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E_1930_Zeitung_Nr.072

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18 AUTOMOBIL-REVUE

18 AUTOMOBIL-REVUE 1930 - N° 72 Kleine Merkmale Von Ralph Reger. Ferdinand hatte sich längst vorgenommen, bei seiner alten Freundin einen höflichen Besuch zu machen. Nun läutete er — «tatsächlich>, wie er bei sich konstatierte — und trat ein. Er wurde gleich empfangen. Sophie hatte sich kaum verändert, fand er, und beiderseits wurde alles getan, ja keine jener lastenden und vielsagenden Pausen im Gespräch eintreten zu lassen, die der Schrecken jedes Wiedersehens sind. verschwunden. Obwohl man ihre Ueberreste nicht fand, nahm man mit Bestimmtheit an, dass sie im Feuer umgekommen wäre. Man verständigte einige Verwandte, die das Anwesen erbten und ein neues Wohnhaus auf der Brandstätte errichten wollten. Bei den Ausschachtungs-Arbeiten fand man in der Nähe der Farm einen Friedhof und die Skelette von fünfzehn Männern. Die Polizei erliess daraufhin zwar einen Steckbrief, aber man fand die Frau nicht, und glaubte weiterhin an ihren Tod. Die raffinierte Verbrecherin lebte aber. Sie hatte ihr Haus selbst in Brand gesetzt, um die Behörden zu täuschen, denn sie hatte vermutet, dass ihre Verbrechen schon in nächster Zeit entdeckt werden würden. Sie siedelte nach der Stadt Laport, wo sie ein ruhiges und sorgloses Leben führte, da sie ja genügend Kapital zur Verfügung hatte. Als sich dann noch ein wohlhabender Mann in sie verliebte und sie heiratete, schien ihr Glück vollkommen. Jetzt endlich hat man die greise Mörderin entdeckt. Durch einen Zufall kam ein amerikanischer Detektiv, der damals den Fall bearbeitet hatte, nach Laport. Er sah die Greisin, sie kam ihm bekannt vor, und da er ein glänzendes Gedächtnis besass, entsann er sich, dass sie die verschwundene Frau Pfeil sein müsse. Er Hess sie verhaften und sagte ihr auf den Kopf zu, dass sie vor langen Jahren zahlreiche Männer ermordet und ausgeplündert habe. Nach anfänglichem Leugnen brach die alte Frau zusammen und legte ein Geständnis ab. Sie konnte sich noch genau jedes einzelnen Falles erinnern und schilderte alle Details ihrer Verbrechen. In einigen Wochen soll ihr nun der Prozess gemacht werden, von dem sich ganz Amerika eine Sensation verspricht. Glaubt man doch, dass die Zahl der Ermordeten weit grösser sein wird, als man bisher angenommen hat. noch, du willst es noch wissen?! Wie sonderbar! und — wie schön!» «Fährst du mit mir zur Stadt, Ferdinand?» «Aber gewiss, gerne.» — Es war schon kalt drausaen. Der Garten mit seinen grossen, kahlen Bäumen und dem dürren Laub, das vom Septemberwind gegen das Haus geblasen wurde, bot ein seltsam trauriges Bild. «Nicht wahr, der Herbst ist traurig dieses Jahr,» sagte Sophie und lehnte sich dabei mit flüchtiger Bewegung an Ferdinand, der, wie früher stets, ihre schöne, nackte Hand ergriff und verstehend drückte. Der Wagen stand da. Sophie wollte auch heute selber fahren, und Ferdinand setzte sich lächelnd neben sie. Leise schaltete die junge Frau die Gänge, und leuchtenden Auges beobachtete der Mann, wie sie sich, als der Wagen im direkten Gang losfuhr, etwas tiefer setzte, nach hinten lehnte, sich gleichsam hinter das Lenkrad kuschelte wie sie es einst immer getan hatte, als sie in seinem kleinen gelben Wagen chauffieren lernte. Da konnte er nicht an sich halten — und sagte es ihr. Wohl fürchtete er einen Augenblick, zu weit gegangen zu sein, aber ihr vergeltender Händedruck, der echte Dank ihrer Augen beruhigten ihn und erfüllten ihn mit gewaltig anwachsender Freude. — Acht Tage später fand Ferdinand eine Einladung zu einer «Reunion» in Sophies Hause bei sich vor Ȧls er den Salon betrat, schienen schon alle Gäste versammelt. Er wurde vorgestellt; seines erst kurzen Aufenthaltes in der Stadt zufolge war er Es wurde der Tee gemeldet. Ferdinand entschuldigte sich; er hatte nicht erwartet, dass zu so frü- ihres Gatten: eine freundliche, liebe Gattin. Ihr erst wenigen Familien bekannt. Sophie am Arm her Stunde aber Sophie hörte kaum hin. Sie Mann, der Direktor, begrüsste Ferdinand mit gleichmütiger Höflichkeit: es war ein beinahe über- erzählte von ihrem Gatten, der viel auf Reisen sei und dem die Geschäfte nur selten Zeit Hessen, seinen ehelichen Pflichten nachzukommen. Ja, wahrlosem, gutherzigem Wesen. Ohne eigentlich gesellgrosser, leicht ergrauter Bankmann, von harmhaftig, so sagte sie! schaftlich interessiert zu erscheinen, gab er sicn'lebhaft, übergeschmeidig und ersetzte durch eine' ge- «Die Receptions>, fuhr da Sophie fort, «sind doch nicht zu umgehen, und oft ist es sehr unangenehm, wenn Walter unversehens abreist, dass gewissen lächerlichen Eindruck leicht aufkommen wisse Beweglichkeit in Formen, die übrigens eftien man alles rückgängig machen muss.» liess, seine geistige Spröde. Ja, Ferdinand begriff das. Eben verneigte er sich vor Laura, die, einstmals «Du nimmst Honig zum Toast, Ferdinand, immer noch?» einem Gymnasialprofessor in die gleiche Stadt ge- Sophies Pensjonsfreundin, durch ihre Heirat mit «Immer noch.» zogen war wie Sophie, und der gegenüber Walter «Und morgens Butter?» — das nämlich war der Name des Gatten, wie sich «Morgens Butter.» jetzt Ferdinand plötzlich erinnerte — immer einen Ferdinand fühlte eine leise Röte auf seiner leicht burschikosen Ton anschlagen zu müssen Stirn. «Sophie,» dachte er, «du weisst das alles glaubte. Rekord der Rekorde. Nach einer New Yorker Meldung hat der Rekord der Brüder Hunter, die bekanntlich drei Wochen ständig in der Luft blieben, zu einer wahren Seuche von verrückten Dauerrekorden geführt. So verharrte ein 14jähridass das Bewusstsein unserer Liebe und Zusammengehörigkeit eine Art Leitung zwischen uns bildete, auf der jene Botschaft zu mir gelangt war. Eilig verliess ich mein Hotel und ging durch den Park, denselben Weg, den ich in jenen schönen Junitagen gegangen war, als ich Julianna am Denkmal getroffen hatte. Sie wissen ja, was das gestern für ein finstrer Abend war. Als ich bei der Reihe von Bäumen, die meinem Hause gegenübersteht, angelangt war, erschien es mir daher kaum nötig, mich im Schütze der Sträucher zu halten. Die Bogenlampen warfen die Schatten der schwankenden Aeste auf das Pflaster; das Rauschen des Windes erstickte jeden Schritt. Die Strasse schien menschenleer; nur ab und zu kamen grosse Staubwolken heruntergewirbelt, die wie gigantische, gespenstische Fussgänger vorüberzogen. Ich sah ein mattes Licht durch die Vorhänge ihrer Fenster schimmern; das ganze Haus bot ein Bild des Friedens, als berge es hinter seinen Mauern Glück und Behagen und die Ruhe einer friedlichen Familie. So täuscht uns die Aussenseite der Häuser! Als ich eben dachte, da gewahrte ich auf meinem Beobachtungsposten unter der breiten Eiche, die ihr Laub noch nicht verloren hatte, dass ich nicht der einzige Mensch war, den das Licht hinter den Vorhängen interessierte. Kaum hundert Schritte von mir entfernt stand eine Gestalt und lugte hinter einem Laternenpfahl hervor nach dem Fenster. Sie trug, wie mir schien, eine über das Gesicht gezogene Mütze, und der Kopf bewegte sich auf dem dünnen, gebeugten Körper fortwährend hin und her. Dann und wann jedoch unterbrach sie diese wunderliche Bewegung, um wieder nach dem Fenster hinaufzublicken. Die Gestalt war einem Affen ähnlicher als einem Menschen. Ferdinand stand im Gespräch abseits und beobachtete gleichmütigen Gesichts die Gruppe. Sophie blickte mit scheuem Seitenblick zu ihrem Gatten, dann zu Laura, die gerade etwas Spöttisches auf dessen Anrede erwiderte — und nun richtete sie ihre Augen auf Ferdinand. So viel Verängstigtes, Rührendes und um Entschuldigung Bittendes lag in diesem kurzen Blick, dass er sich abwenden musste, wollte er nicht vor sich selber den Vorwurf der Unzartheit hinnehmen. Und später Walter am Büfett: «Nicht wahr, mein Kind, Kaviar mit weissem Burgunder, glänzend, was», und er schob ihr einen vollen Teller vor. (Ferdinand stand, wirklich zufällig, dabei.) «Ach ja, wie nett von dir,» antwortete sie und vermied diesmal, zu Ferdinand zu sehen. Aber wenig später beugte sie sich zu ihm und nahm mit spitzen Fingern, ohne ihn anzusehen, ein kleines Stück Braten aus seinem Teller, trank rasch einige Schlucke Rotwein — wann hatte sie je Burgunder getrunken! dachten die beiden — und verschwand. Die Musik begann im grossen Salon eine lustige Melodie — einen Marsch wohl oder ähnliches. Laut klang es und unbekümmert, ganz danach, als ob alles, alt und jung, zum Tanze gezogen werden sollte. Und danach sollte es wohl auch klingen. Es verstand sich von selbst, dass der Herr des Hauses mit seiner Gattin den Ball eröffnete. Die Gäste sahen eine Weile zu: «Ein gut aussehendes Paar.» Wahrhaftig. Und man konnte sich •wohlfühlen in diesem Hause. Aber als Sophie im spätem Abend Tango tanzte — da war es immer und immer Ferdinand, der sie führte. Er hatte es vorerst schlau einzurichten gewusst, dass er immer, wenn einer ihrer Lieblingstänze gespielt wurde, an ihrer Seite stand, sich leicht vor ihrem Gemahl verbeugt, der sich dann mit einem halb erleichterten, halb ängstlichen «bitte» verabschiedete. Und als gegen Mitternacht ein weicher «english walts» dem gedämpften Orchester entstieg, da entfernte sich Sophie rasch, flüsterte ihrem Gatten etwas von «Küche mal nachsehen» zu, und stand schon in der dunkeln Ecke heim Chemine'e neben Ferdinand, der wortlos mit ihr zu tanzen begann und ihr bei jeder weichen Drehung in die dunkeln Augen sah, die in verheissender Glut erglänzten. Ich bin kein Feigling. «Hier ist endlich etwas Greifbares,» dachte ich. «Ich breche mein Wort nicht, das ich Julianna gab, wenn ich diesen Burschen, wer immer er sei, dingfest mache und ihn zu einer Erklärung zwinge.» Ich tat ein paar Schritte vorwärts, aber schon hatte er mich bemerkt. Aus meinem Benehmen und der Art meines Standortes mochte er sofort schliessen, dass ich ihn beobachtet hatte; denn mit einer raschen Wendung verschwand er in dem Gesträuch, vor dem er stand. Dass das Wesen furchtsam war wie ein Hase, ist ausser Zweifel; es stiess einen Laut aus, der mehr ein Quietschen war als ein Schrei. Im nächsten Augenblick war ich hinter ihm her, mich durch das Gestrüpp zwängend, in das er mit einer geschmeidigen Körperbewegung geglitten war. Gleich darauf stand ich wieder auf freier Wiese. Aber der Mann war verschwunden. Fortsetzung folgt. ger Junge in Kansas City 140 Stunden auf einem Baum, während Dutzende von Jungen und Mädels im gleichen Alter nicht weit hinter diesem « Rekord » zurückblieben. In New Jersey fuhren vier Bengels auf einem (!) Fahrrad 9 Tage lang; sie hörten erst auf, als das Rad in Stücke zerfiel. In St. Louis starteten vier Männer, die mit einem Auto rückwärts nach New York und wieder zurück nach St. Louis fahren wollen. « Salon de beaute für Tiere.» Der Tierkosmetik wird in Amerika ganz besonders grosse Aufmerksamkeit geschenkt Es gibt da in New York einen höchst mondänen Schönheitssalon, den «Variety Dog & Cat Beauty Parlor> in der 50. Strasse, dessen Besitzer in geradezu mustergültiger Weise alle einschlägigen Spezialprozeduren an den Lieblingen vornehmen und diese aof den Glanz herrichten. Will man hier den Augenbrauen seines Hündchens durch Ausrpfen der Haare die moderne, schmale Linie geben, so kostet das einen Dollar. (Früher wurden dafür drei Dollar verlangt, aber bei den jetzigen Zeiten muss man mit den Preisen schliesslich heruntergehen.) Für Dauerwellenbehandlung muss man aber noch immer fünfzehn Dollar bezahlen, während der Preis für Shampoowaschung von der Länge der Haare und der Arbeitsdauer abhängt, lahnreinigung stellt sich auf zwei, Pfoten- oder Krallenpflege auf einen Dollar. Der Schönheitssalon, der alle diese Behandlungsarten und Preise offeriert, erfreut sich eines ungeheueren Zuspruches. Es gehört zum guten Ton, sein Tierchen dorthin zu bringen, da sämtliche Kino- und Theaterlieblinge Kundinnen sind: Gloria Swanson kommt regelmässig sechsmal im Jahre mit ihrem grossen, schönen Schäferhund und zahlt fürs Shampoonieren allein fünfzehn Dollar; allerdings hat dieses prachtvolle Tier besonders lange Haare, die schwer auf gleich zu bringen sind. Auch die sagenumwobene Peggy Joyce mit ihren 25 Griffons zählt Herr King zu seinen ständigen Kundinnen. Da Katzen wegen Rheumatismusgefahr niemals gewaschen werden dürfen, hat Herr King, der Besitzer, für sie ein besonderes Trockenreinigungsverfahren eingeführt, das er streng geheim hält. Die Formel dafür hat er von Sali Slaymuai bekommen, dem Hauptwärter der geheiligten siamesischen Katzen. Herr King ist übrigens der Ansicht, dass die kosmetische Behandlung für einen Hund oder eine Katze ungefähr dreimal soviel verschlingen kann, wie die Schönheitspflege für eine Frau. Welch schreckliche Belastung für einen Amerikaner, der eine mondäne Frau za erhalten hat samt Luxushündchen und Katze! Speisen nach Wahl des Kellners. In Paris ist jetzt ein feines Restaurant eröffnet worden, in dem es keine Speisekarte gibt, und der Gast auch nicht selbst die Gerichte bestellt, sondern essen muss, was der Kellner ihm bringt. Mag er noch so grossen Appetit auf Rührei mit Schinken haben, er muss es sich gefallen lassen, wenn ihm statt dessen ein Ragout aus Froschschenkeln oder einige Weinbergschnecken vorgesetzt werden. Aber die Kellner, in deren Gewalt er gegeben ist, sind keine gewöhnlichen dienstbaren Geister, sondern sorgfältig ausgewählte Kenner der Kochkunst, die dem Gast die wundervollsten Speisenfolgen zusammenstellen. Der Schöpfer dieser gastronomischen Stätte geht von der Anschauung aus, dass die Zusammenstellung einer Mahlzeit eine Kunst ist, für die es besonderer Kenntnisse und reicher Phantasie bedarf. Alkoholfreier APFELWEIN iMfcrari k/efesken ners Nicht verwechseln mit Mineralwasser-Limonade! Fröhliches Badeleben im Sonnenlande = Neues Strandbad = OFFIZIELLES VERKEHRSBUREAU

N°72 — 1930 AUTOMOBIL -REVUL 19 DDEDP HDU0E JLFDQX^EJ Was bringt die Mode? Erste Streiflichter Bereits im August werden die neuen flerbstmoden in Paris vorgestellt, wie in ein jrosses Schwimmbassin werden sie geworten, man verfolgt mit Spannung, was sich aber Wasser hält, was untersinkt. Nur langsam tastet sich die neue Mode, die sich auf der alten aufbaut, vorwärts. So hat sich folgerichtig entwickelt, was dem Laien wie aus den Wolken gefallen erscheint. Die Silhouette ? Bleibt schlank, allen Verbreiterungen zum Trotz. Die Körperformen werden herausmodelliert ? Ja, um dann mittels raffinierter Einzelheiten, Stoffenden, Cape- und Boleroteilen wieder verwischt zu werden. Das Kleid lang ? Am Tage halblang. Am Abend bis zu den Knöcheln, aber die lange Linie wird durch Draperien, gekreuzte Volants, Falten und Fältchen, durch zahllose vertikal und horizontal laufende Biesen, ja sogar durch Tuniken unterbrochen. Das sportliche Genre ? Wird in seine Grenzen verwiesen. Der Rock bleibt kurz, Blusen aus dünnem Leder und schottische Muster sind Neuheiten. Die Schleppe ? Wird nur eine Ausnahme sein, kein© Regel. Für die Strasse ? Bleibt der Mantel im Glockenschnitt über dem Rock, bleibt das Jäckenkostüm, nur ist die Jacke länger als im Sommer. Die hohen Pelzkragen werden etwas abgebaut, dafür verbreitern sich die Pelzrevers, verlängern sich die Pelzmanschetten, steigen die Pelzbesätze den Mantel hoch. Flache weiche Pelze werden verarbeitet, neben grauem und braunem Hermelin viel Breitschwanz, viel Astrachan und ihre Imitationen. Strassenmäntel aus beige oder orange Tuch werden mit dunklem Pelz beschwert, man liebt Farbenkontraste. Hüte? Kappen aus weichem. Samt, oft ist der Samt ganz gezogen. Die schwarze Mode ? Es findet ein Sturmangriff gegen sie statt. Man führt andere dunkle Farben ins Treffen, so dunkel, dass sie abends für schwarz gelten können. Diese dezerrten Töne — rabenblati (früher kannte man nur rabenschwarz), dunkelgrün, tiefbraun, bordeauxrot — werden, wie früher die schwarzen, durch weisse oder beige Besätze aufgelichtet. Aus der Tendenz, die Taille schmal erscheinen zu lassen, wurde der weite Aermel geboren, werden Pelerinen und Boleros in komplizierter Weise verändert. Es wird nicht einfach ein Cape oder ein Bolero zugeschnitten, sondern Teile davon sind so cachiert, dass man sie erst bei genauem Hinsehen erkennt. Diese Effekte können durch ein verbreitertes Revers, einen verlängerten Schal entstehen; zuweilen setzt sich die Garnitur der Taille rückwärts bis über den Rock fort. Die Taille ? Bleibt hoch, entweder bezeichnet sie einen Gürtel oder einen Züsammenschluss von Falten. Die Mode bleibt asymmetrisch — Symmetrie ist in der Mode jetzt gleichbedeutend mit Langeweile — die Taillenhälften werden also verschieden dargeboten und was der Taille recht ist, das ist dem Rock billig: auch hier ungleiche Hälften, die eine Seite trägt die Stoffülle, die andere geht leer aus, einseitige Raffungen und Tunikaenden sind nichts Seltenes. Wo sich auch der Faltenreichtum breitmacht, vorn, hinten oder an der Seite, eine Stelle des Körpers bleibt von ihm unberührt : die Hüften. Die Stoffe am Tage? Neben gemustertem Tweed, Cheviot und Jersey, glatte, weiche Wollstoffe. Am Abend ? Darf man die Phantasie wieder aufleuchten lassen, sind die Gewebe reich und anscheinend schwer, im Grunde wiegen sie nur leicht : Georgette, Moire, Satin, Damast, Lame, Samt, viel Samt, der nicht mehr transparent, sondern kräftiger gehalten ist. Abendliche Farben und Schmuck ? Wurde der Schmuck bisher zur Toilette abgestimmt, so schlägt die Mode jetzt den umgekehrten Weg ein : der Stoff wird in der Farbe von Edel- oder Halbedelsteinen eingefärbt, es werden also bei festlichen Anlässen bernsteingelbe, rubinrote, türkisblaue, korallenrote, saphirblaue, smaragdgrüne Nuancen zu sehen sein. Unsere modernen Cellinis werden vor besonders lockende Aufgaben gestellt. Die Mode hat gesprochen, das heisst noch nicht, sie hat befohlen. Jede Frau muss die Quote ihrer eigenen Persönlichkeit in die Tade die gegenteilige Absicht verfolgt und die Verhässlichung geradezu zu einer Kunst ausgebildet hat. Dieses Land ist Tibet. Wenn die Frauen nach unserm Schönheitsbegriff dort schon an und für sich nicht gerade von der Natur reich ausgestattet erscheinen, so tun sie noch alles Erdenkliche, um sich absichtlich zu entstellen. Sie beschmieren nicht nur ihre Gesichter mit einem rötlich schwarzen Puder, der aus Blut und Pflanzen hergestellt wird und nicht besser riecht als er aussieht, sondern sie bringen sich ausserdem noch auf ihren Backen grosse schwarze Flecken an, besonders stark an den Schläfen. Diese eigentümliche Entartung der herrschende Mode einbeziehen. Eines schickt Mode, die das Gesicht der Tibetanerin zu sich nicht für alle, obgleich die Modejournale einer grässlichen Mask© verunstaltet, soll uns das so gern glauben machen möchten. vor vielen Jahrhunderten von den Dalai- Lamas ©ingeführt worden sein, um di© Tugend der Ehefrauen zu befestigen. Das Kunst der. .. Schwärzen des Gesichtes ist nämlich nur Verhässlichung den verheirateten Frauen vorbehalten, und sofort, wenn ein Mädchen heiratet, muss es Während in zivilisierten Ländern die Da-aucmen Millionen und Milliarden dafür ausge- beschmieren. Die Priester erklärten, dass sein Gesicht mit dem russigen Schmutz ben, um sich zu verschönern, gibt es eindi© Schönheit einer Frau zum wahren Glück Land, in dem das weiblich© Geschlecht ge- in der Ehe ungeeignet sei, dass es sündhaft Auch eine Modebetrachtung Mode August 1929. Mode August 1930. sei, wenn Frauen, die bereits einen Mann gefunden haben; ihre Reiz© zur Schau stellen und dadurch in andern Männern böse Gelüst© erregen können. Die Ehefrauen in Tibet verzichten daher auch auf jeden Schmuck, auf jede Kleidung, durch die ihr© Formen hervorgehoben werden könnten. Sie tragen gewöhnlich eine Art Umhang aus dunklem dickem Stoff und hüllen sich in dies© Gewänder so, dass hässliche Falten entstehen. Di© Ehesitten in Tibet sind, wie all© Forschungsreisenden berichten, sehr verschiedenartig. Es gibt Gegenden, in denen die Frauen dem Manne, den sie sich gewählt haben, unbedingt treu bleiben müssen und in denen daher besondere Hässlichkeit als Schutz gegen jede Verführung gilt. In andern Gegenden aber wechseln die Frauen unbedenklich die Männer und haben mehrere Gatten. Besonders besitzen mehrer© Brüder häufig nur eine Frau. Trotzdem wird auch von diesen Damen verlangt, dass sie in ihrer Erscheinung recht unscheinbar auftreten, denn der Tibetaner hegt stets di© Furcht, dass die Frau, di© ihm gehört und dient, die begehrliche Aufmerksamkeit Fremder erregen könne. AROMATISCH, MILD TIQUE,SAVOUREUX ATSCHAR Engelgasse 9 i. stock Wald Fischstube zum WEISSEN KREUZ im Toggenburger Stil Butterküche Spezialität: Lebende Bachtorellen, Hechte, Fischfilet und Blaufeichen. Thomas Meyer-Funk. Schönste rAnstlujjsort des Zürcher Oberlandes. — JBanern > Spezialitäten. Vorztlgl. Küche. Reelle Weine. Bleu renoviert. Telephon 722. H. EIHOLZER. Im Restaurant „Oertll" Meilen (Zürich) 910 m ü. M. Gasthaus z. Lauf GÜGGELI-WIRTSCHAFT Zwischen Meilen und Obenneilen, an der Seestrasse gelegen. Fortwährend warme und kalte Güggeli in feinster Zubereitung. Butterküche. 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