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E_1930_Zeitung_Nr.056

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Das nat. Bergrennen

Das nat. Bergrennen Rheineck-Walzenhausen ein glänzender Erfolg. Eine ungewöhnlich grosse Zuschauerzahl verfolgt bei prächtigstem Wetter das Rennen. Mit sämtlichen bestehenden Rekorden wird gewaltig aufgeräumt. Stuber, Bern, auf Bugatti, neuerdings Tagessieger, verbessert seinen letztjährigen Rekord um volle 13 Sekunden und stellt mit 5'28 4/5 eine neue absolute Bestzeit aller Kategorien auf. Dr. Karrer, Zürich, auf Bugatti fährt die beste Zeit der Sportwagen und erzielt in 5' 51 4/5 gleichfalls einen neuen Rekord. Zwimpfer, Zürich, auf Chrysler überrascht mit einer um 13 Sekunden niedrigeren, neuen Bestzeit in der Tourenwagenkategorie. Denn erstens kommt es anders, Und zweitens als man denktl Das Fazit der mit stets steigendem Erfolg von der Sektion St. Gallen-Appenzell des A.C.S. jährlich durchgeführten Bergprüfungsfahrt könnte nicht besser zusammengefasst werden, als in obigem Zitat des geistreichen Busch! Ein griesgrämiger Himmel macht unerwartet einem strahlenden Sonnentag Platz; die durch den Regen zum Teil ordentlich aufgeweichte Strasso stimmt die Fahrer kritisch und lässt sie Vorsicht walten, und doch werden überraschende Zeiten herausgeholt, wie man sie kaum je erwarten konnte. Man ist sich ja zwar daran gewöhnt, dass dieser ostschweizerische Grosssportstag jedesmal zu einem durchschlagenden Erfolg auf der ganzen Linie wird, dass man sich im Kreise der liebenswürdigen A. C. S. Sektion der Ostmark stets sehr wohl fühlt, dass die Organisation ,vom Präsidenten herab bis zum letzten Ordnungsmann tadellos spielt, und dennoch wird die Veranstaltung jedes Jahr immer wieder zu eitlem neuen, bleibenden Ereignis. Den meisten Sportsfreunden ist die ideale Bergstrecke ja bereits bekannt, die inmitten einer prächtigen Landschaft gelegen, auf 6,5 km Länge bei einer mittleren Steigung von 6,7 Prozent insgesamt 433 m Höhendifferenz überwindet, aber selten hat sie sich an einem Rennen in so strahlendem Sonnenlicht und so freundlicher Umgebung gezeigt, wie gerade vergangenen Sonntag. Nachdem das vorangehende Motorradrennen prompt erledigt worden war, setzte gegen 11 Uhr morgens die Konkurrenz der Automobile ein, zu welcher sich von 32 eingeschriebenen Fahrern deren 31 am Starte meldeten. Unter der Aegide des hochverdienten Sektionspräsidenten T. Walser amtierte ein in der Organisation solcher Veranstaltungen erfahrenes Komitee, dem u, a. die Herren Becker, Boppart, Grossenbacher, Hitz, Mayer, Bodmer, Lumpert und Bucher angehörten, welch letzterer sich stets mit ganz besonderem Verständnis auch der Pressemannen annimmt. Im Chronometerzelt amtierte mit seiner traditionellen Sorgfältigkeit Herr E. Brieger, dessen provisorische Behausung bekanntlich hier wie auch an andern Rennen jeweilen von der Standart Mineralölprodukte A. G. Zürich zur Verfügung gestellt wird, ein Entgegenkommen, das die Organisation in dieser Beziehung sehr erleichtert. Das Rennen der Tourenwagen wurde übungsgemäss von den Benjaminen unter den Autos eingeleitet, deren Tempo für das Auge zwar noch recht gemütlich anmutet, deren technische Leistung aber doch alle Achtung verdient. Wenn ein Kleinwagen von etwas mehr als 500 ccm Inhalt, wie ihn z. B. W. Buchwald über die Strecke führte, sein Pensum in 7'57 erledigt, so beweist das doch einen gewaltigen Fortschritt im Bau solcher Liliputautos. «Unter den Experten der Klasse 1100—1500 ccm gefielen ganz besonders die beiden routinierten Alfa Romeoleute Kessler und Keller, welche mit 6,49 und 6,53 •mit ganz beträchtlichem Vorsprung vor den übrigen Konkurrenten die beiden ersten Plätze belegten. Ueberhaupt war Alfa Romeo dieses Jahr mit einer Viererequipe sehr gut vertreten und die Regelmässigkeit und Sicherheit, mit welcher alle Markenkollegen dfe Strecke hinter sich brachten hat einen ganz vorzüglichen Eindruck hinterlassen. Die beiden Amateure der Klasse waren entschieden vom Pech verfolgt Der jugendliche Pedrazzmi, der mit echt tessinischer Verve die Sache anpackte, musste nicht weniger als dreimal anhalten, um renitente Kerzen auszuwechseln. Mit ganz zerschutidenen Händen und schweisstriefend kam er am Ziele an. Seine Fahrweise lässt aber erwarten, (Schluss von Seite 1) Selbstverständlich ist, dass auch für diese Kategorie von Bewilligungen, gleich wie für die regulären Verkehrsbewilligungen, eine Gebühr erhoben wird, die um so eher am Platze ist, als die öffentliche Verwaltung obendrein die Pauschalhaftpflichtversicherung der in Frage kommenden Moto-iahrzcuge übernahmen r..i:ss -weH sieh in bi 7

No 5« - 1930 AUTOMOBIL-REVUE Das erfolgreiche Organlsationskomitee mit den Ehrengästen. Von links nach rechts: die Herren H. Mayer; Decrauzat, Präsident N.S.K.; E. Grossenbacher; E. Lumpert, Del. der N'.S.K.; Zentralpräsident Dr. Mende; F. Bodmer; Pxäs. T. Walser, Präs. des O.-K.; J. Hitz; B. Becker, A. Boppart. Chronometreur. Stuber, der Tagessieger, unmittel bar nach seiner Rekordfahrt Zirimvfwr erledigt in überlegener Weise auf seinem Chxysler-Tourenwagen. den bestehenden Rekord. Das Bankett In Walzenhausen bringt jeweilen den geselligen Auskang der schönen Tagung, wo sich Fahrer, Komittierte, Ehrengäste und andere «zugewandte Orte» in froher Runde vereinen. Unter den Anwesenden bemerkten wir vorab Dr. Mende, den Zentralpräsident des A. C. S., der überall freudig begrüsst wurde. Herr Decrauzat, der Präsident der nationalen Sportkommission, war ebenfalls ständig von Sportleuten und WissensduTstigen. umgeben, welche gerne die und jene Auskunft über die Resultate gehabt hätten. Die Gemeindebehörden der beteiligten Ortschaften, sowie die Regierung des Kantons St. Gallen waren ebenfalls vertreten. Nach dem Dessert begrüsste der Sektionspräsident in frischer Ansprache die stattliche Versammlung. In Walzenhausen ist man kein Freund langer Reden und das kommt Herr Walser gerade gelegen, der seine Voten immer kurz und bündig, aber ebenso treffend, fasst. Es sei gleich vorweggenommen, dass die übrigen Redner sich gerne das nämliche Rezept dienen Hessen. Der Vorsitzende sprach seine hohe Befriedigung über den Besuch des Zentralpräsidenten aus, hatte doch die Sektion St. Gallen-Appenzell jeweilen die besten Beziehungen mit dem früheren obersten Leiter des A. C. S. gepflegt, weshalb er seiner Hoffnung Ausdruck gab, dieses vorzügliche Einverständnis werde für kommende Jahre das nämliche bleiben. Die Organisatoren und auch die ganze Automobilistengemeinde hatten eine aufrichtige Kessler, auf Alfa-Romeo, unterbietet als Erster den bestehenden Tourenwagen-Rekord und holt sich einen sichern Sieg in seiner Klasse. Freude zu sehen, wie die ganze Bevölkerung, die an der Bergstrasse wohnt, regen Anteil an dieser Veranstaltung nimmt und ihr so grosse Sympathie und Verständnis entgegenbringt. Das nämliche darf in erhöhtem Masse noch von der Regierung gesagt werden, wo sich hauptsächlich auch der kantonale Polizeihauptmann Qrüninger immer mit grossem Verständnis für die Sache der Motorfahrer einsetzt. Mit dem herzlichen Dank an die Fahrer und einem zukunftsfrohen Wunsch schloss die sehr beifällig aufgenommene Begrüssung. Ihr schloss sich das Votum des Zentralpräsidenten an, der gleich eingangs versicherte, dass es an ihm nicht fehlen soll, um die schöne Tradition der guten Beziehungen zwischen Präsidium und der ostschweizerischen Sektion weiter zu pflegen. Er zollt den Organisatoren verdiente Anerkennung für die glänzende Durchführung des Rennens, womit nicht nur der Sache des A. C. S., sondern dem Automobilwesen überhaupt wiederum wertvolle Unterstützungen zugute gekommen sind. Voll Lob ist Herr Dr. Mende über den guten Zustand der Strecke und erinnert an eine Fahrt nach Walzenhausen hinauf vor etwa 20 Jahren, wo man durchgerüttelt oben anlangte, sofern der Wagen den Schnauf nicht schon früher verlor. Sein Toast galt der Sektion und ihrem Präsidenten. Herr Hauptmann Grüninger überbrachte den Gruss der kantonalen Regierung und fand vortreffliche Worte für den Ausbau der guten Beziehungen zwischen Automobilisten und Behörden und der Pflege guter Kameradschaft unter den verschiedenen Kategorien von Strassenbenützern. Er schätzt den Automobilsport schon deshalb, weil er weiss, dass er zur Sicherheit des Fahrers ganz beträchtlich beiträgt und Sicherheit eine erste Forderung im modernen Verkehre ist. Endlich meldete sich auch der Vertreter des Gemeinderates Walzenhausen, ein ehrwürdiger Magistrat von gegen 80 Jahren, zum Wort. Wir hätten am liebsten eine Reihe renitenter und verkehrsunfreundlicher Gemeinderäte aus allen Gauen herbeirufen mögen, damit sie sich an dem grossartigen Verständnis, das dieser senkrechte alte Eidgenosse für die moderne Zeit an den Tag legte, ein gutes Beispiel nehmen! Er sprach den bestimmten Wunsch aus, dass das Rennen je und je auf der jetzigen Strecke abgehalten werde und versprach, dass die Behörden wie bis dato auch weiterhin am Ausbau der Strasse weiterarbeiten werden. Es sei auch nicht vergessen, dass die Gemeinde Walzenhausen dieses Jahr erstmals eine prachtvolle Ehrengabe stiftete, welche dann dem Tagessieger zugesprochen wurde. Die Preisverteilung, welche Herrn Decrauzat in Funktion sah, wurde zu einer von frohmütigem Sportgeist getragenen kleinen Feier, wobei mit dem Beifall für die prächtigen Leistungen keineswegs gekargt wurde. Der Gabentisch, der leider vor dem Bankett nicht besichtigt werden Dr. Karrer, der routinierte Bugatti-Rekordmann in. voller Kurve. konnte, war alter Ueberlieferung gemäss diegen und reichlich dotiert. Die Sektion darf sich mit ihren Preisen immer sehen lassen, sie bilden sicher überall wo sie hinkommen eine Zierde. Nach so gut verlaufener Tagung musste natürlich auch der Tanz noch zu seinem Rechte kommen, und wie sehr sich auch die auswärtigen Gäste da oben wohl fühlten, zeigte sich wohl am besten darin, dass diejenigen Clubfreunde aus benachbarten Sektionen am längsten ausharrten, die den weitesten Heimweg noch vor sich hatten! So gehört das diesjährige Bergrennen, das bekanntlich wiederum für die schweizerische Automobilmeisterschaft zählte, bereits dem Gestern an. Es bleibt in bester Erinnerung, und unterdessen machen wir Kalender und Notizblock bereit, um ja das Datum für das nächste Rennen rechtzeitig vorzumerken und nicht zu vergessen! b. Unser Photowettbewerb Der Schlusstermin für Einsendungen für unsern Photowettbewerb war ursprünglich auf den 30. Juni angesetzt. Verschiedene Zuschriften von unsern Abonnenten ersuchten uns indessen um Verschiebung des Zeitpunktes für die letzten Einsendungen, da die Ferien- und Reisezeit erst jetzt richtig einsetzt. Wir verlängern aus diesem Grunde den Schlusstermin für den Photowettbewerb bis Samstag den 5. Juli