umwenden wollte, um das Zimmer zu verlassen, sah ich ihren Blick auf mich gerichtet, fest und tränenlos. Ich kenne jenen Blick, der vom Tode nichts wissen will* jenen Blick einer Frau, deren ganzer Vorrat an Liebe sich auf ein einziges Wesen vereinigt hat. Es war nicht das Flehen eines Menschen, das in dem Blick lag. Ihre Augen hatten nichts Menschliches. Es waren die bittenden Augen eines Rassehundes. In jenem Augenblick fühlte ich, dass ich mich des Falles anehmen müsste mit all meinem Können — dass ich meine ganze eigene Lebenskraft zu Hilfe rufen müsse. Das Bett, in dem Virginia lag, stand, wie ich schon sagte, an der Wand, — an der Wand des Mafburyschen Hauses. Ich zog mir einen Stuhl heran, und ehe ich mir die Kleine noch einmal ansah, warf ich einen forschenden Blick auf die Pflegerin. Sie mochte knapp dreissig sein, hatte schmale Lippen, lange Hände, Augen, kalt wie Metall und jenen eigentümlich farblosen, derben Teint, der immer ein Zeichen von Kraft und Zähigkeit und vielleicht auch ein Zeichen herber Gemütsart ist. Sie hiess Miss Peters. Mac Mechems Notizen über den Fall, die ich noch in der Hand hielt, erwähnten die bekannten Symptome des Leidens: Kopfschmerzen, Ungleichheit der Pupillen, Schwindel- und Krampfanfälle. Er war der Ueberzeugung gewesen, dass es sich hier nicht um eine Ansteckungskrankheit oder um eine solche des Gehirnes oder Rückenmarkes handelte. Nach seinen Beobachtungen, die mit denen der Pflegerin übereinstimmten, lag hier ein Fall von zeitweilig unterbrochener Schlafsucht vor. Oft schien die kleine Virginia stundenlang bewusstlos, voller Unruhe und Atembeschwerden, wobei Stirn- und Nackenmuskeln sich krampfartig zusammenzogen. Dann wieder lag sie ganz friedlich da, so dass nach einiger Zeit eine sichtliche Besserung des Befindens, die so sehr von der Erhaltung der Kräfte abhing, zu bemerken war. Die Ursache der Erkrankung hatte Mac Mechem auf einen mit nicht genügender Aufmerksamkeit behandelten Abszess im Ohr zurückgeführt, oder auf eine Verletzung des Kopfes, die zuerst als belanglos angesehen worden war. Ich wandte das Blatt mit den Aufzeichnungen um und — weiss Gott! da stand etwas sehr Merkwürdiges. Es war offenbar in nervöser Hast hingeschrieben. Der arme Mac fragte da — und es klang halb wie ein Befehl — gleichsam wie eine Botschaft aus dem Jenseits: «Was erhält sie am Leben? Was ist hinter der Wand der Marburys?» Die. Worte machjen mich stutzig. «Hinter der Wand?» sagte ich zu mir. «Hinter der Wand? Hinter welcher Wand?» Da standen alle die wissenschaftlichen Notizen von seiner Hand! Und zum Schluss ha-tte dieser durchaus klarblickende, tüch>tige Arzt solch einen Unsinn geschrieben! «Was ist hinter der Wand der Marburys?» «Bitte, kommen Sie her,» rief ich der Pflegerin leise zu. Sie kam, blickte über meine Schulter hinweg auf die Worte, die ich ihr mit dem Finger wies, und über ihr Gesicht flog ein entsetzter Ausdruck des Verstehens, der um so unheimlicher wirkte, als er auf ihren sonst unbeweglichen Zügen zum Vorschein kam. Sie gab keine Antwort. Sie machte nur eine Handbewegung, der ich mit den Augen folgte. Und nun merkte ich, dass die Wand, um die es sich handelte, jene blaue Fläche dort war, jene scheinbar harmlose Wand, die bald glatt, hart und undurchdringlich, dann wieder unbegrenzt und tiefblau wie ein Sommerhimmel zu sein schien. «Schrauben Sie die Lampe etwas heller,» sagte ich mit einigem Unbehagen. «Was hat die Wand da mit uns zu tun?» «Nichts,» entgegnete Miss Peters. «Absolut nichts. Ich lehne es ab, mich auf diese Dinge einzulassen.» «Ja, aber was hat denn Dr. Mac Mechem gesehen?» fragte ich. «Nichts hat er gesehen,» gab sie zur Antwort. «Aber das Kind hat die Vorstellung, dass sich irgend etwas Besonderes hinter jener Wand befindet. Das sind eben ihre Fieberphantasien ohne jeden Sinn und Verstand. Sie glaubt, dass jemand hinter der Wand ist und hat auch versucht, es uns zu erklären. Dabei legt sie ihre Händchen, an die Wand und lächelt, und dann wieder zieht sich ihr Gesicht zusammen, wenn sie hinblickt, wie in heftigem Schmerz. Die Wand übt eine ganz sonderbare Wirkung auf sie aus.» «Welcher Art?» fragte ich, und dann weiter: «Mir scheint, Sie stehen auch ein wenig unter dieser Wirkung, was? Mac Mechem war schliesslich kein Phantast! So reden Sie doch!» Fortsetzung siehe Autler-Feierabend.