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E_1930_Zeitung_Nr.048

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Bern, Dienstag 3. Juni 1930 III. Blatt der „Automobil-Revue"No. 48 Weise Sonnenuhr*) Das Dorf liegt wie hingewürfelt zwischen Tannendunkel und Wiesengrün. Hingewürfelt wie von einem Riesenkind. Die Kirche hockt wie eine alte, graue Gluckhenne am Dorfrand, wo ein glitzernder Bach aufgeregt dahineilt, und wo der Schäfer, im langen Mantel und Wolkenhut, gleich einer Sagengestalt, mit seiner Herde daran vorüberzieht. Sein Hund huscht wie ein flitzender Schatten um die Schafe. Und diese Kirche hat wahrhaftig nichts von kältet Heiligkeit. Sie ist eher eine Brautkammer des Herzens. Alles an ihr hat einen leise lustigen Zug. Die Wetterfahne zeigt den Heiland, wie er auf einem Esel reitet. Mit froher Handwerkerandacht hingezaubert. In den offenen, kleinen Turm fliegen Tauben und Sperlinge. Die Glocke sitzt drinnen wie ein altes, graues Greisenweiblein, das vor sich hinträumt und Geschichten ersinnt und gespannt auf die Abendschatten wartet, um dann freudig erschrocken ihre Träume und Geschichten über Dorf und Felder hinzujubeln. Und dann ist da noch, an der Sonnenseite, eine Uhr, eine richtige Sonnenuhr. Der Zeiger ist verrostet. Das Zifferblatt etwas verlöscht. Eine Uhr, die nur hieher passt, weil sie eben unmittelbar mit den ewigen Gesetzen in Verbindung steht. Man hat die Empfindung: diese Sonnenuhr zeigt nicht nur für die Bauern die Stunden an. Nein, auch für die Tiere, für den Bach und für die Bäume misst sie die Zeit. Sie ist ja so naturverbunden. Nun hat aber der Maler, der vor zwanzig Jahren wieder einmal der Kirche einen sauberen, weissen Kittel machte, eine wunderbare Idee gehabt. Als er zur Sonnenuhr kam, tauchte er seinen Pinsel tief in einen blauen Farbentopf und malte, gleichlaufend mit dem Zifferblatt, in leuchtendem Blau einen Satz hin, der nur so klingt voll lustiger Weisheit. Und der Satz gibt der Sonnenuhr eine kichernde, philosophische Würde: « Die glücklichsten Stünden zeige ich nicht an!» Wie aus der Liedertruhe von Paul Gerhard geholt, so mutet dieser Satz an. Sie hat ja tausendmal recht, die Sonnenuhr im Dorf. Die glücklichsten Stunden haben mit der Zeit nichts zu tun. Auch nichts mit einer Zeit, die die Sonnenuhr anzeigt. Die glücklichsten Stunden fallen von den Sternen und vertropfen wie funkelnde Perlen in die grüngoldene Schale der Ewigkeit. *) Aus dem „N. W, J," Fünfzehn Minuten Trambahnfahrt vom Zentrum der Stadt aus — und «das: Land» nimmt einem auf! Nicht das Land des Sportsman oder des Ausflüglers, sondern, der Acker, die Scholle, die Erde. Vor einem wankt das Mistfass, das lächerliche und unentbehrliche ur uralte Möbel, ein Gaul zieht es, und ein Gaul zieht auch die Egge neben mir auf dem schon staubigen Feldweg, ein Bauer hält die Zügel und geht langsam hinterher, Ebene gegangen, so setzt man sich — endlich einmal wieder — in einen Feldgraben. Noch ist die Erde kalt, aber man vergisst die leichte Nässe des Bodens; • denn was kommt der Seligkeit gleich, nach Monaten wieder über die erwachende Fruchtbarkeit des Landes zu schauen? Drüben im Dunst liegen die Gaskessel der grossen Stadt, blau und voll von zartem Rhythmus liegen die Schornsteine, die niedrigen Dächer der Ziein dem merkwürdigen ehrwürdigen Schritt des Bauern von anno dazumal. Man 1 kommt sich im Stadtmantel lächerlich und recht erbärmlich vor in dieser Begleitung und erwidert beschämt den Gruss, dessen man sich nicht würdig fühlt. Und ist froh und erlö&t, wenn beide Fahrzeuge sich von einem entfernen und in dem riesigen Gelände kleiner werden. So ist man denn allein mit der Weite. Und der Acker nimmt einem buchstäblich auf. Die Sonne wärmt, wenn auch der Wind noch etwas weh tut. Vollkommen blau und voller Schwermut spannt sich der Himmel. Ein Vogel singt irgendwo ohne Pause — und man weiss als verkommener Städter seinen Namen nicht! Und ist man eine Stunde lang über die Unendlichkeit der aufgeworfenen, fast baumlosen Über Äcker Spaziergang geleien. Links gegen den Horizont steht .die erschütterndste Silhouette der Welt: der Bauer, der den Pflug führt, die beiden Gäule, die schwer nach vorn im Geschirr liegen und ziehen — hin und her und hin .und her. 0 Tut-ench-Amon und Hans Thoma und wir, wir assen und essen alle das gleiche,- mühsam heraufbeschworene Brot. Erst, wenn der letzte Ackergaul durch den Dampfpflug ersetzt sein wird, dann erst beginnt in Wahrheit 8ie «neue Zeit». Glückselig wir. die wir immer noch zur «Antike» gehören. Trotzdem kann man nicht ewig im feuchten Lehm sitzen. Man sucht am Horizont nach einem Dorf, nach einem Wirtshaus. Und findet eine Kirchturmspitze und wandert darauf zu. Alle zunächst liegenden Pfingsten Ein heiliger Sonntag, ein altes Fest Tief ist die Deutung und schwer: Geist kam vom Himmel her, Und auf alle lässt Er sich nieder: Erneurer Des Lebens durch Kraft und Feuer. Wir feiern das Fest... Und beugen uns einem heiligen Geist Der allein noch aufwärts weist. Ko. Dörfer haben die Eigentümlichkeit, dass sie aussehen wie zwanzig Minuten entfernt, und dann braucht man einein viertel Stunde, um hinzukommen. Mittlerweile bilden sich merkwürdige Schollen an den zarten Schuhsohlen, die nicht nur schwer, sondern auch schwermütig machen, und man überlegt sich, was man essen will, wenn man erst «dort» ist. Es wird wohl bis dahin drei Uhr werden, und der Bauer hat schon um zwölf Uhr Mittag, der Schmorbraten wird dann schon alle sein, oder wird aus Prinzip nic'ht mehr gewärmt werden. Das kennt man! Bleibt Kaffee — süsser, langgestreckter Hebammenkaffee, mit viel Zucker, ein Leberwurstbrot hineingetaucht — nun, kommt Zeit, kommt Rat. Und schliesslieh und endlich latscht man durch einen holprigen, ihalb dörflichen Weg, schnickt Konservendosen mit der Fussspitze in den Strassengraben. (Konservendosen sind übrigens immer die Verkünder der Nähe menschlicher Siedlungen.) Das Glöckchen vom Kirchturm bimmelt; bimmelt es, weil Samstagnachmittag ist, oder wird einer begraben? Glückliche und anständige Menschen, die noch Zeit und Geduld haben, zu läuten, wenn einer gestorben ist! Bei uns in der Stadt kommt ein dunkler Autobus — ritsch^ ratsch — Türen zu —• bitte, der Nächst©! Und unter dem Läuten begegnen-einem die ersten Häuser und die ersten Sanastagsbesen. Es liegt, etwas unendlich Feierliches und auch etwas Beschämendes in der Art, wie Bauern Samstags ihre Strassen kehren. Gross, sinnvoll und unaufhaltsam ist diese Bewegung der gebückten Bücken; schrittweises Hin und Her und Hin und Her — genau die gleiche Bewegung wie das schwere, sich ewig wiederholende Trotten der pflügenden Ackerpferde. Auf allen Gassen trifft einem das mundoffene Staunen der Bauernkinder über den zwecklos wan- Heimkehr Eine Pfingst-Novelle. Sem Wagen rast durch die Landschaft. Er durchjagt Dörfer und Städte. Das Grün der hohen reifen Wiesen verschwimmt zu einem zusammenhängenden Farbenstreifen. Blütenblätter taumeln von Bäumen und streifen dem Wagen entlang zu Boden. Die Strasse dehnt sich weiss bis an den Horizont. Sein schmales Auto trägt ihn mühelos über Höhen, die Blick in die Tiefen des Landes gewähren. Dan Gras wiegt sich im Winde, wie Wellen flutet es. Blumen stehen am Strassenrand. Das ist Pfingsten — denkt er. Sonne und Stille im Herzen, lächelnde, braune Gesichter der Bauern. Manchmal macht er Halt, sitzt in eine kleine Wirtschaft, die ihm Kühle entgegenträgt, und trinkt, mit vertrocknetem Hals, während die Wirtin sich vertraulich über den Tisch neigt. Dann fährt er weiter, der Heimat zu. Zwei Tage will er wieder nach Hause, er versucht es, zu seinen Eltern, müde zu seinen Leuten. Kaum kann er sich noch erinnern. Jahrelang blieb er fern. Schwer lastet die Erinnerung an die Jugend. Nicht schwach werden! Gegen Abend fährt das Automobil, überstaubt, in die engen Gassen des kleinen Städtchens ein. Die Sonne wirft rote Streifen an den alten Häusern entlang. Leute stehen und sehen sich erstaunt um. Der Brunnen mit dem Heiligen plätschert, sprüht feinen Wasserdunst in die klare Luft. Ueber die gepflasterten Strassen fährt der Wagen dahin. Häuser drängen sich bei Kurven hervor, mit überhängenden Gabeln, mit Blumen vor den Fenstern. Gesichter überall. Schnörkel an die Hauswände gemalt. Der alte Turm des Städtchens mit der Sonnenuhr. Die Zahlen sind nur undeutlich zu erkennen. Und die zwei Eichen in der Anlage stehen immer noch da, mit den grün gestrichenen Bänken. Und im Bahnhof läuft ein Zug ein. Und die Gassen duften von Kaffee, von den Läden der Bäcker, der Metzger, der Tuchhändler. Er hat seinen Wagen auf langsame Fahrt abgebremst. Wie gut das tut. Reine Luft, Ruhe, Stille! Ein lachendes Gesicht nickt ihm zu. Und dann steht er vor dem Haus seiner Eltern. Er ist daheim. Noch immer ist das Gartentor nicht in Ordnung. Da muss man doch einmal nachsehen... Und die Treppe ist einladend, er ersteigt sie. Mit der bestaubten Hand drückt er die Klingel, die das Haus durchschrillt. Die Mutter gibt ihm die Hand: « Gut, dass du wieder da bist...» Der Vater sitzt vor ihm und schweigt, sieht ihn an. Die Stube ist voll vom Lichte der untergehenden Sonne. Die Fenster sind offen. Grüne Bäume stehen im Garten. Der Kaffee dampft. Das Brot knistert. Die Uhr tickt leise. Er steht auf, geht umher. Wirft sich in einen Sessel, atmet und schweigt lange. Geht durch alle Zimmer, streicht über die Wände, bleibt in den Räumen seiner Jugend lange versunken, tritt an den Bücherschrank. 'Seine Märchenbücher sind da. Sauber in einer Reihe. Und an der Wand die Erinnerung an die Studienzeit. Die Mütze. Das Band. Die verdorrten Zweige und die Blumen. Die Tapeten sind blumig. Draussen hört man die Kinder lachen. Er sitzt am Fenster und sie lassen ihn allein. Später kommt seine Mutter wieder. Sie bleibt im Zimmer stehen und sieht zu Boden. Er tritt auf sie zu und schüttelt den Kopf. « Warum kommst du nie nach Hause? » «Ich weiss es nicht.» « Fürchtest du dich? » « Ja, Mutter.» « Sie ist unten.» «Vielleicht muss ich heute schon wieder gehen.» Seine Jugendfreundin steht im Garten, sie spielt mit dem Hund. Er tritt zu ihr und grüsst sie. Sie errötet. Verzweifelt reisst er an dem grünen Laub des jungen Baumes. Dann gehen sie durch den Garten, bleiben lange stehen. Sie spricht wenig und ist verlegen. Ihr Gesicht ist schmal und krankhaft blass. Es wird kühl. Man muss ins Haus. Die ersten Lichter erglühen. Ihre Augen weiten sich, die Lippen werden weiss, der Körper bäumt sich auf, macht eine halbe Drehung und dann weint sie lautlos in das Taschentuch. Er geht ins Haus, reicht der Mutter die Hand. Der Wagen donnert auf, die weissen Lichtkegel stürmen in die einbrechende Nacht hinaus. Fahren, rasen, vergessen... Max Bolliger. Vierw NEUE, GROSSE RESTAUR/lTIONS-TERRftSSE GRILL — Lebende Forellen zu jeder Zeit — BAR — TEA — KONZERT — TANZ An der Axenstrasse mit modernster grosser Garage. CrBAID HOTE1L & JPAI