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E_1930_Zeitung_Nr.049

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Atisgabe: Deutsche Schweiz BERN. Freitag. 6. Juni 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 49 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb* liste" HWbjihrlieh Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, lotern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtllche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Brcitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegranun-Adresse: Autorevue, Bern Bundesrat fördert nationale Brennstoffrage In Nr. 44 der « Automobil-Revue » schrieben wir, dass es allem Anschein nach in der Frage des nationalen Brennstoffes auch einen Schritt vorwärts gehen soll. Die Interpellation Valloton hat auf jeden Fall ihren Zweck erreicht Der Bundesrat war gezwungen, sich einmal mit der ganzen Materie einlässüch zu ,befassen und sich über die Tragweite der ganzen Frage Rechenschaft zu geben. In der Sitzung vom 30. Mai hat der Bundesrat den Chef des Departementes des Innern beauftragt, die Interpellation zu beantworten. Ohne Herrn Bundesrat Dr. Meyer vorzugreifen, sei hier bemerkt, dass sich der Bundesrat in verschiedenen Sitzungen mit der Frage beschäftigt hat. Wie unsere Leser wissen, hat er auch anfangs Mai beschlossen, der Schweizerischen Gesellschaft für das Studium der Ersatzbrennstoffe unter bestimmten Bedingungen einen Beitrag bis zur Höhe von 20,000 Fr. auszurichten und die Bestrebungen der Gesellschaft durch Zollerleichterung zu unterstützen. Damit ist ein verheissungsvoller Anfang gemacht, bekundet der Bundesrat damit doch, dass er sich an der Lösung des Problems mitinteressiert. Es darf denn auch heute nochmals betont werden, dass die Versuche zur Abklärung der .Frage, wie weit Sprit als Ersatzbrennstoff für Motorfahrzeuge in Betracht kommen könne, zra den denkbar besten Resultaten geführt hat. Wir wissen, dass sich die Generalstabsabteilung schon seit Jahrenmit der Frage eines Ersatzbrennstoffes beschäftigt und dass deren Versuche in eklantanter Weise die Herstellungsmöglichkeit von Triebstoff aus verschiedensten Alkoholmischungen dartaten. Mit dem neuen Triebstoffe erreichte man nicht nur eine absolute Betriebssicherheit, sondern es gelang auch, jeden Benzinmotor ohne jegliche Umstellung mit Sprit zu fahren. So darf wohl heute mit Fug und Recht behauptet werden, dass das technische Problem, aus Alkoholmischungen Triebstoff herzustellen, als gelöst betrachtet werden kann. Es ist dies für unsere, militärische Unabhängigkeit eine hocherfreuliche Tatsache. FEUILLETON Die blaue Wand Von Richard Washbttrn Child. 'Autorisierte Uebersetznag atw dem Amerikanischen von löse Landau. (Engelborns Romanbibliothek.) (6. Fortsetzung) Bisheriger Inhalt: Der Arzt der Mayburys wird an das Krankenlager der kleinen, zarten Virginia gerufen. Nach ihrem eigenartigen Verhalten zu urteilen, muss hinter der blauen Wand des Krankenzimmers ein Geheimnis ruhen. Der Arzt hat das Empfinden, dass hinter der Familie der Estabroöks, die jenseits dieser Wand •wohnt, das Rätsel steckt. Er will in das Haus eindringen, auf seinem Heimwege wird er plötzlich von einem Individuum verfolgt. Das klang, weiss Gott, nicht sehr beruhigend. Ich versuchte, schneller zu laufen, sah aber nach wenigen Sekunden, dass mein Verfolger mir überlegen war. Deshalb machte ich plötzlich Halt, sprang in den Schatten eines Strauches und erwartete hier meinen neuen Bekannten. Trotz der Dunkelheit sah ich, als er herankam, — und war nicht wenig erstaunt darüber — dass es ein gutgekleideter Mann von durchaus respektablem Aussehen war. Als er dicht vor mir angelangt war, sah ich ihn zögernd innehalten, als bemerke er plötzlich mit Befremden, dass ich nicht mehr vor ihm herlief. Ich wusste, dass es jetzt kein Entweichen mehr gab. Deshalb sprang ich vorwärts und versetzte ihm einen Faustschlag ins Genick. Im nächsten Augenblick rangen wir miteinander. Ich fühlte die Uhr in seiner Westentasche, als ich ihm mein Knie in den Magen drückte, und da mein Gesicht dem seinen ganz nahe war, konnte ich am Ausdrück seiner Augen erkennen, dass mein Schlag ihn taumelig und Das Problem hat aber natürlich nicht nur eine militärpolitische, sondern auch eine •hochbedeutende wirtschaftliche Seite; Die neue Alkoholgesetzgebung verpflichtet dien Bund zur Abnahme und zur Verwertung des inländischen Obstbranntweins. Die Alkohol- Verwaltung hat aus finanziellen Gründen alle Ursache, • diesen Sprit rasch umsetzen zu können, um einesteils selbst keine Verluste zu erleiden und um andernteils den Trinksprit nicht wieder zu derart billigem Preise abgeben zu müssen, dass der moralische Gewinn der Alkoholrevision null und nichtig würde. Eine weitere grosse wirtschaftliche Bedeutung kommt der Verwertung für Holzabfälle zu. Es ist deshalb nicht von ungefähr, dass der Bundesrat zur Anschaffung eines Vergasers und von vier Verkohlungsöfen der Gesellschaft zum Studium der nationalen Brennstoff-Frage weitere 5200 Fr. zur Verfügung stellte, um ganz die Verwendung von Holz zu Triebstoffen genau und gründlich zu studieren. Es ist dies jedenfalls eine Seite des Problems, welche die schweizerische Forstwirtschaft ungemein interessieren wird. Gegenwärtig stossen unsere Waldungen jährlich etwa 1,5 Millionen Kubikmeter Brennholz ab, deren Absatz heute, im Zeitalter des Gases und der Elektrizität, zu einer Lebensfrage geworden ist. Gelingt der Versuch auf technisch-lukrativem Wege, die Hölzverwertung' in den Dienst der Motoren zu stellen, so wäre jedenfalls unserer prächtigen Forstwirtschaft in erquicklicher Weise geholfen. kampfunfähig gemacht hatte. Noch vor einigen Jahren war ich ein gefürchteter Boxer gewesen, und den Kunstgriff hatte ich behalten. Ich warf mich noch einmal mit aller Kraft auf ihn und drückte ihn tief ins Gras. Beide schnappten wir nach Luft; aber plötzlich bemerkte ich, wie er die Augen weit aufriss, als erblickte er eine Vision. «Ich kenne Sie! Sie sind ja der Arzt!» rief er. < Lassen Sie los! Sagen Sie mir, um Gottes willen, was ist's mit meiner Frau?» «Ihrer Frau?!» rief ich ganz verblüfft. «Wer sind Sie?» Er versuchte mühsam, sich aufzurichten und sah mich dabei misstrauisch von der Seite an. In seinem Gesicht zuckte es vor Erregung. «Ich bin Jermyn Estabrook,» stiess er hervor. Ich war starr vor Erstaunen. Dieser Mann, den ich nie zuvor gesehen hatte, der mich durch den Park verfolgte, als trachte er mir nach dem Leben, dieser Mann stand vor mir und flehte mich an, flehte mich an, als könnte ich ihn mit meiner Auskunft aus tiefster Seelenangst befreien! Er hatte aufgeschrien und nach dem Befinden seiner Frau gefragt. Ich hatte sie nie im Leben gesehen! Ja, es war kein anderer als Jermyn Estabrook, das fühlte ich deutlich, trotzdem ich sein mit Schmutz und welken Blättern bedecktes Gesicht kaum zu erkennen vermochte. «Ich bin nur ein einziges Mal in Ihrem Hause gewesen und da nur bis an Ihrer Haustür. Und bei dieser einzigen Gelegenheit haben Sie mich beobachtet — heute abend.» «Ich habe mich geirrt,» stiess er mühsam hervor. «Verzeihen Sie: aber ich habe unsägliche Qualen erduldet. Irgend etwas geht da vor, irgend eine grässliche, furchtbare Wenn sich die Automobilfachpresse unserer Nachbarländer für die Schaffung von Radfahrwegen ins Zeug legt, so geschieht es nicht aus sentimentalem Altruismus, sondern im ureigenen Interesse des Motorfahrzeuglenkers, für den der Radfahrer in unzähligen Situationen eine Gefähr bildet, genau wie übrigens vom Standpunkt des Radlers aus die Umkehrung des Satzes volle Geltung hat. Seit Jahren finden diese Bestrebungen der Radfahrer in der «Automobil-Revue» Unterstützung, auch hier aus der Erkenntnis heraus, dass gründliche Sanierung des Strossen- Verkehrs nicht möglich ist, so lange der Radfahrer vom Hauptfahrdamm nicht weggewiesen wird. Wir glauben aber sagen zu dürfen, dass es nicht hundertprozentiger Egoismus ist, wenn die" schweizerischen' Automobilisten mit einstimmen in den Ruf nach Fahrradwegen, sondern gefühlsmässig schwingt bei uns noch etwas- anderes mit, nämlich das Bewusstsein, dass die Radfahrer die Kampfgenossen des Automobilisten gewesen sind und hoffentlich bleiben werden, so gut beim Referendum und bei der Volksabstimmung von 1927, wie bei der Initiative und bei der Einreichung der Postulate für das neue schweizerische Verkehrsgesetz. Kein Zufall auch ist es, wenn im Zentralkomitee des A. C. S. die Anregung für die Schaffung einer schweizerischen Zentralstelle für Radfahrwege (d. h.. einer Arbeitsgemeinschaft Tragödie — innerhalb meiner eigenen vier Wände!» Diese Eröffnung machte mich stutzig; ich packte ihn bei den Schultern. «Hören Sie, Estabrook, jetzt ist nicht Zeit für gegenseitige Entschuldigungen. Ich behandle Marburys kleine Tochter. Sie hat eine eigentümliche Art von Gehirnhautentzündung. Ich gebe mir alle Mühe, sie durchzubringen. Begreifen Sie?» Er schüttelte stumpf den Kopf, als habe die seelische Aufregung seihen Verstand zermürbt. «Was hat die Kleine damit zu tun?» fragte er. «Was sie damit zu hat? — Oho!» herrschte ich ihn an. «Das will ich Ihnen gleich sagen! Die Kleine ist schwer krank — und vielleicht hängt Leben und Tod bei ihr von einer Sache — oder einem Menschen ab — die jenseits der Mauer sind, — jenseits der blauen Wand. Von irgend einer Sache,, die sich in Ihrem Hause abspielt. Kommen Sie. Gehen wir sofort zurück! Verschaffen wir uns Klarheit! Es ist ja Ihr eigenes Haus! Sie können ohne weiteres hinein.» «Das kann ich eben nicht!» schrie er auf. «Sie können nicht?» fuhr ich ihn an. «Nein,» erklärte er. «Jetzt noch nicht. Ich habe es ihr versprochen. Sie hat mein Wort!» «Aber so bedenken Sie doch, Mann, was dort inzwischen vorgehen mag!» «Ich habe geschworen, die Türschwelle nicht zu überschreiten,» sagte er eigensinnig. INSERTTONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehloss t Tage vor Erscheinen der Nummern Daneben aber und nicht zuletzt muss auch daran erinnert werden, welch gewaltige Mengen ausländischer Erdölprodukte, Benzin und Benzol, in die Schweiz eingeführt werden. Im Jahre 1929 waren es nicht weniger als 140,000 Tonnen, wofür viele runde Millionen an Schweizerfranken ins Ausland abwanderten. Wir wollen dabei nicht verschweigen, dass durch die Herstellung einheimischer Triebstoffe dem Bunde ein beträchtlicher Ertrag des Benzinzolles verloren • und dass damit auch- die Kantone ihrer so dringend notwendigen Subsidien verlustig gingen. Allein, wir glauben ebenfalls, dass in der Alkoholgesetzgebung auf Grund' des bestehenden Monopols sich auf irgendeine Art eine Lösung fände, die sowohl den Bund, die Kantone als auch die Besitzer von Motorfahrzeugen befriedigen könnte. * Hervorzuheben bleibt, dass das ganze Problem für unsere gesamte Wirtschaft von einschneidender Bedeutung ist. Es ist eine Frage wirklich eidgenössischen Charakters, sind doch an deren Lösung das Volkswirtschaftsdepartement, das Departement des Innern, das Militärdepartement, das Post- und Eisenbahndepartement und das Finanzdepartement in stärkstem Masse interessiert. So ist es denn auch nicht zu verwundern, wenn das Problem vom Departement des Innern und der Volkswirtschaft gemeinsam weiter verfolgt wird, wobei zu hoffen ist, dass eine allseitig befriedigende Lösung in absehbarer Zeit gefunden werden kann. • Wo bleiben die Radfahrerwege? aller am Strassenverkehr interessierter Verbände und Behörden) diskutiert und der Anlegung in dem Sinne Folge gegeben wurde, dass das Zentralkomitee diese an die Schweizerische Verkehrsliga weiterleitete in der Erwägung, diese Spitzenorganisatioa aller Verkehrsverbände sei die zuständige Stelle für die Verwirklichung des Gedankens. Die Schweizerische Verkehrsliga hat schon in verschiedenen Formen um das Zustandekommen von Radfahrwegen bemüht, nicht zum mindesten durch die Veröffentlichung einer illustrierten Broschüre mit konkreten Vorschlägen in Hinsicht auf die ..schweizerischen Verhältnisse, die den Parlamentsmitgliedern sowie den in Frage kommenden kantonalen Behörden zugestellt wor«' den ist. Leider ist seither praktisch wenig geschehen. In Zürich stehen zwei grosse Projekte vor der Verwirklichung und in Basel wird nach den Versprechungen noch dieses Jahr die lange Linie vom Viadukt durch Steinenring, Spalenring und Kannenfeldstrasse beidseitig Radfahrwege erhalten. Im Grossen Rat des Kantons Bern wurde eine Motion auf Anlegung von Radfahrwegen gestellt (insbesondere bei Neuanlagen und Korrektionen), und wie wir hören, ist in einem neueren Projekt für die Autostrasse Bern-Thun sogar ein parallel laufender Radfahrerstreifen vorgesehen. Die luzernischen Verkehrsverbände ha- «Der Himmel weiss, ich bin halb von Sinnen, so quält mich die Ungewissheit. Aber ich muss mein Wort halten.» Ein Windstoss fegte durch die Bäume, brachte einen Regenschauer mit, dem ein heftiger Guss folgte, gleichsam als wollte das Wetter seinem Verzweiflungsausbruch den rechten Nachdruck verleihen. Die Regentropfen peitschten scharf ins Gesicht Estabrook schauerte zusammen. Ich sah, dass er völlig erschöpft und noch etwas betäubt war von dem Schlag, den ich ihm versetzt hatte. «Kommen Sie mit,» sagte ich. «Sie brauchen jetzt Wärme — und eine tüchtige Auffrischung. Und sie müssen mir beichten, Estabrook!» Mit einem stumpfen Blick sah er mich an, nickte aber schliesslich zustimmend und Hess sich von mir hinwegführen. Ohne ein weiteres Wort kamen wir hier in mein Haus und in dieses Zimmer. Er sass dann drüben am Kamin ^- das Feuer brannte, wie es jetzt brennt — und indes die Wärme seine zitternden Glieder durchrieselte, schien er sein inneres Gleichgewicht wieder zu gewinnen. Ich bemerkte jetzt, dass Estabrook eine durchaus vornehme Erscheinung war. Er mochte noch nicht vierzig sein. Sein Kopf sass auf dem kraftvollen Nacken wie bei Menschen, die in sich wahre Würde mit starker Persönlichkeit vereinen. Das Haar an den Schläfen war leicht ergraut. Sein glattrasiertes Gesicht trug jene Linien, welche die harten Kämpfe unseres modernen Lebens in die volle Jugend und Gesundheit hineinmeisseln. «Ich muss zu jemandem davon reden», begann er, während ich in seinen Zügen forschte, auf die das Kaminfeuer tanzende Lichter warf. «Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich je in eine solche Verfassung • kommen würde. Aber Sie sollen die ganze Geschichte meiner Liebe hören! Vielleicht •vermögen Sie, Licht hineinzubringen. Meine Bekannten würden es nicht glauben, dass ich zu irgendwelchen abenteuerlichen Erlebnissen neige, und doch bieten meine Erfahrungen Anlass zu den seltsamsten Vermutungen —