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E_1930_Zeitung_Nr.052

E_1930_Zeitung_Nr.052

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 17. Juni 1930 Cts. 26. Jährgang. — N° 52 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Halblihrlieh Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozoschlag, totem nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Kann Stossverkehr durch Autobusse bewältigt werden? Vorortsverkehr Bern—Zollikofen wird versuchsweise durch den Berner 1 !ne Meldung, die jedenfalls alle Automobilisten stark interessieren dürfte, hat letzter Tage die Runde durch die Presse ge- Autorisierte Uebersetzung aus dem Amerikanischen yon läse Landau. (Engelhorns Romaabibliothek.) (9. Fortsetzung) Stadtomnibus übernommen. macht. Montag, Dienstag und Mittwoch dieser Woche wird demnach im Einverständnis mit den Konzessionsbehörden auf der Strasse Zollikofen—Bern der Eisen- Bahnbetrieb eingestellt und durch den Omnibusbetrieb. ersetzt. Dieser Versuch soll zur Abklärung der Frage dienen, ob der [Autobetrieb imstande sei, die Leistungen des Eisenbahnbetriebes auf der genannten Strecke zu übernehmen. Der Grund zur Umstellung liege, so schreibt die Agenturnieldung,. allerdings in dem Umstand, dass die Bern-Zollikofen-Bahn das gesamte Schienenmaterial mit einem Aufwand von ungefähr X A Million Fr. erneuern müsste, damit annehmbare Strassenverhältnisse auf der verkehrsreichen Strecke geschaffen werden könnten. * Der Versuch', der auf der genannten Strecke durchgeführt werden soll, hat jedenfalls allgemein schweizerisches Interesse. Vor wenigen Jahren hätten sich Eisenbahngesellschaften vor solchen Umstellungen gesträubt. Heute ist man einen bedeutenden Schritt weiter. Man kann den Autobus nichtmehr ohne weiteres ausschalten oder negieren. Die Technik hat gerade im Bau dieser modernen Verkehrsvehikel gewaltige Fortschritte gezeitigt. Technische Fragen sind gelöst, Verkehrsfragen, die damit im Zusammenhang stehen, können bei gutem Willen gelöst werden. Die Erfahrung, welche die Städte mit ihren Autobusbetrieben gesammelt haben, lauten nur günstig. Man fährt heute im modernen Autobus jedenfalls so sicher, ruhig und bequem wie in jedem Eisenbahnwagen. Das zeigt sich auch in der wachsenden Bevorzugung des Autobus durch das reisende Publikum. Die blaue Wand Von Richard Washbum Child. Wie Sie sehen 1 werden, sollte ich an jenem denkwürdigen Abend Grund zu demselben Wunsche* haben — denkwürdig, weil ich da zum erstenmal mit Julianna 'bei Tische sass. Mit Julianna, deren Charme nicht Keckheit, deren Geist nicht Unbescheidenheit bedeute^ ie und deren vornehme Zurückhaltung weder ihrer Schönheit noch ihrer Lebhaftigkeit etwas nahmen. Wenngleich mir ist, als ob ich sie jetzt, in meiner tiefsten Angst um sie, in einer ganz neuen, starkem Art liebe, so erbebte ich doch schon damals, als ich sie über den Tisch weg anblickte, bei dem Gedanken, dass sie vielleicht eines Tages die Meine werden könnte. Wie einen köstlichen und zugleich schmerzhaften Rausch empfand ich es, wenn ihre dunklen Augen meinem Blick begegneten, und ihr Mund mir ermutigend zulächelte. Denn sie war harmlos genug, die' Teilnahme, die sie vielleicht zum erstenmal für einen Mann empfand, im Austausch der Blicke nicht ängstlich verbergen zu wollen. Vergessen waren bei mir alle die Lehren, in denen ich gross geworden war. Ich weiss noch, dass sie ein in weichen Falten herabfliessendes Gewand trag von dunklem Grün, das in seinem Farbenton an schattige Waldwinkel erinnerte. Ich war bezaubert von ihren weissen, schlanken Händen, von der Art, wie sie ihren Vater mit zärtlicher Rücksicht Erseheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.81 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Dazu kommt eine prinzipielle Frage. Die Eisenbannschiene gehört in unserer Zeit nicht mehr auf die Strasse. Sie muss heraus. Schiene samt Bahnwagen bilden Verkehrshindernisse erster Güte. Zudem helfen sie an der Vergrösserung der Verkehrsunsicherheit wesentlich mit. Der starre Strang auf der Strasse wirkt verkehrshemmend und muss in der modernen, gut ausgebauten Strasse direkt als Schönheitsfehler bezeichnet werden. So ist denn der Versuch der Bern-Zollikofen-Bahn, es einmal mit dem Ömnibusbetrieb zu versuchen, höchst begrüssenswert. Jeder Autofahrer kennt die. betreffende Strecke. Sie darf wohl als eine der. verkehrsreichsten bezeichnet werden.< umgab, von dem Wohllaut ihrer Stimme, wenn sie auf meine Fragen antwortete und der alten Dienerin ihre Weisungen gab. Von dieser Dienerin muss ich ausführlich sprechen. An jenem Abend bewegte sich ihre volle Gestalt in dem zittrigen Schatten der flackernden Kerzen wie ein Gespenst, das um ein Festmahl der Lebendigen streicht. Mir war sie angenehm, denn ihr Gesicht zeigte, wenn sie Julianna anblickte, jenen Ausdruck treuer Anhänglichkeit, den man vielleicht nur noch auf den Gesichtern von Müttern oder alten Dienstboten findet. Sie war schon im Hause des Richters gewesen, als vor Jahren seine Frau starb, und sie erschien mir damals schon so alt wie jetzt, da sie in meinem 1 eigenen Hause ist. Sie werden gleich sehen, dass auch sie in meiner Geschichte eine Rolle spielt. Wie ich es an jenem Abend fertiggebracht habe, die Alte zu beobachten, oder ein Gespräch mit dem Richter aufrecht zu erhalten, das erscheint mir freilich noch heute unbegreiflich. Ich weiss nur noch, dass ich mich schliesslich an einem kleinen Tisch dem Richter gegenüber sah, zwischen uns das Schachbrett mit den schönen, aus Bernstein und Elfenbein geschnitzten Figuren. Und ich weiss noch, dass Richter Colfax nach kurzer Zeit ans Telefon gerufen wurde. Man bat ihn, an das Krankenbett eines Freundes zu kommen, und ich war glücklich, eine Weile mit Julianna allein plaudern zu dürfen. Ich nahm jedoch wahr, dass dem 1 Richter diese Aussicht weniger erfreulich schien als mir; er blickte in einiger Verlegenheit von einem zum andern mit demselben seltsamen Ausdruck wie neulich, als er mein Interesse für seine Tochter bei unserer Begegnung bemerkt hatte. Dann schien, wie auch bei der Die Entfernung der Schiene und die Ersetzung des Bahnwagens durch den Autobus wird — wir zweifeln keinen Augenblick daran — direkt befreiend wirken. Wir hoffen deshalb auch, dass der Versuch und die — wie wir annehmen dürfen — folgende Umstellung des Eisenbahnbetriebes auf Autobusbetrieb für andere Bahngesellschaften ein Fingerzeig sein möge. Wir haben im ganzen Schweizerlande solch kleine Bahnen noch übergenug, die im Zeitalter des Autobus direkt zum Verkehrshindernis geworden sind. Es ist schade .für jeden Franken, der zum Ausbau oder zur Schienenerneuerung solcher Betriebe ausgegeben wird. Ganz besonders müssen wir die Forderung aufstellen, dass Ueberlandbahnen nicht mehr in Stadtzentren geführt werden sollten, wie dies beispielsweise in Bern und andern Städten des Schweizerlandes leider noch der Fall ist. Wir begreifen sehr wohl, dass die Umstellung nicht von einem Tag auf den andern erfolgen kann, aber mit etwas gutem Willen und etwas Weitblick können diese Bahnen im Lande langsam und programmässig im Betrieb umstellen, modernisieren und dazu, auch dessen sind wir gewiss, lukrativer gestalten. Dabei steht eines fest, woran wir mit' aller Zähigkeit festhalten müssen: die Strasse gehört heute nicht mehr der Bahnschiene, diese hat zu verschwinden und dem beweglicheren Verkersmittel, dem Auto, Platz zu machen. Wir gratulieren sowohl den Konzessionsbehörden als der Strassenbahngesellschaft Zollikofen-Bern für ihren Schritt, der uns beweist, dass man in diesen Behörden den richtigen Zeitgeist erfasst hat. Wir hoffen, dass der Versuch gelingen möge und dass dadurch gerade im Kanton Bern für andere Gesellschaffen ein leuchtendes Beispiel aufgestellt werde. ©• Die Folgen eines Verkehrsunfalles. frühem Gelegenheit, sein gutmütiger Optimismus über irgendwelche aufsteigenden Besorgnisse zu siegen. Er lächelte, bis alle die zahllosen Runzeln um seine Augen hervorkamen. « Estabrook, wir haben Pech, was ? » sagte er. « Aber ich biete Ihnen eine würdige Stellvertreterin an. Wenn Sie nicht gerade fort müssen, dann können Sie hier die immerhin interessante Entdeckung machen, dass meine Tochter ein ebenso gefährlicher Gegner ist wie der Scheik von Baalbek. Natürlich verstand ich die Andeutung « wenn Sie nicht gerade fort müssen », und mein erster Impuls war, irgendeinen nichtssagenden Grund anzugeben und mich zu verabschieden. Hastig wandte ich mich zu Jü- Iianna; sie blätterte gemächlich in einem Buch, das auf dem grossen, alten Tische lag; dann ging sie durch das Zimmer, blieb vor dem Schachbrett stehen, sah, während ein zartes Rot ihr Gesicht überzog, zu mir auf und ihre Augen sagten so deutlich wie Worte : « Bleiben Sie'! » Hätte irgendeine andere Frau dasselbe getan, es würde an meiner Absicht nichts geändert, keinerlei Eindruck auf mich gemacht haben. Von ihr aber erschien es wie eine mutige Tat. Als ob sie um meinetwillen ein Stück ihrer Würde opferte. Ich begegnete ihrem Blick und wandte mich ehrerbietig dem Hausherrn zu, der, den Hut unterm Arm, in der Tür stand und mich mit forschenden Augen unter den buschigen Brauen hervor anblickte. « Ich dank© Ihnen für die Aufforderung», sagte ich. «Ich werde lange ausbleiben », gab er mir mit seiner tiefen, barschen Stimme zurück. « Guten Abend ! » INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle od« deren Raum 45 Cts. lür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctl. Grössere Inserate nach Seitentarif. j Inseratenschlusa 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Aus dem Bundesgericht. Die zivilrechtliche Schadenersatzpflicht in Fällen von fahrlässiger Tötung wird durch das Obligationenrecht in Art. 45 näher geregelt, und Absatz 3 dieses Artikels bestimmt: «Haben andere Personen durch die Tötung ihren Versorger verloren, so ist auch für diesen Schaden Ersatz zu leisten.» In solchen Fällen, wo das Opfer der fahrlässigen Tötung versichert war, versuchte sich der Beklagte seiner Pflicht zum Ersatz dieses sogenannten Versorgerschadens häufig dadurch zu entziehen, dass er geltend machte, der Versorgerschaden sei durch die Versicherung ganz oder teilweise gedeckt. Die bundesgerichtliche Rechtssprechung hat aber immer daran festgehalten, dass sich der durch den Unfall Geschädigte Versicherungssummen, die ihm wegen des Unfalles zufallen, nicht an seiner Schadenersatzforderung anrechnen zu lassen brauche. Dieser Grundsatz gilt nunmehr — wie aus einem bundesgerichtlichen Urteil vom 3. Juni zu ersehen ist — auch dann, wenn das Opfer der Fahrlässigkeit des Beklagten nicht bei einer privaten Versicherungsgesellschaft, sondern bei der Versidierunnskasse für die eidg. 'Beamten, Angestelltem und Arbeiter versichert war. Am 17. März 1927 überfuhr in Bern, ein: angetrunkener Autofahrer den damals seit einigen Monaten pensionierten eidg. Oberpferdearzt Oberst B., der an den erlittenen Verletzungen starb. Im Strafprozess wurde der Führer des Wagens wegen fahrlässige» Tötung zu 6 Monaten KorrektionshauSj. umgewandelt in 3 Monate Einzelhaft, veiv urteilt. Die Hinterbliebenen traten als Zivilpartei auf, und unter anderem klagte di» Witwe auf Ersatz des Versorgerschadens, während der Beklagte geltend machte, die Witwe beziehe nunmehr von der Yersicherungskasse des Bundespersonals eine Rente von 5250 Fr. und könne keinen Versorgerschaden einklagen. Das Amtsgericht Bern ging davon aus, dass sich die Witwe ihre Rente anrechnen lassen müsse, nahm aber an, der Verstorbene habe ihr aus seiner! Pension jährlich einen diese Rente um 875 Fr. übersteigenden Betrag zugewendet und verurteilte den Beklagten zur Zahlung der kapitalisierten Differenz (6333 Fr.). Die Strafkammer des Obergerichts stellte fest, dass der Verstorbene seiner Frau 45% seiner Pension (4725 Fr.) zugewendet habe, also einen kleineren Betrag als die nunmehrige Witwenrente. Sie entschied je-» doch, dass der Beklagte trotzdem für dem ganzen Versorgerschaden Ersatz zu leisteö habe, und das. Bundesgericht hat diese Auffassung einstimmig gutgeheissen. Wie bei einer privaten Versicherung widerspräche es auch hier dem Sinn und Zweck der Versicherung, wenn der Beklagte aus ihr Nutzen zöge, denn die Versicherung will den Versicherungsnehmer resp. seine Witwe gegen drohenden Schaden schützen, nicht aber einen unbekannten Dritten gegen die Folgen seiner Fahrlässigkeit. Zudem bilden die Leistungen einer Beamtenkasse einen Teil der Gegenleistung des Staates für die Dienste des Beamten; der Anspruch auf die Witwenpension ist durch Leistungen des Beamten und des Staates erworben worden, also nicht unentgeltlich zugefallen. Der Beklagte hat sonach ohne Rücksicht auf die Witwenrente den Versorgerschaden «Guten Abend, Herr Richterl». rief ich vergnügt. Dann war ich zum erstenmal allein mit Julianna. Sie blickte mich, während ich vor ihr stand, mit einem leisen, hilflosen Lächeln an — jenem seltsamen hilflosen Lächeln, aus dem vielleicht die Bestürzung der Frau spricht, die zum erstenmal im. Leben sieh selbst nicht versteht und doch weiss, dass irgend etwas Köstliches ihr nahe ist, — dass sie nur danach zu greifen brauchte.wenn sie es haben will. Es ist das, letzte Lächeln der Kindheit. « Spielen wir ? » fragte sie. « Nein», gab ich zurück. « Umso besser ! » « Sie mögen das Spiel also nicht 7 * « Doch — wenn ich es mit meinem Vater spiele — weil es ihn interessiert. Und er spielt vorzugsweise mit mir, weil ich für ihn die Jugend bedeute.» «Auch seine Jugend», warf ich ein. Sie nickte ernsthaft. < Ja, das stimmt wohl», meinte sie. « Wir verkehren mit so vie'en alten Leuten; ich gehe wenig in Gesellschaft. Wir stehen sehr kameradschaftlich und hängen sehr aneinander. Ich weiss eigentlich nicht, weshalb ich Ihnen das alles erzähle — jedenfalls aber ist es so; wir haben uns ein eigenes, kleines Reich geschaffen — ein sicher umfriedetes Reich, in das niemand eindringen, dessen Frieden niemand zerstören kann.» Bei diesen Worten, aus (denen eine Ent* schiedenheit klang, die ihrer sonstigen Sanftmut etwas Gebieterisches gab, sank mir der, Mut. Es schien mir, als wolle sie mir andeuten, dass sie sich nicht selbst gehörte. Fortsetzung .si bend