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E_1930_Zeitung_Nr.073

E_1930_Zeitung_Nr.073

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 29. August 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jahrgang. — N° 73 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Encheint Jeden Dienstan und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halb]ihrlleh Flr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoztttchlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postchecb-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Seitdem der Verkehr sich in ungeahnter Weise von der starren Schiene wiederum auf die während Jahrzehnten verlassene Landstrasse verlegt und mächtiges Leben auf letzterer zu pulsieren begonnen hat, drängt sich der Plan eigentlicher Autostrassen immer mehr in den Vordergrund. Die uns umgebenden Länder haben in grosszügiger Weise das Problem in Angriff genommen. Besonders fortschrittlich sind in dieser Beziehung die Italiener vorgegangen, die kein Mittel zu scheuen scheinen, um in den Besitz eines grossartigen Autostrassennetzes zu gelangen. In Deutschland arbeitet die Hafraba- Qesellschaft in verbissener Zielsicherheit der Realisierung des Problems entgegen. Sie sucht die vielen sich auftürmenden Schwierigkeiten zu beseitigen. Das Werk macht langsam seine Fortschritte. In der Schweiz ist das Problem einer grossen Autostrasse, welche Deutschland mit Italien verbinden sollte, am Kantönligeist vorläufig zerschellt. Hie Zürich! hie Bern ! war die Losung, und, der Schlusseffekt der, dass sich der Schweizerische Autostrassen- Verein umorganisieren müsste und heute seine Hauptaufgabe darin erblickt, unserem Lande ein gutes Strassennetz zu verwirklichen, ohne sich auf reine Autostrassen festzulegen. Wir wissen auch, dass beispielsweise im Kanton Bern das Projekt .einer angesprochenen Autostrasse Bern-Thun bereits zur Beute einer lebhaften Zeituhgsfehde geworden ist, womit jedenfalls der Verwirklichung gar nichts geholfen wurde. Wir selbst stehen auf dem Standpunkte, dass für unser Land vor allem gut ausgebaute und gut erhaltene Strassen notwendig sind, die in erster Linie für das Automobil, daneben aber auch für sämtliche Strassenbenützer offen stehen sollen. Dass jedoch der Gedanke reiner Automobilstrassen in allen Ländern und ganz besonders in führenden Automobilkreisen wach ist und vielleicht in Jahrzehnten doch zur Verwirklichung gelangen könnte, beweist wiederum die Anregung der englischen «Automobile Association >, welche auf der Generalversammlung der «Alliance Internationale de Tourisme» in Konstantinopel den Bau einer grossen transkontinentalen Automobilstrasse zur Sprache brachte). Demgemäss tragen die englischen Automobilisten den Plan in sich, so rasch wie möglich eine gute einheitliche Automobilstrasse durch Europa zu schaffen, die von Calais aus über Brüssel, i F S U I Eine transkontinentale Die blaue Wand Von Richard Washburn Child. Autorisierte Uebersetzuns aus dem Amerikanischen vem läse Landau. (Engelhorna Romanbibliothek.) (28. Fortsetzung) Ich war üerzeugt, dass er sich, wahrscheinlich, flach ausgestreckt, irgendwo im Grünen verbarg. An einem stillen Abend hätte eine Bewegung von ihm oder ein lauterer Atemzug mir seinen Platz verraten. Aber heute machte es der Wind und das Rascheln der welken Blätter nötig, dass ich die Augen allein zum Suchen gebrauchte. So zwängte ich mich durch die Sträucher wieder hindurch und stiess mit dem Fuss nach jedem dunkleren Schatten am Boden, indes ich mein Herz vor Erregung über die seltsame Jagd klopfen fühlte. Als ich wieder auf die Strasse kam, blickte ich zu meinem Hause hinüber, und da sah ich, wie ein Spalt in der Haustüre sich öffnete, um die dunkle Gestalt eines Mannes hinauszulassen, der die Strasse hinunterschritt. Er ging über den Damm, und als er sich dem Park zuwandte, begann ich ihm zu folgen. Sie wissen, was dann geschah; dieser zweite Mann waren Sie gewesen. Und nun frage ich Sie, Doktor — von Mann zu Mann: Sagen Sie mir, um Gottes willen, was Sie von der Sache wissen!» Autostrasse? Lüttich, Koblenz, Wiesbaden, Frankfurt, Würzburg, Nürnberg, Regensburg, Passau, Linz, Wien, Budapest, Belgrad, Sofia, Philippopel, Adrianopel nach Konstantinopel führen müsste. Als Vorbild zu dieser neugeplanten Route mag den Engländern vor allem die bestehende grosse Autostrasse von London nach Edinburg «Autostrasse AI» gedient haben, daneben wohl auch diejenige des amerikanischen Kontinents, die von San Franzisko nach New York als «Lincoln-Chaussee> Amerika durchquert. Die Ausgaben für die beiden Strassen wurden nicht etwa durch den Staat, sondern ausschliesslich aus Mitteln der einzelnen Länder, durch die sie laufen, erstellt und trotz der gewaltigen grossen Ausgaben müssen sie sich in so hohem Masse als wirtschaftlich erwiesen haben, dass die veraugabten Mittel sich für die betreffenden Länder bald tausendfach rentierten. Der neue Plan Englands zum Bau einer grossen transkontinentalen europäischen Aatostrasse beruht auf dem gleichen Prinzip. Es soll sich dabei nicht um einen Neubau, sondern um einen Ausbau der bereits bestehenden Strassen handeln. Es betrifft dies eine Strecke von rund 3000 km, wovon kaum ein Drittel sich in einem allen Anforderungen eines modernen Automobilverkehrs gerecht werdenden Zustande befinden soll. Die Aufgabe bestünde somit darin, die bereits bestehenden Wege auszubessern und stellenweise zu erweitern, die ganze Strecke mit staubfreiem Belag zu versehen, einige Tausende gefährlicher Stellen und Ueberfahrten zu beseitigen, daneben sämtliche Signale zu vereinheitlichen und die Passrevision so einfach als möglich bei Tag- und Nachtzeit zu gestalten. Daneben wäre wohl auch der Ausbau der an diesen Strassen gelegenen Hotels sowie Neuerstellung zweckdienlicher Haltestellen und Unterkunftsmöglichkeiten ins Auge zu fassen. Wie wir erfahren, hat dieser Gedanke auf dem betreffenden Kongresse begeisterte Aufnahme gefunden. An der Tagung waren die Vertreter aller grossen europäischen Automobilgesellschaften anwesend, die es übernommen haben, für das Projekt bei ihren heimatlichen Regierungen zu plädieren. Wenn wir bedenken, dass betreffend den Anforderungen des internationalen Automobilverkehrs noch verschiedenerorts sehr wenig geleistet wurde, dass besonders in den Balkanländern die Strassen noch in einem, fast Dritter Teil. Im Auto des Arztes. I. Ein Schatten auf dem Vorhang. Das war Jermyn Estabrooks Geschichte. In meiner Wiedergabe habe ich mich bemüht, nicht nur alle die Einzelheiten zu erwähnen, die der verzweifelte junge Mensch mir berichtete, sondern auch in der Schilderung möglichst seine objektive und kühle Art beizubehalten. Weshalb ich das tat? Nun, weil die Art des Erzählens bezeichnend ist für den Charakter des Mannes. Er gehörte jener phantasielosen, selbstsicheren und übertrieben ehrbaren Klasse unserer Gesellschaft an, die sich die oberste nennt. Teufel auch, diese Sorte von Menschen macht mich wild! Diese Herrschaften leben in einem Kreis für sich, halten sich für wunderwas Besonderes, und die übrige Welt lässt sie in diesem Glauben, weil sie gedankenlos und einfältig ist! Und Estabrook gehört nun einmal, trotz seiner vielen guten Eigenschaften, zu jener Gesellschaft. Nichts bewies das deutlicher als die Art, mit welcher er seine Scheu vor einem Skandal betonte, welchen Wert er seinem Ehrenwort beilegte, und wie ihm vor Selbstgefühl die Röte in sein hübsches, offenes Gesicht stieg, wenn er den Namen Estabrook erwähnte. Ja selbst, dass seine schöne Julianna vielleicht in Gefahr schwebte, Hess diesen Egoisten nicht die Rücksicht auf seine eigene Ingenieur Hohl, Vizedirektor der Sesa, Schweizerische Express A.-G.. referierte über dieses Thema anlässlich der" Jahresversammlung der schweizerischen Strassenfachmänner, in deren Pachzeitung der Vortrag publiziert wurde. Der Autor hat uns in liebenswürdiger > *•• Weise die Veröffentlichung seiner Ausführun- "gen ebenfalls ermöglicht. Unser kleines Land ist mit einem Eisenbahnnetz versehen, von dessen Dichte ohne Uebertreibung gesagt werden darf, dass sie ihren Sättigungspunkt erreicht hatte, lange bevor die Automobilkonkurrenz anfing, den Bahnen die Existenzberechtigung streitig zu machen. Man vernimmt denn auch im gegenwärtigen Zeitpunkt — zum mindesten was das Alpenvorland anbetrifft — eigentlich recht wenig von neuen Schweiz. Eisenbahnprojekten. Mit Ausnahme des Projektes der Hegaubahn, die jedoch in erster Linie internationalen Charakter haben wird und der schon aus diesem Grunde ein gewisses Mass von Berechtigung nicht abgesprochen werden darf, wird in unsern Tagen in der Oeffentlichkeit kein Normalbahnprojekt in engere Diskussion gezogen. Dagegen machen drei grössere Schmalspurbahnprojekte im Kanton Graubünden in letzter Zeit viel von sich reden: Die Bernhardinbahn, die Malojabahn und die Persönlichkeit vergessen. Wenn er sich nicht so tadellos und tapfer benommen hätte im Verlaufe unseres Abenteuers, das an jenem Abend begann, weiss Gott, ich würde jetzt nicht dasitzen und erklären, dass ich ihn liebgewonnen habe in jener Zeit. Estabrook hatte mich also gefragt, was ich über seine Angelegenheit wüsste; und ich erzählte ihm alles, was ich bereits niedergeschrieben habe. Von der kleinen Virginia, die das Vorhandensein irgendeiner Wesenheit jenseits der Schlafzimmerwand zu empfinden schien, von Mac Mechems Aufzeichnungen über den Fall, von dem hartnäckigen Kampf, den ich um des Kindes Leben kämpfte und von meiner Unterhaltung mit der alten Dienerin. Als ich geendet, sprang er auf, und die Hände auf dem Rücken, schritt er ein paarmal im Zimmer auf und ab. «Ja, sehen Sie denn nicht?» rief er aus. «Alles, was Sie mir da erzählt haben, fügt ja einfach Geheimnis zu Geheimnis, Vermutung zu Vermutung und Furcht zu Furcht. Und es fällt mir auf, dass, so sonderbar mein eignes Erlebnis auch war, Ihre Beobachtungen und die Ihres verstorbenen Kollegen noch viel phantastischer sind. Was hoffen Sie damit zu erreichen, dass Sie mir den unheimlichen, unnatürlichen Zustand der Dinge schildern ?» «Ich hoffe, Sie zu einem Eingreifen zubewegen», erklärte ich bestimmt. «Wir sind INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundielle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nrnnmen möchte man sagen kulturwidrigen Zustande sich befinden, so begreifen wir die grosszügige und unbedingt imponierende Idee der Engländer. Man spricht heute soviel von einem Pan-Europa, man liest soviel von internationalen gleichlaufenden Wirtschaftsinteressen ! Unverkennbar wäre in der Anlegung einer internationalen Strassenverkehrsader dazu der erste Schritt getan; denn grosse Ideen lassen sich nicht mit Papier, sondern eben nur durch die Tat verwirklichen. Was schon in Zeiten der Römer das grosse Reich zusammenhielt, das waren die Strassen, und so ist es wohl nicht zu weit gegriffen, wenn wir die Behauptung aufzustellen wagen, dass besser als alle Kongresse internationale Strassenztige die Völker wieder zusammenführen und sie heute aas ihrer wirtschaftlichen Sackgasse befreien könnten. Das gewaltige Pro>jekt bietet neue Perspektiven. Der Plan der Engländer geht aber noch weiter. Die Autostrasse Calais-Konstantinopel soll nur das Rückgrat eines grossen europäischen Strassensystems der Zukunft werden. Der transkontinentalen Hauptstrasse, die der englische Vorschlag die «AI=Strasse Europas» nennt, soll sich bald darauf eine zweite, von Paris über die Schweiz und Tirol nach Belgrad führende Strasse anschliessen. Eine dritte von Warschau kommend und in Budapest auf die Strasse «AI» stossend, soll die Verbindung mit dem Nordosten Europas herstellen. Eine vierte, von Berlin nach Wien führend, könnte die skandinavischen Länder mit den übrigen grossen Strecken verbinden. Es ist selbstverständlich, dass die Eisenbahnkreise von diesem grossen Projekte mit etwelchem «Befremden» Kenntnis nehmen werden. Allein, Ford hat schon gesagt, dass die Eisenbahn eine überlebte Industrie bedeute und wir glauben auch, dass die Zukunft der internationalen Strasse gehören wird. Aufgabe unserer Behörden wird es sein, das alte, für uns sich aber immer wieder neu stellende Problem nicht zu vernachlässigen und dafür zu sorgen, dass die Schweiz auch im Automobilverkehr die Drehscheibe Europas bleibt. D Autokurse ersetzen unwirtschaftliche Eisenbahnlinien Weiterführung der Linie der Rätischen Bahn von Schills nach Landeck. Es werden zweifellos in der Schweiz noch für manche Verkehrsrelationen Konzessionen für den Bau von Eisenbahnen erteilt worden sein, im gegenwärtigen Zeitpunkt werden jedoch, soviel in der Oeffentlichkeit davon bekannt ist, keine oder nur geringe Anstrengungen gemacht, diese Projekte zu verwirklichen. Eine Ausnahme bildet der Ausbau einiger städtischer Trambetriebe, welcher sich zufolge der Ausdehnung der betreffenden Städte als notwendig erweist. Im schweizerischen Eisenbahnnetz spielen neben den Normalbahnen die vielen, zum Teil sehr gut ausgebauten Schmalspurbahnen eine bedeutende Rolle. Bei einem nicht unbeträchtlichen Teil derselben benützt der Schienenstrang vorhandene Strassenzüge, d. h. diese Bahnen sind als Strassenbahnen ausgebaut. Bei der Beurteilung der uns beschäftigenden Frage ist diesem Umstand eine wesentliche Bedeutung zuzusprechen. Der mindestens vorläufige Ersatz projektierter Bahnen durch Automobilbetriebe ist in mehreren Gegenden unseres Landes verwirklicht. Es sei daran erinnert, dass auf den erwähnten Linien im Kanton doch vernünftige Männer. Für alle Geschehnisse gibt es natürlich irgendeine plausible Erklärung. Mit unserem beschränkten geistigen Rüstzeug vermögen wir sie vielleicht nicht immer sofort zu finden. Aber was wir vor allem ins Auge zu fassen haben, ist die eine wichtige Tatsache: für keinen von uns beiden besteht ein Zweifel darüber, dass Ihre Gattin sich in irgendeiner ernsten Gefahr befindet. Ich meinerseits möchte annehmen, dass wenn bei Ihnen keine Störung der geistigen Funktionen vorliegt, das vielleicht bei ihr der Fall ist! Unbedingt aber ist es Ihre Pflicht, Ihr Haus aufzusuchen. Erzwingen Sie sich nötigenfalls den Eintritt. Und zwar sobald wie möglich!» Estabrook ballte die Fäuste bei meinen Worten, aber dann schüttelte er eigensinnig den Kopf. «Und wenn das in der Oeffentlichkeit be-i kannt würde?» fragte er erregt. «Besser, als dass Sie die Gattin verlieren>, gab ich zurück, in der Ueberzeugung, dass ihm das einleuchten müsste. Er schrie auch leise auf vor Schreck, schüttelte dann wieder abwehrend den Kopf. «Es geht nicht», stöhnte er. «Ich habe ihr ein feierliches Versprechen gegeben!» Ich glaube, ich bin bekannt für unwirsch, oft auch sehr freimütig und manchmal sogar grob. In meiner Erregung leistete ich mir die drei Eigenschaften zugleich. Aber ohne Erfolg. Estabrook wollte sich absolut nicht