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E_1930_Zeitung_Nr.067

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%usg:abe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 8. August 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N» 67 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag , Monatlieh H6*Ik« Lbte" talbjihrlleh Fr. 5.—« Jährlich Ft. 10.—. Im Ausland unter Portomschlag, •fern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag lür postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Brettenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adrene: Autorevue, Bern INSETVnONS-PIVEIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland.60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmern Ein Nennungsrekord: 166 Rennfahrer. — Chiron, Stuck von Villiez, Caracciola, Stuber und Nuvolari im Kampf um den Grossen Bergpreis der Schweiz. — Ueberraschungen bei den Trainingsfahrten. Grösser als ie ersteht dieses Jahr das VIII. internationale Klausenrennen! In verhältnismässig kurzer Zeit vermochten die Organisatoren diesem automobilsportlichen Anlass internationale Bedeutung zu verleihen. Der stete Anstieg von Stufe zu Stufe hat mit dem diesjährigen Rennen einen vorläufigen Höhepunkt erreicht: noch nie war die Anerkennung des Auslandes so gross, sie gibt sich vor allem in der sehr starken internationalen Besetzung kund, und dabei gilt der Klausen in ganz besonderer Weise für die dieses Jahr erstmalig inszenierte Europäische Bergmeisterschaft. Der Grosse Bergpreis der Schweiz ist zu der umstrittensten und grössten Trophäe der internationalen Automobil- Bergrennen geworden. Was dies heisst, kann nur ermessen, wer immer die gewaltigen Anstrengungen der Länder verfolgt, die nicht zuletzt ihre Autorennen im Hinblick auf die Propaganda für das eigene Land veranstalten. Das Klausenrennen ist für die Schweiz auch dieses Jahr wieder das grösste motorsportliehe Ereignis der Saison 1930. International im wahren Sinne des Wortes. Die Nennliste ist angeschwollen. Die langsamen Tourenwagen verschwinden und die schnellen Sport- und Rennwagen beteiligen sich in vermehrtem Masse. Der Klausen 1930 steht im Zeichen unserer Zeit: «schneller, immer schneller ». Die bekanntesten Motorsportgrössen Europas haben sich eingeschrieben. Im Namen der Klausenorganisation begrüsse ich alle Fahrer und Fahrerinnen an unserem Klausenpass. Ich wünsche allen guten Erfolg und hoffe, dass sie sich in unserem Söhweizerlande zu Hanse fühlen. Auch unsere Zuschauer begrüsse ich. die mit Sportbegeisterung jedes Jahr auf den Klausen pilgern,, sei es zu Fuss, Motorrad Im Namen der Nationalen Sportkommission des Automobil-Clubs der Schweiz, wie im Namen der Organisatoren des VIII. Klausenrennens richte ich einen herzlichen Willkommgruss an alle Fahrer, welche sich am 9. und 10. August in friedlichem Wettstreit auf der Strecke unseres Grossen Bergpreises messen werden. Zwar weist das Goldene Buch unseres grössten Rennens schon viele berühmte Namen auf und doch — es verblasst vor der Liste derjenigen, welche sich dieses Jahr in 'Linthal einfinden... Denn noch nie haben sich eine so grosse Anzahl von Meisterfahrern zu einer Bergprüfungsfahrt eingeschrieben. Dank ihnen allen, von denen viele nicht vor weiten Reisen zurückgeschreckt sind, für ihre Teilnahme, die dem VIII. Klausen einen besonderen Glanz verleiht! Die Zuschauer werden ihnen in sportlicher Begeisterung zujubeln und ihnen so beweisen, dass ihre Namen und der Ruhm ihrer Leistungen bis in das hinterste Tal und auf die höchsten Gipfel der Alpen zu dringen vermag. Auf zum Klausen ! Am Vorabend des Klausenrennens Klausen-Prolog Am Klausen oben hat sich das Bild völlig geändert; die Wagen singen zu den Trainingsläufen die Kehren empor, und das ganze gewaltige sportliche Treiben setzt nun wieder für einige Tage ein. Das Klausenrennen ist in der Reihe der grossen sportlichen Veranstaltungen fast nicht mehr wegzudenken. Auf das automobilistische Schauspiel, das sich inmitten einer beispiellos wuchtigen Gebirgsszenerie abspielt, richtet sich in diesen Tagen das Interesse des ganzen Landes, mit ihm erinnern sich die Sportsfreunde aller europäischen Länder in dieser Zeit des Klausens, und Tausende und Abertausende strömen nach dem Schauplatz des grössten internationalen Bergrennens. Berühmte Namen schwirren durch die Luft: Chiron, Nuvolari, Stuck, Stuber, Caracciola, Sartorio, und noch viele andere mehr — ein ganzer Gewalthaufe—; Draht und Funk, rasende RotaÜonspressen werden in kurzer Zeit vom grossen Besieger des Klausenpasses künden! mb. Begrüssung am Klausen oder Auto. Sonnenschein und Regen pflegen ja abzuwechseln und wünsche ich Ihnen am Sonntag morgen wärmende Sonnenstrahlen. Haben Sie Dank, dass Sie durch Ihren zahlreichen Aufmarsch ein solches internationales Rennen ermöglichen und helfen Sie uns durch Ihre Sportbegeisterung und Disziplin bei einer glatten Abwicklung des Rennens und einem mastergültigen Auf- und Abmarsch. Reservieren Sie sich nächsten Sonntag für den Klausen, Chiron, Stuck, Caracciola und Nuvolari erwarten Sie. Ein Willkomm den Rennfahrern! Dank des grossen Interesses, das die Internationale Sportkommission dem schweizerischen Automobilsport entgegenbringt, steht der Klausen 1930 unter ähnlichen Veranstaltungen an erster Stelle, da, dessen Resultate erste Training am Mittwoch morgen war am Vorabend noch sehr wenig ermutigend, goss doch ein andauernder Regen aus düstern Wolken, die das ganze Bergpanorama in eine undurchdringliche Decke hüllten. Es trugen sich deshalb auch nur wenige der Fahrer mit der Absicht, am Mittwoch früh die w ohltuende Ruhe so vorzeitig zu stören, um dem auf 5 Uhr morgens angesagten Training obzuliegen. Aber das Wetter gefällt sich ja diesen ganzen Sommer hindurch in unberechenbaren Kaprizen und so überraschte uns der Morgen mit dem denkbar freundlichsten Gesicht, ja die Sonne gab sich zusehends Mühe, uns Erdenbürger für über die Rangordnung von Konkurrenten entscheiden, die die gleiche Punktzahl für die Europäische Bergmeisterschaft erreichen. Schon um diesen Beweis der Sympathie und des Vertrauens zu rechtfertigen, wie um der Vergangenheit des Klausens^ Ehre zu ma- ihr langes Ausbleiben in den letzten Tagen zu entschädigen. Pünktlich rückten die Herren Badertscher (AGS Zürich) und R.- Haag (Motorfahrer-Club Zürich) an, chen, haben di*> Organisatoren keine Mühe gescheut, um das Rennen so vollkommen als oblag. Telephon-Ordonnanzen suchten die denen die Aufsicht über den Trainingsstart möglich zu gestalten, was nur im Interesse Verbindung mit den vier weiteren Posten der Fahrer sein kann. ' aufzunehmen, welche längs der Strecke mit der Aufsicht betraut waren. Seien Sie bei dieser grossen Veranstaltung des Automobilsportes willkommen und mögen Sie von diesem Schauspiel, dem Sie beiwohnen und an dem Sie mitwirken, die besten Erinnerungen bewahren ! Die launenhafte Gunst der Sportgöttin möge Ihnen lächeln! Jules Decrauzat, Präsident der Nationalen Sportkommission. Die Trainingstage Erstes Training. (Linthal, Mittwoch morgen). Dienstag abend, Schlag vier Uhr, eröffnete Frl. Weckerle, die liebenswürdige und langjährige Sekretärin, das Rennbureau in Linthal, und damit hat die Organisation offiziell wieder vom Klausen Besitz ergriffen. Zum achten Mal steht sie dem Bureau vor, das in den Trainingstagen einem Taubenschlag gleicht, wo Fahrer, Komittierte Presse und Gäste ein- und ausgehen, wo tausenderlei Wünsche und Anfragen zu erledigen sind. 90 Autos und 76 Motorräder: Üas ist das glänzende Fazit der diesjährigen Nennliste, die neuerdings beweist, dass aller Rennmüdigkeit und speziell den übrigen -flrscb. wer enden Umständen zmn Trotz, der ^Klausen seinen internationalen Ruf als die europäische Bergrennstrecke behalten und seine alte Anziehungskraft ßewahrt hat Kaum war das Sekretariat bereit, als auch schon die ersten Konkurrenten ihre Antrittsvisite abstatteten, um alle Formalitäten für das erste Training zu erledigen. Unter den Erstangekommenen fanden sich bereits Fahrer von Ruf, die dem Klausenpublikum zum Teil schon aus früheren Jahren bekannt sein dürften. So begegneten wir in den Gassen Linthals, das für wenige Tage zum internationalen Treffpunkt der Autosportwelt wird, Burggaller und von Morgen, den beiden bekannten Bugattikämpen, Graf Arco, der einen' Amilcar-Rennwagen lenkt, seinem gräflichen Kollegen Hardegg, einem Steyrfahrer, ferner dem Budapester Sportsmann Hartmann, der sich auf Bugatti schon zahlreiche Lorbeeren gesichert hat und last not least unserem Zürcher Meister Zwimpfer, dessen Chrysler auf neue Sieger ehren wartet. Die Aussicht auf das Die Motorfahrer hatten sich ordentlich zahlreich und kurz nach 5 Uhr eingestellt, unter ihnen die wägsten Meisterschaftsfahrer wie Hänni, Ceresole, Martinelli, Carmine. Sie alle bewiesen durch ihren frühzeitigen Start, dass sie die Schwierigkeiten richtig einschätzen, welche die Klausenstrasse den Konkurrenten bietet. Sie Aufstieg der Kläusenstrasse zum ürnerboden. wissen, dass nur sorgfältigtes Studium ]eder Kurve, jeder Steigung, genaueste Beobachtung der Strasse und der Maschine, Aussicht auf Erfolg ermöglichen. Die vorgenannten Automobilkonkurrenten erschienen ebenfalls durchwegs am Start, um ihre ersten beiden Trainingsläufe zu absolvieren. Unter der stattlichen Gruppe derZuschauer, die meistenteils aus lebhaft interessierten und sportverständigen Dorfeinwohnern bestand, sahen wir auch Stuber, unsern Berner Champion, der dieses Jahr wohl ein ganz gewichtiges Wort mitreden wird. Ihn hatte die Sonne noch nicht zu einem Morgentraining verlocken können, doch gedenkt er bereits am Abend seine Arbeit aufzunehmen. Wo nur die übrigen Kanonen stecken mögen? Da, gegen acht Uhr. pfeilt elegant der blaue Austro Daimler mit Stuck, dem ungekrönten König der Bergrennen, durch die Gassen zum Starthäuschen. Mit verbindlichem Lächeln entbietet er den Morgengruss und mit der grössten nonchalanten Selbstverständlichkeit fährt er den Berg hinan, als ob es sich nur um einen einfachen Morgenspaziergang handle. Und dennoch Hess das Tempo, mit dem der Wagen die Windungen des Klausen emporsauste, erkennen, dass Stuck es ernst meinte und mit sich und seinem Wagen tüchtig ins Gericht ging. Ihm folgte Caracciola, der mit ebenso viel Chic und Ueberlegenheit am Steuer seines Sportwagens sass, als wäre er noch in den Polstern seines preisgekrönten Mercedes an der Luzerner Schönheitskonkurrenz. Auch von ihm wussten die gegen das Ziel hinauf postierten Beobachter zu berichten, dass Tempo und Fahrweis- Bedeutendes vermuten lassen und Caraccj