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E_1930_Zeitung_Nr.048

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag. 3. Juni 1930 mit Autler-Pf ingsten Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 48 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozaechlag, tolem nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Posteheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Was die Kantone für ihre Strassen auslegen Benzinzollanteile und Strassenauhvendungen. Die Aufwendungen der Kantone für das Strassenwesen im Jalire 1928 sind durch das Sekretariat der Vereinigung schweizer. Strassenfachmänner in der « Schweiz. Zeitschrift für Strassenwesen» zusammengestellt worden. Wer Zahlen zu lesen versteht, wird sich daraus ein Bild über den gegenwärtigen Stand des Strassenunterhaltes und der Strassenverbesserungen machen können. Er wird sich aber auch sofort darüber klar werden, dass die Einnahmen der Kantone aus dem Benzinzoll einfach noch zu niedrig sind und dass sie in keinem Verhältnis zu den gewaltigen Ausgaben stehen, welche heute die Kantone für ihr Strassennetz aufzubringen haben. Die Einnahmen aus dem Benzinzoll für die Jahre 1925—1928, ohne die Anteile aus der Ausgleichssumme, betrugen für die Kantone genau 19,757,407 Fr. 95 Rp. Dem gegenüber steht eine Gesamtaufwendung für den Strassenunterhalt und für Strassenneubauten von 51,960,283 Fr. 15 Rp. Zürich macht die grössten Gesamtaufwendungen. Bei der Beurteilung der verschiedenen Leistungen sind natürlich die sehr verschieden .gearteten Verhältnisse in den Kantonen mit in Berücksichtigung zu ziehen. Immerhin mögen einige Zahlen interessieren. Was die Ausgaben für den Unterhalt und für Strassen- Neubauten anbelangt, steht Zürich mit einem Staatsstrassennetz von 2442 km mit einer Gesamtaufwendung von 7,95 Millionen Fr. an der Spitze, wobei sich 817,897 Fr. 10 Rp. für Strassenneubauten und Beiträge an solche befinden. Bern steht an zweiter Stelle. An zweiter Stelle steht der Kanton Bern mit einer Staatsstrassenlänge von 2208 km und einer Gesamtaufwendung von 6,98 Millionen Franken. Der Kanton Bern leistete für den Unterhalt seiner Strassen 3,7 Millionen Franken und steht diesbezüglich von allen Kantonen an der Spitze, währenddem er für eigentliche Verbesserungen vom Kanton Zürich um rund zwei Millionen Franken überflügelt wird und für Strassenneubauten nur 103,214 Fr. verausgabte gegenüber 817,000 Franken des Kantons Zürich, 285,000 Franken des Kantons Solothurn, 263,000 Fr. des Kantons Baselstadt, 177,000 Fr. des Kantons Baselland, 202,000 Fr. des Kantons Graubünden und 236,000 Fr. des Kantons Wallis. Waadt folgt nach. An dritter Stelle in den Gesamtaufwendungen steht der Kanton Waadt mit einem Strassennetz von 2114 km und mit einem Total der Ausgaben von 5,445,955 Fr. 80 Rp. Der Kanton leistete für den Strassenunterhalt 2,79 Millionen Fr., für Verbesserungen 2,39; Millionen Fr. Ueber zwei Millionen Franken 1 für ihr Strassenwesen haben ausgegeben die Kantone St. Gallen, Graubünden, Aargau, Solothurn, Baselstadt, Tessin und Genf, welches beispielsweise für den Unterhalt der Strassen 1,13 Millionen Fr. und für Verbesserungen 827,883 Fr. aufwendete. Weitere erkleckliche Bausummen. Ueber eine Million Franken verausgabten die Kantone Luzern und Zug, letzterer mit 142 km und 857,161 Fr. einzig für Unterhaltungsarbeiten des Staates, im fernem Baselland mit einem Strassennetz von 373 km, wobei ein beträchtlicher Posten für Strassenneubauten in der Rechnung steht, ähnlich wie bei den Kantonen Baselstadt und Solothurn, die ebenfalls für Strassenneubauten Erkleckliches geleistet haben. In den Ausgäben überschreiten ebenfalls die Kantone Wallis und Neuenburg die Million, indem ersterer Kanton beinahe zwei Millionen Fr. erreicht und für Strassenneubauten 236,000 Fr. verausgabte. Die übrigen Kantone stehen in ihren •Ausgäben unter einer Million Fr., wobei jedoch Glarus mit 987,000 Fr., Nidwalden mit 654,000 Fr., Schwyz mit 681,000 Fr. und Schaffhausen mit 757,000 Fr. noch besonders erwähnt werden dürften. Auch Appenzell A.-Rh. hat mit einem Posten von 610,000 Fr. ein schönes Quorum erreicht. Die genannten Zahlen beweisen, und es sei •dies an dieser Stelle vollauf anerkannt, dass eigentlich sämtliche Kantone im Verhältnis ihrer Kräfte und ihrer zur Verfügung stehenden Summen für ihr Strassennetz das geleistet haben, was sie zu leisten imstande waren. Da aber dem eingeschossenen Eisenbahnpolitiker diese Zahlen etwelchermassen in die Nase stechen könnten, sei mit aller Deutlichkeit hervorgehoben, dass die Ausgaben der Kantone ungefähr den Einnahmen, welche sie für das Strassenwesen und aus den Verkehrsabgaben erzielen, gleichkommen. So stehen im Kanton Zürich den 7,9 Millionen Fr. Gesamtausgaben 6,7 Millionen Fr. Gesamteinnahmen gegenüber, wobei einzig 3,5 Millionen Fr. aus Verkehrsausgaben stammen. Im Kanton Bern stehen den 6,9 Millionen Fr. Gesamtaufwendungen 6 Millionen Fr. Einnahmen gegenüber mit einer Netto-Einnahme aus den Verkehrsabgaben von 2,7 Millionen Fr. Das gleiche trifft ungefähr bei den übrigen Kantonen zu. Den 5,4 Milionen Fr. Ausgaben des Kantons Waadt stehen rund 4 Millionen Fr. Einnahmen gegenüber. Kantone, die ein Geschäft machen. Andere Kantone machen mit den Einnahmen der Automobilisten direkt ein Geschäft. So zum Beispiel der Kanton Genf, der im gesamten 3 Millionen Fr. eingenommen und Der Beginn der autotouristischen Saison lässt sich für gewöhnlich durch die Ostertage fixieren. Dies ist der Zeitpunkt, um erstmalig den Wagen zu grösseren Touren aus der Garage zu holen. Freilich, dies Jahr sind die Osterfahrten wohl den meisten gründlich verregnet worden. Der eine oder andere mag sogar in milden Klimagebieten gefroren haben. Viele allerdings haben die geplanten Touren gar nicht unternommen •und haben sie auf bessere Zeiten verschoben. Und die Zeit kommt nun mit den Pfingstferien. Zwei, drei Tage stehen wohl fast jedem zur Verfügung, und es ist nur zu hoffen, dass diesmal der Himmel sowohl südlich wie nördlich der Alpen ein freundlicheres Gesicht mache als zu Ostern. Lange genug hat's ja jetzt geregnet, und von som-i merlicher Wärme hat man bis jetzt auch: nicht viel gespürt, so dass doch die Hoffnung besteht, dass wenigstens die Pfingstferien Tage strahlenden Sonnenscheins werden. Aber: Wohin die Fahrt? das ist die Frage so manchen Autlers, der bei der grossen Auswahl der Ausflugspunkte kaum weiss, was er unternehmen soll. Einige Winke und Ratschläge für die Festtage mögen hier folgen: Zuerst das, was man nicht unternehmen kann! Für grosse Alpentouren ist der Moment noch nicht gekommen. Von allen den vielen Passstrassen, die kreuz und quer unsere Alpen durchziehen und im Sommer das beliebteste Ausflugsziel unserer Automobilisten sind, sind nur ganz wenige dem Verkehr geöffnet. Im Bündnerland ist es die uralte, römische Heerstrasse über den Julier, die dies Jahr dank tatkräftigen Unternehmungsgeistes recht frühzeitig schon dem Automobilverkehr geöffnet wurde, somit die INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; tür Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct». Grössero Inserate nach Seitentarif. Insetatensehluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummern 2 Millionen Fr. vrausgabt hat. Es ist derjenige Kanton, der mit dem heute zu Recht bestehenden Benzinzoll-Verteilungsschlüssel am besten wegkommt. Auf weitere Details einzutreten, wäre belanglos. Das Studium der Tabelle weist jedenfalls wiederum auf die Tatsache hin, dass die bestehende Benzinzollregelung auf die Länge unhaltbar ist und dass die Kantone und die Interessenten dazu gelangen werden müssen, dem Bunde mindestens die Hälfte des Benzinzolles abzuverlangen, um all' ihren Ansprüchen gerecht werden zu können. • Wohin an Pfingsten? erste Verbindung darstellend zwischen dem Norden und Süden; denn die Fortsetzung des Juliers liegt im Malojapass, der ganzjährig fahrbar ist und aus dem Engadin hinunter ins Bergeil und weiter nach Chiavenna und den Comersee führt. So ist also das Engadin dies Jahr schon zu Pfingsten mit der übrigen Schweiz in direkter Verbindung. Aus dem Unterengadin ist es der Ofenpass, der, von Zernez ins Münstertal, auch schon seit Wochen für den Verkehr geöffnet ist. Vom Engadin westwärts aber sind die übrigen Pässe noch alle tief im Schnee begraben und kaum zu Pfingsten fahrbar. Im der Zentralschweiz ist es einzig der Brünig, der als Voralpenpass begreiflicherweise schon früh fahrbar ist. Seine weitere Fortsetzung über die Grimsel kommt als Verbindung jetzt noch nicht in Frage. Dafür ist sein voralpiner Kollege, der Jaunpass, auch schon länger für den Verkehr geöffnet, sowie auch Gol des Mosses und Col de Pillon, die vom Berner Oberland aus die Verbindung mit dem untern Rhonetal herstellen. Der wichtigste Uebergang aus dem Wallis, die napoleonische Heerstrasse, der Simplon, ist alter Tradition gemäss an Pfingsten offen, wobei er besonders für die Westschweiz die direkte Verbindung mit den beliebten Kurorten des Tessins via Centovalli herstellt, Auch der Col de la Forclaz und Pas de Morgins, die beiden Pässe, die ins Savoyische führen, sind fürs Rad geöffnet. Diese Angaben zeigen, wie wenig reichhaltig also noch die Möglichkeiten für Passfahrten in der Schweiz zu Pfingsten sind. Doch deswegen braucht sich kein Automobilist Sorgen zu machen, denn an schönen Ausflugszielen, auch alpiner Art, fehlt es ihm sicherlich nicht. Beginnen wir wie- Die blaue Wand Von Richard Washburn Child. Antorisierte Uebersetztmg anvs dem Amerikanischen von läse Landau. (Engelhorns Romanbibliothek.) (5. Fortsetzung) Bisheriger Inhalt: Der Arzt der Mayburys •wird an das Krankenlager der kleinen, zarten Virgina geTufen, die an einer Hirnhautentzündung schwer krank darniederliegt. Nach der Kleinen und ihrem Verhalten zu urteilen, muss hinter der Wand des Krankenzimmers ein Geheimnis ruhen. Jenseits dieser Wand wohnt das harmlose junge Ehepaar der Estabrooks. Der Arzt sieht im Garten des Hauses eine unheimliche Gestalt huschen und läutet an der Hausglocke, um über die rätselhafte Erscheinung Klarheit zu bekommen. Dieser kurze Bescheid schien unsre Unterredung zu beenden. Ich war im Begriff kehrt zu machen und davonzugehen, als sie noch einmal begann, indes' in Hhreri Augen wieder der sonderbare Ausdruck von Angst und Unruhe trat. Sie kam ein wenig näher auf mich zu und fragte mit zaghaftem,Ton: «Wollen Sie irgendeinen Bescheid zurücklassen? Wollen Sie wiederkommen? Wollen Sie vielleicht » Die Stimme versagte ihr. Da sagte ich rasch und schroff, indem ich sie scharf ansah : «Jawohl, ich will etwas! Im zweiten Stock des Marburyschen Hauses ist ein Zimmer, dessen eine Mauerwand an dieses Haus stösst. Ich kam hierher, um Mrs. Estabrook zu fragen, was sich auf ihrer Seite dieser Mauerwand befindet.» Meine Worte wirkten wie eine Dynamitbombe. Es war, als hätten sie irgendein Lebensorgan der alten Dienerin in Stücke gerissen. Jede Spur von Farbe wich aus ihrem Gesicht. «Das ist furchtbar!» stiess sie hervor. «Oh, wie entsetzlich! Wer sind Sie? Wer können Sie nur sein? Jemand hat sie hergeschickt!» Sie fasste die Tür und drängte mich hinaus. «Ich weiss schon, wer Sie sind!» rief sie dabei. «Sie sind einer, den er hergeschickt hat!» Mit einem letzten Ruck schloss sie den offen gebliebenen Türspalt; die Riegel wurden wieder vorgeschoben, das Licht im Vestibül erlosch, und ich stand allein auf der Haustreppe. Das war der Erfolg meines Versuches, eine Antwort auf MaoMechems Frage zu finden — das Rätsel der blauen Wand zu lösen. Aber ich empfand mit Gewissheit, während ich dastand und zu dem grauen Nachthimmel emporblickte, an dem der Wind die Wolken jagte, dass die Existenz irgendeiner absonderlichen Wesenheit in diesem Hause, mochte sie nun Gutes oder Schlimmes bedeuten, nicht länger in Zweifel zu ziehen war. Die kleine Virginia hatte mit all der sensitiven Empfänglichkeit des Kindes und der Kranken durchaus richtig empfunden ! Mac Mechem, der als wahrer Arzt das Unbekannte nicht einfach als unmöglich verwerfen wollte, war gerechtfertigt; und es sah wieder einmal so aus, als gäbe es Dinge, die unsere mangelhafte Lebenskenntnis tief beschämen. Dies alles sind nur reine Tatsachen. Ich mache nicht den Versuch, irgend etwas beweisen zu wollen. Als ich die Stufen des Estabrookschen Hauses hinabging und die Richtung nach dem Park einschlug, der wohl ein wenig in jedem Menschen schlummernde Instinkt des Detektivs erwachte in mir. Infolgedessen mochte es geschehen, dass ich mich umwandte, nachdem ich zwischen dem Tuten und Aufleuchten zweier Autos die Strasse überschritten hatte. Das Haus, das ich eben verlassen hatte, lag still und wie verödet da. Mein beobachtender Blick wanderte bis zum Dach hinauf und wieder hinunter zum Boden, und da erst gewahrte ich, jetzt zum zweitenmal, die halb verborgene Gestalt eines Mannes. «Er hat mich von Anfang an beobachtet,» sagte ich zu mir. «Offenbar hat er auch meine kleine Kriegslist vorhin bemerkt.» Meine erste Regung war, sofort über den Damm zurückzukehren, ihn zu stellen und zu fragen, was er hier zu suchen habe. Dana aber .schien mir das unklug, und ich zog es vor, im Schatten der raschelnden Bäume meinen Weg fortzusetzen. Es ist ein peinliches Gefühl, sich verfolgt zu glauben. Ich empfand es, ohne dass ich jemanden sah oder einen Laut vernahm — aber ich wusste, dass mir jemand im Dunkeln nachschlich. Ich merkte an dem gelegentlichen stärkeren Aufrascheln der Blätter, am Knacken eines Zweiges, dass jemand hinter mir her war. Ich gestehe ganz offen, ich hielt es für durchaus möglich, dass mein Verfolger mich berauben, vieleicht sogar ermorden wollte. Das war eine böse Situation! Der Park lag ganz verödet da. Um Hilfe zu rufen, ehe man sich von einer bestimmten Gefahr überzeugt hat, ist immer eine missliche Sache. Daher entschloss ich mich, zu laufen, so rasch es meine nicht mehr ganz behenden Glieder erlaubten. Der andere hinter mir schien sofort zu bemerken, dass ich vor ihm davonlief. Ich hörte das hastige Aufschlagen seiner Stiefel, und zwanzig Schritte weiterhin vernahm ich auch seine Stimme. Sie klang nicht laut, sondern eher verhalten; aber sie schien mir unheimlich wild. «Halt!» rief sie. ^«Gleich hab' ich Sie! Stehen bleiben!» (Fortsetzung folgt.)