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E_1930_Zeitung_Nr.048

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18 AUTOMOBIL-REVUE

18 AUTOMOBIL-REVUE 1930 - N» 48 dernden Städter. Man steuert nach der Kirche, denn nahe bei der Kirche pflegt das Wirtshaus zu sein. Wenn man dann die Klinke niederdrückt an der Tür «Zum Adler» oder «Zum Taunusblick» und über einem eine missratene Schelle scheppert, dann ist man daheim und wieder einmal geborgen. Was die Kulturhistoriker auch sagen mögen — alle Landwirtshäuser sind einander ähnlich. Gegenüber der Tür hängt lächerlich hoch der längliche Spiegel, von Mücken besudelt. Knöchern und hellbraun sind die Tische, knöchern und hellbraun die nach hinten ausgebuchteten Stuhllehnen der Stühle, auf denen man schlecht, aber dauerhaft sitzt. Bleiben immer noch am behaglichsten die schmalen Bänke der Wand entlang. Ueberall grüsst das Grammophon, Ich möchte mal in einem Packard sitzen... Zu gleicher Zeit in einem Strassengraben stehn... Und dann gelangweilt an mir selbst vorüberflitzen. Und mich recht lässig grüssen. Das war schön. Das kleinste Baby lernt schon 'Autofahren. (Der liebe Gott fährt sicher nur Rolls-Royce) Ich fange nun auch sachte an zu sparen Und hab' in vierzehn Jahren sicher schon die Pneus. Es gilt den Zeitgeist durch das Ziel zu jagen, Der Führerschein wird langsam zum Komplex...'! Die Stadt ertrinkt in blanklackierten Wagen —< Ein Pferd wirkt lediglich als ungraziöser Klecks. Der 'Asphalt dampft. Man frisst sich durch die Gasse. Das Auto hält die Menschheit auf dem Trab — Nun sei betankt, mein lieber Ford! Ich haue Gemütlich mit 'ner halben Ponystärke ab. C*Ulk»). Als der Kellner sich vom Tisch, an dem Wilm und Ralph in einer Ecke des kleinen Restaurants Platz genommen haben, entfernt hat, lehnt sich Wilm zurück und sagt: «Ich suche eine Frau für den Sommer, will von Juni bis September verreisen, habe wahnsinnig gearbeitet, jetzt lass ich den Kram mal liegen. Sie soll mit.» Ralph macht eine Grimasse: cVier Monate lang ein und dieselbe Frau? Du hast Mut — lass nur nichts Lebenslängliches draus werdenl» Wilm lächelt unmerklich. «Und wie ist die Wahl ausgefallen?» fragt Ralph. «Ich war im Golfklub, sie fiel mir. auf, weil sie ganz bescheiden von ihrem «bisschen» Sport sprach. Such das mal bei einer modernen Frau!» cWie sah sie- aus?» «Blond. Stimmt — blond. Und lacht sehr 'hübsch ... heisst Barbara.» Er schaut auf das Glas vor sich, er hält seine ruhigen, grossen, gutgeformten Hände vor sich auf dem Tisch und schiebt sie langsam ineinander. «Sie muss damit rechnen, dass wir Launen haben, was übrigens riesig bequem ist... Selbstverständlich muss sie sich gut anziehen, sehr gut, ;aber sie darf .nicht davon reden. Und praktisch. Vernünftiges Schuhwerk. Oelzeug. Fliegen will ich auch. Seekrank darf sie nicht werden.> Und er denkt wieder — mit einer schmerzhaften Intensität denkt es plötzlich in ihm: Aber vor allem soll sie still sein und einfach. Muss sich schon mit Männern auskennen. Anschmiegsam, aber kein Efeu! Nun, so still, wie er sich das wünscht, ist diese Barbara gar nicht. Er trifft sie im Theater — wie sie im Foyer auf ihn zukommt, hat er Lampenfieber, richtiges albernes Lampenfieber. Er geht neben ihr auf und ab, sie plaudert, er schweigt. Sie hat eine so helle, unbeschwerte Energie, eine mühelose Zielsicherheit — er sieht, dass sie gut gewachsen ist, zu den lichtblonden Haaren aber hat sie eine gebräunte Haut, ganz südlich. Nach zwei Wochen bittet sie ihn zum Tee. Das wird eine finstere Stunde,'eine ganz unerwünschte. Sie will «das Geschäftliche» besprechen. Sie will nicht sein Gast sein. Das Auto will sie gern benutzen, aber im Hotel, auf der Bahn zahlt sie selber. Er sagt «verdammtes Zartgefühl» — wie es heraus ist, tut' ihm leid, aber er denkt: nur nicht merken lassen, dass so was imponiert. Recht hat sie; damit sie mir fortlaufen kann, wenn es ihr nicht mehr passt. Eigentlich recht vernünftig und nicht kurzsichtig. Eine Woche später erfährt er, dass sie bereits zwei Jahre verheiratet gewesen und seit einem Jahr geschieden ist. Sie lächelt etwas nachsichtig, als sie das erzählt. Wie alt ist sie eigentlich? denkt Wilm. Abreise. Sie fahren zuerst nach Sils Maria, das Bierplakat, der merkwürdige silberne Alkoholspender auf dem hohen Schanktisch. Stumm und monumental lehnt die angejahrte Wirtin als Büste über dem sem Wort los; als ob ein Unglück darin verborgen durchlöcherten Blech der Theke: «Warmes sei. Es ist wie ein Schatten auf dem Tag. Später... Essen sei nicht mehr da.» Ich war darauf Eines Nachts geht ein Wolkenbruch nieder und gefasst. «Aber Speck'mit Eier?» «Ja, und reisst eine Ecke des Hauses glatt weg. Am nächsten Tag werden Leute aus dem Dorf beordert, die Kaffee!» Stille Seligkeit des Müdseins, Stieren auf den Aschenbecher, der unter aus roh behauenen Feldsteinen mit grossem Geschick die Lücke wieder auffüllen. Wilm arbeitet Glas einem das beste Waschmittel ins Gehirn hämmert. 0 wohlbekannter Senftopf, lich fühlt sich Wilm ganz allein; manchmal sieht sen an die Baustelle, sie lachen wie Kinder, die wechseln bald nach Maloja. Merkwürdig: eigent- mit, es macht ihm Spass; Braa bringt ihm das Es- leicht schmutziger und spruchgeschmückter er mit Erstaunen diese Frau an seiner Seite. Nun, Maurer spielen. Und nun geschieht doch ein kleines da der Plan sich erfüllt, läuft alles ganz anders. Unglück: Braa schleppt mit Steine — alle sind ja Bieruntersatz, Salzfass ans gepresstem Glas Wenn sie allein mit ihm zusammen ist, hat sie mit solchem Eifer dabei —, und sie lässt einen mit hartgewordenem Salz. Nebenan höre manchmal ihre Schweigetage. Wilm findet sich da Stein auf Wilms Fuss fallen. Einige Tage liegt er ich die Wirtin die Eier aufschlagen, ein zuerst nicht zurecht. Spart sie sich für eine Zeit fest. Sie ist ganz verstört, sie ist viel tiefer erschrocken als er — er begreift nicht, wie sie sich Hahn kräht in das mittäglich ausgestorbene auf, die noch kommt? Aber es tut ihm wohl, wenn sie so Vor sich hinschweigt; es steckt ihn behaglich-an. - -.; ;._.. ._. J .„..„„. . = •-•-.,*!.»„«wollte dir »nicht weh turn,» sagt sie, and es klingt, den kleinen Unfall so zu Herzen nehmen kann. «Ich Dorf, von dem ich — hallelujah — nicht den Namen weiss. Ein Ausrufer schellt durch Nach vierzehn Tagen brechen sie in die Kar- ä ,als wolle sie sich für etwas ganz anderes entschuldigen. Sie ist von einer so schmerzlichen Zärtlich- die Gassen, ruft monoton Dinge a/us, die pathen auf, nachdem der Wagen _gröindlich überholt ist. keit zu ihm, dass er sie manchmal zurückhält und wohl jeder Eier weiss und die mich nichts angehen. Leer und totenstill liegt die Wirtsstube. Eine Fliege surrt um das Gebäck, hinein in die 'kläffenden Täler, er ist wie vom Dann kommt der letzte Tag im Gebirge;' die Berge — Berge! Wilm dringt immer höher hinauf siu den mächtigen Bergrücken, immer tiefer er eigentlich sagen möchte. fragen will; aber es ist ihm nicht recht klar, was das auf handtuchbedeckten Brettern rund Rausch erfasst; das Gewaltsame seiner Natur, dieser Kontrast von Beherrschtheit und Heftigkeit Esel satteln. Der Tag ist warm und hell wie jeder Koffern sind schon gepackt, bald wird man die um den Ofen liegt und aufgehen soll, weil morgen Sonntag ist. Müd streckt man die scheint sich zu lösen. andere vor ihm gewesen, und wird zurücksinken in Beine auf den gestrichenen Holzboden; die Auf einer freien sonnigen Höhe steht ein kleines die Nacht wie jeder andere nach ihm. Wilm hat Hotel, da ruhen die beiden für einige Tage. Sie sich vorgenommen — nein, es ist nicht nötig, etwas Schuhe hängen an den Füssen. fremd und haben Zeit zum Denken, zum Nichtdenken. Sie zu' sagen ; Braa gehÖTt ihm so ganz, es wäre- Anmassung, Mangel an Zartgefühl. Er lässt die Stun- schwer von feuchter Erde. gehen über eine Halde. Ueber ihnen hängt eine Felswand, rissig, feucht, bereit niederzustürzen. Die den entgleiten, da er noch einsam mit ihr ist. - (*Frkf. Ztg.») Sonne blendet so stark, dass sie die Lider gesenkt Sie reiten nach Spalato und schiffen sich direkt halten müssen; sie schreiten hintereinander und sehen nur den braunen Boden zu ihren Füssen. Aber Berlin an der Arbeit sein. nach Venedig ein. In zwei Tagen wird er wieder in sie fühlen die duftende Stille und die Wärme ringsum. Wilm sieht die Schritte der Frau vor sich, die Die letzten Stunden ihrer Reise verbringen sie Beine, den Rücken — er macht -plötzlich ein paar in einem gleichgültigen Hotelzimmer. Sie schwei- Die Polizei dichtet. Die Polizeiverwaltung des Städtchens Lauenburg a. d. Elbe liefert einen bemerkenswerten Beitrag zur Frage der Verkehrsformen zwischen Polizei und Publikum. Sie wendet sich in einer Bekanntmachung, unter gänzlicher Vernachlässigung des sonst üblichen Befehlstons, mit folgenden freundlichen Versen an die Bevölkerung : Willst du liebe Nachbarn nicht verdriessen, Vergiss jetzt nicht, die Hühner einzuschliessen! Sie scharren, picken in der grünen Saat, Und hinterher folgt gleich das Strafmandat! Der Amtsschimmel ist tot. Es lebe der Pegasus ! Automeditation Barbara reist in den rasche Schritte, ist bei ihr und legt seine Hände um ihre Hüften. Es ist das erste Mal, dass er sie so anrührt. Noch immer, wenn er später daran zurückdenkt, spürt er die Erschütterung, die dieser Augenbick ihm gab: sie wehrt sich nicht, sie schmiegt sich mit einer reifen gelassenen Zärtlichkeit an ihn, als warte sie schon lang auf ihn und sei bereit. Und in diesen ersten Tagen der Beglückung erfindet Wilm einen neuen Namen für sie, Barbara ist ihm zu umständlich, zu feierlich, er nennt sie Braa — das ist ihm wie braune Sonne, wie warmes tiefes Atmen; aber man kann, es auch hell und scharf sagen wie Vogelruf. Dann reisen sie weiter, einige Strecken auch mit der Bahn; kurzer Aufenthalt in Wien. Zu Schiff geht es von Triest über Fiume nach Spalato. Die Seefahrt gibt ihnen Ruhe ins Blut, sie machen kleine Bekanntschaften mit allerlei Merkwürdigkeiten an Bord, mit Menschen, Tieren, Maschinen — alles in solch einem schwimmenden Staat hat seine Bedeutung und Wichtigkeit. Von Spalato aus geht es mit Eselskräften ins Land hinauf, das Meer versinkt allmählich, die Berge tun sich wieder auf. Plötzlich kommandiert Braa: «Stop, hier bleiben wir, vier Wochen lang; wir sind genug herumgereist.» Wilm widerspricht zuerst, er findet nichts Besonderes an dem Flecken. Aber dann muss er zugeben: Sie hat recht, gerade dies haben sie gesucht. Sie wohnen in einem abgelegnen Häuschen, aus allen Fenstern sieht man weithin in die Berge hinein. Ringsum schweigt die Stille des Sommers, und gegen Abend riecht man sogar die Meeresluft. Braa ist lebhaft wie nie auf der Reise, Sie kauft handgefertigte Geräte im Dorf für den «Haushalt»; manchmal kocht sje sogar selber, und er sieht zu, empfindet fast Andacht dabei. Am meisten imponiert ihm, dass sie Orientierungssinn hat, Wege — die in dieser Einsamkeit eigentlich gär keine sind — wiedererkennt, rechts und links nicht verwechselt; darin waren ihm sonst Frauen absolut unzuverlässig erschienen. Er fragt sie: «Findest du es nicht schade, dass wir nicht Golf spielen können?» (Er findet es nämlich gerade angenehm, dass er nicht zu spielen braucht, er mag die Wichtigtuerei mit dem Sport nicht.) Sie lacht ihn aus: «Das bisschen Sport kann man später nachholen.» Später — später, er kann plötzlich nicht von die- Bei der Arbeit, im Geschäftsleben, die ganze Woche hindurch sei Ihre Kleidung praktisch und 'solid! Veston-Anzüao Fr. 60.-70.- 80.- 90,- bis 130.- Regen-Mäntel Fr. 58.- 80.- bis 190.- Zum Vergnügen, Sport, für die Freizeit, die Ferien, das Weekend: Golf-Anzüge Fr. 110.- 130.- bis 170.- Flanell-AnzGgo Fr. 120.- 130.- bis 160.- Flanelihosen und Blazers P K In jeder Stadt am richtigen Platz! Sommer... Basel, Bern, Biel, Davos-Platz, Geneve, Lausanne, Lugano, Luzern, Neuchätel, St.Gallen, Winterthur, Zürich 1 und Zürich 4 «UJ gen; vier Sommermonate haben sie zusammen genossen. Er steht endlich auf, tritt dicht vor die Frau hin und greift sie an den Handgelenken: «Braa — wir werden uns nicht trennen, bleib' bei mir in Berlin.» Aber im Augenblick, wo er dies sagt, hat er schon das lähmende Gefühl, dass sie sich ihm entziehen wird ; er hat es geahnt, die ganze Zeit, seit ihrem Wort: «... Später...» —• aber er hat es sich, nicht eingestehen wollen. «Nein», sagte sie, «wir wollen heute ein Ende machen. Der Sommer ist vorbei. Du hast doch nur eine Frau für den Sommer gesucht. Dazu war ich bereit.» So sagt sie mit ihrer hellen festumrissenen Stimme. Sie hält den Kopf zurückgelehnt und schaut ihn ruhig an. Ihre Hände ruhen in den seinen ; sie spricht weiter: «Wir haben es bisher gut gemacht, wir wollen nicht alles haben müssen — vielleicht kennst du das Leben nicht so gut wie ich: wir haben alles gehabt. Besseres kann nicht kommen.» Plötzlich überfällt es ihn, er kann nicht begreifen, er will kein Ende, er will diese Frau, gerade diese soll mit ihm — er reisst sie hoch, er verletzt sie fast, so hart packt er zu. Sie schreit leise auf ; sie bäumt sich zurück — ganz bleich ist ihr Gesicht, wie zeitlos. Er sieht es vor sich, dicht vor sich und doch wie weit entfernt: Die Bogen der Augenbrauen, die flachen Wangen, den Mund —• da lässt er sie los. Sein Gefühl ist wie taub, er spürt sich selbst nicht. Er bringt sie zum Zug, er hebt selbst ihren kleinen Koffer ins Gepäcknetz, er reicht ihr die Hand. Nur eines tut ein ganz wenig wohl: dass sie selber das Ende dieses Sommers bestimmt hat. Mitten in der Arbeit der nächsten Zeit überkommt ihn manchmal ein Bild, eine Farbe, ein Duft aus diesem Sommer; und dann glaubt er allmählich begreifen zu lernen, weshalb sie sich trennen mussten: Diese vier Monate waren vollendet in sich, ein Geschenk von Braa an ihn, schön und gesund von Anfang bis Ende, und voll tiefer Ruhe. Ihr kluger Verzicht bewahrte sie beide davor, dies Glück in den Alltas binüberzunehmen,,, («B. Z.») Verkehrsunfall... Zeitungsnotiz: Beim Uebcrholen unier, die Räder gekommen. Ecke ... ßtrasse und ... Strasse ereignete sich heute vormittac ein Unfall. Ein Motorradfahrer kam bei dem Versuch, einen Pferdelastwagen zu überholen, zu Fall und geriet unteT die Räder. Er erlitt an beiden Beinen schwere Verletzungen und musste ins Krankenhaiua verbracht werden. Montag, morgens 11 Uhr, Ecke und ...- — Ein zweispänniger Lastwagen fährt besonnen und vernünftig seines Weges, er hält sich, wie die Polizei es will, auf der rechten Strassenseite und rückt, als das bellende Signal eines Motorrades ertönt, ganz nah an dasTrottoir. Ruhige, verkehrsgewohnte Pferde, solider, nüchterner Kutscher. An der Strassenkreuzung will das Motorrad kühn und wendig den Zweispänner überholen und anscheinend aus der „.~ in die .....strasse ein- .. biegen. Aber jetzt kommt von links ein Personenwagen, und das Motorrad gerät in Ge-> fahr, überrannt zu werden. Der Fahrer "reisst mit einem Ruck die Lenkstange herum, aber der Wagen streift trotzdem sein Hinterrad, er gerät ins Schleudern, die Maschine wankt und stürzt, der Fahrer schlägt lang auf die Strasse, die Maschine liegt unbemannt und unbeschädigt in der schmalen Lücke zwischen Fuhrwerk und Auto, der Kutscher reisst überrumpelt den Kopf herum, die Pferde springen erschreckt vor, und dann klettern die Räder des Fuhrwerks mit einem Hopser über die Beine des Gestürzten. Es knirscht stumpf und mahlend. Und ein Mensch schreit, brüllt, stöhnt und wimmert. Armer junger Mann von etwa 28 Jahren mit dem klugen, sympathischen und kühnen Gesicht — was ist jetzt mit deinem schlanken Körper, den der Sport stählte ? Verblutendes Tier im Dschungel schreit so seine Pein, sein Leid hinaus wie du jetzt... Die Beine hängen an dem Körper, als ob sie nicht dazugehörten. Kutscher nnd Chauffeur halten an, spring gen ab, bemühen sich um den Verunglückten. Leute stürzen aus den Häusern, Passanten halten inne, die eben noch ruhige Strassenecke wird von Menschen überflutet, Mutmassnngen schwirren, Urteile, Berichte, «...und da kam der also um die Ecke...», «... sag ich ja immer, sollen sie doch vernünftig fahren ...»,»... das ging verdammt schnell... > Ein Polizist erscheint, drängt sich durch den Menschenwall. Protokollaufnahme, Personalienfeststellung. Sie tragen den Verunglückten in ein benachbartes Geschäft Die nicht mithineindürfen, stauen sich vor der Tür, warten geduldig, der Klatsch grassiert, bei den Frauen feiert das Mitleid Orgien. Drinnen wird telephoniert, und ein paar Minuten später erscheint das Krankenauto des städtischen Rettungsdienstes, per Motorrad trifft der Polizeispezialdienst für Verkehrsunfälle ein. Alles wickelt sich bewunderungswürdig schnell ab. Die Geschäitstür wird aufgeschlossen, die Sanitäter gehen mit einer Tragbahre hinein, es dauert zwei Minuten und sie tragen den Verletzten hinaus, schieben ihn behutsam in den Wagen. Sein Gesicht ist vor Schmerz verzerrt und fahlgrün, aber ist stumm, er schreit nicht, und er wimmert nicht. Er ist ein Mann... Die Wagentür rällt ins Schloss, der Motor zieht an und gleitet leise um die Ecke... Einsam steht das Unglücksmotorrad am Strassenbord, die Menschen erregen sich noch eine kurze Weile und verlaufen sich... Ein Spuk um Mittag ist zerronnen.

48 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE 19 Mein Garten Von Rene Schickele. Rene Schicke!^ der bekannte clsässische Dichter, muss zu den Führern der Gegenwartsliteratur gezählt -werden. Sein Romanzyklus «Das Erbe am Rhein» ist eines der bedeutendsten Werke, das aus der elsässisehen Gegend den "Weg zu einer internationalen Leserschaft fand. Schickele ist, bedingt durch seine Geburt schon, ein Kämpfer um Annäherung und Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland. In der «Frankfurter Zeitung» veröffentlicht Schicket die folgende Skizze «Mein Garten». Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich eine private Geschichte erzähle. Seht, ich ziehe den Hut, verneige mich in die künde und bitte um Entschuldigung. Besonders tief verneige ich mich vor den öffentlichen Eselchen, auf denen, frei nach Hegel, derWeltgeist reitet. Sie sind grau und hartnäckig und schlagen aus, dass im Feuilleton die Funken stieben. Nicht eine Spur vom Sturm der Zeit werdet ihr in den folgenden Zeilen verspüren, oder, wenn doch, dann nicht mehr, als das Winken eines Haselnusskätzchens an der Spitze des Zweiges, den ein Spaziergänger streift. Vor vielen Monaten kam ein Fräulein in wilden Haaren und fragte, ob es hier oben zeichnen dürfe. Benno Reifenberg, der einmal durch meinen Garten gegangen war, hatte sie geschickt, ich fühlte mich geschmeichelt. (Wer mir schmeicheln will, braucht nur meinen Garten zu loben.) Es war eine husche junge Dame, aber so scheu, als befände sie sich dauernd auf panischer Flucht durch Wälder und Wiesen, und nur unter besonders günstigen Umständen zu zähmen, etwa wie eine Meise, die dem Menschen notgedrungen traut, wenn hoher Schnee liegt oder klarer Frost die Erde mit ihren Schätzen verschliesst. Ich führte sie durch den Garten und Hess sie allein. Sie zeichnete von morgens bis abends. Das war in der Zeit strotzender Gartenfülle, wenn ringsum auf dem Land schon der kahle Glanz der Tag- und Nachtgleiche liegt.* Inzwischen war Winter — ein Winter wie ein einziger April. Das Knospen im Garten hörte nicht auf. Der Riesenmohn zeigte im Dezember frisches Laub, im Januar prahlte er mit dicken Knospen. Dann verbrannte ihn der Schnee. Den Schnee trank die Erde, gleich schlug die Pflanze unter den schwarzen Blättern wieder aus. In den Polstern von Sedum, Steinbrech, Sempervivum kam und ging ein farbiges Gewimmel, die Blätter einer Art von Donnerwurz behielten ihren perlmutternen Schimmer selbst unter dem Schnee. Wenn die Sonne schien, lagen sie im Steingarten wie irisierende Leuchtbojen für Käfer und Würmer. Heute zeigt mir der erste Blick aus dem Fenster ein Meer von weissen Maulwurfshügeln. Das sind aber keine Maulwurfshügel, sondern die umgelegten Aecker, und daran erkenne ich,, dass es taut, bevor noch die Sonne da ist. Jetzt scheint sie auf den Hof. Dem angeketteten Wolfshund zergeht der Schnee unter den ungeduldigen Pfoten, die Sonne wärmt, auf der Waldstrasse fahren Wagen mit Langholz vorbei, die Enden der geschälten Stämme, die hinten über die Räder hinausragen, schwingen und versenden flache Blitze, und auch die Mähne der Pferde leuchtet zwischen den beschneiten Bäumen. Die Vögel jubeln, weil tiefer unten die Maulwurfshügel auf den Wiesen schon die braune, nasse Erde zeigen, richtige Maulwurfshügel, eine reichbesetzte Tafel von Plumpuddings, mit Regenwürmern gespickt, statt mit Rosinen. Die Amseln zumal schmettern vor Appetit. Und der Hund kann nicht vom Fleck, niemand lässt ihn von der Kette, er zürnt und fleht. Und dann saust er davon, um an alledem teilzunehmen, was in der veränderten Welt geschieht. Am Nachmittag kommen die ersten Wanderburschen. Während der Schneezeit waren sie wie begraben. Nicht ein einziges Mal ging die Gartentür auf, um eine dieser entschlossenen, frischen Gestalten durchzulassen, wie sie jetzt wieder mit Knüppel und forschendem Blick auf das Haus losgehen. «Wo waren Sie denn während des Vorsommer Schnees?» frage ich den ersten. Es ist ein zwanzigjähriger Bursche mit leuchtend blauen Augen. «Ha, da habe mir halt bei die Bauern Holz gehackt», antwortet er. Glänzend! Auch bei mir gibt es Holz zu hacken, Lehmringe an die Obstbäume zu legen und sonst noch allerhand Arbeit. Aber der Junge verzieht das Gesicht, sein Blick schweift in die Weite, durch die blaue Weite, bis zu den Vogesen. Die Sonne wärmt, die Vögel singen Sieg — sie haben die Zeit überlebt wo das Futter unerreichbar unter dem Schnee lag und die Maden sich vor der Kälte verkrochen. Auf den Strassen knallen die Peitschen, am Gartenzaun steht der Hund auf den Hinterpfoten und bellt ein Eichhörnchen an. «Nee,» sagt er, «nee, lieber Herr. Jetzt ist die Zeit zum Reisen. Ich bin nur ein Durchreisender, verstehn Se?» Und nun folgt ein Durchreisender dem andern. Tag um Tag, und wenn der Hund frei und unbeaufsichtigt herumläuft, bleiben sie am Gartenzaun stehen und warten, bis sich jemand von uns im Hof zeigt! Sie wandern! Sie wandern! Als ich endlich einen erwische, der arbeiten will, ist es ein armer alter Mann — er kommt mit den Jungen nicht mit, sie betteln ihm alles vor der Nase weg, sie betteln die Welt leer und lachen dazu. Da fasse ich einen Beschluss. Die Jungen bekommen zu essen und, wenn sie wollen, ein Buch. Geld gibt es nur für die Alten. Irre ich mich? Haben die Bleistiftzeichen auf der Aussenseite des Gartentors, diesem amtlichen und geheimen Verkündigungsorgan der Tippler, sich verändert? Die Zahl der Durchreisenden nimmt zu, doch dies ist es nicht, was mich veranlasst, an den Zeichen draussen am Tor herumzuraten. Sobald man ihnen entgegentritt, fragen nämlich die Barschen seit einiger Zeit nach einem Buch. Sie wollen kein Geld, sie wollen einen Teller Suppe und ein Buch. Es kommt sogar vor, dass sie nach der Suppe, wenn sie ein wenig im Buch geblättert haben, plötzlich fragen, ob es vielleicht nicht auch zu arbeiten gäbe hier/oben. Die Lage, die Aussicht gefällt ihnen, sie erzählen dies und das. Die meisten machen sich nichts aus der Politik. Sie haben genug davon, erklären sie. Es schaut nichts dabei heraus, sagen sie. Und dann gibt es noch die Alten, die suchen einfach «ein Bett und eine gute Frau»; dafür also laufen sie die Länder ab. Bevor sie weitergehen, stellen sie sich einen Schritt vor dem Hund auf und sprechen freundlich mit ihm. Manche halten das Buch in der Hand. Es ist aber auch ganz etwas Neues, mit so einem Buch in die Dörfer einzumarschieren! Der Pfarrer, der Lehrer steckt den Kopf durch die Tür oder sonst einer, der in einem geräumigen Haus wohnt, PochonSÜber Berner Trompeten« kenchter handgetrieben in eigenem Atelier nach alten REHFUSS-Mustern u. 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