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E_1930_Zeitung_Nr.056

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Anaeabe: Dentsctie Schwell BERN, Dienstag, 1. Juli 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 56 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag ond Freitag Monatlich „Gelbe liste« HalblinrUeh Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portosisehlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Das internationale Abkommen über Kraftfahrzeugverkehr. Am 11. Oktober 1909 wurde auf einer diplomatischen Konferenz in Paris eine internationale Uebereinkunft betreffend den Automobilverkehr abgeschlossen. Der Bundesrat hat mit Botschaft vom 24. Mai 1910 der Bundesversammlung beantragt, ihn zum Beitritt zu dieser Uebereinkunft zu ermächtigen, was dann auch durch Bundesbeschluss vom 9. Dezember 1910 geschah. Diese internationale -Uebereinkunft betreffend den Automobilverkehr setzt Mindestanforderungen fest, bei deren Erfüllung die Behörden des Wohnsitzstaates internationale Fahrausweise ausstellen können, welche zum Verkehr in allen Vertragsstaaten ohne nochmalige Nachprüfung berechtigen. Jeder Vertragsstaat kann dabei natürlicherweise kraft seiner Gebietshoheit den Inlandverkehr nach seinem Belieben regeln. Für die Kennzeichnung gefährlicher Wegestellen wurden allerdings einheitliche Signale vereinbart. Wir wissen, dass der Automobilverkehr nach dem Weltkriege gewaltig zugenommen hat, und dass er an die Behörden ganz andere Anforderungen stellte. So ist denn auch eine Anpassung der internationalen Uebereinkunft an die neue Entwicklung zur dringenden Notwendigkeit geworden. Schon der internationale Verkehrskongress in Paris < vom Oktober 1921 und der IV. internationale Strassenkongress in Sevilla vom Mai 1923 haben eine Aenderung der geltenden Uebereinkunft als wünschenswert erachtet. Am 1. September 1923 fasste die beratende und technische Verkehrs- und Transitkommission des Völkerbundes ebenfalls eine dahingehende Entschliessung, die vom Völkerbunds rat und -von_der_Völkerbundsversammlung genehmigt wurde. Der hierauf geschaffene Sonderausschuss für Strassenverkehr beim Völkerbund hat in den Jahren 1924 und 1925 einen Entwurf über den Automobilverkehr ausgearbeitet, der selbstverständlicherweise eine Anpassung der bisherigen Uebereinkunft an die veränderten Verhältnisse bringen soltte. Der Entwurf hielt grundsätzlich daran fest, dass die Regelung des Inlandverkehrs, abgesehen von der Vereinbarung über einheitliche Muster für die Kennzeichnung gefährlicher Wegestellen, den Vertragsstaaten vorbehal- U I L E T O N Die blaue Wand Von Richard Washburn Chüd. Autorisierte Uebersetzung aus dem Amerikanischen von läse Landau. (Engelhorns RomanMbliothek.) (13. Fortsetzung) '«Es •wäre mir schrecklich, wenn er einginge,» sagte Julianna, während wir wieder auf die Strasse hinaustraten. Sie legte ihren Arm um seinen zottigen Hals, und ich hätte In diesem Augenblick gern mit ihm getauscht. Vor ihrer Haustür zog ich den einen Handschuh herunter. Es geschah unbewusst — aber sie bemerkte es — und machte es mir nach. Dann lachte sie und legte ihre Hand in äie meine. Nach jenem Spaziergang wurde ich ein Opfer all der Tollheiten, in die ein sinnloser Verliebter verfällt. Meine Arbeit litt darunter. In einem Augenblick war ich dabei, eine Seite Gerichtsakten herunterzulesen, die meine Hilfsarbeiter mir hingelegt hatten, und hn nächsten schon sass ich wieder im Geiste in Richter Colfax' Lehnstuhl und sah Juliannas lächelnde Lippen vor mir, auf deren feuchtem Rot sich das Lampenlicht spiegelte. In ihrem Namen trieb ich mich von neuem zur Arbeit an — aber ohne dass ich merkte, wann der Uebergang geschah, stand ich wieder auf einem sonnenbeleuchteten Kiesweg, in dem die Schatten der Ahornblätter tanzten, und sie vor mir, während der Wind mit den feinen, goldbraunen Löckchen an ihrem schlanken weissen Nacken spielte. Ich weiss nicht, ob ich an Richter Colfax, an das Schachspiel, oder an jenes seltsame ten bleiben sollte. Laut bundesrätlicher Botschaft an die Bundesversammlung hatte inzwischen die französische Regierung im November 1924 den andern Regierungen ihre Absicht mitgeteilt, sie zu einer internationalen Konferenz zwecks der Änderung der Uebereinkunft von 1909 einzuladen. Diese Konferenz sollte voraussichtlich im Mai 1925 in Paris stattfinden. Man beabsichtigte, die Frage der Trennung des internationalen Fahrausweises in einen internationalen Ausweis für das Fahrzeug und einen solchen für den Führer zu besprechen. Gleichzeitig gedachte man, einen Vorschlag der schwedischen Regierung zu prüfen, dahingehend, die Kennzeichnung für gefährliche Stellen durch ein einheitliches Kennzeichen zu ersetzen. Die französische Botschaft hat dem eidgenössischen politischen Departement am 3. Dezember 1925 zur Kenntnis gebracht, die französische Regierung sei nach eingehender Prüfung des Sachverhaltes zu der Ansicht gelangt, dass es angezeigt wäre, in einer neuen Uebereinkunft nicht nur die Bestimmungen derjenigen vom Jahre 1909 zu revidieren, sondern dabei die Ausdehnung der schon bestehenden Uebereinkunft auf die Gespräch im Garten oder gar an den Scheik dachte. Mich beschäftigte nur die eine Frage : wann sich die Gelegenheit bieten würde, Julianna von all dem zu reden, was ich für sie empfand. Ich war bemüht, meine Gedanken auf diesen einen Punkt zu sammeln, als ich ein paar Tage später morgens unter verschiedenen Briefen einen von ihr selbst entdeckte. Zuerst wusste ich nicht, dass er von Julianna kam; denn ich hatte ihre Handschrift nie zuvor gesehen. Ich erinnere mich, dass ich mich fragte : « Wer mag das sein ? > und dass ich einige Augenblicke den Umschlag prüfend ansah, ehe ich ihn öffnete. «Meinem Vater», so lautete das Schreiben, « geht es nicht besonders gut, will mir scheinen. Könnten Sie es nicht möglich machen, ihn an einem der nächsten Nachmittage in seinem Büro zu besuchen ? Ich möchte wissen, ob ich mir nur einbilde, dass er sich' verändert hat. Sie würden das gewiss ohne weiteres erkennen. Ich wäre Ihnen so dankbar dafür. J. Colfax. P.S. Wie wär's, wenn Sie ihm suggerierten, Sie zu Tische aufzufordern ? Seiner unbescheidenen Tochter wäre das sehr willkommen. J. C.» Der Brief war so recht nach ihrer Art, nicht aufdringlich, und doch ging von ihrem Wunsch eine zwingende Kraft aus; er klang nicht leichtfertig, trotz des Schlusses mit seinem Anflug von Mutwillen. Und er hatte den gewünschten Erfolg. Sie erwartete sicher, dass ich den Richter noch am selben Tage aufsuchte, um sobald wie möglich mit ihr zusammen zu sein. Nun gut, ich war zu toeidem entschlossen. Regelung des gesamten Strassenverkehrs ins Auge "zu fässenr Frankreich ging demnach über den von der Verkehrs- und Transitkommission des Völkerbundes aufgestellten Entwurf zur Revision der 1909er Uebereinkunft hinaus. Die französische Regierung betonte jedoch ihre Bereitwilligkeit, der am 20. April 1926 in Paris beginnenden Konferenz den Völkerbundsentwurf gleichzeitig mit ihrem eigenen Entwurf und den von verschiedenen Regierungen vorgeschlagenen Abänderungen und Ergänzungen zu unterbreiten. Auch der Ausschuss des Völkerbundes für Strassenverkehr hat im März 1926 nochmals in Paris getagt. Er konnte dabei feststellen, dass die französische Regierung in gewisser Hinsicht seinen Entwurf verwertet hatte, dass aber, wie angedeutet, der französische Entwurf den gesamten Strassenverkehr, den Iniaridverkehr inbegriffen, regeln wolle. Er erhob gegen den französischen Vorschlag Bedenken rechtlicher und sachlicher Natur. Das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement unterbreitete den Entwurf den Kantonsregierungen, den interessierten eidgenössischen Verwaltungszweigen und Verbänden zur Vernehmlassung und berief Ende März 1926 eine Versammlung konsultativen Charakters ein, an der alle Interessenten anwesend waren. An dieser Konferenz wurden beide Entwürfe besprochen. Das Ergebnis der Beratung wurde in der Folge bei der Ausarbeitung der Instruktionen für die schweizerische Delegation an der diplomatischen Konferenz verwertet. Diese bedeutsame Konferenz tagte vom 20.—24. April 1926 in Paris. Sie war von 53 Staaten beschickt, wobei der Völkerbund und die Internationale Vereinigung der Transportarbeiter ebenfalls vertreten waren. Der Präsident der Konferenz teilte in seinem einleitenden Referate mit, die französische Regierung habe einen ersten Entwurf ausgearbeitet, in welchem sie die Ausdehnung der im Jahre 1909 erfolgten Verständigung auf eine Anzahl von Bestimmungen ins Auge gefasst habe, die den Strassenverkehr ganz allgemein in allen seinen Formen, also ohne Beschränkung auf den Automobilverkehr, umfassen sollte. Aus den Bemerkungen der verschiedenen Staaten habe sich jedoch ergeben, dass es schwer oder verfrüht wäre, in die neue Uebereinkunft eine allgemeine Regelung des Strassenverkehrs aufzunehmen und dass es mit Bezug auf den Automobilverkehr vorteilhafter wäre, sich an die Revision der Uebereinkunft von 1909 zu halten. Mit Rücksicht auf diesen Sachverhalt habe sich die französische Regierung entschlossen, der Konferenz zwei getrennte Entwürfe vorzulegen, der eine den Automobilverkehr, der andere den Strassenverkehr betreffend. Mit dem zweiten Entwurf solle versucht werden, einen erstmaligen Schritt zur Vereinheitlichung der Verkehrsregeln in einer grösseren Anzahl von Ländern zu unternehmen. Da fast auf der ganzen Linie Ergebnisse zu verzeichnen waren, welche sich mit dem Inhalte der vom Bundesrate erteilten Instruktionen deckten und beinahe alle Anregungen oder Anträge der Schweiz ihre Berücksichti- Den ganzen Tag hindurch fiel ein feiner Regen, der das Pflaster, die granitnen Mauern der Häuser und die steinerne Perspektive der Strasse in einen feucht-düsteren Mantel hüllte. Während ich am Fenster meiner Kanzlei stand, konnte ich das Vorübergleiten der schwarzen Regenschirmdächer beobachten, die sich in langem Zug wie zwei träge Schlangen einander entgegenbewegten. Aber obgleich mir sonst so ein Dauerregen auf die Nerven geht, verfehlte er an jenem Tage vollständig seine Wirkung. Das Leben hatte einen neuen Reiz für mich gewonnen. Es barg Romantik, Möglichkeiten, Träume! Anstatt zu beklagen, dass der Himmel so tief herunterhing, als berühre seine undurchsichtige Kuppel die Spitzen der höchsten Gebäude, freute ich mich, während ich zum Wagenfenster hinausblickte, dass der Frühlingsregen den Blumenschmuck der Plätze wie durch einen Zauber aufgefrischt und leuchtender gemacht hatte. Guten Mutes betrat ich das Privatzimmer des Richters. Ich hatte nach Juliannas Mitteilung erwartet, ihn in bedrückter Stimmung zu finden; von ihm" noch unbemerkt blieb ich stehen, studierte aufmerksam seinen Ausdruck und kam zu der Ueberzeugung, dass seine Gedanken, welcher Art sie auch waren, freundliche sein mussten und nicht- die verängstigten Vorstellungen eines Menschen, der von geheimen Befürchtungen verfolgt wird. Er bot einen wohltuenden Anblick, wie er dasass, über seinen alten Schreibtisch gebeugt, die Hände auf ein offenes Buch gestützt. In jeder Linie seines glattrasierten Gesichtes spiegelte sich ein langes Leben voll hingebungsvoller Arbeit, voller Güte, INSERTTONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle ode* deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratenschluss 4 Tage TOT Erscheinen der Nnmmern gung fanden, konnte der schweizerische Delegierte kraft seiner Vollmacht die beiden Uebereinkünfte, diejenige über den Strassenverkehr allerdings nur ad referendum, unterzeichnen. Was speziell das letztere Abkommen anbelangt, so behält sich der Bundesrat die Prüfung der Frage noch vor, ob er der Bundesversammlung dessen Ratifikation beantragen will. Jedenfalls wird dabei dieH Ausgestaltung der kommenden eidgenössischen Automobilgesetzgebung massgebend sein. Das internationale Abkommen über Kraftfahrzeugverkehr, das für alle deutschsprechenden Länder im gleichen Texte vor—! handen ist, wurde neben der Schweiz von 40 weiteren Staaten unterzeichnet. Ueber das- Abkommen selber sei das nächste Mal die« Rede. D Steuerbefreiung bei kurzfristigen Verkehrsbewilligungeir Der Regierungsrat von Basel-Stadt hati dem Grossen Rat den Antrag unterbreitet, es sei für Motorfahrzeuge, für welche Verkehrsbewilligungen auf die Dauer von höchstens einer Woche ausgestellt werden, keine Steuer mehr zu entrichten. Bekanntlich zahlen Fabriken und Reparaturwerkstätten für Motorfahrzeuge und Motorfahrzeughändler gemäss dem Konkordat für jede verlangte Garagenummer 100 Franken oder 50 Franken, wenn es sich um zweirädrige Motorfahrzeuge handle. Wie die Praxis lehrt, ist es notwendig, dass der Kanton Basel-Stadt verschiedenen besonderen Verhältnissen Rechnung trägt und Verkehrsbewilligungen mit Gültigkeit für ganz kurze Zeit ausstellt. In Betracht kommen Verkäufe von Motorfahrzeugen durch hiesige Private, welche für ihre Wagen wegen Nichtgebrauchs keine normale Verkehrsbewilligung gelöst haben. Werden nun solche Motorfahrzeuge Kaufliebhabern vorgeführt, nach einem andern Kanton oder ins Ausland verkauft, so sollte für die Fahrt nach dem Bestimmungsort eine Verkehrsbewilligung ausgestellt werden. Aehnlich liegen die Verhältnisse, wenn ausländische Wagen über Basel nach der Schweiz eingeführt werden von Personen, die keine Händlerbewilligung besitzen; auch für solche Transitwagen macht sich das Bedürfnis nach einer besondern Verkehrsbewilligung geltend. Mit Rücksicht auf derartige Spezialfälle sieht die Verordnung über den Strassenverkehr vom 17. September 1929 in ihrem § 84 die Möglichkeit der Erteilung kurzfristiger Verkehrsbewilligungen vor. (Fortsetzung sieh© S. 2 unten.) Heiterkeit und Selbstlosigkeit. Seine blauen Augen, hell wie die eines Jünglings, schienen auf ein Bild zu blicken, das seine Phantasie auf die gegenüberliegende Zimmerwand malte. So beobachtete ich ihn einen Augenblick, ehe ich mich rührte. «Hallo!» rief er, sobald ich mich bemerkbar gemacht hatte, «Estabrook, Sie sind gerade derjenige, den ich hier haben wollte!» «Das habe ich geahnt,» antwortete ich. «Und Sie wünschen?» Er blinzelte mir zu. «Einen Augenblick Geduld, Sie Schlaukopf!» sagte er, die Aermel seines schwarzen Rockes abbürstend. «Hier eine Zigarre. Nehmen Sie Platz! Lassen Sie mich einen Augenblick meine Gedanken sammeln. Ich muss gestehen, ich zögere, allzu rasch ein Thema zu berühren, mit dem ich mich seit vielen, vielen Jahren nicht befasst habe, und eines, für das ich, wenn ich mich recht erinnere, bei der damaligen Gelegenheit wenig Begabung zeigte.»; «Wann war das, Herr Richter?» fragte ich. «Als ich um meine Frau warb,» sagte er ernst und blickte in Gedanken vor sich hin. «Vielleicht wären Sie früher oder später von selbst zu mir gekommen, wenn mich nicht alles täuscht,» fuhr er fort und in seinen Augenwinkeln erschienen all die lustigen Fältchen wieder. «Vielleicht aber ist's richtiger von mir, für alle Fälle schon jetzt mit Ihnen zu reden. Ich bin kein Jüngling mehr. Und mein Arzt hat mir gesagt, meine Herzklappe, oder so eine ähnliche Angelegenheit, sei nicht in Ordnung.» * «Hat er Ihnen das vor kurzem gesagt?» rief ich aus. Fortsetzung siehe AuUer-Feierabend,