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E_1930_Zeitung_Nr.045

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REVUE AUTOMOBILE

REVUE AUTOMOBILE 1930 - N» 45 G E/VE VE V Rue Qenera/ Vufour /gnements ZL/ft/CH 30 Löwensfrasse TEL. ^2-230 TEL.SEL. 86.58 Verl«, Administration, ROTOFF-Bruck und Clicherie: HAMiWiAG A.-G. Hallereche Buchdruckerei & Wajnensche Verlagsanstalt, Bern.

45 V. Blatt BERN, 23. Mai 1930 Die Grosse, die raffinierte Organisation und Leistungsfähigkeit der Renault-Werke setzten selbst abgebrühte habitues auf Schlachtfeldern der Arbeit in Erstaunen. Man erkannte mit aller Deutlichkeit, dass die europäische Automobilindustrie vor der amerikanischen noch lange nicht zu kapitulieren braucht, ja, im- Gegenteil, richtig betrieben, einer unbegrenzten Zukunftsentwicklung entgegensehen kann. Französische Gastfreundschaft ist weltberühmt für Grosszügigkeit und Feinfühligkeit. Die Direktion der Renault-Werke tat ihr Bestes, um diesen Ruf wennmöglich noch zu überbieten. Sie hatte es sich nicht nehmen lassen, den Studienfahrern die beiden S.B.B.- Salonwaggons zur Verfügung zu stellen, in denen es sich wahrhaft fürstlich reisen Hess. Mitten im Herzen der Lichterstadt, im *Commodore», war für splendide Unterkunft gesorgt, 1 * und bei einem Bankett im Dachrestaurant der Renault-Werke lernte man alle Wunder französischer Kochkunst kennen. Die Hauptgruppe der Renault-Werke in Jillancourt liegt am rechten Ufer der Seine. Si ne neue riesige Halle erhebt sich gegenüber .f einer künstlich erhöhten Insel. Festland und Insel sind miteinander durch eine schwere, selbst für Eisenbahnfahrzeuge befahrbare Brücke (von und exklusive für Renault gebaut) verbunden. Vom Pariser Stadtzentrum aus sind die Anlagen durch den Autobus in 20 Minuten bequem zu erreichen. Was ein richtiger Pa- Automobil-Revue Auf Besuch in den Renault-Werken. 30plätzigen Renault-Cars gar nichts so ungewöhnliches. Man weiss dann kaum' mehr, was man mehr bewundern soll, ob die Disziplin, Ruhe und Flinkheit der übrigen Strassenbenützer, oder die Fahrgewandtheit des Führers oder den Motor oder die Bremsen. Jedenfalls aber staunt man. Ein Rundgang im Eiltempo. Nach der (Einfahrt ins eigentliche 'Fabrikareal ist es aus mit jeder Orientierung. Man wisse, dass die Renault-Werke eine Fläche von mehr als 3,000,000 Quadratmeter bedecken, das sind % der Fläche der Stadt Bern! Dass sie 32,000 Arbeiter und Angestellte beschäftigen, ungefähr gleichviel wie die Stadt Biel Einwohner zählt. Aber dafür werden in ihnen auch nicht « nur » 4—500 Automobile täglich zusammengebaut. Im Gegensatz zu andern Automobilfabriken, die in mehr oder minder starkem Grad Montagearbeit betreiben und Halbfertigprodukte oder gar fertige Einzelteile von auswärts beziehen, macht Renault alles selbst. Holz, Metalle und Metallprodukte werden im Rohzustand eingekauft und in den Werken selbst verarbeitet. Nur so besteht sichere Gewähr für einwandfreies Material, nur so hat die Fabrik freien Spielraum, um rasch sich als vorteilhaft erweisende Umstellungen vorzunehmen, nur so ist es dem Konstrukteur möglich, in jedem Fall für jeden Teil das bestgeeignete Material anzuwenden. Renault macht alles selbst. Aus dem Roheisen werden in eigenen Stahlwerken mit Bessemerbirnen, Kupolöfen und allem andern Drum und Dran die aus- _ Vertreter unserer Militärbehörde und riser Chauffeur ist, schafft es auch in kür-gewähltesten Zeit. Denn, einmal aus dem engeren folgen den weiteren Lebensweg eines solchen Stahlsorten gebraut. Wir ver- ^Presse hatten kürzlich Gelegenheit zur Be-zeresichtigung der Renault-Werke in Billancourt. Stadtbezirk heraus, am Trocadero vorbei, Spezialstahles in der ersten Halle, in die wir Die Studienreise stand unter der überaus umsichtigen Leitung des Direktors der « A.-O. Stundenkilometer sind selbst mit massiven nen werden hier Wagenfedern hergestellt. wird ungeniert «aufgedreht» und 60 bis 70 eintreten. Mittels modernster Spezialmaschi- für den Verkauf der Renault-Automobile in Der ganze, bei Handarbeit so mühsame und der Schweiz», Herrn Rene Eberhard, und zeitraubende Prozess geht in wenigen Minuten vor sich. Durch weitgehende Auto- hinterliess bei allen Beteiligten einen gewaltigen Eindruck. matisierung sind Schätzungsfehler bei der Wärmebehandlung, die sich sonst kaum vermeiden lassen, aber von unliebsamsten Folgen sein können, vollkommen ausgeschaltet. Durch ausgeklügelte gegenseitige Anordnung der einzelnen Arbeitsstufen wird auch die Transportarbeit, im Fabrikationsbetrieb meist unwirtschaftlicher Leerlauf, auf ein Minimum reduziert. Am Anfang der Halle besteht das Rohmaterial der Federn noch aus hohen Stapeln unansehnlicher Stahlbänder. Hundert Meter weiter türmen sich schon die Stapel der fertigen Federpakete. Ziehen, Walzen, dessen... Gegenüber der Federherstellungs-«Strasse» reiht sich Ziehbank an Ziehbank. Hier entstehen aus rohen unbearbeiteten Stangen präzis gezogene Wellen, die nur noch geringer Nacharbeit bedürfen. Im Hintergrund befinden sich ausgedehnte Walzanlagen für alle erdenklichen Formen von Stahl- und Profileisen. Im ganzen behandelt diese Abteilung täglich über 40 Tonnen Metall. Noch im gleichen Gebäude stossen wir auf die ^Aluminium- und Bronzegiesserei. Auch hier' Arbeit am laufenden 'Band. Langsam kommen die Formen auf ihrem Band herangeschwebt, erhalten slhre , silbrig glänzende, glühende Füllung, küjlen sich nach und nach wieder ab und werden 30 Schritt von der Giessstelle .entfernt schon geöffnet. Die Schmelzöfen werden mit Rohöl geheizt. Die Aluminiumgiesserei allein verarbeitet täglich 12 Tonnen. Für kleinere Stücke dient eine hochmoderne Spritzgussanlage. Flüssiges Aluminium gelängt hier unter hohem Druck, teilweise durch Schleuderwirkung, in Metallformen, sog. Kokillen. Nach dem Oeffnen der Form ist das Stück so gut wie vollendet. Die Gussgenauigkeit kann hier bis auf 3/100 'Millimeter gesteigert werden, was jede Nacharbeit überflüssig macht. N» 45 V. Blatt BERN, 23. Mai 1930 Fräsen, Schleifen, Pressen... Vom riesigen Umfang der nächsten Abteilung, der Zahnradfräserei, macht man sich einen Begriff, wenn man weiss, dass hier über 1000 Werkzeugmaschinen an der Arbeit sind. Mit besonderer Genugtuung stellen wir darunter schweizerische Maag-Zahnradschleifmaschinen fest. Neben der Gleason- Spiralkegelrad - Fräsmaschine besitzt die Maag-Schleifmaschine bekanntlich durch ihr einzigartiges Arbeitsverfahren Weltruf. Unser Rundgang führt uns weiter in die Abteilung für Gesenkbau und anschliessend zu den Pressen. Aus oft tonnenschweren Stahlblöcken \werden zuerst in langer, minutiöser Arbeit die Matrizen und Stempel herausgearbeitet, die später in die Presse eingesetzt, den Blechteilen der Karosserie, des Chassis, der Hinterachse usw. ihre Form und Gestalt geben sollen. Die- Pressen selbst nehmen wieder die imposantesten Ausmasse an. Da steht eine vor uns, die in einem einzigen Arbeitsvorgang die hintere Rundung der Karosserie herstellt, eine andere, die dasselbe mit einem vordem Kotflügel tut. Beide entwickeln einen Druck von 800 Tonnen. Die ganze Umwandlung von der zimmertürgrossen Blechtafel bis zum formvollendeten Kotflügel erfordert nicht mehr als einige Sekunden. Das Presswerk von Renault zählt 120 Pressen. (Fortsetzung siehe folgende Seite) 23-3O M A I 1 9 3 O O.F.A. BALLY ZÜRICH WIESENSTR. 9