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E_1930_Zeitung_Nr.058

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18 AUTOMOBIL-REVUE

18 AUTOMOBIL-REVUE 1930 Das Unglück, Bei Kohlraabes ist ein Unglück geschehen. Herr Kohlraab und Frau Kohlraab sassen beim Mittagessen. Es gab Ochsenlendenbraten. Der Ochsenlendenbraten war nicht zart. Im Gegenteil, er war zäh wie australisches Boxcalf. « Hör' mal», sagte Herr Kohlraab, «ich glaube, der Braten ist e'twas » Worauf Frau Kohlraab sofort energisch mit allen Mitteln überlegener Rhetorik protestierte. So energisch, dass — einerseits durch die Gewalt des Protestes, anderseits durch das unzerstörbare Bratenstück, das sich gerade in ihrem Munde befand, ihr© Kinnladen aussetzten. Herr Kohlraab legte Messer und Gabel hin und sah seine Frau an. Sie sass da, mit schiefem Mund, wortlos, die Augen verdreht. Und Herr Kohlraab erinnerte sich des Alten Testaments im allgemeinen, sowie der Geschichte von Lots Weib und der berühmten Salzsäule im besondern. Dann aber fingen die Hände Frau Kohlraabs an, sich zu bewegen. Sie deuteten aufs Telephon, und Herr Kohlraab verstand. Er ging an den Apparat, rief den Arzt an. «Herr Doktor», sagte er, « meine Frau hat sich die Kinnladen ausgerenkt. > « Sie kann nicht sprechen, nein ! Würden Sie vielleicht im Laufe der Woche mal vorbeikommen ? » Gefängnis für Schulen. In Holland besteht noch die Qewohnheit, dass ein Gläubiger seinen säumigen Schuldner ins Gefängnis setzen lassen kann. Dass von dieser Einrichtung noch vielfach Gebrauch gemacht wird, mehr als man glauben sollte, enthüllt die Statistik. Der einzige Hemmschuh für allzu harte Gläubiger ist die Verpflichtung, an den Staat die Unterhaltskosten für den gefangengehaltenen Schuldner zu entrichten, jedoch sind diese Kosten wiederum nicht so hoch, dass ein bösartiger Gläubiger daran Anstoss nehmen müsste — 1-75 Gulden oder rund einen Taler für den Tag. In den Jahren 1925 bis 1927 sassen in den «huizen van bewaring» (Arrest) nicht weniger als 294, 443 und 357 Männer wegen nicht bezahlter Schulden gefangen, ausserdem 9, 15 und 8 Frauen. Die Zahl der Gefangenen beweist, dass es nicht gerade Millionenschulden sein können, für die die Inhaftnahme erfolgt ist, und die Statistik verrät denn auch, dass in diesen drei Jahren 25, 30 und 49 Menschen ins Gefängnis mussten, weil sie Schulden von noch nicht einmal 50 Gulden (106 Franken) nicht bezahlen konnten bzw. nicht bezahlen wollten! 39, 80 und 52 Menschen sassen hinter Gefängnismauern, weil ihre Schulden zwischen 50 und 100 Gulden betrugen; und die meisten Gefangenen, 191, 285 und 210, sassen wegen Schulden im Betrage von 100 bis 1000 Gulden. Dagegen brauchen die grossen Schuldenmacher anscheinend weniger. Angst vor dem Gefängnis zu haben, denn nur in sechs, fünf und acht Fällen erfolgte Inhaftnahme wegen Schulden über 10,000 Gulden. Zu den in den «huizen van bewaring» Befindlichen traten 1926 und 1927 noch sieben und neun in den Zuchthäusern (gevangenissen) Sitzende. Wenn man diese Zahlen liest, fragt man sich, wie es in unserem Zeitalter möglich sei, dass Wohl existieren von den meisten Ländern Europas Karten und Führer; sie alle tragen aber den starken Nachteil an sich, dass- sie auf die Bedürfnisse der einheimischen Benutzer abgestimmt sind; wollte man die Schlösser der Loire besuchen, so musste man sich eines dickleibigen französischen «Führers» bedienen, der wohl für Franzosen zweckmässig, für fremde Besucher aber viel zu umständlich war. Wollte man damals den Plan für eine Fahrt an die Küste der Adria unternehmen, so musste man sich auf österreichische, italienische oder serbische Quellen stützen; doppelt schwierig wurde die Information, wenn man wissen wollte, welche bestgeeigneten Strassen für den Schweizer zu wählen, wie die Grenzvorschriften, Land und Leute, Unterkunftsverhältnisse und Preise in jenen Ländern beschaffen sind. Hier kann nur ein internationales Reisehandbuch Aufschluss geben, das für den Ausländer im Ausland verfasst ist. Diese grosse Lücke der internationalen Touristik wurde erst ausgefüllt, als im Frühjahr 1927 die Alliance Internationale de Tourisme in Verbindung mit dem T. C. S. den Plan von O. R.Wagners «Europa Touring» sanktionierte*) und durch Verwirklichung dieses vorbildlichen Planes ein Standard-Werk erstehen Hess, das als autotouristisches Merkmal schon bei seinem ersten Erscheinen angesprochen wurde und das seither in Dut- *) Europa Tourlns — Antomobilführer von Europa. — Herausgegeben vom T. C. S. unter dem Patronat der Alliance Internationale de Tourisme. — Redaktion 0. R. Wagner. — 8. Ausgabe 1930. — Vtrlas Hallwag A.-G.. Bern. — Preis: Fr 12. —. ZÜRCHER KANTONALBANK Gegen Hinterlage von Obligationen, Aktien und Schuldbriefen eröffnen wir gegen Obligo und auf unbestimmte Zeit zu massigen Zinssätzen. der Gesetzgeber diese Härte noch fortbestehen lässt. Doch offenbar befindet er sich im Einklang mit der mindestens in Handelskreisen herrschenden Auffassung. Denn vielleicht schlimmer als das Bestehen des Gesetzes ist es, dass jedem der angeführten Fälle auch ein Gläubiger gegenübersteht, der so sehr auf seinem Schein bestand, dass die Inhaftnahme erfolgen musste. Ein kürzlich bekanntgewordener Fall zeigt die Härte dieser Bestimmungen besonders klar. Weil er eine Forderung von 37.95 Gulden eines Papierhändlers nicht bezahlen konnte, sitzt, wie Ein Friedhof der Denkmäler. Die vielen Denkmäler, die in Zeiten, als man noch mehr Platz hatte, auf den Märkten und an den Strassenecken der Städte aufgestellt wurden, erweisen sich' in unsefn Tagen nicht selten als ein Verkehrshinder-' nis, und so ist man denn in Paris dazu übergegangen, sich von diesen lästigen Hindernissen zu befreien, soweit das möglich ist Es gibt in der Seinestadt ein umfangreiches Magazin, das «der Friedhof der Denkmäler » heisst und in dem Monumente, die man für überflüssig hält, im stillen beigesetzt werden. Dies Schicksal hat nun auch die Statue des Staatsmannes Jules Simon betroffen, die sich an einem sehr sichtbaren Fleck, nämlich dem zenden von Ländern benützt und dank seiner deutschen, französischen und englischen Bearbeitung beispiellosen Erfolg erreichte und die Automobilreisenden In Europas Ländern mit einem Aufklärungsdienst versah, der ebenso zuverlässig und mustergültig: in seiner Art ist, wie ihn die Bädecker-Reisenden alten Stiles hatten, bevor der Autotourismus die Länder durchflutete. «Europa-Touring » verschafft dem Fahrer die Möglichkeit, alle Reisen auf unserem Kontinent, wohin es auch sei, ohne weitere Hilfsmittel und ohne andere Informationsquelle durchzuführen. 40 Hauptkarten von Europa im Massstab 1:1,5 Millionen repräsentieren die europäische Strassen- und Landkarte; vervollständigt werden diese Grundkarten durch eine grosse Zahl von Sonderkarten im Massstab 1 : 500,000; jedes Land hat eine einheitlich angelegte Beschreibung, die knapp aber lückenlos alles sagt, was der Fahrer wissen will. Trotz des vielseitigen Stoffes liegt aber jedem Benutzer der Reiseplan offen und klar zutage; im Zeitraum einer Stunde lässt sich anhand von «Europa Touring» jede Tour, so weit sie auch gehen mag, klar festhalten; unterwegs gibt es mit «Europa Touring» keinen Versager, kein unnützes Nachfragen. Ob sich der geographiekundige Schweizer von diesem Werk beraten lässt oder ein Amerikaner, der von unserem Kontinent nur eine massige Vorstellung besitzt, der Aufschluss ist in beiden Fällen ein vollkommener. Worin liegt der Erfolg dieses einzigartigen Staatsgarantie Grundkapital und Reserven Fr. 101150 000 WM KONTO-KORRENT-KREDITE WM und gewähren VORSCHÜSSE Die Direktion das cVolk> meldet, ein Vater von vier Kindern im Alter von drei bis zwölf Jahren schon seit über drei Monaten im Gefängnis, wo er Weihnachten und Neujahr feiern durfte und vielleicht noch Ostern und Pfingsten feiern wird, denn der Gläubiger zahlt pünktlich am 18. jedes Monats die 30 Tage Kostgeld für den Häftling, dessen «Schuld > dadurch entsprechend steigt. Und damit das Fünklein Ironie nicht fehle, werde mitgeteilt, dass der harte Gläubiger Sekretär einer immerhin ansehnlichen Partei ist, die sich «Freiheitsbund» nennt Die Zeitkamera. Madeleine-Platz, erhob. Man braucht dort dringend Raum für die wartenden Autos, und so ist denn endlich der steinerne Herr im Gehrock verschwunden, der schon lange durch seine massive Leiblichkeit den Ladenbesitzern des Platzes ein Dorn im Auge war. Sie hatten sich früher darüber beschwert, dass ihnen dieses Monument die Aussicht nehme, aber die Achtung vor den Verdiensten des Politikers war so gross, dass man seinem Standbild nicht zu Leibe zu gehen wagte. Nun Ist die Statue endlich gewichen, und dasselbe ist mit dem Denkmal des Dramatikers Victorten Sardou auf der andern .Seite des Platzes geschehen. Beide Denkmäler befinden sich im « Friedhof», aber zur Besänftigung der Unzufriedenen wird erklärt, dass sie zu gegebener Zeit an andern Stellen wieder erscheinen sollen, an denen sie weniger stören. Würstchenstand und Benzintankstelle. Dank dem Schönheitssinn der Gattin des Jüngern Rockefeller, also der Schwiegertochter des greisen Oelkaisers, werden die Autotouristen im Staate New York und noch in einigen andern Staaten Neu-Englands bereits diesen Sommer ihre heissen Würstchen, ihre Wiener und Frankfurter in einem ästhetisch (und hygienisch) tadellosen Milieu verzehren dürfen. Mrs. Rockefeiler jr. hat nämlich dort mit ihren Bundesgenossen, den Frauenvereinen, eine grosse Kampagne eingeleitet und gewonnen. Die Würstchenstände, sagten diese Frauen, dürften die amerikanische Natur Reisehandbuches? Sein Verfasser verfügt über 25jährige autotouristische Praxis, er wusste von vorneherein, worauf es bei Auslandfahrten ankommt, was als unnötiger Ballast auszuschalten ist und was als wertvoller Bestandteil scharf herausgearbeitet werden muss; damit allein konnte aber kein autotouristisches Meisterstück Zustandekommen; es mussten nach einheitlichem Plan Hunderte von Kennern Jeder Landesgebiete als Mitarbeiter gewonnen werden; nur auf dieser breiten Grundlage konnte etwas Rechtes Zustandekommen, das dem Schweizer, dem Deutschen, dem Franzosen, dem Engländer, dem Italiener, kurz jedem Automobilisten für jedes Land ein gleich wertvolles und sicheres Instrument für automobilistische Orientierung in die Hand gibt. Der Beweis, dass die gestellte Aufgabe restlos zur Zufriedenheit gelöst ist, liegt in der Tatsache begründet, dass Zehntausende von «Europa Touring> in den Fahrzeugen der meisten Europa-Reisenden mitgeführt werden, sie haben ihren Benutzern unendlich wertvolle Dienste geleistet. Die soeben neu erschienene achte Ausgabe, welche der Verlag Hallwag A.-G. in Bern gleich mustergültig herausarbeitete, wie es der geistvolle Plan seines Urhebers vorzeichnete, löst die volle Ueberzeugung beim Benutzer dieses Werkes aus, unterwegs über alle Fährnisse auf Europareisen, glatt hinwegzukommen. A. B. nicht verschandeln, sie mussten vielmehr zu ihrer Verschönerung beitragen. Und so werden zunächst im Staate New York sechs Würstchenkathedralen, alle an Autostrassen, gebaut werden. Entworfen wurden sie von angesehenen Architekten, den Siegern einer Konkurrenz, deren Preise von Mrs. Rockefeller jr. gestiftet worden waren. 400 Würstchen-Kirchenbauer hatten am Wettbewerb teilgenommen, und die meisten von ihnen hatten die Idee, den Würstchenstand mit der Tankstelle zu vermählen, die ja ihrerseits in Amerika schon vielfach die Rolle des romantischen Einkehrwirtshauses von einst angenommen hat. Der schönste und grösste Heissehundestall (sollte man es nicht wissen : hot dogs, heisse Hunde, nennt man in Amerika die Würstchen) hat Henry Ives Cobb jr. zum Urheber, den Sohn jenes grossen Architekten, der das Ausstellungsgebäude und die Newbery-Bibliothek in Chicago, diese berühmten Leistungen moderner Architektur, gebaut hat. Cobb jr. ging aus der Rockefeller-Konkurrenz einstimmig als der beste Würstelkirchenbauer hervor. Hans Stuck über Les Ranglers. Der österreichische Rennfahrer hat bekanntlich dem Rennen von Les Rangiers beigewohnt. In der deutschen «Motorsport» schildert er seine Eindrücke wie folgt: Noch nie in meinem Leben habe ich zugesehen, beim Autorennen nämlich! Gefahren bin ich rund 140, gewinnen konnte ich etwa 112 Rennen, Rekorde besitze ich zirka 37 — bloss —, zugeschaut — hatte ich fast noch nie! Es war unerhört interessant! Am Sonntag nämlich, in Delömont, einem Ort in der Nähe von Biel in der Schweiz. Ich sass schon eine Stunde vorher da und schien so nervös, dass alle Leute mich mitleidig ansahen. Ich wechselte immerfort alle Plätze und hätte am liebsten auf beiden Seiten von der Strasse gestanden, damit ich die Wagen beim Einund Ausfahren der Kurve genauer beobachten konnte. Der Polizist schrie mich wutschnaubend an: «Herr, gehen Sie zurück, Sie behindern die Fahrer, Sie scheinen keine Ahnung vom Autosport zu haben!» Umsonst versuchten Herren vom Automobilclub ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Als die ersten Tourenwagen und die nicht so schnellen Sportwagen vorbeisurrten, war ich noch ganz besonnen. Sah mir mit kolossaler Spannung an, welche Technik jeder einzelne in den Kurven anwendete. Als dann aber die ersten Rennwagen andonnerten, schlug mein Herz Vasend. So geklopft hat es in keinem Rennen, bei keiner Kurve, bei keinem Zielband! In meinem Rennwagen bin ich selbst die Ruhe. Aber hier? — als Zuschauer, — entsetzlich aufregend!! Ich stoppe — ich hopse von einem Bein aufs andere — wird der Chrysler oder der Bugatti? Teufel, der ist schnell — nein, es kann doch nur der Stuber... — da ist er schon! Fabelhaft — und doch mache ichs noch anders. — 3 Minuten, 10 Sekunden — wie lang ist die Strecke? Er müsste doch schon oben sein — und wenn Sie mich noch so anschrei'n, Herr Schupo — ich bin ausser mir vor Erregung — und dabei ist's heute noch gar nicht so schlimm! Wenn ich mir vorstellen soll, dass Chiron, Dreyfuss, Varzi, Carraciola und Burgaller mitfahren, — nein, ich würde einfach irrsinnig werden! Zusehen ist unsagbar aufregend — endlich verstehe ich die Hunderttausende — und nur einmal möchte ich bald wieder einer von ihnen sein... Badesaison 1930. NO 58 «Aber gnädiges Fräulein, warum baden Sie denn nicht ? » «Aber bitte, Sio glauben wohl, mein hübsches neues Badkostüm sei nur zum Nassmachen da?!»

N°58 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE 19 Aber auf Reisen, Madame. .* Haben Sie schon einmal nachgedacht, gnädige Frau, was Reisen eigentlich bedeutet? Welch kühnen Schritt Sie unternehmen, wenn Sie sich für eine Zeitlang ganz von Ihrem Zuhause lösen wollen? Haben Sie sich überlegt, dass Sie in eine Welt fahren, wo niemand Sie kennt, niemand weiss, wer Ihr Gatte ist, welcher Familie Sie entstammen und welche gesellschaftliche Stellung Sie in Ihrer Heimatstadt einnehmen? Auf Reisen, gnädige Frau, sind Sie losgelöst von der Umgebung, die Ihnen sonst Schutz und Rahmen gibt. Sie müssen sich selbst zu schützen wissen, Sie müssen sich schnell und sicher jedem veränderten Milieu anpassen können, Sie müssen den neuen Menschen, die Ihnen begegnen, den selbstverständlichen Eindruck machen, der Sie im Kreise Ihrer Freunde und Bekannten so liebenswert erscheinen lässt. Sie fragen, wie? Dass dies nicht schwer ist, zeigt Ihnen Mia Passini im «N. W. J.» In der Stadt, in der Sie leben, kennt man Sie gut, gnädige Frau. Selbst der und jener Ihrer Fehler — dass Sie sich zum Beispiel beim Spiel so leicht aufregen —, wird durch die Gastfreundschaft Ihres Hauses und andere Vorzüge aufgewogen. In der Fremde weiss man nichts von Ihren Fehlern und Vorzügen, man beurteilt Sie nur nach der äusseren Erscheinung und Ihrem Auftreten. Schon der Träger an der Bahn, der Kellner im Speisewagen, der Schlafwagenkondukteur prüft mit aufmerksamen Blicken die Fremde. Ihre äussere Erscheinung genau abschätzend, weist Ihnen der maitre d'hötel das Zimmer in Ihrem Hotel an. In den Augen des Boys, an der Tiefe seiner Verbeugung, wenn er die Tür zum Lift öffnet, können Sie die Achtung ermessen, die man Ihnen entgegenbringt. Ihre zweckmässige und entzückende Kleidung, Ihr schöner Schrankkoffer und das kleine zierliche Suitcase, alle diese Utensilien der Reise müssen Ihren Geschmack bezeugen und das Urteil der fremden Menschen bestimmen. fAlkÖholfrefei' Nicht verwechseln mit Mineralwasser-Limonadel Defizit. Colbert sperrte den italienischen Spitzen die Grenze. Er Hess italienische Arbeiter nach Frankreich kommen und grünwird Ihnen bestätigen, daß «MATTA», dasalkoholfreleTafelgetränk aus der brasilianischen Mate - Teepflanze , als Erfrischungs- und Tischgetränk sehr empfehlenswert ist. Sind Sie im Zuge schon einmal einem Herrn begegnet, der einen alten Frack oder einen nicht mehr salonfähigen Smoking für die Reise auftrug? Nein, so einen absonderlichen Kauz haben Sie gewiss noch nicht gesehen, gnädige Frau! Aber es gibt noch Damen, die das ein wenig unmodern gewordene seidene Teekleidchen, den schwarzseidenen Nachmittagmantel des Vorjahres oder den alten Rock mit dem Jumper, der eigentlich für den Wintersport gedacht war, zur Reise anziehen und denken, auf diese Weise die neuen Kleider für den Sommeraufenthalt zu sparen. Wenn Sie, gnädige Frau, die Leidenschaft haben, sich ein wenig auffallend zu kleiden, so bedenken Sie die vielen neugierigen Blicke, die Sie in der Fremde verfolgen werden. Im Zuge können Sie Zudringlichen nicht so schnell entfliehen wie auf den Strassen einer grossen Stadt. Im Gang des Waggons, im Speisewagen, immer wieder sehen Sie den Herrn, der Sie schon auf dem Bahnsteig so lange und nachdrücklich betrachtet hat. Darum soll Ihr Reisekostüm in Material und Schnitt die Zugehörigkeit zur Klasse der bei jeder Gelegenheit gut angezogenen Damen verraten, manches auch von Ihrem Geschmack, aber niemals etwas von Ihren bizarren Launen, denen Sie nur bei der Wahl des grossen Gesellschaftskleides die Zügel schiessen lassen dürfen, aber niemals beim Reisekostüm. Ehe Sie auf Reisen gehen, gnädige Frau, denken Sie ganz besonders über das Material und die Farbe des Reisekostüms nach, das Sie tragen werden. Abgesehen von allem, das ich Sie vorhin zu überlegen bat, müssen Sie gegen Russ und Staub in der Bahn geschützt sein. Darum wählen Sie Braun oder dunkles Grau als Farbe Ihres Komplets. Auf Schwarz und Dunkelblau entdeckt man zu schnell jedes Stäubchen und helle Farben sind auch im Sommer nicht zu empfehlen. Feste englische Wollstoffe und Tweed sind Seiden- und Trikotstoffen unbedingt vorzuziehen. Mit einem Pelzkragen versehen, schützt der dicke Mantel auch nach einer Fahrt durch einen glutheissen Reisetag vor der gefährlichen Kühle des ersten Abends am Meer und im Gebirge. Das knappe Kostüm, Mantel und Bluse müssen so schick und hübsch wirken, dass Sie für den ersten Bummel durch eine fremde Stadt, für einen, kurzen Aufenthalt, da Sie Ihre Koffer nicht auspacken wollen, zu allen Gelegenheiten passend angezogen sind. Bedenken Sie immer, gnädige Frau, wieviel hübscher und amüsanter eine Reise sein wird, wenn Sie sich in Ihrem neuen Reisekomplet ganz entzückend aussehend und sicher fühlen. Niemals hat man diese angenehme Sicherheit nötiger, als wenn man auf Reisen sich in das Kreuzfeuer fremder Blicke begibt. Sommer Der Handschuh spielt augenblicklich eine so wichtige Rolle, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit Schiller wieder in Mode kommen wird. Es gibt fabelhafte Gebilde für alle Tagesund Nachtzeiten. Morgens ä la Verkehrspolizist oder Fechthandschuhe mit kühnen Stulpen. Nachmittags weiches Leder, das künstlerisch zerknautscht den halben Arm bedeckt. Aber abends kommt erst die wahre Pracht. Da gibt es fleischfarbene und pastellblaue Handschuhe, die so empfindlich und keusch sind, dass sie vom blossen Ansehen beschmutzt werden. An Berühren ist gar nicht zu denken. Oder tiefschwarze, die geradezu G R E DI G'S GRAND CAFE ASTORIA Bahnholstrasse ZÜRICH Peterstrass« Bündnerstube - Spezialitätenküche Basel ehe Spielereien. METRO POIiE HOTEL GOLF LINKS MONOPOLE Das Hans ' ersten Ranges, im Zentrum der Stadt, mit modernem Komfort — überall fl. Wasser — Privat-Bäder — feines Stadtrestaurant. Telephon S. 87.68, S. 48.49. Dir. IT. A. ülislin. Der schönste Ausflug ist ins »Heu« Innert al Gasthaus Stausee Bekannt gute Köche. Neue moderne Lokalitäten, für Gesellschaften, Schalen und Anlasse bestens geeignet. Grosser Autoplatz. FAMILIE SPIES3 Telephon 21 Mitglied des A.C. 8. und T. C. 8. zur Dämonie verpflichten. Ihre besondere Note 1930 erhalten sie dadurch, dass sie auch noch üppig mit Strass bestickt sind. So wirken Arme reich. In Paris fängt man an, das viele Schwarz im sommertichen Strassenbild ärgerlich zu finden. Die Modekritiker murren gegen diese Verdüsterung der Stadt. Sie stellen fest, dass die Frauen in hellen, duftigen Kleidern um zehn Jahre jünger und sehr viel erfreulicher aussehen. Einer fragt: Warum gönnen die Frauen dem unbekannten Spaziergänger nicht die Freude eines schönen Anblicks? Warum wollen sie alle so schrecklich vornehm sein? Schwarz gilt bekanntlich als fein, weil es nicht auffällt, aber der Pariser Kritiker findet, dass es Pflicht der — hübschen — Frauen ist, aufzufallen; Er geht sogar weiter und behauptet; Ilass es der Qipfel von Arroganz ist, die herzerfreuenden hellen Kleider nur im engsten Freundeskreise zu tragen und der misera Plebs nur Schwarz vorzusetzen. Das Neueste aber an der diesjährigen Mode: alles ist modern. Auch das Unmodernste. Jede Disziplin hat aufgehört. Man kann tragen, was einem Spass macht. Die Röcke der Grossmutter, die Sporthosen des Mannes, Krägelchen und Söckchen der Kinder. Jede Frau braut sich ihre eigene Mischung. Sie kann sich für Tag- oder Abendtyp entscheiden, d. h. ihrer Persönlichkeit (respektive Person) den Stempel des Sportlichen oder des Festlichen aufdrücken. Wenn eine Frau heutzutage unvorteilhaft aussieht, ist es ihre eigene Schuld. Die Mode fordert keine Opfer mehr. Motto: Zieht euch an, zieht euch aus — aber immer anziehend! Romantik der Spitzen. Grosse und kleine Blumen, Sterne, Blätterranken, hingestreut auf spinnwebfeinem Grund. Seltsame Wunder der Phantasie durch lange seidige Fäden verbunden. Knospen und Blüten wachsen auf hauchzartem "Tüll:" Auf Netzen aus glänzendem Garn tanzen Kobolde, Putten und Edeldamen. Schwere sinnberückende Blumen einer Tropennacht, Tierfratzen und. geometrische Formen der Kristalle. Das alles sind Spitzen. Spitzen, diese Wunder der Phantasie, sind der s^ostbarste und graziöseste Schmuck, den-tue Menschen sich erdachten. Könige, Priester j-- Tänzerinnen und Gelehrte haben sich mit ihnen geschmückt, um ihre Gewänder feierlicher, edler und prunkvoller erscheinen zu lassen. Wie oft sehen wir in den Galerien Europas, auf einem der Gemälde der grossen Meister, wie eine köstliche Spitze auf eine Männerhand fällt, die den Degen hält. Unter unsäglicher Mühsal sind diese duftigen Gebilde entstanden; fleissige Frauenhände haben oft jahrelang an ihnen gearbeitet, wenn auch die Augen schmerzten; arme Frauen mussten in feuchten dunklen Kellern sich mühen, damit der allzu dünne Faden nicht reisse. Mit den entzückenden Mustern der Point de Rose und der Point de Venise noch immer nicht zufrieden, wurde über sie noch ein Meer winzig kleiner Sternchen gebreitet. Schweres Kopfzerbrechen hat der Spitzenluxus einmal grossen Staatsmännern und Königen bereitet Mehr als tausend Meter für 12 Taghemden und sechshundert Meter für 8 Nachthemden bestellte sich Karl I. Die Staatskassen wurden belastet, denn die Einfuhr der Spitzen verursachte ein grosses RicbterswilsK 3 Könige Spezialität: Fischküche und Qualitatsweine. HFlöhr-Frigerio, Küchenchef. Tel. 8. tlfSM**k*tl«ii* Hotel zum gold. Löwen ff iniercnur w,.MM* Besteingerichtcteg, gutgefiihrtes Hotel am Platze Alle Zimmer mit fliess. kalten u. -warmen Wasser, Zimmer mit Bad, Zentralheizung. Selbst geführte, stagnierte Küche. Qualitätsweine u. Haldengut-Biere. Garage nächst dem Hotel, Platz zum Parkieren. Neuer Besitzen Heb. Maarer. Kurorte vom Strandbad bis znm Gletscherrand. Vlerwaldstätterse0-Klau8en-Qotthard. Klassische Stätten. Bergbahnen. Alpenstrassen. Prospekte durch Kant. Vcrkehnzentrale ürl in Flttelen. Am Strand. dete die erste französische Spitzenschule in Alencon, um so dem ungeheuren Luxus, den man in Frankreich mit italienischen Spitzen trieb, zu steuern. Königin Viktoria von England wieder versuchte vergeblich die « Ho» niton lace» zur englischen Spitze zu machen; immer wieder siegten Brüssel und Venedig. Spitzen haben sich in der wandelnden Mode von Jahrhunderten behauptet. Man hat sie niemals ganz vergessen. Und wenn auch heute die Männer in ihrer schmucklos sen Tracht auf sie verzichten müssen, so umgeben sie noch immer als traumhafte Hülle zarte Frauengestalten, liegen mit rätselhaften Mustern auf weissen Schultern, heben sich klar und kühl von schweren dunklen Samten ab. Gleichmässiger und engmaschiger sind heute die Muster geworden. Neben vereinzelten Hausindustrien hat die Maschinenspitze die Welt erobert. Aus den Stilen aller Jahrhunderte holen wir uns die verschlungendsten und üppigsten Vorbilder, vergröbern oder verfeinern sie, verwenden schwere Kunstseiden oder Metallfäden, färben die Spitzen rot, blau oder grün. Für Kleider hat sich unsere Zeit eine ganz neue Art der Spitze erfunden. Für die schlanken, grossen Frauen mit den biegsamen Körpern sind die meterbreiten Spitzenstoffe entstanden, damit man sie ganz in das kostbare Gewebe einwickeln kann. Und als letzte Konsequenz unserer Zeit ist für uns, die wir so sehr die sachliche, gerade Form lieben, der grobmaschige, geometrische Tüll entstanden, eine Spitze ohne romantische Blumen, ohne verwirrende Zeichnung — ein© Spitze unserer Tage. Mode-Merkmale 1930. Fraulich, Traulich. Berauschend berüscht. Flott flatternd. Zierlich gipfelnd. Weich wippend. Kindlich komisch. Schlank schleppend. Teuer, teuer! Wissen Sie nicht, dass Filmen mitderBOLEX - Cine * Auto * Camera dankbarer, einfacher und nicht teurer ist als Photographieren ? wir machen es uns zur Aufgabe, den FilmsAma» teur einlässlich zu beraten. E" 1 Urnerland GIMMI & CO., OnfcSetvice, ZÜRICH T. H. 8151 Haus zur Sommerau, Stadelhoferpl. Bolex*Gen.»Vertietung f. d. Schweit