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E_1930_Zeitung_Nr.048

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der im Osten unseres

der im Osten unseres Landes, so mag nur darauf hingewiesen werden, dass sich im Bündnerland auch jetzt recht hübsche Rundfahrten .zusammenstellen lassen, sei es, dass man durch die Herrschaft ins Prättigau und aufwärts nach Davos fährt und von dort durch die Zügenstrasse wieder hinunter nach Tiefencastel, Thusis und Ghur, oder dass man die eingangs erwähnte Julierroute zu einem Besuch ins Engadin benützt. Auch das freundliche Appenzellerland, mit seinen blitzblanken, heimeligen Bauernhäusern und seiner Menge Ferienorte, ladet zum Besuche ein, gleich wie das Toggenburg und das St. Galler Rheintal und Oberland. Mancher wird «einen Wagen auch hinein ms Glarnerland lenken, oder er wird diese Tour mit einer Fahrt über den Kerenzerberg verbinden. Auch die Kantone Schwyz, Uri und das ganze Vierwaldstätterseegebiet überhaupt verdienen einen regen automobilistischen Besuch, bleiben einem doch ein paar sonnige Tage am Vierwaldstättersee unvergesslich, wenn an seinen Ufern alles grünt und blüht und von oben herab sich noch die verschneiten Berggipfel in den Fluten spiegeln. Die Möglichkeiten, seinen Pfingstausflug abwechslungsreich zu gestalten, sind so gross, dass man neben dem Vierwaldstätterseegebiet via Brünig auch dem Berneroberland mit seinen beiden Seen einen Besuch abstatten kann. Hier Namen aufzuführen ist überflüssig. Man mag eine Strasse wählen, wie man will, man wird selten nur 5 km weit fahren können,, ohne nicht an einen hübschen Aufenthaltsort zu gelangen. Unerschöpflich sind die Kombinationsmöglichkeiten, wenn wir unsere Touren noch ausdehnen, hinüber in die Westschweiz, sei es ins Gebiet der Freiburgeralpen, an den Genfersee, oder ins sonnige Wallis. Und wer sich zum Beispiel für keines der zuletzt genannten Hauptgebiete wie Vierwaldstättersee, Berneroberland, Genfersee allein entschiessen kann, der besuche eben gleich alle drei zusammen, in dem er sie von Ost nach West oder West nach Ost durchfährt. Noch auf ein Gebiet sei nicht vergessen hinzuweisen, dass leider noch zu wenig bekannt und geschätzt wird, das ist der Jura, in seiner ganzen grossen Ausdehnung von Südwesten nach Nordosten. Was sich da für schöne Touren machen lassen, weiss nur der, der es einmal unternommen hat und dann sicherlich genussreiche Tage in jenen Bergen verleben durfte. Alpen und Jura haben wir genannt und dürfen in diesem Falle auch ihres Verbindungsgebietes nicht vergessen, des Mittellandes, das mit seiner Menge bezaubernder Seen jetzt zu bald beginnender Badesaison sicher viel besucht wird, besonders, da es immer und auf alle Fälle durchfahren werden muss, fahre man in die Alpen oder nach dem Jura. Für Pfingstfahrten also etwas mehr Wetterglück als an Ostern, so dass nur strahlender Sonnenschein alle Automobilisten begleite auf ihren Fahrten in alle Ecken des Schweizerlandes. L. Bergrennen Develier-Les Rangiers Stuber auf Bugatti stellt am 1. Meisterschaftsrennen der Saison einen neuen Streckenrekord auf — Dr. Karrer auf Bugatti fährt bei den Sportwagen eine neue Bestzeit — Zwimpfer auf Chrysler unterbietet den alten Tourenwagenrekord. Ein grosser Sportsonntag ist zu Ende. Das Rennen von Les Rangiers hat die Serie der Meisterschaftsrennen glänzend eröffnet. Nicht weniger als 17,000 Zuschauer säumten die Rennstrecke, und sie kamen nicht zu kurz. Man bekam einige grossartige Leistungen zu sehen. Bewundert wurde vor allem die Fahrt Stubers auf Bugatti, welcher den Rekord von Les Rangiers um volle 22 Sekunden schlagen konnte. (Ebenso wurden in der Sport- und Tourenwageriklasse prachtvolle Leistungen erzielt. Dr. Karrer auf Bugatti (Sport) und Zwimpfer auf Chrysler (Tourenwagen) stellten beide neue Rekorde auf. Am Morgen fragte man sich, ob das Rennen nicht unter Regenwetter zu leiden haben werde. Platzregen um Platzregen ging hernieder, was aber das Publikum nicht hinderte, in mächtigen Scharen anzurücken. Auch die sorgfältig vorbereitete Strasse, die mit Bisulfit getränkt worden war, widerstand den Einflüssen der Witterung vollkommen. Gegen Nachmittag wurde das Wetter übrigens besser, wenn auch die Schleusen des Himmels von Zeit zu Zeit geöffnet wurden. Der Start. Am Start präsentierten sich 27 Teilnehmer. Wittwer, welcher bei dem Versuchsrennen am Vortage einen Defekt an seiner Maschine erlitten hatte, schied aus. ebenso! Caspar bei den Tourenwagen und Fröhlich bei den Sportwagen. Punkt 14 Uhr wurde das erste Startzeichen gegeben und nun folgten sich die Abfahrten in regelmässigen Abständen. Dank des Feldtelephons, welches von Hauptmann Borer installiert worden war, konnten die Starter die Fahrt der Wagen genau verfolgen und mit dem Startzeichen für den nachfolgenden Wagen-zuwarten, bis der vorhergehende Fahrer bereits alle gefährlichen Kurven hinter sich hatte. Die Rennstrecke wurde durch 28 Polizisten von den Zuschauermassen freigehalten, die übrigens recht undiszipliniert waren. Die 7,5 Kilometer lange Strecke war durch kleine Schilder in Kilometer eingeteilt. Wie zu erwarten war, sammelten sich die Zuschauer bei den interessantesten Punkten, besonders bei der Kreuzung von Montavon, beim sogenannten Hufeisen, und von da weg bis zum Ziel. Man glaubte zuerst, dass die nasse Strasse es nicht erlauben würde, neue Rekorde aufzustellen, musste aber bald einsehen, dass auch diese Nachteile die Fahrer nicht verhinderten, Höchstleistungen aus ihren Maschinen herauszuholen. Besonders bei den Kurven war die Geschicklichkeit der Fahrer auf die schärfste Probe gestellt und es muss als eine glänzende Tatsache gebucht werden, dass kein einziger Unfall dieses Rennen trübte. AUTOM OBTL-Rf? VUE 1930 — N° 48 Die - ! Tourenwagen kamen wie gewöhnlich zuerst an die Reihe. Es startete zuerst die wohlbekannte kleine Rosengart von Markiewicz, welcher mit 9' 6,6" den Rekord seiner Klasse aufstellte, ein Rekord, welcher nun als erster nationaler Rekord gilt. Die Klasse 1100 ccm wurde von einem einzigen Fahrer, Spälty auf Amilcar, gebildet, welcher die Rennstrecke in 7'43" hinter sich brachte, ohne aber den im Jahre 1928 aufgestellten Rekord Kirchhofers zu erreichen. Allerdings war der letztere ein Berufsfahrer. Man sieht nicht oft bei einem Rennen einen Organisator, welcher selbst am Rennen teilnimmt. Bei Les Rangiers war das der Fall. Der sportliche Dr. Houlmann brachte das fertig. Am Morgen leitete er die Wagenabnahme und am Nachmittag stellte er die beste Zeit der Amateure in der Klasse der 1500 ccm auf,, indem er mit seinem Citroen die Strecke in 10'6,2" bewältigte. Die Berufsfahrer der gleichen Klasse unterboten alle drei den bestehenden Rekord zum Teil ganz beträchtlich. Keller stellte mit seinem Alfa Romeo mit 6' 14,6" den neuen Rekord auf. (Der alte Rekord betrug 8'21"). Die gleiche Marke fuhr Kessler, welcher etwas über sechs Sekunden mehr brauchte. In der Klasse 2000—3000 ccm startete dieses Jahr kein Berufsfahrer. Um so besser war die Klasse der 3000—5000 ccm besetzt Im Jahre 1928 wurde der erste Platz der Amateure mit einem Martini-Wagen belegt. Gestern erschienen nicht weniger als drei Fahrer auf unserer einheimischen Marke und errangen die drei ersten Plätze der Klassierungen ! Als einziger Berufsfahrer dieser Klasse startete Zwimpfer auf Chrysler, welcher in glänzender Fahrt mit 5'46,8" den bestehenden Rekord der Tourenwagen um volle 27 Sekunden unterbot. Sportwagen erwartete man natürlich noch höhere Leistungen. Schon der erste Konkurrent, Gloggner auf Bugatti, 1100 ccm, stellte mit 6' 6,2" einen Klassenrekord auf. Der alte, von Zbinden aufgestellte Rekord wurde damit um nicht weniger als 24 Sekunden geschlagen. Aber Zbinden •revanchierte sich glänzend, indem er, allerdings in der nächsthöhern Klasse, mit 5'38" einen neuen Rekord aufstellte. Diese Zeit war vorderhand die beste Zeit des Tages, die aber nur drei Minuten bestand. Denn nun fuhr Dr. Karrer auf Bugatti. Seine glänzende rapide Fahrt erweckte die Bewunderung aller, und die Begeisterung stieg auf den Höhepunkt, als man vernahm, dass er auf einem Sportwagen sogar den bestehenden Rennwagen-Rekord um 6 Sekunden geschlagen hatte. In der Klasse 3000 bis 5000 ccm fuhr als Amateur Pedrazzini, welcher bei der Kreuzung von Montavon in die Wiese hineinfuhr und infolgedessen in den Rückstand kam. Noch grösseres Pech hatte dann der Berufsfahrer dieser Klasse, Freuler auf Steyr, welcher Anstände mit seinen Zündkerzen hatte und infolgedessen ebenfalls eine verhältnismässig lange Zeit zum Zurücklegen der Strecke brauchte. Noch schlimmer erging es Schweingruber (Klasse 1500 ccm), welcher infolge Vergaserschwierigkeiten zum Aufgeben gezwungen wurde. Und nun sah man mit voller Erwartung dem Rennen der Rennwagen entgegen. Diese wurden in zwei Klassen eingeteilt. In der Klasse 750 bis 1100 ccm stellte Bouele auf Salmson mit 6'23,8" einen neuen Rekord auf. Nur eine Sekunde mehr brauchte Glanzmann auf einem Wagen der gleichen Marke. Und nun kam der Clou des Tages. Zwei Bugatti-Rennwagen, 1989 ccm, Achtzylinder, bis in alle Details genau gleich, stellten sich am Start. Der eine Wagen war von Hans Stuber, der andere von Walter Obi besetzt. Obi fuhr zuerst. Sein Rennen machte einen sehr guten und schnellen Eindruck, aber man wusste, dass unser Berner Champion, Hans Stuber, uns noch eine ganz andere Ueberraschung bereiten würde. Und so geschah es denn wirklich. Es war ein sportlicher Genuss, zu beobachten, was dieser Meister des Volants aus seiner Maschine herauszuholen verstand. Diese rassige und donnernde Fahrt durch die Gefilde, dieses Schauspiel einer von Menschenhand aufs feinste gezügelten und doch aufs äusserste angepeitschten unbändigen Kraft war der Höhepunkt der ganzen Veranstaltung. Als dann gleichzeitig auch noch das Donnern aus den heranstürmenden Gewitterwolken sich mit dem Grollen des Motors vermischte, da war der Eindruck ganz überwältigend. Wie ein Blitz fuhr der weiss-rote Wagen durch Kurven und über Gerade und flitzte schon nach 4 Minuten und 34 Sekunden durch das ZieL Das war ein Jubel! Hunderte umzingelten den Sieger und seine Maschine vor der Auberge des Rangiers und selbst den Pressephotographen, die sich sonst auf Ellbogenarbeit verstehen, war es fast nicht möglich, mit ihren startbereiten Apparaten in Schussweite des Helden des Tages zu kommen. Schluss. Ein grosser Tag war vorüber. Die Massen der Zuschauer verliefen sich in allen Richtungen, während die Organisatoren sofort die Resultate feststellten. Der Organisation muss unumschränktes Lob zuteil werden. Das ganze Rennen klappte mit einer Präzision, die allgemein bewundern musste. Und nicht nur das Rennen selbst, auch die Nacharbeiten. Schon kurz nach 18 Uhr waren alle Interessenten, im besondern die Presse, im Besitze der maschinengeschriebenen Resultate, was auch als ein Schnelligkeitsrekord gebucht werden kann. Am Abend fand im Hotel du Soleil in Delsberg die Rangverkündung und die Preisverteilung statt Die Sektion « Les Rangiers» des A. C. S. erledigte auch diese Aufgabe zur vollen Zufriedenheit der Teilnehmer. Der Gabentisch war mit Preisen im Werte von mehr als 3000 Franken dotiert. Ein Bankett vereinigte sodann die Offiziellen des Rennens, die Teilnehmer und die Mitglieder der Sektion. Damit wäre das erste nationale Rennen dieser Saison zu Ende. Es ist trotz des drohenden Himmels zu einem glänzenden Erfolg geworden. In doppeltem Sinne: zu einem Erfolg für die Veranstalter und zu einem Erfolg für den Berner Meisterfahrer Hans Stuber, der sich wiederum von Beginn der Saison an in die vorderste Linie unserer schweizerischen Rennfahrer stellt. Resultate des 4* Develieivles Rangiers, 1. Juni 1930 (6) Klassen- und Kategorie-Rekord geschlagen. Beste Zeit der Sportwagen. (7) Rekord aufgestellt. (8) Klassen- und Kat*gorie-Rekord geschlagen. Neuer absoluter Rekord. Beste Tageszeit. (9) Damenpreis. Bohr ng Kategorie und Klasse Fahrerklasse Bang Konkurrent Wohnort Fahrer Zylinder- Toureninhatt zahl Sektion Marke Zyl. und nah Zeit Bei den Tourenwagen Klasse H, 500-750 ccm Klasse O, 750-1100 ccm Klasse F, 1100-1500 ccm Klasse D, 2000-3000 ccm Klasse C, 3000-5000 ccm Sportwagen Klasse F, 1100-1500 ccm Klasse £,1500-2000 ccm Klasse D, 2000-3000 ccm Klasse C, 3000-5000 cem Experten Solo Amateure Solo Amateure 1. 2. Experten 1. 2. 3. Amateure 1. 2. Amateure 1. 2. 3. 4. Experten Solo Amateure Experten Experten Amateure Experten Solo Solo Solo Solo Solo Ed. Markiewicz Spälty, Kurt Houlmann, Ed. Catte, Georges Keller, Alfred Kessler u. Jäger Agence Salmson Studer, Jean Piffaxetti, J. Leutenegger, Em. Bueche, Louis Kocher, Jean Hirt, Gottfr. Zwimpfer, Oscar Gloggner, Ed. Zbinden, Charles Escher, Will" 1111 Pedrazzini, Jean Freuler, Ch. Gen&ve Glarus Porrentruy Epauvillers Zürich Zürich Neuohatel Bern Tavannes Schinznach Court Delemont Bienne Zürich Luzem Delemont Zürioh Paris Zürich Ed. Markiewicz Spälty, Kurt Houlmann, Ed. Cattö, Georges Keller, Alfred Kessler, Jos. Beuohat, Jos. Studer, Jean Piffaretti, J. Leutenegger, Em. Bueche, Louis Kocher, Jean Hirt, Gottfr. Zwimpfer, Oscar Gloggner, Ed. Zbinden, Charles Karrer, Dr. J. Pedrazzini, Jeaa Freuler, Charl. Geneve Glarus Rangiers Rangiers Zürich Zürich TCS Bern Rangiers Aargau Rangiers Rangiere Rangiers Zürich Luzern Rangiers Zürich Tessin Zürich .Rosengart Amilcar Citroen Fiat Alfa Romeo Alfa Romeo Salmson Essex Lancia Martini Martini Martini Chrysler Chrysler Bugatti Bugatti Bugatti Cord Steyr 56/76 68/951 4 68/100 4 65/110 66 62/82 62/82 4 65/98 6 70/114 4 79/120 6 88/120 6 88/120 6 88/120 6 82/127 6 86/127 4 69/100 S886 60/88 60/88 83/114 88/134 747 3200 1003 3000 1456 2500 1460 3000 1487 4500 1487 4400 1300 4000 2620 2400 2400 3500 4380 3000 4380 3000 4380 3000 4112 3000 4398 3000 1490 4000 1989 4000 1989 4500 4980 4000 4980 3500 9' 06" 3 / 5 (1) T 43" 10' 06" Vs 10' 12" */s 6' 14" 3 /s 6' 21" 2 2) /s 7' 10" 7' 23" 7' 29" */, 6' 28" 3 •/. V 07' 7' 20" " 8' 07" V« 5' 46" */ S (3) 6' 06" Vs (4) 5' 38" (5) 4' 50" Vs (6) 6' 02" Vs 6' 34" Rennwagen Klasse G, 750-1100 ccm Klasse E, 1500-2000 ccm Spezielle Damenrangliste 1; 2. 3. 1. 2. 1. Bouele, Ulysse Glanzmann, Jos; Wyüi, Gustave Stuber, Hans Obi, Walter Glanzmann, Yvonne St-TJrsanne Porrentruy Zürich Bern Münsingen Porrentruy (1) Rekord aufgestellt. (2) Rekord geschlagen. (3) Klassen- und Kategorie-Rekord geschlagen and beste Zeit der Tourenwagen. (4) Rekord geschlagen. (5) Rekord aufgestellt. Bpuele, Dlysse Glanzmann, Jos« Wylli, Gustave Stuber, Hans Obi, Walter Glanzmann, Yvonne Rangiers Rangiers Zürich Bern Bern Rangiers Salmson SalmsoD Rally Bugatti Bugatti Salmson 4 4 4 8 8 4 62/90 62/90 62/91 60/88 60/88 62/80 1085 3200 1085 3200 1090 3000 1989 4500 1989 4500 1085 3200 6 f 23" Vs C0 6' 24" «/s 7' 35" =/. 4' 34" 5' 17" Vs (8) 6' 50" Vs (9)

N° 48 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE Stuber (Bern), auf Bugatti, eröffnete seinen Meisterschaftskampf mit einem neuen Rekord der Bergstreoke von Les Bangiers. Die Aufnahme erfolgte kurz nach seinem Siege. (Photo: «Automobil-Revue>) In vier Wochen folgt dann die zweite Nummer unserer nationalen Veranstaltungen, das Bergrennen Rheineck-Walzenhausen-Lachen, dem wir heute schon den Erfolg wünschen, Der Grosse Preis von Indianapolis. Ein junger Aussenseiter siegt. In den zwei letzten Jahren war dieses grösste aller amerikanischer Rennen jedesmal von einem Outsider gewonnen worden. Auch dieses Jahr machte keine Ausnahme. Die Geschichte des Sieges von Billy Arnold hört sich wie ein amerikanischer Sensationsfilm an. Auf der vollständigen Meldeliste, die wir in Nummer 46 veröffentlichten, war Harry Hartz eingetragen. Dieser Hess sich dann in letzter Stunde durch den 23jährigen, unbekannten Automechaniker Arnold ersetzen, der seit Jahren auf dieses Rennen Geld gespart hatte und nun über Nacht als Auto- Lindbergh berühmt geworden ist Auch in anderer Beziehung blieb das Rennen seiner Tradition treu, indem sich verschiedene schwere Unfälle ereigneten. In der zwanzigsten Runde stiessen zwei Wagen zusammen, drei weitere Maschinen konnten nicht mehr rechtzeitig anhalten und fuhren in den Knäuel hinein. Glücklicherweise stellte es sich bald heraus, dass kein Fahrer schwer verletzt war. Immerhin musste das Rennen für 20 Minuten unterbrochen werden, um die Bahn von den Trümmern zu säubern. Kurz vor Schluss kam ein neuer Wagen zu Fall. Der Lenker C. I. Marshall wurde mit einem Schädelbruch hervorgeholt, während sein Beifahrer tot war. Von den 38 gestarteten Maschinen konnten nur vier dieses schwere Rennen beendigen. Unter den Fahrern, die aufgeben mussten, befand sich auch der einzige Europäer, Borzachini auf Maserati, der in der 18. Runde Motordefekt erlitt. Dem Rennen wohnte eine gewaltige Zuschauermenge bei, die auf 165,000 Personen geschätzt wurde. Die zahlreichen Zwischenfälle und Ausscheidungen machten die Veran- den der « Klausen des Jura » am Sonntag gehabt hat. -o- (Die genauen Resultate sind aus der Tabelle Seite 2 ersichtlich.) Sportnachrichten staltung ungeheuer spannend. Interessant ist, dass der Sieger, der übrigens sehr regelmässig und sicher fuhr, einen Miller-Wagen steuerte, der mit Vorderradantrieb ausgerüstet ist. Billy Arnold fuhr die 200 Runden (500 Meilen = 804,67 km) mit einem Stundenmittel von 167,260 km. Seine Gesamtzeit betrug in der Tat nur 298 Minuten und 39 Sekunden! Die zahlreiche Beteiligung der Duesenberg vermochte dagegen nicht, diese Marke vor einer schweren Niederlage zu bewahren. Das Rennen war auch deshalb interessant, weil zum erstenmal das neue amerikanische Reglement angewendet wurde, dessen Bestimmungen zu einem grossen Teil auch in das neue Sportreglement der A. I. A. C. R. aufgenommen wurden, das mit 1931 in Kraft tritt und das unter anderm keinen Kompressor zulässt. Die Resultate: 1. Billy Arnold auf Miller Hartz, legte die 500 Meilen in 4 Stunden 48 Min. 52 Sek. zurück CStundenmittel 100,446 Leilen = 167,26 km); 2. William S. Cantlon (Miller Spead) 4:52:34; 3. Louis F. Schneider (Daves); 4. Louis Meyer (Sampson). Der Grosse Preis Bugatti. Das von der Bugattifabrik am Sonntag veranstaltete Rennen auf der Rundstrecke in Le Mans verlief programmässig. Unfälle haben sich keine ereignet, dafür gab es um so mehr Ausscheidungen, da die Fahrt sehr schwer war. Von 13 Angemeldeten konnten nur zwei das Rennen beendigen, und zwar waren es gerade die Favoriten, die auf der Strecke zurückblieben. Zanelli (Bugatti 2300 ccm) wurde mit 3 Std. 47'21,8" Erster, Max de Fourmy mit 3 Std. 50' 56" Zweiter. Die Fahrer hatten 32 Runden, also eine Strecke von 525 km, zurückzulegen. Es waren übrigens nurBugattl- Wagen zugelassen. -o- Dle Formel des Monza-Preises. Gegenwärtig wird das Reglement für den diesjährigen Grossen Preis von Monza, der am 7. September ausgetragen werden soll, von den Organisatoren bereinigt und für den Druck vorbereitet. Es soll in Kürze erscheinen. Unterdessen sind bereits folgende Einzelheiten bekanntgegeben worden: Es handelt sich um eine offene Schnelligkeitsprüfung für Rennwagen, für welche Preise im Gesamtbetrage von 420,000 Lire zur Verfügung stehen. Das Rennen wird in zwei Teile zerfallen: zuerst ein Ausscheidungsrennen zwischen Vierergruppen gleicher Klassen und dann das eigentliche Rennen zwischen den Bestklassierten. Für das Ausscheidungsrennen muss die(bis 1500 ccm) und die vier Bestklassierten Di© zwei Bestklassierten der Klassen G und r Rundstrecke zwanzigmal durchfahren werden. (Da jede Runde 5 1 / 2 Kilometer misst, Kilometer oder mehr erreicht haben, dürfen der Klassen über 1500 ccm, soweit sie 120 macht das 110 Kilometer.) Beim Endrennen daran teilnehmen, die andern sind ausgeschieden, werden 30 Runden gefordert, d. h. 165 km. -o- Festliche Tage Zika-Eröffnung. Die «Zürcher Internationale Kochkunst- Ausstellung» ist nun am Samstag in feierlicher Form eröffnet worden. Der Presse ist am Tage zuvor Gelegenheit geboten worden, einen Einblick zu erhalten in das, was die Ausstellung erstrebt und will. Man wurde unter sachkundiger Führung durch die weiten Hallen geführt, an den Ständen vorbei, die allerdings nicht, wie die Ausstellungsleitung es gerne gesehen hätte, den Eindruck erweckten, als sei die Ausstellung «fix und fertig» (ein unvorsichtigerweise nicht rechtzeitig wieder entferntes Plakat verriet, dass die Ausstellungsleitung, um diesen Eindruck zu erwecken, vollständige Arbeitsruhe während des Pressebesuches gerne gesehen hätte!). Da die Pressemannen bereits einen Tag vor der offiziellen Eröffnung erschienen, war das ja eigentlich auch gar nicht zu erwarten. Trotzdem gab es rühmenswerte Ausnahmen, Firmen, die so rechtzeitig vorgesorgt hatten, dass sie schon vor der Eröffnung wirklich fertig waren. Was zu sehen war, machte einen vertrauenerweckenden Eindruck. Man wird wohl annehmen dürfen, dass die'« Zika » ein grosser Erfolg sein wird. Das Uebel aller Ausstellungen haftet natürlich auch ihr an: es ist schwer, die Grenze zu ziehen, und wenn eine Bekleidungsfirma Livreen ausstellt, die für Gastwirtschaftsangestellte bestimmt sind, so kann man daraus ermessen, wie weit der Rahmen gespannt ist, innerhalb dessen etwas als zur Kochkunst gehörig betrachtet werden kann. Eine gewisse Aehnlichkeit mit der Gastwirtsgewerbeausstellung vor drei Jahren drängt sich auf; diese war jedoch eine rein schweizerische, und jetzt haben wir eine internationale Ausstellung; der Rahmen ist also in gewisser Beziehung enger, in anderer weiter gespannt als damals. Sieht man sich nach Dingen um, die besonders den Automobilisten interessieren, so kann man auf der einen Seite sagen: eigentlich alles, denn eine gute Kochkunst schätzt der Automobilist mindestens ebensosehr wie jeder andere Sterbliche. Man findet jedoch auch einige Einzelheiten, die gerade vom Standpunkte des Automobilfahrers aus ein über das allgemeine erhöhtes Interesse beanspruchen dürfen. Anpassungen an die Bedürfnisse auf der Reise und alles, was mit Reiseausrüstung zu tun hat, ist natürlich heute für den Automobilfahrer von besonderer Wichtigkeit. Die Hauptsache wird man aber eigentlich doch erst sehen, wenn die Ausstellung in vollem Betriebe ist, wenn die Restaurants der verschiedenen Nationen ihre Besonderheiten zur Geltung bringen, wenn die Kochkunst praktisch zur Wirkung gebracht wird. Das Interesse wird wohl allenthalben hierfür gross sein. V. Narzissenfest in Montreux. Grosser Erfolg auf der ganzen Linie, das ist das summarische Ergebnis der zwei prächtigen Tage von Montreux. Herrliches Wetter, ein harmloses Gewitter, das leichte Abkühlung und feuchte Lüfte brachte, hervorragende Darbietungen und ein gewaltiger Aufmarsch der Besucher trugen dazu bei, das 17. Narzissenfest in Montreux zu einem grossen Erlebnis werden zu lassen. Das Ballett der Wiener Staatsoper, das für Montreux engagiert war, begeisterte am Samstag die Zuschauer, die dicht gedrängt auf der Tribüne den einzigartigen Darbietungen beiwohnten. Inmitten dieser schönen Umfassung von Berg und See und Frühling entfaltete das Ballett unter der Leitung Sascha Leontiews seine ausgezeichneten künstlerischen Fähigkeiten. Die einzelnen Nummern verrieten alle grossen Geschmack in der Farbenzusammenstellung und der rhythmischen Gliederung. Das Orchestre Romand hielt mit der Bühne steten sichern Kontakt, unter der Leitung von Prof. Josef Klein entstand eine prächtige Zusammenarbeit mit dem Ballett. Der Korso zeigte, was Montreux auch aus eigener Kraft leisten kann. Der lange Zug von mit Blumen übersäten Autos und Wagen stand unter verschiedenen Zeichen; die einen widmeten ihre Dekoration der Vergangenheit, beschworen irgendeine vergangene Zeitepoche zu farbigem Leben herauf, andere bekannten sich zur modernen Zeit und zeigten neue und eigenartige Themen. Kaum dass der Zug vorüber war, widerhallte an den Hängen der langersehnte Kanonenschuss, der das Zeichen zum Beginn der Konfettischlacht gab. Ein weicher Teppich von kleinen farbigen Papierblättchen bedeckte bald den Boden, es wirbelte und stob durch die Lüfte ins Gesicht... Das grosse Feuerwerk sprühte am Abend in den klaren Himmel, es funkelte über dem See, donnerte und strahlte. Montreux kannte keine Nacht vom Samstag auf den Sonntag. Man huldigte dem Tanz. Der Sonntag brachte weitere gesellschaftliche Anlässe und eine Zusammenkunft der internationalen Presse. Der Verkehr war an beiden Tagen ausserordentlich stark. mb. Kalender der Motorfahrzeugausstellungen für das Jahr 1930. 29. Juni bis 13. Juli: Int. Automobilausstellung in Poznan. 9. bis 18. August: 7. Automobil- und Fahrrad- Ausstellung in Luxemburg. 2. bis 12. Oktober: 24. Int. Automobilausstellung in Paris. 2. bis 12. Okt.: 5. Automobilmesse in Paris, 16. bis 25. Oktober: 24. Int. Automobilausstellung in London. 6. bis 16. November: Internationale Kraft- . Wagenausstellung in Berlin. 7. November: Automobile Show in Philadelphia. 22. November bis 3.Dezember: 24. Int. Automobilausstellung für Fahrräder, Schifffahrt und Radio. November-Dezember: 13. Int. Automobilsalon in Buenos-Aires. November: Ausstellung für Automobilausrüstung in Chicago. November: 22. Int. Automobil- und Fahrradausstellung in Prag. Beachten Sie unsern neuen Photowettbewerb in Nr. 4 der « Illustrierten Automobil-Revue », die Ende dieser Woche erscheint und beim Verlag gratis bezogen werden. MJZ-.b