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E_1930_Zeitung_Nr.061

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Ansyatot l>—t»clf Schweiz BERN, Freitag, 18. Juli 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jahrgang. — N° 61 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoraischlag, Jofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bc-stellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Ein Schritt rückwärts? Seit Jahr und Tag haben unsere Automobilverbände gegen die Geheimkontrollen Sturm gelaufen. Die automobilistische Fachpresse hat sie in ihren Bestrebungen unterstützt. Die Geheimkontrollen und damit verbunden eine Bussenpraxis, die zuguterletzt unerträglich wurde, bildeten mit Recht einen Stein des Anstosses. Sie widersprachen unserer demokratischen Auffassung und einer moderneren Verkehrsanschauung. Diese Geheimkontrollen, welche vielfach in ein Strauchrittertum ausarteten, wurden als unmoralisch empfunden. Man sah in ihnen einen Apparat, der einer staatlichen Geldmacherei gleichkam. Der Automobilist wurde wegen Uebertretung des Konkordates oder des gesetzlich vorgeschriebenen Geschwindigkeitsmaximums ohne Anzeige vielfach erst nach Monaten gebüsst, so dass er sich selbst über sein Vergehen nicht mehr Rechenschaft geben konnte. Mit dem Zunehmen des Automobilstroms und mit dem wachsenden Verständnis der Behörden dem Automobilismus gegenüber konnten diese Geheimkontrollen langsam zum Verschwinden gebracht werden. Alle anständigen Automobilfahrer atmeten» auf, die Strasse war endlich freigegeben und ein unwürdiges System hatte sein Ende gefunden. Die Behörden hatten nachgegeben, die einen jedoch wohl nur unwillig und innerlich von dieser Massnahme nicht überzeugt. Sie warteten wohl nur auf gewisse Exzesse, um neuerdings mit der alten Massnahme aufrücken zu können. «Seht, Ihr Herren Automobilisten, wir wollten euch entgegenkommen, wir waren nicht die Rückschrittler, als die Ihr uns bezeichnet habt. Allein, die gewonnenen Erfahrungen zeigen, dass ohne diese Geheimkontrollen nicht auszukommen ist.» So ungefähr tönt es heute wiederum in den massgebenden Kreisen. Und wie aus Pressemeldungen hervorgeht, und wie wir aus kompetentem Munde erfahren haben, soll «unter dem Drucke der Verhältnisse», wie die neueste Formulierung lautet, die Geheimkontrolle «als voraussichtlich einziger wirksamer Ausweg» mancherorts wieder eingeführt werden. Man hat uns den Vorwurf ins Gesicht geschleudert, dass die Verkehrsunfälle auf der Strasse in «grausigem Ausmasse» sich mehren würden. Wir hatten Gelegenheit, in Nr. 58 dagegen Stellung zu nehmen und den Rückgang der Verkehrsunfälle im Vergleich zur prozentualen Vermehrung der Motorfahrzeuge und trotz des Fallenlassens der Geheimkontrollen festzustellen. Wir sind absolut iiricht dafür zu haben, etwas zu beschönigen, wo es tatsächlich nichts zu beschönigen gibt. iWir wollen unumwunden zugeben, dass die Die blaue Wand Verkehrsdisziplin auch bei einem Teil der Automobilisten nicht immer derart ist, wie wir es gerne sehen möchten. Es ist jedoch ganz klar, dass bei einer grossen Bewegung — und als solche ist der Automobilismus zu werten — Erscheinungen zu Tage treten, die unbedingt verurteilt werden müssen. Allein, der grösste Fehler bestünde in einer Verallgemeinerung. Es wäre ganz falsch, wenn man infolge Absurditäten des Strassenverkehrs alle Automobilisten in den gleichen Tiegel werfen wollte. Dagegen gilt es mit aller Entschiedenheit Stellung zu nehmen. Die Wiedereinführung der Geheimkontrollen nach altem System müssten wir als einen gewaltigen Rückschritt und als Unrecht gegenüber den anständigen Automobilisten, die doch erfreulicherweise die gewaltige Mehrheit bilden, betrachten. Es gibt unserer Ansicht nach andere Mittel, um Auswüchse zu bekämpfen und um Verkehrsunfälle auf" ein Minimum zu reduzieren. Der anständige Automobilist will sich der Kontrolle nicht entziehen. Er hat sicher nichts gegen eine gelegentliche Kontrolle seiner Ausweispapiere oder eine technische Ueberprüfung seines Wagens einzuwenden. Gerade bei solchen Stichproben wird die Behörde das eine oder andere schwarze Schaf ertappen können, das unberechtigterweise am Volant eines Autos sitzt, oder dessen Wagen in einem technisch bedenklichen Zustand sich befindet, wo Bremsen, Beleuchtung, das Signal oder andere lebenswichtige Teile ihren Dienst teilweise oder ganz versagen. Wer viel im Lande herumreist, begegnet des öftern Fahrzeugen, deren verlotterter Zustand nichts Gutes ahnen lässt, und man schüttelt den Kopf und muss sich fragen, wie es möglich ist, dass derartige, der öffentlichen Sicherheit gefährliche Kaleschen noch im Verkehr geduldet werden. Der verständige und verantwortungsbewusste Fahrer begrüsst es, wenn der Strassenverkehr von kompetenten Polizeiorganen überwacht wird. Diese Aufsicht soll aber nicht auf die billigste und einfachste Art der Welt geschehen, indem man sich einfach irgendwo versteckt und mit mehr oder weniger Schadenfreude Delikt in Form einer Geschwindigkeitsübertretung notiert werden kann. Zudem ist auch die Wahl dieser hinterhältigen Beobachtungsposten vielfach geradezu als böswillig zu bezeichnen. Dies gilt vor allem dann, wenn sich die Kontrolle am Ausgang von Ortschaften einnistet, wo die Häuser nur noch vereinzelt an der Strasse, oder gar abseits der Strasse stehen, wo die Bezeichnung «Innerorts» keinesfalls mehr Berechtigung hat. Da an solchen Stellen ein Tempo von Von Richard Washbarn Chüd. Autorisierte Uebersetzunsr aus dem Amerikanischen von läse Landau. (Engelhorns Romanbibliothek.) (18. Fortsetzung) Ich hatte im Laufe meiner Praxis ein paarmal Veranlassung gehabt, die Hilfe von Graphologen in Anspruch zu nehmen; und jjetzt fiel mir ein, dass der eine von ihnen, ein gescheiter Mensch,«namens Jarvis, ganz in meiner Nähe wohnte. Es war eben Essenszeit. Ich nahm an, dass ich ihn zu Hause treffen würde; und ich hatte mich nicht geirrt. «Ich komme in einer ziemlich schwierigen Angelegenheit zu Ihnen,» erklärte ich ihm, als er, die Serviette noch in der Hand, in seinem Arbeitszimmer erschien. «Und ich will gern warten, wenn Sie noch beim Essen sind.» «Oh, bitte, bitte,» wehrte er ab. «Wir sind eben fertig. Womit kann ich Ihnen dienen, Mr. Estabrook?» «Ich möchte Ihre Ansicht über zwei verschiedene Schriftstücke hören,» gab ich zur Antwort. «Wie ich zu ihnen komme, das gehört nicht zur Sache. Die Frage, um die es sich hier handelt, ist, ob ein und dieselbe Person beides geschrieben hat, und wenn das nicht der Fall ist, ob die eine Schrift eine Nachahmung der anderen ist?» Er nahm ein riesiges Vergrösserungsglas und mit jener Wichtigkeit, die man bei Sachverständigen oft beobachten kann, unterzog er die beiden Schriftstücke einer raschen Prüfung. «Das Problem dürfte eigentlich kein so schwieriges sein,» meinte er dann, «da beides in Eile geschrieben zu sein scheint. Bei der Bleistiftschrift geht das ganz klar hervor aus der Art, wie die feinen Fasern auf dem Papier nach einer Richtung vorwärts gestrichen sind — etwa wie Gras, das sich nach dem Winde neigt. Bei der Tintenschrift ist die nasse Feder noch einmal zurückgegangen, um einen t-Strich oder i-Punkt zu machen oder ein Häkchen nachzuziehen, noch ehe die folgenden Buchstaben trocken waren.» «Das würde also eine Nachahmung ausschliessen?» «Na, natürlich. Wenigstens scheint mir das so auf den ersten Blick — es sei denn, dass derjenige, der den Versuch gemacht, jahrelang daran geübt hat, oder dass bei ihm die Fähigkeit, Schriften nachzuahmen, weit über mehr als 18 km keinerlei Gefährdung bedeuten kann, so wird auch der vorsichtige Fahrer seine Geschwindigkeit bereits etwas beschleunigen und damit sitzt er dann gleich auch in der Falle. Wenn schon Kontrollen sein sollen, so organisiere man solche strikte vom verkehrstechnischen Standpunkt aus und denke vielmehr an die Prävention, als tatenlos da zu sitzen und die Uebertretung abzuwarten. Wer hat sich nicht schon wegen einem Strassenlümmel geärgert, der unübersichtliche Kurve*n schneidet, der seinen Wagen ausgerechnet mitten in einer Kurve parkiert, der beim Ueberholen grösste Rücksichtslosigkeit an den Tag legt, der des Nachts trotz allen Vorsignalen nicht oder viel zu spät abblendet etc.! Hier ist'ein weites und dankbares Arbeitsfeld für die Verkehrspolizei! Aber, um diese Uebelstände zu beheben, sollten die Leute mittels Motorrädern oder Autos auf Patrouille geschickt werden oder müssen zur Nachtzeit ihre Aufsicht durchführen und können sich nicht einfach während einigen Tagesstunden irgendwo mit einer Stoppuhr häuslich niederlassen. Es erfordert die vorerwähnte Aufgabe auch eigenes Verkehrsverständnis, eigene Fahrpraxis und vor allem auch viel Takt; für den Hinterhalt genügt dagegen der hinterste Dorfgendarm, dem vielleicht noch der Strassenwärter als Assistent beigegeben wird! Wie viel gefährlicher für den Strassenverkehr sind freche Taugenichtse, welche in gestohlenen Wagen Strolchenfahrten unternehmen; wie viel trauriger ist es, wenn gewissenlose Fahrer einen verunglückten Passanten einfach liegen lassen! Aber gerade derartige Vergehen bleiben vielfach ungesühnt, weil es den Polizeiorganen mancherorts an den notwendigen Hilfsmitteln oder gar an den zweckmässigsten Instruktionen für raschesten Transport und kürzeste Kommunikationen gebricht. Es fehlt der Polizei sicher nicht an Möglichkeiten, den Strassenverkehr in verschiedener Beziehung zu bessern; es gibt auch die nötigen Mittel und Wege, dieses Ziel zu erreichen! Wenn diese alle aber ignoriert oder unversucht gelassen werden und man sich an das einfachste und am wenigsten wirksame Mittel hält, das zudem viel hundert ehrenwerte Bürger und Steuer- nur verärgert, so stellen sich damit abwartet, bis einzahler die betreffenden Behörden höchstens ein Armutszeugnis aus. In letzter Zeit hat sich in erfreulicher Weise eine erspriessliche Zusammenarbeit und ein gutes Einvernehmen zwischen Behörden und Verkehrsverbänden entwickelt. Es wäre sehr bedauerlich, wenn diese erfolgversprechende Cooperation durch einseitige Massnahmen, wie sie die schikanösen Geheimkontrollen darstellen, gestört oder gar unterbrochen würde. Mit uns sind alle wirklichen Auto- diejenige eines berufsmässigen Fälschers hinausgeht. Aber gestatten Sie noch einen Augenblick!» Ich wartete, während ich mit den Fingern auf die Stuhllehne hämmerte. Endlich richtete er sich mit einem kleinen Seufzer auf, sah mich mit zusammengezogenen Brauen und einem unsicheren Ausdruck in seinem hageren, lederfarbenen Gesicht an. «Das ist sehr seltsam,» meinte er. «Was ist sehr seltsam?» «Ja, Mr. Estabrook, sind Sie auch ganz sicher, dass diese beiden Schriftstücke nicht im Laufe von weit auseinander liegenden Jahren geschrieben worden sind — ich meine, in verschiedenen Lebensperioden?» «Aber ganz sicher,» erklärte ich. «Nun, dann sind sie auch nicht das Werk ein und derselben Person,» sagte er mit grosser Bestimmtheit. «Dafür würde ich meinen Namen verpfänden.» «So wäre also das eine der Versuch einer Nachahmung?» fragte ich und hatte Mühe, einen Freudenschrei zu unterdrücken. «Da liegt die Schwierigkeit,» meinte Jarvis. «Und, ehrlich gesagt, ich könnte vielleicht einen Monat hindurch die Sache studieren, ohne dass ich danach imstande wäre, mit Sicherheit zu sagen, welches die Nachahmung INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode* deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratcnschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern mobilisten einig, dass drakonische Massnahmen und Strafen gegen verkehrsgefähr-* liehe Rücksichtslosigkeiten ergriffen werden. Wir müssen aber ganz entschieden dagegen Stellung beziehen, wenn gegen unsere grosse Automobilistengemeinde wegen einem kleinen Prozentsatz von eigentlichen Schnellfahrern, denen auch sonst beizukommen wäre, eine schematische und ungerechte Bussenfängerei wieder anheben würde, mit der zudem das Verkehrsproblem von einer ganz falschen Seite angepackt wird. Das internationale Abkommen über Kraftfahrzeugverkehr.*) (Schluss.) Die Vorschriften in Artikel 8 betreffend Beachtung der Landesgesetze und Landesbestimmungen entsprechen denjenigen von Art. 9 der alten Uebereinkunft. Unter Landesgesetzen und Landesbestimmungen, die der Führer in einem fremden Lande zu beachten hat, sind insbesondere die Verkehrsregeln zu verstehen. Es gehören aber auch allfällige Vorschriften über die obligatorische Haftpflichtversicherung hieher, wie dies auf Antrag des schweizerischen Delegierten in einem Protokollvermerk festgestellt worden ist. Ein zukünftiges Bundesgesetz wird demnach. Vorschriften über die obligatorische Versicherung der vorübergehend in die Schweiz eingeführten ausländischen Motorfahrzeuge enthalten können. Artikel 9 handelt von der Kennzeichnung gefährlicher Stellen. Zu den bisherigen vier Kennzeichen (Querrinne, Kurve, Bahnübergang, Kreuzung) kommt ein fünftes für den unbewachten Bahnübergang in der Form einer stilisierten Dampflokomotive. Neu ist die Vorschrift, dass die Kennzeichen auf gleichseitigen dreieckigen Tafeln von mindestens 0,7 Meter Seitenlänge anzubringen sind. Die Dreieckform soll schon für sich allein «Gefahr» bedeuten. Deshalb verpflichten sich die Vertragsstaaten nach dem neuen Abkommen, nach Möglichkeit die dreieckige Form ausschliesslich für die angegebene Kennzeichnung vorzubehalten und die Anwendung dieser Form in allen Fällen zu verbieten, in denen sich eine Verwechslung mit der Kennzeichnung, um die es sich hier handelt, ergeben könnte. • Die Farbe bleibt freigestellt. Da sich in den nordischen Staaten die vollen Tafeln infolge des Schneefalls nicht bewährt haben, enthält das neue Abkommen die Bestimmung, dass dort, wo di» atmosphärischen Verhältnisse ihrer Anwendung entgegenstehen, die dreieckigen Tafeln ausgeschnitten sein können, wobei sie dann das Zeichen für die besondere Art des Hindernisses nicht mehr aufzuweisen brauchen. Es ist nunmehr vereinbart, dass die Kennzeichen in einer Entfernung von minde- *) Siehe Nr. 56 und 57. und welches das Vorbild ist. Ich möchte fast annehmen, dass Sie da ganz zufällig an zwei Schriftproben geraten sind, die ohne jeden Zusammenhang einander so wunderbar ähneln. So kann es sein — oder wir haben es mit der geschicktesten, geübtesten Fälschung zu tun, die mir je begegnet ist.» Sie können glauben, dass diese Entscheidung ein Gefühl des Triumphes in mir weckte; ich zerbrach mir nicht weiter den Kopf über ihre Zuverlässigkeit; es genügte mir, zu wissen, dass Julianna nicht, wie ich zuerst geargwöhnt hatte, in irgendeiner Beziehung zu jener niederen Schaubudensensation stand. Ich machte mir heftige Vorwürfe, dass ich an ihr hatte zweifeln können und empfand jetzt von neuem, und viel tiefer, meine Zuneigung für sie. Dieses Ergebnis meines Abenteuers mit dem Scheik stellte meine gute Laune wieder her, Hess mich meinen Stolz vergessen und reichte hin, um mich in eine Stimmung zu versetzen, die eine wirksame Vorbereitung für das war, was mir begegnen sollte. Das Gesicht. Während ich den Hausflur des Gebäudes betrat, in dem meine Junggesellenzimmer