Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1930_Zeitung_Nr.070

E_1930_Zeitung_Nr.070

16 1930

16 1930 - N°70 Acceleration ABENTEUER Nf]lillillll!liilfll[l!!ll!fl!!lllllJUi!fiflii!lllllllll!l!!lll!fl!liili auf der Landstrasse Auch dem besten Fahrer kann es passieren, dass er einmal aufsitzt. Dann kommt es darauf an, ob er über seinen Motor Bescheid weiss, oder ob er neben Schaden und Verdriesslichkeiten noch den Spott einzuheimsen hat. Jeder, auch der autoklügste Fahrer, tut deshalb gut daran, durch gelegentliche Lektüre unserer autotechnischen Bibliothek sein Wissen über das Eingeweide des Wagens und seiner Organe aufzufrischen. T TN LEGER COÜP DE PEDALE et votre Chevrolet s eiance comme une fleche, laissant loin derriere eile les autres voitüres engagees dans un embarras de circulation. Remarquez comme ce changement de vitesse s'effectue aisement, Sans le moindre heurt. C'est ä l'accroissement de puissance de son moteur que la Chevrolet doit cette acceleration foudroyante. Tres maniable et docile, cette remarquable six cylindres assure un Service de ville parfait. Sa grande puissance et ses fireins energiques permettent les plus grandes vitesses sur la route. Extraordinairement nerveuse et sensible, munie d'une pompe d'acceleration, eile possede les caracteiistiques des voitüres de grande marque. Avec la Chevrolet, on ne craint pas les embarras de drculation. . Pour votre fäcilite", le distributeur regional peut vous procurer le paiement diffeVe par l'interme'diaire de la General Motors Acceptance Corporation. CHEVROLET au passsage ä niveau GENERAL MOTORS CONTINENTAL S.A. Des distributeurs dam taute la Suisse BASEL: Automobtl-Compagnie Ä.-G., ' Schanzenstrasse 7. Tel. Safran 17.20. BERN: Garage Effingerstrasse A.-G. ÖSTERMUNDIGEN: Thommen & Cie. A.-G. EMMISHOFEN-KREUZLINGEN: Seitz & Co., Karosseriewerke. Tel. 154. GRENCHEN (Soloürarn): H. Fasler, Garage. Tel. 295. LIESTAL: Blank A.-G., 'Auto-Garage. Tel. 350. MONTREUX: Garage du Kursaal, R. Hall. Tel. 12.49. NAEFELS: Rob. Biland-Knecht, Freihofgarage. Tel. 93. Kt. ST. GALLEN und APPENZELL: Jean Willi, Vadianstr. 24, St. Gallen. Tel. 49.55 SCHAFFHAUSEN: C. Bremer & Handschin, Munot-Garage. SION: Ch. Pauli, Garage. Tel. 3. Offizielle General-Motors-Vertreter, Ersatzt ei Ilager und Service-Station für Zürich: PRIX Delivre h Bäle Touring . . . . Frs. 5.640 Coach Frs. 6.460 Club Sedan . . . Frs. 6.970 Sedan ' . . . * . Frs. 7.280 Apts officiels Chevrolet et State-Service en Suisse Autotechn. Bibliothek der Automobil-Revue Das ABC des Automobilfahrers Dieser handliche Band führt den Neuling von A bis Z in leichtverständlicher Form m die technischen Grundlagen der Motorfahrzeuge ein. 600 Seiten interessanten Textes, ergänzt durch mehr als 450 erläuternde Abbildungen, vermitteln auch dem Nichtteohniker eine gründliche Kenntnis über Konstruktion von Motor, Chassis, Einzelteile und deren Funktion. — Preis, in schönem Einband mit einem 6000 Nummern starken Stichwortregister, Fr. 10.—. Taschenbuch für Automobilfahrer Eine Beschreibung des Automobils und seiner Bestandteile. Die textlichen Ausführungen werden mit 130 instruktiven Zeiohnungen des Verfassers (L. Bazaud, Automobilexperte in Lyon) ergänzt. Preis kart. Fr. 4.—, in biegsamem Leinen Fr. 5.—. Die Entstehung und die Mittel zur Behebung von Pannen, 150 Abbildungen und eine ausführliche Anleitung zur besten Ausnutzung der Motorenleistung. — Preis broschiert Fr. 4.—, in Leinen gebunden Fr. 5.—. Das Knappe und leiohtverständliohe teohnisohe Besohreibung des Automobils. In 10 Kapiteln wird alles behandelt, was der mit dem Automobil zum erstenmal in Berührung kommende Fahrer von Bau und Pflege des Wagens zu wissen nötig hat. 112 Seiten Text mit über 50 Abbildungen. Im Anhang eine Rekapitulation des Wissens von der Fahrpraxis in 123 Fragen und Antworten. Preis nur 2 Fr. Die derzeitige Unbeständigkeit macht es in erhöhtem Masse notwendig, sich vor der Ausfahrt über die bevorstehende Wetterlage zu vergewissern. Wann immer möglich, will man denWagen nicht unnötig schlechtem Wetter aussetzen u. d. Fahrgaste um den erhofften Reisegenuß bringen. Mit Hilfe: einiger Kenntnisse über' die Ursachen der Verschiebungen innerhalb der die Wetterlage bedingenden Faktoren ist es ja heute jedermann möglich, die atmosphärischen Erscheinungen d. nächsten 24 Stunden vorauszusehen. ohne sie jemals mit Sicherheit zu lösen. Nach der Lektüre v. Walter Schmids Wetterbüchlein werden Sie diese Frage sich und andern in Zukunft mit 80 % Sicherheit beantworten können. Von Fachautoritäten hervorragend begutachtetes Werk, das, 104 Seiten stark und mit 32 Abbildungen illustriert, nur 2 Franken kostet* Hier * ausschneiden Die Auto-Panne vom Auto 20°/ 0 Rabatt auf allen Büchern für Abonnenten. Suchen sie 19h mu M- Verlag Automobil-Revue, Bern NUT 5 Rp. ~ Abonnenten erhalten 20 Prozent Rabatt' « . . c kostet Sie dieser Die überlieferte Wetterkunde, allzusehr auf Schlüsse aus den Wirkungen der Wetterfaktoren eingestellt, versagt oft in den einfachsten Verhältnissen. Das Büchlein „Praktische Winke zur Wetter -Voraussage" von Walter Schmid, orientiert über die Entstehungs - Ursachen jeder Wetterlage, beschreibt die Einwirkung d. Luftdruckes und seiner Verteilung auf die übrigen das Wetter bedingenden Elemente, die Entstehung des Windes u. der Niederschläge. Tausendmal stellten Sie sich schon die Frage: Was macht das Wetter morgen? Uerlag Halluiag, Bern für Ihre Fahrten schönes Wetter aus! fenxtenfie 5. Sxemjit. Wetterbüchlein zum Preis von 2 Franken — zum Abonnentenpreis — UTO GARAGE -AUTOMOBIL A.-C. 2LÜRICH Seefeldqual 1. Telephon Hottingen 60.60

Bern, Dienstag 19. August 1930 IV. Blatt der „Automobil-Revue"No. 70 Rückkehr zu den Bergen Von Richard Washburn Child. Autorisierte Uebersetzcag aus dem Amerikanischen von Lise Landau. (Engelhoms Romanbibliothek.) : (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.') «Was ist geschehen?» rief unser Wirt erschrocken. «Ganz offen gesagt: ich habe mir den Arm gebrochen.» «Abgeworfen?» fragte Tencort und suchte an ihrem Reitkleid nach Spuren von Strassenschmutz oder Staub. Julianna lächelte mutig. «Das bleibt ein Geheimnis zwischen der Stute und mir,» war ihre Antwort. Sie können sich vorstellen, dass die Sache doch ernster war, als Julianna sie erscheinen lassen wollte. Ich glaube, das schlimmste war, dass kein tüchtiger Chirurg in der Nähe wohnte; der Landarzt, der den Arm in Gips legte, merkte nicht, dass der Ellbogen gesplittert war, und dass die dort liegenden Sehnen und Nerven in Mitleidenschaft gezogen waren. Als wir wieder heimkamen und Nederlinck, unser bekannter Chirurg, die Verletzung in Augenschein genommen hatte, eröffnete er mir, dass meine Frau noch viele Wochen heftige Schmerzen leiden würde, bis die durch den Unfall irritierten Nerven wieder in Ordnung kämen. Zwei Monate hindurch versuchte er, so gut er es vermochte, ihr Linderung zu verschaffen; die völlige Wieder-* herstellung musste er der Zeit überlassen; Julianna litt schweigend. Sie klagte nur. selten, aber ich konnte mir nicht verhehlen, dass eine starke Veränderung mit ihr vorgegangen war. Etwas Ruheloses war über sie gekommen. Stundenlang konnte sie im Zimmer auf und ab gehen wie ein gefangenes wildes Tier, das sich nach seinem Dschungel sehnt. Und dann wieder blieb sie am Esstisch sitzen, als es längst Zeit gewesen wäre, in meinem Arbeitszimmer den Kaffee zu nehmen, und starrte mit ihren grossen, runden Augen vor sich hin, bis man sie anrief. Ihre Fröhlichkeit war verschwunden;., dieselben Stimmungen zeigten sich wieder wie damals, nachdem sie den' hinterlassenen Brief ihres Vaters gelesen hatte. All ihre liebenswürdige Zärtlichkeit, ja sogar ihre Offenheit begann ich zu vermissen. Das unheimliche Gespenst, dessen Art ich nicht kannte, schien wieder auferstanden. Zuzeiten glaubte ich in ihrem schönen Antlitz einen Ausdruck von Schuldbewusstsein, von Furcht zu lesen — den Ausdruck einer gequälten Seele. Sie fing an, argwöhnisch gegen ihre Freunde zu werden und zog sich mehr und mehr von ihnen zurück; manchmal geschah das in so ängstlicher Hast, dass man hätte annehmen. können, sie fürchte die Entdeckung von Tatsachen, die sie um jeden Preis geheim zu halten wünschte. Nach und nach glaubte ich gewahr zu werden, dass sie sich auch mir entfremdete. Helden auf dem elektrischen Stahl Was der Leiter des New Yorker Singsing- Von Alfred Graber. Durch die von Felswänden verfinsterte Schlucht Und während wir aufwärtsrasen, so hoch es mit steigt unser Wagen stetig empor. Der Lärm, den einem Wagen nur gehen mag. da spielt sich vor sein unbekümmert pulsendes Leben dokumentiert, uns jene ewig erschütternde Symphonie der Dämmerung ab, die ihren Orgelpunkt im Kommen der Gefängnisses erzählt. widerhallt in tausend, Schattierungen im Geklüfte. Braungelbe Bäume deuten den Herbst an, der ja Sonne findet. in den Bergen um so vieles schneller hereinbricht Das Motorenlied ist verstummt. Wir schultern Mingchongching ist ein kleiner Chinese. als in den der Sonne offenliegenden Ebenen. Die die Säcke und schreiten aufwärts durch Gras und Die amerikanischen Gerichte haben ihn zum I/uft ist von einer raumvollen Klarheit. Die ersten Geröll. Die Bergkanten scheinen, nahe, der lange Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt Bergspitzen, die über die Flühe hinausragen, lassen sich bis in die kleinsten Falten durchschauen. und ihm dieser Tage das Angebot gemacht, Sommer schuf apere Plätze, und der wenige Firn, der geblieben ist, schimmert glasig hart wie eine Die Wertungen in uns verschieben sich. Was Eisfläche. sich der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen, sich mit einem Bazillus infizieren zu las- in der Stadt allmächtige Geltung hatte, wird hier Wie sehr sind wir alle schon wieder mit dieser ohne zwingende Bedeutung. Wahr, kaum ein paar Stunden liegen dem Jetzt; aber dazwischen Welt verwachsen. Mühelos haben wir die Umstellung gefunden. Es ist, als ob niemals eine Lücke sen, der ihn allerdings blind machen könnte. seit der Abfahrt und man kann nicht nach Stunden Er sollte wählen zwischen der Möglichkeit, gewesen wäre zwischen jetzt und früher. Wir rechnen, wo doch eine neue Landschaft eine Umstellung bis ins Innerste des Herzens bewirkt. Dass ihr zweifelhaftes Gleichgewicht nicht verlieren. Wir schen Stuhls. Der kleine Gelbe soll bei dem turnen vorsichtig über die Geröllbrocken, damit sie zu erblinden und der Gewissheit des elektri- so viele Menschen schon mit uns gegangen, dass grüssen vertraut das erste Eis und der Vordermann lässt seinen Pickel sausen. Die Lücke im Gedanken, erblinden zu sollen, grün statt gelb wir die Berge viele Jahre hindurch kaum mehr ansahen und erlebten, dass wir andere Ziele hatten, Grat: Die Sonne ist mit uns und eine ferne Schau geworden und in hysterisches Zittern verfallen sein... Er verlangte sein Recht auf den all das ist heute so unwesentlich. in neue Tiefen. Schon an diesem Hinausblickenkönnen haftet etwas von der ruhigen Freude des Wahr ist, dass die immir schwarzgrünen Tannen uns anmuten wie etwas gewaltig stark Vertrautes; wahr ist, dass uns diese Erde zu allen Dort grüsst unser Ziel hoch durch ein paar herum in den Irrgängen der Seele dieses klei- Gipfels. elektrischen Tod. Die Psychiatiker laufen Zeiten mehr Heimat blieb als alle Städte, dass sie lichte Nebelwolken. Wie nahe und wie fern zugleich! Und während wir uns ihm entgegen- «Es gibt keine Angst vor dem elektrischen nen Chinesen und finden keinen Ausgang ... uns ihre Liebe mit einer Kraft bewahrte, die die unsere bei' der ersten Berührung wiedererwecken kämpfen, so ist in uns wieder jener Zweifel am musste. Ja, in uns ist noch stets die alte Bereitschaft zur Natur. Gratsenkungen, jähe Aufstiege in Eis und Fels. behauptet der Leiter des amerikanischen Ge- Erreichen und an der Wirklichkeit des Zieles. Stuhl, die Verurteilten fürchten sich nicht», Wir richten unser Leben so sorgsam ein. Wir Nun scheint die Zeit gekommen, die Steigeisen fängnisses Singsing im « N. W. J. », der Hunderte von Hingerichteten beobachtet und per- haben auskalkulierte Projekte, über unser Berufsleben hinaus bestimmen wir auf Tage und Wochen, first schiesst er vor uns auf. Wir aber sind ?anz anzuziehen. Der Grat bäumt sich. Wie ein Dach- was zu geschehen hat; wir sind so zeitgebunden, die Alten geworden, wir sind zurückgekehrt, fühlen sönlich in die Hinrichtungskammer geführt dass sie uns hetzt. Die Hast lässt uns die Stun- uns sicher wie früher. Nun fährt die Kante vor hat, und wenn einer bei der Hinrichtung, um den kaum werten wegen all dem, was wir so cwichohne Trainig, ohne Vorbereitung! wie früher mit allen Möglichkeiten von Glück und «Erklärung, die man sich für dieses Wunder uns auf in den Himmel. Ihr folgt das Auge mit sich zu fassen, einen Schnaps benötigt, so ist tia» • noch nocn tun müssen. Ekstase. Hinter uns verliert sich der Kamm in einen Felsabgrund. Rechts und links gleitet der es zumeist nicht der Verurteilte, sondern der Bergfahrt aber bedeutet Befreiung aus den Fesseln der Zeit in dieser Art. Wohl müssen wir Eishang zur Tiefe. So sind wir auf der Kante Zuschauer. Nicht etwa, dass die amerikanische Hinrichtungsweise durch elektrischen den Tag auch nutzen, aber sein Ablauf ist doch ein unnennbar frei und gelöst. Es ist ein Schreiten ganz anderer. Die Sonne, die Helligkeit, Nebel und ohne Furcht zu einem unbekannten Gipfel. Wie Strom als schmerzlos gelte, es ist auch hier hereinbrechendes Dunkel sind unsere Wegweiser, ganz anders ist es nun plötzlich als früher; innerlich haben wir uns doch gewandelt zur Höhe einer in Amerika allgemein bekannt, dass die Elektrizität den Körper qualvoll verbrennt, ohne nach denen wir uns zu riehten haben. Der Wagen saust, er hat ebeneres Gelände gefunden. Wir fühlen uns als Wanderer, die irgend- Lebensmüde oder Resignation ist, sondern Fülle augenblicklich zu töten. Ein Ereignis der letz- unbedingten Schicksalsbereitschaft, die nioht etwa wohin zurückkehren. Wir kennen den Ort nicht, ohne Furcht. Wir blicken zur Höhe und zur Tiefe ten Wochen liefert einen neuen Beweis: ein und kehren dennoch zurück. Dieses Dorf dort vorn und spüren mit tiefer Erschütterung die Gewalt am Rande der Welt ist für heute unser Ziel. der Berge und ihrer Welt. Wir lieben diesen Weg Schulknabe kam in Berührung mit einerfl Der Wagen steht in seinem Stall. Die Erde an der vereisten Kante, weil wir die innere Freiheit besitzen, die uns über den Kampf hinaus die Hinrichtung eingeschalteten, und kam mit Strom von der vierfachen Stärke des bei eidunkelt rasch. Wir machen ein paar Schritte hin und her, um die stadtmüden Glieder an die Ber einzigartige Schwere und Schönheit dieser Stunde wegung zu gewöhnen. Und morgen schon eine wirklich fühlen lässt. Wir sind wohl Kämpfende 'leichten Verbrennungen davon. Die einzige lange Bergfahrt Wie werden sich die kletterung.ewohnten Hände Unglück in uns, aber wir sind doch Herren der .geben kann, ist, dass der Knabe durch den wieder an den Fels gewöhnen, wie wird die Stufe fSehock der Berührung von einem Dach herlen um den Berg im"Nebel- "Der endlose"'Äbstieg^P^rseschleudert wurde und durch den Ge- in den Eishang gehauen werden? erfüllt sich: Der Fels, der Gipfel, die Doh- Ein Morgen wie tausend Bergmorgen zuvor. In der ersten Dämmerung erwacht der Motorenlärm durchs Geröll. Das -Summen, des Motors- durch,jjtenschock des Falls den elektrischen Schock wieder. Wir verlassen rasch die letzten Wohirßtätten. Um uns ist die Welt einsam. Alle Farben finden sich schon in der Landschaft, aber sie sind noch blass und ohne Leuchtkraft wie der Himmel. T O N Die blaue Wand den Abend D"as Rauschen ^er* Wildbäche, die.!i|butralisierte. So allgemein bekannt ist die Tatsache, dass der elektrisch Hingerichtete nicht tot ist, dass Verurteilte, die am Leben Stummheit der Wälder und der allerletzte Glanz des Eises an den schön wieder fernen Gipfeln. Und so war der Tag gut verbracht. >? Ich denke, ich irre mich nicht in der Anfiahme, dass die Veränderung mit jenem Morgen begann, "an dem Julianna den einsamen Spazierritt unternommen hatte. Wenn ich aber eine Spur ihres alten schelmischen Lächelns wieder auf ihr Gesicht zaubern wollte, so hatte ich nur nötig, sie nach der Ursache ihres Unfalles zu fragen. r «Ich habe dem Pferd mein Wort gegeben, nie darüber zu sprechen«, pflegte sie dann zu antworten, indem sie den Finger an ihre roten Lippen legte. Und ich habe mir niemals klar darüber werden können, ob sie mit dem Scherz irgendeine kleine Torheit oder ihre eigene Ungeschicklichkeit, oder irgend ein ernsteres Erlebnis verbergen wollte. Klar war jedenfalls das eine, dass unsichtbar irgend etwas zwischen uns getreten war. Nach einigen Monaten musste ich einsehen, dass ich mich mit dieser Tatsache nun ein- >mal abzufinden hatte. Wir sprachen tagsüber nur wenig miteinander. Und wenn der Abend herannahte, da ging ich nicht, wie vordem, mit jenem angenehmen Gefühl freudiger Erwartung heim, das mir unversiegbar erschienen war. Statt dessen empfand ich ein dumpfes Widerstreben, diese Gemeinschaft immer wieder aufzunehmen, in der Neigung und gegenseitiges Verständnis von Tag zu Tag geringer wurden. Das Verlangen quälte mich, sie zu bitten, dass sie mir alles enthüllen möge, was mir bisher verborgen geblieben war; und die Versuchung, mein feierlich gegebenes Wort zu Humor « Meine Nerven sind völlig ruiniert, ich habe schon drei Nächte kein Auge mehr zugetan >. « Werden Sie Boxer — ich habe nach dem letzten Kampf drei Tage kein Auge mehr »uffeetan! » — hängen, als allerletzte Hoffnung ihre Angehörigen veranlassen, ihre Leiche, solange sie noch keine Leiche ist, anzufordern, und sofort nach der Hinrichtung Wiederbelebungs-^ versuche anzustellen. Dennoch, der Amerikaner schwört auf den elektrischen Stuhl. Er bringt seinem Abgott* der Maschine, willig Menschenopfer. Eine vernichtende Niederlage der Maschine, wie die Zurückziehung des elektrischen Stuhls, bedeutet ihm Preisgabe des amerikanischen Ego. Blitzsauber, bequem und hygienisch ist der elektrische Stuhl. Der Raum, ein Laboratoriumszimmer mit einem Sessel ä la Zahnarzt. Vor dem Raum ein Gärtlein mit Springbrünnlein und blühenden Blümchen. Im Raum herrscht Sachlichkeit; die Beamten .löschen ein Menschenleben aus mit der ruhigen Gelassenheit, mit der der Fleischbeschauer seinen Stempel auf trychinenfreies Fleisch setzt. Wie erklärt sich nun aber die Oefasstheit der Verurteilten? Warden Lewis Lawes berichtet aus seiner Erfahrung: Die Verurteilten hoffen bis zum allerletzten Augenblick, auch brechen, wuchs, als ich bemerkte, dass sie verschiedene Male auf meine Fragen, wie sie ihre Zeit verbracht habe, ausweichende Antworten gab. Schliesslich zeigte es sich ganz klar, dass ich mich in meinem wachsenden Argwohn nicht getäuscht hatte. Eines Abends brach sie, während sie vor meinem Stuhl stand, in Tränen aus und ergriff, plötzlich in die Knie sinkend, meine beiden Hände, die sie leidenschaftlich an ihre Wangen, ihren Hals,. •h r e Stirn presste. «Willst du mich lieb behalten, was immer auch geschehen mag?» rief sie verzweifelt. «Sag', dass du es willst! Sag' es!» «Das weisst du ja», entgegnete ich. Ich hätte ihr vielleicht nichts Ungeschickteres sagen können, denn es schien ihr bis ins Innerste welie zu tun. «Ich wünschte, du hättest das nicht so gesagt», rief sie aus, und in ihren Augen lag ein Ausdruck von Wildheit. «Du solltest nicht so gut zu mir sein — es schmerzt! Kannst du dir nicht denken, dass es eine Wohltat für eine Frau sein könnte, wenn ihr Mann grausam gegen sie wäre — sie schlüge, sie beschimpfte?» Bestürzt wich ich zurück vor meiner Frau. «Still!» rief ich, und zum erstenmal, seitdem ich sie kannte, war etwas von ernster Zurechtweisung in meinem Ton. «Du solltest, anstatt so zu mir zu sprechen, mir lieber eine Erklärung geben für —» (Fortsetzung folgt)