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E_1930_Zeitung_Nr.055

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Annrabei Deutsch© Schwell BERN, Freitag, 27. Juni 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 55 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste« HklbJihrHeh Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern solern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Basteilung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Ist immer noch überreich beladen an Erwartungen und Wünschen, deren Berücksichtigung durch die geeigneten Behörden und Instanzen wichtig und wertvoll wäre, deren "Verwirklichung aber nur sehr langsam fortschreitet. Zu Beginn des Jahres haben wir ein automobilistisches Programm vorgelegt, das die wichtigsten Bedürfnisse der schweizerischen Verkehrsinteressenten skizzierte. Seither ist wiederum ein halbes Jahr ins Land gegangen und wir haben uns scheinbar nur wenig unserem Ziel genähert. Und doch sind viele Kräfte am Werk und grosse Dinge im Wurf. So das kommende eidg. Verkehrsgesetz, dessen Vorarbeiten eifrig gefördert und zu dem sich die interessierten Verbände in sorgfältig beratenen Eingaben geäussert haben. Sie alle erwarten mit ans, dass der Entwurf zu einem wirklichen Verkehrsgesetz und nicht zu einem ausschliesslichen Verkehrsgesetz mit einseitig verteilten Pflichten und Rechten werde. Von mancherlei Seiten sind Bestrebungen zur Vereinheitlichung der Strassensignalisierung im Gange, die dem bunten Wirrwarr ein Ende machen sollen und für Zeichen sorgen wollen, die für jedermann, auch den Ausländern, leicht verständlich sind. In technischer Hinsicht interessant sind die Bemühungen für die Bereitstellung eines nationalen Brennstoffes, welche bekanntlich nun auch durch die Eidgenossenschaft unterstützt werden und von grösster wirtschaftlicher und militärischer Bedeutung sind. Vnglöst ist auch das Problem der Niveau- Übergänge, die jährlich bedauerlich viele Opfer fordern. Wenn deren Beseitigung auch nicht so rasch wie erwünscht fortschreiten kann, so sollten wenigstens die notwendigen technischen Einrichtungen überall beschaffen werden, um das Gefahrenmoment auf ein Minimum zu reduzieren. Die Idee, für die Beschaffung der finanziellen Mittel den Benzinzoll heranzuziehen, ist einer weiteren Prüfung wohl wert. Die Erleichterung der Einreiseformalitäten, die Vereinfachung der Ausweispapiere, muss ebenfalls fortwährend im Auge behalten werden. Sache der Behörden ist es, durch Staatsverträge auch uns Schweizern die nämlichen Rechte und Annehmlichkeiten im internationalen Autoverkehr sicherzustellen, wie wir sie den fremden Gästen zu bieten gewillt sind. Von Richard Washbum Child. Autorisierte Uebersetzunff ans dem Amerikanischen von Lise Landau. (Engelhorns Romanbibliothei.) (11. Fortsetzung) *Ja, ich habe eine Abneigung gegen den Automaten», erklärte ich. «Er ist ein unheimliches Ding. Ich kann die Vorstellung nicht loswerden, dass in dem Gewirr von metallenen Maschinenteilen eine böse Seele wohnt. Mit Vergnügen würde ich die Gelegenheit wahrnehmen, den Apparat in Stücke zu schlagen und ihn zersplittert am Boden zu sehen — einen Haufen von roten Lumpen, Werg und zerbrochenen Hebeln.» Mein Grimm aber bewirkte nur, dass sie das rundliche Kinn höher hob und lachte — lachte, wie nur sie lachen kann. Nachdem wir dem Fräulein an der Kasse^ versichert hatten, dass unser Hund sich gut benehmen würde, traten wir ein und gingen durch das Wachsfigurenkabinett. «Vielleicht haben Sie dem wächsernen Bismark gegenüber, der eher einem Bierbrauer als einem Kanzler ähnlich sieht, das gleiche Gefühl», sagte Juliana. «Oder für jene Katharina von Russland, die ja gar keine so vornehme Kaiserin gewesen sein soll, wie es heisst; das beweist sie hier auch durch Die Kantone sind eben daran oder haben bereits für die kommenden Jahre ein Bau- Programm für ihre Strossen festgelegt. Am guten Willen fehlt es meistens nicht, wohl aber an den Mitteln. Die Forderung nach zweckmässiger Verwendung des Benzinzolles hat nach langjährigem Kampf und Debatten endlich den Erfolg gezeitigt, dass der Bund wenigstens % seiner beträchtlichen Einnahmen aus dieser Quelle den Kantonen abgibt. Deren Abrechnungen für das letzte Jahr haben aber gezeigt, dass diese Subsidien hauptsächlich bei Gebirgs- und strassenreichen Kantonen nirgends hinreichen. Wir haben deshalb mit als Erste die Forderung nach einem gerechteren Verteiler und einer grösseren Quote, zu der die Hälfte der Benzinzolleinnahmen herbeigezogen werden sollen, propagiert. Für solche und zahlreiche ähnliche Forderungen und Wünsche fanden die Automobilisten nicht überall das notwendige Verständnis und offene Ohren. Die «Automobil-Revue*, als ältestes und weitverbreitetstes Organ der Automobilisten, hat sich zur ersten Pflicht gemacht, deren Wunschzettel immer wieder der Oeffentlichkeit in Erinnerung zu rufen und dessen Berechtigung darzulegen. Wir wollen daneben auch die Plattform für eine sachliche Diskussion für alle für Automobilisten lebenswichtigen Fragen sein, von wo aus dig Debatte ihren Widerhall in allen unseren Gauen findet. Redaktion und Administration rüsten für das zweite Semester. Neben der besonderen Berücksichtigung der verkehrspolitischen Fragen im Rahmen der schweizerischen Volkswirtschaft sollen Technik, Sport, Touristik und Unterhaltung immer sorgfältig gepflegt werden. Zu diesem Zwecke stellt die Redaktion u. a. den Sprechsaal für technische, juristische und touristische Fragen jedermann gerne und kostenlos zur Verfügung. Wir sind auch dankbar für jede Anregung und Mitarbeit aus den Kreisen unserer langjährigen und treuen Leserschaft. Derart gerüstet sehen wir vertrauensvoll dem zweiten Semester entgegen und hoffen, dass uns nicht nur unsere bisherigen Freunde und Abonnenten ihre Gefolgschaft bewahren, sondern sich auch die jüngere Generation unter den Automobilisten recht zahlreich zu ihnen gesellt. Redaktion und Verlag der «Automobil-Revue ». ihre Halskrause, die sie schon vor mindestens einem Jahr hätte in die Wäsche geben sollen.» «Nein, durchaus nicht,» entgegnete ich. «Wenn diese Herrschaften mich nicht belästigen, können sie sich meinetwegen zu Wachskerzen zusammenschmelzen lassen. Mein persönlicher Feind ist der Bursche dort in der Ecke, um den herum die Gruppe von Landleuten steht. Am Ende werden wir keine Gelegenheit haben, heute nachmittag eine Partie mit ihm zu spielen.» Aber als wir uns der dunklen Ecke näherten, erscholl lautes Hohnlachen aus der Gruppe der vier recht wunderlich aussehenden Provinzialen; offenbar hatte der Automat eben seinen Gegner schachmatt erklärt — den fünften in der Gesellschaft, einen gebräunten Landmann mit kahlem Nacken und abstehenden Ohren. Das eine Augenlid des Automaten war in scheusslichem Zwinkern In den nächsten Tagen erscheint unter dem Titel «Schweizerische Automobilstatistik 1929» eine vom Eidgenössischen Statistischen Amt veröffentlichte Arbeit, welche in eingehender Weise den gesamten schweizerischen Automobilmarkt nach Standorten, Herkunft und Arten gliedert. Zweifellos ist diese Arbeit im Interesse des schweizerischen Automobilismus zu begrüssen. Das Automobil nimmt in der Schweiz in zunehmendem Masse eine bedeutende Stellung ein. In wirtschaftlicher Hinsicht ist es als Hilfsmittel par excellence zu betrachten. Es ist schlechterdings kaum möglich, heute sich einen wirtschaftlichen Betrieb vorzustellen, der nicht auf das Automobil direkt angewiesen wäre. So ist denn die Schweiz, trotz ihrer Kleinheit, ganz besonders seit dem Kriege, ein für den Automobilmarkt höchst interessantes Land geworden. Wir wissen, dass trotz verschiedener Hindernisse der Automobibestand jährlich um Tausende von Einheiten zunimmt. Folgende Zahlen mögen den Beweis erbringen, wie seit 1922 diese Zunahme für Personenwagen einerseits und Lastwagen anderseits sich entwickelt hat. Die jährliche Zunahme an Automobilen betrug nach den wirtschaftlich- und sazialstatistischen Mitteilungen des Volkswirtschaftsdepartements: Personenwagen EVSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hone Grandzeile ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctl» Grossero Inserate nach Seitentarif. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Der automobilistische Wunschzettel Ausländische Automobile in der Schweiz Die blaue Wand heruntergezogen; und der Dorf-Champion schien seine Niederlage sehr schmerzlich zu empfinden. Zum zweitenmal schob ich ein Geldstück in den Schlitz, worauf Juliana entzückt und erstaunt beobachtete, wie sich der Kasten an der Vorderseite öffnete, das Innere der Figur zum Vorschein kam und dann der Scheik mit ruckweisen Bewegungen die mechanischen Arme über die leblosen Beine hinstreckte, um den ersten Zug zu machen. Lastwagen ~ absolut % absolut % 1922/1923 1686 11 552 10 1923/1924 5843 35 1911 30 1924/1925 6157 27 128 2 1925/1926 7373 26 1208 14 1926/1927 6299 17 2489 17 1927/1928 7799 18 1065 8 1928/1929 4836 10 1451 21 1922/1929 266 162 Aus obgenannten Zahlen geht die starke Motorisierung des Strassenverkehrs deutlich hervor. Dabei ist hervorzuheben, dass die ausländische Automobilindustrie durch die Entwicklung der Dinge viel grösseren Vorteil gezogen hat als die einheimische. Der Anteil der Schweiz an den Personenwagen wie an den Lastwagen ist prozentual stark zurückgegangen, währenddem die jährliche Zunahme an ausländischen Personenwagen und Lastwagen sich prozentual stark vergrösserte. Dieses konstante Mehr geht aus folgender Tabelle mit aller Deutlichkeit hervor: «Er gefällt mir», sagte sie und trat näher an das Schachbrett heran. Da geschah etwas Seltsames. Von irgend einer Stelle erscholl aus dem Apparat ein Ton, als ob ein Hebel aus seinem Lager losgerissen wäre, darauf ein anhaltendes Surren und schliesslich ein grausiges Kreischen. Kein Mensch hätte mit Sicherheit behaupten können, ob jenes Kreischen infolge Reibung an einer ungölten metallenen Achse, oder aus einer menschlichen Kehle kam. Dass der Automat es hervorgebracht hatte, war fraglos. Danach wurde es ganz still, nicht nur in dem Apparat, sondern auch unter uns Zuschauern. «Seht doch den Kopf!» schrie plötzlich der Landmann auf, der mit seiner Gesellschaft noch dastand, um den geheimnisvollen Apparat länger zu beobachten. Er deutete auf die Figur, und als meine Blicke seiner Bewegung folgten, nahm ich wahr, dass der Kopf des Scheiks hintenüber gefallen war, als sei ihm der Hals durchschnitten. Während ich noch hinstarrte, entstand ein leises Geräusch in dem Kasten und aus dem Schlitz kam ein Geldstück herausgeflogen, wie um anzukündigen, dass heute nicht mehr gespielt würde. «Die Vorstellung ist offenbar zu Ende», sagte ich zu Juliana. Sie gab keine Antwort. Jch steckte das Geldstück wieder in die Tasche. Die 263 Prozerit der Gesamtzunahme ai* ausländischen Wagen im Zeiträume von 1922? bis 1929 erbringt den klaren Beweis, wie stark der schweizerische Automobilmarkt vom Auslande abhängig geworden ist. Nicht weniger als 41,000 ausländische Personenwagen und rund 7000 ausländische Lastwagen sind im Zeiträume von sieben Jahren bei uns in den Verkehr gekommen. Es kann gesagt werden, dass bei den Personenwagen die jährliche Zunahme an ausländischen Automobilen ausschlaggebend ist. Glücklicherweise trifft dies für die Lastwagen nicht in dem Masse zu, indem es der Schweiz infolge ihrer' Qualitätsarbeit gelungen ist, sich für die Last-* I wagen wenigstens einen starken Anteil des-j Marktes zu reservieren. Seit 1923 hat sichH dje Einfuhr an fremden Wagen foJgendermassen entwickelt: 1923. 1924. 1925. 1926. 1927. 1928. 1929. Jahre Personenwagen Anzahl 4 893 6 622 8 256 10 361 11342 9 772 10 750 Lastwagen Jahre in'/.der In "/«der »hwlut Gesamt- «btohrt Gesamtzunabme annahm»* 1922/1923 ..„*, 1584 94 298 64 1923/1924 ..^, 6 462 111 1228 64 1924/1925 ..^.. 6 063 98 130 102 1925/1926 7 474 101 829 69 1926/1927 6 522 97 2067 83 1927/1928 7 703 99 665 62 1928/1929 4987 103 1981 98 1922/1929 40 795 322 7198 263 Wert in 1000 SV. 37 342 52 796 64602 74 824 72 944 67 381 70206 Aus der obigen Tabelle geht hervor, dass das Jahr 1927 ein Rekordjahr bildete, dass im darauffolgenden Jahre dann allerdings ein etwelcher Rückschlag erfolgte, der jedoch im Jahre 1929 wieder einigermassen ausgeglichen werden konnte. Der Vergleich zwischen der Einfuhr des Jahres 1923 und 1929 zeigt die gewaltige Entwicklung, welche sich auf dem Gebiete des Automobilismus in den letzten sieben Jahren vollzogen hat. Im Verlaufe dieser Zeitspanne sind rund 62,000 ausländische Automobile in die Schweiz eingeführt worden, deren Importwert rund eine halbe Milliarde Franken betragen dürfte. «Zu schade», begann ich von neuem. «Dem Scheik ist ein wichtiger Teil seiner Maschinerie zerbrochen.» Da sie immer noch nichts sagte, blickte ich auf. Sie starrte, wie mir schien, auf den Boden. «Was gibt's?» fragte ich. «Sehen Sie doch den Hund», flüsterte sie. Er duckte und kauerte sich an den Bodea. und schnupperte in sichtlicher Furcht umher. Es tat einem weh, das edle Tier so verängstigt zu. sehen, und Juliana, die sehr an ihm hing, musste das noch stärker empfinden als ich. «Ich begreife nicht, was Laddie hat», sagt* sie besorgt. «Er macht das zum zweitenmal in den letzten zwei Tagen. Was kann ihm nur geschehen sein?» «Er ist schon recht alt, nicht wahr?« forschte ich. «Ja», antwortete sie, und ein leises, schel-* misches Lächeln huschte über ihr Gesicht. «Er ist älter als ich. Na, na, Laddie! Seibravl Was hast du denn, alter Bursch?» «Altersschwäche,» erklärte ich. «Wir habeä in unserer Familie eigentlich nie alte Hunde gehabt, ohne dass sie sozusagen, kindisch geworden wären. Ich habe beobachtet, wie sie alle möglichen unerklärlichen Sachen machten. Ein alter, zahnloser, struppiger Terrier pflegte nach seinem Schatten an der Wand zu schnappen.» (Fortsetzung folgtJ