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E_1930_Zeitung_Nr.042

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12 AUTOMOBIL-REVUE

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Bern, Dienstag 13. Mai 1930 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 42 Sonntagmorgen in der Grossstadt Die Strossen gähnen müde und verschlafen. Wie ein Museum stumm ruht die Fabrik. Ein Schupo träumt von einem Paragraphen, Und irgendwo macht irgendwer Musik. Die Stadtbahn fährt als tät's sie zum Vergnügen, Und man fliegt aus, durch Wanderkluft verschönt. Man tut, als müsste man den Zug noch kriegen, Heut muss man nicht. — Doch man ist's so gewöhnt. Die Fenster der Geschäfte sind verriegelt Und schlafen sich wie Menschenaugen aus. Die Sonntagskleider riechen frisch gebügelt. Ein Duft von Rosenkohl durchzieht das Haus. Man liest die wohlbeleibte Morgenzeitung Und was der Ausverkauf ab morgen bringt. Die Uhr tickt leis. — Es rauscht die Wasserleitung, Wozu ein Mädchen schrill von Liebe singt. 'Auf dem Balkon sitzt man von Licht umflossen. Ein Grammophon kräht einen Tango fern... Man holt sich seine ersten Sommersprossen Und fühlt sich wohl. — Das ist der Tag des Herrn! (Mascha Kalcko in der «Vossischen Zeitung».) Die Königin und der Arzt Von Robert Neumann. Der durch seine Roman-Werke im ganzen deutschen Leseikreis bekannt gewordene Schriftsteller Robert Neumann zeigt in dieser kleinen Novelle wieder alle Vorzüge seiner fesselnden und eigenartigen Sprache, die den beiden hervorragenden Büchern cRebellen» und «Der Teufel» zum Erfolge verhalf. Die Novelle erschien in den «Dresd. -N..N.» Von Margarete, der zweiten in der Reihe der sizilianischen Königinnen, weiss die Geschichte nicht viel. Bekannt ist, dass während ihrer kurzen Regierungszeit die Trümmer zweier Kreuzzüge in Catania landeten, dass im Anschluss daran zugleich mit Kriegslasten und Hungersnot auch Wechselfieber, Pest und Aussatz über das Land ging,, und dass sie selber schliesslich mit Frauen und Ritterschaft, mit Pagen und Hunden, Vögeln und Marstall jämmerlich umkam. Aber Stürme, die später wehten, haben Land und Gedenken kahlgefegt von ihrer und der Ihrigen Spur, und so wissen wenige, dass sie, eine über Massen schöne und sehr strenge Frau, in grosser Angst um das liebe Leben viele der von den Seuchen Geschlagenen hinmorden oder ins Meer stossen Hess, und dass sie, als das nichts fruchtete und Rausch und Todestaumel die mit Kreuzfahreren, Mönchen, Dirnen, Schiffern, Spielleuten vollgepferchte Stadt überrannte, plötzlich verzweifelnd aus aller Augen verschwand. Gerüchte, sie halte sich in den innersten Gemächern ihres Palastes eingeschlossen, blieben ebenso unbestätigt wie andere, die wissen wollten, ein scharlachfarbener Domino, der von da ab unkenntlich schön und leidenschaftlich unnahbar bei allen Gelagen und Festen sich zeigte, sei in Wirklichkeit niemand anders als die verschwundene Königin — und trugen nur dazu bei, um die Schöne, Ferne, von allen Geliebte ein dichtes Gespinst von Wunsch, Traum, Geheimnis und Sehnsucht all der tödlich Entfachten in Bankettsaal und Hafenkneipe zu legen. Da war einer mit Namen Bocardo, ein noch sehr jugendlicher Adept der ärztlichen 4 Wissenschaft, den man, als immerhin Heilkundigen, nach Versterben der drei Stadtärzte zum magister sanitatis oder Seuchenvogt hatte einsetzen müssen; und wird noch gesagt, dass der, nachdem er einmal in fruchtlosen Kämpfen wider das Uebel erlahmt war, gleich allen vom grossen Lebenstaumel gefasst ward, so mag man ermessen, wie ihm das Herz schlug, als eines Nachts, nah am Morgenfrost, auf der Gasse hinter dem Hafenturm jener scharlachfarbene Domino an ihm vorüberstrich und leise, doch deutlich das Wort «Komm ! » in sein Ohr fiel. Er folgte der Enteilenden durch lichtlose Nebengassen, er fand sich, wirr, glücklich, erschrocken, tatsächlich unversehens vor einer Seitenpforte des Schlosses und stand wenig später in einem fackelhellen Frauengemach. So taumelte er auf die • Gasse hinaus. Hatte er aber schon von dieser Stunde in seiner Wünsche Vermessenheit ein Süsses und Liebliches sich erwartet, er sah sich enttäuscht. Die Scharlachfarbene, die Schlanke trat vor ihn hin und sagte: «Du bist der Arzt? » Er nickte. Sie sagte: « Ich bin krank. Du sollst heilen.» Sie löste ihrer Maske obere Hälfte, und unter einer makellosen Stirn, um die ein Abglanz zarter Jugend spielte, strahlten seiner Königin Augen ihn an. Sie sagte : Eine Flechte liegt mir um den Mund. Du sollst heilen ! » Und mit einem unbeschwerten Handgriff löste sie nun auch die untere Larve. Nase, Kinn und die zart geschwungenen Lippen waren weiss, von einer bedrohlichen Weisse. Sie waren eingesunken, waren in sich zurückgekrochen, dass das Gebein daraus vortrat. Bocardo ward fahl. « Es ist ein wenig schlimmer geworden seit gestern», sagte die Dame mit einem rührend mühsamen Lächeln heimlicher Angst. Doch da er schwieg, ward ihr Auge starr. Da er schwieg, erstarrte sie. Da er schwieg, schrie sie auf: « Es ist Aussatz !» Er nickte. Sie taumelte, doch dann fasste sie sich. Dann stand sie hoch, streng, ohne Regung. Dann fragte sie hart : « Unheilbar ? » Er nickte. Sie fragte : « Wie lang wird es dauern ?» «Zwei Monate deckst du das Uebel noch mit der Larve.» Sie sagte vor sich hin : « Zwei Monate Leben, wenn keiner davon erfährt. » Im Auge stand ihr kalte Entschlossenheit. Die hüllende Maske legte sie vors Gesicht und trat durch die Tür auf die Treppe hinaus. Bocardo, aufgeschreckt, horchend.vernahm, dass sie einem Söldner, der dort auf Wache stand, einen Befehl zuflüsterte. Er hörte: « Sechs Männer zum Tor! » Und wusste: ich werde dieses Haus nicht lebend verlassen. Die Königin wahrt ihr Geheimnis. Ueber mir steht der Dolch. — Er stand verwirrt, stand da mit einem schmerzlichen Lächeln, die Stirne geneigt, dass das liebe, jünglinghafte Gelock ihm davorfiel. Die Königin sagte leise : « Du kannst gehen, Bocardo.» Sie griff nach einer Rolle Goldes und reichte sie ihm. Dann aber mochte solches Spiel mit einem Todgeweihten ihr leid sein, sie warf das Geld in die Lade zurück und sagte : «Ich kann dir nicht danken. Doch sei in dir statt allen Danks der Stolz : deiner Königin hast du gedient. > Und mit einer traurigen Gebärde winkte sie Abschied. Wie aber einem, der nichts mehr verlieren kann, bisweilen alles Lastende leicht wird und sich entwirrt, so überkam auch Bocardo, da er noch einmal auf der Schwelle sich wandte, ein Spielerisches und fast eine Fröhlichkeit. Mit einem Lächeln sagte er: «Einer Königin ? Ich kenne Euch nicht. Ihres Hofstaates mögt Ihr eine sein — doch die Herrin selber? Die hab' ich einmal von ferne gesehen, vor Monden, und seither ist es licht Die im folgenden abgedruckten wenigen Kriegsbriefe gefallener Studenten sind einer Sammlung entnommen, die in ihrer Art wohl einzig ist. Eine ganze junge Generation von Intellektuellen schreibt hier aus dem Schützengraben heraus, berichtet ohne Schönfärberei, ehrlich und wahr, nach Hause von dem Leben im Kriege. «Liebe Mutter», das ist das immer wiederkehrende Wort dieser Briefe, denn in der Not und dem Grauen der entfesselten Zeit besann sich der junge einsame Mensch wieder auf seinen Ursprung. Eine Tragödie entrollt sich vor dem Leser.. Jeder Brief bedeutet ein Schrei. Der Mutter, dem Vater, dem Freund, dem Bruder, der Geliebten fliegen die armen Grüsse zu, mühsam auf. dgs._Papier geworfen in der Hetze des ewigen Kampfes um das nackte Leben. Und darum ist dieses Buch «Kriegsbriefe gefallener Studenten», herausgegeben von Prof. Witkop und verlegt bei Georg Müller in München, der Wirklichkeit näher, unmittelbarer, als die paar guten Kriegsromane, die auf dem Schreibtische entstanden. Eine Tendenz ist überhaupt nicht zu erkennen, der Inhalt der Briefe ist über das Nationale hinaus weit in die Sphäre des allgemein Menschlichen gehoben. Mit Erlaubnis des Verlages veröffentlichen wir hier einige Briefe aus dem Buche: Richard Schneider, stud. phil., Leipzig. Geboren 24. Januar 1888. Im Schützengraben bei Vaudesincourt 1915. Der entscheidende Kampfplatz ist seit langem nicht mehr der rechte Flügel (Flandern), sondern die Champagne bei Souain-Perthes. Wer die furchtbaren Tage bei Perthos vom 6. Februar an mitgemacht hat, der wird mit mir einig sein, dass es eine wütendere Schlacht nicht geben kann. Hier kämpften Soldat gegen Soldat, gleichwertige hassund wutentbrannte Gegner, und tagelang wird um ein und denselben Quadratmeter Landes erbittert gerungen, bis das ganze Gelände buchstäblich ein Blut- und Loichenacker ist. Körperlich und seelisch ermüdet und angegriffen wurden wir am 27 Februar morgens alarmiert, mussten unsere alte Stellung beziehen und wurden dort sogleich mit ausserordenllicher Wucht und Heftigkeit angegriffen. Es war ein grosses Morden mit Patronen, Artillerie, Aexten und Handgranaten, ein Donnern, Krachen, Brüllen, Schreien, als ob die Welt untergehen sollte. In drei Tagen hatten wir auf einer Strecke von 200 Meter 909 Mann Verluste, der Feind Tausende. Das blaue französische Tuch mischte sich am Boden mit dem grauen deutschen und die Toten lagen stellenweise so hoch, dass man hinter ihnen Deckung vor Artillerie nehmen konnte. Befehle mussten in dem Lärm von Ohr zu Ohr weitergebrüllt werden, — und wenn einmal in dem Schlachtenlärm und Stöhnen der Verwundeten eine kleine Pause eintrat, hörte man hoch in der blauen Luft die Vögel jubeln und zwitschern. Der Gesang der heimatlichen Frühlingsvögel! Man hätte sich das Herz aus dem Leibe reissen mögen. in mir von ihrem Bild. Ihr seid schön — doch was ist Eure Schönheit gegen die ihre ?, Gegen ihrer Augen verwirrend seligen Abgrund ? Gegen ihres Mundes blutfarbene Süssigkeit? Ihrer Zähne Schimmerlicht? Ihrer Wangen schlichtes, pfirsichhäutiges Wunder ? Was seid Ihr, Dame, gegen die Königin ? » Und er wandte sich ab. Doch er zögerte noch. Hinter ihm war kein Laut. Und da er noch einmal nach ihr blickte, sah er die Frau auf ihrem Sessel sitzen, angetan mit ihrem scharlachfarbenen Festkleid, ganz in sich gekrümmt und geworfen von einem lautlosen Weinen. Darin erhob sie sich. «Bleibe», sagte sie leise. Und sie trat vor ihm auf die lichtlose Treppe hinaus. Als er ihr folgte, als er durch hallende Korridore und über veschwiegenes Sriegenwerk sich zurechtfand, als er ans Tor kam, sprang die Pforte auf ohne Laut. Sechs Geharnischte, riesig im Sternenlicht, traten stumm auseinander und gaben den Weg frei. So taumelte er auf die Gasse hinaus. (« Dresd. N. N. A Kriegsbriefe gefallener Studenten Fragt mich nicht nach dem Schicksal der Verwundeten! Wer nicht selbst hinein zum Arzte laufen konnte, musste elendiglich sterben. Manche haben Stunden, manche Tage, manche eine Woche lang gelitten, bis sie starben. Und die Kämpfenden stürmten in einem fort achtlos über sie hin: «Kann dir die Hand nicht geben, — bleib du im ew'gen Leben — mein guter Kamerad.» Wie glücklich ist dagegen ein Hund zu preisen, der in der heimatlichen Hütte verreckt. Es gibt Augenblicke, in denen es der tapferste Soldat zum Heulen satt hat. Als ich das Jubeln der Vögel hörte, ich hätte die ganze Welt vor Ingrimm und Wut zermahnen, können... (Gefallen am 14. Juli 1916 bei Betanville.): * Max Bässler, stud. cam. et hist., Leipzig. Geboren 19. Februar 1895 in Leipzig. t