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E_1930_Zeitung_Nr.054

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Ausgabe* Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 24. Juni 1930 ruutiiinßT 28. Jährgang. — 20 Cts. NO 54 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dtonstaf und Fnltaa Monatlieh -Gelb* Iiita* HalbJJhrfleh Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter PortosöSehlag, solern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorerue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeil« Ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct». Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenscliluss 4 Tage vor Erscheinen der Nommern Zum Projekt der Gandriastrasse Die Stellungnahme des eidg. Zolldepartements. Von geschätzter Seite wird uns geschrieben : «Die neueste Nummer des Schweiz. «Bundesblattes» publiziert die Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung über einen Bundesbeitrag an den Bau einer Strasse von Castagnola über Oandria bis zur italienischen Grenze. In den nachstehenden Zeilen soll über den näheren Inhalt der Botschaft nicht gesprochen werden; sie kommt in erfreulicher Weise unsern Tessinern zu Hilfe und garantiert ihnen 50 Prozent der Baukosten bis zn einem Höchstbetrag von Fr. 2,590,000 zn Lasten des Bundes. Dass die neuprojektierte Strasse, die den beliebten Qandriafussweg nicht stören wird, sondern etwa 50 Meter höher von Castagnola an den oberen Häusern von Gandria vorbei bis zur Landesgrenze geführt wird, dem internationalen Verkehr, vor allem dem Autotourismus zugute kommen wird, ist so selbstverständlich, dass es müssig wäre, darüber noch irgend etwas verlauten zu lassen. Um so sonderbarer ist die Stellung, die das Schweiz. Zolldepartement, vom Bundesrat seinerzeit zu einer Ansichtsäusserung über das neue Strassenprojekt aufgefordert, mit seiner Zuschrift vom 27. Juni 1924 einnimmt, wobei nur zu hoffen ist, dass die genannte Amtsstelle in den seither abgelaufenen sechs Jahren Gelegenheit gehabt habe, ihre Hefte etwas nach modernen Anschauungen hin zu korrigieren. Besagtes Zolldepartement ist nämlich der Meinung, es werde auch nach dem Bau der Gandriastrasse der Zollverkehr in der Hauptsache auf den Wasserweg beschränkt bleiben wie bisher. In Ermangelung eines nennenswerten Warenverkehrs liege die Eröffnung eines neuen Zollhauses (ein solches ist selbstverständlich mit der Schaffung der Strasse notwendig) nicht im Interesse der Zollverwaltung usw. Die Zollverwaltung, heisst es in der bundesrätlichen Botschaft weiter, betrachtet die Steigerung des Automobilverkehrs nicht unbedingt als gewinnbringend und vorteilhaft für die Stadt Lugano und für den Fremdenverkehr, weswegen die finanzielle Beteiligung der Eidgenossenschaft am Bau der in Frage stehenden Strasse in dem gedachten Ausmasse nicht geboten erscheine. F E U I L L E T O N Die blaue Wand Von Richard Washburn Child. Autorisierte Uebersetzuns aus dem Amerikanischen roa läse Landau. (Engelhams Ramanbibliothek.) (11. Fortsetzung) Wenn sie auch ganz harmlos gesprochen hatte, so senkte sie doch ein wenig die Stimme, als sie- Schritte von der Diele her vernahm. Margaret kam herein, um, wie ich das seitdem so viele, viele Male gesehen habe, die Kaffeetassen abzuräumen. Ich fühlte, ohne hinzublicken, dass die alte Dienerin kein Auge von mir liess, so lange sie sich im Zimmer zu schaffen machte; so bewusst war ich mir, dass ich die ganze Zeit über den Gegenstand ihrer Beobachtung bildete, dass es mir nur mit Mühe möglich war, unsere Unterhaltung fortzusetzen. Das Gespräch geriet ins Stocken, so sehr ich das auch zu vermeiden suchte; und als die Alte das Zimmer verldess, war die frühere, trauliche Stimmung verflogen. Juiiana, die wohl gemerkt hatte, wie gern ich ihr zuhörte, wusste es geschickt so einzurichten, dass ich in ihres Vaters Lehnstuhl Platz nahm. Ich konnte sie von da aus gut beobachten, während sie behaglich in die Kissen zurückgelehnt, mit unendlich weich klingender Stimme von allem möglichen plauderte, was ihre Phantasie ihr vorzauberte. Allmählich aber ging sie in leichtem Plauderton zu. dem Thema der Vererbung über. «Ich höre aus all Ihren Anschauungen den Eine etwas merkwürdige Ansicht eines Amtes, das auch auf dem Zollgebiet Gelegenheit genug haben sollte, über aktuelle Fragen des Fremdenverkehrs sich Kenntnisse anzueignen, die anders lauten sollten als in der Eingabe. Ob Lugano von der neuen Strasse profitiert, wird die Zukunft lehren; wir glauben es bestimmt und fühlen uns mit den kantonalen tessinischen Behörden dabei in bester Gesellschaft, die seit Jahren an der Durchführung des Projektes arbeiten. Aber erfreulicherweise scheint auch der Bundesrat die Ansichten seines Zolldepartementes nicht zu der seinigen zu machen; schon im folgenden Satz einer, die kostspielige Subvention empfehlenden Erwägung, gleichsam, um von der Ansicht des Zolldepartements raschestens abzurücken, führt er aus : «Die tessinischen Behörden und die Bevölkerung zweifeln nicht daran, dass die Gandriastrasse eine weitgehende Hebung des Fremdenverkehrs herbeiführen werde. Auf jeden Fall wird die Möglichkeit der Durchfahrt nach dem Cömersee, dem Splügen, nach Maloj a und dem Engadin, sowie nach dem Veltlin, wie in der umgekehrten Richtung, mit den wunderbaren Naturbildern, die sich von Anfang bis Ende dem Reisenden offenbaren, viele Automobilisten anziehen, die sonst ihren Weg in der Längsrichtung der grossen Seen fortgesetzt hätten.> Es ist als sicher anzunehmen, dass die Bundesversammlung die Botschaft des Bundesrates sanktionieren werde und dass in ein paar Jahren die neue Gandriaautomobilstrasse Tatsache sein wird, und auch das Zollhäuschen dazu, das den Zöllnern alsdann gute Gelegenheit geben wird, durch eigene Erfahrung festzustellen, ob die neue Strasse für den Fremdenverkehr gewinnbringend sei oder nicht Hoffentlich bekommen sie dabei vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein derart viel zu tun, dass auch sie vom vorwärtsstürmenden Geist des Fremdenverkehrs erf asst werden und es schon in kürzester Zeit keine Meinungsverschiedenheiten über den Nutzen der Gandriastrasse mehr gibt.> W. B. Finfluss Ihres Herrn Vater heraus», warf ich einmal ein. Sie gab zu, dass er Sir Lehrer gewesen sei, und dass sie oft jene Dinge miteinander erörtert hätten. Daneben aber war zu merken, dass Juliana ihre Ueberzeugung von der Macht ererbter Triebe aus sich selbst heraus gewonnen hatte. Sie war geistig weit selbständiger, als ihr äusseres Wesen vermuten Hess. Das zeigte sich auch deutlich in der Art, wie sie von verschiedenen Vererbungsfällen erzählte, die säe selbst ebenso klug wie unbefangen beobachtet harte. Sollte ich mein gesteigertes Interesse an jenem Problem ihrer Beredsamkeit zuschreiben? Ich bin mir 'bis auf den heutigen Tag nicht klar darüber. Sicher ist, dass ich froh war, da sitzen zu dürfen — auch ohne meine Pfeife, ohne Zigarette — dem leicht dahinplätschernden Fluss ihrer Rede zu lauschen und das lebhafte Mienenspiel ihrer schönen, ausdrucksvollen Züge zn betrachten. Ich glaube noch, ihre warme Hand in der meinen zu fühlen, nachdem ich schon die Wettbewerb zwischen Eisenbahn, 5 Autobus und Lastwagen. "Ohne Zweifel macht der Motorwagen den Eisenbahnen eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn sich die Eisenbahnen der verschiedenen Staaten darauf verlegen, diesen Wettbewerb auszuschalten, otoschon Zusammenarbeit das Richtige wäre. Es sollte versucht werden, eine Zusammenarbeit der verschiedenen Verkehrsmittel herbeizuführen. Es mag nicht uninteressant sein, einmal nachzuspüren, wie sich im vergangenen Jahre in den verschiedenen Staaten diese Zusammenarbeit von Auto und Eisenbahn gestaltet hat. Deutschland. Sehr hart gestaltet sich der Kampf der Eisenbahn gegen den Motorlastwagen in Deutschland. Man versucht sich mit den bekannten K-Tarifen (Kampftarifen) zu behelfen und hat deren bereits eine grosse Anzahl eingeführt, die aber ihrerseits wieder zu einer Zersplitterung des ganzen Gütertarifsystems führen. Die Reichsbahn versucht es aber auch auf einem etwas friedlicheren Weg, nämlich indem sie selbst den Lastwagen in ihren Dienst aufnimmt, wie das bereits in den Vereinigten Staaten zum Teil in vorbildlicher Weise schon seit mehreren Jahren geschieht. Um eine gedeihliche Fortentwicklung des Motorwagenverkehrs zu erziehen, ohne dass die Bahnen zu sehr geschädigt werden, hat sie mit der Reichspost ein Abkommen getroffen, das den Personenund Güterverkehr über Land regelt. Der Ausbau des Personenautoverkehrs wird dabei als gemeinsame Sache angesehen und die Einrichtung neuer Personenautoposten geschieht allgemein im 'beiderseitigen Einvernehmen, unter Gewinn- und Verlustbeteiligung der Reichsbahn, aber der gesamte Güterverkehr über Land bleibt grundsätzlich Sache der Reichsbahn. Der gesamte Eisenbahnautoverkehr umfasst gegenwärtig 62 Personenlinien in einer Gesamtlänge von 1345 km und 46 Guterlinien in einer Gesamtlänge von 1497 km. Die Reichsbahn hat dieser Tage eine Schrift über das Problem « Reichsbahn und Kraftwagenverkehr» erscheinen lassen, in welcher die Auswirkungen des Motorwagenverkehrs auf die Finanzen der Reichsbahn erörtert werden und in Treppe hinuntergegangen wandte mein Gesicht dem Abenwind zu, im frohen Bewusstsein meines Daseins, meiner Kraft und Jugend. Vergessen waren die Traditionen der Estabrooks in einem Rausch der Sehnsucht nach ihr, kaum dass ich sie verlassen hatte. Erst am nächsten Morgen stieg die beängstigende Vorstellung wieder in mir au!, dass irgend etwas Befremdliches, Uniheimliches über dem Heim der Colfax schwebe. «Es ist ja alles Unsinn>, suchte ich mich dann selbst zu beruhigen. «Zufällige Ereignisse, zufällige Worte und mein eigener argwöhnischer Sinn haben sich vereint, um ein Phantasiegebilde zu schaffen. Der Richter ist, ganz begreiflicherweise, eifersüchtig auf solch eine Tochter. Wie sollte er auch nicht? Ein alter Mann muss sich überdies höllisch einsam vorkommen, in jenem behaglichen aber altmodischen Hause, selbst wenn der Springbrunnen mit seinem klagenden Getröpfel aus dem Garten entfernt worden ist. Es gibt überhaupt in der Welt nicht so absonderliche, tolle Situationen, wie ich sie mir da einbilde. Und Jüliana besitzt alles, was man sich bei einer Frau nur wünschen kann. Vor allem ist sie in jedem Augenblick ganz sie selbst !> Es geschah wohl nur anstandshalber, dass ich in peinvoller Zurückhaltung zwei Tage abwartete, ehe ich nachmittags mein Bureau verliess, um gegen fünf Uhr am Denkmal zu sein. Aber sicherlich trug an meinem Zögern nicht die Ahnung schuld, dass ärgend etwas Furchtbares meiner warte, um mich zu pakken und mit unsichtbaren Fängen in seine war. Und ich welcher der durch den Autoverkehr def Reichsbahn verursachte Gesamtnettoausfall für 1929 auf 410 Millionen Reichsmark veranschlagt wird. Es wird auch weiter in der Schrift ausgeführt, dass sich die Möglichkeit; den Lastwagen im Dienste der Reichsbahn zu verwenden, in wesentlich engeren Grenzen bewege, als vielfach angenommen wird; und es sei daher eine Verschärfung der Konzessionsgesetzgebung unvermeidlich, da der» gegenseitige Wettstreit als nachteilig füir die Wirtschaft anzusehen sei. Die Reichs-» bahn ist der Ansicht, dass zum Schütze der? Eisenbahnen und der Allgemeinheit jede Motorwagenleistung gegen Entgelt im weiteren; Ueberlandverkehr einer Konzessionspflicht unterworfen werden müsse. Aus alledem geht aber deutlich hervor, dass die bisher angewendeten Abwehrmassnahmen sich nicht i« der gewünschten Weise auswirken. Oesterreich. Die österreichischen Bundesbahnen haben sich damit geholfen, dass sie die Verketorsgelegenheiten im Rahmen des wirtschaftlichl Möglichen durch entsprechende Zugsver-» mehrungen sowie durch Führung bahneigener Autobuslinien weiter verbessert haben. Es stehen zurzeit rund 1000 km solcher Autobuslinien mit 54 Wagen im Betrieb und die-» ser Autolrusbetrieb hat sich als wertvolle und zweckdienliche Ergänzung erwiesen. Ungarn. Die Königlich Ungarischen Staatsbahnen, wie sie immer noch heissen, haben zur Bekämpfung des Motorwagenwettbewerbes, im Einvernehmen mit den Privatbahnen, tarifarische Massnahmen getroffen und zur Sicherung des am meisten gefährdeten Stückgutverkehrs für Sammelladungen Frachtermässigungen von 8—43 Prozent bei einem Mindestgewicht von 50,000 Tonnen pro Jahr gewährt Niederlande. Die Niederländischen Eisenbahnen betreiben eigene Autobuslinien und haben zu diesem Zwecke eine besondere Gesellschaft, die «Allgemeine Transportunternehmung » (Ato) ins Leben gerufea Diese Gesellschaft hat von der bekannten Autobusunternehmung «Van Gend en Loos» 120 Autobus übernommen und verfügt nunmehr über 258 solcher, z. T. ganz moderner dreiachsiger Wagen. Netze zu ziehen Ėin Gelöbnis. Die wahre Neigung zu einer Frau zeigt sich beim Manne auch in einer gewissen äusserlichen Ehrlichkeit. Bei einem Flirt, bei leichtfertigen flüchtigen Beziehungen streicht der Mann sich sorgfältig seine Frisur zurecht, rückt an seiner Krawatte, kauft sich einen eleganten, neuen Spazierstook. Aber der Einen, die er liebt, wird ein Mann von innerer Geradheit immer sein Alltagsgesicht zeigen. Dass er auf sich hält, ist natürlich; dass er den Ehrgeiz haben soll, ihr anders zu erscheinen, als er in Wirklichkeit ist, das hat für mein Empfinden etwas Widerwärtiges. Vielleicht war dies der Grund, dass ich mich an jenem Nachmittag, ohne mich umzukleiden, einfach von meinem Schreibtisch weg direkt auf den Weg machte, Juliana aufzusuchen. Sie schien mich erwartet zu haben. «Ich dachte mir, dass Sie kommen würden», begrüsste sie mich, die eine Hand auf den grauen Kopf des Hundes gestützt; und in.diesem einfachen, ehrlichen Bekenntnis Jag mehr Zauber als in all der geheuchelten, weihlichen Zurückhaltung ihres ganzen Geschlechtes. «Ich bin nicht eher gekommen,» erklärte ich ihr, «weil ich fürchtete, Ihnen aufdringlich zu erscheinen.» «Wieso?» fragte sie mit der Miene eines Kindes. Ich konnte nicht antworten. Ich sah siö nur an. Sie 'lehnte, halb sitzend, an der niedern Parkmauer. Die Schatten der jungen Ahornblätter spielten auf ihrem Gesicht, und ein Leuchten war darin, das nicht nur vom Widerschein der Nachmittagssonne herrührte, sondern von dem lebhafter pulsierenden BJut, das ihr der lange Spaziergang in die zarten Wangen getrieben hatte. Sie bot so, glauben Sie mir, ein wunderbar anmutiges Bild! «Ich hätte Sie gern gestern schon gese« hen,» begann sie langsam, indes sie mit dei einen Schuhspitze in den Sand malte. «Weis? ich doch, dass Sie seit längerer Zeit zu meines Vaters jüngeren Freunden gehören!» «Es fehlt ihm doch nichts? > rief ich er« seihreckt. Fortsetzung siehe Autler-Feierafoend