Aufrufe
vor 7 Monaten

E_1930_Zeitung_Nr.053

E_1930_Zeitung_Nr.053

Ausgabe: Deutsche Schwel» BERN, Freitag, 20. Juni 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 53 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Halbj*hrI1eh Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter PortoxaSchlag, «afern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Hoover hat unterzeichnet Nun wissen wir, woran wir sind. Der Präsident der Vereinigten Staaten, auf dem augenblicklich eine grosse Verantwortung ruht, hat das neue Zollgesetz unterzeichnet. Die gewaltige Spannung ist gewichen. Heute stehen wir vor einer unabänderlichen Tatsache, die in ganz Europa einen gewaltigen Widerhall gefunden hat, ist doch ohne weiteres klar, dass die Weltwirtschaft in ihrem Bestreben, eine umspannende Interessengemeinschaft aufzurichten, einen empfindlichen Schlag erlitten hat. Das uns immer noch nicht recht begreifliche Vorgehen Amerikas hat denn auch bereits sein Echo gefunden. Die «Morning Post» schreibt in einem Leitartikel über die amerikanischen Zolltarife, dass Grossbritannien Massnahmen zu seinem eigenen Schütze ergreifen müsse, da sich der neue amerikanische Zolltarif nicht nur gegen England, sondern auch gegen die britischen Dominions, insbesondere Kanada, richte. Armand Megle, der Direktor des französischen nationalen Amtes für Aussenhandel, erklärt, dass die neue Bill als eine schwerwiegende Massnahme gegen die französischen Waren bezeichnet werden müsse, eine Massnahme, die unbedingt eine Gegenaktion herausfordere. Der belgische Botschafter in Washington ist beauftragt worden, bei der amerikanischen Regierung einen weiteren Schritt zu unternehmen und darzulegen, dass die neuen Zölle die bereits passive belgische Handelsbilanz bestimmt weiter verschlechtern werde. Italien ist ebenfalls gewillt, Gegenmassnahmen zu ergreifen. Auch Holland kann sich dem Schlage nicht entziehen, und so ist die Möglichkeit nicht von vorneherein abzulehnen, dass die genannten Nationen ihre Interessen in einer konzentrierten Aktion zu wahren versuchen werden. Es steht ohne weiteres fest, dass auch die Schweiz mit den neuen Prohibitivzöllen der Vereinigten Staaten an empfindlichen Stellen getroffen wurde. Wir besitzen in unserem Land bedeutende Industrien, die in bezug auf weitere Prosperität vom amerikanischen Absatzmarkte in sensibelster Weise abhängen. Die blaue Wand Von Richard Washbum Chüd. Autorisierte Uebersetzung ans dem Amerikanischen von lise Landau. (Engolhorns Romanbibliothek.) (10. Fortsetzung) Sie sprachen von mir! «Man müsste ihm alles sagen», erklärte Sdor alte Mann. Ich konnte sehen, wie der Kopf seines Zy- Jinderhutes zitterte. «Und ihr müsste man es auch sagen!> «Es ist furchtbar, gnädiger Herr», entgegnete sie und rang die Hände. Dann fuhr sie fort: «Wir könnten alles damit verderben!» «Aber Sie vergessen den anderen!» warf der Richter ernst ein. «Der ist erledigt», erklärte sie. «Da ist die Zeit drüber hingegangen. Ich brächt's nicht fertig, ihren Namen — so schön und fein wie sie is — mit jenem anderen in einem Atem zu nennen!» «Ich verstehe — ich verstehe», flüsterte der alte Mann zerstreut «Na, dann lassen Sie den Dingen nur ihren Lauf. Der liebe Herrgott wird's schon zu 'nem guten Ende führen.» «Das Blut», sagte der Richter in Gedanken. Einen Augenblick war alles still. Dies eine Wort schien alle Erörterungen zum Schweigen gebracht zu haben. «Für den Fall meines Ablebens —», begann der Richter nach einer Weile, Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „G*ttm Liste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Die sich in diesen Kreisen bemerkbar gemachte Erregung ist deshalb leicht verständlich. Unsere schweizerische Stickerei-Industrie kann der Schlag tötlich treffen. Aber auch der Uhren- und Käse-Export wird die aufgerichteten Zollmauern nur schwer übersteigen können. Empfindliche Verluste sind beinahe unvermeidbar. Unserer Maschinen- Industrie türmen sich neue Schwierigkeiten entgegen. Dies alles in Betracht gezogen, sind Enttäuschungen, Groll und Bitterkeit, die sich in unserem Volke geltend machen, unbedingt leicht zu verstehen. Trotz dieser gewiss nicht leicht zu nehmenden Entziehung unserer Absatzmöglichkeiten und der daraus resultierenden schweren finanziellen Verluste ist zu bedenken, dass der Zorn stets ein schlechter Berater gewesen ist. Es gilt deshalb angesichts der neuesten Situation, die Lage mit aller Ruhe und klarem Kopf zu bewerten und daraus die notwendigen Schlüsse zu ziehen. Es sind viele Stimmen laut geworden, die als Massnahme energisch nach einem Boykott amerikanischer Waren gerufen haben. Wir möchten vor der Realisierung des Gedankens trotz allem warnen, da wir eine solche Massnahme in Anbetracht, dass hier der Kleinste gegen den Grössten kämpfen müsste, als ziemlich aussichtslos betrachten. Die politischen und wirtschaftlichen Rückwirkungen auf unser ganzes Land und auch auf die in- Mitleidenschaft gezogenen Industriezweige wären viel zu gross und der letzte Rest unserer bis dahin guten Geschäftsverbindungen mit den Amerikanern wäre mehr als in Frage gestellt. So schwer die augenblickliche Situation ist, so ist doch daran zu erinnern, dass es der schweizerischen Industrie mit ihren Qualitätsprodukten immer noch leichter möglich sein wird, auch die erhöhten Zollmauern Amerikas zu überwinden, als dies vielleicht bei andern europäischen Ländern der Fall sein dürfte. Wenn auch die Gesamtlage nicht nur von einem einseitigen Standpunkte aus beurteilt werden kann, so erachten wir es doch als unsere Pflicht, darauf hinzuweisen, dass bis Margaret Murchie schrie Heise auf vor Schreck. «— ist ein Dokument vorhanden, in dem ich alles für sie niedergeschrieben habe», vollendete er seinen Satz. «Vorläufig kann ich nichts weiter tun. Vielleicht — vielleicht stehen wir noch nicht vor einem Wendepunkt. Ich glaube, wenn ich noch einmal zu entscheiden hätte, ich würde ihn verurteilen!» Bei diesen Worten hob er die geballte Faust und schritt rasch dem gewölbten Tor zu, das auf die Strasse hinausführte. Das Geräusch des einschnappenden Schlosses verriet mir, dass er fort war. Sie können sich meine Stimmung vorstellen! Ich bemühte mich in aller Eile einen Sinn aus dem Gewirr von Worten, die ich erlauscht, herauszuschälen, und meine Gedanken überstürzten sich derartig, dass ich völlig übersah, welche zweifelhafte Rolle als Horcher ich gespielt hatte. Man hatte meine Person erwähnt wie jemanden, der als Störenfried in ein Haus gedrungen war, das ich bisher für das vornehmste und tadelloseste der ganzen Stadt gehalten hatte, über dessen Frieden jedoch, wie ich nun wusste, ein dunkles, drohendes Verhängnis schwebte. War ich denn wirklich derjenige, von dem sie gesprochen hatten? Sie hatten ja noch von einem andern in seltsam geheimnisvollen Andeutungen geflüstert. Wie rätselhaft das alles war! Unter anderen Verhältnissen würden meine Vorsicht und meine Scheu vor allem Unklaren und Zweifelhaften mich vielleicht veranlasst haben, jenes Haus sofort zu verlassen, um nie wieder zurückzukehren. Aber ich bin von einer gewissen Schwerfälligkeit. Ich gehe dahin die Schweiz prozentual ein grosser Abnehmer der amerikanischen Automobile war, dass aber mit einem Boykott der amerikanische Automobilexport nicht so hart getroffen würde, wie man sich dies allgemein vorzustellen beliebt, da vom amerikanischen Standpunkte aus der Prozentsatz der in die Schweiz gelieferten Automobile nur ein verschwindend kleiner ist, und da mit einem Boykott deshalb weniger die amerikanische Produktion als die schweizerischen Händler und Garagisten aufs schwerste getroffen und geschädigt würden. Der Boykott würde zudem unserer eigenen Automobilindustrie nur wenig nützen, währenddem seit einem Jahrzehnt unsere Garagisten und mechanischen Werkstätten, die bereits eine gewaltige Arbeiterschaft beschäftigen, zu einem beträchtlichen Teil auf den amerikanischen Wagen eingestellt sind, so dass der mutmassliche Erfolg uns im negativen Sinne treffen müsste. Gegenwärtig zirkulieren vielleicht 40,000 amerikanische Wagen in unserem Land, deren innerer Wert durch eine Boykott- Massnahme aufs empfindlichste herabgesetzt würde, ist doch dabei zu bedenken, dass der ungestörte Nachschub an Fahrzeugen und Ersatzteilen usw. eine bedeutende Rolle spielt. Diese Wertverminderung müsste sich besonders beim Verkauf gebrauchter Wagen geltend machen, der Verlust also alle privaten Besitzer treffen. Man kann sich mit Recht die Frage überlegen, ob eine v wirksame Gegenmassnahme .nicht in erhöhten Automobilzöllen bestände. iAber auch dieses Vorgehen betrachten wir als sehr gewagt. Die vermeintliche Waffe müsste zweischneidig und für uns schädigend wirken. Der heutige Automobilzoll bedeutet bereits ein Maximum des Tragbaren. Würden eventuell auch die Zölle auf europäische Wagen- herabgesetzt, womit jedoch unser Fiskus kaum einverstanden sein dürfte, so bedeutete auch dies einen Schlag ins Wasser, da die Möglichkeit, europäische Wagen einzuführen, nur zum Teil als Kompensation für die eintretenden Verluste bezeichnet werden könnte. Auch eine eventuell ins Auge gefasste Erhöhung des Zolles auf amerikanisches Benzin müsste sich nur nachteilig auswirken, indem der Benzinzoll ganz allgemein das erträgliche Mass bereits heute nicht leicht mit meiner Person oder meinem guten Namen eine Gemeinschaft mit anderen ein. Habe ich das aber einmal getan, dann komme ich nicht so schnell wieder los. So sonderbar es auch scheinen mag, so fühlte ich mich doch schon an Juliana gebunden. Vielleicht liebte ich sie unbewusst schon mit aller Leidenschaft. Wie dem auch gewesen sein mochte, jedenfalls lag in meinem Blick, der dem ihren begegnete, als ich wieder ins Zimmer zurücktrat, ein Ausdruck von Feierlichkeit, der meine tiefe Empfindung für sie wiederspiegelte. Aber ich muss dabei recht komisch und sehr sentimental ausgesehen haben. Denn bei meinem Anblick lachte sie laut auf. « Unser Balkon hat, scheint es, Eindruck auf Sie gemacht», sagte sie und fügte gleich darauf, als ob sie die Ursache meiner ernsten Stimmung erraten hätte, hinzu: « und auch unser Frühlingsmondlicht.» Ich nickte. « Wir haben da inmitten der Grossstadt ein wunderbares Fleckchen Erde», fuhr sie fort. «Früher bildete ich mir immer ein, dass aus dem bunten Gewirr da unten jeden Augenblick Feen oder Zwerge oder arabische Räuberhorden zum Vorschein kommen müssten.» «Erzählen Sie mehr davon», bat ich. «Als ich noch ein Kind war, stand ein Springbrunnen mitten im Garten mit einem kleinen Bassin. Wenn er eine Zeitlang nicht ging, sammelte sich auf dem Boden gelblicher Schlamm; und'wenn das Wasser dann wieder sprang, und von einem Becken ins andere hinuntertröpfelte, gab es einen kla- INSEB.TTONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cti. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern schon überschritten hat und nicht nur für? alle Automobilisten, sondern auch für sämtliche industriellen Betriebe, die ohne Auto nicht mehr auszukommen vermögen, eine weitere schwere Belastung bedeutet, die sich ieider immer noch nicht so t produktiv auswirkt, wie dies im Interesse des Automobilismus und unserer Volkswirtschaft sein sollte. Der neue amerikanische Zoll stellt > bekanntlich auf 50 Prozent des Fakturawertes ab; so schmerzlich unsere Export- Wirtschaft durch diesen hohen Satz getroffen wird, so müssen wir doch gerade in diesem Zusammenhang auf die schweren Lasten hinweisen, die der schweizerische Zolltarif uns Automobilisten verursacht; wir Schweizer belasten beispielsweise das amerikanische Benzin beim schweizerischen Grenzübergang mit etwa 100 Prozent seines Wertes- Am Listenpreis eines billigen amerikanischen Wagens haben wir festgestellt, dass der schweizerische Einfuhrzoll 62 Prozent des amerikanischen Grundpreises ausmacht. Aehnliche böse Beispiele sind noch da und dort mit unserem eigenen Zolltarif zu belegen; wir haben demnach doppelt Ursache, alle Massnahmen der Abwehr dieses heftigen Schlages auf das sorgfältigste zu erwägen. Die Möglichkeit eines paneuropäischen Vorgehens ist nicht ohne weiteres abzustreiten und es wäre von diesem Standpunkte aus nur zu begrüssen, wenn das Vorgehen Amerikas den Gedanken eines wirtschaftlichen Paneuropas fördern könnte. Allein die Erfahrungen auf internationalem Gebiete zeigen doch mit aller Deutlichkeit, dass auch in solch idealen Bestrebungen gewöhnlich der Grosse sich die gebratenen Kastanien herauszuholen versteht, während dem Kleinen die blosse Asche übrig bleibt. Es dürfte diese Wahrheit vielleicht auch diesmal zutreffen und die Frage steht für uns immer noch offen, ob durch ein paneuropäisches Vorgehen die Schweiz sich diejenigen Vorteile sichern könnte, die sie vielleicht doch durch eine kluge und nicht überbordende Politik zu erreichen imstande ist. Wir möchten daran erinnern, dass es ganz besonders die amerikanischen Automobilindustriellen gewesen sind, welche mit dem Einsatz ihres gewaltigen Einflusses gegen das neue Zollgesetz gearbeitet haben. Es ist genden Laut, der an verödete Dörfer, an moosbewachsene Grabsteine erinnerte, und an Burghöfe mit schaurigen Morden bei Mondendicht.» «Sie haben eine kühne Phantasie!» «Und wie kühn!» rief sie aus. «Ganz natürlich; sie ist mit uns gross geworden. Das einzig Unangenehme dabei ist, dass sie so ewige Unruhe in mir wachhält. Aber ich teile wohl mit vielen das gleiche Schicksal Ich bin gerade so, wie ich nicht sein möchte. Manchmal packt mich eine wahre Sehnsucht nach den wildesten Abenteuern!» «Ich nehme an, dass Sie Ihren Herrn Vater von diesen Gelüsten nichts merken lassen. Bei seinen strengen, ernsten Lebensanschauungen — «Gewiss nicht!» meinte sie. «Ich zeige mieh ihm niemals von dieser Seite. Er würde gar nidht begreifen, was für ein fremdes Element da in mir rumort. Ich habe es weder von Vater noch Mutter geerbt. Ich zeige mich überhaupt niemanden von dieser Seite.» «Ausser mir», sagte ich scherzend. «Ausser Ihnen», bekräftigte sie sehr ernst. «Wissen Sie, manchmal ist mir, als sei ich ein Wolf im Schafspelz.» «Bei solchen Gelegenheiten versuche i ch' s mit einem tüchtigen Spaziergang. «Ja, das tue ich auch» Ich gehe beinahe jeden Nachmittag gegen fünf Uhr mit Vaters Hund rund um das Denkmal. Um diese Zeit ist er gewöhnlich im Klub.» «Also Erkennungszeichen? ein zottiger, schottischer Collie?» fragte ich. «Freilich!» entgegnete sie mit fröhlichem, Lachen. «In Romanen würde man so etwas ein heimliches Stelldichein nennen!» (Fortsetzung folgt.)