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E_1930_Zeitung_Nr.070

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die Allerschwächsten

die Allerschwächsten brechen erst angesichts des Stuhls zusammen. Vielen hilft geckenhafte Eitelkeit: ein Mörder bat, man möge Ihm erlauben, auf den Händen zum elektrischen Stuhl zu gehen und versprechen, dies in die Zeitung zu geben; ein anderer wischte den elektrischen Stuhl fein säuberlich ab, ehe er sich setzte, mit den Worten: «Wie kann man von mir verlangen, dass ich' mich auf einen Sessel setze, auf dem das Ferkel da vor mir gesessen hat.» (Das bezog sich auf seinen Kumpan.) Warden Lawes berichtet von Einzelfällen bewundernswerten Mutes, von jungen Leuten, die so tapfer in den Tod gingen," dass sie ein Denkmal verdienten wie gefallene Helden. Nicht alle Hingerichteten verdienen ihr Schicksal, es gibt wertvolle Menschen darunter, die von der erbarmungslosen Technik der amerikanischen Rechtsprechung zermalmt werden. Für «Crime passionnell» und psychologische Komplexe hat man hier kein Verständnis. Das amerikanische Gesetz "verlangt Aug' um Aug' und Zahn um Zahn. Jener junge Mann, von dem Lawes insbesondere berichtet, hatte in berechtigter Wut und Empörung seine Geliebte getötet. Er stammte aus guter Familie, wurde von seinen Arbeitgebern als fleissig und tüchtig geschildert, er war 23 Jahre alt, in blühender Gesundheit, ein schöner junger Mann, selbst den Gefängniswärtern schien es wie ein sündhaftes Verschwenden wertvollen Menschenmaterials, diesen jungen Menschen hinzurichten. Er selbst nahm sein Schicksal mit Heroismus, ihm war es innere Befreiung, den Preis für seine irre Tat zu zahlen. «Wardtn,> sagte er am Tage vor der Hinrichtung mit schneeweissem Gesicht und flackernden Augen, «ich glaube, wenn es morgen soweit ist, werde ich mich doch vielleicht nicht so Sfut halten»... Er hatte eine Bitte: würde ihm der Warden morgen eine Flasche Whisky zustecken? So streng das Verbot, diesem jungen Manne gegenüber konnte Warden es nicht ablehnen. «Haben Sie den Whisky?» fragten die flackernden Augen am Morgen. «Ja, armer Junge», sagte der abgehärtete Aufseher, selbst weisser als der Tod. «Trinken Sie ihn selbst, Warden,» sagte der Junge, «Sie brauchen ihn nötiger als ich, Sie dürfen hier keine Schwäche zeigen meinetwegen...» und er ging in den Tod «lächelnd». Anderseits: ein übergrosser, stierstarker Neger mit schinkenförmigen Händen ergibt sich den gemeinsten Instinkten, ganze Nächte verbrachte er, schmutzige Unflätigkeiten ausstossend, überfiel den ihm in letzter Stunde gesandten Prediger wie ein wildes Tier, zerbrach, was ihm in die Hände kam und musste in der Zwangsjacke zum elektrischen Stuhl geschleppt werden. Dieser Neger hatte kaum die Intelligenz eines achtjährigen Kindes... Europäische Justiz wäre ihm gnädig gewesen ... Amerika richtet einen vertierten Idioten. Lebende Leichen, angstschlotternde Menschenbündel werden zum Tode geschleppt — aber das sind Ausnahmen, berichtet Lawes. Im allgemeinen herrscht im Todeshaus eher tröstliche Stimmung, Hoffnung. Es sind nicht die schlechtesten Gefängnisinsassen, die im Todeskäfig sitzen. Zumeist sind sie «First offenders », noch nicht Vorbestrafte, und das Gesetz ist grausamer als sie. «•Die Amerikaner werden wieder zu India-. nern werden», sagt Bernard Shaw. Bei den Indianern weinten nicht einmal die Wickelkinder. Dieser Erdteil kennt keine Tränen. Der König der Vagabunden So wurde der Millionär Dr. James How genannt. Man kennt die nachgerade langweilige Geschichte jener Bettler, die sich im Verlauf ihres Lebens ein Millionenvermögen zusammengebettelt hatten und dann als angesehene, reiche Leute das Zeitliche segneten. Mr. How verkörpert das interessantere Gegenbeispiel: Er war Millionär und starb als Bettler. Er erlag vor wenigen Tagen im Alter von 56 Jahren in New York einer Lungenentzündung, der sein unterernährter Körper nicht genug Widerstand entgegensetzen konnte. Sein ganzes Vermögen hatte er der grossen Leidenschaft seines Lebens geopfert: Seiner Liebe zum «freien Leben der Landstrasse». Er hatte die «Vereinigung der Landstreicher» gegründet und in in allen grösseren Städten in U. S. A. Bureaus eingerichtet, er schuf überall Unterkunftshäuser, in denen sich die «Tramps» von ihren Strapazen erholen konnten, er reiste sogar nach England, weil er versuchen wollte, die Vagabunden der ganzen Welt in einem internationalen Verband zu vereinen. Er war sein ganzes Leben lang der beste und treueste Freund der «Tramps», jener originellen vagabundierenden Globetrotter, die sich unter irgend einem Wagen des Expresszuges versteckten und sich in halsbrecherischer Gratisfahrt von Ort zu Ort zu Ort befördern Hessen. Die «Tramp»-Romantik ist wohl für immer vorbei, heute lassen sich die Brüder der Landstrasse» von irgendeinem Automobilisten mitnehmen. Mr. How, der übrigens das medizinische Doktor-Examen bestanden hatte, wurde von den «Tramps» nicht als Gleichberechtigter anerkannt, obwohl er alles getan hatte, um ihnen das Leben zu erleichtern; sie fühlten die tiefe Kluft zwischen ihnen, den geborenen Landstreichern, denen nur auf der Landstrasse, unter freiem Himmel wohl ist, die das entbehrungsreiche, unstete Wanderleben des Vagabunden lieben — und ihm, dem gebore- liges Feuer vom Altar des Apollo zu holen, nen Millionär, desen Interesse für denan einem Tage von Platää nach Delphi und «Tramp» sie offenbar als Spleen eines extravaganten Yankee auffassten. Vielleicht zurück lief, was etwa 180 km gleichkommt, haben sie ihm doch Unrecht getan. 1 erscheint noch nicht überboten. Allerdings : • Kraftleistungen einst und jetzt. Die vielfach verbreitete Ansicht, dass die Menschen im Altertum den heutigen an Kraft überlegen gewesen seien, erscheint durch manche neuzeitliche Ergebnisse wieder einmal widerlegt. Plinius erzählt, dass Diskuswerfen bis nahezu 50 Meter das erstrebenswerte Ziel der jungen Griechen war. Nun brachte es der Franzose Noel auf 47,08 Meter. Auch den alten Germanen würde der Finne Järvinnen Bewunderung abgerungen haben, als er seinen Speer 72,38 Meter weit warf; sie erreichten wohl kaum so viel. Phayllos wird nachgerühmt, dass er ohne AUTOMOBIL-REVUE 1930 - 70 Nach langem Hin und Kommt sofort zurück, erklärt, er habe sein Ta- Her. ob er nicht noch ein wenig aufbleiben kann, schenmesser verloren. Er entschliesst er sich, ge-müsshorsam ins Bett zu sehen. lassen es hier liegen ge- haben. Geht wieder hinauf, mit dem strikten Befehl, nicht mehr herunterzukommen. Film eines kleinen Jungen ( - der zu Bette gehen muss) Gehorcht den Anordnungen der Eltern, indem er nur noch halb die Treppe Kommt nach kurzer Zeit weinend, er hätte das Pyjama nicht gefunden. und er- herunterkommt klärt, er könne das Licht nicht allein anzünden. Anstrengung 30 Fuss weit springen konnte; wir stehen knapp an der Achtmetergrenze. Im Laufen nehmen es die Sprinters mit ihren Kollegen aus dem Altertum erfolgreich auf. Der Läufer Alexanders des Grossen, Philomedes, soll 1000 Meter in etwa 2 Minuten bewältigt haben; Nurmi und Dr. Peltzer können ebensolche Glanzleistungen verzeichnen, luchidos allerdings, der 479 v. Chr., um hei- soll er nachher tot niedergefallen sein. Was ist Leander, der nächtlich über den Hellespont zu seiner Geliebten Hero schwamm, heute angesichts der vielen und rascheren Durchquerungen des Aermelkanals, einer weit grösseren und schwierigeren Strecke ? Und der Teutonenkönig Teutobald, der sechs Pferde überspringen konnte, ist wohl ein Stümper gegenüber den zahlreichen Artisten, die im Zirkus über 10—15 Pferde hinübersetzen. Ein Club für junge Eheleute. Ein geschäftstüchtiger Unternehmer in Trenton bei New York hat eine Organisation ins Leben gerufen, die er den «Erste-Jahr- Geht •wieder nach seinem Zimmer, mit dem Versprechen, eich sofort auszukleiden. Kommt zurück und fn«t, ob er vielleicht noch im Bett ein bisschen lesen dürfe, nur ein Kapitell Kommt nach ein*r halben Stunde wieder zurück und fragt, ob er Papa den Gutenacht-Kuss gegeben hätte, ob das nicht sehr wichtig sei, oder? Klub» getauft hat. Der Klub soll jungen Eheleuten zur Verfügug stehen und in der Hauptsache die Missverständnisse, die meist im ersten Jahr der Ehe zutage zu treten pflegen, beseitigen helfen. Die Gründer des Klubs beabsichtigen, in allen grösseren Städten Amerikas eigene Klubhäuser zu bauen und gleichzeitig in diesen Häusern Schulen einzurichten, in denen die jungen Eheleute trainiert werden sollen für alle Pflichten einschliesslich der Kindererziehung. Der Landbriefträger. «Ich glaube, ich muss während der Sommermonate eine Hilfe bekommen. Es dauert manchmal bis 8 Uhr abends, bevor ich die ganze Post durchgelesen habe. » Schlagfertig. « Aber Kurt, du willst 5 Rappen haben, um Bonbons zu kaufen ? Bist du denn nicht schon viel zu alt dazu ? » « Gut, Tante, gib mir 10 Rappen, dann kauf ich mir Zigaretten ! » Bei der Arbeit « Herr Professor ! Herr Professor 1 Im Nebenzimmer brennt es !.» « Warum stören Sie mich da ? Bin ich denn im Nebenzimmer ? » Sport-Herbst in Lugano Sportfreunde, besucht Lugano! 31. August: Sotvweiz. Schwimm • Meisterschaften. Nautische 14. September: Kilometer lance für Automobile: Schweiz. Meisterschaft. — Leichtathletik-Wettkämpfe. Spiele am Lido. 6.— 7. September: Grand Prix für Motorräder: Bund um den 20.—21. September: Internationales Land-Hockey-Turnier S. Salvatore 22.—27. September: Internationale Tanzwoche. Eleganz- und Schönheite-Konkurrenz. 6.— 7. September: Auto-Gymkhana und Automobil-Sohönheits-Wettbewerb. 28. September: Motorboot- und Motorjacht-Rennen. Schweiz. 7. September: Fussball: Beginn der Sohweiz.Moistersohaften. Meisterschaft. 13. September: Venetianischcs Seeuachtlest. Prunkfeuerwerk, 6. Oktober: Internationales Tennis-Turnier. 12.—17. Oktober: Golf-Woche. Strandbad Lugano Lido Foto H. Rüedi Programme, Auskünfte und Werbeschriften kostenlos durch das öffentliche Verkehrsbureau Lugano. Madame wird freudig" überrascht sein, wenn Sie Ihr eine elektrische y3uIk'Cla& «baut für jihraehnUlangen präzisen Gang schenken. Unter unsera 80 Luxusausführungen finden Sie gewiss einige, die gerade zu Ihrer Salonausstattung passen werden! Dürfen wir Ihnen nähere Auskunft erteilen? 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N°70 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE HDaOE EDEOQ Die Flucht in die Wirklichkeit. Alle die nachstehend ski^ierten Steckbriefe junger Damen sind, wenn man will, ein kleiner Roman aus dem Leben der heutigen Gesellschaft. Junge Mädchen und Frauen, in der « guten Stube » aufgewachsen, kultiviert, gebildet, von Haus aus darauf trainiert, ans Leben gewisse Ansprüche zu stellen, empfinden aus äusseren und inneren Auch eine der modernen jungen Damen, Miss Laura Ingalls aus St. Louis (Missouri), die kürzlich ihren eigenen Rekord gebrochen hat. indem sie 980 «Looping the loops» hintereinander ausführte, und zwar 4M Loops in der Minute. Ihr alter Rekord betrug 630. Miss Ingalls beabsichtigt nun über den Atlantic nach Europa zu fliegen. Gründen die Nötigung zum Umsatteln. Vorurteile haben sie nicht. Am Lebensstandard der « Dame » liegt ihnen nicht so viel, dass sie sich wie eine frühere Generation junger Mädchen darauf einlassen wollten, auf den Mann zu warten, der ihren Ansprüchen genügt. Sie stammen alle aus teils reichen, teils sehr wohlhabenden Familien, an denen die wirtschaftliche Zerrüttung nicht spurlos vorübergegangen ist. Alle diese im « N. W. J.» erschienenen Briefe haben den Vorzug, dass sie durchaus nicht erfunden sind. Jane, die Privatsekretärin. Sie ist hübsch, spricht ein halbes Dutzend Sprafchen, musiziert, hat die Extravaganz wissenschaftlicher Neigungen und sieht mit achtzehn Jahren das elterliche Vermögen von einer Bankenkrisis dahingerafft. Aber zweierlei Kapital besitzt sie noch: ihre Bildung und ihre Verbindungen. Sie trägt sich einem Grossindustriellen als Sekretärin an, wird akzeptiert, ist nun die rechte Hand ihres Chefs, arbeitet täglich so lange als er, nämlich vierzehn Stunden. Und nimmt es heute amüsiert zur Kenntnis, dass es eine Weltanschauung gibt, die «Kampf um den Achtstundentag» heisst. Sie hat keine "Weltanschauung, aber sie will es im Leben zu etwas bringen. Und dazu muss man tädich mindestens vierzehn Stunden arbeiten. Da der Tag vierundzwanzig hat, bleiben immer noch ein paar. Stunden, um auch Privatpassionen nachzugehen: eine halbe Stunde Tennis oder Schwimmen, Lesen eines Buches, Anhören eines Vortrages, ab und zu zwei Stunden in der Oper und ganz selten so ein richtiges Weekend, wie es ihre kleine Stenotypistin ha!t. Befragt, welche Lebensfasson sie wählen •würde, wenn ihre Eltern nicht verarmt wären, sagt sie, zwischen dem gleichzeitigen Diktieren eines englischen und eines jugoslawischen Geschäftsbriefes: «Als reiches Mädchen hätte ich eewiss nur den einen Wunsch, mir mein Brot verdienen zu dürfen. Jetzt muss ich es — das ist der ganze Unterschied, und übrigens ein amüsanter ...» CFEP/SX 6EBTTHE Die neuen jungen Damen von Welt handlung N. und ja keiner andern zu decken. «Ich bin nämlich», sagt sie, «dort Kommis ...» Erni macht Hüte. Wieder einmal ein Vater, der Bankdirektor ist. Das heisst: war. Das Vermögen geht verloren. Erni rang nicht lange die Hände, sondern besuchte einen Modistenkurs. Dann treibt sie Geld auf, übrigens winzig wenig, und eröffnet einen dementsprechend winzig kleinen Modistenladen. Zwei Jahre dauerte es, dann konnte ;sie in einen grösseren übersiedeln, und heute hat sie, immer noch ein junges Mädchen, das man dem Aussehen nach mit ihrem hübschesten Lehrmädchen verwechseln könnte, den Ruf, eine der schicksten Modistinnen der Stadt zu sein. Dazu half ihr ausser Geschmack und einer gewissen künstlerischen Veranlagung eine unter Frauen besonders seltene Begabung: die, schöne Frauen schön anziehen zu können. Es ist eine Fähigkeit zur Selbstentäusserung, die nicht jede besitzt. Aber Erni macht es Spass, andere Mädchen und Damen so hübsch zu machen, wie sie es selber ist. Sie fühlt sich für das Aussehen ihrer Kunden sozusagen verantwortlich. Das geht soweit, dass sie einer mit einem unvorteilhaften Hut in ihren Laden tretenden Dame einen schöneren lieber schenken würde, ,als sie mit dem scheusslichen Deckel wieder fortgehen zu lassen. Uebrigens hat sie es seit langem schon nicht mehr nötig, ihre Hüte wegzuschenken. Und wenn sie sehr schlecht schläft, träumt sie ihren «Angsttraum»: dass der Papa Bankdirektor seine Bank und sein Vermögen wieder zurückgewonnen hat und seiner Tochter Erni nahelegt, den unstandesgemässen Modistenladen aufzugeben. Die Chauffeuse. Dem jungen Mädchen Paula bleibt vom elterlichen Vermögen nichts als eine Perlenschnur. Die verliert sie, und mit diesem Verlust gründet sie sich eine Existenz. Jetzt hat sie nämlich ear nichts mehr als ein paar für eine brotlose junge Dame unbeträchtliche, aus besseren Zeiten stammende Fähigkeiten: sie interessiert sich für Maschinen und Das Fräulein Doktor. Ist Tochter eines Industriellen, dessen Vermögen auf die in den letzten Jahren üblich gewordene Weise in nichts zerrann. Das Fräulein Doktor — zwischen achtzehn und vierundzwanzig hat sie, damals rein zum Spass, Philosophie studiert — hat die Verarmung nicht zur Kenntnis genommen. Sie ist ein weltkluger Mensch, vielleicht nicht ganz herzlich, aber eminent klug und auf durchaus scharmante Weise energisch. Und sie besitzt eine unter Frauen ganz seltene Fähigkeit; sie versteht sich mit einem Bankpräsidenten, einem Gelehrten, Künstler, Wirtschaftler, Politiker genau so gut wie mit dem Arbeiter, der bei ihr zu Hause das Radio installiert. Sie ist lebensneugierig, darum gibt es keine Situation, in der sie sich nicht sofort zurechtfinden würde. Und nun geht es in ihrem Leben wie bei Reinhardt zu: auch die kleinste Rolle wird mit einer ersten Kraft besetzt. Das Fräulein Doktor ist bemüssigt, sich ihr Brot zu verdienen. Sie liest spasseshalber ein paar Stellenangebote in der Zeitung, dann geht sie auf gut Glück in eine grosse Buchhandlung und bietet sich als Verkäuferin an. Warum sollte der «Dienst am Kunden» nicht einmal auch von einer wirklichen Dame und nicht bloss von einer nachgeahmten in Seidenstrümpfen versehen werden? Dem Ghef leuchtet das ein, er macht das Experiment. Beide sind zufrieden, und wenn das Fräulein Dr. phil. einen Bekannten aus früherer Zeit trifft, lädt sie ihn mit dem unbefangensten und reizendsten Lächeln ein, seinen eventuellen Bücherbedarf nur in der Buchzüchtet Hunde. Was beginnt man damit? Sie wirft er eine «ganz gewöhnliche» und nach allgemeinen Begriffen «hässliche» Frau-, gehabt die bei ihr ohnehin schwach ausgebildeten Vorurteile des Mädchens aus guter Familie über Bord, pumpt sich mit Energie das Geld auf ein übertragenes Auto zusammen und wird Chauffeuse. Wer sen: hat. Er äusserte sich darüber folgendermas* telephoniert, kann sie engagieren. Eine gute Chauffeuse und eine wirkliche Dame sitzt am Volant. An hübsch gewesen wäre, so wäre sie verdor- «Sie war aus einfacher Familie. Wenn: sie dreissigtausend Kilometer ist sie bis jetzt gefahren, auf Flirt ging kein einziger drauf. Sie ist braun, ben worden. Aber sie war, wie gesagt, ein gewöhnliches Mädchen und jede Selbstzufrie- gesund, frisch, unternehmend, vergnügt — und blieb eine Lady. Auch wenn ihre Lederjoppe mitunter nicht so sehr nach Chanel als nach Benzin eigen war, starb bald eines natürlichen Todenheit, jede Selbstsucht, die ihr als Kind und Schmieröl duftet.. Lob der „hässlichen" Frau Hässliche Frauen, das ist einer jener Ausdrücke, die gedankenlos gebraucht werden und die derjenige, der sie anwendet, mit nichts belegen kann. Man frage einmal einen Mann, was er sich unter dem Gegenteil einer schönen Frau vorstellt und man wird finden, dass die Antwort jedesmal anders lautet. Gerade in unserer Zeit ist der Begriff Schönheit noch problematischer geworden als eresbisher war. Wir, die wir gewohnt sind ebenso von der Schönheit eines griechischen Tempels, eines Rokokozimmers wie von der Schönheit einer Lokomotive und einer elektrischen Lampe zu reden, haben die Relativität alles Schönen erkannt und wir hüten uns, einen Menschentyp als allein-seligmachend schön zu bezeichnen. Uns ist mehr denn je der Begriff Schönheit mit Nützlichkeit verbunden. Der Einzelne aber kümmert sich selbst nicht um diese durch die Zeit bedingte Normung, sondern er schätzt an der von ihm auserwählten Frau Eigenschaften und Aussehen, die dem andern nichts sagen, die ihn vielleicht sogar abstossen. In diesem Zusammenhang ist das Lob eines Ehemanns zu erwähnen, der 20 Jahre lang ein ungetrübtes Eheglück genossen hat, und zwar seiner Meinung nach nur deshalb, weil Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich In O. R. Wagners CH Touring, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. S. BUCHS (St. G.) HOTEL BAHNHOF Bekannt für Ia. Küche und Keller. 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Grosse Gartenwirtschaft. des. Sie war nicht begehrt. Sie musste-, mit sich allein fertig werden. Sie las gute Büöher und machte sich im Hause nützlich, so dass sie sich solide Kenntnisse für eine wesentliche häusliche Sparsamkeit erwarb, während .ihre anziehenden Freundinnen ihre Nerven kaputt tanzten und dadurch alles das lernten,, was die wesentliche Bedeutung für die häusliche Disharmonie hat. Ich bin überzeugt, dass das kein Einzelfall ist. Beweismaterial ist genug vorhanden. Die Ehemänner, die sehr lebensüberdrüssig sind,--haben ganz sicher schöne Frauen. Denn die bittere Wahrheit ist,, dass die weibliche Schönheit selten von einer glücklichen, zufriedenen Seele begleitet ist; und eine Frau, die in bezug auf das Aeussere unzufrieden ist, ist es auch in bezug auf das Innere. Sie betrachtet es als ihre Lebensaufgabe, sich von ihrem Ehepartner Aufmerksamkeiten erweisen zu lassen. Sie wünscht dies, sie wünscht das, sie will häufig zum Tanz und andern Belustigungen geführt werden, eine Weigerung wird mit schlechter Laune beantwortet. Aber so ist die «gewöhnliche» Frau nicht. Sie ist nie tanztoll. Die Männer, die gern tanzen, haben sich nie um sie gekümmert, und sie ist also ihrem Einfluss entgangen, der im allgemeinen verblödend wirkt. Als Bewegung genügt ihr gesunder Sport, wie z. B. Tennis, oder sie macht lange Spaziergänge. Eine «gewöhnliche » Frau ist das einzig Richtige für das Zusammenleben. Der erste weibliche Schiffskapitän Die 21jährige Gudrun Troegstad hat jetzt in Oslo ihre Prüfung als Schiffskapitän mit Auszeichnung bestanden. Sie ist die einzige Frau, die bisher als Kapitän in die norwegische Marineliste eingetragen worden ist, und ausserdem ist sie der jüngste Schüler, der je an der berühmten Nautischen JSchule von Oslo sein Abschlussexamen gemacht hat Sie kann jedes Schiff befehligen, und zwar nicht nur auf den norwegischen Gewässern, sondern überall auf hoher See. Die nötigen Kenntnisse besass die Kapitänin, der die schmucke Seemannstracht vorzüglich steht, bereits mit 18 Jahren, aber da das Gesetz die Aushändigung der Kapitänspapiere erst nach vollendetem 21. Jahr gestattet, ' so musste sie drei Jahre lang warten. Die Eignung für den Seemannsberuf liegt ihr im Blute, denn sie stammt aus einem Geschlecht kühner Seefahrer; ihr Vater und Grossvater waren bekannte Kapitäne der norwegischen Handelsmarine. Schon als kleines Kind machte Gudrun weite Reisen mit ihrem Vater und war bereits ein «alter Seebär», als sie in die Nautische Schule aufgenommen wurde. Das blonde Mädel war bald in alle Geheimnisse und Schwierigkeiten der Navigation eingeweiht, und obwohl ihr Vater eigentlich der Ansicht ist, dass die Kommandobrücke eines Schiffes nicht der ganz geeignete Platz für eine junge Dame ist, muss er doch zugeben, dass seine Tochter ein «geborener Seemann» ist, der ein Schiff besser lenken und leiten kann als alle seine Offiziere» Die schönste Frau der Welt hat Pech. In New York machte kürzlich die Polizei eine aufsehenerregende Razzia in dem bekannten mondänen Variete und Vergnügunisetablissement' « Vanity », das dem Eaif: Carrol gehört Vier Girls wurden wegen unsittlichen Darbietungen verhaftet Auf 4er' Polizeiwache, als man die Personalien notierte, stellte sich heraus, dass sich unter xien 'Verhafteten auch Miss Abiberg befand; der auf der Schönheitskonkurrenz in Galvestont seinerzeit der Titel < Miss Univers"* zugesprochen worden war. Die Welt-Schönheitskönigin wurde dann immerhin gegen Siiellung einer Kaution wieder auf freien Fuss gesetzt. Die Polizei hatte übrigens die ~Rkzzia unternommen, weil sie erfahren hafte, dass in einem grossen Schwimmbassin-eine Nummer vorgeführt wurde, bei der die badenden Nixen in fraglichen Kostümen ihre Künste produzierten.