Aufrufe
vor 11 Monaten

E_1930_Zeitung_Nr.062

E_1930_Zeitung_Nr.062

18 AUTOMOBIL-REVUE

18 AUTOMOBIL-REVUE 1930 — N° 62 K'a ja, wozu hat man sich denn schliesslich in die geringste Schmerzempfindung verraten Ein silberner Wolkenkratzer. ZJ«»».*»*« die Einsamkeit zu flüchten? Schliesslich ist der hätte. Er tauchte das bewusstlose Tier dann In New York wird jetzt ein Gebäude er- J3u7/IOr Mensch ein geselliges Wesen —, und dass wir für vierundzwanzig Stunden keinen unserer Freunde in kaltes Wasser und rief es dadurch wieder richtet... das erste mit Metallfront Es soll . . t *wj| und Bekannten sehen wollen, woher sollen sie das ins Bewusstsein zurück. Hickmänn schrieb den Namen Empire State Building führen I I . Ot**. 'M^P wissen? Sagen können wir es ihnen doch nicht. einen Bericht über diese Experimente nieder, und mit 1043 Fuss das höchste Bauwerk der 11^ Ic*" fc V^2 «** 3x und ein Freund versprach ihm auch, das Welt werden; bisher wurde der Höhenre- \\jj \ #5 ^S < L^fc 100 Jahre schmerzloser Operation und ihr vergessener Entdecker Kürzlich jährte sich zum hundertsten Male der Tag,' an dem Henry Hill Hickmänn, ein Pionier' der Anästhesie, arm und unbekannt starb. , Die. Londoner «Royal Society of Medicjne» veranstaltete aus diesem Grunde eine 'Gedächtnisausstellung von Arbeiten, Bildern und Andenken an Hickmänn, die das Andenken des Vergessenen in der Erinnerung 1 der Zeit wieder auffrischen sollte. Hickmänn teilte das Schicksal der vielen, die ihrer Zeit zu weit vorausgeeilt waren und bei der Verfolgung neuer Ziele auf neuen Wegen auf. der Strecke blieben. Seine Entdeckungen blieben völlig unbekannt; ihr Urheber starb verbittert und verlassen im frühen Alter von dreissig Jahren. Erst nach Jahren, als andere die Priorität der Entdeckung schmerzbetäubender Mittel -für sich in Anspruch nahmen, dachte man an den Mann, der auf diesem Gebiet den ersten Schritt getan hatte. Henry Hill Hickmänn wurde im Jahre 1800 geboren und schon in seinem 21. Lebensjahr als Mitglied des königlichen Aerztekollegiums von London zugelassen. Studien über die schmerzstillende Wirkung bestimmter Gase bei gewissen Krankheiten führten ihn zu Untersuchungen, die darauf abzielten, Tiere durch Luftentziehung zu betäuben. So setzte er unter anderem einen jungen Hund unter eine Glocke und bewirkte durch die Entziehung des Sauerstoffs, dass nach siebzehn Minuten die Atmung des unter der, luftleeren Glocke befindlichen Tieres zum Stillstand kam. Die Betäubung war so vollständig, dass Dr. Hickmänn dem Hund ein Ohr abschnei-. den konnte, ohne dass die geringste Schmerzempfindung zu bemerken gewesen wäre. Im weiteren Verlauf Hess er die Versuchstiere Kohlendioxid einatmen, mit dem Erfolg, dass er an den vier Beinen Einschnitte machen konnte, ohne*dass das Zucken des Körpers U I L E T O N Die blaue Wand Von Richard Washbarn ChUd. Autorisierte Uebersetznnz aua dem Amerikanischen von läse Landau. (Engelhorns Bomanbiblipthek.) CFortsetzune aus dem Hauptblatfi «iNun muss ich aber rasch nach Hause,» erklärte sie nach einer kleinen Pause. «Ich möchte nicht, dass Vater es jetzt schon erfährt. Ich will ihn erst langsam vorbereiten. Du sollst erst in einer Woche mit ihm sprechen. Dann sage ich es ihm kurz vorher. Das scheint dir vielleicht sonderbar. Aber am Freitag, wenn er's weiss, darfst du kommen.» Sie hatte einen Wagen draussen warten lassen, und ich brachte sie hinaus. «Ich möchte dich küssen, Julianna,» raunte ich ihr zu. * Sie blickte auf, um sich zu überzeugen, ob der Kutscher uns beobachten konnte. Aber dann kam plötzlich, recht nach Frauenart, die Necklust über sie. Sie lachte leise und fröhlich auf. «Am Freitag!» erklärte sie. Die Wagentür schlug zu, und als ich noch einen letzten, raschen Blick hineinwarf, da war mir, als sei sie ein leuchtendes Traumbild, das den dunklen Raum eines ganz ordinären Mietwagens erhellte. Referat der Royal Society zu unterbreiten, kord vom Chrysler-Building gehalten, das VJf ^jfaz&f-' *u& In den Archiven der Gesellschaft findet sich 1030 Fuss erreicht. Zur Verwendung wird KSJ /7|v jfh\ rZb I äBBt aber keine Spur des Berichtes, und auch eine rostfreie, polierte Stahllegierung gelan- 5K// f*\ iSr l'WSMBL nachdem Hickmänn den Bericht als Bro- gen, die in der Farbe wie Silber wirkt und )*Ui U I /^C iJPBvi schüre hatte drucken lassen, blieb seine be- in Streifen auf das Mauerwerk befestigt \ XI Äf \f 2 *""fwl/v5H* deutungsvolle Entdeckung der ärztlichen werden wird. Die ersten fünf Stockwerke, 1 / fl\ v / tyJfXVl OSnü Welt unbekannt. Da in der Heimat niemand die sich auf dem 84,000 Quadratfuss umfas- fyw wi\r ^Itl vfoßQ^ etwas von ihm wissen wollte, wanderte er senden Terrain erheben, dienen als Basis i~"\jffi?|SBEf 7**\Laß 1828 nach Frankreich aus und richtete an für einen grossen Mittelturm, der in ver- «üffi c i • f\ £ 2r König Karl X. die untertänige Bitte, ihm zu schiedenen Höhen zurückspringt. Der fünf- •*Tflä|:ltt\ ^VT gestatten, seine Versuche der medizinischen stöckige Grundbau wird aus Kalkstein er- ** fff nf\j Fakultät der Universität vorzuführen. Die richtet und ist metallfrei; nur die Hauptein- |li|:l Bitte wurde wohl erfüllt, aber die Akademie gänge des Gebäudes werden von Metallein- . | s j der Medizin in Paris ging über die Versuche fassungen flankiert werden, [k 1 Wt achselzuckend zur Tagesordnung über. Nach- I jjmtJM dem man ihn monatelang hingehalten und Der Wecker. I ffljffftf|r , vertröstet hatte, wurde endlich ein Ausschuss Einen eigenartigen Beruf hat sich ein \ \tmpiifl fcntfj von Aerzten mit der Nachprüfung seiner Londoner erwählt, der dieser Tage in einem "ffitiffffft ^HHB Ansprüche betraut, aber man hat nie wieder Prozess als Zeuge auftrat. Auf die Frage jl^JS^ä U. »^^^ etwas von den Beschlüssen dieses Ausschus- des Vorsitzenden nach seiner Beschäftigung, ^TSSB^ ^** ses gehört. Enttäuscht und traurig kehrte erklärte der Mann nämlich, er verdiene sein _ . « n , , . fl . Bleistift Hickmänn nach England zurück, wo er am Geld als Wecker: Täglich stehe er nachts ^$1, 2. April 1830 starb. um 1 Uhr auf, um an die Arbeit zu gehen, c Woher weisst du denn das?» die darin bestehe, dass er Bäcker, Metzger, «Weil ich gerade mein Rasiermesser benutzen Der Ta§eSft Int Eisenbahnschaffner und andere Leute, die ^^••••BBI^HHIII^HI _, ..... ' früh aufstehen müssen, aus dem Bett jage. ..... . . „ , „ , . . Ehe-Katheder. Die erstaunte Fraee des Vorsitzenden ob wahlt Indem man alle 6 Sekunden emen Amerika ist das Land der vielen Ehe- U „\\^ ZweckT^denn n Ä S W«kc* Film ^lichtete und die innerhalb 3 Stunden Scheidungen. Auf 1,300 000 alljährlich in ^ g S e f Ä S ? defManT nüt dem * r T\ f> Aufnahmen entspreche«! Amerika geschlossene Ehen entfallen nicht ZW€ifeIJos richtigen Hinweis, dass eine ?, chne11 abrollen hess, konnte der ganze weniger als 200,000 Scheidungen. Die Weckeruhr zwar Lärm voll{ührej dass sie Vorgang in 2 Minuten vorgeführt werden, Amerikaner erklären die in ihrem Lande es ab€f doch nicht ferti brmKe besonders ausgezeichnet gelungene Film zeigt mit herrschende Scheidungsepidemie unter an- »»M«».*,,» Mptisclipn Ptw a an 'A** R^inAn verblüffender Deutlichkeit, wie das Sonnenderem mit der unzweckmassigen Erziehung, d r^H y^h^n v «r Hi« , n tun licht allmählich immer weiter in den 300 Medie die amerikanischen jungen Mädels in den Jg| *uYbrigensHSTdlSe ^Veckerarbeit R^ggebirges fällt, bis ter tiefen Kessel des sogenannten Colleges-Schulen gemessen Sie a„ es andere a , s eJn ,, ukratives Qeschä{t> ^ der hundert „Kilometer breite Kraterboden lernen dort das Kochen, die Kinderpflege, Mann verdient durch ^.^ aufopfernde Tä. schliesslich völlig bestrahlt wird, das Nähen usw., aber - behauptet «n De- tigkeit nicht mehr als 20_ 25 Schilling die Spiegel Im Frauengefängnis. kan der Bostoner Universität - es fehlt an Woche> Die englische Justizverwaltung hat nunden Mädchenschulen ein ernster, wissen- mehr dem Drange der Frauenverbände Folge schaftlich begründeter Ehekursus. Der ehT- Der Mond wird gefilmt. gegeben und den Strafvollzug für weibliche würdige Gelehrte macht darum Propaganda Die bekannte Sternwarte von Princetown, Gefangene humanisiert. Die erste Anordfür die Errichtung eines Katheders für Ehe- die über sehr starke Spiegelteleskope ver- nung erstreckt sich auf das Anbringen von fragen und Ehekunst an der Universität fügt, hat kürzlich die ersten Filmaufnahmen Spiegeln in Gefängniszellen für weibliche Boston. Er glaubt damit das Uebel an der des Mondes hergestellt, und zwar wurde als Gefangene. Sobald nämlich eine Verurteilte Wurzel gefasst zu haben. Glauben Sie es Gegenstand der Aufnahmen ein Sonnenauf- sich 4 Wochen gut geführt hat, darf sie sich auch ? gang an» dem Ringgebirge Kopernikus ge- einen Spiegel von Hause schicken lassen. Diese Vorstellung kehrte in den folgenden rückhaltung verzichtet für einen einzigen dass sie zu der Zeit, als die Worte nieder- Tagen noch so oft wieder, dass mir zeitweise Blick auf ihr Gesicht, für ein Berühren ihres geschrieben wurden, nach der Aussage des der unheimliche Argwohn kam, die Frau, die o Aermels, für ein Wort von ihren sanften, Portiers, in dem kleinen Empfangszimmer mich besucht hatte, sei gar nicht lebendig, schöngeschwungenen Lippen. auf mich gewartet hatte. Uebrigens begann nicht von Fleisch und Blut gewesen, mit Und doch war ich glücklich in jenen Tagen ich in meinem Glücksrausch die ganze sonwarmem, süssen Odem und pochendem Her- — so schmerzhaft glücklich, dass ich glaubte, derbare und unaufgeklärte Sache, die mich zen. Ich bildete mir ein, ihr Lächeln, ihre Stimmen zu hören, die mir zuflüsterten, solch so verwirrt hatte, als eine ganz gewöhnliche Stimme, ihre ganze Erscheinung sei nicht ein Glück könne nicht von Dauer sein, Exta- Taschenspielerei anzusehen, die eines ernstein Stück wirklichen Lebens gewesen, sön- sen seien Fallen, vom Schicksal gestellt, die haften Nachdenkens gar nicht wert schien, dem eher die Manifestation eines unirdischen des Menschen Glückseligkeit der Vernich- Wenn Ihnen meine absichtliche Blindheit auch Wesens, das zaghaft und auf eine Rückkehr fang preisgäben, und in irgendeinem Hinter- sehr erstaunlich vorkommen mag, so kann zum Leben hoffend, gekommen war, um sich halt läge schon eine furchtbare Enttäuschung sie Ihnen nicht verwunderlicher erscheinen, KJ9 mein Gelöbnis zu fordern. Ich glaubte zu ver- für mich bereit. als sie mir heute erscheint, stehen, weshalb Julianna — wenn sie es Sonderbarerweise bestand aber keinerlei Und nun, da ich Ihnen von jenem denkwirklich gewesen war — es für ratsam hielt, Zusammenhang zwischen jenen Befürchtun- würdigen Freitag berichten will, muss ich den Richter nicht mit der Mitteilung von un- gen und der Erinnerung an die Unterhaltung vorausschicken dass sich die Einzelheiten in serer Verlobung zu überrumpeln; aber des- im Garten, die ich belauscht. Auch an den meiner Erinnerung durchaus nicht verschoben halb murrte ich nicht weniger über die Rat des Scheiks, der das Resultat meiner haben. Die Eindrücke haben sich mir so Saumseligkeit der Zeit, die einem alten Last- Schachpartie gewesen war, dachte ich nicht scharf und lebhaft eingeprägt dass sollte ich gaul gleich nicht schneller geht, trotz allen mehr. auch das Alter der Pyramiden erreichen, mir Antreibens und Bittens. Das Schreiben, das mit den Worten «Du immer jedes der Geschehnisse klar vor Augen Warum hatte Julianna mir nicht gemein- bist in Gefahr» anfing, hatte ich in einen stehen wird. Ich erwähne das, weil Sie Arzt same Spaziergänge im Park vorgeschlagen? Stoss anderer Papiere getan; und obgleich Sj n d und als solcher ja oft genug wie ja Ich begriff nicht, weshalb sie sich und mir ich annehmen muss, das es sich jetzt noch Wj r Anwälte auch die unglaubliche Unzudie Begegnungen versagte, wenn sie mich irgendwo dazwischen befindet, habe ich mich verlässigkeit der üblichen Zeugenaussagen liebte! Mag sein, dass sie es für richtig niemals entschliesen können, es wieder her- erprobt haben, selbst bei geistig hochstehenhielt, eine Zeit der ruhigen Ueberlegung ver- vorzusuchen. Vielleicht habe ich nur noch den Personen von einwandfreier Ehrenhaftigstreichen zu lassen, damit wir einander beim im Zusammenhang mit der Aeusserung des keit (Fortsetzung folgt) nächsten Mal frei und sicher gegenübertreten Graphologen an jenen Zettel gedacht. Und : durften. Ich hätte gern auf dieses ganze seiner Behauptung, die Schrift rühre von ^^'•^^?f^TTTT^f!?fWIH!r?9HB Heldentum an Selbstbeherrschung und Zu- Julianna her, stand die Tatsache gegenüber, I * Ji 1 y Kl 3 I 3 ff.ljja jjlirjiJpi Nicht verwechseln mit Mineralwasser-Limonade! wenn Sie das bekannte .MATTA« -TafelgetrSnk konsumieren. Gesundheitlich wertvoll. Alkoholfrei. /TRANDBADER-AUTLER WILLKOMMEN oiranoDaQ am BODENSEE Altenrhein Hotel Pension ieintof beiRORSCHACH Besitzer: Familie Würth. STRANDBAD KÜSSNACHT am 3 Miauten von der Landstra>se Küssnacht- Urenpen (Wegeis). In se

N° 62 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE BDEEQ Warum ist die moderne Frau berufstätig? Die Gründe sind leicht verständlich. Aus Amerika kommt die Nachricht, dass die Dollarprinzessinnen mit ihren Brüdern erfolgreich im Berufsleben zu rivalisieren beginnen. Das Nichtstun freut sie nicht mehr, sie haben an der Sensation, die mit dem Ringen um den Erfolg verbunden ist, Geschmack gefunden und bewähren sich ausgezeichnet auf den Posten, die sie sich selbst auswählen oder auf die sie gestellt werden. Das Talent ihrer Väter zum «make money» ist auch bei Ihnen zum Durchbruch gekommen und sie finden es interessanter, Milliarden zu verdienen, als von anderen erworbenes Geld leichtfertig durch die Finget rieseln zu lassen. Nimmt man sich die Mühe, nach den Gründen zu forschen, die dazu geführt haben, dass die verwöhntesten aller Frauen freiwillig ein von grossen und schweren Pflichten ausgefülltes Leben führen wollen, so kommt man bald darauf, dass nicht allein die Sensationsgier, die Sehnsucht nach Nervenanspannung sie vom Toilettetisch weg zum Arbeitstisch zieht. Es ist vor allem die Langeweile als treibendes Moment nicht zu unterschätzen. Was soll eine Frau, deren Hauswesen auch ohne ihre Mithilfe tadellos funktioniert, den ganzen Tag tun? Immer kann sie nicht bei der Schneiderin oder der Modistin sitzen, auch die Körperpflege nimmt nur einen Bruchteil ihrer Zeit in Anspruch, zur Ausübung des Sportes 'oder zum Tanzen fehlt ihr jedoch während den Arbeitsstunden der männliche Partner und die wenigsten jungen Damen finden Gefallen daran, sich nur für ihre Geschlechtsgenossinnen zu schmücken, mit ihnen allein, ohne männliche Gesellschaft, Bridge, Tennis öder Golf zu spielen. Sie kamen auch darauf, dass die Männer nach Erledigung ihres Arbeitspensums nicht immer gelaunt waren, sich mit ihnen über die Themen zu unterhalten, die ihnen geläufig waren. Häufig sind die Männer auch nach Bureauschluss mit ihren Gedanken noch bei Berufsgelegenheiten, sprechen mitunter auch gern darüber, finden jedoch bei den aller Arbeit fernstehenden Frau- ! en kein Verständnis dafür und werden darum manchmal zu sehr schlechten Gesellschaftern. Klug und praktisch, wie die Amerikanerinnen mm einmal sind, gingen sie den Dingen auch Thalwil HDBQE HOTEL ADLER Vis-a-yls der Kirche. — Gutbürgerliches Haua. — Hochzeits- und Vereinsanlässe. — Garage — Stallungen. — Schattiger Garten — Selbstgeführte Küche. — Zivile Preise. — Telephon 35. Neuer Besitzer: P. W. ELZINGEß. EFDQ/OSXH) hier auf den Grund, erkannten die Ursachen und schufen Abhilfe, indem sie sich selbst ins Erwerbsleben stürzten, sich die Gedankenwelt ihrer Männer erschlossen, und mit einem Schlage die Situation dadurch nach ihrem Geschmack änderten. Die Entwicklung der europäischen Frau. Ohne den besonderen- Nachdruck, den die Amerikanerinnen ihren Entschlüssen in der Oeffentlichkeit geben, machen es die europäischen Frauen gegenwärtig kaum anders. Der Prozentsatz derjenigen, die verdienen müssen, ist hier wahrscheinlich auch kaum grosser als jenseits des Ozeans, immer mehr Frauen aber, auch solche, die nicht aus materiellen Gründen dazu gezwungen sind, treten ins Erwerbsleben ein. Es gehört heutzutage schon zu den Selbstverständlichkeiten, dass Mädchen aus guten Häusern die Mittelschule anstatt der höheren Töchterschule besuchen. Alle vernünftigen Eltern, die sich diesen Luxus leisten können, stehen auf dem Standpunkt, dass es ganz gut ist, wenn auch die Töchter die Matura abifegen, denn Bildung und Wissen bilden unzerstörbare Kapitalien und Mittelschulstudium kann .immer zur Grundlage einer weiteren Schulung werden, wenn die Neigung dazu vorhanden ist oder gar einmal die Notwendigkeit dazu an ein Mädchen herantritt. Merkwürdigerweise ist jedoch fast immer die Neigung zum Weiterstudieren unmittelbar nach der Matura vorhanden, sehr viele Studentinnen unterbrechen dann zeitweilig ihre Studien, weil sie heiraten, doch die meisten von diesen kehren später an die Hochschule zurück und vollenden als Frauen den Lehrgang, den sie als Mädchen begonnen. Die « vernachlässigte Frau * ist nicht mehr aktuell. Die moderne Frau, die ihren Haushalt mit allen Erfordernissen der Technik ausgestattet, hat und über eine verlässliche Hausgehilfin verfügt, hat nämlich die physische Arbeit, die ihren Müttern utnd Grossmüttern noch Selbst-, Verständlichkeit -erschien, nur mehr in sehr, bescheidenem Masse oder gar nicht für den" Haushalt zu leisten. Es genügt, wenn sie alles überwacht, ohne allzuviel Zeit darauf ver-' wenden zu müssen. Es hat ja darum auch ein für die vermögenderen Hausfrauen sehr unrühmliches Uebergangsstadium gegeben, in dem sie oft nicht wussten, was sie mit ihrer überschüssigen Zeit anfangen sollen und diese in nicht immer lobenswerter Weise ausfüllten. Denn vielfach kam es vor, dass ihre Männer sich nicht allzuviel mit ihnen beschäftigten. Der Mann, der für seine Frau keine. Zeit hat, ist ja von Van de Velde bis zu den bescheidensten Kinoliteraten eine immer wieder geschilderte Figur, und die Vernachlässigung der Frau durch den Gatten bildet die Grundlage zu dramatischen Geschehnissen, die alle in der seelischen Verlassenheit der Frau und ihrer Sehnsucht nach Verständnis wurzeln. In der letzten Zeit jedoch verliert das Thema an Aktualität, denn die wertvollen Frauen sind es müde, sich vernachlässigt zu fühlen, sich trösten zu lassen und dann im Mittelpunkt einer Skandalaffäre zu stehen. Sie ziehen es vor, eine Beschäftigung zu haben, die ihre überflüssige Zeit ausfüllt, und nicht mehr darauf angewiesen zu sein, dass der Gatte oder ein anderer Mann sich ihnen widmet. Die Hauswirtschaftsarbeit allein genügt in diesen Fällen keineswegs, denn die Frauen suchen geistige Anregung. Die « Nur-Hausfrau •» ist gewöhnlich eine Märtyrerin ihrer Mittellosigkeit, sie muss selbst überall nach dem Rechten sehen, soll der Haushalt mit sparsamen Mitteln ordentlich geführt werden, die vermögendere Frau jedoch zieht es vor, sich anderweitig, zu betätigen. Sie übt die ärztliche Praxis aus, sie macht kunstgewerbliche Arbeiten, führt ein Geschäft oder sogar einen Fabrikbetrieb und hat auf diese Weise einen gut ausgefüllten Interessenkreis. Sie bildet au! dem Arbeitsmarkt allerdings eine unliebsame Konkurrenz für die anderen, die zu arbeiten gezwungen sind, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, doch diese peinliche Begleiterscheinung schafft die Tatsache nicht aus der Welt, dass die ernsthaften jungen Frauen lieber arbeiten als flirten und damit ihr Eheglück bewahren und festigen. Viele Frauen, die es nicht unbedingt nötig hätten, einem Erwerb nachzugehen, dies aber dennoch tun, schaffen damit auch günstigere Lebensbedingungen für ihre Familien, sie können sichhübscher kleiden, einen grösseren Wohnungs- .luxus leisten,, für die Pflege ihrer Persönlichkeit mehr