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E_1930_Zeitung_Nr.076

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag. 9. September 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 76 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlieh -Gelbe Liste« Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Porto*tnchlag, «olern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern EisenbahnerzurAutokonkurrenz - Vor wenigen Tagen trafen sich 900 Fachmänner aus allen Erdteilen zum diesjährigen internationalen Eisenbahnkongress in Madrid, um die vielen Fragen der Gegenwart und Zukunft auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens miteinander zu diskutieren. Dabei ist ganz klar, dass auch die Eisenbahn- und Automobilkonkurrenz zur Sprache kommen musste. Man hat über dieses Thema nach uns zugekommenen Berichten in eingehender und ausgiebiger Weise diskutiert. Ueber das Ergebnis der Diskussion darf man nicht verwundert sein. Die Eisenbahnfachmänner kamen zum Schlüsse, dass die heute unbefriedigende Lage für die Eisenbahnen als das Ergebnis eines ganz ungleichen Kampfes zwischen Auto und Eisenbahn bewertet werden müsse. Die Eisenbahn sei an weitgehende gesetzliche Verpflichtungen und schwere volkswirtschaftliche Rücksichten gebunden. Der Automobilverkehr dagegen sei frei. Ungleiche Lasten, ungleiche Rechte, sowie allerhand öffentliche Ansprüche hemmen die Bahnen, troztdem sie sich auf das moderne Verkehrsleben umgestaltet und zu durchgreifenden Reformen gegriffen hätten. Die Kongressvertreter fassten daher die ihnen gutscheinenden Beschlüsse. Sie gingen darin einig, dass Konzessionserteilungen an Automobillinien nach Ortschaften, die bereits mit einer Bahn verbunden seien, abzulehnen wären, sofern der Autoverkehr keine besonderen Vorteile zu bieten vermöge. Der Ausflugsverkehr durch die Bahnen sei intensiver auszugestalten. Die Zusammenarbeit von Bahn- und Automobilbetrieb für rascheren Warentransport, eventuell von Haus zu Haus, sei auszubauen. Die Zugsanschlüsse, der Fahrplan, die Gepäckabfertigung von Haus zu Haus müssten verbessert werden. Die Stückgüterabfertigung sei durch eine schnellere Beförderungsart zu reformieren. Der Behältertransport müsse einzuführen versucht werden. Im fernem seien die starren Tarifgesetze für die Bahn zu mildern und Sonntagszüge zu ermässigten Fahrpreisen in weitgehender Weise zu organisieren. Diese Beschlüsse liefern wohl den eindeutigen Beweis, dass kraft des Automobilismus in unseren Eisenbahnverwaltungen neues Leben erwacht ist. Wir wissen dies übrigens aus den Anordnungen und Bemühungen unserer Schweizerischen Bundesbahnen. Zur FEUILLETON Die blaue Wand Von Richard Washburn Child. Antarisierte Uebersetzunjr aus dem Amerikanischen von Lisa Landau. (Engelborns Romanbibliothek.) (31. Fortsetzung) Der windgepeitschte Regen fegte noch immer durch die Strasse unter dem schillernden Schein der Bogenlampen dahin; mein Auto stand noch immer wie verloren und vergessen am Fahrdamm. Nach der einen Richtung hin bot der Ausblick in die regenfeuchte Strasse ein so lebloses Bild wie eine gemalte Dekoration auf einem Bühnenvorhang. Als ich aber den Blick nach der entgegengesetzten Richtung wandte, erschrak ich nicht wenig. Jenseits des Eisengitters stand ein Schutzmann. Vom Welteisenbahnkongress 1930. Er war da stehen geblieben, um, wie es schien, eben diese Tür, hinter der ich mich befand, zu beobachten. Ich konnte seine beiden nackten Hände auf der eisernen Barriere erkennen. Sie kamen gross und derb aus dem nassen, glänzenden Gummimantel hervor, der seine behäbige Gestalt umschloss; er hatte sie aufgestützt und wiegte sich gemächlich hin und her. Mir schien, als überlege er, wie er jetzt vorzugehen habe; und ich glaube, jetzt zum erstenmal begriff Belebung des Güter- als auch des Personenverkehrs leisten sie heute das Menschenmögliche; an Zuvorkommenheit und geschäftlichem Sinn fehlt es nicht mehr. Heute kann man von den Bahnen haben, was man will. Die Tarife haben bereits ihre Starrheit verloren; Staffeltarife sind zur Geltung gekommen, zu geschäftlichen Abschlüssen sind die Verwaltungen stets gerne bereit. Wir können mit all diesen Vorkehren nur einverstanden sein. Einverstanden mit den Bahnen sind wir aber in dem Augenblicke nicht mehr, da sie glauben, das Automobil durch Zwangsbestinrmungen in seinen Auswirkungen schädigen zu können. Es gibt hier nur die eine klare Einsicht, dass die Volkswirtschaft die bestmöglichste, rascheste, zuverlässigste und billigste Beförderung zur Verfügung haben muss. Hat das Automobil hierin gegenüber der Eisenbahn Vorteile zu Kürzlich ging durch die Presse die Notiz, dass anlässlich der Generalversammlung der ostschweizerischen Verkehrsvereinigung auch von der Wallenseestrasse gesprochen wur« de. Es soll bei jenen Verhandlungen die Mitteilung gemacht worden sein, dass die Ausarbeitung der Projekte für eine Wallenseestrasse in vollem Fluss sei und ihre Fertigstellung wahrscheinlich noch dieses Jahr erfolge. Es ist eigentümlich, wie still es sonst um die Wallenseestrasse geworden ist, nachdem eine Zeitlang die Gemüter recht heftig aufeinanderplatzten und ein lebhaftes pro und contra für die verschiedenen Projekte einsetzte. Die ganze Sache scheint uns aber doch zu wichtig, als dass man sie auch nur für kürzere Zeit einschlafen lassen könnte. Eine Sanierung der Strassenverhältnisse im Gebiete des Wallensees ist eine dringende Notwendigkeit. Seien wir uns klar, dass die Strassenverbindung Zürich-Chur von internationaler Bedeutung ist, nicht nur ein Teilstück einer schweizerischen Durchgangsstrasse, sondern auch als ein wichtiger Bestandteil einer internationalen Durchgangsroute angesprochen werden muss. Der Verkehr, der sich denn auch heute auf dieser Strasse besonders in den Sommermonaten abwickelt, ich, während ich dastand und hinausspähte, bis zu welchem Grad unsere Phantasie durch das Bewusstsein einer Schuld und durch die Freude an Abenteuern gesteigert werden kann. Ich bemerke das, weil ich nämlich in dem Augenblick, als ich glaubte, jetzt müsse er direkt auf mich zukommen, gewahrte, dass mir nicht seine Vorderseite, sondern sein Rücken zugekehrt war, dass er die Hände nach hinten hielt, und dass er sich nur einen Augenblick gegen das Gitter gelehnt hatte, vielleicht um sich das grüne Arztabzeichen auf meinen Autolaternen näher anzusehen. Im nächsten Moment duckte er den Kopf wieder unter dem peitschenden Regen und verschwand, weitergehend, im Dunkel der Seitenstrasse. Es war mir klar, dass ich keine Zeit zu verlieren hatte. Ich war aufgehalten worden; Margaret Murchie konnte sehr bald wieder zur Besinnung kommen. Und doch — während ich Estabrook ein Zeichen gegeben, während er mir wortlos gehorcht hatte, und während ich mich in angespanntester Erregung befand, kam mir weniger die Erfordernis des Augenblickes, als die seltsame Komik unserer Situation zum Bewusstsein. «Fassen Sie sie um die Knie,» gebot ich, und ihn dann leise beim Arm nehmend, fügte ich hinzu: «Estabrook — merken Sie wohl! verzeichnen, so liegt es im Interesse unseres wirtschaftlichen Blühen und Gedeihens, dass dieses wichtige Hilfsmittel in seiner Hilfsarbeit nicht geschädigt werde. Wir können und dürfen den Automobilismus nicht in die starren Fesseln der Eisenbahn einzwängen. Vermögen die Eisenbahnen ihre Bilanzen nicht auszugleichen, so haben sie da einzusetzen, wo wirklich noch etwas zu holen ist. Mit dem Rationalisieren dürfte es allerdings sein Bewenden haben. Dagegen ist es nicht gesagt, dass man im Ausbau des Transportmaterials, der Stationen und Bahnhöfe sich eines allzu grossen Luxus befleisse. Zudem hat wohl das gesamte im Dienste der Bahnen stehende Personal kein Interesse daran, dass dieser öffentliche Wirtschaftskörper durch eine zu eingeengte Arbeitszeit und durch ein vielfach zu weitgehendes Lohnregulativ zu stark belastet werde. Wir müssen den Finger leider immer wieder auf diese Stelle legen, solange man von Bahnseite .aus versucht, durch Fesselung des Automobilverkehrs sich kleinliche Vorteile ergattern zu wollen. D Wo bleibt die Wallenseestrasse? ist ein ganz enormer. Für diesen Verkehr ist die heutige Kerenzerbergstrasse mit ihren reichlich' engen Kurven und ihrer nicht sehr grossen Breite tatsächlich ungenügend. Die Glarnerische Regierung hat nun allerdings Kredite bereitgestellt, um den Ausbau dieser Strasse mächtig zu fördern, und zum Teil sind auch die schlimmsten Stellen einer recht erheblichen Verbesserung unterzogen worden. Durch diese Verbesserungsarbeiten aber ist das Projekt einer Wallensee-Uferstrasse noch nicht hinfällig geworden, denn um dies zu erreichen, hätte die heutige Kerenzerbergstrasse in noch viel grosszügigerer Art und Weise ausgebaut werden müssen. Ob dies zweckmässig gewesen wäre, ist freilich eine andere Frage. — So etwas geschieht in einer Hauptstadt des zwanzigsten Jahrhunderts!» Er gab keine Antwort, denn die alte Dienerin, deren aufwärts gerichtetes Gesicht eine tüchtige kalte Dusche vom Dachsims her bekommen hatte, begann jetzt unter leisem Stöhnen die Arme zu bewegen. «Rasch,» gebot ich. «Lassen Sie sie los und öffnen Sie den Wagenschlag. Das übrige besorge ich.» Wortlos gehorchte er. Ich schleppte das beträchtliche Gewicht meines Opfers, wenn man es so nennen will, weiter und beförderte es in das Innere unseres Wagens. Estabrook hatte seinen Platz auf dem Chauffeursitz schon wieder eingenommen; die Maschine ratterte und wir flogen auf dem nassen, glatten Pflaster davon. Beim Aufblitzen einiger Lichter erkannte ich, dass Margaret Murchies Augen nicht mehr bewusstlos starrten. «Margaret,» begann ich, «Sie sind gut aufgehoben. Seien Sie vernünftig. Da vorn sitzt Mr. Estabrook.» Sie schüttelte sich krampfhaft, als wollte sie den letzten Rest der Betäubung loswerden. Dann packte sie mich beim Aermel. «Ach, es ist zu schrecklich,» jammerte sie. «Nu haben Sie mich von meiner Julie weggeholt! Bringen Sie mich wieder zurück zu EVSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Erinnern wir uns, dass in erster Linie zwei Projekte für eine Wallenseestrasse einander gegenüberstehen, und zwar 1. dasjenige für den Bau einer Strasse am Nordufer, und 2. dasjenige für den Bau einer Strasse am Südufer des Sees. Für beide Projekte sind sehr gewichtige Gründe ins Feld geführt worden, und die Befürworter des einen wie des andern haben auch nicht hinter dem Berg zurückgehalten, um die Nachteile des jeweiligen Gegenprojektes besonders hervorzuheben. Sicher ist, dass sowohl der Ausbau der einen wie der andern Seeuferstrasse grosse Vor- und Nachteile besitzt. Bei welchen Projekten ist dies aber nicht der Fall ?, Für die linksufrige (Südufer) Strassenfüh-» rung bestehen, soviel uns bekannt ist, heute schon drei Projektvarianten. Ob dies für die» Lösung der ganzen Frage von Vorteil ist» dürfte recht zweifelhaft sein. Je mehr Projekte entstehen, sei es nun für die Nordoder Süduferstrasse, umso weniger rasch wird eine definitive Lösung zu erwarten sein. Uns scheint es viel wichtiger zu sein, dass man sich überhaupt in nächster Zeit für ein Projekt entschiiesst, und dasselbe zur Ausführung bringt, denn an der NotwendigkeäS einer direkt dem See entlang führenden, gtrU ausgebauten und dem heutigen Verkehr ge-» recht werdenden Autostrasse zweifelt sicher niemand. Weil dieses Strassenstück, wie win eingangs schon erwähnten, von internationaler Bedeutung ist und hineingehört in das Netz der grossen europäischen Durchgangsstrassen, darf nicht mehr länger gezögert werden um den Ausbau der Wallenseestrasse, sei es nun auf diese oder jene Art* möglichst rasch in Angriff zu nehmen. Lr« Güterstrasse oder Durchgangs^ strasse über den Pragel? Ueber die Frage des Baues einer Güter» strasse als Vorläufer der Prageistrasse haben wir uns in Nr. 35 ausgesprochen und da-» mals mitgeteilt, dass bis zum Herbst fertige Pläne für den Bau der neuen Strasse, die das Muotatal mit dem Klöntal und damit auch Schwyz und Brunnen mit Glarus verbinden würde, vorliegen werden. Wir erhalten nun von einem Mitglied der Sektion Schwyz des A. C. S., das über die neuesten Vorbereitungen für den Bau der Prageistrasse orientiert ist, die nachstehenden Ausführungen : «Die Oberallmeind-Korporation Schwyz hat, wie den Lesern der « A.-R.» bereits, bekannt sein dürfte, das Studium einer Güterstrasse über den Pragel an die Hand genommen. Am 21. Juli abhin fand eine Begehung des für die Strasse in Frage kommenden Geländes und eine Aussprache über den Kostenvoranschlag und die Verteilung von Bau- und Unterhaltskosten etc. statt, wobei die Oberallmeind als Initiantin, sowie der Bezirk Schwyz, die Genossamen Muotatal, Ingenbohl und Sattel als Interessenten vertreten waren. Die Strasse würde, wie bekannt wird, nA-> nimal 8600 m lang, 3 m breit und wäre mit genügenden Ausweichstellen, Kehren und Ueberbrückungen zu versehen. .Die Erstel- ihr — hören Sie ? Sie und Mr. Estabrookl Ja, was wollen Sie denn eigentlich von mir?»: «Immer Ruhe,» entgegnete ich. «Wir wollen, dass Sie uns alles sagen, was Sie wissen!» «Ich soll Ihnen das sagen? Nach all den! Jahren? Und ich* hab' doch keine Schuld —> und sie erst recht nicht!» Dann begann sie sich wieder aufzuregen* «Bringen Sie mich nach Hause!» schrie sie. «Sie wissen ja nicht, was Sie tun! Bringen Sie mich zu meiner Julie! Sie braucht mich vielleicht sehr nötig!» «Nehmen Sie doch Vernunft an,» sagte ich eindringlich. «Wir müssen jetzt Klarheit in die Angelegenheit bringen. Sie müssen alles erzählen — alles, von Anfang an bis zu Ende!» > Sie blieb ein paar Augenblicke still, indes wir der Nordseite der Stadt zufuhren. «Es ist schrecklich,» begann sie endlich wieder. «Aber nun soll's auch genug davon sein! Es war schon mehr, als ich aushalten konnte! Es is nu Zeit, dass ich davon rede! Wenn Sie, wer Sie auch sind, und Mr. Estabrook zuhören wollen, dann sollen Sie alles; erfahren — die wahrhaftige Wahrheit —• alles bis auf den Grund, was ich selbsf weiss!» «Schön,» erwiderte ich. «Und jetzt fahren wir in meine Wohnung.» (Fortsetzung im «Äutler-Feierabenä>.J