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E_1930_Zeitung_Nr.076

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20 AUTOMOBIL-REVUE

20 AUTOMOBIL-REVUE 1930 - N" 76 Feuilleton: Die blaue (Fortsetzung von Seite 1 Aus war's mit meiner Erziehung! Vaters Schwester hatte eine Familienpension in London. Ich war zu der Zeit bei ihr zu Besuch; und als unser Rechtsanwalt herausgefunden hatte, dass keinerlei Versicherung da war, weder eine für Vater, noch fürs Schiff, noch für die.Ladung, da musste ich gleich am nächsten Morgen anfangen, der Tante im Hause zu helfen. Die Arme! Sie hat sich ihr Leben lang abgequält mit Staub und Schwaben und so gewissen Paaren, die ohne Ausweis Zimmer bei ihr mieten wollten; und dabei ist ihr Merz hart geworden; Als sie starb, hinter Hess sie den grössten Teil der achttausend Pfund einer Hellseherin und Kartenlegerin, die sie schon seit zehn Jahren Woche um Woche ausgeplündert hatte. Ich nahm eine Stellunng als Gesellschafterin bei einer alten Dame an, die nach Odymi in Ungarn reiste. Da war's,, wo mir ein Arzt, der zufällig meine nackten Arme gesehen hatte, klar machte, dass ich mich, wo ich doch so kräftig war', ausgezeichnet als Masseuse für eine Badeanstalt eignen würde; und dabei sei 'ne Menge Geld zu verdienen. Na, ich war froh, dass ich von der alten Dame weg konnte. Ich hatte nicht viel für sie übrig gehabt, war oft grob und ungeduldig mit ihr geworden und alle Augenblicke hatte es einen Zank gegeben. Freilich, mit der Zeit wird man geduldiger; das können die Herren glauben! In dem Badehaus lernte ich dann Frau Welstoke kennen. Sie war eine schlechte Person, eine von der ganz schlechten Sorte, weil man's zuerst nämlich gar nicht merkte, und bis man dahinter kam, hatte man sich an ihre Teufeleien so gewöhnt, dass man für alles, was sie tat, 'ne Entschuldigung fand. Ja, dass einem das, was sie gestern Schlimmes getan hatte, heute nichtig erschien und man schon wieder für morgen was Neues von ihr erwartete. Hauptsächlich heilte sie allerlei Krankheiten durch Auflegen der Hände; und das beste, was man dabei von ihr sagen kann, is, dass sie nur die Reichen ausplünderte und keine Patienten annahm, die sich nich wenigstens fünfzig Pfund für ihren Hokuspokus und ihre Schnurrpfeifereien leisten konnten. Sie redete immer in sehr sanftem Ton mit den Leuten, die sie in ihrem Netz hatte! Wand des Autler-Feierabend) Ueber das Fluidum der Lebenskraft und von dem Einfluss positiver und negativer Ströme auf die Herzklappen und die Blutzirkulation. ich mein junges Gesicht wegwandte von allen Männern, gerade als ob die guten, feinen und die schlechten aus demselben Holz geschnitzt wären. Als wir mal in Paris waren, da Hess sie mich in ihre Karten sehen, und komischerweise war das gerade, als wir durchs Bois fuhren, wo es so viel elegant gekleidete Leute zu sehen gab, dass man nur immer Sie schlug die Augen gen Himmel und klagte, wie diese Behandlung, die darin bestand, dass sie einer Person die Finger an diehingucken wollte. Schläfen und Handgelenke legte, sie an- «Es is ein rechtes Malheur, Margaret,» meinte sie da, «dass unsere Berühmtheit uns immer schon voranläuft. Hier in Paris ist's dasselbe wie in Wien oder Rom — wir haben viel mehr Patienten, als ich behandeln kann. Ich kann doch meine Hände nicht zwei Narren zugleich auflegen; und da ich nun mal strengte; und anfangs glaubte ich, ihr wär's ernst damit, und wenn sie das gute, alte mütterliche Gesicht abwandte, dann lachte ich gar manches Mal über sie. Aber als ich dann sah, wie es ihren Patienten besser ging, und sie schliesslich ganz geheilt wurden, da hörte ich auf zu lachen, denn da waren Beweise, die sich nicht wegleugnen Hessen. Ob sie nun wirklich die Macht hatte, zu heilen oder nicht, ich war' nicht fortgegangen von ihr. Ihr Einfluss war wie eine langsame Fäulnis, und der Keim dazu sass in einem schon tief drin, eh* man noch recht merkte, dass es an der Zeit war, sich dagegen zu wehren. Zuerst war ich nur im Privatleben ihre Zofe; und vor den Leuten, die wir überall trafen — in Paris, Wien, Berlin, Monte Carlo, und wo wir sonst noch waren, — da galt ich für ihre Tochter, die aus New York zu ihr gekommen war. Mir konnt's gleich sein; ich bezog ein feines Gehalt und lebte nobel und merkte wohl, dass Mrs. Welstokes Name und Beruf ihren reellen Wert hatten. Das alles war natürlich lang, ehe ich noch den Herrn Richter gekannt hab'.. Vorläufig war ich in der Lehre, und ich merkte, wie leicht man zu Gelde kommen kann, durch ein paar Mätzchen hier und ein bisschen Er- fühlten den frischen Lebensstrom, und gingen dann heil und vergnügt ihrer Wege, wo sie Amerikanerin von Geburt bin, was ich dirvorher, eh' sie zu uns gekommen waren, nie gesagt habe — so tut mir's immer leid, wenn ich seh', dass mir fünf Dollar «vorbeigehen», wie wir drüben sagen.» «Zu schade,» meinte ich, «aber da ist doch nichts zu machen!» «Na,» sagte sie, «das weiss ich doch nicht so geau! Umsonst hab' ich dich nicht zu meiner Tochter gemacht. Und ich denke dran, dir die Patienten zu übergeben, die ich nicht behandeln kann.» «Mir!» ruf ich erstaunt. «Sie wissen doch ganz genau, dass ich die Gabe nicht hab'!» Da lehnte sie sich zurück in die Kissen, so dass sie beinahe Midget, ihr Schosshündchen, zerquetscht hätte, und warf den Kopf zurück und lachte, aber ihr natürliches Lachen, das so derb war wie von einem Fischweib, und ganz verschieden von dem zierlichen Gekicher, das man von ihr hörte, wenn jemand dabei war. «Die Gab© ? > wiederholte sie. « Menschenskind! Als ob ich die ,Gabe' hätte! pressung da, und dadurch dass man beiWenn ich ihnen meine Hände an ihre albernen Köpfe lege, ist's gerade so gut, als ob ich Gelegenheit die eine Gesellschaftsklasse mit der andern bekannt machte. Mein Gewissen sie auf einem mit Sand gefüllten Nadelkissen war leicht zu beruhigen, wenn ich sah, wie in der Sahara ruhen liesse ! » die alte Abenteuerin tatsächlich so manchen « Und die gelungenen Kuren ? » fragte ich armen Teufel heilen konnte, der an Schlaf- und guckte vorsichtig aus, ob der Kutscher losigkeit oder Rheumatismus litt, und deruns auch nicht zuhörte. Geld wie Heu dafür ausgab. Und dann war auch die Alte furchtbar nett zu mir, wenn ich mir den Grund auch nicht erklären konnte; sie passte aber auf wie ein Schiesshund, dass ich nicht irgendeinem Manne begegnete, der mir nachstellte. Ja, sie redete mir so viel vor von der Gemeinheit der Männer und den Schrecken der Ehe, dass ich schliesslich alles glaubte, was sie sagte, und dass ßei dieser Frage hörte sie auf zu lachen und macht© ein ganz ernsthaftes Gesicht. « Manch liebes Mal, wenn ich mich abends zu Bett lege, denk' ich selbst drüber nach », sagt sie dann und streichelt meine Hand. « Wie ich diese Heilungen fertig bringe, das weiss ich ebensowenig wie du! Aber das weiss ich gewiss, dass ich selbst nichts dazu tue. Nein ! Ich glaub', es liegt an ihrem eignen Willen. So ein bisschen Hokuspokus bringt sie dazu, dass ihr Geist den Körper zwingt —, gerad so wie im Gegensatz dazu die Furcht vor Schwäche schon Schwäche selbst wird. « Ja, Kind, so dreht sich die Welt in der Runde ! > Was sie da gesgt hat, das hab' ich niemals vergessen können. Schon aus dem einen Grunde nicht, weil ich es selbst beobachten konnte, das mit der «Suggestion». Denn wenn ich mit der Behandlung der Patienten anfing und ihnen all die Flausen vormachte, und sie knetete und strich und sie auch noch dazu kriegte, dass sie reichlich zahlten, da wurden viele wirklich besser und sagten, sie Aerzte und Bäder und weiss Gott wie viel Medizin ganz umsonst gebraucht hatten. Ich hab' sehr viele gekannt, die sogar darauf geschworen hätten, dass die Tochter der berühmten Welstoke mehr Heilkraft besass als die berühmte Welstoke selbst, und darunter waren reiche und sehr gebildete Damen, die manchmal verschleiert in geschlossenen Wagen angefahren kamen, weil sie Angst hatten, dass ihr© Männer etwas davon erfahren könnten. Wenn sie dann di© vorgelegten Rechnungen nicht bezahlten, dann braucht© man ihnen nur mit 'nem Prozess zu drohen, und sie kriegten gleich einen furchtbaren Schreck und beeilten sich, uns zu schicken, was wir haben wollten. Es ist ganz seltsam, wie schnell ein Mensch neue Ansichten darüber annimmt, was recht und anständig ist, sowie er in ein© ander© Umgebung kommt. Und noch eines is seltsam — nämlich di© Tatsache, dass ich, die ich da bei Ihnen sitze, ich, die alte, abgearbeitete Haushälterin, einmal die elegantesten Kleider getragen und ein feines Leben geführt hab' und alles, ohne dass ich je einen Pfennig aus einem Erbteil oder von einem Liebhaber bekommen hätf ! « Es geht alles gut mit uns >, pflegt© Mrs. Welstoke zu sagen, « und alles wird so bleiben, so lang© du nicht so närrisch bist, auf solch einen heuchlerischen Kerl hereinzufallen, der von dir immer das Schlimmste glaubt und dabei selbst jedem molligen, blonden Frauenzimmer, dem ©r zwischen Benares und Buffalo begegnet, verliebte Augen macht. Nebenbei, meine Liebe, hat's unter der Bande noch nie einen gegeben, der nicht schnarchte. Denk' daran, und du bist gefeit! » (Fortsetzung folgt.) 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76 — 1930 AUTOMOBIL-REVUE 21 iSchlass «Seite der Frcta*.) Was durchaus nicht besagen will, dass ich empfehlen würde, elegante Frauen sollten zerdrückt und unordentlich herumgehen. Es ist aber ein gewaltiger Unterschied zwischen «gebügelt» und «geschniegelt», genau so wie zwischen gutem Schminken, das man sich gefallen lässt, und Malen, das qualvoll wirkt Genau solch ein Unterschied wie zwischen Wasserwellen und Ondulation. Mit anderen Worten: sie ertöten ihre eigene mögliche Persönlichkeit durch Uebertreibung und Verkünstelung all des, was notwendig ist, um sie wahrhaft elegant erscheinen zu lassen und bei aller Eleganz frisch und lebensfähig zu wirken. Uebrigens mag auch die Frau sein wie sie will, sobald ihr die natürliche TINY FIERZ Am Strand begann es, am Strand hat es sein Ende genommen. Inmitten sonnenbrauner, verbindlicher Menschen, zwischen Farben. Licht und tausendfältigem Schrei. Zwischen wichtigen Männern aus der Welt der polternden Ereignisse und «chmalschultrigen, zarten Dozenten, die salzlose Spässe mit Damen machten. Viele Meter abseits vom stärksten Trubel lag Anna Brest. Es war drei Uhr am Mittag, eine weisse Stunde. Als Schritte hinter ihr knirschten, ergoss sich lähmendes Erschrecken ihr ins Blut. Dann kehrte ihr rasch die etwas melancholische Sicherheit jener Frauen zurück, die eine lange Erfahrungskette darüber belehrt hat, dass sie vor Ueberraschungen sicher sind. Anna Brest hässlich zu nennen, wäre falsch oder Messe * sich zu dem geistlosen Schönheitskonservatismus bekennen, der Schönheit in der Variante eines klarlinigen, verantwortungsdurchätzten, nachdenklichen und mütterlich, hochgewachsenen Franenwesens nicht begreift. Aber vielleicht sind die weiblichen Möglichkeiten, hässlich zu sein, in des Mannes Augen vielfältiger, aus eine Frau zu ihrem Glück ahnt. Anna wandte sich, als die Schritte erstarben, zurück, und sah den Mann Alexander Moll, hager, fcnpferbraun, im weissen Sand hingeschleudtrt. ßie sah, da er höher lag als sie, gegen seine harten, glatten, glühenden Fussohlen, der Zehen enggegliederte Staffelung. Er trug um die Hütten ein leuchtendes rotes Trikot. Kurz vor dem Gesicht machten ihre Augen halt, zogen sich jäh zurück, schlössen sich leicht beunruhigt. Wohl geschah es, dass des Tages.oft Männer hinter ihr. um sie her lagen. Deshalb sann sie geschlossenen Auges unbeweglich dem Grund ihres Erschreckens nach. Dann sah sie plötzlich, ehe sie in den kurzen, fiebrigen Halbschlaf eines Sonnenbades im Mittag fiel, QREDI G'S GRAND CAFE ASTORIA Bahnhofstrasse ZÜRICH Peterstrassa Bündnerstube - Spezialitätenküche ^Autohandschuhe^ Herren- und Damenwäsche Reichhaltige Auswahl « n bedienen sich vorteilhaft im Vertrauenshans Spezialgeschäft für Unterkleider und Strumpfwaren Ungezwungenheit fehlt, was ebenso für ihre geistigen und körperlichen Eigenschaften, wie für ihr Aeusseres gilt, verliert sie enorm. Sie sollte stets so aussehen, dass sie ohne Todesqualen 1. sich niedersetzen, 2. im Bedarfsfälle laufen kann, 3. mit der Hand in die Haare fahren, 4. auf einen Stein treten kann (nicht nur auf Asphalt), 5. ihr Gesicht ein wenig nass werden lassen und 6. im Kino den Hut abnehmen darf, 7. die Handtasche auf den Schoss legen und 8. im Auto zu dritt auf dem Rücksitz sitzen kann, ohne in tausend Aengsten zu schweben, dass etwas aus der Form gerät und man aufhört, elegant zu sein. Im Gegenteil, es ist durchaus unelegant und unmondän, immer und ewig nur an seine tadellose Fassade denken zu müssen. wie in einem Guckkasten die mattgefärbten, sehr verkleinerten Bilder ihres Lebens. Hörte fern die Kurkapelle blasen und roch den Sand. Spröde, heiss und sonderbar. Dann summte tief in ihr eine Schlagermelodie, gegen die sie nicht ankonnte. Plötzlich stieg ihr der Verdacht auf. diese verschiedenen und unruhvollen Bemühungen seien eine List gegen sich selber, gegen das starke, durchdringende Bewusstsein, dass ein Mann hinter ihr liege, ein grosser, brauner, hingeacheuderter Mann mit leuchtendem Lendentuch. «List gleich Schwäche» definierte Anna schlicht und bezwang klopfenden Herzens den Wunsch, aufzustehen. Die Sonne ist der gute Gott, an den ich glaube, solange ich ihn fühle — im Winter bin ich mürrisch und gottlos», sprach eine Stimme hinter ihr rauh, halblaut, ein wenig nachlässig, halb in den Sand hinein. «Ja», sagte die Lehrerin Anna tief erschrocken, •und lag mit hämmerndem Blutschlag am Boden. «Wenn Sie Veilchenpastillen mögen, so fühlen Sie einmal in die linke Tasche meines Bademantels da.» «Nein — wirklich — ich esse nämlich keine Veilchenpastillen.» «Warum ? fragte der Fremde gedankenlos. Anna schwieg da, und es schien, als sei der Mann hinter ihr plötzlich eingeschlafen. Sie sah ratlos und gross, ohne ihre Lage zu verändern, in den Himmel, hielt eine Weile den Atem an. Ueber ihr durchschossen Vögel das Blau. Nun wehte Musik wieder herüber. Eine uralte Oper. «Fasching war's, und ich korrigierte Hefte», dachte Anna verwundert, «Januar-Ausverkäufe lockten mit bunten Tischen, ich habe mir den Griff an meiner Aktentasche reparieren lassen, und aus Mutter? Jacke schneiderte ich mir einen Rock. Am, Besenmontag aber, da schulfrei, war. sass Mutter I am Hauptbahnhol 1 HOTEL HOFER Neu renoviert. 50 Zimmer mit fliessendem Wasser. 75 Betten. Appartements mit Bad und W. C. Garage. — Zivile Preise. Besitzer: A. R. CÜSTER. GÜGGELI-WIRTSCHAFT im Restaurant „Oertll" Meilen Zwischen Meilen und Obermeilen, an der See- Btrasse gelegen. Fortwährend wärme und kalte Güggeli in feinster Zubereitung, Butterküche. Extra Speisesäli. Bequeme Zufahrt, grosser Autopark. — Der neue Besitzers Heinr. Oertli-Biirtecui, Telephon Meilen 328. •weiss und schweigend hinter der Gardine, eine einzige Anklage. Ich. Hieb und las Hölderlin. Später weinte ich.» Die Mädchen um Anna haben vieles gemeinsam mit ihr ohne das Unausgesprochene. Den strengen Scheitel, das grosse, .korrekte, zurückhaltende Gesicht, im Hintergrund den kühlen, morschen Dämon Mutter und die Spaziergänge manchmal zu sechsen, achten, einer nahegelegenen Mühle zu oder stundenlang Wanderlieder eingend durch den SWald. Hinter Anna knirschte leise der Sand. Sie zuckte auf, wandte sich zurück Welch edeläugiger Mann, wie strahlend, wie sehr nahe. Er sah überrascht ihr breites, zuverlässiges Gesicht, dessen grossporige, von der Sonne leicht ent- Es war drei Uhr nachmittags, sie lagen beide an der Sonne ... zündete Haut, das schüttere, glänzende Haar, bestürzte, verbindliche, rührende Augen, unter breiten, buschigen Brauen. Die Frau im Trikot da vor ihm, so wenig bekleidet wie die andern hier, war völlig angezogen. Daran änderten auch nichts die vollen, mattweissen Arme, die grossen. redlichen Zehen, die, ordnungsmässig beschnitten, offensichtlich nackt waren. Gefangen, ertappt und verstört saih sie ihm von unten herauf in die dunkeln, glänzenden Augen. Nun lösten sich ihre etwas fleischigen Lippen zögernd, in verlegener Eile dann, da es Gesetz der Wohlanständigkeit war, jetzt zu lächeln. Moll sah längliche, engstehende, starke Zähne. Aus dem Haarknoten löste sich eine grosse Nadel, fiel stumm ja den Sand. Da sprang Moll plötzlich ein grosses Vergnüjgen an. Er Hess sich Übergangsjos sehr geschmeidig ' zurückfallen und grinste fröhlich in den Himmel. Anna sass noch eine bestürzte Weile hoch, dann legte sie sich ebenfalls wieder zur Erde. Am Abend gingen Alexander Mall und Anna Brest am Strand auf und ab. Er trug einen hellen, hervorragend geschnittenen Mantel und die Frau eins jener Konfektionsstücke, die dem oberflächlichen Beschauer ein Gefühl von Solidität und guter Bürgerlichkeit vermitteln und die ein rascher Griff ins Material, der erste Regentropfen restlos entlarvt. Anna ging schwer von wortloser Ueberraschung. Hatte das Schicksal sich vertan, sie verwechselt mit einer der vielgewandten turniertanzenden Frauen ? Schon verloren an das gTOsse Intermezzo ihrer Tage, behielt sie noch die überlegene Maske dessen bei, der einen schlechten Scherz fürchtet. Doch schon bald im leuchtenden Dunkel des Strandes ergriff sie ein selbstaufgebender, unwiderstehlicher Mitteilungs drang. Ganz tief in ihr sagte etwas leise und atemlos entsetzt; «Aber Annal» Doch schon begann es aus ihr: «Ich bin neununddreissig Jahre und die Tochter des Studienrates Brest aus Dresden. Er starb, als der Krieg kam. Wir waren fünf Geschwister: Justus fiel vor Ypern, die Mädchen starben fa*t hintereinander an schläfrigen Zufällen. Manchmal abends tut mir das Herz weh. Aber Mutter lebt, ist stets krank und überlebt uns alle. Sie sitzt sehr gedunsen und ganz weiss im Fahrstuhl und fragt begierig nach allem draussen. Zu meiner Trauer empfinde ich weniger warm für eie. als ich sollte. Als ich mein Studium ...» Alexander Molls Interesse entschlief unter dieser langweiligen Biographie und wachte erst •wieder auf, als ein Mondstrahl auf Anna la«;. «So — oh», machte er nun erschrocken und nachträglich. Das sollte der Rollstuhlmutter, dem gefallenen Bruder, dem armen, aller Wahrscheinlichkeit nach sehr geplagten Fräulein überhaupt gelten. Dann gähnte er leise, aber Anna hatte ea gehört. Verzweifelt und beschämt ihrer Geschwätzigkeit wegen, die ihr nichts genutzt, ihm nichts vermittelt hatte, ging sie ebenfalls schweigend an seiner Seite. Seine Müdigkeit verflog, als er die Frau gross und breithüftig schreiten sah. Ein neues, merkwürdiges Wohlbefinden hüllte ihn ein, behaglich und vielversprechend, das den •prickelnden Reiseverliebtheiten normalerer Umstände kaum glich. Sie trennten sich mit einem festen Händedruck vor Annas Haus. Anna sass bis gegen Morgen auf der Bettkante, geschlossenen Auges. Bald, nachdem er sich von der Lehrerin verabschiedet, ging auch Moll ins Haus, setzte sich nieder und schrieb angeregt und köstlich belebt an seine Frau, Ditta Moll, über die Reise, den Strand, die Preise, und über eine Seite von Anna: «Diese Mädchen sind von tragischer Erloschenheit. Sie waren nie jünger als augenblicklich traid werden kaum merklich altern. Ihr bescheidener Standpunkt ist aus Eisen, lockt aber merkwürdigerweise den Mann nicht, ihn zu lookern. Diese Mädchen haben alles wie ihr: Zähne, Finger, Brüste und Haar; sie sind so nahe, dass man sie riecht, und dennoch erschüttern sie nicht. Es sei denn, unser Gemüt und ein Wunsch, gut und hilfreich zu sein, verpflichte uns. Di© Liebe ist ihnen eine abstrakte Vision, und da sie nichts wissen von ihr, wagen sie nicht, ihr die Einsamkeiten und Sehnsüchte ihres Bluts zur Last zu. legen. Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich In O. R. Wagners Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. S. 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