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E_1930_Zeitung_Nr.068

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN. Dienstag, 12. August 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang-. — N° 68 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb* Liste" Halbfibrllen FT. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sotera nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 89.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hob* Grandzetle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen ans dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseiatenschluss 4 Tone vor Erscheinen der Nummern , Spannende Gross Absoluter Klausenrekord neuerdings um 1 7,8 Sekunden herabgesetzt. — Chiron fährt mit 16.24,6 eine neue absolute Bestzeit und wird zum drittenmal Bergmeister der Schweiz. — 11 neue Klassenrekorde. — Unfreundliches Wetter beeinträchtigt am Samstag den Besuch und die gefahrenen Zeiten. Der Zürcher Keller Sieger bei den Tourenwagen. — Am Sonntag noch nie erreichter Massenaufmarsch von Zuschauern. — Sowohl Chiron als Stuck unterbieten den bestehenden absoluten Klausenrekord. — Caracciola verbessert seinen Sportwagenrekord um 30,8 Sekunden auf 17.04,6.— Trotz erhöhten Anforderungen glänzende Organisation. Hetzte Trainingstage. Wie unserem ausführlichen Trainingsbericht in der Freitagnummer zu entnehmen (war, litt das Training ganz allgemein unter der anormalen Witterung, welche in diesen Tagen die gesamte Wetterskala vom Schnee über Nebel und Regen bis zum selten gewordenen sommerlichen Sonnenschein durchlaufen hat. Die Möglichkeiten, die Rennstrecke zu studieren und sich mit all ihren kritischen Kurven vertraut zu machen, wurde dadurch zum Leidwesen von Organisatoren und Fahrern fühlbar begrenzt. Um so intensiver wurden die sich zum Training bietenden Gelegenheiten ausgenützt, und es muss den Fahrern als sportliche Leistung sehr hoch angerechnet werden, dass sie der Wetterunbill trotzten und sich einfach nicht unterkriegen liessen. Aber auch die in diesen Tagen gefahrenen Zeiten liessen nichts zu wünschen übrig. Sie waren im Gegenteil vielfach so glänzend, dass man ohne Gefahr der Uebertreibung mit der Verbesserung einiger Rekorde rechnen durfte. Selbstredend litt auch die Pass-Strasse unter diesem in Klausentagen so deplacierten Aprilwetter. Die aufgeweichten Fahrrinnen in dem Kurven, sowie die zahllosen Schlaglöcher auf dem Urnerboden, die alle zu kleinen widerwärtigen Wassertümpeln geworden waren, stellten Motorfahrer und Automobilisten vor eine schwere und vielfach ungewohnte Aufgabe. Trotzdem ereignete sich nur ein einziger Unfall, der aber glücklicherweise mit ausschliesslichem Sachschaden ablief. Der davon betroffene Automobilist hat sich aber mit wahrem Feuereifer an die Wiederinstandstellung seines Wagens gemacht und vermochte die Maschine auch wiederum soweit zu kurieren, dass er schon am Freitagabend noch eine Probefahrt unternehmen konnte. Die bekannten Grossen des europäischen Automobilsportes, welche zum Klausen angemeldet waren, hatten meistenteils frühzeitig in Linthal oder auf der Passhöhe Quartier bezogen und bald gehörten Stuck, Chiron, Stuber, Caracciola u.a. zu den alltäglichen Erscheinungen im Linthaler Btrassenbild. Zu ihnen gesellten sich bald auch Rosenstein, Nuvolari und Lepicard. Aus dem Schweizerlager rückten Keller, Gebr. Kessler, Zwimpfer, Dr. Karrer, Escher, Freuler, Obi, Schnyder und als einzige einheimische Damenfahrerin Frl. Münz ein. Erwähnt seien auch die prominenten Vertreter des Motorradsportes, wie Ceresole, Martinelli, Gugolz, Oilter, Hänny, Zehnder, Lang u.a.m., die sich mit grossem Entrain ihrer Trainingsaufgabe widmeten. Eine eigentliche Sensation bildete in Linthal der Besuch des Molsheimer Konstrukteurs Ettore Bugatti, der mit einer einzigartigen Luxuslimousine « Hausmarke » schon am Freitag eintraf. Sein Sohn sass am Steuer eines zweiten Bugatti, und in Begleitung der Prominentesten der Bugatti-Familie wie Chiron, Escher, Dr. Karrer, wurde der Pass einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Natürlich hatte auch die Organisation, welche in wochenlanger, uneigennütziger Arbeit von einem weitverzweigten Komitee unter der Leitung von Herrn Hch. Hürlmiann als Präsident, dem Herr Dr. Schmidlin als Adjunkt zur Seite stand, vorbereitet worden war, rechtzeitig eingesetzt. Mit der unprogrammässigen .Witterungsänderung wurde an die Organisatoren erhöhte Anforderungen gestellt, denen sie aber durchwegs und flott gerecht wurdem. Die Wagen-Abnahme. or Sie fand wie üblich Samstagmorgen, und zwar getrennt, d. h. für die Motorräder in Linthal und für die Autos in Glarus, statt. Wie immer waren die technischen Abnahmekommissionen, die für die Autos unter der gegen 9 Uhr losging. Während der Abnahme selbst bot sich ausgezeichnet Gelegenheit, die Maschinen etwas näher in Augenschein zu nehmen. (Ueber die technische Ausbeute berichten wir im «Motorrad» vom 13. August.) Zur Abnahme erschienen nicht: Nazzaro, Bon, Clark, Alfter, Muff, Gobetti, Spitz, Suter, Grell; Stärkte, Frasinetti, Faust, Debaisieux, der in den Klassen der 350 ccm und 1000 ccm gemeldet war, führte, nur die Ein berühmtes vierblättriges Kleeblatt, von links nach rechts: Chiron (Bugatti), zum drittenmal Bergmeister der Schweiz; Stuber (Bugatti), der beste Schweizer Fahrer; Gestenreicher (D.K.W.), der einen neuen Klassenrekord aufstellte, und Stuck (Austro-Daimler), der die zweitbeste Tageszeit fuhr. (Photo: Automobil-Revue.) Leitung von Ing. Brüderlin, diejenige für Motorräder unter der Aufsicht von R.Haag stand, frühzeitig mobil. Doch dauerte es geraume Zeit, bis sich die ersten Konkurrenten zur «Aufwartung» meldeten. Zahlreiche Ehrengäste nahmen an diesen Vorarbeiten regen Anteil und stellten dort den ersten Kontakt mit Offiziellen und Fahrern her. Der Zentralsitz des A.C.S. war durch Herrn Zentralpräsident Dr. Mende, die N.S.K. durch die Herren Decrauzat und Töndury vertreten. Vertreter ausländischer Sportverbände benutzten die Gelegenheit, um die Auslese an Automobilsportsleuten, welche sich hier Rendezvous gaben, für kommende sportliche Veranstaltungen in ihren Ländern zu interessieren. In Linthal wickelte sich die Abnahme der Motorräder ebenso reibungslos ab. Die meisten Konkurrenten hatten es sich allerdings nicht nehmen lassen, den ersten trainingsfreien Tag' etwas zum Ausschlafen zu benützenL so dass eigentlich der .«Betrieb» erst grössere seiner beiden Monet-Goyon vor, und Carmine startet nur in Klasse 1000 ccm, Seitenwagen, dagegen nicht in Klasse 500 ccm Solo. " . Hochbetrieb am Klausen. Das ganze Tal, von Glarus bis nach Linthal hinauf, hat es mit dem Rennfieber zu tun gekriegt. Auf den Plätzen und Strassen der Kapitale des Kantons steht neugieriges Volk in Knäueln, harrend der Dinge, die da kommen sollen. Motoren brüllen der Strasse entlang; die «Automobil-Revue» findet reissenden Absatz. — Grossen des Volants und Koryphäen aus dem A.C.S. auf Schritt und Tritt, offizielle Wagen, «gewöhnliche» Wagen, Autos aus aller Herren Länder und ein gewaltiger Park vor dem Generalquartier, dem Glarnerhof. Auch die Einheimischen hat das Klausenrennen gepackt: neugierige, aber durchaus wohlwollende Blicke verfolgen dich auch im kleinsten Dorf. Ja, sogar die Verkehrspolizei fehlt nicht und waltet ihres Amtes mit Würde und Gemessenheit. www Ein Wort nur zur Organisation-: sie ist wiederum würdig eines Klausens. Ganz wie man sich's an diesem grössten Bergrennen unseres Kontinents eben gewöhnt ist. Reibungslos funktionierte der gewaltige Apparat! jeder Mann stand auf seinem Posten. Signa^ lisierung der Kurven, Strecken- und Parkplatzdienst der Zürcher Polizei und der Feuerwehren, Sanitätsposten, Boschhprnanlage, Lautsprecher und Zeittafeln — das ganze vielgestaltige Räderwerk lief wie geölt. Kein Mangel, kein Versager, keine Stockung. Einmal mehr hat das Organisationskomitee ganze, vorbildliche Arbeit geleistet. Und so ganz zufällig kam es nicht, dass das Samstagrennen schon um 4% Uhr beendigt war, anstatt, wie vorgesehen, erst um 6 Uhr. Flott hat man die Sache wieder «geschmissen». Dass der Samstag noch nicht mit 2nschauermassen aufwarten würde, stand zu erwarten. Der Besuch durfte sich aber sehr wohl sehen lassen, wenn man das nicht eben einladende, hinlänglich unsichere Wetter mit in die Rechnung einbezieht. Schwarz wimmelte es um den Start herum und eine dichte Menge säumte die ersten Kurven. War's auch am Ziel oben, das der zweifelhafte Sommer mit 10 cm Neuschnee bedachte, weniger gemütlich, so sammelte sich doch auch hier eine ansehnliche Schar Unentwegter, ganz abgesehen von den Offiziellen, von den Leuten sder Presse, die sich, wohlgeborgen in ihrem «Shell-Heim», durchaus behaglich fühlten, sintemalen ihnen die Trübseligkeit «draussen» nicht viel anzuhaben vermochte. Das Rennen vom Samstag. Punkto Wetterregie so unerfreulich, wie nur selten. Während ein frostiger, kalter Regen unerbittlich und dauernd rieselte, zogen schwere Nebel und Wolkenbänke, wenig Gutes verkündend, gegen die Passhöhe hinauf. Von droben war bereits Kunde gekommen, dass bis weit hinab zur Vorfrutt alle Hänge mit einem winterlich anmutenden weissen Teppich überzogen waren und die Strasse in ihrem letzten Abschnitt bis zum Ziele von einer 10 cm hohen Schicht Neuschnee befreit werden musste. Nachdem der Schlusswagen die Strecke passiert hatte, hellte es zusehends auf, ja wir erhaschten bei der Abfahrt sogar einige Sonnenstrahlen, die wir gerne als gutes und freundliches Omen für den kommenden Sonntag, den Haupttag, deuten. Die Konkurrenz der Tourenwagen. umfasste laut Nennliste 26 Startende, von denen allerdings drei nicht am Start erscheinen, während der Rosengart des Genfers Markiewicz zu den Rennwagen versetzt wurde. Eingeleitet wurde das Rennen darch die Zwergklasse der 500—750er, die interessanterweise von Jahr zu Jahr stärker beschickt wird. Gleich hier schwingt ein Schweizer Fahrer, der Graubündner Buchwald, obenaus. Er hat seine eigene, letztes Jahr aufgestellte Bestzeit um beinahe zwei Minuten verbessert und landet in der für solche Kleinkaliber fast unglaublich kurzen Zeit von 22.52,8 oben am Ziel. Er verweist damit den nächstbesten Mainzer Weichelt auf einen deutlich distanzierten 2. Platz. Schon die 1500-ccm-Klasse sollte die Entscheidung des Tages bringen. Der Zürcher Keller, der an andern, von ihm bestrittenen Rennen immer einen ehrenvollen Platz einnahm, brachte die Strecke in 21.06,8 hinter sich. Das Resultat wurde auch von seinem Markenkollegen, dem alten Routinier J. Kessler, nicht mehr unterboten, und so blieb der junge Zürcher Klassensieger. Es gelang aber keinem der folgenden Konkurrenten mehr, an dieser Zeit etwas-au rütteln, so dass diese als uabetrittene