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E_1930_Zeitung_Nr.044

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Delegiertenversammlung

Delegiertenversammlung des A.C.S. in Bern Sonntag morgen, um 10 Uhr, fanden sich 108 Delegierte im Casino Bern ein, um über wichtige Fragen zu verhandeln. Der Verlauf der Beratungen war folgender : Zentralpräsident Dr. Mende eröffnet die Versammlung. Er gibt bekannt, dass die Sitzung sehr wahrscheinlich am Nachmittag fortgeführt werden muss. Nach den Wahlen der Stimmenzähler und Protokollführer erhält der Präsident der Finanzkommission Devaud das Wort. Er gibt neben den allgemeinen Ausführungen im besondern noch Erklärungen über die vorgekommenen Budgetüberschreitungen, welche hauptsächlich auf Ausgaben beruhen, die dringend von der Tourenkommission verlangt wurden. Er konstatiert mit Freuden, das ein Ueberschuss von 60,686.20 Franken zu verzeichnen ist, der zur Abschreibung von Schulden und zur Amortisation des Mobiliars usw. verwendet wird. Die Versammlung nimmt stillschweigend die Jahresrechnung und den Voranschlag an. Der Jahresbericht gab den Delegierten bereits Auskunft über das stete Wachsen und Gedeihen des A. C. S. Die Mitgliederäahl beträgt nun 12,158 Personen, davon entfallen allein 2551 auf die Sektion Zürich. Dr. Mende geht nun zur Behandlung der beiden wichtigsten Traktanden über, welche zusammengehören. Es handelt sich um die Zusammenarbeit mit dem Schweiz. Aero- Club und um den Vorschlag der Verlegung des Zentralsitzes nach Bern. Beide Fragen wurden von einer Kommission von sieben Mitgliedern genau studiert und jedem Delegierten wurden die gedruckten Vorschläge sowie deren Begründung zugestellt. Die Vorschläge lauten : 1. Zusammenarbeit mit dim Aero-Club. Die Mehrheit der Kommission (4 Stimmen) schlägt vor: Das Zentralkomitee wird beauftragt, eine Vereinbarung mit dem Schweiz. Aero-Club zu treffen, die eins engere Zusammenarbeit zwischen den beiden Clubs vorsieht. Diese Zusammenarbeit soll unter folgenden Bedingungen verwirklicht werden: a) Vollständige Unabhänhigkeit der beiden Clubs voneinander. b) Der A. C. S. stellt dem Aero-Club seine Bureaus, wie auch seine Bureaueinrichtung gegen eine entsprechende Entschädigung zur Verfügung. c) Der Aero-Club hat einen besonderen Generalsekretär,, welcher die Verantwortung für die Verwaltung des Aero-Clubs trägt, der aber der administrativen Kontrolle und den Direktiven des Geschäftsführers des A. C. S. untersteht. d) Das Personal jeder der beiden Sekretariate wird von dem entsprechenden Club angestellt. Immerhin soll dieses Personal gegen eine entsprechende Entschädigung zur Verfügung der einen oder ändern Verwaltung stehen, um eine rationelle Arbeit zu ermöglichen. e) Die Verlegung des Zentralvorstandes des A. C. S. nach Bern wird auf Ende der gegenwärtigen Amtsperiode vorgesehen. Immerhin kann die Verlegung auch vorher oder nachher stattfinden, falls dringende administrative Umstände dies fordern. f) Diese Vereinbarung wird auf unbestimmte Hauer geschlossen. Die zwei Verwaltungen behalten sich das Recht vor, diese zu ändern oder aufzuheben. Beiderseits wird eine Kündigungsfrist von sechs Monaten für die Benütung der Räume vorzgesehen, wobei nur auf den 1. Mai oder 1. November gekündigt werden darf. Die Minderheit der Kommission (3 Stimmtn) beantragt, diesen Vorschlag abzulehntn. 2. Verlegung des Zentralsitzes. Die Mehrheit der Kommission (fünf Stimmen) schlägt vor, den Sitz des A.C.S. nach Ablauf der gegenwärtigen Amtsperiode, also auf Ende 1031, nach Bern zu verlegen. Die Minderheit der Kommission (zwei Stimmen) hfantragt, für den Augenblick auf diese Frage nitiht einzutreten. Dr. Mende bedauert, dass die Frage zu frühzeitig an die Oeffentlichkeit getragen wurde. Er weist die Vorwürfe gegen bestimmte Personen des Zentralvorstandes zurück und gibt einen kurzen Ueberblick über die Entstehung der beiden Fragen. Eine gewisse Zusammenarbeit mit dem Aero-Club besteht schon seit fünf Jahren, zu jener Zeit liat es sogar ein gemeinsames Organ gegeben. 1924 entstand das grundlegende Reglement für die Autavias. Im Juli 1928 wurde die Zusammenarbeit beider Clubs wiederum studiert und der Delegiertenversammlung darüber genau berichtet. Damals schon wurde die genaue Uebereinstimmung der Ziele und Bestrebungen beider Vereinigungen konstatiert. Am 12. März 1930 kam ein Brief des Aero-Clubs an das Zentralkomitee und bat, es möchte dem Interims-Sekretär des Aero-Clubs erlaubt werden, die Räume unserer Verwaltung zu benützen. Damit kam auch eine Sitzverlegung zum erstenmal zur Sprache, weil der Aero-Club unbedingt seinen Sitz in Bern haben muss. Infolgedessen beschloss das Zentralkomitee, sowohl die Frage der Zusammenarbeit, wie der, Sitzverlegung auf die Tagesordnung der Frühjahrsdelegiertenversammlung zu setzen. Dr. Stadler, Präsident der Spezialkommission, berichtet über die Arbeiten der letztern. Er zeigt, dass, die Interessen der beiden Clubs durchaus gleichgerichtet sind und lässt durchblicken, dass der T. C. S. wohl eine solche Zusammenarbeit gern annehmen würde. Er empfiehlt Annahme des Vorschlages. Weiter stellt er die Frage, ob zuerst über die Sitzverlegung oder Über die Zusammenarbeit abgestimmt werden solle. Als Berichterstatter der Kommissionsminderheit spricht nun Renaud aus Genf. Auch er kommt auf die Vorgeschichte zu sprechen. Die Vorteile werden allgemein stark überschätzt, die Nachteile aber übergangen. Er befürchte den Einfluss der Offizialität, wie sie im Aero-Club bereits existiert. Es ist gefährlich, einen Dualismus in den A. C. S. hineinzutragen, da nicht jeder Geschäftsführer wie Major Primault imstande sein wird, Funktionen sowohl im A. C. S., wie im Aero- Club auszufüllen. Weiter glaubt er, die vorgeschlagene Lösung sei gegen die Statuten. Damit wurde die Sitzung abgebrochen. An dem Bankett begrüsste Dr. Mende den als Gast anwesenden Bundesrat Häberlin, welcher ebenfalls einige herzliche Worte an die Versammlung richtete. Er betonte, wie wertvoll gerade für die Bundesbehörden im Hinblick auf das kommende Verkehrsgesetz die Zusammenarbeit mit dem A. C. S. sei. Nach aufgehobener Tafel wurde die Beratung am Nachmittag fortgesetzt. Pellichet schlägt im Namen der Sektion Waadt vor, den Entscheid über Zusammenarbeit und Sitzverlegung bis zu einer nächsten Delegiertenversammlung zu verschieben. In der Zwischenzeit soll die ganze Frage nochmals studiert werden. Weyermann (St. Gallen) beantragt, heute nur über die Sitzverlegung abzustimmen, de Weck (Freiburg) unterstützt den Waadtländer-Antrag, ebenso Dr. Hotz (Schwyz). Verschiedene Redner sprechen nun noch zu Gunsten der Verschiebung, wobei Waadt seinen Antrag dahin präzisiert, es solle die Frage bis zur nächsten ordentlichen Delegiertenversammlung verschoben werden. Demgegenüber schlägt Dr. Stadler nun vor, es solle dem Zentralkomitee überlassen werden, ob er zur Erledigung der beiden Fragen eine ausserordentliche Delegierten-Versammlung einberufen will. In der nun folgenden Abstimmung wurde der letztere Antrag mit 69 gegen 38 Stimmen dem Antrag Waadt vorgezogen. Zwei Redner machten auf die Gefahren aufmerksam, welche die Leuchtreklame in Kurven und bei Niveauübergängen schafft. Dr. Mende versprach, der Zentralvorstand werde sich mit der Frage befassen. Härlimann (Zürich) protestierte noch gegen das Gerücht, dass die Sektion deshalb eine Verlegung des Sitzes nach Bern befürworte», weil sie Bern als eine Etappe auf dem Wege nach Zürich betrachte und später den Sitz für sich beanspruchen wolle. Auf Antrag des Zentralvorstandes wurden dann auch einige geringfügige Aenderungen im nationalen SpoTtreglement stillschweigend genehmigt. Die übrigen Geschäfte wurden schnell erledigt. Als Ort der nächsten Delegiertenversammlung wurde Freiburg bestimmt. Auf Antrag der Sektion Thurgau wurden die Herren H. Saurer und Direktor Meyer als Ehrenmitglieder des A. C. S. ernannt. Darauf konnte der Präsident gegen 5 Uhr hin die Versammlung, die in erfreulicher Harmonie erspriessliche Arbeit geleistet hatte, aufheben. Zwei Zeppelinfahrten des A. C. S. In dem Augenblick, wo die Frage der Zusammenarbeit des A. C. S. mit dem Aero- Club der Schweiz zur Diskussion steht, ist es interessant zu hören, dass das Touristikbureau der Sektion Zürich das Luftschiff « Graf Zeppelin » fest für eine Fahrt nach Spitzbergen gechartert hat. Ebenso wird eine zweite Sonderfahrt des A.C.S. durch die Schweiz mit dem Luftschiff in Aussicht genommen, falls dafür genügend Anmeldungen eingehen. Die Fahrt nach Spitzbergen ist auf die zweite Woche des Monats Juli vorgesehen und dauert 60 Stunden. Es können 20 Personen daran teilnehmen. Anmeldungen sind an des Touristikbureau der Sektion Zürich des A.C.S., Waisenhausstrasse 2, zu richten. . -o~ Zwölf Tage vor Les Rangiers. Bereits sind neun Anmeldungen für unser erstes nationales Bergrennen in dieser Saison eingegangen. Es haben sich eingetragen: 1. Markiewicz (Rosengart). 2. Zbinden, Karl (Bugatti). 3. Spälty, Kurt (Amilcar). 4. Wittwer, P., Bern (Alfa Romeo). 5. Girardin, G., Biel (Alfa Romeo), ß. Catte (Fiat 501). 7. Schlächter, Pruntrut (Peugeot). 8. Obi, W., Münsingen (Bugatti 2000 ccm). 9. Hirt, Biel (Chrysler). Dazu kommen noch diejenigen Fahrer, die sich bereits für die Schweiz. Meisterschaft eingetragen haben, also Hans Stuber, Alfred Keiler, Jean Peadrazzini und Eugen Berli. AUTOMOBIL-REVUE 25 Jahre A. C. S.-Sektion bedeuten nicht einfach ein Vierteljahrhundert in der Zeitgeschichte. In ihnen spiegelt sich vielmehr die ganze Entwicklungsperiode des schweizerischen Automobilismus, der ja zu Beginn unseres Jahrhunderts noch völlig in den Kinderschuhen steckte. 25 Jahre Automobilgeschichte in der Schweiz wollen aber etwas heissen! Unermüdliche Pionierarbeit, Kampf mit Behörde und Gesetzgebung um einen gebührenden Platz im Wirtschafts- und Verkehrsorganismus des Landes, Ueberwindung starrer Vorurteile in der Oeffentlichkeit, Organisation in den eigenen Reihen: dies alles ist mit dem Vierteljahrhundert verbunden, das die Sektion Bern nun so erfolgreich abgeschlossen hat. Wer hätte deshalb die Gelegenheit nicht wahrnehmen wollen, um dieses Jubiläum festlich zu begehen, um Rückblick und Ausschau zu halten! Nicht nur die Sektion, auch der Landesverband als solcher hatte sicher allen Anlass, sich ob des glücklich beendeten ersten Vierteljahrhunderts zu freuen. Der A. C. S. kommt in die Jahre! Schon vier seiner mächtigsten Sektionen, nämlich Zürich, St. Gallen-Appenzell, Waadt und nun Bern können auf eine solche lange und reiche Clubgeschichte zurückblicken. Gleich wie die jubilaren Schwestersektionen hat es sich Bern nicht nehmen lassen, seine Vergangenheit festzuhalten und in einer kleinen gediegenen Festschrift (Siehe Besprechung Seite 5.) niederzulegen. Für die Jubiläumsfeier selbst hatten die Berner wohl den geeignetsten Zeitpunkt ausgewählt, indem sie diese als Auftakt zur diesjährigen ordentlichen Frühjahrs-Delegiertenversammlung des A. C. S. durchführten, welche letzten Sonntag in Berns Mauern tagte. Zahlreich hatten die Delegierten der Einladung Folge geleistet, und wes Namen in A. C. S.-Kreisen Klang und Gewicht hat, war fast ausnahmslos erschienen. Die Sektion, welche die engsten Beziehungen mit den Behörden von Stadt, Kanton und Bund pflegt und bei diesen auch in entsprechendem Ansehen steht, hatte das grosse Vergnügen, eine" Reihe prominenter Magistraten und massgebender Beamten an ihrem Ehrentage teilnehmen zu sehen. Die Sektionsmitglieder selbst hatten dem Appell in Scharen Folge geleistet und die Anmeldungen zur Teilnahme waren so zahlreich eingelaufen, dass eine beträchtliche Zahl von Clubmitgliedern nicht mehr berücksichtigt werden konnten. Den auswärtigen Gästen zuliebe und der vaterländischen Tradition der Sektion entsprechend sollte das Jubiläum spezifisch Berner Charakter haben. Wie Bern ohne Bärengraben nicht denkbar wäre, so gehört auch der Kornhauskeller zum Charakteristikum der Stadt, so dass es nahe lag, die Feier dorthin zu verlegen, obwohl die Raumverhältnisse dem Organisationskomitee erhebliche Schwierigkeiten bereiteten. Es war sicher kein leichtes, die Haupthalle mit ihren verschiedenen unterteilten Nischen, sowie die beidseitigen Galerien zu einer räumlichen Einheit zusammenzufassen, und tatsächlich lockerte sich hie und da etwa die Verbindung zwischen diesen, worunter erfreulicherweise zwar einzig die Verständlichkeit der Reden etwas gelitten haben mag. Die beiden wackern Hellebardiere sowie der Mutz, welche die Gäste in Empfang nahmen, vermittelten gleich von Anfang an das echte und behäbige Berner Milieu, dem man sich in der Folge nur allzugerne anvertraute. Liebenswürdige Herren des Komitees machten die Honneurs und sorgten, dass jeder in dem mit Fahnentuch und Blumen reich geschmückten Kornhauskeller den ihm zugedachten Platz fand. Die bunte Dekoration, die natürlich ganz im. Zeichen des Automobilismus und des A. C. S. stand, kontrastierte farbenprächtig mit der bunten Revue der festlichen Damentoiletten und dem vorherrschenden Schwarz der Herren. Recht originell nahmen sich die ulkigen Wandverse aus, welche ein geschickter Sektionspoet in währschaftem Bärndütsch den Automobilisten ins Stammbuch schrieb. Eine kleine Auslese wird im nächsten Autler-Feierabend wiedergegeben. Zu den Klängen der strammen Stadtmusik, welche mit Schneid und Verve die Tafelmusik bestritt, Hessen sich die Festteilnehmer das opulente Souper munden, bei dem natürlich die schwerbeladene Bärner Platte nicht fehlen durfte. Die mit der Reichhaltigkeit eines Berner Menüs weniger vertrauten hatten wenigstens in den Pausen zwischen den einzelnen Gängen die nötige Gelegenheit, um sich jeweilen wieder auf neue Taten vorzubereiten. Ein reizendes Intermezzo und ein froher Auftakt zum Geselligen bot ein munteres Jodellied, das eine bodenständige Jodlergruppe unerwartet von der grossen Freitreppe aus frischgemut zum besten gab. Einheimische Sitte und Volksart hätten nicht besser als durch diese sangeskundige Trachtengruppe illustriert werden können, und der reiche Beifall galt wohl ebensosehr ihrem 1930 - N° M Die Jubiläumsfeier der Sektion Bern des A. C. S. Können als auch der den Gästen damit zugedachten Aufmerksamkeit in der Vervollständigung des betonten Berner Milieus. Mit den Reden wurde weises Mass gehalten. Herr Oberst Marbach begrüsste als Sektionspräsident die Anwesenden in einer markanten berndeutschen Ansprache, in welcher er die Sektionsgeschichte nochmals kurz Revue passieren Hess. Sein besonderer Grass galt den prominenten Vertretern von Behörden und den Delegierten, welche, wie wir bereits eingangs erwähnt haben, erfreulich zahlreich als Gratulanten erschienen waren, nämlich die Herren : Regierungsräte Bösiger und AI outtot, Polizeidirektor Schneeberger, Fürsprech Mühlemann vom kant. Strassenverkehrsamt, Polizeikommissär Müller, Dr. Rothmund vom Justiz- und Polizeidepartement, Oberst Hamberger, Hauptmann Kuenzi vom Aero- Club, Dr. Mende und Professor Steinmann vom Direktionskomitee, sowie -weitere 22 Mitglieder des C. C. und der Zentralen Sportkommission. Das Zentralsekretariat war durch seinen Chef. Herr Primault, und dessen Sekretär, Herr Dütschler. vertreten. Die Tochtersektion Seeland-Jura und Les Rangiers hatten ihre Präsidenten abgeordnet. Dia Sektion Bern des T.C.S. vertrat deren Präsident, Herr Fürsprech Baumgartner, vom Aero-Club war Hauptmann Kuenzi und vom S. D. A. C. Frau Dr. D. Debrit-Vogel delegiert worden. Mit besonderem Beifall wurde die Mitteilung aufgenommen, dass Herr A. von Bonstetten, der Mitbegründer und langjährige erste Präsident der Sektion, ebenfalls am Feste teilnahm. Auf die Entwicklung der Sektion übergehend, erinnerte der Präsident daran, wie elf Mann es waren, welche den Grundstein legten und 1500 Berner sich heute um das A. C. S.-Banner scharen, wovon über 800 in der Muttersektion gruppiert sind. Für die ersten Mitglieder galt es, sich nach allen Seiten für das Auto einzusetzen. Strassenbau und Gesetzgebung sollten dem neuen Verkehr angepasst werden. Aber hier hat die Erkenntnis nach der Notwendigkeit einer Umstellung bei den Behörden nur sehr mählich eingesetzt. Einzig der Fiskus war ä jour und hat den Automobilisten bereits damals vollauf zu «würdigen» gewusst. Der Redner gedenkt der hohen Verdienste, welche sich Führer der Automobilbewegung, wie A. v. Bonstetten und Dr. Mende um die Sache des Clubs und des Automobilwesens erworben haben. Die sehr stark applaudierte Ansprache wurde vom Vorsitzenden in ihren wesentlichen Zügen den Kollegen aus der welschen Schweiz in französischer Sprache wiederholt. Den Gruss des Centralkomites fiberbrachte Herr Prof. Steinmann, Genf, als Vizepräsiden des Clubs. Er gratuliert den Veranstaltern zu dieser von echt bernischem Geiste getragenen Feier. Er würdigt die Beständigkeit und Beharrlichkeit, welche die Berner kennzeichnet und die ihren deutlichen Niederschlag auch in der Entwicklung der Sektion gefunden haben: Während 25 Jahren war die Leitung des Clubs nur zwei Präsidenten anvertraut, eine Besonderheit, wie sie wohl keine andere Sektion zu verzeichnen hat Er überreicht dem Präsidenten zuhanden der Sektion eine prächtige silberne Gedenkplaquette und vergleicht in glänzendem Schlusswort deren Dauerhaftigkeit mit der Beständigkeit der Berner Tradition und ihren Wert mit dem Resultat der von den Bernern geleisteten Arbeit. Stürmischer Applaus quittiert die Ausführungen und stehend singt die Festversammlung die Nationalhymne. Punkto Unterhaltung meinten es die Organisatoren mit uns ebenso gut, vielleicht nur zu gut, denn die Fülle des Gebotenen vermochte vom allgegenwärtigen maitre de plaisir kaum mit den knappen Stunden, die zur Verfügung standen, in Einklang gebracht werden. Die muntere Jodlergesellschaft von Niederscherli (also sicher gut bärnisch!) gab noch manche schöne Weise zum Besten. Die moderne Richtung hätte wohl nicht besser als durch die Tänze der Schülerinnen von Mohr-Macciacchini repräsentiert werden können. Ihre dem Automobilistischen entnommenen Sujets waren ebenso originell wie geschickt interpretiert, so dass auch der weniger mit den Finessen Terpsychores vertraute Fahrer auf dem Gebiet der Tanzdarstellung zu folgen vermochte. Daneben sorgten zwei Kapellen für wechselweise Tanzmusik, auf deren Mitwirkung die jüngere Garde schon recht sehnsüchtig gewartet hatte. Wenn auch das improvisierte Tanzparkett die Paare zu grösster Rationalisierung im Platze zwang, so herrschte doch hier gleichfalls beste Stimmung, denn auch in dieser Beschränkung zeigten sich die Berner und ihre «Meitschi» als Meister. Unnötig zu sagen, dass die Stunden enteilten, bevor man sich Rechenschaft darüber ablegen konnte und nur recht ungern dachte mancher an die Verpflichtungen, welche ihm die am folgenden Tag anberaumte Delegiertenversammlung auferlegte. Nachdem man mit dieser Selbstmahnung schon mancherlei Anläufe zu einer «rechtzeitigen» Heimkehr gemacht hatte, von Musik, Gesellschaft und A.C.S.-Kameradschaft immer wieder zurückgehalten worden war, mochte

44 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE Delegiertenversammlung des A. C. S. Vom Bankett der Delegierten. Die Herren Dr. Mende, Zentralpräsident, und Oberst Marbach, Sektionspräsident, begrüssen Bundesrat Häberlin. der als Ehrengast dem Bankett beiwohnte. es dem einen etwas früher, den andern noch «früher» gelungen sein, auch unter diese prächtige Jubiläumsfeier den Schlusstrich zu setzen. Mit der Festsektion blicken wir nun vertrauensvoll und zuversichtlich in die Zukunft, einem zweiten und ebenso erfolgreichen Viertel]ahrhundert entgegen! b Generalversammlung des T.C.S. Letzten Samstag, den 17. Mai, fand in Genf die Generalversammlung des T. C. S. statt. Wie wir leider erst kurz vor Redaktäonsschluss erfahren konnten, wurde unter dem Vorsitz von Dr. Henneberg die Tagesordnung rasch erledigt. Der Bericht des Verwaltungsrates, die Jahresrechnung und der Bericht der Rechnungsprüfungskommission wurden diskussionslos angenommen. Es wurde ferner beschlossen, den Jahresbeitrag auf zwölf Franken zu belassen. Endlich wurden noch die elf Mitglieder des Verwaltungsrates in •ihrem Amte bestätigt. Einweihung der Lorrainebrücke in Bern. Es sind nun ziemlich genau 70 Jahre her, seitdem aus den nördlicheren Quartieren der Stadt Bern der Wunsch nach einer richtigen Brückenverbindung mit der Altstadt laut wurde. Aber die Aare floss noch eine geraume Zeit durch das grüne Tal, bis eines Tages Hämmern und Klopfen anhub und sich Gerüste in die Höhe reckten. Letzten Samstag den 17. Mai weihte Bern nun seine neue Hochbrücke ein, begünstigt von einem idealen Festwetter, das die Zylinder der Offiziellen und die vielen Fahnen festlich zum Glänzen brachte. Das Lorrainequartier hatte entsprechend der Bedeutung der Einweihung das ganze untere Quartier mit Guirlanden, Fahnen und Ehrenpforten geschmückt. Um 10 Uhr sammelte sich beim Bärengraben der offizielle Festzug, an dem die Stadtbehörden, der Regierungsrat, Vertreter der eidg. Behörden, der Gerichte und viele Vereine und Delegationen teilnahmen. Unter den Anwesenden bemerkte man auch Vertreter des A. C. S. Sektion Bern und des T. C. S. Sektion Bern. Der Zug marschierte unter den Klängen der Berner Musikvereine durch die alten beflaggten Gassen der Stadt und hielt sodann auf dem stadtseitigen Brückenkopf still, wo der offizielle Einwei- (Sohluss siehe Spalte 4) Sportnachrichten XVIII. Intern. Semmering- Rennen. (14. September 1930.) Bereits erscheint das Reglement zu dieser österreichischen Veranstaltung, die bekanntlich dieses Jahr für die Bergmeisterscliait gilt. Das Rennen findet auf der Strasse Wien-Graz statt, und zwar von der Ortschaft Schottwien (79 km von Wien) bis zu Semmering-Passhöhe (89 km), die Strecke beträgt also 10 Kilometer. Die Höhendifferenz ist 418 Meter, die durchschnittliche Steigung 4,2%, die Höchststeigung 10,4%. Neben dem internationalen Rennen, das gemäss dem Reglement der A^ I. A. C. R. nur für Sport- und Rennwagen offen ist, findet noch ein nationales Bergrennen über die gleiche Strecke für Tourenwagen statt. Die wichtigsten Bestimmungen für das internationale Rennen sind folgende : Teilnahms- und startberechtigt sind die Inhaber einer Lizenz, die von einem der A. I. A. C. R. angeschlossenen Verband ausgestellt wurde. Ein Mitfahrer ist zugelassen, dagegen muss da, wo das Reglement Passagiere vorsieht, Ballast im Gewicht von 60 kg pro Person mitgeführt werden. Bei der Entgegennahme der Startkarte haben die Konkurrenten oder deren Vertreter